Das Wichtigste in Kürze
- Aloha Airlines war eine historische Airline aus Hawaii, die von 1946 bis März 2008 vor allem die Inseln untereinander verband.
- Codes: IATA AQ, ICAO AAH, Rufzeichen „ALOHA“.
- Die Flotte war jahrzehntelang eine reine Boeing-737-Flotte – mit vielen alten 737-200, die auf kurzen Inselstrecken extrem viele Starts und Landungen sammelten.
- Flug 243 verlor am 28. April 1988 einen rund 5,5 Meter langen Abschnitt des Rumpfdachs. Die Crew landete in Kahului, eine Flugbegleiterin kam ums Leben.
- Die Folgen reichen bis heute: Ermüdungsrisse an vielen Stellen gleichzeitig wurden zum Forschungsthema, die FAA verschärfte die Regeln für alternde Flugzeuge.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Aloha Airlines im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen
- 3.Von der DC-3 zum Jet: die Flotte im Wandel
- 4.Pazifik und Festland: Aloha außerhalb Hawaiis
- 5.Flug 243: der Tag, an dem das Dach fehlte
- 6.Was das NTSB herausfand
- 7.Die Folgen: wie Flug 243 die Alterungsforschung prägte
- 8.Das Ende: Preiskampf und zwei Insolvenzen
- 9.Aloha heute spotten – geht das noch?
- 10.Woran du Aloha Airlines erkennst
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | AQ |
|---|---|
| ICAO-Code | AAH |
| Rufzeichen | ALOHA |
| Drehkreuze | HNL, OGG |
| Status | Historisch – letzte Passagierflüge am 31. März 2008, Frachtsparte lebt als Aloha Air Cargo weiter |
| Geschäftsmodell | Inselairline für Hawaii, später auch Flüge zum US-Festland und in den Pazifik |
| Ursprung | 1946 als Trans-Pacific Airlines gegründet, ab 1950 „TPA – The Aloha Airline“, seit 1958 Aloha Airlines |
| Sitz | Honolulu, Hawaii |
| Drehkreuz | Honolulu (HNL), dazu Kahului auf Maui (OGG) als wichtiger Knoten |
| Flotte zuletzt | 22 Boeing 737 (Stand März 2008): 13 737-200, 8 737-700, eine geleaste 737-800 |
| Frühere Typen | Douglas DC-3, Fairchild F-27, Vickers Viscount, BAC One-Eleven, DC-10-30 (geleast), 737-100/-300/-400 |
| Bekanntester Vorfall | Flug 243 am 28. April 1988: Teil des Rumpfdachs einer 737-200 riss im Reiseflug ab |
| Nachfolger | Aloha Air Cargo, seit 2008 im Besitz von Saltchuk |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Aloha Airlines?
- Fast immer eine Boeing 737 – ab 1971 flog Aloha nur noch Jets, zuletzt ausschließlich 737
- Schriftzug „Aloha“ am Rumpf; die ersten 737-200 trugen den Spitznamen „Funbirds“
- US-Kennzeichen mit N am Heck, die Unglücksmaschine von Flug 243 war die N73711
- 737-200 mit schlanken JT8D-Triebwerken auf den Inselstrecken, ab 2000 737-700 für Festland-Flüge
- Fotos meist aus Honolulu, Kahului, Hilo, Kona oder Lihue – oder von der Westküste wie Oakland
- Flugnummer mit AQ, im Funk das Rufzeichen ALOHA
Ein Boeing 737 mit offenem Rumpf, Passagiere unter freiem Himmel in 24.000 Fuß Höhe – das Foto von Aloha-Flug 243 nach der Landung auf Maui kennt fast jeder, der sich mit Luftfahrtsicherheit beschäftigt. Dabei war Aloha Airlines weit mehr als dieser eine Tag im April 1988: Mehr als 60 Jahre lang verband die Airline die Inseln Hawaiis, flog früh Turboprops und Jets und war später auch an der US-Westküste unterwegs. Hier liest du, wie Aloha entstand, was 1988 wirklich passierte, warum der Unfall die Wartung alter Flugzeuge weltweit verändert hat – und wie du alte Aloha-Fotos sauber zuordnest.
