Das Wichtigste in Kürze
- Der CH-46 Sea Knight ist ein mittlerer Transporthubschrauber mit Tandemrotoren, entwickelt von Vertol und nach der Übernahme 1960 von Boeing Vertol gebaut.
- Das US Marine Corps flog ihn von 1964 bis zum letzten Dienstflug am 5. Oktober 2014; die offizielle Abschiedszeremonie folgte am 1. August 2015.
- Schweden setzte den Typ als Hkp 4 ein, vor allem für Seenotrettung und U-Boot-Jagd – der letzte Flug für die Streitkräfte war am 1. März 2011.
- Die zivile Variante heißt Model 107 (BV 107-II); die Musterzulassung liegt seit 2006 bei Columbia Helicopters in Oregon.
- Vom Chinook unterscheidest du ihn am schnellsten am Fahrwerk: drei Beine mit Doppelrädern statt vier Beinen, dazu ein deutlich kleinerer Rumpf.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist der CH-46 Sea Knight?
- 2.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
- 3.Die Varianten im Überblick
- 4.Einsatzgeschichte bei den US Marines
- 5.Der Sea Knight in Schweden: Hkp 4
- 6.Kanada, Japan und weitere Betreiber
- 7.Model 107: die zivile Seite
- 8.Sea Knight, Chinook oder Osprey?
- 9.Wo du den Sea Knight heute siehst
- 10.Fototipps für Tandemrotoren
- 11.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 12.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Vertol, ab 1960 Boeing Vertol (Lizenzbau bei Kawasaki als KV-107) |
|---|---|
| Grundmuster | Vertol Model 107 |
| Erstflug Model 107 | 22. April 1958 |
| Erstflug CH-46A | August 1962 |
| Indienststellung US Marine Corps | 1964 (Auslieferungen ab November 1964) |
| Bauzeit H-46-Serie | 1962 bis 1971 |
| Gebaute H-46 | 524 (ohne zivile 107 und Kawasaki-Lizenzbauten) |
| Triebwerke (CH-46E) | 2 × General Electric T58-GE-16, je rund 1.390 kW |
| Rotoren | 2 gegenläufige Dreiblattrotoren in Tandemanordnung, je ca. 15 m Durchmesser |
| Rumpflänge (CH-46E) | 13,67 m |
| Länge über drehende Rotoren | 25,40 m |
| Höhe | 5,11 m |
| Max. Abfluggewicht (CH-46E) | 11.022 kg |
| Höchstgeschwindigkeit (CH-46E) | rund 267 km/h auf Meereshöhe |
| Zuladung (CH-46E) | 24 Soldaten oder 15 Tragen mit zwei Betreuern oder rund 3,2 t Fracht |
| Ausmusterung | US Navy 2004, Kanada 2004, Schweden 2011, US Marine Corps 2014/2015 |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Zwei Dreiblattrotoren hintereinander – vorn über dem Cockpit, hinten auf einem hohen Pylon
- Beide Triebwerke sitzen links und rechts am hinteren Rotorpylon, eng an den Rumpf geschmiegt
- Starres Dreibeinfahrwerk mit Doppelrädern: Bugrad vorn, Hauptfahrwerk in kurzen seitlichen Stummeln (Sponsons) am Heck
- Deutliche Bug-hoch-Haltung am Boden, weil das Bugfahrwerk höher steht als das Hauptfahrwerk
- Rumpfunterseite in Bootsform – der Hubschrauber kann bei ruhiger See kurzzeitig auf dem Wasser schwimmen
- Heckrampe zum Beladen, deutlich kleiner und kürzer als beim CH-47 Chinook
Aktualisiert: Oktober 2026 – Zwei Rotoren drehen hintereinander, die Nase reckt sich keck nach oben, und das Ganze sieht ein bisschen aus wie ein geschrumpfter Chinook: Dann hast du sehr wahrscheinlich einen Boeing Vertol CH-46 Sea Knight vor dir. Rund ein halbes Jahrhundert lang war er das Arbeitspferd der US Marines, dazu Seenotretter in Kanada und U-Boot-Jäger in Schweden. Heute ist er fast überall ausgemustert. Auf dieser Seite erfährst du, wie du ihn sicher erkennst, wie er sich vom Chinook unterscheidet, was aus der zivilen Version Model 107 geworden ist und wo du ihn noch zu sehen bekommst.
