Das Wichtigste in Kürze
- Geräumt wird im Konvoi: Eine Piste ist zu breit für ein einzelnes Fahrzeug. Mehrere Räumfahrzeuge fahren schräg versetzt hintereinander und schieben den Schnee Bahn für Bahn zur Seite.
- Kein Streusalz auf der Piste: Chloride greifen Metall und Flugzeugbauteile an. Auf Flugbetriebsflächen kommen deshalb Enteisungsmittel auf Acetat- oder Formiat-Basis zum Einsatz.
- Ein Code von 0 bis 6 beschreibt die Piste: Seit dem 4. November 2021 melden Flughäfen weltweit den Zustand ihrer Pisten im Global Reporting Format – getrennt für jedes Drittel der Bahn.
- 6 ist trocken, 0 ist kritisch: Dazwischen liegen Stufen für Nässe, Schneematsch, verdichteten Schnee und Eis. Je kleiner die Zahl, desto schlechter die Bremswirkung.
- Räumphasen sind Spotting-Pausen – mit Motiv: Während eine Bahn geräumt wird, ruht dort der Verkehr. Dafür bekommst du Räumkolonnen, Schneefontänen und Enteisungsbetrieb vor die Linse.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Winterdienst am Flughafen: die kurze Antwort
- 2.Was alles geräumt werden muss
- 3.Die Räumfahrzeuge: was du am Zaun siehst
- 4.So läuft eine Pistenräumung ab
- 5.Enteisungsmittel statt Streusalz
- 6.Bremswerte: vom Reibwert zum Pistenzustandscode
- 7.Flughäfen mit Wintererfahrung
- 8.Was der Winterdienst für deinen Spotting-Tag bedeutet
- 9.Worauf du achten solltest
- 10.Häufige Missverständnisse
- 11.Fazit
Über Nacht sind zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen, der erste Langstreckenjet ist für kurz nach sechs angekündigt – und trotzdem landet er pünktlich. Dahinter steckt eine der aufwendigsten Routinen im Flughafenbetrieb: der Winterdienst am Flughafen. Er räumt Pisten, Rollwege und Vorfeld, hält sie eisfrei und bewertet am Ende, wie gut ein Flugzeug auf der Bahn bremsen kann. Dieser Guide erklärt dir, wie die Räumung abläuft, welche Fahrzeuge du dabei siehst, was hinter dem Pistenzustandscode von 0 bis 6 steckt und wie du einen Wintertag am Zaun sinnvoll planst.
Wetter, Wind und Pisten im Blick
Planetrack zeigt dir für deinen Flughafen Wetter, Wind und die aktiven Pisten – so siehst du, ob sich der Weg zum Spot an einem Wintertag lohnt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Winterdienst am Flughafen: die kurze Antwort
Der Winterdienst hat drei Aufgaben: Schnee entfernen, Glätte verhindern und den Zustand der Flächen bewerten. Geräumt wird mit Kolonnen aus Pflügen, Kehrblasgeräten und Schneefräsen, gegen Eis helfen flughafentaugliche Enteisungsmittel. Danach beurteilt das Personal die Piste und vergibt für jedes Drittel einen Pistenzustandscode (RWYCC) von 0 bis 6. Diesen Bericht erhalten die Cockpitbesatzungen und berechnen damit, ob und wie sie starten oder landen können.
Wichtig ist der Unterschied zur Straße: Auf einer Autobahn reicht es, wenn die Fahrbahn befahrbar ist. Auf einer Piste muss ein Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit aufsetzen und auf einer berechneten Strecke zum Stehen kommen. Jeder Schneerest, jede Eisplatte verändert diese Rechnung. Deshalb ist der Winterdienst am Flughafen kein Nebenjob, sondern Teil der Flugsicherheit.
