Flugmuseum Aviaticum Wiener Neustadt

Am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost, wo 1909 die ersten Hangars entstanden und Igo Etrich seine Flugzeuge erprobte, erzählt das Aviaticum österreichische Luftfahrtgeschichte: von Ballon und Etrich Taube über historische Segelflugzeuge bis zur liebevoll wiederaufgebauten Me 109 G-6 und einer großen Triebwerkssammlung.

Auch bekannt als: Aviaticum · Flugmuseum Aviaticum · Privatstiftung Flugmuseum Aviaticum · Österreichisches Segelflugmuseum Hundsheim–Spitzerberg (Vorläuferverein)

ÖsterreichÖsterreichLuftfahrtmuseenseit 199913 Min. Lesezeit

1999

Eröffnung

1909

erste Hangars am Steinfeld

2019

Umzug in den historischen Hangar

7 €

Eintritt Erwachsene

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Aviaticum ist das Flugmuseum am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost und hat seit dem 3. Juni 1999 geöffnet.
  • Der Ort ist geschichtsträchtig: 1909 erste Hangars und Etrichs Erprobungsflüge, ab 1915 Werksflugplatz, im Zweiten Weltkrieg großer Me-109-Produktionsstandort.
  • Highlights sind die rekonstruierte Etrich Taube, die Me 109 G-6 aus der Sammlung Kurt Steiner und der Korb von Josef Starkbaums Rekordballon.
  • Seit 2019 steht die Sammlung in einem historischen Hangar auf der gegenüberliegenden Seite der Piste.
  • Geöffnet ist von Mai bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr; Erwachsene zahlen 7 Euro (Stand Oktober 2026).
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Steckbrief
  2. 2.Tätigkeitsfelder
  3. 3.Geschichte im Zeitraffer
  4. 4.Was du als Spotter wissen solltest
  5. 5.Stärken und Schwächen
  6. 6.Vom Segelflugmuseum zum Aviaticum
  7. 7.Wiener Neustadt: die Wiege der österreichischen Luftfahrt
  8. 8.Die Sammlung im Überblick
  9. 9.Die Me 109 G-6 aus der Sammlung Kurt Steiner
  10. 10.Triebwerke: eine Motorensammlung mit Tiefe
  11. 11.Ballonfahrt und Rekorde: Josef Starkbaum
  12. 12.Frauen in der Luftfahrt und Uniformen
  13. 13.Spotten am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost
  14. 14.Fotografieren im Aviaticum
  15. 15.Besuch planen
  16. 16.Aviaticum und Flughafen Wien kombinieren
  17. 17.Fazit
  18. 18.Häufige Fragen

Steckbrief

TrägerPrivatstiftung Flugmuseum Aviaticum, gegründet von Toni Kahlbacher und der Stadt Wiener Neustadt; der Betrieb läuft über einen Verein
StandortWiener Straße 120, 2700 Wiener Neustadt, am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost (neben dem Fliegerstüberl)
Eröffnung3. Juni 1999 – laut Museum genau 90 Jahre nach dem Bau der ersten Hangars am Flugplatz
GebäudeSeit 2019 in einem historischen Flugzeughangar auf der gegenüberliegenden Seite der Piste; zuvor rund 400 m² in einer Halle von Diamond Aircraft
SchwerpunktePionierzeit und Etrich Taube, Ballonfahrt, Segelflug, Messerschmitt Me 109, Flugmotoren, Uniformen, Frauen in der Luftfahrt
Öffnungszeiten1. Mai bis 31. Oktober an Wochenenden und Feiertagen 10–16 Uhr; sonst nach Vereinbarung, Gruppenführungen ganzjährig auf Anfrage (Stand Oktober 2026)
EintrittErwachsene 7 €, Kinder unter 14 Jahren und Pensionisten 4 €; mit der Niederösterreich-CARD einmal gratis (Stand Oktober 2026)
FlugplatzWiener Neustadt/Ost (ICAO LOAN), Asphaltpiste 09/27 mit 1.067 × 23 m, betrieben von Diamond Aircraft
Offizielle Websiteaviaticum.at/museum

Tätigkeitsfelder

Pionierzeit – Etrich Taube (Rekonstruktion), Pischof-Autoplan-Nachbau und Demoiselle-Replik
Ballonfahrt – Originalkorb samt Brenner von Josef Starkbaums Höhenrekordfahrt und Gasballon-Technik
Segelflug – historische Schulgleiter wie der SG 38 und Gleiter aus der Frühzeit, Wurzel des Museums
Sammlung Ing. Kurt Steiner – wiederaufgebaute Messerschmitt Me 109 G-6 und zahlreiche restaurierte Flugmotoren
Triebwerke – vom Umlaufmotor Gnome-Rhône Monosoupape über DB 605/610 und Merlin bis zum Strahltriebwerk Jumo 004
Ausstellungen – Uniformen, ein historischer Link Trainer und Porträts von Pionierinnen der Luftfahrt
Führungen – Gruppenführungen ab sechs Personen auf Anfrage, auch außerhalb der Saison

