Das Wichtigste in Kürze
- Text statt Stimme: CPDLC (Controller–Pilot Data Link Communications) überträgt Freigaben, Frequenzwechsel und Anfragen als Textnachricht zwischen Lotse und Cockpit – als Ergänzung zum Sprechfunk, nicht als Ersatz.
- Nur für Nicht-Eiliges: Eine Datenlink-Nachricht kann Sekunden bis Minuten unterwegs sein. Alles Zeitkritische läuft weiter über Funk.
- Zwei Welten: Über Ozeanen und abgelegenen Regionen dominiert FANS-1/A über ACARS und Satellit, im oberen Luftraum Europas das ATN-System über VDL Mode 2.
- Europa hat Pflicht gemacht: Die EU-Verordnung 29/2009 schrieb CPDLC für den oberen Luftraum oberhalb von FL285 vor; heute steht die Regel in der Verordnung (EU) 2023/1770.
- Für Funkhörer wird es leiser: Wo Frequenzwechsel und Steigfreigaben per Text kommen, hörst du im Scanner weniger – die Konversation findet auf dem Display statt.
Inhaltsverzeichnis
- 1.CPDLC: die kurze Antwort
- 2.Warum es CPDLC überhaupt gibt
- 3.So läuft eine CPDLC-Verbindung ab
- 4.FANS-1/A und ATN: zwei Systeme, ein Name
- 5.Die europäische Datenlink-Pflicht
- 6.Was CPDLC nicht kann
- 7.Datenlink am Boden: die Abflugfreigabe
- 8.Was CPDLC für Spotter und Funkhörer bedeutet
- 9.Begriffe auf einen Blick
- 10.Fazit
Wer im oberen Luftraum über Mitteleuropa mithört, merkt es irgendwann: Auf manchen Frequenzen ist es erstaunlich ruhig. Flugzeuge melden sich an, werden einige Minuten später weitergereicht – und dazwischen hörst du kaum ein Wort, obwohl Steigfreigaben, Direktanweisungen und Frequenzwechsel durchaus stattfinden. Sie kommen nur nicht mehr über Funk, sondern als Textnachricht aufs Display im Cockpit. Das System dahinter heißt CPDLC, Controller–Pilot Data Link Communications. In diesem Artikel erfährst du, wie es funktioniert, welche Varianten es gibt, warum Europa einen eigenen Weg gegangen ist und was das für dich als Spotter und Funkhörer bedeutet.
Vom Datenlink zur eigenen Sichtung
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CPDLC: die kurze Antwort
CPDLC ist ein zweiseitiger digitaler Datenlink zwischen Fluglotse und Cockpit. Statt eine Anweisung ins Mikrofon zu sprechen, wählt der Lotse eine vordefinierte Nachricht aus, etwa eine neue Flughöhe, eine Direktfreigabe zu einem Wegpunkt oder einen Frequenzwechsel. Die Nachricht erscheint im Cockpit, die Crew prüft sie und antwortet per Knopfdruck. Umgekehrt kann die Besatzung Freigaben anfragen, Meldungen abgeben und im Notfall auch eine Notlage erklären.
Wichtig ist die Rangordnung: CPDLC ergänzt den Sprechfunk, ersetzt ihn aber nicht. Nach den Verfahren der ICAO ist der Datenlink für Routineverkehr gedacht, bei dem es nicht auf Sekunden ankommt. Alles, was sofort umgesetzt werden muss – eine Ausweichanweisung, eine Verkehrsinformation, ein Konflikt – läuft weiter über Funk. Wie dieser Sprechfunk aufgebaut ist, erklärt der Artikel Sprechfunk-Phraseologie.
Warum es CPDLC überhaupt gibt
Sprechfunk hat ein Grundproblem: Auf einer Frequenz kann immer nur einer gleichzeitig senden. Drücken zwei Piloten zur selben Zeit die Sendetaste, überlagern sich die Aussendungen, und alles muss wiederholt werden. Jede Freigabe braucht außerdem eine Rücklesung. In einem dichten Sektor im oberen Luftraum ist die Frequenz deshalb oft der eigentliche Engpass – nicht der Lotse und nicht der Luftraum.
