Warum Flugzeuge Bögen fliegen: Großkreis, Jetstream und Nordatlantik-Tracks

Auf der Weltkarte wirkt der Weg von Frankfurt nach Los Angeles über Grönland wie ein Umweg – tatsächlich ist er die kürzeste Strecke. Warum das so ist und wie Jetstream und Nordatlantik-Tracks die Route jeden Tag neu verbiegen.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202614 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bogen ist die Abkürzung: Auf einer Kugel ist der Großkreis die kürzeste Verbindung zweier Punkte. Auf flachen Weltkarten erscheint er als Bogen, der Richtung Pol ausbeult.
  • Die gerade Linie auf der Karte ist länger: Von Frankfurt nach Los Angeles wäre der Weg mit konstantem Kurs gut 1.200 Kilometer länger als der Großkreis über den hohen Norden.
  • Der Jetstream verbiegt die Route: Ostwärts suchen Airlines den Rückenwind, westwärts weichen sie dem Gegenwind aus. Deshalb ist die schnellste Route selten exakt der Großkreis.
  • Der Nordatlantik bekommt jeden Tag neue Spuren: Shanwick und Gander legen täglich die North Atlantic Tracks fest – ostwärts nachts, westwärts tagsüber, abgestimmt auf die aktuelle Windlage.
  • Luftraum und Regeln formen den Rest: Gesperrte Lufträume, ETOPS-Vorgaben für Zweistrahler und das Streckennetz der Flugsicherung erklären viele weitere Knicke auf dem Flugradar.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Die kurze Antwort
  2. 2.Der Großkreis: Geometrie, die nach Umweg aussieht
  3. 3.Der Jetstream: Rückenwind auf zehn Kilometern
  4. 4.Die Nordatlantik-Tracks: Autobahnen, die jeden Tag neu gebaut werden
  5. 5.Weitere Gründe für Knicke in der Route
  6. 6.Polarrouten: der Großkreis in seiner extremsten Form
  7. 7.Was die Bögen für dich als Spotter bedeuten
  8. 8.Häufige Missverständnisse
  9. 9.Fazit

Wer zum ersten Mal einen Langstreckenflug auf dem Flugradar verfolgt, wundert sich: Die Maschine von Frankfurt nach Los Angeles zieht nicht quer über den Atlantik, sondern steil nach Nordwesten, über Island oder Grönland und durch Kanada. Auf der Weltkarte sieht das nach einem gewaltigen Umweg aus. In Wahrheit ist der Bogen die kürzeste Strecke – und dass er an jedem Tag ein bisschen anders aussieht, liegt am Wind in zehn Kilometern Höhe und an einem Routensystem über dem Nordatlantik, das jeden Tag neu gezeichnet wird. Hier erfährst du, wie Großkreis, Jetstream und Nordatlantik-Tracks zusammenspielen und was das für dich am Zaun, am Fensterplatz und vor dem Flugradar bedeutet.

Wenn der Heavy aus dem Bogen kommt

Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Flugzeugtyp oder eine Special Livery im Anflug auf deinen Flughafen ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Die kurze Antwort

Flugzeuge fliegen keine Umwege, sondern annähernd die kürzeste Linie auf der Erdkugel. Diese Linie heißt Großkreis. Weil jede flache Weltkarte die Kugel verzerrt, wirkt der Großkreis dort wie ein Bogen, der sich zum Pol hin wölbt. Zwei Dinge biegen die echte Route dann noch einmal um:

  • Wind: Der Jetstream in Reiseflughöhe macht die zeitlich schnellste Route oft zu einer anderen als die geometrisch kürzeste.
  • Regeln und Luftraum: Über dem Nordatlantik gibt es ein tägliches Track-System, über Land ein festes Streckennetz der Flugsicherung, dazu gesperrte Lufträume und Vorgaben für zweistrahlige Jets.
≈ 1.230 kmkürzer ist der Großkreis Frankfurt–Los Angeles gegenüber dem Weg mit konstantem Kurs
bis ≈ 400 km/hgemessene Spitzenwerte im Jetstream
2× täglichwechseln die Nordatlantik-Tracks die Richtung