Geschichte im Zeitraffer

1909Am Steinfeld bei Wiener Neustadt entsteht das erste Flugfeld Österreichs mit den ersten Hangars; Igo Etrich erprobt hier seine Flugzeuge.
1910Die Etrich Taube startet zum Erstflug; im Frühjahr fliegt Alfred von Pischof seinen Autoplan mit Austro-Daimler-Motor.
1915Gründung der Österreichischen Flugzeugfabrik (ÖFFAG); der heutige Flugplatz Ost entsteht als Werksflugplatz.
1938–1945Die Wiener Neustädter Flugzeugwerke fertigen einen großen Teil aller Messerschmitt Me 109 und werden Ziel alliierter Luftangriffe.
1983Toni Kahlbacher und Reinhard Keimel gründen den Verein „Österreichisches Segelflugmuseum Hundsheim–Spitzerberg“.
1989Laut Museum erreicht Josef Starkbaum mit einem Heißluftballon 15.011 Meter Höhe – sein Korb steht heute im Museum.
1993Stadt Wiener Neustadt, Land Niederösterreich und Diamond Aircraft machen das Museum am Flugplatz Ost möglich.
1999Am 3. Juni eröffnet das Aviaticum in einer Halle von Diamond Aircraft.
2006Am 10. November wird die von Kurt Steiner wiederaufgebaute Me 109 im Museum enthüllt.
2019Nach Auslaufen des Mietvertrags zieht die Sammlung in einen historischen Hangar auf der anderen Pistenseite.
2026Ab 1. April gewährt die Niederösterreich-CARD einmal freien Eintritt.

Flugmuseum Aviaticum Wiener Neustadt aus Spotter-Sicht

Deine Checkliste für Flugmuseum Aviaticum Wiener Neustadt

Hak ab, was du schon gesehen oder erledigt hast.

  • Ein Hangar direkt an der Piste – das Museum liegt mitten im aktiven Flugplatzgelände von Wiener Neustadt/Ost
  • Die Me 109 im Neuzustand – kein verwittertes Wrack, sondern ein aus Original- und Nachbauteilen rekonstruiertes Flugzeug
  • Vogelflügel der Taube – die nach dem Zanonia-Samen geformte Tragfläche ist sofort erkennbar
  • Ballonkorb mit Brenner – unscheinbar, aber Zeuge einer Rekordfahrt
  • Draußen fliegt Diamond – Kennzeichen mit OE- und Muster wie Katana oder Diamond Star prägen den Verkehr am Platz

Stärken und Schwächen

Das spricht dafür

  • Authentischer Ort: 1909 entstand hier das erste Flugfeld Österreichs
  • Seltene Exponate wie Etrich Taube, Pischof Autoplan und Starkbaums Rekordkorb
  • Me 109 G-6 in sehr gutem Zustand, ergänzt um eine starke Motorensammlung
  • Aktiver Flugplatz direkt vor der Tür – General Aviation, Diamond-Flugzeuge, Rettungshubschrauber
  • Günstiger Eintritt und kurze Wege, gut kombinierbar mit Wien

Wo es hakt

  • Regulär nur von Mai bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen geöffnet
  • Überschaubare Größe – eher ein bis zwei Stunden als ein ganzer Tag
  • Keine großen Verkehrs- oder Jetflugzeuge in der Sammlung
  • Bestand hat sich über die Jahre verändert, manche ältere Listen sind überholt
  • Wenig Infos zu Barrierefreiheit – vorher nachfragen

Südlich von Wien, auf dem flachen Steinfeld bei Wiener Neustadt, hob die österreichische Luftfahrt ab. Hier standen 1909 die ersten Hangars, hier erprobte Igo Etrich seine Flugzeuge, und hier entstand später einer der wichtigsten Flugzeugbaustandorte des Landes. Das Flugmuseum Aviaticum erzählt diese Geschichte direkt am Ort des Geschehens: in einem historischen Hangar am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost, an dem bis heute täglich geflogen wird. Es ist kein riesiges Museum, aber eines mit Exponaten, die du sonst kaum zu sehen bekommst – von der Etrich Taube über eine Me 109 im Neuzustand bis zum Ballonkorb einer Rekordfahrt.

