Das Wichtigste in Kürze
- Turbulenz ist unruhige Luft, kein Loch: Das Flugzeug fällt nicht in ein Vakuum, sondern wird von Auf- und Abwinden, Scherungen und Wirbeln kurz versetzt.
- Vier Hauptquellen: Gewitter und Quellwolken (konvektiv), Windscherung am Jetstream (Clear Air Turbulence), Leewellen hinter Gebirgen und Wirbelschleppen anderer Flugzeuge.
- Clear Air Turbulence ist unsichtbar: Sie entsteht in wolkenfreier Luft und taucht auf dem Wetterradar nicht auf, weil das Radar Niederschlag erkennt, keine Luftbewegung.
- Die Struktur hat große Reserven: Große Verkehrsflugzeuge müssen nach den Bauvorschriften mindestens das 2,5-fache ihres Gewichts als Grenzlast tragen – und darauf kommt noch ein Sicherheitsfaktor von 1,5.
- Das Risiko liegt in der Kabine: In der US-Statistik 2009 bis 2018 führte keine Turbulenz zu einem schweren Strukturschaden, aber jeder dieser Unfälle zu mindestens einer schweren Verletzung – meist bei Flugbegleitern.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Turbulenzen: die kurze Antwort
- 2.Die vier Quellen unruhiger Luft
- 3.Wie stark ist „stark“? Die Intensitätsstufen
- 4.Warum Flugzeuge das aushalten
- 5.Was die Statistik wirklich zeigt
- 6.Wie Crews Turbulenz vermeiden
- 7.Werden Turbulenzen häufiger?
- 8.Was du als Passagier tun kannst
- 9.Turbulenz aus Spotter-Sicht
- 10.Fazit
Der Kaffee schwappt, die Flügelspitze wippt, und irgendwo drei Reihen weiter vorn zieht jemand hörbar die Luft ein. Wer als Spotter regelmäßig selbst fliegt – zum nächsten Flughafen-Trip, zur Airshow oder einfach in den Urlaub –, kennt diese Momente. Turbulenzen gehören zum Fliegen wie Seitenwind zur Landung, und trotzdem sind sie für viele Passagiere der unheimlichste Teil der Reise. Dieser Guide erklärt dir, woher die unruhige Luft kommt, warum ausgerechnet die unsichtbare Clear Air Turbulence so tückisch ist, welche Lasten ein Verkehrsflugzeug laut Zulassung aushalten muss und was die Unfallstatistik über das tatsächliche Risiko sagt.
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Turbulenzen: die kurze Antwort
Turbulenz ist ungleichmäßig bewegte Luft. Das Flugzeug fliegt durch Bereiche, in denen Auf- und Abwinde, plötzliche Änderungen von Windrichtung und -geschwindigkeit oder Luftwirbel herrschen. Jede dieser Änderungen verschiebt kurz den Anströmwinkel an der Tragfläche, der Auftrieb schwankt, und das Flugzeug wird ein Stück angehoben, abgesenkt oder seitlich versetzt. Das sogenannte „Luftloch“ gibt es physikalisch nicht: Die Luft trägt das Flugzeug weiter, sie bewegt sich nur nicht gleichmäßig.
Für die Sicherheit des Flugzeugs selbst ist Turbulenz im Linienbetrieb sehr selten ein Problem. Für Menschen in der Kabine kann sie es sein – und zwar fast ausschließlich dann, wenn sie nicht angeschnallt sind.
Die vier Quellen unruhiger Luft
Meteorologen und Piloten unterscheiden Turbulenzen nach ihrer Ursache. Das ist mehr als Theorie: Die Ursache entscheidet, ob man die Turbulenz sehen, vorhersagen oder umfliegen kann.
Konvektive Turbulenz: Gewitter und Quellwolken
Wenn die Sonne den Boden erwärmt, steigt warme Luft in Blasen auf, kühlt ab und bildet Quellwolken. Innerhalb und in der Umgebung solcher Wolken wechseln Auf- und Abwinde auf engem Raum – im Extremfall in Gewitterwolken mit enormer Kraft. Diese Turbulenz ist meist sichtbar und auf dem Wetterradar an Bord erkennbar, weil Gewitterzellen Niederschlag enthalten. Crews umfliegen solche Zellen mit großem Abstand. In der Analyse der US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB war konvektive Turbulenz bei 57,7 Prozent der turbulenzbedingten Unfälle im US-Linienverkehr zwischen 2009 und 2018 im Spiel – sie ist also die häufigste Ursache, nicht die berüchtigte Klarluftturbulenz.