Was alles geräumt werden muss
Wer an Winterdienst denkt, denkt an die Piste. Tatsächlich ist sie nur ein Teil der Arbeit. Ein Flughafen muss mehrere Flächenarten gleichzeitig freihalten, und sie haben unterschiedliche Prioritäten:
- Start- und Landebahnen: Höchste Priorität, weil hier die höchsten Geschwindigkeiten gefahren werden. Neben der Bahn selbst gehören auch die Randbereiche dazu, damit Triebwerke keine Schneebrocken ansaugen und die Befeuerung sichtbar bleibt.
- Rollwege: Sie verbinden Piste und Vorfeld. Ohne geräumte Rollwege hilft die beste Piste nichts. Wie die Wege benannt und beschildert sind, erklärt der Artikel Rollwege, Haltepunkte und Schilder.
- Vorfeld und Abstellpositionen: Hier stehen Flugzeuge, Schlepper, Tankwagen und Busse dicht beieinander. Geräumt wird oft in Abstimmung mit der Abfertigung, weil die Positionen selten lange frei sind. Mehr dazu steht im Guide zu Gates und Außenpositionen.
- Befeuerung und Schilder: Unterflurfeuer in der Pistenmitte und Randfeuer müssen frei bleiben, sonst fehlen bei schlechter Sicht die Orientierungspunkte. Welche Lichter es gibt, zeigt der Artikel zur Pisten- und Rollwegbefeuerung.
- Betriebswege und Zufahrten: Auch Feuerwehr und Rettungsdienst müssen jederzeit überall hinkommen. Die Anforderungen an die Flughafenfeuerwehr gelten im Winter genauso.
Flughäfen mit mehreren Pisten haben einen Vorteil: Sie können eine Bahn räumen, während auf der anderen weiter geflogen wird. An Flughäfen mit nur einer Piste bedeutet jede Räumung eine echte Betriebsunterbrechung. Was gesperrte Bahnen für Spotter bedeuten, beschreibt der Artikel zu Pistensperrungen und Bauarbeiten.
Die Räumfahrzeuge: was du am Zaun siehst
Wenn eine Räumkolonne auf die Piste rollt, siehst du schnell, dass hier keine gewöhnlichen Straßenfahrzeuge unterwegs sind. Die Geräte sind breiter, schwerer und für hohe Arbeitsgeschwindigkeiten gebaut.
| Fahrzeugtyp | Aufgabe | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Schneepflug | schiebt Schnee in einem Zug zur Seite | sehr breites, schräg gestelltes Räumschild vorne |
| Kehrblasgerät | kehrt mit einer Walze und bläst Restschnee mit starkem Luftstrom weg | Pflug vorne, quer liegende Kehrwalze unter dem Fahrzeug, Gebläse dahinter; zieht oft eine Schneewolke hinter sich her |
| Schneefräse | nimmt Schneewälle auf und wirft sie weit seitlich ins Gelände | rotierende Fräswalze vorn und Auswurfkamin mit hoher Schneefontäne |
| Streufahrzeug | bringt flüssige oder körnige Enteisungsmittel aus | Tank oder Behälter, Sprühbalken oder Streuteller am Heck |
| Messfahrzeug | prüft Pistenzustand und Reibung | meist ein kleineres Fahrzeug, teils mit Messrad oder Messanhänger |
Die Kehrblasgeräte sind die eigentlichen Stars des Flughafen-Winterdienstes. Sie vereinen Pflug, Kehrwalze und Gebläse in einem Fahrzeug und hinterlassen eine sehr saubere Oberfläche. Die Kombination ist wichtig, weil schon dünne Schneereste bei Frost festfrieren können.
Eine einzelne Maschine schafft die Breite einer Piste nicht. Schneepflüge für Flughäfen sind mit Verbreiterungen deutlich breiter als Straßenpflüge, trotzdem braucht es mehrere Fahrzeuge, um eine Bahn von über 40 Metern Breite zu räumen. Deshalb arbeiten sie als Staffel: schräg versetzt hintereinander, jedes Fahrzeug übernimmt den Schnee des vorderen und schiebt ihn ein Stück weiter Richtung Rand.
