Das Wichtigste in Kürze
- Anklam ist Lilienthals Geburtsstadt – das Museum widmet sich seit 1991 ganz dem Mann, dem 1891 die ersten wiederholbar sicheren Gleitflüge gelangen.
- Kern der Ausstellung sind Rekonstruktionen von mehr als zehn Lilienthal-Konstruktionen, vom Derwitzer Apparat bis zum großen Doppeldecker.
- Das Lilienthal-Archiv sammelt Dokumente zu Leben und Werk Lilienthals und ist online recherchierbar; sein Nachlass ist digitalisiert.
- Das Aeronauticon am Flugplatz Anklam ergänzt das Museum als frei zugänglicher Lern- und Erlebnispark direkt am Verkehrslandeplatz.
- Das IKAREUM wächst in der Nikolaikirche, Lilienthals Taufkirche, zum neuen Flugmuseum heran – prüf vor dem Besuch den aktuellen Stand.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Steckbrief
- 2.Tätigkeitsfelder
- 3.Geschichte im Zeitraffer
- 4.Was du als Spotter wissen solltest
- 5.Stärken und Schwächen
- 6.Ein Museum für den ersten Flieger
- 7.Wer war Otto Lilienthal?
- 8.Die Ausstellung: sechs Themenräume
- 9.Sammlung, Archiv und Bibliothek
- 10.Das Aeronauticon am Flugplatz
- 11.IKAREUM: das neue Museum in der Nikolaikirche
- 12.Besuch planen: Zeiten, Eintritt, Anreise
- 13.Fotografieren zwischen Stoff und Holz
- 14.Lilienthal-Orte jenseits von Anklam
- 15.Fazit
- 16.Häufige Fragen
Steckbrief
| Träger | Hansestadt Anklam |
|---|---|
| Standort | Ellbogenstraße 1, 17389 Anklam – laut Museum rund 300 m vom Bahnhof, südöstlich der Altstadt |
| Eröffnung | 1991, zum Jubiläum „100 Jahre Menschenflug“; 1996 kam eine Ausstellungshalle mit rund 300 m² hinzu |
| Profil | Technisches Personalmuseum über Otto Lilienthal, seinen Bruder Gustav und die Frühgeschichte des Fliegens |
| Sammlung | Rekonstruktionen von Lilienthals Flugapparaten, Lilienthal-Archiv, Hängegleitersammlung, Luftfahrtbibliothek mit rund 6.000 Bänden |
| Öffnung | laut Museum Juni bis Oktober Mo–Fr 10–17 Uhr, Sa, So und Feiertag 13–17 Uhr; im Mai montags zu; November bis April Di–Fr 10–16 Uhr, So und Feiertag 13–16 Uhr |
| Eintritt | laut Museum 4,50 €, ermäßigt 3,50 €; Kombikarte mit dem Museum im Steintor erhältlich (Stand Oktober 2026) |
| Außenstelle | Aeronauticon – frei zugänglicher Natur- und Erlebnispark am Flugplatz Anklam (EDCA), rund 3 km südlich der Stadt |
| Auszeichnungen | 1999 besondere Anerkennung beim European Museum of the Year Award und Anerkennung durch die FAI; 2001 Aufnahme ins Blaubuch der Bundesregierung |
| Offizielle Website | www.lilienthal-museum.de |
Tätigkeitsfelder
Geschichte im Zeitraffer
Otto-Lilienthal-Museum Anklam aus Spotter-Sicht
Deine Checkliste für Otto-Lilienthal-Museum Anklam
- Ellbogenstraße 1: das frühere Heimatmuseumsgebäude in Bahnhofsnähe, ergänzt um eine Ausstellungshalle von 1996
- Fledermausartige Flügel aus Stoff über einem Gerüst – das typische Bild der Lilienthal-Gleiter in der Halle
- Normalsegelapparat: der Gleiter, den Lilienthal ab 1894 in Serie baute und an Kunden verkaufte
- Doppeldecker von 1895 mit zwei übereinanderliegenden Tragflächen – ein Nachbau steht in der Ausstellung
- Dampfmaschine aus Lilienthals Fabrik – das einzige erhaltene Exemplar, 2004 in Australien erworben
- Backsteinturm der Nikolaikirche in der Altstadt: die Baustelle des IKAREUM in Lilienthals Taufkirche
Stärken und Schwächen
Das spricht dafür
- Konsequent auf die Pionierzeit fokussiert – du verstehst, wie der Mensch überhaupt in die Luft kam
- Begehbare Größenordnung: Die Gleiter-Nachbauten zeigen, wie leicht und filigran die ersten Flugapparate waren
- Bahnhof in Laufweite, Park- und Busparkplatz direkt am Museum