Clear Air Turbulence: unsichtbar am Jetstream
Clear Air Turbulence (CAT) entsteht in wolkenfreier Luft, typischerweise in den Höhen, in denen Verkehrsflugzeuge reisen. Der wichtigste Auslöser ist Windscherung: Wo der Jetstream – ein schmales Starkwindband in großer Höhe – an langsamere Luft grenzt, strömen Schichten mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit aneinander vorbei. An dieser Grenze rollen sich Wirbel auf, ähnlich wie Wellen auf einem Meer, über das starker Wind streicht. Weitere Auslöser sind kräftige Temperaturgegensätze, ausgeprägte Höhentröge und Gebirgswellen, die bis in große Höhen reichen.
Das Tückische: CAT ist weder mit bloßem Auge noch mit dem Bord-Wetterradar zu erkennen, denn das Radar „sieht“ Regentropfen und Hagel, keine Luftbewegung. Bei der NTSB war Klarluftturbulenz an 28,8 Prozent der untersuchten Unfälle beteiligt. Warum Flugzeuge überhaupt in diesen Höhen unterwegs sind, erklärt der Artikel Warum Flugzeuge in rund 10.000 Metern fliegen.
Gebirgswellen und mechanische Turbulenz
Strömt kräftiger Wind über einen Gebirgszug, wird die Luft auf der Leeseite in Schwingung versetzt. Diese Leewellen können sich weit stromabwärts und bis in große Höhen fortsetzen und dort heftige Turbulenz erzeugen. Zu den bekannt unruhigen Strecken zählen Überquerungen der Anden und des Himalaya. Nah am Boden sorgen Hallen, Wälder und Hügel bei starkem Wind für mechanische Turbulenz – genau die böigen, wackligen Anflüge, die du an stürmischen Tagen am Zaun siehst. Wie Crews damit umgehen, beschreiben die Guides zur Seitenwindlandung und zum Durchstarten.
Wirbelschleppen anderer Flugzeuge
Jedes Flugzeug erzeugt an den Flügelspitzen zwei gegenläufig rotierende Luftwirbel, die hinter ihm absinken. Je schwerer und langsamer das Flugzeug, desto stärker diese Wirbelschleppen. Ein nachfolgendes Flugzeug, das in einen solchen Wirbel gerät, kann kräftig ins Rollen kommen. Deshalb gibt es Mindestabstände zwischen startenden und landenden Flugzeugen, die nach Gewichtsklassen gestaffelt sind – Details im Artikel Wirbelschleppen und Staffelung. Als Spotter kannst du die Wirbel manchmal sogar sehen: An feuchten Tagen zeichnen sie sich als Kondensationsfahnen ab, wie im Guide Wirbel und Kondensation fotografieren beschrieben.
| Turbulenzart | Typischer Ort | Sichtbar? | Wie Crews damit umgehen |
|---|---|---|---|
| Konvektiv | in und um Quell- und Gewitterwolken | ja, Gewitter auch auf dem Wetterradar | Zellen großräumig umfliegen |
| Clear Air Turbulence | Reiseflughöhe, Rand des Jetstreams | nein | Vorhersagekarten, Meldungen anderer Crews, Höhenwechsel |
| Gebirgswellen | Lee von Gebirgen, teils bis in große Höhe | nur indirekt, z. B. über Wellenwolken | Routen- und Höhenwahl, Turbulenzgeschwindigkeit |
| Wirbelschleppen | hinter anderen Flugzeugen, v. a. bei Start und Landung | nur bei Kondensation | Staffelungsabstände nach Gewichtsklasse |
Wie stark ist „stark“? Die Intensitätsstufen
In Pilotenmeldungen wird Turbulenz in Stufen eingeteilt: leicht, mäßig, schwer und extrem. Leichte Turbulenz spürst du als kurzes Ruckeln, Getränke bleiben im Becher. Bei mäßiger Turbulenz werden die Bewegungen deutlicher, Gehen im Gang wird schwierig, und lose Gegenstände können verrutschen. Schwere Turbulenz bedeutet abrupte, große Änderungen von Höhe und Fluglage – Passagiere werden kräftig in die Gurte gedrückt, nicht gesicherte Gegenstände fliegen durch die Kabine. Extreme Turbulenz ist im Linienverkehr sehr selten.
