Das Wichtigste in Kürze
- LAPA war eine historische private Airline aus Argentinien, die von 1977 bis April 2003 flog, ab den 1990ern vor allem mit Boeing 737.
- Codes: IATA MJ, ICAO LPR, Rufzeichen „LAPA“.
- Nach der Deregulierung wurde LAPA mit günstigen Tarifen zum Herausforderer von Aerolíneas Argentinas und Austral; Ende 1996 lag der Marktanteil im Inland bei rund 30 Prozent.
- Flug 3142 startete am 31. August 1999 in Aeroparque ohne ausgefahrene Landeklappen, schoss über das Pistenende hinaus und geriet in Brand. 65 Menschen starben.
- Ursache laut Unfallbehörde JIAAC: Die Crew vergaß die Klappen und ignorierte die Warnung vor einer falschen Startkonfiguration – dahinter standen Mängel in Cockpit-Disziplin, Firmenkultur und Aufsicht.
Inhaltsverzeichnis
- 1.LAPA im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen
- 3.Vom Turboprop zur 737: die Flotte im Wandel
- 4.Preisbrecher im Inland, Ausflug nach Atlanta
- 5.Flug 3142: der Abend in Aeroparque
- 6.Was die JIAAC herausfand
- 7.Das Strafverfahren: zwölf Jahre ohne Ergebnis
- 8.Das Ende: Krise, ARG, AIRG und Aus
- 9.LAPA heute spotten – geht das noch?
- 10.Woran du LAPA erkennst
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | MJ |
|---|---|
| ICAO-Code | LPR |
| Rufzeichen | LAPA |
| Drehkreuze | AEP, EZE |
| Status | Historisch – Flugbetrieb im April 2003 eingestellt |
| Geschäftsmodell | Private Inlandsairline mit Preisbrecher-Tarifen, später auch Auslandsstrecken |
| Gegründet | 1977, zunächst mit Flügen innerhalb der Provinz Buenos Aires |
| Sitz und Drehkreuz | Buenos Aires, Hauptbasis Aeroparque Jorge Newbery (AEP), dazu Ezeiza (EZE) |
| Eigentümer | Ab 1984 Gustavo Deutsch, 2001 Grupo Eurnekian, 2002 AeroSur mit argentinischen Investoren |
| Wichtigste Typen | Boeing 737-200 und 737-700, dazu Boeing 757-200 und eine 767-300ER |
| Frühere Typen | Saab 340, Short 330, Embraer EMB 110 Bandeirante, NAMC YS-11, BAC One-Eleven |
| Bekanntester Unfall | Flug 3142 am 31. August 1999: Startunfall einer 737-200C in Buenos Aires, 65 Tote |
| Nachfolger | keiner |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich LAPA – Líneas Aéreas Privadas Argentinas?
- Schriftzug „LAPA“ am Rumpf – in den Jahren 2001 und 2002 stattdessen „ARG“ bzw. AIRG
- Meist eine Boeing 737-200 mit schlanken, langen JT8D-Triebwerken, ab Ende der 1990er auch 737-700
- Argentinisches Kennzeichen mit LV- am Heck
- Fotos fast immer aus Buenos Aires-Aeroparque oder von argentinischen Inlandsflughäfen
- Großraumjet 767-300ER nur kurz um 1999 bis 2001 auf der Strecke nach Atlanta
- Flugnummer mit MJ, im Funk das Rufzeichen LAPA
Ein Flughafen mitten in der Stadt, eine Startbahn, die direkt an einer Hauptstraße endet, und eine Boeing 737, die an einem Augustabend nicht in die Luft kommt: Der Unfall von LAPA-Flug 3142 am 31. August 1999 hat sich tief ins Gedächtnis Argentiniens eingebrannt. Dabei war LAPA weit mehr als dieser eine Abend. Die private Airline aus Buenos Aires mischte in den 1990er-Jahren mit günstigen Tarifen den Inlandsmarkt auf, flog zeitweise bis nach Atlanta und verschwand 2003 nach Wirtschaftskrise und mehreren Eigentümerwechseln. Hier liest du, wie LAPA groß wurde, was bei Flug 3142 passierte, was die Ermittler fanden – und wie du alte LAPA-Fotos richtig zuordnest.