Der Großkreis: Geometrie, die nach Umweg aussieht

Kugel gegen Karte

Stell dir einen Globus vor und spann einen Faden straff zwischen Frankfurt und Los Angeles. Der Faden liegt nicht entlang des 50. oder 40. Breitengrads, sondern läuft weit nach Norden. Genau das ist der Großkreis: der Abschnitt eines Kreises, dessen Ebene durch den Erdmittelpunkt verläuft. Der Äquator ist ein Großkreis, jeder Meridian auch – Breitenkreise abseits des Äquators dagegen nicht. Deshalb ist es fast nie am kürzesten, einem Breitengrad zu folgen.

Auf der bekannten Mercator-Karte, die viele Kartendienste und Flugradar-Seiten verwenden, werden Gebiete nahe den Polen stark in die Breite gezogen. Eine Linie, die auf dieser Karte gerade aussieht, ist eine sogenannte Loxodrome: ein Weg mit gleichbleibendem Kompasskurs. Den kann man bequem steuern, er ist aber länger. Der echte kürzeste Weg erscheint auf derselben Karte als Bogen. Nur auf speziellen Kartenprojektionen, den gnomonischen Karten, ist der Großkreis eine gerade Linie.

Wie groß ist der Unterschied?

Wie stark Großkreis und „gerade Linie auf der Karte“ auseinanderliegen, hängt von zwei Dingen ab: Wie weit die Strecke in Ost-West-Richtung reicht und wie weit sie vom Äquator entfernt liegt. Die folgende Tabelle haben wir mit den Koordinaten der Flughäfen auf einer Kugel mit dem mittleren Erdradius berechnet. Die Werte sind gerundet und zeigen die reine Geometrie, keine geflogenen Strecken.

Verbindung Großkreis Konstanter Kurs (Loxodrome) Nördlichster Punkt des Großkreises
Frankfurt – Dubai ca. 4.840 km ca. 4.900 km ca. 50° N (Startpunkt)
Frankfurt – New York JFK ca. 6.190 km ca. 6.500 km ca. 54° N
London Heathrow – Los Angeles ca. 8.760 km ca. 9.730 km ca. 62° N
Frankfurt – Los Angeles ca. 9.320 km ca. 10.560 km ca. 65° N
München – San Francisco ca. 9.440 km ca. 10.930 km ca. 68° N
Frankfurt – Tokio Haneda ca. 9.360 km ca. 10.750 km ca. 67° N

Du siehst das Muster: Nach Dubai, also überwiegend nach Südosten, macht der Bogen kaum etwas aus. An die US-Westküste oder nach Japan dagegen spart der Großkreis weit über tausend Kilometer – und führt dafür bis in die Breiten Islands und Südgrönlands. Deshalb kreuzen viele Flüge von Mitteleuropa an die Westküste Nordamerikas Grönland und den Norden Kanadas.

Selbst ausprobieren

Routenkarten wie die in FlightConnections und Routenkarten zeichnen Verbindungen meist als Großkreisbogen. Vergleich die Linie dort mit dem echten Track eines Fluges auf dem Flugradar – die Abweichung zeigt dir, wie viel Wind und Luftraumstruktur an diesem Tag ausgemacht haben.

Der Jetstream: Rückenwind auf zehn Kilometern

Was der Jetstream ist

Der Jetstream ist ein schmales Band sehr starken Westwinds in der oberen Troposphäre. Auf der Nordhalbkugel gibt es vor allem zwei: den polaren Jetstream, grob zwischen 30 und 60 Grad Nord, und den etwas höher liegenden subtropischen Jetstream um 30 Grad Nord. Der polare Jet liegt ungefähr in 9 Kilometern Höhe – also genau dort, wo Verkehrsjets ihre Reiseflughöhe haben. Warum Airliner überhaupt so hoch fliegen, erklärt der Artikel Warum Flugzeuge in rund 10.000 Metern fliegen.