Wichtig für die Einordnung: Was sich in der Kabine wie ein Sturz über Dutzende Meter anfühlt, ist meist ein Höhenverlust von wenigen Metern. Das Gehirn überschätzt vertikale Bewegungen deutlich, vor allem wenn man nicht aus dem Fenster schaut.
Fensterblick hilft
Wer bei Turbulenzen nach draußen auf den Horizont oder die Tragfläche schaut, gleicht die Signale aus dem Gleichgewichtsorgan mit dem Blick ab – das macht das Ruckeln für viele weniger unangenehm. Welcher Platz dafür am besten ist, erklärt der Guide Den besten Fensterplatz wählen.
Warum Flugzeuge das aushalten
Verkehrsflugzeuge werden für Lasten zugelassen, die weit über dem liegen, was im normalen Betrieb vorkommt. Die US-Bauvorschrift für große Verkehrsflugzeuge (14 CFR Part 25, die europäische CS-25 ist sehr ähnlich aufgebaut) verlangt für Manöver ein positives Grenzlastvielfaches von mindestens 2,5: Die Struktur muss das 2,5-fache des Flugzeuggewichts ohne bleibende Verformung tragen. In negativer Richtung sind es bis zur Reisegeschwindigkeit mindestens minus 1,0. Dazu kommen eigene Lastfälle für Böen, also genau für die Belastung durch Turbulenz.
Auf diese Grenzlasten wird ein Sicherheitsfaktor von 1,5 aufgeschlagen. Die daraus berechnete Bruchlast muss die Struktur ebenfalls tragen, ohne zu versagen. Hersteller wie Boeing und Airbus weisen das unter anderem in großen Bodenversuchen nach, bei denen die Flügel einer Testzelle mit hydraulischen Zylindern so weit nach oben gebogen werden, bis die geforderte Last erreicht ist. Die Bilder der weit durchgebogenen Flügel moderner Kohlefaserjets wie der Boeing 787-9 oder des Airbus A350-900 zeigen eindrucksvoll, wie viel Reserve darin steckt.
Dass die Flügel im Flug sichtbar wippen, ist also kein Warnsignal, sondern gewollt: Eine elastische Tragfläche nimmt Böen auf, statt sie hart an den Rumpf weiterzugeben. Ein steifer Flügel wäre nicht sicherer, sondern würde die Lasten schlechter verteilen.
Hinzu kommt das Verhalten der Crew: In Turbulenz fliegen Piloten eine vom Hersteller festgelegte Turbulenzgeschwindigkeit. Sie liegt so, dass genug Abstand zum Strömungsabriss bleibt, die Böenlasten aber nicht unnötig groß werden. Der Autopilot bleibt dabei meist eingeschaltet und gleicht die Lage aus, ohne jeder Höhenschwankung hart hinterherzusteuern.
Wetter und Wind am Flughafen im Blick
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Was die Statistik wirklich zeigt
Die gründlichste öffentliche Auswertung stammt von der NTSB. In ihrem Sicherheitsbericht von 2021 hat die Behörde alle turbulenzbedingten Unfälle im US-Linienverkehr der Jahre 2009 bis 2018 analysiert – 111 Fälle. Als „Unfall“ zählt dabei jede Turbulenzbegegnung, bei der jemand schwer verletzt wird oder das Flugzeug erheblichen Schaden nimmt. Die wichtigsten Ergebnisse:
- Turbulenz ist ein Kabinenproblem, kein Strukturproblem. In keinem der 111 Fälle wurde das Flugzeug erheblich beschädigt. In fünf Fällen gab es kleinere Schäden – an Sitzen, Deckenverkleidungen, Gepäckfächern und Service-Einheiten.
- Turbulenz ist trotzdem relevant. Sie war an 37,6 Prozent aller Unfälle im US-Linienverkehr in diesem Zeitraum beteiligt. Das liegt auch daran, dass andere Unfallarten über die Jahre deutlich seltener geworden sind.
- Flugbegleiter tragen das größte Risiko. Von 123 schwer Verletzten waren 97 Flugbegleiter (78,9 Prozent) und 26 Passagiere. Cockpitbesatzungen wurden nicht schwer verletzt – sie sind in der Regel angeschnallt.