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Was ist der CH-46 Sea Knight?
Der CH-46 ist ein mittlerer Transporthubschrauber mit zwei Rotoren in Tandemanordnung und zwei Wellenturbinen. Er geht auf das Vertol Model 107 zurück, das am 22. April 1958 zum ersten Mal abhob. Vertol – hervorgegangen aus dem Hubschrauberpionier Piasecki – wurde 1960 von Boeing übernommen und firmierte danach als Boeing Vertol. Aus dieser Linie stammt auch der größere CH-47 Chinook, der bis heute gebaut wird.
Das Tandemprinzip hat einen großen Vorteil: Weil sich die beiden Rotoren gegenläufig drehen, heben sich ihre Drehmomente gegenseitig auf. Ein Heckrotor ist überflüssig, und die gesamte Triebwerksleistung geht in den Auftrieb. Außerdem verträgt die Bauweise einen breiten Schwerpunktbereich – praktisch für einen Hubschrauber, der mal Soldaten, mal Tragen und mal Paletten schleppt.
Die US Army testete zunächst eine Version als YHC-1A, entschied sich dann aber für den größeren Chinook. Das US Marine Corps dagegen wählte 1961 eine angepasste Variante als neuen Truppentransporter. Nach dem Erstflug im August 1962 erhielt sie die Bezeichnung CH-46A, ab November 1964 kam sie in den Truppendienst. Bis 1971 entstanden insgesamt 524 Maschinen der H-46-Serie; zivile Model 107 und die japanischen Lizenzbauten kommen noch dazu.
Aufbau in Kürze
Die beiden GE-T58-Turbinen sitzen rechts und links am hinteren Rotorpylon. Eine Welle führt die Kraft nach vorn zum Bugrotor; fällt ein Triebwerk aus, kann das andere beide Rotoren antreiben. Die Rotorblätter lassen sich falten, damit der Hubschrauber auf Schiffen in enge Hangars passt.
Das Fahrwerk ist starr und hat an allen drei Beinen Doppelräder. Das Hauptfahrwerk steckt in kurzen Stummeln an den Rumpfseiten, die zugleich Treibstoff aufnehmen. Weil das Bugrad höher steht, hebt der Sea Knight am Boden die Nase – das erleichtert das Beladen über die Heckrampe. Die Rumpfunterseite ist wasserdicht ausgeführt, sodass der Hubschrauber bei ruhiger See auf dem Wasser landen und eine begrenzte Zeit schwimmen kann.
Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
Tandemrotor-Hubschrauber gibt es nicht viele. Wenn du eine solche Silhouette siehst, grenzt du mit drei Beobachtungen sicher ein.
Fahrwerksbeine zählen
Drei Beine mit Doppelrädern – eins vorn, zwei hinten in seitlichen Stummeln – sprechen klar für die 107/H-46-Familie. Vier Fahrwerksbeine bedeuten Chinook.
Triebwerke suchen
Beim Sea Knight liegen die Turbinen eng am hinteren Pylon an und wirken wie ein Teil der Verkleidung. Beim Chinook hängen sie als dicke, separate Gondeln außen am Heck.
Größe und Haltung einschätzen
Der Sea Knight wirkt kompakt und steht mit erhobener Nase da. Der Chinook ist sichtbar länger, höher und steht fast waagerecht auf seinen vier Beinen.
Diese drei Punkte reichen in der Praxis. Am Ende bestätigt die Seriennummer oder das Kennzeichen den Typ und oft auch die genaue Variante. Wie du US-Militärseriennummern liest, erklärt der Beitrag zu US-Militärkennzeichen.
