Das Wichtigste in Kürze
- Avianca Brasil ist eine historische brasilianische Airline: gegründet 1998 als OceanAir, Flugbetrieb im Mai 2019 eingestellt, Konkurs 2020.
- Codes: IATA O6, ICAO ONE, Rufzeichen „OCEANAIR“ – nicht AV und AVA wie bei der kolumbianischen Avianca.
- Eigene Firma unter fremder Marke: Avianca Brasil gehörte nicht zur Avianca-Holding, sondern zum Umfeld der Brüder Efromovich und nutzte den Namen per Markenauftritt.
- Star Alliance von 2015 bis 2019: Nach dem Abgang von TAM war Avianca Brasil der Star-Alliance-Partner in Brasilien.
- Für Spotter spannend: eine der wenigen größeren Flotten mit Airbus A318 und zuvor viele Fokker 100.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Avianca Brasil im Überblick
- 2.Von OceanAir zu Avianca Brasil
- 3.Codes und Rufzeichen
- 4.Eine Marke, zwei Airlines
- 5.Star Alliance: der Partner nach TAM
- 6.Die Flotte von Avianca Brasil
- 7.Woran du Avianca Brasil erkennst
- 8.Basen und Strecken
- 9.Das Ende: Sanierung, Slot-Auktion und Konkurs
- 10.Avianca Brasil im Spotter-Alltag heute
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | O6 |
|---|---|
| ICAO-Code | ONE |
| Rufzeichen | OCEANAIR |
| Drehkreuze | GRU, BSB |
| Allianz | Star Alliance |
| Status | Historisch – Flugbetrieb im Mai 2019 von der Luftfahrtbehörde ANAC ausgesetzt, Konkurs im Juli 2020 gerichtlich festgestellt |
| Gegründet | 1998 als Lufttaxi-Unternehmen OceanAir für Beschäftigte der Ölindustrie, Linienflüge ab 2002 |
| Rechtlicher Name | OceanAir Linhas Aéreas S.A. – auch nach dem Markenwechsel 2010 |
| Eigentümer | Unternehmen im Umfeld von Germán Efromovich (Synergy Group), unabhängig von der kolumbianischen Avianca |
| Geschäftsmodell | Netzwerk-Airline mit Inlandsnetz und einigen Langstrecken |
| Wichtige Basen | São Paulo-Guarulhos (GRU) und Brasília (BSB), dazu Congonhas, Rio de Janeiro und Salvador |
| Allianz | Star Alliance, als Affiliate von Juli 2015 bis 1. September 2019 |
| Flotte zuletzt | Airbus A318, A319, A320, A320neo und A330-200 |
| Marktanteil 2018 | Rund 13 Prozent im Inlandsverkehr laut ANAC – Platz vier in Brasilien |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Avianca Brasil?
- Optik der kolumbianischen Avianca mit rotem Schriftzug „avianca“ – kaum von den kolumbianischen Maschinen zu unterscheiden
- Kleine brasilianische Flagge unter den Cockpitfenstern
- Brasilianisches Kennzeichen mit PR-, statt kolumbianischem HK- oder N- bei Avianca
- Flugnummer mit O6, im Flugplan der Flugsicherung ONE bzw. „OCEANAIR“
- Zuletzt reine Airbus-Flotte, darunter die seltene A318
- Zwei A320 trugen zeitweise die Star-Alliance-Sonderlackierung
Wer zwischen 2010 und 2019 an einem brasilianischen Flughafen stand, sah sie überall: Airbusse mit dem roten Schriftzug „avianca“, die man leicht für Maschinen aus Kolumbien halten konnte. Doch hinter Avianca Brasil steckte eine eigene Firma mit eigenen Codes, einer eigenen Geschichte als Lufttaxi für die Ölindustrie – und einem abrupten Ende im Mai 2019. Diese Seite zeigt dir, woher die Airline kam, was sie flog und woran du sie auf alten Fotos sicher von der kolumbianischen Avianca unterscheidest.
