Das Wichtigste in Kürze
- ACARS ist ein Datenfunk für kurze Telegramme: Flugzeug und Bodenstation tauschen Textnachrichten aus – automatisch erzeugte Meldungen genauso wie Freitext zwischen Crew und Airline.
- Entstanden als Stempeluhr: ARINC führte ACARS 1978 ein, um Block- und Flugzeiten automatisch zu erfassen. Daraus wurden die bekannten OOOI-Meldungen: Out, Off, On, In.
- Jede Nachricht hat einen festen Kopf: Kennzeichen, Flugnummer, ein zweistelliges Label für den Nachrichtentyp sowie Block- und Nachrichtennummer – danach folgt der eigentliche Text.
- Ein Protokoll, viele Wege: ACARS-Nachrichten reisen über klassisches VHF, über VDL Mode 2, über Kurzwelle (HFDL) oder per Satellit.
- Empfangen ist Technik, Weitergeben ist Recht: Mit SDR-Stick und Decoder machst du ACARS sichtbar. Die Inhalte sind aber nicht für dich bestimmt – in Deutschland gilt nach verbreiteter Auffassung das Abhörverbot des TDDDG.
Inhaltsverzeichnis
- 1.ACARS in einem Absatz
- 2.Wie ACARS entstanden ist: eine Stempeluhr fürs Cockpit
- 3.Was heute über ACARS läuft
- 4.So ist eine ACARS-Nachricht aufgebaut
- 5.Die Transportwege: VHF, VDL2, Kurzwelle und Satellit
- 6.ACARS empfangen und dekodieren: das Prinzip
- 7.Rechtslage: technisch offen, rechtlich nicht
- 8.ACARS und das Spotten
- 9.Fazit
Am Zaun hörst du die Triebwerke, im Scanner vielleicht den Tower. Was du nicht hörst: Während die Maschine vom Gate zurückgeschoben wird, schickt sie bereits eine kurze Textnachricht an ihre Airline. Beim Abheben folgt die nächste, im Reiseflug kommen Wetteranfragen, Treibstoffstände und Wartungsmeldungen dazu. Dieser Datenfunk heißt ACARS, und er läuft seit Ende der 1970er-Jahre fast unbemerkt neben dem Sprechfunk her. In diesem Artikel erfährst du, wie ACARS entstanden ist, wie eine Nachricht aufgebaut ist, über welche Wege sie reist und was du wissen musst, bevor du selbst einen Decoder startest.
Vom Datenfunk zur eigenen Sichtung
Mit Planetrack postest du jedes Flugzeug, das du vor der Linse hattest – mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
ACARS in einem Absatz
ACARS steht für Aircraft Communications Addressing and Reporting System. Es ist kein Sprechfunk, sondern ein Datendienst für kurze Telegramme zwischen Flugzeug und Boden. Ein Bordrechner, die sogenannte Management Unit, sammelt Meldungen aus Flugmanagementsystem, Triebwerksüberwachung, Türsensoren oder der Tastatur im Cockpit und schickt sie über ein Funknetz an Bodenstationen. Von dort leitet ein Dienstleister die Nachricht an die Airline weiter. Der Rückweg funktioniert genauso: Die Operations-Zentrale kann Wetter, Flugplanänderungen oder Freitext ins Cockpit schicken, wo sie auf einem Display oder einem kleinen Drucker landen.
Wie ACARS entstanden ist: eine Stempeluhr fürs Cockpit
Die Idee hinter ACARS war nüchtern. Ende der 1970er-Jahre meldeten Crews ihre Dienst- und Blockzeiten per Sprechfunk, die Airline trug sie von Hand ein. Das kostete Zeit im Cockpit und war fehleranfällig. ARINC – ein 1929 gegründeter Funkdienstleister der US-Airlines – entwickelte deshalb ein System, das diese Zeiten automatisch erfasst. Im Juli 1978 ging ACARS in Betrieb, die Avionik stammte von Teledyne Controls, Erstkunde war Piedmont Airlines.