Typisch sind im polaren Jet Windgeschwindigkeiten um 180 km/h, an manchen Tagen deutlich mehr; die höchsten gemessenen Werte liegen bei rund 400 km/h. Das Band ist meist einige hundert Kilometer breit, aber nur wenige Kilometer dick, und es mäandert: Mal verläuft es fast gerade von West nach Ost, mal schlägt es weite Wellen nach Norden und Süden. Mit den Jahreszeiten wandert es außerdem – im Sommer polwärts, im Winter Richtung Süden.

Entdeckt wurde der Strom in Etappen. Der japanische Meteorologe Wasaburo Oishi wies ihn in den 1920er-Jahren mit Pilotballonen nahe dem Fuji nach, veröffentlichte aber auf Esperanto, sodass seine Arbeit außerhalb Japans kaum bekannt wurde. Den deutschen Begriff „Strahlströmung“ prägte Heinrich Seilkopf 1939. Breit bekannt wurden die starken Höhenwinde im Zweiten Weltkrieg, als Bomber- und Transportflüge immer wieder auf sie trafen.

Was er mit der Route macht

Für Airlines ist der Jetstream Geld. Ein Großraumjet fliegt in Reiseflughöhe grob mit 900 km/h durch die Luft. Kommen 150 km/h Rückenwind dazu, legt er über Grund entsprechend mehr Strecke pro Stunde zurück – und verbraucht für dieselbe Distanz weniger Treibstoff. Deshalb gilt:

  • Ostwärts wird die Route bewusst in den Jetstream gelegt, auch wenn sie dadurch etwas länger ist als der Großkreis. Der Zeitgewinn durch den Rückenwind wiegt die Mehrstrecke auf.
  • Westwärts versucht die Planung, dem Kern des Jetstreams auszuweichen – etwa durch eine nördlichere oder südlichere Route als der Großkreis.

Das ist der Grund, warum derselbe Flug auf dem Hin- und Rückweg oft sichtbar unterschiedliche Linien auf dem Flugradar zieht und warum die Flugzeit nach Westen spürbar länger ist. In Lagen mit besonders starkem Jet tauchen auf Flugradar-Seiten bei ostwärts fliegenden Jets Bodengeschwindigkeiten weit über 1.000 km/h auf – nicht weil das Flugzeug schneller fliegt, sondern weil die Luft, in der es fliegt, mitwandert. Was die Werte auf der Karte genau bedeuten, steht in Symbole, Farben und Datenfelder auf Flugradar-Karten.

Die Kehrseite: Am Rand des Jetstreams treten häufig Turbulenzen in klarer Luft auf, die man weder sieht noch auf dem Wetterradar erkennt. Auch das fließt in die Routenplanung ein. Welche Rolle die Flugdienstberater dabei spielen, die jede Route mit Wetter, Gewicht und Treibstoff durchrechnen, erklärt der Artikel über Flugdienstberater (Dispatcher).

Wie viel macht der Wind aus?

Trag die Strecke und die Reisegeschwindigkeit durch die Luft ein und wähle den Wind. Das Ergebnis zeigt die reine Reiseflugzeit ohne Start, Steigflug und Anflug.

Vereinfachte Rechnung mit konstantem Wind. In Wirklichkeit ändert sich der Wind entlang der Route, und die Airlines planen gezielt um den Jetstream herum.

Die Nordatlantik-Tracks: Autobahnen, die jeden Tag neu gebaut werden

Warum es sie gibt

Über dem offenen Atlantik gab es lange kein Radar. Die Flugsicherung kannte die Positionen nur aus Meldungen der Crews und musste die Flugzeuge deshalb mit großen Abständen staffeln. Weil gleichzeitig ein Großteil des Verkehrs zwischen Europa und Nordamerika zu ähnlichen Zeiten unterwegs ist, entstand das Organized Track System: eine Reihe paralleler Routen, die jeden Tag neu so gelegt werden, dass sie zur aktuellen Windlage passen.