- Aeronauticon am Flugplatz frei zugänglich, mit Blick auf den Verkehrslandeplatz
- Gut mit einem Ostsee- oder Usedom-Urlaub kombinierbar
Wo es hakt
- Kein Ort für große Jets: Verkehrsflugzeuge oder Militärjets suchst du hier vergeblich
- Die meisten Flugapparate sind Rekonstruktionen – von Lilienthals Originalen sind nur wenige Reste erhalten, und die stehen anderswo
- Im Winterhalbjahr kürzere Öffnungszeiten und samstags geschlossen
- Die Nikolaikirche ist wegen des Umbaus zum IKAREUM zeitweise nicht zugänglich
- Ein Ausstellungsteil ist laut Museum nicht barrierefrei erreichbar
Jeder Airbus, den du am Zaun fotografierst, steht auf einem Fundament, das ein Mann aus Vorpommern gelegt hat. Otto Lilienthal sprang ab 1891 mit selbst gebauten Gleitern von Hügeln und flog – nicht zufällig, nicht einmal, sondern immer wieder. Er vermaß, wie ein gewölbter Flügel Auftrieb erzeugt, schrieb es auf und machte es für alle zugänglich. In seiner Geburtsstadt Anklam steht das Museum, das diese Geschichte erzählt: klein, sehr konzentriert und für Luftfahrtfans ein echter Pilgerort.
Auch Pionier-Nachbauten gehören ins Logbuch
In Planetrack postest du deine Museumsfotos mit Foto, Typ und Ort und sammelst besondere Stücke in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Ein Museum für den ersten Flieger
Die meisten Luftfahrtmuseen erzählen das Fliegen von der Mitte her: Motorflugzeuge, Weltkriege, Jetzeitalter. Das Otto-Lilienthal-Museum fängt am Anfang an – und bleibt größtenteils dort. Es versteht sich selbst als technisches Personalmuseum, also als Haus, das Technikgeschichte entlang einer Person erzählt. Im Mittelpunkt stehen Otto Lilienthal und sein Bruder Gustav, mit dem er sein Leben lang zusammengearbeitet hat.
Die Wurzeln reichen weit zurück. Schon das Anklamer Heimatmuseum zeigte ab 1927 Exponate zu Lilienthal, darunter einen Nachbau seines Normalsegelapparats. 1980 fiel die Entscheidung für ein eigenes Lilienthal-Museum, 1991 öffnete es im früheren Heimatmuseumsgebäude an der Ellbogenstraße – pünktlich zum Jubiläum „100 Jahre Menschenflug“. Zum 100. Todestag 1996 kam eine Ausstellungshalle mit rund 300 m² hinzu. Träger ist die Hansestadt Anklam.
Dass ein so kleines Haus überregional wahrgenommen wird, zeigen die Auszeichnungen: 1999 erhielt es eine besondere Anerkennung beim European Museum of the Year Award und wurde vom Luftsport-Weltverband FAI als Museum anerkannt. 2001 nahm die Bundesregierung es in ihr Blaubuch der national bedeutsamen Kultureinrichtungen in Ostdeutschland auf.
Wer war Otto Lilienthal?
Lilienthal wurde am 23. Mai 1848 in Anklam geboren. Sein Geburtshaus stand laut Museum vor dem Westportal der Nikolaikirche, in der er getauft wurde. Nach der Schulzeit in Anklam und einer technischen Ausbildung studierte er an der Berliner Gewerbeakademie Maschinenbau. 1883 gründete er in Berlin eine eigene Maschinenfabrik, die unter anderem Dampfmaschinen baute – das Geld daraus finanzierte später seine Flugversuche.
Lilienthals eigentlicher Beitrag war die Methode. Gemeinsam mit Gustav vermaß er über Jahre, welche Kräfte an verschieden geformten Flügeln wirken, und veröffentlichte 1889 das Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“. Ab 1891 testete er seine Erkenntnisse in der Praxis: erst an einer Sandgrube bei Derwitz westlich von Potsdam, später in Berlin-Steglitz, am eigens aufgeschütteten Fliegeberg in Lichterfelde und in den Rhinower Bergen bei Stölln, wo ihm Flüge von rund 250 Metern gelangen. Wie viele Flüge er insgesamt machte, ist nicht genau bekannt; Schätzungen gehen von mindestens 2.000 aus.