Aus dieser „automatischen Stempeluhr“ wurden die OOOI-Meldungen:
- Out – das Flugzeug verlässt die Parkposition, erkannt etwa über geschlossene Türen und gelöste Parkbremse
- Off – das Flugzeug hebt ab, erkannt über die Federbeine des Fahrwerks
- On – das Flugzeug setzt auf
- In – das Flugzeug steht am Gate, die Türen öffnen sich
Diese vier Zeitstempel sind bis heute die Grundlage für Pünktlichkeitsstatistiken, Crew-Abrechnung und Umlaufplanung. Später baute auch SITA ein eigenes ACARS-Bodennetz auf. ARINC wurde Ende 2013 von Rockwell Collins übernommen und gehört heute zu Collins Aerospace. Diese großen Anbieter heißen in der Fachsprache Datalink Service Provider – sie betreiben die Bodenstationen und reichen die Nachrichten an die Airlines weiter.
Was heute über ACARS läuft
Aus dem Zeiterfassungssystem ist ein Allzweck-Kanal geworden. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
| Gruppe | Wer kommuniziert | Typische Inhalte |
|---|---|---|
| Betriebliche Kommunikation (AOC) | Flugzeug und Operations-Zentrale der Airline | OOOI-Zeiten, Treibstoff, Verspätungen, Wetter für Ziel- und Ausweichflughäfen, Flugplandaten fürs FMS |
| Administrative Kommunikation | Flugzeug und Verwaltung der Airline | Crew-Angelegenheiten, Passagier- und Catering-Hinweise, Anschlussflüge |
| Flugsicherung (ATC) | Flugzeug und Flugsicherung | Freigaben und Anweisungen per CPDLC, automatische Positionsberichte per ADS-C, Abflugfreigaben |
Für die Technik einer Airline ist ACARS besonders wertvoll: Viele Flugzeuge melden Fehlercodes und Triebwerksparameter automatisch, sodass am Zielflughafen schon das richtige Ersatzteil bereitliegen kann. Wie die Instandhaltung organisiert ist, erklärt Flugzeugwartung: A- bis C-Check.
Bei der Flugsicherung spielt ACARS vor allem über den Ozeanen eine Rolle. Das Paket FANS-1/A nutzt ACARS als Transportweg für CPDLC, also Freigaben per Text, und für ADS-C, bei dem das Flugzeug seine Position nach einem vereinbarten Muster automatisch meldet. Wie CPDLC funktioniert und warum Europa dafür einen anderen Weg nutzt, steht in CPDLC erklärt.
Bekannt aus Unfalluntersuchungen
ACARS taucht immer wieder in Berichten über Flugunfälle auf. Air France 447 sendete in der Nacht des Absturzes 2009 zwischen 02:10 und 02:15 UTC 24 automatische Wartungsmeldungen, darunter Hinweise auf unplausible Fahrtmesseranzeigen und das Abschalten des Autopiloten. Bei Malaysia Airlines MH370 endeten die ACARS-Meldungen früh; die stündlichen Verbindungsversuche des Satellitenterminals mit Inmarsat halfen aber später, das mögliche Suchgebiet einzugrenzen.