Dein Südamerika-Archiv, sauber sortiert
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Avianca Brasil im Überblick
Avianca Brasil war eine brasilianische Fluggesellschaft, die bis 2019 flog. Ihr rechtlicher Name blieb bis zum Schluss OceanAir Linhas Aéreas – unter diesem Namen hatte das Unternehmen 1998 als kleiner Lufttaxi-Betrieb angefangen. Ab 2010 trat es unter der Marke Avianca auf und wuchs zur viertgrößten Airline Brasiliens heran, hinter LATAM Airlines Brasil, GOL und Azul. Laut der Luftfahrtbehörde ANAC lag der Anteil im Inlandsverkehr 2018 bei rund 13 Prozent.
Das Besondere: Avianca Brasil war keine Tochter der kolumbianischen Avianca, sondern gehörte zum Firmenumfeld des Unternehmers Germán Efromovich. Dessen Synergy Group hatte 2004 auch die Avianca in Kolumbien übernommen. So entstand eine Airline, die aussah wie Avianca, Flüge im Avianca-Stil anbot – aber eigene Codes, eigene Flugzeuge und eine eigene Bilanz hatte.
Von Juli 2015 bis September 2019 war Avianca Brasil als Affiliate Teil der Star Alliance. Im Dezember 2018 beantragte die Airline die gerichtliche Sanierung, am 24. Mai 2019 setzte die ANAC den Flugbetrieb aus. Im Juli 2020 stellte ein Gericht den Konkurs fest.
Von OceanAir zu Avianca Brasil
Die Geschichte beginnt nicht in einem Hauptstadt-Terminal, sondern an der Küste nördlich von Rio de Janeiro. OceanAir startete 1998 als Lufttaxi-Unternehmen und flog Beschäftigte der Ölindustrie in der Region um Macaé und Campos dos Goytacazes. Den Einstieg erleichterte die Nähe zu Marítima, einem Offshore-Unternehmen desselben Eigentümers Germán Efromovich.
1998
Gründung als OceanAir. Kleine Flugzeuge bringen Arbeiter der Ölindustrie an die Küste von Rio de Janeiro.
2002
Die damalige Luftfahrtbehörde DAC erlaubt Linienflüge. OceanAir startet in Kooperation mit Rio Sul regionale Linienflüge, unter anderem mit Turboprops vom Typ Embraer EMB 120 Brasília.
2004
Efromovichs Synergy Group übernimmt die angeschlagene kolumbianische Avianca – der Grundstein für den späteren Markennamen.
2005–2008
Fokker 100 werden zum Rückgrat der Flotte. Kurzzeitig fliegen auch Boeing 737-300, 757-200 und 767-300ER.
2010
Im Frühjahr fliegt das erste Flugzeug mit dem neuen Namen Avianca Brasil. Danach folgt die Umstellung auf die Airbus-A320-Familie.
2014–2015
Gemeinsamer Markenauftritt mit der Avianca-Gruppe, erste A330-200 für die Langstrecke, im Juli 2015 Aufnahme in die Star Alliance.
2017–2018
Langstrecken nach Miami, New York und Santiago de Chile. Im Dezember 2018 folgt der Antrag auf gerichtliche Sanierung.
2019/2020
Leasinggeber holen Flugzeuge zurück, die ANAC setzt am 24. Mai 2019 den Flugbetrieb aus. Im Juli 2020 stellt ein Gericht den Konkurs fest.
Der Schritt vom Lufttaxi zum Linienverkehr war für OceanAir ein großer Sprung. Zunächst war die Airline eine kleine Regionalgesellschaft, bekannt für bunte Turboprops. Erst mit dem Namenswechsel und der Airbus-Flotte wurde sie zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der großen Drei des Landes.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code O6: stand in der Flugnummer, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code ONE: nutzte die Flugsicherung im Flugplan.
- Rufzeichen OCEANAIR: so meldeten sich die Besatzungen im Funk – bis zum Schluss.