Zuständig sind vor allem zwei Kontrollzentralen. Shanwick – der Name verbindet Shannon und Prestwick – wird von der britischen Flugsicherung NATS im Prestwick Centre in Schottland betrieben, der Funkverkehr auf Kurzwelle läuft über eine Station in Ballygirreen bei Shannon in Irland. Auf der anderen Seite steht Gander in Neufundland, betrieben von Nav Canada. Im Norden grenzt der Kontrollbereich von Reykjavík an, im Süden der von Santa Maria auf den Azoren.

Wie die Tracks funktionieren

  • Täglich neu: Die Tracks werden jeden Tag in Abstimmung mit den Airlines und benachbarten Kontrollstellen festgelegt und per NOTAM veröffentlicht.
  • Zwei Richtungen: Die westwärts gerichteten Tracks gelten am 30. westlichen Längengrad ungefähr von 11:30 bis 19 Uhr UTC, die ostwärts gerichteten ungefähr von 1 bis 8 Uhr UTC. Der Verkehr Richtung Nordamerika fließt also tagsüber, der Richtung Europa in der Nacht.
  • Buchstaben statt Nummern: Die Westtracks heißen A, B, C und so weiter, wobei A der nördlichste ist. Die Osttracks zählen von Z rückwärts, Z ist der südlichste.
  • Am Wind ausgerichtet: Die Osttracks folgen dem stärksten Rückenwind, die Westtracks meiden den Gegenwind. Liegt der Jetstream weit im Süden, können die Westtracks weit nach Norden Richtung Island und Grönland ausweichen.

Aus diesem Takt ergibt sich übrigens auch, warum Langstreckenflüge aus Nordamerika in Europa vorwiegend am Morgen landen und die Flüge in die Gegenrichtung zwischen spätem Vormittag und Nachmittag starten. Wie du das für deinen Spotting-Tag nutzt, steht im Artikel Wann Langstreckenflüge in Europa landen und starten.

Was sich verändert hat

Das System ist flexibler geworden. 2015 wurde der seitliche Mindestabstand zwischen den Tracks von 60 auf 30 nautische Meilen halbiert. Seit 2017 dürfen Flüge im Nordatlantik-Luftraum jede Flugfläche planen, nicht nur die Standardflächen. 2019 kam satellitengestütztes ADS-B dazu: Empfänger auf Satelliten fangen die Positionsmeldungen der Flugzeuge auch mitten über dem Ozean auf. Nach Angaben von NATS sank der erforderliche Längsabstand dadurch von rund 40 auf 14 nautische Meilen, und mehr Flüge können ihre jeweils sparsamste Route wählen. 2021 wurde das Track-System verkleinert, an einzelnen Tagen gab es gar keine Tracks. Die Nutzung der Tracks ist nicht mehr verpflichtend – viele Flüge planen inzwischen freie Routen, die Flugsicherung kann aber einen Track zuweisen.

Wie die Satellitenempfänger arbeiten und warum davon auch Flugradar-Seiten profitieren, liest du im Artikel Weltraumgestütztes ADS-B.

Wind und Pisten am Flughafen im Blick

Planetrack zeigt dir Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen – so weißt du, aus welcher Richtung die Morgenwelle vom Atlantik hereinkommt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Weitere Gründe für Knicke in der Route

Großkreis und Wind erklären die großen Bögen. Die kleineren Ecken und Umwege haben andere Ursachen:

  • Streckennetz über Land: Über Europa fliegen Jets entlang eines Netzes aus Wegpunkten und Luftstraßen. Nach dem Start und vor der Landung folgen sie festgelegten Abflug- und Anflugrouten – mehr dazu in SID und STAR.
  • Gesperrte Lufträume: Seit 2022 ist – Stand Oktober 2026 – der russische Luftraum für Airlines aus der EU, Großbritannien und den USA geschlossen. Flüge zwischen Europa und Ostasien weichen seitdem südlich über Zentralasien aus oder nutzen wieder Polarrouten über Grönland, Kanada und Alaska – mit teils deutlich längeren Flugzeiten. Für Airlines wie Finnair, deren Netz auf den kurzen Weg über Sibirien ausgelegt war, war das ein tiefer Einschnitt.
  • ETOPS: Zweistrahlige Jets dürfen sich nur so weit von geeigneten Ausweichflughäfen entfernen, wie ihre Zulassung erlaubt. Über Ozeanen und Polargebieten kann das die Route beeinflussen. Was hinter der Regel steckt, erklärt ETOPS erklärt.
  • Wetter: Gewitterzellen, Vulkanasche oder starke Turbulenz zwingen zu Umleitungen, die auf dem Flugradar als Zickzack auftauchen.
  • Warteschleifen vor der Landung: Die Ovale vor großen Flughäfen haben mit der Langstreckenroute nichts zu tun, sondern mit Kapazität am Ziel – siehe Warteschleifen erklärt.

Polarrouten: der Großkreis in seiner extremsten Form

Wie radikal die Geometrie Strecken verkürzen kann, zeigt die Geschichte der Polarrouten. SAS eröffnete 1954 als erste Airline eine Linienverbindung über die Arktis, damals noch mit Propellerflugzeugen vom Typ DC-6B zwischen Los Angeles und Kopenhagen, mit Zwischenlandungen in Grönland und Kanada. Im Kalten Krieg führten viele Flüge von Europa nach Japan über Anchorage in Alaska, weil der sowjetische Luftraum versperrt war. Finnair flog ab 1983 als erste Airline nonstop über den Pol zwischen Helsinki und Tokio.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde der Weg über Sibirien für westliche Airlines zum Standard. Seit 2022 sind viele Europa-Asien-Flüge wieder auf Umwege angewiesen – ein Teil davon führt über Grönland und Alaska und damit erneut in die Nähe des Pols. Mehr über die längsten Nonstop-Verbindungen der Welt und warum sie so geplant werden, findest du in Ultralangstreckenflüge.

Was die Bögen für dich als Spotter bedeuten

Am Boden: Überflieger und Anflüge

Die Großkreise von Europa nach Nordamerika führen über die Britischen Inseln, Island und den Atlantik; die Strecken nach Asien und an den Golf verlaufen über Ost- und Südosteuropa. Deshalb siehst du über Mitteleuropa zu bestimmten Tageszeiten ganze Ketten von Kondensstreifen in ähnlicher Richtung. Wie diese Streifen entstehen und warum sie mal lange stehen bleiben und mal sofort verschwinden, steht in Kondensstreifen. Wenn du die Überflieger in Reiseflughöhe fotografieren willst, hilft der Guide Flugzeuge in Reiseflughöhe fotografieren.

Für den Flughafen selbst ist die Route vor allem eine Zeitfrage: Starker Rückenwind über dem Atlantik bringt die Morgenwelle in Frankfurt und anderen Drehkreuzen gern früher als geplant. Großraumjets wie der Airbus A350-900 oder die Boeing 787-9 tauchen dann teils deutlich vor der Tafelzeit im Endanflug auf.

Am Fensterplatz: die richtige Seite wählen

Wenn du selbst nach Nordamerika fliegst, lohnt ein Blick auf die Route. Auf einem nördlichen Track nach Westen siehst du bei klarer Sicht Grönlands Eiskappe oder die Küste Islands. Wie Keflavik für viele Transatlantikverbindungen eine Rolle als Umsteigepunkt spielt, zeigt die Flughafenseite. Welche Seite du für Fotos aus dem Fenster wählst, hängt von Route und Sonnenstand ab – Tipps dazu im Artikel Den besten Fensterplatz für Fotos wählen.