Praxis-Tipp für den ersten Blick
Im Flug verrät dich die Seitenansicht am schnellsten: Beim Sea Knight siehst du hinten die kurzen Fahrwerksstummel und darüber den schlanken Pylon. Ein Chinook zeigt stattdessen lange Treibstoffverkleidungen entlang der Rumpfseiten und die außen liegenden Triebwerksgondeln.
Die Varianten im Überblick
Über die Jahrzehnte wurde der Sea Knight mehrfach modernisiert. Für Spotter sind die Versionen außen oft schwer auseinanderzuhalten; Seriennummer und Einheit helfen weiter.
| Variante | Betreiber | Besonderheit |
|---|---|---|
| CH-46A | US Marine Corps | Erste Serienversion mit T58-GE-8 |
| UH-46A / UH-46D | US Navy | Versorgung von Schiffen aus der Luft (Vertical Replenishment) |
| CH-46D | US Marine Corps | Stärkere T58-GE-10, 266 Exemplare |
| CH-46F | US Marine Corps | Letzte Neubauversion mit überarbeiteter Avionik |
| CH-46E | US Marine Corps | Kampfwertsteigerung mit Glasfaser-Rotorblättern und T58-GE-16, die wichtigste späte Version |
| HH-46A / HH-46D / HH-46E | US Navy, USMC | Such- und Rettungsversionen, HH-46D mit Rettungswinde und Doppler-Radar |
| CH-113 / CH-113A | Kanada | Labrador (Seenotrettung) und Voyageur (Heerestransport) |
| Hkp 4 | Schweden | Luftwaffe und Marine, Seenotrettung und U-Boot-Jagd |
| KV-107 | Japan, Saudi-Arabien u. a. | Lizenzbau von Kawasaki ab 1965 |
| BV 107-II | zivile Betreiber | Ziviles Grundmodell, u. a. New York Airways und Pan Am |
Einsatzgeschichte bei den US Marines
Der CH-46 wurde in Vietnam zum wichtigsten Truppentransporter der Marines. Er schloss die Lücke zwischen der kleinen UH-1 „Huey“ und dem schweren CH-53. Die ersten Jahre waren hart: Die Triebwerke saugten im Schwebeflug über staubigen Landeplätzen Schmutz an, und 1966 und 1967 musste der Typ wegen technischer Probleme mehrfach am Boden bleiben. Untersuchungen fanden Strukturschwächen am hinteren Pylon, die anschließend behoben wurden. Bis zum Ende der US-Operationen gingen in Vietnam mehr als 100 Sea Knights durch Feindbeschuss verloren.
Einen festen Platz in den Geschichtsbüchern hat der Sea Knight durch die Evakuierung Saigons im April 1975: Der letzte Hubschrauber, der vom Dach der US-Botschaft abhob, war ein CH-46. Danach flog der Typ unter anderem bei der Landung auf Grenada 1983, im Irak ab 2003 und in Afghanistan.
Ab 2006 begann die Umstellung auf die Kipprotor-Maschine MV-22 Osprey. Die erste Staffel, HMM-263, wurde in VMM-263 umbenannt. Den letzten Dienstflug absolvierte ein CH-46 am 5. Oktober 2014 an der Marine Corps Air Station Miramar; die letzte Ausbildungsstaffel gab den Typ im April 2015 ab. Die offizielle Abschiedszeremonie fand am 1. August 2015 im Steven F. Udvar-Hazy Center bei Washington statt.
Auch nach dem Abschied bei den Marines war der Typ noch nicht ganz verschwunden: Ab 2011 wurden ausgemusterte CH-46E für die Luftflotte des US-Außenministeriums aufgearbeitet und unter anderem in Afghanistan eingesetzt. Beim Abzug aus Kabul im August 2021 blieben mehrere dieser Maschinen unbrauchbar gemacht auf dem Flughafen zurück.