LAPA-Fotos aus dem Archiv
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LAPA im Überblick
LAPA – Líneas Aéreas Privadas Argentinas – war eine historische Airline aus Buenos Aires. Der Name ist Programm: „Private argentinische Fluglinien“ grenzte sich bewusst von der lange staatlichen Aerolíneas Argentinas und deren Inlandsschwester Austral ab, die den Markt lange unter sich aufteilten.
Gegründet wurde LAPA 1977. Anfangs flog sie nur innerhalb der Provinz Buenos Aires, 1978 kam die Genehmigung für Charterflüge, 1979 der Linienverkehr. Größter Anteilseigner war um 1980 der Unternehmer Claudio Zichy-Thyssen. 1984 übernahm Gustavo Deutsch die Airline, der sie bis zur Krise Anfang der 2000er führte.
Hauptbasis war der stadtnahe Aeroparque Jorge Newbery (AEP) am Ufer des Río de la Plata, von dem in Buenos Aires fast der gesamte Inlandsverkehr abgeht. Für Auslandsflüge nutzte LAPA zusätzlich den internationalen Flughafen Ezeiza (EZE).
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code MJ: stand in den Flugnummern, auf Tickets und Anzeigetafeln – der Unglücksflug lief als MJ 3142.
- ICAO-Code LPR: kennzeichnete LAPA im Flugplan der Flugsicherung.
- Rufzeichen LAPA: Im Funk meldeten sich die Crews einfach mit dem Kurznamen der Airline.
- Kennzeichen LV-: Die Flugzeuge waren in Argentinien registriert.
Eine Besonderheit bei alten Belegen: Zwischen 2001 und 2002 trat die Airline unter den Marken ARG und AIRG auf. Wer Flugpläne oder Fotos aus dieser Zeit sortiert, sollte diese Namen kennen. Mehr über die Geschichten hinter Funkkennungen findest du im Artikel über Airline-Rufzeichen.
Vom Turboprop zur 737: die Flotte im Wandel
In den ersten Jahren flog LAPA mit kleinen Mustern für den Regionalverkehr. Dazu gehörten die brasilianische Embraer EMB 110 Bandeirante, die kastenförmige Short 330 und die japanische NAMC YS-11. Im Januar 1987 wurde LAPA zum ersten Betreiber der Saab 340 in Südamerika – damals ein noch junger Turboprop von Saab.
Der große Sprung kam 1993 mit der ersten Boeing 737-200. Ab 1994 öffnete Argentinien seinen Inlandsmarkt stärker für den Wettbewerb, und LAPA wuchs schnell. Bis Ende 1996 hatte die Airline rund 30 Prozent des Inlandsmarkts erobert. Zeitweise flog auch eine BAC One-Eleven für LAPA.
| Typ | Rolle bei LAPA | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|
| Embraer EMB 110 Bandeirante | Frühe Regionalflüge | Kleiner zweimotoriger Turboprop, Tiefdecker |
| Short 330 / NAMC YS-11 | Regionalverkehr der Frühzeit | Short: kastenförmiger Rumpf, Hochdecker; YS-11: zweimotoriger Turboprop aus Japan |
| Saab 340 | 1987 bis Mitte der 1990er, erster Betreiber in Südamerika | Zweimotoriger Turboprop, Tiefdecker mit spitzer Nase |
| Boeing 737-200 / -200 Advanced / -200C | Ab 1993 Rückgrat der Inlandsflotte | Schlanke, lange JT8D-Triebwerke unter dem Flügel |
| Boeing 737-700 | Moderne Ergänzung Ende der 1990er | Runde CFM56-Triebwerke mit abgeflachter Unterseite |
| Boeing 757-200 | Ab Mitte der 1990er, bis etwa 2001 im Einsatz | Langer, schlanker Rumpf, hohes Fahrwerk |
| Boeing 767-300ER | Ab 1999 auf der Strecke nach Atlanta | Einziger Großraumjet der Airline |
Laut einer Übersicht der historischen Flotte flogen bei LAPA insgesamt 14 Boeing 737-200, neun 737-700, drei 757-200 und eine 767-300ER – nicht alle gleichzeitig. Hersteller der Jet-Flotte war fast durchgehend Boeing. Wie du die 737-Generationen auf Fotos auseinanderhältst, zeigt der Guide Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden.