Aloha-Fotos aus dem Archiv
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Aloha Airlines im Überblick
Aloha Airlines war eine historische Airline aus Honolulu, die den Inselverkehr in Hawaii über Jahrzehnte gemeinsam mit Hawaiian Airlines prägte. Ihr Kerngeschäft waren kurze Flüge zwischen Oahu, Maui, Hawaii Island und Kauai – oft nur eine halbe Stunde in der Luft, dafür viele Umläufe am Tag. Später kamen Strecken in den Pazifik und ab dem Jahr 2000 aufs US-Festland dazu.
Gegründet hat das Unternehmen der Verleger Ruddy Tongg als Trans-Pacific Airlines, ausdrücklich als Konkurrenz zum damaligen Platzhirsch Hawaiian; die ersten Flüge fanden am 26. Juli 1946 statt. Das erste Flugzeug war eine Douglas C-47 aus Militärbeständen, also die Militärversion der Douglas DC-3, die zwischen Honolulu, Maui und Hilo pendelte. Den Linienverkehr nahm die Airline im Juni 1949 auf. 1950 trat sie als „TPA – The Aloha Airline“ auf, 1958 wurde daraus endgültig Aloha Airlines.
Das Drehkreuz war der Flughafen Honolulu, ein zweiter wichtiger Knoten Kahului auf Maui. Am 31. März 2008 endete der Passagierverkehr – nach 62 Jahren.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code AQ: stand in den Flugnummern, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code AAH: kennzeichnete Aloha im Flugplan der Flugsicherung.
- Rufzeichen ALOHA: so meldeten sich die Crews im Funk.
- Kennzeichen N: Alle Flugzeuge waren in den USA registriert.
Achtung bei alten Belegen: Der IATA-Code AQ wurde nach dem Ende von Aloha neu vergeben und gehört heute einer ganz anderen Airline. Den ICAO-Code AAH führt dagegen die Nachfolgerin Aloha Air Cargo weiter. Mehr über die Geschichten hinter Kennungen im Funk liest du im Artikel über Airline-Rufzeichen.
Von der DC-3 zum Jet: die Flotte im Wandel
Aloha war ein früher Modernisierer. Schon 1959 kamen Turboprops vom Typ Fairchild F-27 – die in den USA gebaute Lizenzversion der Fokker F27 Friendship. Im Januar 1961 musste die letzte DC-3 gehen, und Aloha war damit erst die zweite US-Airline, die nur noch Turbinenflugzeuge einsetzte. 1963 folgten Vickers Viscount, unter anderem gebraucht von Austrian Airlines.
Im April 1966 landete der erste Jet: eine BAC One-Eleven aus Großbritannien. Lange blieb sie nicht – schon 1969 gab Aloha die One-Eleven wieder ab. Der entscheidende Schritt kam im selben Jahr mit den ersten beiden Boeing 737-200, die Aloha „Funbirds“ nannte. Im Oktober 1971 wurde die letzte Viscount verkauft – von da an flog Aloha nur noch Jets, und die 737 wurde zum Rückgrat der Airline.
| Typ | Zeitraum bei Aloha | Rolle | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| Douglas DC-3 / C-47 | 1946–1961 | Erstausstattung im Inselverkehr | Kolbenmotoren, Spornrad |
| Fairchild F-27 | ab 1959 | Erste Turboprops | Hochdecker, US-Lizenzbau der F27 |
| Vickers Viscount | 1963–1971 | Turboprop-Ergänzung | Vier Propellerturbinen, ovale Fenster |
| BAC One-Eleven | 1966–1969 | Erster Jet | Triebwerke am Heck, T-Leitwerk |
| Boeing 737-200 | 1969–2008 | Arbeitspferd der Inselstrecken | Schlanke JT8D-Triebwerke unter dem Flügel |
| McDonnell Douglas DC-10-30 | 1984–1985, geleast | Kurzes Pazifik-Experiment | Drittes Triebwerk im Leitwerk |
| Boeing 737-700 | 2000–2008 | Festland-Flüge | CFM56-Triebwerke, Rumpf etwas länger als die -200 |
| Boeing 737-800 | bis 2008, geleast | Einzelstück | Längerer Rumpf als die -700 |
Neben diesen Typen setzte Aloha zeitweise auch 737-100, 737-300 und 737-400 ein, dazu 737-200 in „Quick-Change“-Ausführung: Diese Maschinen ließen sich innerhalb kurzer Zeit zwischen Passagier- und Frachtkonfiguration umrüsten. Im März 2008 bestand die Flotte aus 22 Boeing 737 – 13 737-200 für die Inselstrecken, acht 737-700 und eine von Transavia geleaste 737-800. Das Durchschnittsalter lag bei rund 18 Jahren.