Tandemrotoren auf dem Radar
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Der Sea Knight in Schweden: Hkp 4
Für europäische Spotter ist die schwedische Geschichte die spannendste. Ab 1963 erhielt Schweden die ersten Maschinen, insgesamt waren es 22 Exemplare – teils von Boeing Vertol, teils aus japanischer Kawasaki-Fertigung. Die schwedischen Streitkräfte führten sie als Helikopter 4 (Hkp 4) in mehreren Untervarianten.
- Luftwaffe (Flygvapnet): Die Hkp 4A dienten vor allem der Such- und Rettungsbereitschaft an verschiedenen Fliegergeschwadern. Abgelöst wurden sie durch den Super Puma, in Schweden Hkp 10.
- Marine (Marinflyget): Hier jagte der Hkp 4 mit Tauchsonar, Wasserbomben oder Torpedos nach U-Booten – eine Aufgabe, die im Kalten Krieg in den schwedischen Schären höchst real war.
- Zivile Notlagen: Die Hubschrauber halfen beim Brand der Fähre Scandinavian Star 1990, beim Untergang der Estonia im September 1994 und bei der Bekämpfung von Waldbränden.
Ab 1998 flogen die verbliebenen Maschinen in der neu gebildeten Hubschrauberflottille, zunehmend als Transporthubschrauber. Der letzte Flug für die schwedischen Streitkräfte fand am 1. März 2011 statt. Eigentlich war der NH90 (Hkp 14) als Nachfolger für die U-Boot-Jagd vorgesehen, dessen Einführung verzögerte sich jedoch; für Sanitätsflüge beschaffte Schweden 2011 kurzfristig UH-60M Black Hawks (Hkp 16) – mehr zum Typ auf der Seite zum Sikorsky UH-60 Black Hawk. Die meisten noch vorhandenen Hkp 4 gingen 2012 an Columbia Helicopters in die USA.
Schweden-Trip für Sea-Knight-Fans
Im Flygvapenmuseum Linköping steht ein Hkp 4. Das Aeroseum in Göteborg besitzt zwei Exemplare, eines davon laut schwedischen Angaben sogar flugfähig. Prüf vor der Reise Öffnungszeiten und Flugtermine direkt beim Museum.
Kanada, Japan und weitere Betreiber
In Kanada flog der Typ als CH-113 Labrador bei der Luftwaffe in der Seenotrettung; die erste Maschine kam im Oktober 1963 in Dienst. Das Heer erhielt die Transportversion CH-113A Voyageur, die nach der Einführung des Chinook ebenfalls zu Rettungshubschraubern umgebaut wurde. 2004 schied der letzte Labrador aus, Nachfolger wurde der CH-149 Cormorant – eine Version des AW101.
Japan erwarb 1965 die Lizenz; Kawasaki baute den Typ als KV-107 für die Luft-, Land- und Seestreitkräfte sowie die Tokioter Polizei. Kawasaki-Maschinen gingen auch in den Export, etwa an das saudi-arabische Innenministerium für Brandbekämpfung, Rettung und Krankentransport sowie an das thailändische Heer. Auch die schwedischen Hkp 4 der späteren Lieferungen stammen aus Kawasaki-Fertigung.
Ein kurioses Kapitel schrieb Argentinien: Im September 2023 bat das Land die USA um Zustimmung, eingelagerte CH-46 aus Arizona für die Versorgung seiner Antarktis-Stationen aufzuarbeiten. Wie es damit weitergeht, ist offen – prüf bei Interesse den aktuellen Stand.
Model 107: die zivile Seite
Vertol hatte das Model 107 von Anfang an auch für den zivilen Markt gedacht. New York Airways bestellte 1960 die Passagierversion BV 107-II und übernahm im Juli 1962 die erste Maschine. Damit flog die Airline Zubringerverkehr zwischen den New Yorker Flughäfen und Manhattan. Auch Pan Am setzte die 107 Mitte der 1960er-Jahre ein, unter anderem für Flüge vom Dach des Pan-Am-Gebäudes in Manhattan zum Flughafen JFK – heute ein Stück Luftfahrtnostalgie.