Vor dem Flugradar: Routen lesen

1. Großkreis als Referenz

Stell dir die kürzeste Linie zwischen Start und Ziel vor oder schau sie auf einer Routenkarte nach. Sie ist dein Maßstab für alle Abweichungen.

2. Richtung prüfen

Fliegt die Maschine ostwärts, liegt sie wahrscheinlich im Jetstream und zeigt eine hohe Bodengeschwindigkeit. Westwärts weicht sie eher nach Norden oder Süden aus.

3. Parallele Linien suchen

Liegen viele Flüge über dem Atlantik auf parallelen Bahnen, nutzen sie die Tracks des Tages. Einzelne Ausreißer fliegen freie Routen.

4. Datenquelle beachten

Über dem Ozean basiert die Position entweder auf Satellitendaten oder auf einer Hochrechnung. Warum Flüge zeitweise verschwinden, erklärt Warum ein Flugzeug nicht auf Flightradar erscheint.

5. Tage vergleichen

Ruf die Flughistorie derselben Verbindung an mehreren Tagen ab. Wie das geht, steht in Vergangene Flüge und Routen nachschlagen – du siehst, wie stark der Wind die Route verschiebt.

Häufige Missverständnisse

  • „Die Airline fliegt einen Umweg, um Gebühren zu sparen.“ Überfluggebühren und Luftraumstrukturen spielen bei der Planung eine Rolle, die großen Bögen über den hohen Norden erklären sich aber schlicht aus der Kugelgestalt der Erde.
  • „Die Bodengeschwindigkeit zeigt, wie schnell das Flugzeug fliegt.“ Sie zeigt, wie schnell es sich über dem Boden bewegt. Die Geschwindigkeit durch die Luft bleibt bei Rücken- und Gegenwind ähnlich.
  • „Jeden Tag dieselbe Route.“ Gerade über dem Atlantik verschiebt sich die Route mit der Windlage teils um hunderte Kilometer.
  • „Polarrouten führen direkt über den Nordpol.“ Meist streifen sie nur die Arktis. Direkt über den Pol führt der Großkreis nur bei wenigen Verbindungen, etwa zwischen Nordamerika und Teilen Asiens.

Kannst du die Bögen jetzt lesen?

Hak ab, was du nach diesem Artikel erklären kannst.

  • Warum der Großkreis auf der Karte gekrümmt aussieht.
  • Warum der Flug nach Westen länger dauert als zurück.
  • Wann die Nordatlantik-Tracks ost- und westwärts gelten.
  • Warum Flüge nach Asien heute andere Routen nehmen als vor 2022.
  • Wie du auf dem Flugradar Rückenwind an der Bodengeschwindigkeit erkennst.

Jede Sichtung im Hangar sammeln

Poste deine Langstreckenjets mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot, sammle sie im Hangar und setz seltene Typen auf deine Wunschliste. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

Die Bögen auf der Weltkarte sind kein Umweg, sondern die kürzeste Linie auf einer Kugel. Der Großkreis gibt die Grundform vor, der Jetstream verbiegt sie je nach Richtung und Tag, und über dem Nordatlantik übersetzen die täglich neu gelegten Tracks beides in ein geordnetes System. Gesperrte Lufträume, ETOPS-Regeln und das Streckennetz über Land sorgen für den Rest. Wer das verstanden hat, liest das Flugradar mit anderen Augen – und weiß, warum die Heavies am Morgen manchmal früher kommen als gedacht.

Kurzfazit

Großkreis für die Strecke, Jetstream für die Zeit, Tracks und Luftraum für den genauen Verlauf: Mit diesen drei Bausteinen erklärst du fast jeden Langstreckenbogen. Vergleich beim nächsten Mal die Route einer Verbindung an mehreren Tagen – der Wind zeichnet sie jedes Mal neu.