Taube und Me 109 in deinen Hangar

In Planetrack sammelst du Typen und Kennzeichen in deinem Hangar – auch Raritäten, die im Museum stehen statt am Himmel fliegen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Vom Segelflugmuseum zum Aviaticum

Die Wurzeln des Museums liegen nicht in Wiener Neustadt, sondern im Segelflug. 1983 gründeten der Flugpionier Toni Kahlbacher und Hofrat DI Reinhard Keimel den Verein „Österreichisches Segelflugmuseum Hundsheim–Spitzerberg“. Der Spitzerberg bei Hainburg an der Donau ist ein traditionsreiches Segelfluggelände, und dort sollte ursprünglich ein Museum für den österreichischen Segelflug entstehen. In den ersten Jahren sammelte der Verein Exponate, befragte Zeitzeugen und entwarf Ausstellungskonzepte – fast alles ehrenamtlich.

Die Pläne am Spitzerberg ließen sich jedoch nicht umsetzen. Nach mehreren Anläufen fand das Projekt ab 1993 eine Heimat in Wiener Neustadt. Möglich wurde das durch ein Zusammenspiel von Stadt, Land Niederösterreich, dem Flugzeughersteller Diamond Aircraft und einer eigens gegründeten Privatstiftung, hinter der Kahlbacher und die Stadt Wiener Neustadt stehen. Am 3. Juni 1999 öffnete das Aviaticum – nach Angaben des Museums genau 90 Jahre nach dem Bau der ersten Hangars am Flugplatz.

Das erste Zuhause war eine rund 400 Quadratmeter große Halle von Diamond Aircraft. 2019 lief der Mietvertrag aus, und der Hersteller brauchte den Platz selbst. Die Sammlung zog daraufhin in einen historischen Flugzeughangar auf der gegenüberliegenden Seite der Piste. Seitdem hat sich der Bestand verändert: Einige Segelflugzeuge, ein Hubschrauber und weitere Exponate, die in älteren Berichten noch auftauchen, sind laut Wikipedia nicht mehr vor Ort. Wer sich auf ein bestimmtes Stück freut, fragt vorher nach.

Wie viel Arbeit in kleinen Häusern wie diesem steckt, zeigt der Beitrag Ehrenamt in Luftfahrtmuseen.

1909erste Hangars am Steinfeld
1983Gründung des Vorläufervereins
1999Aviaticum öffnet
2019Umzug in den historischen Hangar

Wiener Neustadt: die Wiege der österreichischen Luftfahrt

Um das Aviaticum zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Ort. Die weite, ebene Fläche südlich von Wien bot Flugpionieren vor dem Ersten Weltkrieg ideale Bedingungen.

Etrich, Pischof und die Pionierjahre

1909 entstanden am Steinfeld die ersten Hangars. Igo Etrich baute hier Hangars und setzte mit seinem Eindecker Etrich I die Erprobung fort. Im April 1910 folgte der Erstflug der Etrich Taube, deren Flügelform Etrich den Flugsamen der Kletterpflanze Zanonia abgeschaut hatte. Das Ergebnis war ein Flugzeug mit bemerkenswerter Eigenstabilität. Nach Angaben des Museums war die Taube das erste Militärflugzeug der k.u.k. Monarchie; in Deutschland baute Rumpler sie in Lizenz, später bauten mehr als 40 Firmen eigene Varianten.

Auch andere Pioniere flogen hier. Im Frühjahr 1910 hob Alfred Ritter von Pischof mit seinem Autoplan ab, angetrieben von einem Austro-Daimler-Automotor und mit zwei Sitzplätzen. Bei Austro-Daimler entwickelte Ferdinand Porsche seinen ersten Flugmotor. Namen wie Warchalowski gehören ebenfalls zur frühen Geschichte des Steinfelds.

ÖFFAG und Messerschmitt

1915 wurde die Österreichische Flugzeugfabrik (ÖFFAG) gegründet, die im Ersten Weltkrieg Kriegsflugzeuge, Flugboote und sogar frühe Hubschrauberprototypen baute. Der heutige Flugplatz Ost entstand laut Wikipedia in diesem Jahr als Werksflugplatz der Wiener Neustädter Flugzeugwerke.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wiener Neustädter Flugzeugwerke zu einem zentralen Fertigungsstandort der Messerschmitt Bf 109, die im Museum durchgehend Me 109 heißt. Nach Angaben des Museums entstand zwischen 1938 und 1945 rund ein Drittel aller Me 109 in Wiener Neustadt. Damit wurden die Werke zu einem wichtigen Ziel alliierter Bomberverbände, und die Stadt erlitt schwere Zerstörungen.