Später fand die 107-II ihre Nische in der Außenlastarbeit bei Spezialbetreibern. Im Dezember 2006 übernahm Columbia Helicopters aus Oregon die Musterzulassung. Das Unternehmen kaufte gebrauchte Maschinen aus Kanada und Schweden auf, verkaufte einzelne Exemplare weiter und begann 2023, ältere 107-II und ehemalige CH-46E aufzuarbeiten; außerdem entwickelte es das Konzept einer modernisierten Model 107-III. Für dich als Spotter heißt das: Wer heute noch einen fliegenden Tandemrotor dieser Familie erwischen will, schaut am ehesten auf zivile Spezialbetreiber in Nordamerika.
Sea Knight, Chinook oder Osprey?
Die drei Typen werden gern verwechselt, weil sie ähnliche Aufgaben haben und oft gemeinsam auf Fotos aus der US-Militärluftfahrt auftauchen. Der Finder hilft dir beim Eingrenzen.
Schnellbestimmung: Transporthubschrauber mit zwei Rotoren
CH-46 Sea Knight / Model 107
Kompakter Tandemrotor, drei Fahrwerksbeine, integrierte Triebwerke: Das ist die 107/H-46-Familie. Seriennummer oder Kennzeichen verraten dir, ob CH-46, Hkp 4, KV-107 oder zivile 107-II.
Boeing CH-47 Chinook
Großer, langer Rumpf, vier Fahrwerksbeine und außen liegende Triebwerksgondeln sprechen für den Chinook – den großen Bruder aus demselben Haus.
Bell Boeing V-22 Osprey
Schwenkbare Rotoren an einer Tragfläche: Das ist kein Hubschrauber im klassischen Sinn, sondern der Kipprotor-Nachfolger des Sea Knight bei den Marines.
Wenn du dich generell sicherer bei Drehflüglern fühlen willst, hilft dir der Guide Hubschraubertypen erkennen. Ein weiterer Marine-Klassiker mit Bootsrumpf ist übrigens der Westland Sea King – der hat allerdings nur einen Hauptrotor plus Heckrotor.
Wo du den Sea Knight heute siehst
Im europäischen Luftraum ist der CH-46 praktisch verschwunden. Deine besten Chancen liegen in Museen und – mit Glück – bei zivilen Betreibern in Nordamerika.
| Ort | Was dich erwartet | Hinweis |
|---|---|---|
| Flygvapenmuseum Linköping (Schweden) | Hkp 4 aus schwedischem Dienst | Gut kombinierbar mit Saab-Klassikern |
| Aeroseum Göteborg (Schweden) | Zwei Hkp 4, eines laut schwedischen Angaben flugfähig | Flugtermine vorab prüfen |
| Pima Air & Space Museum Tucson (USA) | CH-46E im Freigelände | Riesige Sammlung in der Wüste |
| Udvar-Hazy Center bei Washington (USA) | CH-46 der Marines | Ort der Abschiedszeremonie 2015 |
| National Museum of the Marine Corps (USA) | Hintere Rumpfhälfte eines CH-46D | Fokus auf Marine-Geschichte |
| Columbia Helicopters (USA) | Zivile 107-II im Arbeitseinsatz | Einsätze wechseln, keine festen Sichtungsorte |
Das Pima Air & Space Museum in Tucson lohnt sich ohnehin für jeden, der US-Militärluftfahrt liebt; Tipps für Fotos vor Ort findest du beim Spot im Pima Air & Space Museum. Wer in Washington ist, kombiniert das Udvar-Hazy Center am Flughafen Dulles mit einem Spotting-Abstecher, und in Schweden liegt das Museum direkt am Flugplatz Malmen bei Linköping. Wenn du in Deutschland auf Drehflügler-Jagd gehst, findest du im Hubschraubermuseum Bückeburg einen guten Überblick über die Entwicklung der Hubschraubertechnik – ob dort ein Tandemrotor aus der 107-Familie steht, prüfst du am besten vorab beim Museum.