Preisbrecher im Inland, Ausflug nach Atlanta
LAPA trat in den 1990ern als günstige Alternative zu den etablierten Anbietern auf. Argentinische Quellen bezeichnen sie als erste Low-Cost-Airline des Landes – mit Abstrichen, denn ein klassischer Billigflieger mit reiner Punkt-zu-Punkt-Logik war LAPA nicht. Das Netz war auf Buenos Aires ausgerichtet und reichte zeitweise bis Montevideo und Punta del Este in Uruguay sowie nach Santiago de Chile, São Paulo, Florianópolis, Puerto Montt und Santa Cruz de la Sierra.
1999 wagte LAPA den Schritt auf die Langstrecke: Mit einer Boeing 767-300ER flog die Airline nach Atlanta. Lange hielt das nicht. Zum 1. April 2001 gab LAPA die eigenen Atlanta-Flüge auf und setzte stattdessen auf einen Codeshare mit Delta Air Lines.
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Flug 3142: der Abend in Aeroparque
Am 31. August 1999 sollte Flug 3142 kurz vor 21 Uhr Ortszeit von Aeroparque nach Córdoba starten. An Bord waren 100 Menschen: 95 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder. Eingesetzt war eine Boeing 737-204C mit dem Kennzeichen LV-WRZ. Das „C“ steht für Convertible – eine Version mit großer Frachttür, die sich zwischen Passagier- und Frachtbetrieb umrüsten lässt.
Die Maschine hatte eine lange Vorgeschichte: Erstflug im April 1970, ausgeliefert an die britische Britannia Airways als G-AXNB, ab 1990 bei der französischen TAT als F-GGPB, seit Dezember 1996 bei LAPA. Beim Unfall war sie gut 29 Jahre alt und hatte rund 64.500 Flugstunden und 38.680 Flugzyklen gesammelt.
Gestartet wurde auf der Piste 13. Schon während des Startlaufs ertönte im Cockpit die Startkonfigurationswarnung – ein Signal, das die Crew warnt, wenn das Flugzeug nicht startbereit eingestellt ist. Der Grund: Die Landeklappen waren nicht ausgefahren. Ohne Klappen erzeugt der Flügel bei Startgeschwindigkeit nicht genug Auftrieb. Die Piloten brachen den Start trotzdem nicht ab.
Die 737 kam nicht in die Luft. Sie schoss über das Pistenende hinaus, durchbrach den Flughafenzaun, überquerte die Straße Avenida Rafael Obligado, erfasste ein Auto und prallte gegen Baumaschinen einer Straßenbaustelle und einen Mittelstreifen. Auslaufender Treibstoff und eine beschädigte Gasregelstation fingen Feuer, das Flugzeug brannte aus.
65 Menschen starben: 63 an Bord, darunter beide Piloten, und zwei Menschen in dem getroffenen Auto. Mindestens 34 Menschen wurden verletzt. Die hintere rechte Tür klemmte, ein Mitglied der Kabinenbesatzung öffnete unter schwierigen Bedingungen die hintere linke Tür, einige Passagiere entkamen durch eine Öffnung im Rumpf. Flughafenfeuerwehr, Bundespolizei und die Marinepräfektur (Prefectura Naval) bekämpften den Brand. Bis heute zählt der Unfall zu den schwersten Flugzeugunglücken in Argentinien. Wie Sicherheitsflächen hinter dem Pistenende solche Überrollunfälle entschärfen sollen, erklärt der Artikel über Pistensicherheit und EMAS.