Motiv-Tipp: die Räumstaffel
Eine Räumkolonne, die in Formation über die Piste fährt, ist eines der eindrucksvollsten Wintermotive am Flughafen. Mit langer Brennweite und leicht erhöhtem Standpunkt bekommst du die gestaffelte Formation ins Bild. Die Schneefontänen der Fräsen wirken im Gegenlicht oft am stärksten.
So läuft eine Pistenräumung ab
Hinter der Räumung steht eine genaue Abstimmung zwischen Flughafenbetreiber, Flugsicherung und Airlines. Der Ablauf folgt an den meisten Flughäfen einem ähnlichen Muster.
1. Wetterlage beobachten
Der Winterdienst verfolgt Vorhersagen, Temperaturen und Bodensensoren in der Piste. Bei angekündigtem Schneefall oder Glättegefahr gehen Mannschaften und Fahrzeuge in Bereitschaft.
2. Vorbeugend behandeln
Droht Eisbildung, bringen Streufahrzeuge oft schon vorher Enteisungsmittel aus. Das verhindert, dass sich Schnee oder Reif am Belag festsetzt.
3. Bahn sperren
Die Flugsicherung nimmt die Piste aus dem Betrieb. Bei mehreren Bahnen läuft der Verkehr auf der anderen weiter, bei einer einzigen Bahn ruht der Flugbetrieb für diese Zeit.
4. Räumen in der Staffel
Pflüge und Kehrblasgeräte fahren in Formation über die Bahn. Fräsen werfen die Randwälle weit nach außen, damit Tragflächen und Triebwerke frei bleiben.
5. Behandeln und bewerten
Wo nötig, wird nachgestreut. Danach beurteilt geschultes Personal den Zustand jedes Pistendrittels und erstellt den Runway Condition Report.
6. Freigabe und Meldung
Die Piste geht wieder in Betrieb, der Bericht wird über die üblichen Kanäle an die Crews weitergegeben. Hält der Schneefall an, beginnt der Kreislauf von vorn.
Bei starkem, anhaltendem Schneefall wechseln sich die Bahnen an großen Flughäfen manchmal ab: Während eine geräumt wird, fliegt man auf der anderen. Für dich am Zaun heißt das, dass sich die aktive Bahn mehrfach am Tag ändern kann – ähnlich wie bei einem Wechsel der Betriebsrichtung, nur aus einem anderen Grund.
Enteisungsmittel statt Streusalz
Auf der Straße ist Streusalz das Mittel der Wahl. Am Flughafen ist es tabu, zumindest auf den Flugbetriebsflächen. Chloride wie Natrium-, Calcium- oder Magnesiumchlorid sind stark korrosiv und würden Fahrwerke, Bremsen und Strukturbauteile angreifen.
Stattdessen setzen Flughäfen auf Mittel wie Kaliumacetat oder Formiate. Sie sind deutlich weniger korrosiv und belasten Böden weniger als Chloride. Ausgebracht werden sie flüssig, als Granulat oder in Kombination. Flüssige Mittel wirken schnell und eignen sich gut zur Vorbeugung, Granulat dringt besser durch eine vorhandene Schnee- oder Eisschicht.
Nicht verwechseln solltest du die Flächenenteisung mit der Enteisung der Flugzeuge selbst. Für die Maschinen gibt es eigene Flüssigkeiten und Abläufe auf speziellen Enteisungsflächen. Wie das funktioniert und welche Farben die Flüssigkeiten haben, erklärt der Artikel zur Enteisung von Flugzeugen.
Bremswerte: vom Reibwert zum Pistenzustandscode
Für die Crews zählt am Ende eine Frage: Wie gut bremst das Flugzeug auf dieser Piste? Um sie zu beantworten, gab es lange Zeit sehr unterschiedliche Verfahren. Das hat sich geändert.