Museumsbestände ändern sich
Exponate werden verliehen, restauriert oder eingelagert. Verlass dich nicht auf ältere Listen, sondern schau vor deinem Besuch auf die Seite des Museums oder frag direkt nach.
Fototipps für Tandemrotoren
Ein Sea Knight ist ein dankbares Motiv – ob im Museum oder, mit viel Glück, in der Luft.
Rotorblätter nicht einfrieren
Bei fliegenden Hubschraubern wirkt eine zu kurze Belichtungszeit, als stünden die Rotoren still. Längere Zeiten mit Mitziehen erzeugen eine sichtbare Rotorscheibe.
Seitenprofil zeigen
Die typische Silhouette mit hochgereckter Nase, Fahrwerksstummeln und Heckpylon kommt im Profil am besten zur Geltung.
Details im Museum
Rampe, Rettungswinde, Tauchsonar-Öffnung oder Seriennummer: Gerade bei Museumsmaschinen erzählen Details, welche Variante du vor dir hast.
Licht im Freigelände planen
In Freiluftmuseen wie Tucson stehen die Exponate fest. Wann die Sonne günstig auf deiner Seite steht, rechnest du vorher aus.
Wie du Drehflügler grundsätzlich fotografierst und wo du sie in Deutschland findest, steht im Guide Hubschrauber spotten. Wenn du Militärluftfahrzeuge live verfolgen möchtest, hilft dir Militärflugzeuge online verfolgen, und für das Nachschlagen von Seriennummern und Einheiten lohnt ein Blick auf Scramble. Bevor du an einem aktiven Militärflugplatz fotografierst, lies die Regeln für das Fotografieren an Militärflugplätzen.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für den Sea Knight, wenn …
- zwei Rotoren hintereinander auf einem kompakten Rumpf sitzen
- du drei Fahrwerksbeine mit Doppelrädern zählst
- die Triebwerke eng am hinteren Pylon anliegen
- die Maschine am Boden mit erhobener Nase steht
Sieh genauer hin, wenn …
- du die Maschine nur frontal oder von hinten siehst
- die Größe ohne Vergleichsobjekt schwer einzuschätzen ist
- es um die genaue Variante geht – CH-46, Hkp 4, KV-107 und 107-II sehen sich sehr ähnlich
Es ist kein Sea Knight, wenn …
- du vier Fahrwerksbeine siehst – dann ist es ein Chinook
- die Triebwerke als dicke Gondeln außen am Heck hängen
- die Rotoren an einer Tragfläche sitzen – dann ist es eine V-22 Osprey
- nur ein Hauptrotor plus Heckrotor vorhanden ist
Fazit
Der CH-46 Sea Knight ist einer der großen Klassiker unter den Militärhubschraubern. Kompakter Tandemrotor, drei Fahrwerksbeine und die freche, hochgereckte Nase machen ihn unverwechselbar, sobald du ihn einmal bewusst gesehen hast. Bei den Marines, in Kanada und in Schweden ist er Geschichte, als zivile Model 107 lebt er bei Spezialbetreibern weiter. Für Spotter in Europa führt der Weg zu ihm heute vor allem über schwedische Museen.
Kurzfazit
Zwei Rotoren hintereinander, drei Fahrwerksbeine, eng anliegende Triebwerke: Das ist der Sea Knight. Fliegend ist er selten geworden – in Linköping, Göteborg und in US-Museen bekommst du ihn aber sicher vor die Linse.
Zusammenfassung
- Der CH-46 entstammt dem Vertol Model 107, das 1958 erstmals flog, und wurde 1962 bis 1971 in 524 Exemplaren als H-46-Familie gebaut.
- Er diente bei US Marine Corps und US Navy, in Kanada als CH-113 Labrador, in Schweden als Hkp 4 und in Japan als Kawasaki KV-107.
- Bei den Marines übernahm die MV-22 Osprey seine Rolle, bei der Navy der MH-60S, in Kanada der CH-149 Cormorant.