Respekt vor Unfallbildern
Hinter den Bildern vom Ende der Piste 13 stehen 65 Tote und ihre Familien. Wenn du selbst einmal Zeuge eines Zwischenfalls wirst, gelten in Deutschland klare Grenzen. Was erlaubt ist, erklärt der Artikel über Fotos von Flugunfällen und Notlandungen.
Was die JIAAC herausfand
Untersucht wurde der Unfall von der argentinischen Behörde JIAAC (Junta de Investigaciones de Accidentes de Aviación Civil). Unterstützt wurde sie von der US-Behörde NTSB sowie Fachleuten von Boeing, dem Triebwerkshersteller Pratt & Whitney und der FAA; die Flugschreiber wurden in Washington ausgewertet. Den Abschlussbericht legte die JIAAC am 18. Mai 2000 vor.
Das Ergebnis war eindeutig: Die Spindeltriebe der Klappen standen in eingefahrener Position, der Klappenhebel im Cockpit ebenso, und auch der Flugdatenschreiber zeigte keine Klappen. Unmittelbare Ursache war laut JIAAC, dass die Crew vergessen hatte, die Klappen für den Start auszufahren, und die Warnung vor der falschen Konfiguration nicht beachtete. Triebwerke und Wartung waren laut Bericht in Ordnung, einen Vogelschlag schlossen die Ermittler aus.
Spannender – und bitterer – sind die beitragenden Faktoren, die der Bericht auflistet:
- mangelnde Disziplin der Crew, die den Start trotz Warnung nicht abbrach,
- private Gespräche, die sich mit dem Abarbeiten der Checkliste vermischten, sodass der Punkt „Klappen“ übersprungen wurde,
- persönliche, familiäre und finanzielle Belastungen beider Piloten,
- eine unzureichende psychologische Auswahl und frühere negative Beurteilungen im Flugbetrieb, die ohne Konsequenzen geblieben waren,
- und eine Auslegung der Warnanlage der 737, die einen Start trotz Alarm technisch nicht verhinderte.
Damit ist Flug 3142 ein Lehrbuchfall für das, was die Luftfahrt Crew Resource Management nennt: Zwei erfahrene Piloten, ein funktionierendes Flugzeug, eine Warnung, die genau richtig auslöst – und trotzdem passiert die Katastrophe, weil die Abläufe im Cockpit nicht greifen. Ein ähnliches Muster aus fehlerhafter Startvorbereitung kennst du vom Absturz von Air Florida Flug 90 1982 in Washington, wo Eis an den Tragflächen und falsch anzeigende Triebwerksinstrumente zusammenkamen.
Kritik am Bericht
Aus Justizkreisen wurde der JIAAC vorgeworfen, sich zu sehr auf die Piloten zu konzentrieren. Im Strafverfahren rückten deshalb auch die Firmenorganisation von LAPA und die Aufsicht durch die argentinische Luftwaffe in den Fokus, die damals für die zivile Luftfahrtaufsicht zuständig war.
Das Strafverfahren: zwölf Jahre ohne Ergebnis
Parallel zur Unfalluntersuchung ermittelte die Justiz. Hunderte Zeugen wurden vernommen, vor allem Piloten und Kabinenpersonal von LAPA. Gerichtsunterlagen und Presseberichte beschrieben nachlässige Überprüfungen von Piloten und den Vorwurf, dass die Lizenz eines Piloten abgelaufen gewesen sei. Zudem hieß es, LAPA habe zum Unfallzeitpunkt kein überarbeitetes und von der Luftwaffenaufsicht genehmigtes Betriebshandbuch gehabt.
2000: Anklagen
Ein Richter beschuldigt 32 Personen, darunter LAPA-Chef Gustavo Deutsch und frühere Offiziere der Luftwaffe.
2005: Prozess angeordnet
Ein Bundesrichter schickt sechs LAPA-Verantwortliche und drei Luftwaffen-Offiziere vor Gericht.