So ist eine ACARS-Nachricht aufgebaut
Wer zum ersten Mal einen Decoder laufen lässt, sieht zunächst einen Block aus Kürzeln und Zahlen. Das wirkt kryptisch, folgt aber einem festen Muster. Jede Nachricht besteht aus einem Kopf mit Verwaltungsangaben und dem eigentlichen Text. Die Felder, die Decoder wie acarsdec ausgeben, sind diese:
| Feld | Bedeutung | Was Spotter daraus lesen |
|---|---|---|
| Mode | Betriebsart, über die die Verbindung läuft | eher technisch |
| Adresse (Aircraft) | Kennzeichen des Flugzeugs | das Kennzeichen im Klartext, etwa D-AIxx |
| Ack | Bestätigung einer vorherigen Nachricht | ob ein Telegramm angekommen ist |
| Label | zweistelliger Code für den Nachrichtentyp | welche Art Meldung es ist |
| Block-ID | laufende Kennung des Übertragungsblocks | ob Up- oder Downlink, Reihenfolge |
| Nachrichtennummer | Zähler der Nachricht | lange Nachrichten in mehreren Teilen |
| Flugnummer | Flug-ID der Airline | welcher Umlauf gerade fliegt |
| Text | Inhalt der Nachricht | von Klartext bis Zahlenkolonne |
Für dich als Spotter ist das Adressfeld der spannendste Teil. Während du bei Mode S nur eine 24-Bit-Hex-Adresse siehst, die du erst einem Flugzeug zuordnen musst, steht bei ACARS das Kennzeichen direkt im Kopf. Wie Kennzeichen aufgebaut sind, zeigt Flugzeugkennzeichen verstehen, den Unterschied zum Transponder erklärt Mode S und Transponder. Und warum die Flugnummer im Kopf nicht immer dem Rufzeichen im Sprechfunk entspricht, steht in Callsign und Flugnummer.
Labels: die Schublade für jede Nachricht
Das Label ist ein zweistelliger Code, an dem Bodensysteme erkennen, wohin eine Nachricht gehört. Ein großer Teil der Labels ist standardisiert, viele werden aber airline-spezifisch genutzt. Einige Beispiele, die Community-Dokumentationen beschreiben:
- H1 – Nachrichten von und zu Systemen an Bord, etwa Flugmanagementrechner oder Wartungsrechner
- 44 – Positionsmeldungen und OOOI-Zeiten
- _d – reine Lebenszeichen ohne Inhalt, mit denen die Verbindung gehalten wird
- SQ – sogenannte Squitter, mit denen Bodenstationen ihre Präsenz ankündigen
- :; – Anweisung zum Frequenzwechsel des Funkgeräts an Bord
Die Bedeutung einzelner Labels und vor allem der Inhalte unterscheidet sich je nach Airline, Flugzeugtyp und Dienstleister. Freie Projekte sammeln diese Formate seit Jahren, sind aber nirgends vollständig. Rechne deshalb damit, dass ein großer Teil der Nachrichten für dich unverständlich bleibt.
Was im Text steht
Die Bandbreite reicht von lesbarem Freitext über Wetterberichte im METAR-Format bis zu langen, airline-eigenen Zahlenfolgen. Wetterdaten erkennst du schnell – wie du sie entschlüsselst, zeigt METAR und TAF lesen. Für Flugsicherungsanwendungen wie CPDLC und ADS-C gibt es eigene binäre Formate. Bibliotheken wie libacars übersetzen einen Teil davon in lesbare Felder, darunter FANS-1/A-Nachrichten und sogenannte Media Advisories, mit denen das Flugzeug meldet, welche Datenlinks gerade verfügbar sind.
Kennzeichen auf der Liste?
Planetrack meldet dir per Sichtungs-Alarm, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ, eine Airline oder eine Special Livery zur Landung ansetzt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Transportwege: VHF, VDL2, Kurzwelle und Satellit
ACARS beschreibt vor allem das Nachrichtenformat und die Adressierung. Über welchen Funkweg eine Nachricht reist, entscheidet das Flugzeug je nach Ausstattung und Lage. Moderne Avionik wählt automatisch den gerade besten verfügbaren Weg.
Klassisches VHF-ACARS. Der Urahn arbeitet im oberen Flugfunkband um 131 MHz mit Amplitudenmodulation und einer Datenrate von 2,4 kbit/s. Die Reichweite ist wie beim Sprechfunk auf Sichtlinie begrenzt – in großer Flughöhe sind das grob bis zu 200 nautische Meilen. In Europa liegen die gängigen Kanäle bei 131,525 und 131,725 MHz, dazu kommen je nach Quelle weitere Kanäle knapp darüber. Wie das Flugfunkband aufgeteilt ist, erklärt Flugfunk-Frequenzen verstehen.