- Das Heck ist der kritischste Bereich. Fast neun von zehn Verletzungen von Flugbegleitern mit bekanntem Ort passierten im hinteren Kabinenteil, drei Viertel davon an der hinteren Bordküche.
- Der Sinkflug ist unterschätzt. Rund die Hälfte der Unfälle ereignete sich im Sinkflug oder Anflug, und davon wiederum rund 60 Prozent unterhalb von 20.000 Fuß – also dann, wenn in der Kabine noch serviert und aufgeräumt wird.
Tödliche Turbulenzunfälle sind sehr selten. Im US-Linienverkehr lag der letzte von der NTSB genannte Fall zum Zeitpunkt des Berichts im Jahr 1997. International bekannt wurde der Flug Singapore Airlines 321 am 21. Mai 2024: Eine Boeing 777-300ER der Singapore Airlines geriet auf dem Weg von London nach Singapur über Myanmar in Reiseflughöhe in heftige Turbulenz und landete außerplanmäßig in Bangkok. Ein Passagier starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Laut dem vorläufigen Untersuchungsbericht der Behörden in Singapur wechselte die vertikale Beschleunigung binnen Sekundenbruchteilen von deutlich positiven zu negativen Werten – nicht angeschnallte Insassen wurden dabei vom Sitz gehoben und stürzten anschließend zurück. Das Flugzeug selbst blieb flugfähig. Der Fall zeigt beides zugleich: wie robust die Struktur ist und wie wichtig der Gurt.
Wie Crews Turbulenz vermeiden
Ganz ausschließen lässt sich Turbulenz nicht, aber ein großer Teil wird umflogen, bevor die Passagiere etwas merken. Die NTSB stellte fest, dass die Crews in gut der Hälfte der untersuchten Unfälle vorab von einem Turbulenzrisiko wussten – ein Hinweis darauf, wie wichtig Information und Kommunikation mit der Kabine sind.
1. Briefing vor dem Flug
Wetterkarten zeigen Jetstream-Lage, erwartete Klarluftturbulenz, Gewittergebiete und Gebirgswellen. Viele Crews nutzen dafür grafische Wetter-Apps auf ihren Tablets und briefen die Kabine vorab.
2. Meldungen anderer Crews
Flugzeuge, die eine Strecke kurz zuvor geflogen sind, melden über Funk, wie ruhig die Luft in welcher Höhe war. Diese Pilotenmeldungen sind die beste Quelle für unsichtbare Turbulenz.
3. Wetterradar im Flug
Gewitterzellen und Starkniederschlag zeigt das Bordradar zuverlässig. Crews halten großzügigen Abstand und weichen seitlich aus – Klarluftturbulenz bleibt auf dem Radar allerdings unsichtbar.
4. Höhe oder Kurs wechseln
Oft reicht ein Wechsel um einige tausend Fuß, um aus einer Scherzone herauszukommen. Die Flugsicherung koordiniert solche Wünsche mit dem übrigen Verkehr.
5. Kabine sichern
Anschnallzeichen an, Durchsage, Service unterbrechen, Trolleys sichern. Bei erwarteter starker Turbulenz setzen sich auch die Flugbegleiter auf ihre Plätze.
Wie die Flugsicherung im deutschen Luftraum arbeitet, erklärt der Artikel über die DFS Deutsche Flugsicherung.
Werden Turbulenzen häufiger?
Forschende der britischen University of Reading untersuchen seit Jahren, wie sich der Klimawandel auf Klarluftturbulenz auswirkt. Ihre Modellrechnungen zeigen, dass sich die Windscherung im Bereich des nordatlantischen Jetstreams verstärkt, wenn sich die Atmosphäre erwärmt. Eine Arbeit von 2017 kam zu dem Ergebnis, dass schwere Klarluftturbulenz auf den winterlichen Transatlantikrouten bei einer Verdopplung des CO₂-Gehalts um rund 150 Prozent zunehmen könnte. Eine Studie aus dem Jahr 2023 fand in Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte bereits eine messbare Zunahme über dem Nordatlantik und Nordamerika.