Nach dem Krieg bis heute

Nach 1945 arbeitete Simmering-Graz-Pauker an der Kabinenmaschine Meindl 222. Ab den 1980er-Jahren setzten HOAC-Austria und später Diamond Aircraft die Tradition fort. Laut Museum entstehen in Wiener Neustadt heute Muster wie die Super Dimona, die Katana und die Diamond Star. Der Flugplatz selbst wird von Diamond betrieben.

Zwei Flugplätze, ein Stadtname

Wiener Neustadt hat einen Ost- und einen Westflugplatz. Das Aviaticum liegt am Flugplatz Ost (ICAO LOAN) an der Wiener Straße im Norden der Stadt. Gib die genaue Adresse ins Navi ein, damit du nicht auf der falschen Seite der Stadt landest.

Die Sammlung im Überblick

Das Aviaticum ist ein Hangarmuseum: Fast alles steht unter einem Dach, die Wege sind kurz. Thematisch spannt die Ausstellung den Bogen von Ballon und Pionierzeit über Segelflug und frühe Motorflugzeuge bis zu jüngeren Entwicklungen.

Bereich Was dich erwartet
Pionierzeit Etrich Taube (Rekonstruktion), Pischof-Autoplan-Nachbau, Demoiselle-Replik
Ballonfahrt Starkbaums Rekordkorb mit Brenner, Gasballon-Technik
Segelflug Historische Gleiter, darunter der Schulgleiter SG 38
Militärluftfahrt Me 109 G-6, Uniformen
Triebwerke Sammlung Kurt Steiner vom Umlaufmotor bis zum Jumo 004
Frauen in der Luftfahrt Pilotinnen von Melli Beese bis Amelia Earhart

Die Etrich Taube

Die bekannteste Silhouette im Museum ist die Etrich Taube. Das Exponat ist eine Militärtaube vom Typ F, laut Wikipedia gebaut von Heinz Linner und Anton Ott und mit dem Kennzeichen OE-CET. Das Museum bezeichnet sie als theoretisch flugfähig und zugelassen. Der charakteristische, nach hinten geschwungene Flügel mit den hochgebogenen Enden macht sie auf den ersten Blick erkennbar. Für Spotter ist sie ein Lehrstück: Kaum ein Flugzeug der Pionierzeit hat so viele Nachbauten und Lizenzvarianten hervorgebracht. Wie du Flugzeuge dieser Epoche einordnest, erklärt der Beitrag Oldtimer am Himmel erkennen.

Autoplan und Demoiselle

Neben der Taube erzählen zwei weitere Nachbauten von den ersten Flugjahren. Der Pischof Autoplan von 1910 ist ebenfalls als originalgetreuer Nachbau zu sehen. Dazu kommt eine Replik der Santos-Dumont Demoiselle, eines extrem leichten Eindeckers, der nach Wikipedia aus der damaligen Tschechoslowakei stammt. Zusammen zeigen die drei Maschinen, wie unterschiedlich die Lösungen der Pioniere aussahen.

Segelflug: die Wurzel des Museums

Weil das Museum als Segelflugmuseum begann, nimmt der Segelflug einen wichtigen Platz ein. Laut Wikipedia gehört ein SG 38 mit dem Kennzeichen OE-0107 zur Sammlung – jener Schulgleiter, auf dem Generationen von Segelfliegern ihre ersten Hüpfer machten. Daneben stehen frühe Gleiter, darunter eine Lilienthal-Nachbildung und eine Rekonstruktion nach Leonardo da Vinci. Wer sich für die Anfänge des Gleitflugs interessiert, findet im Beitrag über Otto Lilienthal und im Otto-Lilienthal-Museum Anklam die passende Vertiefung. Für Segelflug im großen Stil ist das Deutsche Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe die erste Adresse.

Museumsbesuch als Sichtung festhalten

Mit Planetrack postest du deine Fotos mit Flugzeugtyp, Kennzeichen und Ort – auch die Taube mit OE-CET im Hangar von Wiener Neustadt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Die Me 109 G-6 aus der Sammlung Kurt Steiner

Das Exponat, für das viele Besucher kommen, ist die Messerschmitt Me 109 G-6. Hinter ihr steht die Geschichte eines einzelnen Sammlers. Im September 1982 fand die Frau von Ing. Kurt Steiner bei einem Waldspaziergang Metallteile, die sich als Flugzeugtrümmer herausstellten. Bei weiteren Besuchen kamen Motorteile zum Vorschein, und Steiner identifizierte die Absturzmaschine als Messerschmitt Me 110. Von da an ließ ihn die Technik alter Flugmotoren nicht mehr los.