Das alte System: gemessene Reibwerte
Viele europäische Flughäfen meldeten früher einen gemessenen Reibungskoeffizienten. Ein Messfahrzeug fuhr über die Piste und bestimmte die Griffigkeit für jedes Drittel. Die Werte wurden in Stufen übersetzt:
| Reibwert (alt) | Bremswirkung |
|---|---|
| 0,40 und mehr | gut |
| 0,36 bis 0,39 | mittel bis gut |
| 0,30 bis 0,35 | mittel |
| 0,26 bis 0,29 | mittel bis schlecht |
| 0,25 und weniger | schlecht |
Das Verfahren hatte Schwächen. Messgeräte verschiedener Hersteller lieferten auf derselben Oberfläche unterschiedliche Werte. Das Messrad ist kein Flugzeugreifen, es ist leichter und fährt langsamer als ein landendes Flugzeug. Und eine Messung zeigt nur den Zustand in diesem Moment – setzt danach erneut Schneefall ein, ist der Wert schnell überholt.
Das neue System: Global Reporting Format
Seit dem 4. November 2021 gilt weltweit das Global Reporting Format (GRF) der ICAO. Ursprünglich war der Start ein Jahr früher vorgesehen, wegen der Corona-Pandemie wurde er verschoben. Kern des GRF ist eine einheitliche Bewertung: Geschultes Personal beurteilt jede Piste in drei Abschnitten und vergibt für jedes Drittel einen Runway Condition Code (RWYCC) von 0 bis 6. Grundlage ist eine weltweit abgestimmte Bewertungsmatrix, die Runway Condition Assessment Matrix (RCAM).
Die Codes richten sich vor allem nach Art und Tiefe der Verunreinigung, dazu kommt die Temperatur. Grob lässt sich die Skala so lesen:
| Code | Typische Oberfläche | Bremswirkung |
|---|---|---|
| 6 | trocken | – |
| 5 | nass oder mit sehr dünner Schicht aus Reif, Schnee oder Matsch | gut |
| 4 | verdichteter Schnee bei sehr tiefen Temperaturen | gut bis mittel |
| 3 | glatte nasse Piste, verdichteter Schnee, tieferer Schnee | mittel |
| 2 | stehendes Wasser oder Schneematsch in nennenswerter Tiefe | mittel bis schlecht |
| 1 | Eis | schlecht |
| 0 | nasses Eis, Wasser auf verdichtetem Schnee, Schnee auf Eis | weniger als schlecht |
Die Tabelle fasst die Matrix vereinfacht zusammen. In der Praxis kann das Personal einen Code anhand weiterer Beobachtungen, etwa Pilotenmeldungen zur Bremswirkung, anpassen. Zusammen mit Art, Tiefe und Bedeckung der Verunreinigung ergeben die drei Codes den Runway Condition Report (RCR).
So liest du einen Code wie 5/5/3
Drei Zahlen hintereinander stehen für die drei Pistendrittel. Im SNOWTAM werden sie von der Schwelle mit der niedrigeren Pistennummer aus gezählt, egal in welche Richtung gerade gelandet wird. 5/5/3 heißt: Die ersten beiden Drittel sind gut, im letzten Drittel ist die Bremswirkung nur mittel – zum Beispiel, weil dort noch nicht fertig geräumt wurde.
Wie der Bericht ins Cockpit kommt
Der Runway Condition Report erreicht die Crews auf mehreren Wegen: über das SNOWTAM, eine spezielle NOTAM-Meldung für Schnee, Eis, Matsch und Wasser auf den Flugbetriebsflächen, über die automatische Ansage ATIS und bei Bedarf direkt per Funk. Wie solche Meldungen aufgebaut sind, zeigen die Guides NOTAMs lesen und ATIS erklärt. Die Piloten gleichen die Codes mit den Leistungsdaten ihres Flugzeugs ab und berechnen daraus, ob die verfügbare Bahnlänge reicht. Auch Wetterberichte wie METAR enthalten Hinweise auf Schneefall und Sicht – wie du sie entschlüsselst, steht im Guide METAR und TAF lesen.