- Heute triffst du den Typ vor allem im Museum oder als zivile 107-II bei Spezialbetreibern; in Europa ist er im Luftraum praktisch verschwunden.
Häufige Fragen
Warum nennen die Marines den CH-46 „Phrog“?
„Phrog“ ist der liebevolle Spitzname, den der Sea Knight im US Marine Corps trug und unter dem er bis heute bei Veteranen und Fans bekannt ist. Viele bringen ihn mit der gedrungenen Silhouette mit hochgereckter Nase in Verbindung; eine offiziell belegte Herleitung gibt es nicht.
Wann wurde der CH-46 ausgemustert?
Je nach Betreiber unterschiedlich: Die US Navy verabschiedete den Typ am 24. September 2004, Kanada im selben Jahr. Schweden flog am 1. März 2011 zum letzten Mal mit einem Hkp 4. Das US Marine Corps absolvierte den letzten Dienstflug am 5. Oktober 2014 und feierte den offiziellen Abschied am 1. August 2015.
Was hat Schweden mit dem Sea Knight gemacht?
Schweden kaufte ab 1963 insgesamt 22 Maschinen, teils von Boeing Vertol, teils als Kawasaki-Lizenzbau. Als Hkp 4 flogen sie bei Luftwaffe und Marine, vor allem in der Seenotrettung und bei der U-Boot-Jagd mit Tauchsonar. Bekannte Einsätze waren der Brand der Fähre Scandinavian Star 1990 und der Untergang der Estonia 1994. Die meisten verbliebenen Maschinen gingen 2012 an Columbia Helicopters.
Was ist der Unterschied zwischen CH-46 und Model 107?
Model 107 ist die Herstellerbezeichnung des Grundmusters, das Vertol 1958 als Prototyp auf eigene Rechnung fliegen ließ. CH-46 ist die militärische US-Bezeichnung. Die zivile Ausführung BV 107-II flog ab 1962 bei New York Airways im Zubringerverkehr rund um Manhattan.
Wie unterscheide ich CH-46 und CH-47 Chinook?
Beide haben Tandemrotoren, aber der Chinook ist deutlich größer, steht auf vier Fahrwerksbeinen und trägt seine Triebwerke in außen angesetzten Gondeln am hinteren Pylon. Der CH-46 hat nur drei Fahrwerksbeine mit Doppelrädern, kurze Stummel am Heck und Triebwerke, die eng am Pylon anliegen.
Fliegt heute noch irgendwo ein Sea Knight?
Militärisch ist der Typ bei den großen Betreibern ausgemustert. Zivil hält Columbia Helicopters in den USA die Musterzulassung und hat noch 2023 begonnen, ältere 107-II und CH-46E aufzuarbeiten. In Schweden fliegt laut dortigen Angaben ein ehemaliger Hkp 4 als Museumshubschrauber beim Aeroseum in Göteborg. Den aktuellen Stand prüfst du am besten direkt beim Betreiber.
Wo sehe ich einen CH-46 im Museum?
In Europa zum Beispiel im Flygvapenmuseum Linköping und im Aeroseum Göteborg. In den USA zeigen unter anderem das Steven F. Udvar-Hazy Center, das Pima Air & Space Museum in Tucson und – mit einer Rumpfhälfte – das National Museum of the Marine Corps den Typ.
Boeing Vertol CH-46 Sea Knight sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Verwandte Flugzeugtypen
Boeing CH-47 Chinook
Zwei riesige Rotoren, ein langer kastiger Rumpf und das unverwechselbare Wokka-Wokka: Der Chinook ist der Lastesel unter den Militärhubschraubern. So erkennst du ihn, so findest du ihn in Europa – und das bringt die CH-47F der Bundeswehr.
MilitärBell Boeing V-22 Osprey
Aus Bells jahrzehntelanger Kipprotor-Forschung wurde die V-22 Osprey: senkrecht starten wie ein Hubschrauber, reisen wie ein Turboprop. So erkennst du sie, verstehst Bells Anteil daran und erwischst die CV-22B in RAF Mildenhall.