VDL Mode 2. Der digitale Nachfolger auf VHF arbeitet mit 31,5 kbit/s, deutlich schneller als das klassische Verfahren. In Europa läuft heute ein großer Teil des ACARS-Verkehrs darüber, der gemeinsame Signalisierungskanal liegt auf 136,975 MHz. Details stehen in VDL Mode 2 empfangen.
HFDL. Über Ozeanen und in Polarregionen gibt es keine VHF-Bodenstationen. Dort hilft der Datenfunk auf Kurzwelle, der sehr große Entfernungen überbrückt, aber nur geringe Datenraten schafft. Wie du ihn empfängst, zeigt HFDL auf Kurzwelle.
Satellit. Über Inmarsat oder Iridium sind Flugzeuge fast überall erreichbar. Besonders über Ozeanen, wo VHF-Bodenstationen fehlen, ist der Satellit oft der wichtigste Weg. Die Signale kommen im L-Band an und erfordern eine andere Empfangstechnik als VHF.
| Weg | Frequenz | Reichweite | Stärke |
|---|---|---|---|
| VHF-ACARS | um 131 MHz | Sichtlinie | einfach, weit verbreitet |
| VDL Mode 2 | um 136,9 MHz | Sichtlinie | schneller, in Europa Standard |
| HFDL | Kurzwelle | tausende Kilometer | Ozean- und Polarabdeckung |
| SATCOM | L-Band | nahezu weltweit | unabhängig von Bodenstationen |
Für Spotter in Mitteleuropa heißt das: Wer nur die klassischen ACARS-Kanäle hört, sieht nur einen Ausschnitt. Die Fülle kommt erst mit VDL Mode 2 dazu.
ACARS empfangen und dekodieren: das Prinzip
Technisch ist der Einstieg überschaubar. Du brauchst vier Bausteine:
1. SDR-Stick
Ein günstiger RTL-SDR-Stick deckt die eng beieinanderliegenden ACARS-Kanäle gleichzeitig ab. Läuft dein Stick schon für ADS-B auf 1090 MHz, brauchst du einen zweiten.
2. Airband-Antenne
Eine Antenne für das VHF-Flugfunkband, möglichst hoch und frei montiert. Eine ADS-B-Antenne ist für 131 MHz ungeeignet.
3. Rechner
Ein Raspberry Pi oder ein anderer kleiner Linux-Rechner reicht für Decoder und Weboberfläche.
4. Decoder
acarsdec für klassisches ACARS, dumpvdl2 für VDL Mode 2, dumphfdl für Kurzwelle – optional gesammelt in einer Oberfläche wie ACARS Hub.
Der Decoder macht aus den kurzen Funkbursts Text und gibt ihn zeilenweise, ausführlich oder als JSON aus. acarsdec dekodiert mehrere Kanäle gleichzeitig, solange sie innerhalb von 2 MHz liegen, und kann mit libacars auch FANS-1/A-Inhalte aufschlüsseln. Frequenzen, Verstärkung, Frequenzkorrektur und die Einrichtung von ACARS Hub beschreibt der Praxis-Guide ACARS-Nachrichten mit SDR empfangen Schritt für Schritt. Wer zum ersten Mal mit SDR arbeitet, startet am besten mit Flugfunk mit SDR-Stick empfangen und dem Vergleich der SDR-Sticks.