Für schwere Langstreckenjets kann ein niedriger Code bedeuten, dass sie nur mit reduzierter Zuladung starten oder auf eine längere Bahn ausweichen. Bei Seitenwind wird es zusätzlich enger, weil eine glatte Piste weniger seitliche Führung bietet. Warum das so ist, erklärt der Artikel zur Seitenwindlandung.
Seltener Gast im Schneetreiben?
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Flugzeugtyp oder eine Special Livery deinen Flughafen anfliegt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flughäfen mit Wintererfahrung
Wie gut ein Flughafen mit Schnee umgeht, hängt stark von seiner Erfahrung ab. Flughäfen im Norden Europas wie Helsinki, Oslo oder Stockholm-Arlanda haben lange Winter und entsprechend große Räumflotten und eingespielte Abläufe. Schnee ist dort Normalbetrieb, kein Ausnahmezustand. Dasselbe gilt für Flughäfen wie Rovaniemi in Lappland oder Anchorage in Alaska.
Im Alpenraum und in Süddeutschland gehören Schneetage ebenfalls zum Winter, etwa am Flughafen München oder am Flughafen Zürich. Schwieriger wird es oft dort, wo Schnee selten fällt: Ein Flughafen, der nur alle paar Jahre richtig eingeschneit wird, hält in der Regel weniger Gerät vor. Kommt der Schnee dann doch, sind Verspätungen und Annullierungen wahrscheinlicher.
Unabhängig vom Standort gilt: Nicht die Piste allein entscheidet, ob der Betrieb läuft. Auch die Enteisung der Flugzeuge, geräumte Vorfeldpositionen und das Personal am Boden müssen mitspielen. Oft ist die Flugzeugenteisung der eigentliche Engpass, nicht die Bahn.
Was der Winterdienst für deinen Spotting-Tag bedeutet
Für Spotter ist ein Schneetag Chance und Herausforderung zugleich. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Das spricht für einen Schneetag
- Räumkolonnen, Schneefräsen und Streufahrzeuge als seltene Motive
- Flugzeuge mit Schneefahnen und Gischt beim Start und bei der Landung
- Enteisungsbetrieb mit farbigen Flüssigkeiten auf den Enteisungsflächen
- Umleitungen bringen manchmal ungewohnte Gäste an deinen Flughafen
Das solltest du einplanen
- Pausen im Verkehr, während eine Bahn geräumt wird
- wechselnde aktive Pisten und damit wechselnde Spots
- schlechte Sicht bei Schneefall und tiefe Wolken
- ungeräumte Wege, Parkplätze und Spotterhügel
Ob dein Spot an einem Schneetag funktioniert, hängt vor allem von der Betriebsrichtung und von der Frage ab, welche Bahn gerade frei ist. Ein erhöhter Standpunkt wie der Besucherhügel München oder eine Terrasse wie die Zuschauerterrasse B in Zürich bietet den Vorteil, dass du einen größeren Teil des Flughafens überblickst und Räumkolonnen besser verfolgen kannst. Wie du dich und deine Kamera gegen Kälte wappnest, steht im Guide Planespotting im Winter. Allgemeine Tipps für trübe Tage findest du unter Planespotting bei schlechtem Wetter.
Worauf du achten solltest
- Wettervorhersage und METAR lesen. Schneefall, Temperatur und Wind entscheiden, ob und wann geräumt wird. Kartendienste helfen bei der Einschätzung – Tipps dazu stehen im Artikel über Windy und andere Wetterkarten.
- Mit Pistenwechseln rechnen. Wird eine Bahn geräumt, kann der Verkehr kurzfristig auf eine andere wechseln. Plane einen Ausweichspot ein.