2010: Urteil
Zwei frühere LAPA-Manager erhalten drei Jahre Haft wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Katastrophe, die übrigen werden freigesprochen.
2014: Aufhebung
Die Kassationskammer hebt beide Urteile auf, weil das Verfahren die gesetzlichen Fristen überschritten hat.
Für viele Angehörige ist der Fall deshalb bis heute ein Symbol für Straflosigkeit. Öffentlich hielt ihn vor allem der frühere LAPA-Pilot Enrique Piñeyro wach. Er hatte die Airline im Juni 1999, wenige Wochen vor dem Unglück, aus Sorge um die Sicherheit verlassen und verarbeitete die Ereignisse später im Spielfilm „Whisky Romeo Zulu“ – der Titel spielt auf das Kennzeichen LV-WRZ an. Auch die Dokureihe „Mayday – Alarm im Cockpit“ hat den Unfall aufgegriffen.
Was Flug 3142 sichtbar machte
- Checklisten wirken nur, wenn sie konzentriert abgearbeitet werden
- Eine Warnung im Startlauf ist ein Grund zum Abbruch
- Firmenkultur und Pilotenauswahl gehören zur Sicherheit
- Aufsichtsbehörden brauchen klare Regeln und Handbücher
Was bitter bleibt
- 65 Tote durch eine vermeidbare Fehlerkette
- Frühe Warnsignale zu einzelnen Piloten blieben folgenlos
- Ein Strafverfahren, das an Fristen scheiterte
- Ein Stadtflughafen mit wenig Platz hinter dem Pistenende
Das Ende: Krise, ARG, AIRG und Aus
Der Unfall beschädigte den Ruf von LAPA schwer, das Ende brachte aber vor allem die Wirtschaft. Mit der Argentinien-Krise ab 2001 wurden die in Dollar laufenden Leasingverträge für die Flugzeuge untragbar. LAPA gab die 757 und die 767 an die Leasinggeber zurück und beantragte im Mai 2001 Gläubigerschutz.
Im September 2001 übernahm die Gruppe des Unternehmers Eduardo Eurnekian die Airline und benannte sie in ARG um. Weil das Kürzel mit Aerolíneas Argentinas kollidierte, hieß sie ab Mitte 2002 AIRG. Im August 2002 kauften die bolivianische AeroSur und vier argentinische Investoren das Unternehmen, und der Name LAPA kehrte zurück. Gerettet war die Airline damit nicht: Zum Schluss bestand die Flotte nur noch aus fünf 737-200 Advanced, von denen drei einsatzbereit waren. Als Leasinggeber drei Maschinen zurückholten, endete der Flugbetrieb im April 2003.
Den Platz der privaten Herausforderer übernahmen später andere: Zuerst Anbieter wie Andes Líneas Aéreas, Jahre danach Low-Cost-Airlines wie Flybondi.
LAPA heute spotten – geht das noch?
Als Airline ist LAPA seit 2003 Geschichte. Für dich bleiben diese Wege:
Gute Chancen, wenn …
- du alte Dias, Negative oder Fotoarchive aus Argentinien der Jahre bis 2003 durchsiehst
- du Aufnahmen aus Aeroparque oder Ezeiza aus den 1990ern sortierst
- du nach ehemaligen LAPA-Kennzeichen in Registern recherchierst
Prüf es genau, wenn …
- eine frühere LAPA-737 bei einer anderen Airline weiterflog – Kennzeichen und Bemalung können sich geändert haben
- ein Foto aus 2001 oder 2002 „ARG“ oder „AIRG“ zeigt – das ist trotzdem LAPA
Kein LAPA-Tag, wenn …
- du auf aktuelle Flüge mit MJ-Flugnummer hoffst – LAPA fliegt seit April 2003 nicht mehr
Bei historischen Bildern hilft die Flotte beim Datieren: Eine YS-11, Short 330 oder Bandeirante in LAPA-Farben stammt aus den 1980ern oder früher, eine Saab 340 aus der Zeit vor 1997. Eine 757 spricht für die Jahre ab etwa 1995, eine 737-700 oder 767 für die späten 1990er bis 2002. Wie du das Baujahr einer Maschine herausfindest, zeigt Wie alt ist dieses Flugzeug?, und beim Einordnen älterer Muster hilft Oldtimer am Himmel erkennen.