Für die Unterscheidung der einzelnen 737-Generationen lohnt der Blick in den Guide Boeing 737 Original, Classic, NG und MAX unterscheiden. Hersteller fast der gesamten späteren Flotte war Boeing.
Pazifik und Festland: Aloha außerhalb Hawaiis
Hawaii ist klein – wer wachsen wollte, musste hinaus aufs Meer. Aloha versuchte das mehrfach:
- Aloha Pacific (1984–1985): Mit einer geleasten DC-10-30 flog Aloha von Honolulu über Guam nach Taipeh. Das Experiment endete im Januar 1985.
- Kiritimati (ab 1986): Wöchentliche Flüge zur Weihnachtsinsel in Kiribati. Aloha gilt dabei als erste Airline, die 737-200 mit ETOPS-Zulassung einsetzte – also mit der Erlaubnis, weit entfernt von Ausweichflughäfen zweistrahlig über Wasser zu fliegen. Was hinter dieser Regel steckt, erklärt der Artikel über ETOPS.
- US-Festland (ab 2000): Ab dem 14. Februar 2000 flog Aloha mit neuen 737-700 von Honolulu, Kahului und Kona nach Oakland. Später kamen Orange County, San Diego, Sacramento, Reno, Las Vegas und Burbank dazu, außerdem Vancouver.
Zum Streckennetz gehörten zuletzt auch Pago Pago in Amerikanisch-Samoa, Kwajalein und Majuro auf den Marshallinseln sowie Charterflüge nach Midway. Als Partner arbeitete Aloha unter anderem mit United Airlines zusammen.
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Flug 243: der Tag, an dem das Dach fehlte
Am 28. April 1988 startete eine Boeing 737-200 von Aloha um 13:25 Uhr Ortszeit in Hilo Richtung Honolulu – ein Routineflug von gut einer halben Stunde. An Bord waren 95 Menschen: fünf Besatzungsmitglieder und 90 Passagiere – zu Letzteren zählte ein Fluglotse, der auf dem Jumpseat im Cockpit mitflog. Die Maschine trug das Kennzeichen N73711 und den Namen „Queen Liliuokalani“. Gebaut worden war sie 1969.
Um 13:46 Uhr, kurz nach Erreichen der Reiseflughöhe von 24.000 Fuß, riss über den vorderen Sitzreihen ein etwa 5,5 Meter langer Abschnitt der Rumpfoberseite weg. Die Kabine verlor schlagartig ihren Druck. Die Chef-Flugbegleiterin Clarabelle „C. B.“ Lansing, seit 37 Jahren im Dienst, stand gerade im Gang und wurde aus dem Flugzeug gerissen. Sie war das einzige Todesopfer; gefunden wurde sie nie.
Im Cockpit übernahm Kapitän Robert Schornstheimer, unterstützt von Erster Offizierin Mimi Tompkins. Die Crew leitete einen Notabstieg ein und flog zum nächstgelegenen Flughafen: Kahului auf Maui. Im Anflug fiel zusätzlich das linke Triebwerk aus, und die Piloten konnten nicht sicher sein, ob das Bugfahrwerk richtig ausgefahren war. Trotzdem landete die 737 nach 13 Minuten auf der Piste 2. 65 Menschen waren verletzt, acht davon schwer. Weil es auf Maui damals keinen Notfallplan für solche Lagen gab, brachten Kleinbusse eines örtlichen Tourenanbieters die Verletzten ins Krankenhaus.
Die Maschine war nicht mehr zu reparieren und wurde abgeschrieben. Das abgerissene Rumpfstück wurde nie gefunden. Am Flughafen Honolulu erinnert seit 1995 ein Garten an Clarabelle Lansing. Der Fall wurde später unter anderem im Fernsehfilm „Miracle Landing“ von 1990 und in der Dokureihe „Mayday“ aufgearbeitet.