- Abstand zu Räumfahrzeugen halten. Auch außerhalb des Zauns sind Winterdienstfahrzeuge auf Betriebs- und Zufahrtsstraßen unterwegs. Parke nicht auf Räumwegen oder vor Toren.
- Auf der richtigen Seite des Zauns bleiben. Schneewälle können Zäune niedriger wirken lassen. Das Betreten des Geländes bleibt trotzdem verboten und kann teuer werden, wie der Artikel zum Eindringen aufs Flughafengelände zeigt.
- Kälte ernst nehmen. Stundenlanges Warten in Schnee und Wind kühlt schnell aus. Ersatzakkus warm halten, Pausen im Auto oder Terminal einplanen.
- Glatte Wege einkalkulieren. Spotterhügel und Feldwege werden oft gar nicht geräumt. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist Pflicht.
Bist du bereit für den Schneetag am Zaun?
- Ich habe Wettervorhersage und aktuelles METAR geprüft.
- Ich weiß, welche Bahnen der Flughafen hat und welche aktiv sein könnte.
- Ich habe einen Ausweichspot für einen Pistenwechsel im Kopf.
- Ich weiß, ob mein Spot und der Weg dorthin bei Schnee erreichbar sind.
- Ich habe warme Kleidung, Ersatzakkus und festes Schuhwerk dabei.
- Ich parke nicht auf Räumwegen und bleibe außerhalb des Zauns.
Häufige Missverständnisse
„Bei Schnee ist der Flughafen dicht.“ In den meisten Fällen nicht. Große Flughäfen räumen auch bei anhaltendem Schneefall laufend und halten den Betrieb mit reduzierter Kapazität aufrecht. Verspätungen entstehen häufiger durch Flugzeugenteisung und Abläufe am Boden als durch die Piste selbst.
„Eine geräumte Piste ist eine trockene Piste.“ Auch nach der Räumung können Reste, Nässe oder Eis zurückbleiben. Genau deshalb gibt es den Pistenzustandscode. Ein Code von 5 bedeutet gute Bremswirkung, aber eben keine trockene Bahn.
„Bremswerte sind eine reine Messgröße.“ Im alten System standen Reibwerte im Vordergrund. Im GRF basiert der Code auf einer standardisierten Bewertung der Oberfläche. Messungen und Pilotenmeldungen fließen als zusätzliche Informationen ein.
„Räumen geht schnell.“ Eine Räumkolonne fährt zwar zügig, aber Sperrung, Räumung, Nachbehandlung und Bewertung brauchen Zeit. Bei starkem Schneefall muss eine gerade fertige Bahn oft schon nach kurzer Zeit wieder geräumt werden.
Deine Wintersichtungen im Hangar
Poste deine Fotos aus dem Schneetreiben mit Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Spot und sammle sie in deinem Hangar. Die Spot-Karte zeigt dir Anreise, bestes Licht und Community-Fotos für jeden Spotterpunkt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Der Winterdienst am Flughafen ist ein eingespieltes System aus Räumkolonnen, flughafentauglichen Enteisungsmitteln und einer standardisierten Zustandsbewertung. Seit 2021 beschreibt ein weltweit einheitlicher Code von 0 bis 6 für jedes Pistendrittel, wie gut ein Flugzeug bremsen kann. Für dich als Spotter heißt das: Räumphasen bedeuten Pausen und Pistenwechsel, bieten aber auch Motive, die du im Sommer nie bekommst. Wer Wetter, Betriebsrichtung und Erreichbarkeit seines Spots vorab prüft, macht aus einem Schneetag einen besonderen Spotting-Tag.
Kurzfazit
Geräumt wird im Konvoi, enteist wird ohne Salz, bewertet wird mit dem Pistenzustandscode von 6 (trocken) bis 0 (extrem glatt) – getrennt für jedes Drittel der Bahn. Plane an Schneetagen mit Pistenwechseln und Pausen und nutze die Räumphasen für Motive, die es nur im Winter gibt.