Der naheliegende Ausweg, Sektoren immer weiter zu verkleinern, hat Grenzen. Jeder zusätzliche Sektor bedeutet mehr Übergaben zwischen Lotsen und eine weitere Sprechfunkfrequenz, und genau die sind im Flugfunkband knapp. Warum das so ist und wie das 8,33-kHz-Kanalraster zusätzliche Kanäle geschaffen hat, steht in eigenen Artikeln.
CPDLC nimmt den Druck von der Frequenz, indem es Routinenachrichten auf einen separaten Kanal verlagert. Simulationen der US-Luftfahrtbehörde FAA kamen für stark belasteten Streckenluftraum zu dem Ergebnis, dass die Belegung der Sprechfunkkanäle damit um rund drei Viertel sinken kann. Dazu kommen weitere Vorteile:
- Weniger Verwechslungen: Ähnlich klingende Rufzeichen sind eine bekannte Fehlerquelle im Funk. Eine Textnachricht ist eindeutig an ein bestimmtes Flugzeug adressiert.
- Keine Hörfehler: „Flight level two niner zero“ oder „two five zero“? Auf dem Display steht die Zahl schwarz auf weiß und kann oft direkt ins Flugmanagementsystem übernommen werden.
- Sicherere Frequenzwechsel: Wird der Wechsel per Datenlink angewiesen, sinkt das Risiko, dass sich eine Crew auf der falschen Frequenz meldet und für den Lotsen vorübergehend unerreichbar wird.
- Parallelität: Ein Lotse kann mehrere Anfragen bearbeiten, ohne dass jede die Frequenz blockiert.
So läuft eine CPDLC-Verbindung ab
Bevor eine einzige Freigabe fließen kann, muss sich das Flugzeug bei der Flugsicherung anmelden. Danach folgen Nachrichten, Antworten und schließlich die Übergabe an die nächste Kontrollstelle.
1. Flugplan mit Datenlink-Kennung
Im ICAO-Flugplan gibt die Crew in Feld 10 an, welche Datenlink-Fähigkeit das Flugzeug hat. Kennung J1 steht für ATN-CPDLC über VDL Mode 2, J2 bis J7 für verschiedene FANS-1/A-Varianten über Kurzwelle, VHF oder Satellit.
2. Logon
Über die Data Link Initiation Capability (DLIC) meldet sich das Flugzeug bei der zuständigen Kontrollstelle an. Die Bodenseite gleicht die Anmeldung mit dem Flugplan ab, erst dann ist die Verbindung aktiv.
3. Nachrichten und Antworten
Der Lotse schickt Freigaben oder Anweisungen, die Crew antwortet mit vordefinierten Antworten. Umgekehrt kann die Besatzung Steigflug, Direktrouten oder andere Änderungen anfragen.
4. Übergabe an die nächste Datenautorität
Die zuständige Stelle ist die Current Data Authority. Vor dem Sektorwechsel benennt sie die nächste Stelle als Next Data Authority, die Verbindung wird übergeben und die Crew erhält den Frequenzwechsel.
5. Ende der Verbindung
Fliegt das Flugzeug in einen Bereich ohne CPDLC, endet die Datenverbindung gleichzeitig mit der Übergabe im Sprechfunk. Ab dann läuft alles wieder per Stimme.
Die Übergabe zwischen aktueller und nächster Datenautorität hat einen Sicherheitshintergrund. Sie verhindert, dass sich eine Crew versehentlich bei der falschen Kontrollstelle anmeldet – ganz ähnlich wie das Einstellen einer falschen Frequenz im Sprechfunk. Denn ein kontrollierter Flug darf zu jedem Zeitpunkt nur von einer Stelle geführt werden.