Das Rufzeichen ist für dich ein guter Anhaltspunkt in alten Funkmitschnitten oder Flugdaten. Während die Maschinen außen „avianca“ trugen, blieb der alte Firmenname im Funk erhalten. Die kolumbianische Avianca fliegt dagegen mit IATA AV und ICAO AVA. Wer in einer Liste nur „Avianca“ notiert, verliert also genau die Information, die die beiden Airlines auseinanderhält. Mehr zu solchen Eigenheiten findest du im Beitrag zu Airline-Rufzeichen und ihrer Geschichte.
Alte Fotos richtig beschriften
Notiere bei Avianca-Bildern aus Brasilien immer Kennzeichen und Betreiber getrennt. Ein PR-Kennzeichen spricht für Avianca Brasil, ein kolumbianisches HK- für die Avianca aus Bogotá. Wie du ein Flugzeug über sein Kennzeichen weiterverfolgst, zeigt der Guide Flugzeug per Kennzeichen finden.
Eine Marke, zwei Airlines
Für Fluggäste war die Grenze kaum sichtbar, für Spotter ist sie der Kern dieser Seite. Avianca Brasil nutzte den Namen und das Design der Avianca, war aber eine eigenständige brasilianische Gesellschaft. Das hat auch einen rechtlichen Hintergrund: Inlandsflüge in Brasilien dürfen nur brasilianische Airlines anbieten. Eine kolumbianische Avianca hätte diesen Markt nicht selbst bedienen können.
| Merkmal | Avianca Brasil | Avianca (Kolumbien) |
|---|---|---|
| Rechtlicher Name | OceanAir Linhas Aéreas | Aerovías del Continente Americano |
| IATA / ICAO | O6 / ONE | AV / AVA |
| Rufzeichen | OCEANAIR | AVIANCA |
| Kennzeichen | PR- (Brasilien) | vor allem HK- (Kolumbien) und N- |
| Allianz-Status | Star-Alliance-Affiliate 2015–2019 | Star-Alliance-Mitglied |
| Heute | eingestellt | aktiv |
Die Verbindung beider Airlines lief über die Eigentümer. Nach dem Einstieg bei der kolumbianischen Avianca 2004 verschmolz diese später mit der zentralamerikanischen TACA zur Avianca-Gruppe. Avianca Brasil blieb dagegen außerhalb dieser Gruppe und gehörte weiter zum Umfeld der Familie Efromovich. Ab 2016 war José Efromovich, der jüngere Bruder von Germán, Vorsitzender des Verwaltungsrats.
Achtung bei der Frachtsparte
Avianca Brasil setzte ab 2014 auch einen A330-200F ein, der später an Avianca Cargo ging. Frachter im Avianca-Design kannst du deshalb nicht automatisch der brasilianischen Gesellschaft zuordnen – entscheidend ist wieder das Kennzeichen.
Star Alliance: der Partner nach TAM
Brasilien war für die Star Alliance lange ein wichtiger Markt. Bis Anfang 2007 war die Varig Mitglied, danach von 2010 bis 2014 die TAM, die mit LAN zur LATAM-Gruppe fusionierte und die Allianz verließ. Diese Lücke füllte Avianca Brasil: Am 22. Juli 2015 wurde sie als Affiliate aufgenommen, also als Partner unter dem Dach der Avianca-Mitgliedschaft.
Für Reisende brachte das Umsteigeverbindungen mit Airlines wie Lufthansa, United oder TAP über die brasilianischen Flughäfen. Das Vielfliegerprogramm „Amigo“ ging in diesem Zug im LifeMiles-Programm der Avianca auf. Wie die drei großen Allianzen aufgebaut sind, erklärt der Überblick zu Star Alliance, oneworld und SkyTeam.
Mit der Krise endete auch die Partnerschaft. Im August 2019 kündigte die Star Alliance den Austritt von Avianca Brasil zum 1. September 2019 an. Zu diesem Zeitpunkt flog die Airline schon seit Monaten nicht mehr.
Allianz-Lackierung auf zwei A320
Zwei A320 von Avianca Brasil, darunter PR-AVR und PR-OCQ, trugen zeitweise die Star-Alliance-Sonderlackierung. Solche Maschinen sind auf alten Fotos besonders schwer zuzuordnen, weil das Airline-Design fast vollständig fehlt. Welche Allianz-Motive es gibt, zeigt der Beitrag zu Allianz-Lackierungen.