Woran du LAPA erkennst
Schriftzug prüfen
„LAPA“ am Rumpf ist das klarste Merkmal, 2001/2002 stand dort „ARG“. Die Farbgebung wechselte über die Jahre – vergleich im Zweifel mit datierten Archivfotos.
Typ bestimmen
Schlanke, lange Triebwerke deuten auf die 737-200, rundere CFM56 auf die 737-700. Ein Großraumjet kann nur die 767-300ER sein.
Kennzeichen lesen
LV- am Heck. Über das Kennzeichen findest du Baujahr und Vorbesitzer – die 737-200 kamen meist gebraucht zu LAPA, die Unglücksmaschine etwa aus Europa.
Ort und Zeit notieren
Aeroparque ist der typische Ort. Ein Foto aus Atlanta grenzt die Zeit auf etwa 1999 bis 2001 ein.
Häufige Verwechslungen
- LAPA mit Austral gleichsetzen – Austral war die Inlandstochter der Aerolíneas-Gruppe und damit der direkte Konkurrent.
- ARG für Aerolíneas Argentinas halten – „ARG“ und „AIRG“ waren Marken der übernommenen LAPA; genau dieser Namenskonflikt führte zur zweiten Umbenennung.
- Flug 3142 als Triebwerks- oder Wartungsproblem verbuchen – laut JIAAC funktionierten Triebwerke und Wartung, entscheidend waren die nicht ausgefahrenen Klappen.
- „Kein Warnsystem an Bord“ – die Warnung ertönte, sie wurde aber nicht beachtet.
- LAPA für einen modernen Billigflieger halten – das Netz lief über Buenos Aires, und mit 757 und 767 flog LAPA auch klassische Netzwerkstrecken.
- Jede LV-737-200 aus den 1990ern LAPA zuordnen – auch Aerolíneas, Austral und andere argentinische Airlines flogen den Typ.
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Fazit
LAPA war der private Herausforderer, den Argentiniens Luftfahrt in den 1990er-Jahren gebraucht hat: günstige Tarife, eine wachsende 737-Flotte und sogar ein Abstecher auf die Langstrecke. In Erinnerung bleibt die Airline aber vor allem durch Flug 3142. Eine vergessene Klappenstellung, eine ignorierte Warnung und ein Umfeld, in dem Warnsignale zu lange übersehen wurden, kosteten 65 Menschen das Leben. Die Wirtschaftskrise beendete 2003 dann auch die Airline selbst.
Kurzfazit
LAPA (IATA MJ, ICAO LPR) flog von 1977 bis 2003 ab Buenos Aires, ab 1993 vor allem mit der Boeing 737-200. Flug 3142 scheiterte 1999 beim Start ohne ausgefahrene Klappen – ein Lehrbeispiel für Checklisten-Disziplin im Cockpit.
Zusammenfassung
- LAPA war in den 1990er-Jahren die bekannteste private Konkurrenz zur Aerolíneas-Gruppe in Argentinien.
- Flug 3142 zeigt, wie eine vergessene Checklisten-Position und eine ignorierte Warnung zur Katastrophe werden können.
- Strafrechtlich blieb der Unfall weitgehend folgenlos: Zwei Verurteilungen von 2010 hob ein Berufungsgericht 2014 wegen überlanger Verfahrensdauer auf.
- Nach Wirtschaftskrise, Eigentümerwechseln und Umbenennungen endete der Flugbetrieb im April 2003 – LAPA-Jets gibt es heute nur noch im Fotoarchiv.
Häufige Fragen
Wann gab es LAPA?
LAPA wurde 1977 gegründet und flog zunächst innerhalb der Provinz Buenos Aires. 1979 begann der Linienverkehr, ab 1993 setzte die Airline Boeing 737 ein. Im April 2003 stellte sie den Flugbetrieb endgültig ein.