Als er einen Daimler-Benz DB 605 erwerben konnte – den Motor der späten Me 109 –, wuchs der Plan, ein komplettes Flugzeug wiederaufzubauen. Steiner beschaffte Tragflächen und Rumpfteile, restaurierte Originalteile und ließ zahlreiche Komponenten nach Originalplänen nachfertigen. Nach vielen tausend Arbeitsstunden enthüllte seine Familie die Maschine am 10. November 2006 im Aviaticum. Laut Museum befindet sie sich in einem Zustand „wie neu“. Wikipedia nennt die Werknummer 784998.

Die G-6 war eine der meistgebauten Versionen der Baureihe. Dass ausgerechnet in Wiener Neustadt eine so gut erhaltene Me 109 steht, schließt den Kreis zur Produktionsgeschichte der Stadt. Für einen direkten Vergleich mit anderen erhaltenen Exemplaren lohnen das Technik Museum Sinsheim oder das Flieger-Flab-Museum Dübendorf, wo die Schweizer Luftwaffe ihre eigene Bf-109-Geschichte zeigt.

Triebwerke: eine Motorensammlung mit Tiefe

Kurt Steiners eigentliche Leidenschaft gilt den Motoren, und das sieht man. Die Triebwerkssammlung gehört zu den stärksten Bereichen des Aviaticum. Laut Museum umfasst sie unter anderem:

  • Gnome-Rhône Monosoupape – ein Umlaufmotor aus der Frühzeit, bei dem sich der ganze Zylinderstern mit dem Propeller dreht
  • Siemens-Halske Sh 14 – luftgekühlter Siebenzylinder-Sternmotor
  • BMW 132 und BMW 801 – Sternmotoren für Transport- und Jagdflugzeuge
  • Argus As 411 und Hirth 510
  • Junkers Jumo 205, 211 und 213 – vom Dieselflugmotor bis zum V12 für Bomber und Jäger
  • Daimler-Benz DB 603 und der DB 610, ein 24-Zylinder aus zwei gekoppelten DB 605
  • Rolls-Royce Merlin – der V12 von Spitfire und Lancaster
  • Junkers Jumo 004 – das erste in Serie gebaute Strahltriebwerk, Antrieb der Me 262

Für Motorenfans ist diese Dichte bemerkenswert. Du kannst hier die Entwicklung vom Umlaufmotor über die großen Kolbenmotoren des Zweiten Weltkriegs bis zur ersten Turbine an wenigen Metern Ausstellungsfläche verfolgen. Den Merlin-Hersteller stellt die Seite zu Rolls-Royce vor. Laut Wikipedia gehört außerdem ein Link Trainer von 1958 zur Sammlung, ein früher Flugsimulator, der einst bei Austrian Airlines im Einsatz war.

Ballonfahrt und Rekorde: Josef Starkbaum

Ein unscheinbares, aber geschichtsträchtiges Exponat ist der Ballonkorb von Josef Starkbaum. Nach Angaben des Museums erreichte der österreichische Ballonfahrer 1989 eine Höhe von 15.011 Metern und stellte damit einen Höhenweltrekord auf. Korb und Brenner dieser Fahrt sind im Original zu sehen. Starkbaum gewann außerdem mehrfach den Gordon-Bennett-Cup, die traditionsreichste Wettfahrt für Gasballone.

Dazu passend zeigt das Museum Gasballon-Technik, darunter laut Wikipedia einen Riedinger-Ballon und einen Ein-Mann-Korb Starkbaums. Ballone sind in vielen Luftfahrtmuseen nur Randnotiz – hier gehören sie zur Kerngeschichte.

Frauen in der Luftfahrt und Uniformen

Das Museum stellt auch Pilotinnen vor, die die Luftfahrt geprägt haben. Dazu gehören Melli Beese, 1911 die erste Frau mit Pilotenschein in Deutschland, Lilly Steinschneider, eine der ersten Pilotinnen der Donaumonarchie, die 1913 einen Geschwindigkeitswettbewerb gewann, Amelia Earhart mit ihrer Atlantik-Alleinüberquerung 1932, die Britin Joan Hughes, die 1935 mit 17 Jahren als jüngste Pilotin Großbritanniens galt, sowie Beate Uhse, die im Krieg Überführungsflüge absolvierte.

Daneben zeigt das Aviaticum historische Uniformen.