Was ACARS-Empfang dir bringt
- Einblick in die Kommunikation zwischen Cockpit und Airline
- Kennzeichen im Klartext statt Hex-Adresse
- Viel Lerneffekt rund um SDR, Datenfunk und Avionik
- Günstige Hardware, freie Software
Was dich erwartet
- Viele Inhalte sind kryptisch oder airline-intern
- In Europa läuft viel Verkehr über VDL Mode 2
- Eigener Stick und eigene Antenne nötig
- Strenge Rechtslage in Deutschland
Rechtslage: technisch offen, rechtlich nicht
Dass ACARS-Nachrichten meist unverschlüsselt gesendet werden, macht sie nicht öffentlich. Sie richten sich an Airlines, Dienstleister und Flugsicherung, nicht an die Allgemeinheit. In Deutschland fallen sie deshalb nach verbreiteter Auffassung unter dasselbe Regime wie der Sprechfunk: § 5 TDDDG verbietet das Abhören von Nachrichten, die nicht für dich bestimmt sind, und ebenso die Weitergabe ihres Inhalts oder schon der Tatsache, dass du sie empfangen hast. Verstöße sind nach § 27 TDDDG strafbar. Kauf und Besitz eines SDR-Sticks sind dagegen erlaubt.
Ausführlich eingeordnet wird das in Flugfunk hören: Technik und Rechtslage. Warum ADS-B anders bewertet wird, erklärt Ist der Empfang von ADS-B-Daten erlaubt?. Österreich, die Schweiz und andere Länder haben eigene Regeln, die du vor dem Betrieb prüfen solltest.
Inhalte bleiben privat
Screenshots von Decoder-Ausgaben, Nachrichtentexte in Spotter-Gruppen oder eingeblendete Telegramme in Videos (mehr dazu in Flugfunk in Videos veröffentlichen) sind in Deutschland nach verbreiteter Auffassung tabu – auch wenn ähnliche Daten anderswo im Netz kursieren. Diese Einordnung ist keine Rechtsberatung.
ACARS und das Spotten
Für den Alltag am Zaun ist ACARS kein Werkzeug, das du brauchst. Welche Maschine hinter einem Flug steckt und wann sie landet, erfährst du bequemer und rechtlich unproblematisch über ADS-B und Flugverfolgung – etwa so, wie es Flugzeug nach Kennzeichen verfolgen beschreibt. ACARS ist eher etwas für Technikfans, die verstehen wollen, wie ein moderner Flugbetrieb im Hintergrund funktioniert: wie das Flugzeug selbstständig Zeiten meldet, wie Wartung aus der Ferne vorbereitet wird und wie Lotsen über dem Atlantik per Textnachricht Freigaben erteilen.
Wer tiefer in die Fachsprache einsteigen möchte, findet Begriffe wie Squawk, Callsign oder Block-Off-Zeit im Planespotting-Glossar.
Hast du ACARS verstanden?
- Ich weiß, wofür OOOI steht und warum ACARS damit begann.
- Ich kenne die Felder im Kopf einer ACARS-Nachricht.
- Ich weiß, wozu das zweistellige Label dient.
- Ich kann VHF-ACARS, VDL Mode 2, HFDL und SATCOM unterscheiden.
- Ich weiß, warum ACARS-Inhalte in Deutschland privat bleiben müssen.
Aus Technik wird ein Foto
Finde mit der Spot-Karte den passenden Standort, plane das Licht mit dem Sonnenstand-Planer und sammle deine Sichtungen im Hangar – mit Wunschliste für die Flieger, die dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
ACARS ist der stille Textnachrichtendienst der Luftfahrt. Was 1978 als automatische Stempeluhr für Blockzeiten begann, transportiert heute Betriebsdaten, Wartungsmeldungen, Wetter und über FANS-1/A sogar Freigaben der Flugsicherung. Jede Nachricht trägt einen festen Kopf mit Kennzeichen, Flugnummer und Label, reist über VHF, VDL Mode 2, Kurzwelle oder Satellit und lässt sich mit SDR-Stick und freier Software sichtbar machen. Spannend ist das vor allem für Technikfans – solange die Inhalte dort bleiben, wo sie hingehören: bei dir.
Kurzfazit
ACARS verbindet Cockpit und Airline per Datenfunk, mit Kennzeichen im Klartext und einem Label für jeden Nachrichtentyp. Dekodieren ist technisch einfach, in Europa lohnt zusätzlich VDL Mode 2. Rechtlich gilt in Deutschland nach verbreiteter Auffassung das Abhör- und Mitteilungsverbot – Inhalte teilst du nicht.