Die Flotte von Avianca Brasil
Über die gut zwanzig Jahre wechselte die Flotte mehrfach komplett. Für Spotter ist das ein Glücksfall: Wer OceanAir und Avianca Brasil im Archiv hat, findet darin Turboprops, Fokker-Jets, ein paar Boeing-Exoten und am Ende eine Airbus-Flotte mit einigen Seltenheiten.
| Typ | Zeitraum (ungefähr) | Einsatz | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Embraer EMB 120 Brasília | 2002–2008 | Regionalverkehr | Erster Linientyp, bunte OceanAir-Bemalung |
| Fokker 50 | 2003–2008 | Regionalverkehr | Kleiner Bestand, Bemalung in Rot, Beige und Rosa |
| Fokker 100 | 2005–2015 | Inlandsstrecken | Rückgrat der OceanAir-Zeit, intern als „MK-28“ vermarktet |
| Boeing 757-200 und 767-300ER | 2007–2008 | Kurzes Langstrecken-Kapitel | Nur wenige Maschinen, heute seltene Archivmotive |
| Airbus A318 | 2011–2019 | Inlandsstrecken | Kürzester Airbus der Familie, weltweit selten |
| Airbus A319 | 2010–2019 | Inlandsstrecken | Kleiner Bestand |
| Airbus A320 | 2011–2019 | Inlands- und Regionalstrecken | Häufigster Typ der späten Jahre |
| Airbus A320neo | 2016–2019 | Inlands- und Regionalstrecken | Große Triebwerke, später teils bei Azul |
| Airbus A330-200 | 2014–2019 | Langstrecke | Großraumjet für die internationalen Strecken |
Die Zeiträume sind Näherungswerte aus Flottenübersichten, keine offiziellen Angaben der Airline. Kurzzeitig gehörten in der OceanAir-Zeit auch Boeing 737-300 zur Flotte.
Die A318 ist das Highlight für Typensammler. Der „Babybus“ wurde weltweit nur in kleinen Stückzahlen gebaut, und Avianca Brasil zählte zu den Betreibern mit einem größeren Bestand. Wer sie auf einem Foto erkennen will, achtet auf den sehr kurzen Rumpf und das vergleichsweise hohe Leitwerk. Wie du die Familie sicher auseinanderhältst, zeigt der Guide A318, A319, A320 und A321 unterscheiden. Bei den späten Neuzugängen hilft dir der Vergleich A320neo oder ceo?.
Eine Kuriosität aus der Fokker-Zeit: Eine Fokker 100 von Avianca Brasil landete im März 2014 in Brasília, nachdem sich das Bugfahrwerk wegen eines Hydraulikproblems nicht ausfahren ließ. Verletzt wurde niemand, das Flugzeug wurde aber nicht mehr repariert, zerlegt und 2020 zu einem Themenrestaurant umgebaut. Hersteller der Fokker-Jets war Fokker, die späte Flotte kam vollständig von Airbus.
Ex-Avianca-Brasil-Maschinen aufspüren
Setz Kennzeichen oder die A318 auf deine Wunschliste und lass dich benachrichtigen, wenn sie im Anflug auf deinen Flughafen sind. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Avianca Brasil erkennst
In der OceanAir-Zeit war die Airline bunt: Die Embraer Brasília trugen Hellblau, Weiß, Rot, Gelb, Rosa, Orange und Grau, die Fokker 50 Rot, Beige und Rosa. Mit dem Markenwechsel 2010 und spätestens mit dem gemeinsamen Auftritt ab 2014 übernahm Avianca Brasil das Design der Avianca-Gruppe mit dem roten Schriftzug „avianca“.
Das macht die Zuordnung heute knifflig. Die einzigen sichtbaren Unterschiede zu den Maschinen aus Kolumbien waren das brasilianische Kennzeichen und eine kleine brasilianische Flagge unter den Cockpitfenstern. Wer nur das Leitwerk fotografiert hat, kann die beiden Airlines auf dem Bild kaum trennen.