Die wichtigsten Antworten
Freitext ist bei CPDLC möglich, aber die Ausnahme. Der Normalfall sind standardisierte Nachrichtenelemente aus einem festen Katalog der ICAO. Für die Antworten gilt dasselbe:
| Antwort | Bedeutung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| WILCO | Wird befolgt | Freigabe oder Anweisung wird ausgeführt |
| UNABLE | Nicht möglich | Anweisung kann nicht befolgt werden, etwa wegen Leistung oder Wetter |
| STANDBY | Antwort folgt | Crew oder Lotse braucht Zeit zum Prüfen |
| ROGER | Verstanden | Information zur Kenntnis genommen, ohne Befolgungspflicht |
| AFFIRM / NEGATIVE | Ja / Nein | Antwort auf eine Frage |
Eine Besonderheit: Eine Nachricht vom Boden kann aus mehreren Elementen bestehen, etwa einer Steigfreigabe plus einer Geschwindigkeitsvorgabe. Die Crew antwortet aber immer auf die ganze Nachricht. Kann sie einen Teil nicht befolgen, lautet die Antwort UNABLE für alles. Deshalb gilt die Empfehlung, mehrteilige Nachrichten möglichst nur dann zu verwenden, wenn die Teile wirklich zusammengehören. Außerdem darf pro Flugzeug jeweils nur ein offener Dialog zu einer Art von Anweisung bestehen – also nicht gleichzeitig zwei offene Kursänderungen.
FANS-1/A und ATN: zwei Systeme, ein Name
Wenn von CPDLC die Rede ist, sind in der Praxis zwei verschiedene technische Welten gemeint. Sie erfüllen denselben Zweck, sprechen aber nicht dieselbe Sprache.
FANS-1/A: über Ozeanen und abgelegenen Regionen
FANS steht für Future Air Navigation System. Boeing entwickelte Anfang der 1990er-Jahre FANS-1 als Software für den Flugmanagementrechner der Boeing 747-400. Ziel war der Südpazifik, wo es über weite Strecken weder Radar noch UKW-Funkabdeckung gibt und die Kommunikation über rauschenden Kurzwellenfunk lief – oft auch noch über Vermittler. Eine 747-400 von Qantas erhielt im Juni 1995 die Zulassung für das System, der erste kommerzielle Flug folgte unmittelbar danach.
Airbus entwickelte mit FANS-A ein vergleichbares Paket für A340 und A330. Beide zusammen werden als FANS-1/A bezeichnet. Technisch reitet FANS-1/A auf ACARS, dem Textnachrichtensystem der Airlines. Neben CPDLC gehört ADS-C zum Paket: Das Flugzeug schließt mit der Bodenstation einen „Vertrag“ und meldet seine Position automatisch – regelmäßig in festen Abständen oder sobald es von der Route abweicht. Über dem Ozean ersetzt das teilweise die fehlende Radarabdeckung.
Die Nachrichten reisen über Satellit, über VHF oder über Kurzwelle. Wie der Kurzwellenweg funktioniert und wie man ihn empfängt, zeigt der Artikel HFDL erklärt. Heute ist FANS-1/A der Standard auf den großen Ozeanrouten, etwa über den Nordatlantik und den Pazifik, wo die Flugsicherungen die Datenlink-Ausrüstung in bestimmten Höhenbändern verlangen.
ATN-CPDLC: der europäische Weg
Europa setzte auf ein anderes Konzept: das Aeronautical Telecommunication Network (ATN) nach ICAO-Standard, übertragen über VDL Mode 2 im VHF-Band. Auf Flugplänen erscheint das als J1, im Fachjargon auch als ATN B1. Airbus nennt seine ATN-Lösung für die A320-Familie FANS-B.
Vorreiter war das Maastricht Upper Area Control Centre von Eurocontrol, das den oberen Luftraum über den Benelux-Staaten und Nordwestdeutschland kontrolliert. Dort läuft ATN-CPDLC seit 2003 im Regelbetrieb. Im Rahmen des Eurocontrol-Programms Link 2000+ wurde der Dienst in Europa ausgeweitet; heute bieten ihn viele Kontrollzentralen an, darunter die Oberluftraum-Kontrollzentrale der DFS in Karlsruhe. Die Funkseite liefern Datenlink-Netze von Anbietern wie ARINC (heute Teil von Collins Aerospace) und SITA. Wie VDL Mode 2 technisch aufgebaut ist, beschreibt der Artikel VDL Mode 2 empfangen.