Welche Codes hatte LAPA?
LAPA flog mit dem IATA-Code MJ, dem ICAO-Code LPR und dem Rufzeichen „LAPA“. Die Flugnummer des Unglücksflugs lautete deshalb MJ 3142, im Funk „LAPA 3142“.
Was ist bei LAPA-Flug 3142 passiert?
Am Abend des 31. August 1999 sollte eine Boeing 737-200C mit 100 Menschen an Bord von Buenos Aires-Aeroparque nach Córdoba fliegen. Die Landeklappen waren nicht ausgefahren. Die Maschine hob nicht ab, durchbrach den Zaun am Pistenende, überquerte eine Straße, traf ein Auto und Baumaschinen und brannte aus. 63 Menschen an Bord und zwei Menschen im Auto starben.
Warum ist Flug 3142 verunglückt?
Laut der argentinischen Unfallbehörde JIAAC hatte die Crew vergessen, die Landeklappen für den Start auszufahren. Die Startkonfigurationswarnung ertönte während des Startlaufs, doch die Piloten brachen den Start nicht ab. Als beitragende Faktoren nannte der Bericht unter anderem mangelnde Disziplin im Cockpit, private Gespräche während der Checkliste und persönliche Belastungen der Piloten.
Wurde jemand für den Unfall verurteilt?
Im Februar 2010 verurteilte ein Bundesgericht in Buenos Aires zwei frühere LAPA-Manager wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Katastrophe zu drei Jahren Haft, andere Angeklagte wurden freigesprochen. 2014 hob die Kassationskammer die Urteile auf, weil das Verfahren die gesetzlichen Fristen überschritten hatte. Viele Angehörige empfinden den Fall deshalb als Beispiel für Straflosigkeit.
Welche Flugzeuge flog LAPA?
In der Frühzeit kleinere Muster wie Embraer Bandeirante, Short 330, NAMC YS-11 und ab 1987 Saab 340 – LAPA war der erste Betreiber der Saab 340 in Südamerika. Ab 1993 kamen Boeing 737-200 dazu, ab Mitte der 1990er Boeing 757-200 und später 737-700 sowie eine 767-300ER. Auch eine BAC One-Eleven gehörte zeitweise zur Flotte.
Warum hat LAPA aufgegeben?
Die Argentinien-Krise ab 2001 machte die in Dollar bezahlten Leasingraten untragbar. LAPA gab Flugzeuge an die Leasinggeber zurück, beantragte 2001 Gläubigerschutz und wechselte zweimal den Eigentümer. Als Leasinggeber im Frühjahr 2003 drei der letzten fünf Jets zurückholten, endete der Flugbetrieb.
Was hat LAPA mit ARG und AIRG zu tun?
Nach der Übernahme durch die Gruppe von Eduardo Eurnekian im September 2001 trat LAPA als „ARG“ auf. Weil das Kürzel mit Aerolíneas Argentinas kollidierte, wurde daraus 2002 „AIRG“. Nach dem Verkauf an AeroSur und argentinische Investoren im August 2002 kehrte der Name LAPA zurück.
LAPA – Líneas Aéreas Privadas Argentinas im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Boeing 737-200
Schlanke Zigarren-Triebwerke unter dem Flügel, eine Kufe am Bugrad und Luftdüsen vor dem Einlauf: Die 737-200 ist der Jet, der auf Schotter landet. Hier erfährst du, wie die -200 und die -200 Advanced entstanden, woran du sie erkennst und wo sie heute noch fliegt.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 757-200
Lang, schlank, hochbeinig und mit Triebwerken, die fast zu groß wirken: Die 757-200 ist ein Schmalrumpf mit Langstrecken-Genen. Produziert wird sie seit 2004 nicht mehr, Spotter freuen sich deshalb über jede Begegnung.
FlugzeugtypBoeing 767-300ER
Schlanker Rumpf, zwei große Triebwerke, oft hochgezogene Winglets: Die 767-300ER war jahrzehntelang das Arbeitspferd über den Atlantik. Heute wird sie selten – so erkennst und findest du sie.