Zeigt dein altes Foto wirklich Avianca Brasil?
- Avianca-Design mit rotem Schriftzug „avianca“
- Kennzeichen mit PR- am Heck
- Kleine brasilianische Flagge unter den Cockpitfenstern
- Typ A318, A319, A320, A320neo oder A330-200
- Aufnahme aus der Zeit vor Juni 2019
- Ort in Brasilien, etwa Guarulhos, Congonhas, Brasília, Rio oder Salvador
Basen und Strecken
Der Schwerpunkt lag im Inlandsverkehr zwischen den großen Städten. Zu den wichtigsten Basen gehörten São Paulo-Guarulhos und Brasília, dazu der innerstädtische Flughafen São Paulo-Congonhas, Rio de Janeiro und Salvador. Gerade Congonhas war wichtig: Die Start- und Landerechte am stadtnahen Flughafen gehören zu den wertvollsten in Brasilien. Wie der größte Flughafen des Landes aufgebaut ist, liest du im Eintrag zum Flughafen São Paulo-Guarulhos.
Zwischen 2017 und 2018 wagte Avianca Brasil den Schritt auf die Langstrecke. Neue Verbindungen führten nach Miami und New York, dazu kamen Flüge nach Santiago de Chile; für die Langstrecke standen die A330-200 bereit. Diese Strecken waren für die Star-Alliance-Partnerschaft wichtig, blieben aber nur kurz im Programm.
Ende April 2019, mitten in der Krise, schrumpfte das Netz auf nur noch vier Flughäfen: Congonhas, Rio de Janeiro-Santos Dumont, Brasília und Salvador.
Das Ende: Sanierung, Slot-Auktion und Konkurs
Der Niedergang ging schnell. Avianca Brasil war stark gewachsen, hatte aber hohe Schulden – vor allem bei den Leasinggebern, denen die Flugzeuge gehörten. Warum Airlines ihre Flotten mieten und was im Ernstfall passiert, erklärt der Beitrag zu Flugzeugleasing.
Dezember 2018
Avianca Brasil beantragt die gerichtliche Sanierung („recuperação judicial“).
März/April 2019
Azul, GOL und LATAM bieten für Teile des Geschäfts. Gleichzeitig holen Leasinggeber Flugzeuge zurück, die Flotte schrumpft drastisch, an einem Tag vor Ostern fallen über 400 Flüge aus.
24. Mai 2019
Die ANAC setzt den Flugbetrieb aus, bis die Airline nachweisen kann, dass sie sicher weiterfliegen kann. Das gelingt nicht mehr.
Juli 2019
Bei einer Versteigerung von Unternehmensteilen mit Start- und Landerechten erhalten GOL und LATAM Brasil Zuschläge. Die ANAC verteilt die Slots danach selbst neu.
Juli 2020
Nach einem Antrag der Airline stellt das Gericht den Konkurs fest.
Für den brasilianischen Markt war das Aus ein Einschnitt: Aus vier großen Airlines wurden drei. Die Verteilung der Congonhas-Slots wurde zur zentralen Frage, weil sie bestimmt, wer am stadtnahen Flughafen von São Paulo wachsen kann. Was hinter Slots steckt und warum sie so viel wert sind, zeigt der Beitrag zu Slots an Flughäfen.
Spotten heute: nur noch mit Vorgeschichte
Ein Flugzeug von Avianca Brasil im Linienbetrieb wirst du nicht mehr sehen. Was bleibt, sind Fotos aus der Zeit bis Mai 2019 und frühere Maschinen, die bei anderen Airlines weiterfliegen. Fotografiere sie wie jedes andere Flugzeug nur von öffentlich zugänglichen Bereichen aus.
Avianca Brasil im Spotter-Alltag heute
Für dein Logbuch ist Avianca Brasil ein Archiv-Thema – aber ein lohnendes. Wer zwischen 2010 und 2019 in Brasilien fotografiert hat, findet auf der Speicherkarte womöglich A318 und A320 in Avianca-Farben, die er damals für kolumbianische Maschinen hielt. Mit dem Kennzeichen und dem Aufnahmeort lassen sich diese Bilder heute sauber zuordnen.