| Merkmal | FANS-1/A | ATN-CPDLC (ATN B1) |
|---|---|---|
| Herkunft | Boeing FANS-1, Airbus FANS-A, ab Mitte der 1990er | ICAO-ATN-Standard, Link 2000+ |
| Transport | ACARS über Satellit, VHF oder Kurzwelle | ATN über VDL Mode 2 im VHF-Band |
| Typisches Einsatzgebiet | Ozeane und abgelegene Regionen | oberer Luftraum in Europa |
| Positionsmeldungen | ADS-C im selben Paket | nicht Teil des Basisdienstes |
| Flugplan-Kennung | J2 bis J7 | J1 |
Viele moderne Langstreckenflugzeuge wie der A350 können beide Systeme nutzen. Auf einem Flug von Europa nach Nordamerika ist es daher möglich, über dem Kontinent per ATN-CPDLC und über dem Atlantik per FANS-1/A mit der Flugsicherung zu kommunizieren.
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Die europäische Datenlink-Pflicht
Am 16. Januar 2009 erließ die EU-Kommission die Verordnung (EG) Nr. 29/2009 über Datenlink-Dienste im einheitlichen europäischen Luftraum. Sie verpflichtet Flugsicherungen und Luftfahrzeugbetreiber gleichermaßen. Kern: Im Luftraum oberhalb von Flugfläche 285 müssen Flugzeuge im allgemeinen Luftverkehr per CPDLC erreichbar sein, und die Kontrollstellen müssen die Dienste anbieten. Für ältere Flugzeuge und einige Kategorien gibt es Ausnahmen.
Vorgeschrieben sind vier Basisdienste:
- DLIC – die Anmeldung, ohne die nichts geht.
- ACM – Unterstützung bei der Übergabe von Sprechfunk und Datenlink zwischen Sektoren, also vor allem Frequenzwechsel.
- ACL – Freigaben, Anweisungen, Anfragen und Meldungen.
- AMC – der „Microphone Check“, mit dem ein Lotse alle Flugzeuge auf einer Frequenz auffordern kann, ihr Mikrofon zu prüfen, etwa wenn ein hängender Sendeknopf die Frequenz blockiert.
Holpriger Start: die Provider Aborts
Der Zeitplan hielt nicht. Im Betrieb zeigten sich gehäuft zufällige Verbindungsabbrüche, sogenannte Provider Aborts. Für Crews und Lotsen bedeutete das zusätzliche Arbeit und Unsicherheit, im schlimmsten Fall den Verlust des Überblicks darüber, welche Nachricht angekommen war. Einige Flugsicherungen reagierten mit „White Lists“, die den Datenlink nur bestimmten Avionik-Kombinationen erlaubten.
Eine Untersuchung im Auftrag der EASA kam zu dem Schluss, dass die Ursache eine Mischung aus Funkumgebung und der damals verwendeten Ein-Frequenz-Infrastruktur war – nötig sei ein Netz mit mehreren Frequenzen. Mit der Verordnung (EU) 2015/310 wurden die Fristen deshalb verschoben, für die Bodenseite auf Februar 2018 und für die Ausrüstung der Flugzeuge auf Februar 2020. 2023 wurde die alte Verordnung im Zuge einer Konsolidierung durch die Verordnung (EU) 2023/1770 ersetzt, die Ausrüstungspflicht oberhalb von FL285 blieb inhaltlich bestehen.
CPDLC und Uhrzeit
Damit veraltete Nachrichten nicht ausgeführt werden, versieht das System jede Nachricht mit einem Zeitstempel. Boden- und Bordsysteme müssen dafür auf etwa eine Sekunde genau mit der koordinierten Weltzeit laufen – an Bord kommt die Zeit meist vom GPS.
Was CPDLC nicht kann
So elegant der Textfunk ist, er hat klare Grenzen, und die Verfahren tragen ihnen Rechnung.