Respekt vor Unfallbildern
Fotos von Flug 243 gehören zur Luftfahrtgeschichte – aber hinter ihnen stehen Verletzte und ein Todesopfer. Wenn du selbst einmal Zeuge eines Zwischenfalls wirst, gelten in Deutschland klare Grenzen. Was erlaubt ist, erklärt der Artikel über Fotos von Flugunfällen und Notlandungen.
Was das NTSB herausfand
Die US-Unfallbehörde NTSB legte ihren Bericht im Juni 1989 vor. Der Kern: Metallermüdung an einer Überlappungsnaht des Rumpfs, also der Stelle, an der zwei Hautbleche übereinanderliegen und vernietet sind.
Bei den frühen 737 wurden diese Nähte zusätzlich kalt verklebt, mit einem in Epoxidharz getränkten Gewebe. Diese Verklebung erwies sich als wenig haltbar. Löste sie sich, lastete die Kraft allein auf den Nieten, und Feuchtigkeit drang ein. Im salzhaltigen Küstenklima Hawaiis kam Spaltkorrosion dazu. Entlang einer Nietreihe entstanden so viele kleine Risse gleichzeitig. Einzeln waren sie harmlos, zusammen wuchsen sie zu einem langen Riss. Die Struktur war darauf ausgelegt, einen einzelnen Riss aufzuhalten – gegen viele benachbarte Risse auf einmal griff diese Sicherheitsreserve nicht mehr.
Dazu kam die besondere Belastung im Inselverkehr. Die N73711 hatte in knapp 19 Jahren 89.680 Flugzyklen gesammelt, also Starts und Landungen – bei nur rund 35.500 Flugstunden. Wegen der kurzen Strecken wurde die Kabine dabei nicht immer bis zum vollen Druckunterschied aufgepumpt, die Belastung pro Flug war also geringer. Trotzdem war diese Zahl für eine 737 außergewöhnlich hoch. Wie der Druck in der Kabine überhaupt entsteht und warum er die Struktur bei jedem Flug dehnt, liest du im Artikel über Kabinendruck und Kabinenhöhe.
Als wahrscheinliche Ursache nannte das NTSB, dass das Wartungsprogramm von Aloha die Ablösungen und Ermüdungsschäden nicht entdeckt hatte. Als beitragende Faktoren führte der Bericht unter anderem auf:
- eine unzureichende Aufsicht der Aloha-Führung über die Wartung,
- dass die FAA mit ihrer Lufttüchtigkeitsanweisung 87-21-08 nicht die Prüfung aller Überlappungsnähte verlangt hatte, wie Boeing es in einem Service Bulletin vorgeschlagen hatte,
- dass die frühen Probleme mit den kalt verklebten Nähten nie abschließend behoben worden waren.
Ein Detail macht nachdenklich: Die Rumpfinspektionen fanden oft nachts statt, was die Sichtprüfung der Außenhaut erschwerte. Und eine Passagierin sagte später aus, sie habe beim Einsteigen einen Riss gesehen, aber niemandem davon erzählt. Ein Mitglied des fünfköpfigen NTSB-Gremiums widersprach übrigens: Es sah zwar ebenfalls unentdeckte Ermüdungsrisse als Ursache, wollte die Wartung von Aloha aber nicht allein verantwortlich machen.
Gut zu wissen: spätere 737 waren anders gebaut
Laut den Unfallunterlagen trug die N73711 die Produktionsnummer 152. Ab Nummer 292 baute Boeing an der Überlappungsnaht ein zusätzliches Verstärkungsblech ein. Die frühen 737-200 mit kalt verklebten Nähten waren deshalb besonders im Fokus der Nachprüfungen.
Die Folgen: wie Flug 243 die Alterungsforschung prägte
Flug 243 traf die Branche zu einem heiklen Zeitpunkt. In den USA flogen Ende der 1980er-Jahre viele Jets, die deutlich länger im Einsatz waren als ursprünglich gedacht. Der Unfall machte klar, dass die bisherigen Annahmen nicht reichten: Man war davon ausgegangen, dass ein einzelner Riss rechtzeitig entdeckt oder von der Struktur aufgefangen wird. Bei Aloha aber versagten viele kleine Risse gleichzeitig – Fachleute sprechen von „Multiple Site Damage“ oder allgemeiner von „Widespread Fatigue Damage“, verbreiteten Ermüdungsschäden.