Zusammenfassung

  • Flugzeuge fliegen keine Umwege, sondern annähernd Großkreise – die kürzeste Linie auf der Erdkugel, die auf flachen Karten gekrümmt aussieht.
  • Je weiter die Strecke in Ost-West-Richtung und je höher die Breite, desto stärker weicht der Großkreis von der geraden Linie auf der Karte ab.
  • Der Jetstream sorgt dafür, dass Ost- und Westflüge unterschiedliche Routen und Flugzeiten haben; die zeitlich schnellste Route kann länger sein als der Großkreis.
  • Über dem Nordatlantik gibt es ein täglich neu festgelegtes Track-System, das seit der Einführung von satellitengestütztem ADS-B flexibler genutzt wird.
  • Für Spotter erklärt das, warum Überflüge in großer Höhe über Mitteleuropa vorhersehbaren Korridoren folgen und warum dieselbe Verbindung an jedem Tag etwas anders verläuft.

Häufige Fragen

Warum fliegen Flugzeuge nicht geradeaus?

Sie tun es – nur ist geradeaus auf einer Kugel etwas anderes als auf einer flachen Karte. Die kürzeste Verbindung zweier Punkte auf der Erde ist ein Großkreis. Weil Weltkarten die Kugel in die Fläche ziehen, sieht dieser kürzeste Weg dort wie ein Bogen aus, der sich Richtung Pol wölbt.

Was ist ein Großkreis?

Ein Großkreis ist ein Kreis auf der Erdoberfläche, dessen Ebene durch den Erdmittelpunkt geht – der Äquator und jeder Meridian sind Beispiele. Der Abschnitt eines Großkreises zwischen zwei Orten ist die kürzeste Strecke zwischen ihnen. In der Navigation spricht man auch von der Orthodrome.

Warum fliegen Flüge von Europa an die US-Westküste über Grönland?

Weil der Großkreis dorthin weit nach Norden ausholt. Zwischen Frankfurt und Los Angeles erreicht er eine Breite von gut 64 Grad Nord und ist rund 9.300 Kilometer lang. Ein Weg mit konstantem Kompasskurs, der auf der üblichen Karte gerade aussieht, wäre gut 1.200 Kilometer länger.

Warum dauert der Flug nach Amerika länger als zurück?

Wegen des Jetstreams. In den mittleren Breiten der Nordhalbkugel weht in Reiseflughöhe ein starker Westwind. Ostwärts nutzen die Airlines ihn als Rückenwind, westwärts fliegen sie gegen ihn an oder weichen ihm aus. Die Flugzeit unterscheidet sich dadurch auf derselben Strecke oft um eine Stunde und mehr.

Was sind die North Atlantic Tracks?

Ein System täglich neu festgelegter Routen über dem Nordatlantik. Die Kontrollzentralen Shanwick und Gander legen sie passend zum Wind fest. Die westwärts gerichteten Tracks gelten am 30. westlichen Längengrad etwa von 11:30 bis 19 Uhr UTC, die ostwärts gerichteten etwa von 1 bis 8 Uhr UTC. Die Nutzung der Tracks ist heute nicht mehr verpflichtend, sofern die Flugsicherung keinen Track zuweist.

Wie schnell ist der Jetstream?

Der polare Jetstream erreicht häufig Geschwindigkeiten um 180 km/h, stellenweise auch deutlich mehr. Gemessene Spitzenwerte liegen bei rund 400 km/h. Er ist meist einige hundert Kilometer breit, aber nur wenige Kilometer dick und liegt etwa in der Höhe, in der auch Verkehrsjets fliegen.

Warum zeigt Flightradar über dem Atlantik manchmal geschätzte Positionen?

Weil es über dem offenen Ozean keine Bodenempfänger gibt. Seiten, die zusätzlich Satellitendaten nutzen, zeigen echte Positionen, andere rechnen die Position aus der letzten Meldung und der Flugplanroute hoch. Dann kann die angezeigte Linie vom tatsächlichen Track abweichen.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus Reisen & Fliegen →

Weiterlesen in Reisen & Fliegen

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

← Zurück zum Blog