Das heißt nicht, dass Fliegen unsicherer wird: Die Strukturreserven bleiben dieselben. Es heißt aber, dass ruppige Abschnitte auf manchen Routen häufiger werden könnten und die Bedeutung von Vorhersage, Pilotenmeldungen und angeschnallten Passagieren weiter steigt. Gerade auf Strecken wie Frankfurt–New York, auf denen Lufthansa und andere Airlines täglich unterwegs sind, ist der Jetstream ohnehin ein ständiger Begleiter – er beeinflusst schon heute Flugzeiten und Routen über den Atlantik.
Was du als Passagier tun kannst
Gegen die Luft selbst kannst du nichts tun – gegen die Folgen sehr viel. Die wirksamste Maßnahme ist zugleich die einfachste.
- Gurt geschlossen lassen. Solange du sitzt, bleibt der Gurt locker zu, auch wenn das Zeichen aus ist. Das ist der mit Abstand größte Hebel.
- Anschnallzeichen ernst nehmen. Wenn es aufleuchtet, sofort zurück zum Platz. Der Weg zur Toilette kann warten.
- Gepäck richtig verstauen. Schweres gehört unter den Vordersitz oder gut verschlossen ins Fach. Lose Kamera, Tablet oder Teleobjektiv auf dem Klapptisch werden bei einem Ruck zu Geschossen.
- Heißgetränke mit Bedacht. Bei angekündigter Unruhe lieber kurz verzichten oder den Becher nur halb füllen lassen.
- Kleinkinder sichern. Halte Babys auf dem Schoß gut fest und nutze einen Zusatzgurt, wenn die Airline ihn ausgibt; ein eigener Sitz mit zugelassenem Kindersitz bietet den besten Schutz.
- Platz mit Bedacht wählen. Über den Tragflächen sind die Bewegungen meist geringer als im Heck.
Wenn dich Turbulenzen stark belasten, hilft es, die Mechanismen zu verstehen – und gezielt an der Angst zu arbeiten. Tipps dazu findest du im Guide Flugangst verstehen und überwinden. Auch Kabinendruck und Druck auf den Ohren gehören zu den Themen, die viele Mitreisende beschäftigen.
Bist du für einen ruckeligen Flug vorbereitet?
- Mein Gurt bleibt im Sitz locker geschlossen, auch ohne Anschnallzeichen.
- Kamera und Objektive sind verstaut, wenn ich nicht fotografiere.
- Schweres Handgepäck liegt unter dem Vordersitz oder sicher im Fach.
- Ich gehe zum Platz zurück, sobald das Anschnallzeichen aufleuchtet.
- Ich weiß, dass Flügelwippen normal und gewollt ist.
- Ich habe einen Fensterplatz über den Tragflächen gewählt.
Turbulenz aus Spotter-Sicht
Am Boden begegnen dir Turbulenzen vor allem im Anflug. An böigen Tagen siehst du am Zaun, wie Flugzeuge kurz vor dem Aufsetzen schaukeln, mit Querruder korrigieren oder durchstarten. Das sind oft die spannendsten Bilder des Tages. Wie du solche Tage einplanst, steht in den Guides zu Seitenwindlandungen und Stürmen filmen und Planespotting bei schlechtem Wetter. Wenn du vorher wissen willst, wie der Wind am Flughafen steht, helfen METAR und TAF lesen und der Überblick über Wetter-Apps für Spotter.
Stürmische Anflüge, sicher dokumentiert
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Fazit
Turbulenzen sind unruhige Luft mit vier Hauptquellen: Konvektion, Windscherung am Jetstream, Gebirgswellen und Wirbelschleppen. Die meisten davon sind sichtbar oder vorhersagbar und werden umflogen; die unsichtbare Clear Air Turbulence bleibt die Ausnahme, die sich nicht immer vermeiden lässt. Für die Flugzeugstruktur ist das kein ernstes Risiko – die Zulassung verlangt große Reserven, und die Statistik zeigt keine schweren Strukturschäden durch Turbulenz im US-Linienverkehr der untersuchten Jahre. Das Risiko liegt in der Kabine, und es lässt sich mit einem simplen Handgriff fast vollständig ausschalten.
Kurzfazit
Flugzeuge halten Turbulenzen problemlos aus, Menschen ohne Gurt nicht immer. Lass den Gurt im Sitz locker geschlossen, verstau deine Ausrüstung und sieh das Wippen der Flügel als das, was es ist: ein Zeichen dafür, dass die Struktur genau so arbeitet, wie sie konstruiert wurde.