Das Problem dabei: Solche Risse sind anfangs zu klein für übliche Prüfverfahren, wachsen aber schnell zusammen, sobald sie sich gegenseitig belasten. Ein reines „Finde den Riss“-Konzept stößt hier an Grenzen.
1988: Weckruf
Die FAA startet nach dem Unfall ein breit angelegtes Programm zu alternden Flugzeugen, gemeinsam mit Herstellern und Airlines.
1991: Gesetz
Der US-Kongress verpflichtet die FAA, ältere Verkehrsflugzeuge gezielt zu prüfen – inklusive Durchsicht der Wartungsunterlagen bei schweren Checks nach dem 14. Dienstjahr.
Inspektoren schulen
Das Gesetz verlangt auch, Prüfer der Behörde speziell zu Korrosion und Metallermüdung auszubilden.
2010: Lebensgrenze
Eine FAA-Regel verpflichtet die Hersteller zu einer „Limit of Validity“ für große Jets mit mehr als 75.000 Pfund höchstem Startgewicht.
Die Limit of Validity ist vielleicht die greifbarste Folge. Sie gibt in Flugzyklen, Flugstunden oder beidem an, bis wohin der Hersteller durch Tests und Analysen nachgewiesen hat, dass keine verbreiteten Ermüdungsschäden auftreten. Diese Grenze steht im Abschnitt mit den Lufttüchtigkeitsbeschränkungen des jeweiligen Typs. Ein Flugzeug hat damit faktisch eine strukturelle Lebensdauer, die nicht mehr nur von der Wartung abhängt.
Wenn du heute einen 30 Jahre alten Frachter siehst, steckt hinter seinem Weiterbetrieb dieses ganze Regelwerk aus Zusatzprüfungen, Korrosionsprogrammen und Grenzwerten. Wie Airlines ihre Flugzeuge in A-, C- und D-Checks durchprüfen, zeigt der Artikel über Flugzeugwartung. Und wie du das Alter einer Maschine selbst herausfindest, erklärt Wie alt ist dieses Flugzeug?.
Flug 243 steht damit in einer Reihe mit der De Havilland Comet, deren Abstürze in den 1950er-Jahren die Gefahr der Ermüdung durch Druckzyklen überhaupt erst sichtbar machten. Die Comet lehrte die Branche, dass Druckkabinen ermüden. Aloha lehrte sie, dass auch gut konstruierte Strukturen im hohen Alter neu bewertet werden müssen.
Was nach 1988 besser wurde
- Zusätzliche Strukturprüfungen für ältere Jets
- Verbindliche Programme gegen Korrosion
- Schulung von Prüfern zu Ermüdung und Korrosion
- Strukturelle Lebensgrenze per Limit of Validity
Was die Lehre so teuer machte
- Ein Todesopfer und 65 Verletzte
- Frühe Warnungen von Boeing wurden nicht vollständig umgesetzt
- Nachtinspektionen übersahen sichtbare Schäden
- Kurzstrecken-Zyklen wurden lange unterschätzt
Das Ende: Preiskampf und zwei Insolvenzen
Wirtschaftlich stand Aloha oft unter Druck. Dreimal – 1970, 1988 und 2001 – scheiterten Fusionspläne mit Hawaiian Airlines. 1987 kaufte Aloha die kleine Princeville Airways und baute sie zur Regionaltochter aus, die ab 1995 Island Air hieß und 2003 verkauft wurde.
Am 30. Dezember 2004 meldete Aloha erstmals Insolvenz nach Chapter 11 an, im Februar 2006 kam die Airline wieder heraus. Im Sommer 2006 aber trat go! in den Inselmarkt ein, eine Marke von Mesa Airlines mit kleinen Regionaljets. Es folgte ein harter Preiskampf, während die Treibstoffpreise stiegen. Am 20. März 2008 stellte Aloha erneut einen Insolvenzantrag und machte den Preiskampf dafür verantwortlich. Zehn Tage später kündigte die Airline das Ende an, am 31. März 2008 flog die letzte Passagiermaschine. Rund 1.900 Beschäftigte verloren ihren Job.
Die Frachtsparte überlebte: Das Unternehmen Saltchuk aus Seattle kaufte sie 2008, seitdem fliegt sie als Aloha Air Cargo mit Boeing-737-Frachtern zwischen den Inseln. Die Namensrechte an Aloha erwarb 2011 eine Investmentgesellschaft.