Spotten am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost

Was das Aviaticum von vielen anderen Museen unterscheidet: Vor der Tür wird geflogen. Der Flugplatz Wiener Neustadt/Ost hat eine Asphaltpiste 09/27 mit 1.067 Metern Länge, ist unkontrolliert und für Sichtflug ausgelegt. Betreiber ist Diamond Aircraft, genutzt wird er laut Wikipedia unter anderem von Flugschulen und Vereinen sowie von der Flugrettung, die hier seit 1984 einen Stützpunkt hat und die Hubschrauber Christophorus 3 und Christophorus 33 stationiert.

Für dich heißt das: Mit etwas Glück siehst du nach dem Museumsbesuch Diamond-Muster wie DA40, DA42 oder DA62, Vereinsflugzeuge mit OE-Kennzeichen und Rettungshubschrauber – Tipps dazu im Beitrag Hubschrauber spotten. Planbar ist das nicht, große Verkehrsflugzeuge landen hier nicht. Wie du kleine Plätze sinnvoll angehst, steht im Beitrag General Aviation spotten; die Systematik der österreichischen Kennzeichen erklärt der Beitrag zu den OE-Kennzeichen.

Respekt vor dem Flugbetrieb

Der Flugplatz ist ein aktiver Betrieb. Bleib außerhalb von Vorfeld und Rollwegen, folge den Hinweisen vor Ort und betritt keine abgesperrten Bereiche. Was in Österreich beim Fotografieren an Flugplätzen gilt, fasst der Beitrag Planespotting in Österreich zusammen.

Fotografieren im Aviaticum

Ein Hangarmuseum bringt eigene Herausforderungen mit sich: Mischlicht, enge Abstände zwischen den Exponaten und glänzende Oberflächen.

Lichtstarkes Objektiv mitnehmen

In der Halle ist es dunkler als draußen. Eine offene Blende oder höhere ISO-Werte helfen, ohne Blitz scharfe Bilder zu bekommen.

Weitwinkel für die Me 109

Die Exponate stehen nah beieinander. Mit einem Weitwinkel bekommst du die ganze Maschine aufs Bild, ohne zurücktreten zu müssen.

Motoren im Detail

Gerade die Triebwerke wirken im Nahbereich: Zylinderköpfe, Ventiltriebe und die Schnittstellen beim DB 610 lohnen eigene Detailaufnahmen.

Kennzeichen notieren

Fotografiere Kennzeichen wie OE-CET oder OE-0107 und die Schilder einzeln, damit du deine Sammlung später sauber pflegen kannst.

Draußen den Sonnenstand prüfen

Wenn du danach am Platz Flugzeuge fotografierst, plane das Licht vorab – Tipps dazu im Beitrag zur Sonnenstandsplanung.

Eigene Fotoregeln nennt die Museumswebsite nicht. Für private Aufnahmen gilt das Übliche: Absperrungen respektieren, nicht auf Exponate steigen und bei kommerziellen Vorhaben vorher beim Museum anfragen.

Besuch planen

Das Aviaticum liegt am Flugplatz Ost im Norden von Wiener Neustadt, die Adresse lautet laut Museum Wiener Straße 120, 2700 Wiener Neustadt, neben dem Fliegerstüberl.

  • Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. In der übrigen Zeit nur nach Vereinbarung.
  • Eintritt: Erwachsene 7 Euro, Kinder unter 14 Jahren und Pensionisten 4 Euro. Mit der Niederösterreich-CARD einmal gratis. Alle Angaben Stand Oktober 2026.
  • Führungen: Gruppen ab sechs Personen auf Anfrage per E-Mail, auch außerhalb der Saison.
  • Dauer: Für Ausstellung und Motorensammlung reichen meist ein bis zwei Stunden; mit Spotten am Platz wird ein halber Tag daraus.

Prüfe die Zeiten vor dem Besuch auf der Website, denn ein kleines, ehrenamtlich getragenes Museum muss gelegentlich kurzfristig umplanen.

Wie viel Zeit brauchst du im Aviaticum?

Stell ein, was du vorhast – der Rechner schätzt deine Zeit vor Ort.

Richtwert ohne Anfahrt.

Hinfahren, wenn du …

  • österreichische Luftfahrtgeschichte am Originalort erleben willst
  • eine Me 109 in Top-Zustand und eine starke Motorensammlung sehen möchtest
  • Museum und General Aviation an einem Ort verbinden willst

Vorher klären, wenn du …

  • zwischen November und April kommen willst – nur nach Vereinbarung
  • ein bestimmtes Exponat aus älteren Listen suchst
  • mit einer Gruppe eine Führung möchtest

Woanders besser, wenn du …

  • große Verkehrs- und Jetflugzeuge sehen willst
  • einen ganzen Museumstag mit Hunderten Exponaten erwartest
  • Linienverkehr fotografieren möchtest

Aviaticum und Flughafen Wien kombinieren

Wer nach Wiener Neustadt fährt, hat den größten Flughafen Österreichs in Reichweite. Der Flughafen Wien-Schwechat liegt im Osten von Wien und bietet Linien-, Fracht- und Langstreckenverkehr. Gute Ausgangspunkte sind die Besucherterrasse und der Spotterhügel; alle Standorte sammelt der Wien-Guide. Ein Wochenende mit Museum am Samstag und Schwechat am Sonntag ist gut machbar. Etwas weiter östlich lockt der Flughafen Bratislava.