Spannend ist auch die Suche nach dem Verbleib. Weil die Flotte geleast war, gingen die Flugzeuge 2019 an die Leasinggeber zurück und wechselten danach zu neuen Betreibern – ein Teil der A320neo landete laut Flottenübersichten bei Azul. Die Maschinen tragen heute andere Kennzeichen und Designs. Manchmal siehst du nach einem solchen Wechsel kurzzeitig Mischformen aus altem und neuem Auftritt; worauf du dabei achtest, zeigt der Guide zu Hybrid-Lackierungen.
Gute Chancen auf Avianca-Brasil-Spuren, wenn …
- du dein Fotoarchiv aus Brasilien vor Juni 2019 durchsiehst
- du gezielt nach Seriennummern früherer Avianca-Brasil-Flugzeuge suchst
Prüf es genau, wenn …
- auf dem Foto zwar „avianca“ steht, das Kennzeichen aber fehlt
- ein Flugzeug die Star-Alliance-Lackierung trägt
Keine Chance auf Avianca Brasil, wenn …
- du heute im Flugplan nach O6-Flugnummern suchst – die Airline fliegt seit Mai 2019 nicht mehr
Wer sich für die Luftfahrtgeschichte Brasiliens interessiert, findet weitere historische Airlines wie Transbrasil, VASP oder Panair do Brasil – jede mit eigenen Lackierungen und Typen fürs Archiv.
Häufige Verwechslungen
- Avianca Brasil für eine Tochter der kolumbianischen Avianca halten – rechtlich war sie eine eigene Gesellschaft im Umfeld der Familie Efromovich.
- O6 und AV verwechseln – O6 und ONE gehörten zu Avianca Brasil, AV und AVA gehören zur Avianca aus Kolumbien.
- Das Rufzeichen „AVIANCA“ erwarten – im Funk meldete sich Avianca Brasil bis zum Schluss als „OCEANAIR“.
- Jedes Avianca-Flugzeug in Brasilien der brasilianischen Gesellschaft zuschreiben – auch Maschinen aus Kolumbien flogen nach Brasilien; das Kennzeichen entscheidet.
- Die A318 als A319 notieren – der kürzere Rumpf und das hohe Leitwerk verraten den Babybus.
- Avianca Brasil mit Avianca Cargo gleichsetzen – der A330-200F ging an die Frachtsparte der Avianca-Gruppe.
Geschichte im eigenen Hangar
Sammle deine Avianca-Brasil-Fotos im Hangar, poste sie mit Typ, Kennzeichen und Flughafen und tausch dich in der Community mit anderen Spottern aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Avianca Brasil ist eine Airline mit doppelter Identität: außen Avianca, innen OceanAir. In gut zwanzig Jahren wurde aus einem Lufttaxi für die Ölindustrie die viertgrößte Airline Brasiliens mit Star-Alliance-Anbindung, Langstrecke und einer der interessantesten Airbus-Flotten Südamerikas – bis die Schulden das Unternehmen 2019 binnen Monaten einholten. Für Spotter bleibt vor allem die Aufgabe, alte Avianca-Fotos sauber zu trennen.
Kurzfazit
Avianca Brasil (IATA O6, ICAO ONE, Rufzeichen „OCEANAIR“) war eine historische brasilianische Airline und flog bis Mai 2019. Das Avianca-Design verrät die Marke, das PR-Kennzeichen und die kleine Flagge am Cockpit zeigen, dass es die brasilianische Gesellschaft war.
Zusammenfassung
- OceanAir begann 1998 mit Lufttaxi-Flügen für die Ölindustrie an der Küste von Rio de Janeiro und stieg 2002 in den Linienverkehr ein.
- Ab 2010 flog die Airline als Avianca Brasil, stellte von Fokker auf Airbus um und wurde bis 2018 zur Nummer vier im brasilianischen Inlandsmarkt.