Aloha heute spotten – geht das noch?
Als Passagierairline ist Aloha Geschichte. Für dich bleiben drei Wege:
Gute Chancen, wenn …
- du auf Hawaii bist und die Frachter von Aloha Air Cargo suchst
- du alte Dias, Negative oder Fotoarchive aus den Jahren bis 2008 durchsiehst
- du Fotos von der US-Westküste der Jahre 2000 bis 2008 sortierst
Prüf es genau, wenn …
- eine ehemalige Aloha-737 bei einer anderen Airline weiterflog – Kennzeichen und Bemalung können sich geändert haben
Kein Aloha-Tag, wenn …
- du auf Passagierflüge mit AQ-Flugnummer hoffst – die gibt es seit 2008 nicht mehr
Bei historischen Bildern hilft die Typenfolge beim Datieren: Siehst du eine One-Eleven oder Viscount, stammt das Foto aus den 1960ern bis frühen 1970ern. Eine 737-700 in Aloha-Farben ist dagegen fast sicher aus der Zeit ab 2000. Für das Erkennen älterer Muster hilft dir auch der Guide Oldtimer am Himmel erkennen.
Woran du Aloha Airlines erkennst
Schriftzug prüfen
„Aloha“ am Rumpf ist das klarste Merkmal. Die Bemalung wechselte über die Jahrzehnte – vergleich im Zweifel mit datierten Archivfotos.
Typ bestimmen
Seit 1971 nur Jets, seit dem Ende der One-Eleven fast nur Boeing 737. Schlanke Triebwerke deuten auf die -200, rundere CFM56 auf -300, -400 oder -700.
Kennzeichen lesen
N-Kennzeichen am Heck. Mit dem Kennzeichen findest du in Registern das Baujahr und den weiteren Lebenslauf.
Ort und Zeit notieren
Honolulu, Kahului, Hilo, Kona und Lihue sind typisch. Ein Festlandflughafen spricht für die Jahre ab 2000.
Häufige Verwechslungen
- Aloha mit Hawaiian Airlines gleichsetzen – beide kamen aus Honolulu, waren aber lange Konkurrenten. Hawaiian fliegt heute noch und gehört inzwischen zur Alaska Air Group.
- AQ-Flugnummern nach 2008 Aloha zuordnen – der IATA-Code wurde neu vergeben.
- Aloha Air Cargo für die alte Airline halten – die Frachtairline ist die ehemalige Sparte, heute mit anderem Eigentümer und ohne Passagierverkehr.
- Jede alte 737-200 mit Flug 243 verbinden – betroffen war ein Exemplar mit frühem Bauzustand und extrem vielen Zyklen; spätere Baulose hatten eine verstärkte Naht.
- go! für eine Aloha-Marke halten – go! gehörte zu Mesa Airlines und war der Rivale, an dem Aloha am Ende scheiterte.
- „Die Kabine ist explodiert“ – es war keine Explosion, sondern ein Strukturversagen durch Ermüdungsrisse und den Druckunterschied.
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Fazit
Aloha Airlines war eine typische Inselairline: viele kurze Flüge, eine einheitliche 737-Flotte und ein harter Wettbewerb mit Hawaiian. In die Luftfahrtgeschichte ist sie aber durch Flug 243 eingegangen. Der offene Rumpf über Maui zeigte, dass alte Flugzeuge anders altern als gedacht – und gab den Anstoß für Prüfprogramme und Lebensgrenzen, die bis heute jede ältere Maschine betreffen, die du am Zaun siehst.
Kurzfazit
Aloha Airlines (IATA AQ, ICAO AAH) flog von 1946 bis 2008 ab Honolulu, zuletzt nur mit Boeing 737. Flug 243 von 1988 machte Ermüdungsschäden an alternden Jets zum Weltthema – die Frachtsparte lebt als Aloha Air Cargo weiter.
Zusammenfassung
- Aloha war über sechs Jahrzehnte eine der zwei großen Airlines im Inselverkehr Hawaiis, neben Hawaiian Airlines.
- Flug 243 zeigte, wie viele kurze Flüge mit je einem Druckzyklus die Struktur einer 737-200 ermüden können.
- Untersucht hat das NTSB; Ursache waren Ermüdungsrisse an einer Überlappungsnaht, begünstigt durch Korrosion und eine unzureichende Wartung.