Für eine Museumstour durch Österreich passt das Hangar-7 in Salzburg mit seiner Flying-Bulls-Flotte als Gegenstück: dort glänzende, flugfähige Klassiker, hier Pioniergeschichte am Ursprungsort. Fans militärischer Luftfahrt kombinieren das Aviaticum mit der AIRPOWER in Zeltweg, wenn sie stattfindet. Jenseits der Grenze lohnt das Luftfahrtmuseum Prag-Kbely, für Deutschland gibt der Beitrag Luftfahrtmuseen in Deutschland einen Überblick.

Vom Museum an den Zaun

Spot-Karte mit Anreise und bestem Licht, Wetter, Wind und Pisten am Flughafen sowie Sichtungs-Alarme für Kennzeichen, Typen und Special Liveries: Planetrack bringt alles zusammen, was du für den zweiten Tag in Schwechat brauchst. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Fazit

Das Aviaticum ist ein kleines Museum mit großer Geschichte im Rücken. Es steht dort, wo Igo Etrich ab 1909 seine Flugzeuge erprobte, wo die ÖFFAG Flugboote baute und wo im Zweiten Weltkrieg ein großer Teil aller Me 109 entstand. Aus einem Segelflug-Sammlerprojekt der 1980er-Jahre ist ein Haus geworden, das diese Epochen an wenigen, aber gut gewählten Exponaten greifbar macht.

Für Spotter sind die rekonstruierte Etrich Taube, die Me 109 G-6 aus der Sammlung Kurt Steiner, die Motorensammlung und Starkbaums Rekordkorb die Höhepunkte. Die kurze Saison und die überschaubare Größe musst du einplanen. Dafür bekommst du einen günstigen, persönlichen Museumsbesuch mit echtem Flugbetrieb vor dem Hangartor.

Kurzfazit

Österreichs Luftfahrtgeschichte am Originalort: Etrich Taube, Me 109 G-6, Starkbaums Rekordkorb und eine starke Motorensammlung in einem historischen Hangar am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost. Ideal für ein bis zwei Stunden an einem Saisonwochenende – am besten kombiniert mit dem Flughafen Wien.

Zusammenfassung

  • Das Aviaticum zeigt österreichische Luftfahrtgeschichte genau dort, wo sie begann – kompakt, persönlich und mit einigen echten Raritäten.
  • Für Spotter sind Me 109, Etrich Taube und die Triebwerkssammlung die Hauptgründe für den Besuch.
  • Vor der Hangartür läuft echter Flugbetrieb: Diamond-Flugzeuge, Vereinsmaschinen und Rettungshubschrauber.
  • Plane den Besuch an einem Saisonwochenende und kombiniere ihn mit dem Flughafen Wien.

Häufige Fragen

Was ist das Aviaticum?

Das Flugmuseum Aviaticum ist ein Luftfahrtmuseum am Flugplatz Wiener Neustadt/Ost in Niederösterreich. Es zeigt die Geschichte der österreichischen Luftfahrt von Ballon und Pionierzeit über den Segelflug bis zu Militärflugzeugen und Triebwerken. Getragen wird es von einer Privatstiftung, eröffnet wurde es am 3. Juni 1999.

Wann hat das Aviaticum geöffnet?

Mit Stand Oktober 2026 vom 1. Mai bis 31. Oktober an jedem Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. In den übrigen Monaten sind Besuche nur nach Vereinbarung möglich. Gruppenführungen ab sechs Personen kannst du ganzjährig per E-Mail anfragen.

Was kostet der Eintritt?

Laut Museum zahlen Erwachsene 7 Euro, Kinder unter 14 Jahren und Pensionisten 4 Euro. Mit der Niederösterreich-CARD ist der Eintritt seit 1. April 2026 einmal kostenlos. Prüfe die Preise vor dem Besuch auf der Website.

Welche Flugzeuge stehen im Aviaticum?