Stärken
- entlastet überlaufene Frequenzen
- eindeutige Adressierung, keine Rufzeichen-Verwechslungen
- keine Hörfehler bei Zahlen und Wegpunkten
- über Ozeanen deutlich bessere Verbindung als Kurzwellen-Sprechfunk
Grenzen
- Laufzeiten von Sekunden bis Minuten, ungeeignet für Zeitkritisches
- Verbindungsabbrüche und Zeitüberschreitungen möglich
- mehrteilige Nachrichten scheitern komplett an einem UNABLE
- Crew und Lotse hören nicht mit, was andere Flugzeuge bekommen
Der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Im Sprechfunk ergibt sich durch das Mithören ein gemeinsames Lagebild: Crews hören, dass der Verkehr vor ihnen einen Ausweichkurs wegen eines Gewitters bekommen hat, und planen entsprechend. Beim Textfunk fehlt dieses „Party-Line-Prinzip“. Auch deshalb bleibt die Stimme das Mittel der Wahl, sobald etwas ungewöhnlich ist.
Für die Rückfallebene gibt es feste Funkphrasen. Will ein Lotse eine fehlerhafte Datenlink-Nachricht per Funk korrigieren, sagt er dem Flugzeug, es solle die CPDLC-Nachricht ignorieren, und gibt danach die richtige Anweisung. Fällt das ganze System aus, informiert die Kontrollstelle alle Flugzeuge per Rundspruch, dass CPDLC gestört ist, und später, wenn der Normalbetrieb wieder aufgenommen wird. Im Notfall bleibt ohnehin die Stimme vorn – mehr dazu im Artikel Mayday und Pan-Pan.
Datenlink am Boden: die Abflugfreigabe
CPDLC im engeren Sinn ist ein Streckendienst. Ein verwandtes Verfahren spürst du aber auch am Flughafen: die Abflugfreigabe per Datenlink (Departure Clearance, DCL). Statt die Streckenfreigabe vor dem Anlassen über die Clearance-Delivery-Frequenz abzuholen, fordert die Crew sie als Nachricht an und bestätigt sie elektronisch. In den USA liefert das Programm Data Comm der FAA Abflugfreigaben an vielen großen Flughäfen per Datenlink und hat CPDLC auch in den Streckenkontrollzentralen eingeführt.
Für dich am Zaun bedeutet das: Wenn du auf der Delivery-Frequenz eines großen Flughafens weniger Langstreckenflüge hörst, als am Vorfeld stehen, ist das kein Empfangsproblem. Viele Freigaben laufen dann schlicht nicht mehr über Funk. Welche Frequenzen am Flughafen wofür da sind, erklärt Flugfunk-Frequenzen verstehen.
Was CPDLC für Spotter und Funkhörer bedeutet
Für die meisten Spotter ist CPDLC unsichtbar – und genau das ist der Punkt. Ein paar praktische Folgen solltest du trotzdem kennen.
Weiter gut hörbar
- Tower, Rollkontrolle und Anflug am Flughafen
- Erstmeldungen auf neuen Frequenzen
- alles Zeitkritische, inklusive Notfälle
Teilweise hörbar
- Streckenfrequenzen im oberen Luftraum – Freigaben teils per Text
- Abflugfreigaben an Flughäfen mit Datenlink-Freigabe
Nicht im Scanner
- die CPDLC-Nachrichten selbst – sie sind Daten, keine Sprache
- ADS-C-Positionsmeldungen über dem Ozean
Wer tiefer einsteigen will, kann die Datenpakete mit SDR-Stick und freier Software sichtbar machen. Decoder wie dumpvdl2 erkennen ATN- und FANS-Nachrichten im VDL-Mode-2-Verkehr, HFDL-Decoder fangen FANS-Nachrichten auf Kurzwelle auf. Wie der Einstieg gelingt, zeigen Flugfunk mit SDR-Stick empfangen und VDL Mode 2 empfangen.
Empfangen ist nicht Veröffentlichen
CPDLC-Nachrichten richten sich an eine bestimmte Crew, nicht an die Öffentlichkeit. In Deutschland gilt für Funkverkehr, der nicht für dich bestimmt ist, ein Abhör- und Mitteilungsverbot. Inhalte gehören deshalb nicht in Chats, Foren oder Videos. Was erlaubt ist, fasst Flugfunk hören: Rechtslage zusammen.