- Heute existiert nur noch die frühere Frachtsparte als Aloha Air Cargo – Aloha-Passagierflugzeuge findest du nur noch im Fotoarchiv.
Häufige Fragen
Wann gab es Aloha Airlines?
Die Airline startete am 26. Juli 1946 als Trans-Pacific Airlines mit ersten Flügen und nahm im Juni 1949 den Linienverkehr auf. Ab 1950 trat sie als „TPA – The Aloha Airline“ auf, 1958 erhielt sie den Namen Aloha Airlines. Die letzten Passagierflüge fanden am 31. März 2008 statt.
Welche Codes hatte Aloha Airlines?
Aloha flog mit dem IATA-Code AQ, dem ICAO-Code AAH und dem Rufzeichen „ALOHA“. Den IATA-Code AQ nutzt heute eine andere Airline. Den ICAO-Code AAH führt die Nachfolgerin Aloha Air Cargo weiter.
Was ist bei Aloha-Flug 243 passiert?
Am 28. April 1988 riss bei einer Boeing 737-200 auf dem Flug von Hilo nach Honolulu in rund 24.000 Fuß Höhe ein großer Teil des vorderen Kabinendachs ab. Die Chef-Flugbegleiterin Clarabelle Lansing wurde aus dem Flugzeug gerissen und starb. Die Crew um Kapitän Robert Schornstheimer und Erste Offizierin Mimi Tompkins landete die Maschine nach 13 Minuten in Kahului auf Maui. 65 Menschen wurden verletzt, acht davon schwer.
Warum ist bei Flug 243 das Dach abgerissen?
Laut NTSB-Bericht entstanden an einer Überlappungsnaht der Rumpfhaut viele kleine Ermüdungsrisse gleichzeitig. Die Klebeverbindung der Naht hatte sich gelöst, Korrosion im salzhaltigen Küstenklima verschärfte das Problem. Die Risse wuchsen zusammen, und die Sicherheitsreserven der Struktur griffen nicht mehr. Als wahrscheinliche Ursache nannte das NTSB, dass das Wartungsprogramm von Aloha die Schäden nicht entdeckt hatte.
Was hat sich nach Flug 243 geändert?
Der Unfall gab den Anstoß für ein umfassendes Programm der FAA zu alternden Flugzeugen. 1991 verabschiedete der US-Kongress Vorgaben, nach denen ältere Verkehrsflugzeuge besonders geprüft werden. 2010 folgte eine FAA-Regel, nach der Hersteller großer Verkehrsflugzeuge eine „Limit of Validity“ festlegen müssen – eine Grenze in Flugzyklen oder Stunden, bis zu der nachweislich keine verbreiteten Ermüdungsschäden auftreten.
Welche Flugzeuge flog Aloha Airlines?
Den Anfang machte eine Douglas DC-3. Später folgten Fairchild F-27, Vickers Viscount und ab 1966 die BAC One-Eleven. 1969 kamen die ersten Boeing 737-200, ab 1971 flog Aloha nur noch Jets. Zuletzt bestand die Flotte aus 13 737-200, acht 737-700 und einer 737-800. Kurzzeitig nutzte Aloha auch eine geleaste DC-10-30 sowie 737-100, -300 und -400.
Warum hat Aloha Airlines aufgegeben?
Aloha meldete Ende 2004 erstmals Insolvenz nach Chapter 11 an und kam 2006 wieder heraus. Danach drückte der Preiskampf mit go!, einer Inselairline von Mesa Airlines, die Ticketpreise, während Treibstoff teurer wurde. Am 20. März 2008 folgte die zweite Insolvenz, am 31. März 2008 endete der Passagierverkehr.
Gibt es Aloha heute noch?
Als Passagierairline nicht. Die Frachtsparte kaufte 2008 das Unternehmen Saltchuk aus Seattle, sie fliegt seitdem als Aloha Air Cargo mit Boeing-737-Frachtern zwischen den Inseln Hawaiis. Die Rechte am Namen Aloha erwarb 2011 eine Investmentgesellschaft.
Aloha Airlines im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Boeing 737-200
Schlanke Zigarren-Triebwerke unter dem Flügel, eine Kufe am Bugrad und Luftdüsen vor dem Einlauf: Die 737-200 ist der Jet, der auf Schotter landet. Hier erfährst du, wie die -200 und die -200 Advanced entstanden, woran du sie erkennst und wo sie heute noch fliegt.