Zusammenfassung
- Der Winterdienst am Flughafen räumt Pisten, Rollwege und Vorfeld, bekämpft Glätte mit flughafentauglichen Mitteln und bewertet anschließend den Pistenzustand.
- Für die Räumung kommen Kehrblasgeräte, Schneepflüge, Schneefräsen und Streufahrzeuge zum Einsatz, die als Kolonne über die Bahn fahren.
- Das Ergebnis meldet der Flughafen als Runway Condition Report mit einem Pistenzustandscode je Bahndrittel. Die Crews erhalten ihn über SNOWTAM, ATIS oder Funk.
- Für Spotter bedeutet Winterdienst: Pistenwechsel, Pausen im Verkehr und besondere Motive – und auf dem Weg zum Spot selbst Glätte und Kälte.
Häufige Fragen
Wie wird eine Piste vom Schnee geräumt?
Mehrere Räumfahrzeuge fahren als Kolonne schräg versetzt über die Bahn. Vorne schieben Pflüge den Schnee zur Seite, dahinter kehren und blasen Kehrblasgeräte die Reste von der Oberfläche. Schneefräsen werfen die Schneewälle am Rand weit ins Gelände, damit sie Pistenbefeuerung und Tragflächen nicht im Weg sind. Bei Glättegefahr bringen Streufahrzeuge zusätzlich flüssiges oder festes Enteisungsmittel aus.
Was bedeutet der Pistenzustandscode RWYCC?
Der Runway Condition Code beschreibt die zu erwartende Bremswirkung auf einer Skala von 0 bis 6. Eine 6 steht für eine trockene Piste, eine 0 für extrem glatte Bedingungen, etwa nasses Eis. Der Flughafen vergibt den Code getrennt für jedes Drittel der Piste und meldet ihn zusammen mit Art, Tiefe und Bedeckung der Verunreinigung.
Seit wann gilt das Global Reporting Format?
Das Global Reporting Format (GRF) der ICAO ist seit dem 4. November 2021 weltweit anzuwenden. Ursprünglich war der Start ein Jahr früher vorgesehen, wegen der Corona-Pandemie wurde er verschoben.
Warum wird auf Pisten kein Streusalz verwendet?
Chloridhaltige Salze sind stark korrosiv und würden Fahrwerke, Bremsen und Strukturteile der Flugzeuge angreifen. Flughäfen setzen deshalb Mittel auf Basis von Kaliumacetat oder Formiaten ein, die deutlich weniger korrosiv sind.
Was ist ein SNOWTAM?
Ein SNOWTAM ist eine spezielle Form der NOTAM-Meldung, die über Schnee, Eis, Schneematsch oder stehendes Wasser auf Pisten, Rollwegen und Vorfeld informiert. Im Global Reporting Format transportiert es unter anderem den Runway Condition Report mit den Pistenzustandscodes.
Wie wurde die Bremswirkung früher gemeldet?
Vor dem GRF meldeten viele europäische Flughäfen gemessene Reibwerte. Ein Wert ab 0,40 galt als gute Bremswirkung, 0,25 und weniger als schlechte. Das Problem: Messgeräte verschiedener Hersteller lieferten auf derselben Oberfläche unterschiedliche Werte, und das Messrad verhält sich anders als ein Flugzeugreifen.
Lohnt sich Planespotting bei Schnee?
Ja, wenn du die Abläufe kennst. Räumphasen unterbrechen den Verkehr auf einer Bahn, dafür siehst du Räumkolonnen, Enteisungsbetrieb und Flugzeuge mit Schneefahnen. Prüfe vorher Wetter, Betriebsrichtung und die Erreichbarkeit deines Spots, denn Zufahrten und Wege sind oft nicht geräumt.
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