FlugzeugtypSaab 340
Tiefdecker, zwei Vierblatt-Propeller, ein ganz normales Leitwerk und ein kurzer, rundlicher Rumpf: Der Saab 340 ist der schwedische Klassiker unter den Regional-Turboprops. So erkennst du ihn und weißt, wo er heute noch fliegt.
FlugzeugtypEmbraer EMB 110 Bandeirante
Tiefdecker, zwei PT6-Turboprops, rund 15 bis 21 Sitze: Mit dem Bandeirante begann 1968 die Geschichte von Embraer. So erkennst du den brasilianischen Zubringer-Klassiker und findest die letzten Exemplare.
FlugzeugtypBAC One-Eleven
Zwei Rolls-Royce Spey am Heck, T-Leitwerk, kompakter Rumpf: Die One-Eleven war Großbritanniens erfolgreichster Kurzstreckenjet – und flog später als Rombac 1-11 aus rumänischer Fertigung sogar für die junge Ryanair.
Weitere Airlines
Aerolíneas Argentinas
Argentiniens staatliche Flag-Carrier mit Drehkreuzen in Buenos Aires: SkyTeam-Mitglied seit 2012, mit dem Airbus A330-200 in Madrid und Rom zu Gast und seit Jahren Spielball der Debatte um eine erneute Privatisierung.
RegionalAustral Líneas Aéreas
Historische Inlandsairline aus Argentinien: 1971 aus zwei Vorgängern entstanden, später Schwester von Aerolíneas Argentinas mit Embraer-190-Flotte – und Ende November 2020 vollständig in den Flag-Carrier integriert.
FerienfliegerAndes Líneas Aéreas
Kleine argentinische Airline aus Salta: einst mit MD-80 auf Linie und im Charter unterwegs, nach Krise und Neustart heute eine Charter-Airline mit wenigen Boeing 737 für Reiseveranstalter, Fußballclubs und Abschlussreisen.
Low-CostFlybondi
Argentiniens erste Ultra-Low-Cost-Airline: 2016 gegründet, ab 2018 mit Boeing 737-800 im Inland unterwegs – und seit August 2026 ohne regulären Flugbetrieb.
NetzwerkDelta Air Lines
Die US-Netzwerk-Airline aus Atlanta: 1925 als Schädlingsbekämpfer gestartet, Gründungsmitglied von SkyTeam und mit rund 1.000 Flugzeugen eine der größten Airlines der Welt – in Deutschland vor allem in Frankfurt und München zu sehen.
RegionalAloha Airlines
Historische Airline aus Honolulu von 1946 bis 2008: Aloha verband die Inseln Hawaiis mit Boeing 737 – und Flug 243 machte 1988 die Ermüdung alternder Flugzeuge zum Weltthema.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Boeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
HerstellerSaab
Saab aus Schweden hat zwei Gesichter: Für Airline-Spotter steht der Name für die Turboprops Saab 340 und Saab 2000, die bis heute bei Regionalairlines fliegen. Auf Airshows und Militärflugplätzen ist es der Gripen – und mit dem GlobalEye baut Saab ein fliegendes Radar auf Basis eines Businessjets.
HerstellerPratt & Whitney
US-Triebwerkshersteller aus Connecticut, der mit dem JT8D die Kurzstrecke der 1960er prägte, mit dem JT9D den Jumbo antrieb und heute mit dem Getriebefan PW1000G unter A220, A320neo und E2 hängt. Für Spotter ist P&W der Grund, warum so viele Neos zeitweise am Boden standen.
FlughafenFlughafen Atlanta Hartsfield-Jackson
Der passagierreichste Flughafen der Welt: fünf parallele Bahnen südlich von Atlanta, das größte Drehkreuz von Delta Air Lines mit rund tausend Abflügen am Tag – und ein Verkehrsmix, in dem Boeing 717, 757 und Airbus A350 nebeneinander rollen.
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