FlugzeugtypBoeing 737-100
Kurzer Rumpf, schlanke Triebwerke dicht unter dem Flügel und ein deutscher Erstkunde: Die 737-100 war die allererste Version der Boeing 737. Nur 30 Stück entstanden, eine einzige ist bis heute erhalten. So erkennst du sie und ordnest sie ein.
FlugzeugtypBoeing 737-700
Kurz, stämmig und seit 1997 in der Luft: Die 737-700 ist die kompakte Next-Generation-737. Sie wird seltener – so erkennst du sie und weißt, wo du sie noch findest.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBAC One-Eleven
Zwei Rolls-Royce Spey am Heck, T-Leitwerk, kompakter Rumpf: Die One-Eleven war Großbritanniens erfolgreichster Kurzstreckenjet – und flog später als Rombac 1-11 aus rumänischer Fertigung sogar für die junge Ryanair.
FlugzeugtypVickers Viscount
Riesige ovale Fenster, vier pfeifende Rolls-Royce-Dart-Turbinen und ein Platz in den Geschichtsbüchern: Die Vickers Viscount brachte 1953 als erstes Turboprop-Flugzeug den Linienverkehr in Schwung. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und wo du die letzten Exemplare findest.
FlugzeugtypFokker F27 Friendship
Hoher Flügel, zwei Rolls-Royce-Dart-Turboprops und große ovale Fenster: Die Fokker F27 Friendship war Europas erfolgreichster Turboprop-Airliner ihrer Zeit. Heute ist sie ein echter Sammlerfang.
FlugzeugtypDouglas DC-3 / C-47
Zwei Sternmotoren, Spornrad, schräg stehender Rumpf am Boden: Die DC-3 und ihre Militärschwester C-47 sind Legenden. So erkennst du sie und so findest du die letzten Flieger in Europa.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas DC-10
Zwei Triebwerke unter den Flügeln, das dritte mitten im Seitenleitwerk: Die DC-10 war einer der ersten Großraumjets und flog auch für Lufthansa und Condor. Heute ist sie eine Rarität – so erkennst du sie.
Weitere Airlines
Hawaiian Airlines
Die Airline aus Honolulu mit der Blumenfrau am Leitwerk: gegründet 1929, seit 2024 Teil der Alaska Air Group, seit 2026 mit AS-Flugnummern und Mitglied von oneworld.
RegionalMesa Airlines
Die Regionalairline aus Phoenix begann 1980 mit einer einmotorigen Piper in New Mexico und flog zuletzt 60 Embraer E175 für United Express. Ende 2025 ging Mesa im Konzern von Republic Airways auf.
NetzwerkUnited Airlines
Die US-Netzwerk-Airline mit dem Globus am Leitwerk: Wurzeln bis 1926, Sitz in Chicago, Gründungsmitglied der Star Alliance und in Europa vor allem mit 767, 777 und 787 unterwegs.
NetzwerkAlaska Airlines
Netzwerk-Airline aus Seattle mit dem Gesicht am Leitwerk: große Boeing-737-Flotte, oneworld-Mitglied seit 2021, Übernahmen von Virgin America und Hawaiian – und seit 2026 erstmals Linienflüge nach Europa.
Low-CostSouthwest Airlines
Die Low-Cost-Pionierin aus Dallas: seit 1971 in der Luft, größter Boeing-737-Betreiber der Welt und Vorbild für Ryanair und Co. – mit einer Flotte, die nur aus einem Typ besteht, und Sonderlackierungen für ganze US-Bundesstaaten.
Low-CostPacific Southwest Airlines
Historische Airline aus San Diego (1949–1988): PSA flog billig zwischen Los Angeles, San Francisco und San Diego, malte ihren Jets ein Lächeln auf den Bug, inspirierte Southwest – und ging 1988 in USAir auf.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Boeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
FlughafenFlughafen Las Vegas Harry Reid (LAS)
Vom Wüstenflugplatz Alamo Field zum Tor in die Glücksspielmetropole: vier Pisten direkt am Strip, Southwest-737 im Minutentakt, Spielautomaten im Terminal, die geheimnisvollen weißen Janet-Jets – und ein offizieller Spotterplatz mit der Sonne im Rücken.
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