Zusammenfassung
- Turbulenzen entstehen, wenn Luftmassen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, Richtung oder Temperatur aufeinandertreffen. Je nach Ursache unterscheidet man konvektive Turbulenz, Clear Air Turbulence, Gebirgswellen und Wirbelschleppen.
- Clear Air Turbulence tritt typischerweise in Reiseflughöhe am Rand des Jetstreams auf, ist mit Bordmitteln kaum zu erkennen und wird über Pilotenmeldungen und Vorhersagekarten umflogen.
- Flugzeuge sind für weit stärkere Belastungen zugelassen, als Turbulenzen im Linienbetrieb normalerweise erzeugen. Gefährlich wird es vor allem für Menschen, die nicht angeschnallt sind.
- Wer im Sitz den Gurt locker geschlossen hält, schaltet das größte persönliche Risiko praktisch aus – auch wenn das Anschnallzeichen aus ist.
Häufige Fragen
Was ist eine Turbulenz beim Fliegen?
Eine Turbulenz ist ein Bereich ungleichmäßiger Luftbewegung: Auf- und Abwinde, plötzliche Windänderungen oder Wirbel versetzen das Flugzeug kurz nach oben, unten oder zur Seite. Das Flugzeug fliegt dabei weiter, denn die Luft trägt die Tragflächen auch in unruhigen Bereichen. Ein echtes „Luftloch“ ohne Luft gibt es nicht.
Was ist Clear Air Turbulence?
Clear Air Turbulence (CAT), auf Deutsch Klarluftturbulenz, ist Turbulenz in wolkenfreier Luft. Sie entsteht vor allem dort, wo Luftschichten mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit aneinander vorbeiströmen, etwa am Rand des Jetstreams in Reiseflughöhe. Weil keine Wolken und kein Niederschlag vorhanden sind, ist sie weder mit bloßem Auge noch mit dem Wetterradar an Bord zu sehen.
Kann ein Flugzeug wegen Turbulenzen abstürzen?
Für moderne Verkehrsflugzeuge im normalen Linienbetrieb ist das äußerst unwahrscheinlich. Die Bauvorschriften verlangen hohe Lastreserven, und die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB fand für 2009 bis 2018 keinen turbulenzbedingten Unfall im Linienverkehr, bei dem das Flugzeug erheblich beschädigt wurde. Die Gefahr betrifft vor allem nicht angeschnallte Menschen und lose Gegenstände in der Kabine.
Wo im Flugzeug spürt man Turbulenzen am wenigsten?
Meist im Bereich über den Tragflächen, nahe am Schwerpunkt. Im Heck sind die Bewegungen spürbarer – die NTSB stellte fest, dass sich ein Großteil der schweren Verletzungen von Flugbegleitern im hinteren Kabinenbereich ereignete, viele davon an der hinteren Bordküche.
Warum bleibt man angeschnallt, auch wenn das Zeichen aus ist?
Weil Clear Air Turbulence ohne Vorwarnung auftreten kann. Die Crew schaltet das Anschnallzeichen ein, sobald Turbulenz erwartet oder gemeldet wird – bei unsichtbarer Turbulenz kann das aber zu spät sein. Ein locker geschlossener Gurt im Sitz kostet nichts und verhindert, dass du bei einem plötzlichen Abwärtsruck gegen die Kabinendecke geschleudert wirst.
Nehmen Turbulenzen durch den Klimawandel zu?
Mehrere Studien der britischen Universität Reading deuten darauf hin, dass sich die Windscherung im Bereich des nordatlantischen Jetstreams verstärkt und Clear Air Turbulence dort häufiger wird. Für die Zukunft rechnen die Forschenden je nach Erwärmungsszenario mit deutlich mehr schwerer Klarluftturbulenz auf den Transatlantikrouten.
Was machen Piloten bei Turbulenzen?
Sie schalten das Anschnallzeichen ein, informieren die Kabine, reduzieren auf eine für Turbulenz vorgesehene Geschwindigkeit und versuchen, mit Höhen- oder Kursänderungen ruhigere Luft zu finden. Hinweise liefern Wettervorhersagen, Wetterradar für Gewitter sowie Meldungen anderer Crews, die über die Flugsicherung weitergegeben werden.
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Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Boeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
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