HubschrauberSikorsky CH-53 Sea Stallion / CH-53G
Ein großer Sechsblattrotor, zwei Turbinen neben dem Rotormast, dicke Tankstummel und eine Heckrampe: Der CH-53G ist seit 1972 das Arbeitstier der deutschen Hubschrauberflotte. So erkennst du ihn, so unterscheidest du die Versionen – und so geht es mit dem Chinook als Nachfolger weiter.
HubschrauberWestland Sea King
Bootsförmiger Rumpf, seitliche Schwimmer, fünf Rotorblätter und in Großbritannien jahrzehntelang leuchtend gelb: Der Westland Sea King war Rettungshubschrauber der RAF und Bordhubschrauber der Deutschen Marine. So erkennst du ihn und so findest du ihn heute noch.
HubschrauberSikorsky UH-60 Black Hawk
Flacher Rumpf, vierblättriger Rotor, schräg gestellter Heckrotor: Der Black Hawk ist der Standard-Mehrzweckhubschrauber der US Army und fliegt inzwischen auch in vielen europäischen Streitkräften. So erkennst du ihn und so findest du ihn.
HubschrauberNHIndustries NH90
Kantiger Rumpf, vier Rotorblätter, Fly-by-Wire: Das NH90 ist der europäische Standardhubschrauber der NATO-Ära. Bei der Bundeswehr fliegt er als TTH, Sea Lion und Sea Tiger, anderswo wurde er vorzeitig ausgemustert. So erkennst du ihn.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Boeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
MuseumFlygvapenmuseum Linköping
Das Flygvapenmuseum am Flugplatz Malmen bei Linköping ist das Museum der schwedischen Luftwaffe – und der beste Ort, um die ganze Saab-Ahnenreihe vom Propellerbomber B 18 über Tunnan, Lansen, Draken und Viggen bis zum Gripen an einem Tag zu sehen. Dazu kommt das Wrack der 1952 abgeschossenen DC-3 aus der Catalina-Affäre.
MuseumPima Air & Space Museum
In der Wüste von Arizona steht eine der größten Flugzeugsammlungen der Welt: Bomber aus dem Kalten Krieg, Präsidentenmaschinen, Testflugzeuge von Boeing und das letzte große Flugboot. Der Guide für Spotter – mit allem, was du zu Hangars, Freigelände, Boneyard und Fotografieren in der Hitze wissen musst.
MuseumSteven F. Udvar-Hazy Center
Die zweite Halle des Smithsonian National Air and Space Museum steht direkt am Flughafen Washington Dulles: SR-71 Blackbird, die B-29 „Enola Gay“, eine Air-France-Concorde, die Dash 80 und das Space Shuttle Discovery unter einem Dach – Eintritt frei, Aussichtsturm zum Flughafen inklusive.
Wo du die Boeing Vertol CH-46 Sea Knight siehst
Konkrete Standpunkte mit Betriebsrichtung, Lichtzeiten, Koordinaten und einer ehrlichen Einschätzung, ob sich die Anreise lohnt.
Steven F. Udvar-Hazy Center am Flughafen Washington Dulles
Space Shuttle Discovery, die Rekord-SR-71, eine Air-France-Concorde und der Urvater der 707 unter einem Dach – und vom Aussichtsturm schaust du auf die Landungen am Washingtoner Drehkreuz Dulles. So planst du deinen Spottertag in der riesigen Außenstelle des Smithsonian.
MuseumPima Air & Space Museum in Tucson
Am Rand der Davis-Monthan Air Force Base steht eines der größten Luftfahrtmuseen der Welt: mehr als 400 Flugzeuge, ein riesiges Freigelände in der Wüstensonne und Typen von der B-29 bis zur 787. Die berühmten Bustouren zum Boneyard gibt es allerdings nicht mehr.
MuseumFlygvapenmuseum am Flugplatz Malmen bei Linköping
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