Ganz ohne Nutzen für Spotter ist der Datenlink trotzdem nicht. Langstreckenflüge über dem Atlantik melden sich über ADS-C und CPDLC bei den ozeanischen Kontrollstellen, und ihre Positionen tauchen auch dort auf, wo es kein Radar gibt. Ergänzend schließt weltraumgestütztes ADS-B diese Lücken heute für Flugradar-Dienste. Wann die Langstrecken in Europa ankommen und wann es sich lohnt, am Zaun zu stehen, zeigt der Artikel Langstrecken-Ankunftszeiten in Europa.
Begriffe auf einen Blick
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| CPDLC | Controller–Pilot Data Link Communications, Textfunk zwischen Lotse und Cockpit |
| FANS-1/A | ACARS-basiertes Paket aus CPDLC und ADS-C, vor allem über Ozeanen |
| ATN B1 | ICAO-Netz für CPDLC über VDL Mode 2, Standard im oberen Luftraum Europas |
| VDL Mode 2 | digitaler VHF-Datenlink, Transportweg für ATN und viele ACARS-Nachrichten |
| ADS-C | vertragsbasierte automatische Positionsmeldung an die Flugsicherung |
| DLIC | Anmeldung (Logon) des Flugzeugs beim Datenlink-Dienst |
| CDA / NDA | aktuelle und nächste Datenautorität, also zuständige und folgende Kontrollstelle |
| DCL | Abflugfreigabe per Datenlink |
| Provider Abort | ungewollter Abbruch der Datenverbindung durch das Netz |
Hast du CPDLC verstanden?
- Ich weiß, warum CPDLC den Sprechfunk ergänzt und nicht ersetzt.
- Ich kann Logon, aktuelle und nächste Datenautorität einordnen.
- Ich kenne den Unterschied zwischen FANS-1/A und ATN-CPDLC.
- Ich weiß, was WILCO, UNABLE und STANDBY bedeuten.
- Ich weiß, warum ich auf Streckenfrequenzen weniger höre.
- Ich kenne die rechtlichen Grenzen beim Dekodieren.
Sichtungen, Hangar und Community in einer App
Poste deine Sichtungen mit Foto, Kennzeichen und Spot, sammle sie im Hangar und tausch dich in der Community mit anderen Funk- und Spotting-Fans aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
CPDLC verlagert Routinekommunikation zwischen Lotse und Cockpit vom Funk auf den Bildschirm. Über den Ozeanen begann das Mitte der 1990er mit FANS-1/A und hat die Kommunikation dort grundlegend verbessert. In Europa ist das ATN-basierte CPDLC über VDL Mode 2 im oberen Luftraum Pflicht, nach einem holprigen Start mit Verbindungsabbrüchen und verschobenen Fristen. Die Stimme bleibt trotzdem das Rückgrat der Flugsicherung: Alles Eilige, Unklare und Ungewöhnliche läuft weiter über Funk – und genau das ist es, was du im Scanner hörst.
Kurzfazit
CPDLC ist Textfunk für Routinefreigaben: über Ozeanen als FANS-1/A per ACARS, in Europa als ATN-CPDLC per VDL Mode 2 oberhalb von FL285. Es entlastet volle Frequenzen und vermeidet Hörfehler, ist aber zu langsam für Zeitkritisches. Für dich als Funkhörer heißt das: Im oberen Luftraum wird es leiser, am Flughafen bleibt fast alles hörbar.
Zusammenfassung
- CPDLC ist ein zweiseitiger Datenlink, über den Lotsen Flughöhen, Kurse, Geschwindigkeiten, Routen und Frequenzen anweisen und Crews Freigaben anfragen, melden und antworten können.
- Eine Verbindung beginnt mit einem Logon. Danach ist eine Kontrollstelle die aktuelle Datenautorität und übergibt das Flugzeug beim Sektorwechsel an die nächste.
- FANS-1/A startete 1995 mit der Boeing 747-400 im Südpazifik, das ATN-basierte CPDLC läuft im Maastricht Upper Area Control Centre seit 2003.