- Nach dem Antrag auf gerichtliche Sanierung im Dezember 2018 holten Leasinggeber ihre Flugzeuge zurück; im Mai 2019 setzte die ANAC den Flugbetrieb aus.
- Heute ist Avianca Brasil ein Archiv-Thema: Viele frühere Maschinen fliegen unter neuem Kennzeichen bei anderen Airlines weiter.
Häufige Fragen
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Avianca Brasil?
Avianca Brasil flog mit dem IATA-Code O6 und dem ICAO-Code ONE. Im Funk meldeten sich die Besatzungen mit „OCEANAIR“ – ein Überbleibsel aus der Zeit vor dem Markenwechsel. Die kolumbianische Avianca nutzt dagegen AV und AVA.
War Avianca Brasil eine Tochter von Avianca?
Nein, nicht im rechtlichen Sinn. Avianca Brasil hieß weiter OceanAir Linhas Aéreas und gehörte zum Firmenumfeld von Germán Efromovich und seinem Bruder José, nicht zur kolumbianischen Avianca-Holding. Die Verbindung entstand, weil Efromovichs Synergy Group 2004 auch die Avianca in Kolumbien übernommen hatte. Für Passagiere und Spotter wirkten beide wie eine Airline.
Wann war Avianca Brasil in der Star Alliance?
Avianca Brasil wurde am 22. Juli 2015 als Affiliate in die Star Alliance aufgenommen. Im August 2019 kündigte die Allianz den Austritt zum 1. September 2019 an. Die Mitgliedschaft der kolumbianischen Avianca war davon nicht betroffen.
Warum ging Avianca Brasil pleite?
Die Airline war hoch verschuldet und konnte die Leasingraten für ihre Flugzeuge nicht mehr zahlen. Im Dezember 2018 beantragte sie die gerichtliche Sanierung („recuperação judicial“). Im Frühjahr 2019 holten Leasinggeber einen Großteil der Flotte zurück, Hunderte Flüge fielen aus. Am 24. Mai 2019 setzte die Luftfahrtbehörde ANAC den Flugbetrieb aus, im Juli 2020 wurde der Konkurs gerichtlich festgestellt.
Welche Flugzeuge flog Avianca Brasil?
Zuletzt eine reine Airbus-Flotte: A318, A319, A320, A320neo und A330-200 für die Langstrecke. Als OceanAir flog die Airline davor unter anderem Embraer EMB 120 Brasília, Fokker 50 und viele Fokker 100, kurzzeitig auch Boeing 737-300, 757-200 und 767-300ER.
Was passierte mit den Slots von Avianca Brasil?
Im Juli 2019 wurden Unternehmensteile mit Start- und Landerechten versteigert, Zuschläge erhielten GOL und LATAM Brasil. Die ANAC verteilte die Slots, vor allem am begehrten Flughafen São Paulo-Congonhas, anschließend selbst neu. Wie Slots funktionieren, erklärt der Beitrag zu Slots an Flughäfen.
Kann ich heute noch Flugzeuge von Avianca Brasil sehen?
Nicht in Avianca-Brasil-Farben im Linienbetrieb. Weil die Flotte geleast war, gingen die Flugzeuge an Leasinggeber zurück und flogen danach bei anderen Airlines weiter, zum Beispiel ein Teil der A320neo bei Azul. Über Kennzeichen und Seriennummer lässt sich ihre Vergangenheit oft zurückverfolgen.
Avianca Brasil im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Airbus A318
Kurz, gedrungen, mit überraschend hohem Leitwerk: Die A318 ist das kleinste Mitglied der A320-Familie und im Linienverkehr fast verschwunden. So erkennst du den „Baby Bus“ und findest ihn noch.
FlugzeugtypAirbus A319
Kurz, kompakt und seit 1996 im Liniendienst: Die A319 ist das gestutzte Mitglied der A320-Familie. So trennst du sie sicher von A318, A320 und A319neo.