Zu den bekanntesten Exponaten gehören eine nachgebaute Etrich Taube, die Messerschmitt Me 109 G-6 aus der Sammlung Kurt Steiner, ein Nachbau des Pischof Autoplan von 1910, eine Demoiselle-Replik, historische Segelflugzeuge wie der Schulgleiter SG 38 und laut Wikipedia ein Tragschrauber. Seit dem Umzug 2019 ist nicht mehr alles ausgestellt, frag bei Interesse an einem bestimmten Stück vorher nach. Dazu kommen viele Flugmotoren, darunter das Strahltriebwerk Jumo 004 der Me 262.

Ist der Flugplatz Wiener Neustadt/Ost noch in Betrieb?

Ja. Der Flugplatz mit dem ICAO-Code LOAN wird von Diamond Aircraft betrieben und von Flugschulen, Vereinen und der Flugrettung genutzt. Er ist unkontrolliert und für Sichtflug ausgelegt, die Asphaltpiste 09/27 misst 1.067 Meter.

Wie weit ist das Aviaticum von Wien entfernt?

Wiener Neustadt liegt südlich von Wien in Niederösterreich, der Flugplatz Ost rund drei Kilometer nördlich der Stadt. Einen Besuch kannst du gut mit einem Tag am Flughafen Wien-Schwechat verbinden.

Gibt es Führungen?

Ja. Gruppenführungen bucht ihr per E-Mail über die Museums-Website, auch außerhalb der regulären Saison. Für kleinere Gruppen lohnt sich eine kurze Anfrage, ob ein Termin möglich ist.

Sichtungen rund um Flugmuseum Aviaticum Wiener Neustadt sammeln

Foto mit Kennzeichen, Typ, Airline und Spot posten, Funde im Hangar sammeln und Likes und Kommentare aus der Community bekommen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Früher Zugang, Vorteile zum Start und Mitsprache bei neuen Features.

Typische Flugzeuge

Flugzeugtyp

Messerschmitt Bf 109

Schmale Nase, kantige Haube und ein eng stehendes Fahrwerk: Die Messerschmitt Bf 109 ist das meistgebaute Jagdflugzeug der Geschichte und heute ein seltener Warbird. So unterscheidest du Emil, Gustav und den spanischen Buchón und findest flugfähige Exemplare.

Flugzeugtyp

Messerschmitt Me 262

Dreieckiger Rumpf, zwei Strahltriebwerke unter den Flügeln, Bugradfahrwerk: Die Me 262 war der erste Strahljäger im Truppeneinsatz. Heute siehst du sie als Original im Museum oder als flugfähigen Nachbau mit modernen Triebwerken.

Flugzeugtyp

Diamond DA20 Katana

Lange, schlanke Segelflugzeug-Flügel, T-Leitwerk, eine große Glashaube und zwei Sitze nebeneinander: Die Diamond DA20 Katana stammt von einem Motorsegler ab und bildet seit über drei Jahrzehnten Piloten aus. So erkennst du sie und ihre Varianten.

Flugzeugtyp

Diamond DA40 Diamond Star

T-Leitwerk, lange schlanke Flügel, eine große Plexiglashaube und ein glatter Kunststoffrumpf: Die Diamond DA40 ist das moderne Schul- und Reiseflugzeug aus Wiener Neustadt. So erkennst du sie und ihre Diesel-Versionen.

Flugzeugtyp

Diamond DA42 Twin Star

Langer, schlanker Flügel, T-Leitwerk, glatter Verbundrumpf und zwei Dieselmotoren, die Kerosin verbrennen: Die Diamond DA42 Twin Star aus Wiener Neustadt ist einer der wichtigsten Mehrmotor-Trainer der Welt – und als MPP auch ein fliegender Sensorträger.

Flugzeugtyp

Diamond DA62

Lange Kabine, T-Leitwerk, Kohlefaser-Rumpf und zwei Dieselmotoren, die Kerosin verbrennen: Die Diamond DA62 ist das Reiseflugzeug-Flaggschiff aus Wiener Neustadt – und als MPP eine Sensorplattform für Behörden, Feuerwehr und Vermessung.

Spotting-Spots rund um Flugmuseum Aviaticum Wiener Neustadt

Spots, an denen du die passenden Flugzeuge regelmäßig vor die Linse bekommst – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.

Alle Spotting-Spots im Überblick →

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Diese Datenbank beschreibt Flughäfen, Flugzeughersteller, Airline-Gruppen, Allianzen und Luftfahrtmuseen. Eigentümer, Beteiligungen und Mitgliedschaften ändern sich laufend – gesicherte Angaben stehen im Steckbrief, alles Veränderliche ist als solches gekennzeichnet. Die einzelnen Fluggesellschaften findest du in der Airline-Datenbank.

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