- Die europäische Einführung wurde durch Verbindungsabbrüche (Provider Aborts) gebremst und auf 2018 beziehungsweise 2020 verschoben.
- Für Spotter heißt CPDLC weniger Hörbares im oberen Luftraum, aber neue Datenquellen für technisch Interessierte – mit klaren rechtlichen Grenzen.
Häufige Fragen
Was bedeutet CPDLC?
CPDLC steht für Controller–Pilot Data Link Communications. Gemeint ist der Austausch von Textnachrichten zwischen Fluglotsen und Cockpitbesatzung über einen digitalen Datenlink. Lotsen schicken Freigaben und Anweisungen, Piloten bestätigen per Knopfdruck oder stellen eigene Anfragen.
Ersetzt CPDLC den Sprechfunk?
Nein. Nach den ICAO-Regeln ergänzt CPDLC den Sprechfunk und ist nur für nicht zeitkritische Kommunikation gedacht. Der Funk bleibt immer verfügbar. Bei Unklarheiten, unerwarteten Nachrichten oder Zeitdruck wechseln Lotse und Crew auf Sprache.
Was ist der Unterschied zwischen CPDLC und ACARS?
ACARS ist ein Transportsystem für Textnachrichten, das vor allem zwischen Flugzeug und Airline genutzt wird. CPDLC ist eine Anwendung der Flugsicherung. Beim System FANS-1/A wird CPDLC über ACARS transportiert, in Europa läuft CPDLC dagegen über das ATN und VDL Mode 2.
Wie antworten Piloten auf eine CPDLC-Nachricht?
Über vordefinierte Antworten. Die wichtigsten sind WILCO (wird befolgt), UNABLE (nicht möglich), STANDBY (Antwort folgt) und ROGER (verstanden). Enthält eine Nachricht mehrere Elemente, gilt die Antwort für die ganze Nachricht – kann ein Teil nicht befolgt werden, lautet sie UNABLE.
Ab welcher Flughöhe ist CPDLC in Europa Pflicht?
Die europäische Datenlink-Regel bezieht sich auf den Luftraum oberhalb von Flugfläche 285, also rund 28.500 Fuß. Für Flugzeuge im allgemeinen Luftverkehr, die dort fliegen, ist eine CPDLC-Ausrüstung vorgeschrieben, wobei es Ausnahmen gibt, etwa für ältere Flugzeuge oder bestimmte Kategorien.
Kann ich CPDLC mit einem Scanner hören?
Nein, CPDLC ist digitaler Datenfunk und kein Sprechfunk. Mit SDR-Stick und Decodern wie dumpvdl2 lassen sich die Datenpakete technisch sichtbar machen. Die Inhalte sind aber nicht für dich bestimmt; in Deutschland darfst du sie nach verbreiteter Rechtsauffassung weder weitergeben noch veröffentlichen.
Was ist ein Logon bei CPDLC?
Der Logon ist die Anmeldung des Flugzeugs bei einer Kontrollstelle über die Data Link Initiation Capability (DLIC). Erst danach können Nachrichten fließen. Beim Wechsel in den nächsten Sektor übergibt die aktuelle Datenautorität das Flugzeug automatisch an die nächste, damit sich die Crew nicht erneut anmelden muss.
Weiterlesen in Flugfunk & ATC
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- Flugfunk hören: Technik und Rechtslage in Deutschland
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Collins Aerospace
Kein eigenes Flugzeug, aber in fast jedem steckt etwas von ihm: Collins Aerospace liefert Avionik, Head-up-Displays, Fahrwerke, Sitze, Bordküchen und Datenfunk – und gehört über die Tochter FlightAware sogar zu den Werkzeugen, mit denen Spotter Flüge verfolgen.
HerstellerHoneywell Aerospace
Der Zulieferer aus Phoenix baut keine Flugzeuge, steckt aber in fast jedem: Hilfsturbinen im Heck von 737 und A320, Glascockpits in Business-Jets, Warnsysteme gegen Bodenberührung und Triebwerke wie TFE731 und HTF7000. Seit Juni 2026 ist Honeywell Aerospace ein eigenständiges Unternehmen.
HerstellerAirbus
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HerstellerBoeing
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