Zusammenfassung
- ACARS (Aircraft Communications Addressing and Reporting System) verbindet Flugzeuge seit 1978 per Datenfunk mit Airlines und Dienstleistern. Erstkunde war Piedmont Airlines, Betreiber der Bodennetze sind vor allem ARINC (heute Teil von Collins Aerospace) und SITA.
- Über ACARS laufen Betriebs-, Wartungs-, Wetter- und Positionsmeldungen sowie Freitext. Über FANS-1/A transportiert das System auch Flugsicherungsanwendungen wie CPDLC und ADS-C, vor allem über Ozeanen.
- Klassisches VHF-ACARS arbeitet mit 2,4 kbit/s um 131 MHz. In Europa ist ein großer Teil des Verkehrs auf VDL Mode 2 um 136,975 MHz umgezogen.
- Zum Dekodieren reichen ein SDR-Stick, eine Airband-Antenne und freie Software wie acarsdec oder dumpvdl2. Die Inhalte gehören nicht in Chats, Videos oder öffentliche Posts.
Häufige Fragen
Wofür steht ACARS?
ACARS steht für Aircraft Communications Addressing and Reporting System. Gemeint ist ein digitaler Datenfunk, über den Flugzeuge kurze Textnachrichten mit Bodenstationen austauschen. Die Nachrichten gehen an Airlines, Wartungsabteilungen, Dienstleister und in bestimmten Fällen an die Flugsicherung.
Wer hat ACARS erfunden?
ACARS wurde von ARINC entwickelt und 1978 eingeführt. Die Avionik kam von Teledyne Controls, als erster Kunde gilt Piedmont Airlines. Später baute auch SITA ein eigenes Bodennetz auf. ARINC gehört seit Ende 2013 zu Rockwell Collins und ist heute Teil von Collins Aerospace.
Was bedeutet OOOI bei ACARS?
OOOI steht für Out, Off, On und In – also für das Wegrollen vom Gate, das Abheben, das Aufsetzen und das Ankommen am Gate. Sensoren an Türen, Parkbremse und Fahrwerk erkennen diese Phasen, und das Flugzeug meldet die Zeiten automatisch an die Airline. Damit fing ACARS an.
Steht in ACARS-Nachrichten das Kennzeichen des Flugzeugs?
Ja. Der Nachrichtenkopf enthält ein Adressfeld mit dem Kennzeichen im Klartext, dazu meist die Flugnummer. Anders als bei Mode S, wo du nur eine 24-Bit-Hex-Adresse siehst, musst du das Kennzeichen also nicht erst in einer Datenbank nachschlagen.
Ist ACARS dasselbe wie CPDLC?
Nein. ACARS ist das Transportsystem für Textnachrichten, CPDLC ist eine Anwendung für Freigaben und Anweisungen zwischen Lotse und Cockpit. Beim System FANS-1/A, das vor allem über Ozeanen genutzt wird, läuft CPDLC allerdings über ACARS. In Europa nutzt CPDLC im oberen Luftraum dagegen einen eigenen Weg über VDL Mode 2.
Sind ACARS-Nachrichten verschlüsselt?
Klassische ACARS-Nachrichten werden in der Regel unverschlüsselt gesendet, deshalb kann man sie mit einfacher Technik dekodieren. Manche Airlines und Anwendungen nutzen eigene Kodierungen oder Verschlüsselung, dann bleibt der Text unlesbar. Unverschlüsselt heißt aber nicht öffentlich: Die Nachrichten sind nicht für Dritte bestimmt.
Was brauche ich, um ACARS zu dekodieren?
Einen SDR-Stick, eine Antenne für das VHF-Flugfunkband, einen kleinen Rechner wie einen Raspberry Pi und einen Decoder – für klassisches ACARS etwa acarsdec, für VDL Mode 2 dumpvdl2. Die Schritt-für-Schritt-Einrichtung beschreibt unser Praxis-Guide zum ACARS-Empfang.
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