FlugzeugtypAirbus A320 (ceo)
Der Jet, mit dem Airbus den Kurzstreckenmarkt umgekrempelt hat: Die A320 der ersten Generation ist seit 1988 im Dienst und noch immer an fast jedem Flughafen zu sehen. So erkennst du sie und ihre Varianten.
FlugzeugtypAirbus A320neo
Die Neuauflage des Bestsellers: Die A320neo kombiniert die bewährte A320-Zelle mit einer neuen Triebwerksgeneration und ist heute an fast jedem großen Flughafen zu sehen.
FlugzeugtypAirbus A330-200
Kürzer als die A330-300, mit auffällig hohem Seitenleitwerk und großer Reichweite: Die A330-200 ist ein Langstrecken-Klassiker, der langsam aus Europas Flotten verschwindet. So erkennst du sie sicher.
FlugzeugtypFokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
FlugzeugtypFokker 50
Hoher Flügel, sechsblättrige Propeller und eine lange Reihe kleiner Fenster: Die Fokker 50 war der letzte Turboprop aus den Niederlanden. Heute fliegt sie nur noch bei wenigen Betreibern – so findest und erkennst du sie.
Weitere Airlines
Avianca
Kolumbiens Flag-Carrier mit Drehkreuz Bogotá: 1919 als SCADTA gegründet, nach KLM die zweitälteste noch bestehende Airline der Welt, Star-Alliance-Mitglied und heute Teil der Abra Group – in Europa mit der Boeing 787-8 zu Gast.
NetzwerkLATAM Airlines Brasil
Brasiliens größte Airline, hervorgegangen aus TAM: Airbus-A320-Familie im Inland, Boeing 777-300ER und 787 auf der Langstrecke nach Frankfurt, Lissabon, Mailand und weiteren Zielen in Europa.
Low-CostGOL Linhas Aéreas
Brasiliens große Low-Cost-Airline aus Rio de Janeiro: ein Vierteljahrhundert lang reine Boeing-737-Flotte, Chapter-11-Verfahren 2024/25, Teil der Abra Group mit Avianca – und seit 2026 erstmals Airbus A330 für die Langstrecke nach Europa.
NetzwerkAzul Linhas Aéreas Brasileiras
Brasiliens Airline mit dem bunten Typenmix: Embraer E-Jets, ATR-Turboprops, A320neo und A330neo, gegründet 2008 von JetBlue-Gründer David Neeleman, mit Drehkreuz in Campinas und Flügen nach Lissabon und Porto.
NetzwerkVarig
Historische Flag-Carrier Brasiliens: 1927 von einem deutschen Auswanderer in Porto Alegre gegründet, jahrzehntelang größte Airline Südamerikas, ab 1997 in der Star Alliance – und 2006 im Insolvenzverfahren zerschlagen.
FrachtAvianca Cargo
Die Frachtairline der Avianca-Gruppe aus Kolumbien, bis 2013 als Tampa Cargo bekannt: Airbus-A330-Frachter, Drehkreuze Bogotá, Medellín und Miami – und Tonnen von Schnittblumen für die USA und Europa.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Star Alliance
Die 1997 gegründete Luftfahrtallianz rund um Lufthansa, United und Air Canada – mit Sitz in Frankfurt am Main und eigener Allianz-Sonderlackierung.
FlughafenFlughafen São Paulo-Guarulhos
Der verkehrsreichste Flughafen Lateinamerikas: zwei parallele Pisten im Norden von São Paulo, Heimat der LATAM-Langstrecke, Drehkreuz von GOL und Tor für Airlines aus Europa, Nahost und Afrika – mit einer Spotterszene, die rund um den Flughafen ihre eigenen Plätze gefunden hat.
HerstellerAirbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
HerstellerFokker
Fokker war über Jahrzehnte der große Name der niederländischen Luftfahrt: erst Jagdflugzeuge im Ersten Weltkrieg, dann die F.VII, später F27, F28, Fokker 50, 70 und 100. 1996 ging der Hersteller pleite. Hier erfährst du, wie es dazu kam, was vom Unternehmen geblieben ist und wo du Fokker-Typen heute noch vor die Linse bekommst.
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