Am 9. August 1896 stürzte Lilienthal am Gollenberg bei Stölln aus etwa 15 Metern Höhe ab und starb am nächsten Tag in Berlin. Sein Prinzip „vom Sprung zum Flug“ lebte weiter: Die Brüder Wright arbeiteten anfangs mit seinen Messtabellen und würdigten seine Arbeit ausdrücklich. Rund ein Jahrzehnt nach seinen ersten Gleitflügen gelang ihnen 1903 der Motorflug – die Geschichte dazu steht im Beitrag über die Brüder Wright und den ersten Motorflug. Eine ausführliche Biografie findest du im Magazinbeitrag zu Otto Lilienthal.
Lilienthal auf deiner Bordkarte
Auch die Verkehrsluftfahrt erinnert an ihn: Der frühere Berliner Flughafen Tegel trug offiziell den Namen „Otto Lilienthal“. Wer dort jahrzehntelang gespottet hat, kennt den Namen also schon – in Anklam erfährst du, wofür er steht.
Die Ausstellung: sechs Themenräume
Die Dauerausstellung gliedert sich in mehrere Bereiche, die jeweils einen anderen Blick auf das Fliegen werfen. Die folgende Übersicht fasst sie nach Angaben des Museums zusammen.
| Bereich | Worum es geht | Warum es sich für Spotter lohnt |
|---|---|---|
| LebensWege | Leben und Werk der Brüder Lilienthal, mit der einzigen erhaltenen Dampfmaschine aus Ottos Fabrik und frühen Baukästen | Zeigt, dass der erste Flieger zuerst Ingenieur und Unternehmer war |
| FlugTräume | Der jahrhundertealte Wunsch zu fliegen, mit Darstellungen vom „Ritt auf einem Adler“ und Modellen von Harald Serowski | Die Vorgeschichte, bevor Fliegen zur Technik wurde |
| MenschenFlug | Rekonstruktionen von mehr als zehn Lilienthal-Konstruktionen | Das Herzstück – Gleiter in Originalgröße |
| LuftSchiff – FlugZeug | Modelle zum Wettstreit zwischen Luftschiff und Flugzeug | Erklärt, warum sich am Ende der Flügel durchsetzte |
| Physik vom Fliegen | Einfache Experimente zu Auftrieb und Luftwiderstand | Das Wissen, mit dem du jeden Landeanflug besser verstehst |
| Die Sekunde der Wahrheit | Fotografien und Technik von Ottomar Anschütz, einem Pionier der Momentfotografie | Die ersten „Spotterfotos“ der Geschichte |
Vom Gleiter zum Großraumjet
Setz Wunschtypen auf die Wunschliste deines Hangars und richte Sichtungs-Alarme für Typen und Kennzeichen ein – Planetrack benachrichtigt dich, wenn eine passende Maschine im Anflug ist. Die App startet bald, trag dich in die Warteliste ein.
MenschenFlug: Gleiter in Originalgröße
Hier stehst du vor den Flugapparaten, mit denen alles begann. Die meisten Rekonstruktionen stammen vom Lilienthal-Rekonstrukteur Stefan Nitsch. Sie zeigen, wie unterschiedlich Lilienthals Konstruktionen waren: mal mit einer, mal mit zwei Tragflächen, mal mit beweglichen Flügeln. Was alle verbindet, ist die Bauweise mit Stoff über einem leichten Gerüst und die gewölbte Flügelform, die an Fledermäuse erinnert.
Laut Museum sind neun Konstruktionen fotografisch belegt, dazu kommen Entwürfe, von denen nur Pläne existieren. Einige wichtige Stationen:
| Jahr | Konstruktion | Besonderheit |
|---|---|---|
| 1891 | Derwitzer Apparat | Der Gleiter der ersten Flüge, Spannweite anfangs rund 7,6 m |
| 1892 | Südende-Apparat | Größere Tragfläche von knapp 15 m² |
| 1893 | Maihöhe-Rhinow-Apparat | Benannt nach den Fluggeländen in Steglitz und bei Rhinow |
| ab 1894 | Normalsegelapparat | In Serie gebaut und verkauft, Spannweite knapp 7 m |
| 1895 | Kleiner und großer Doppeldecker | Zwei übereinanderliegende Flächen für mehr Auftrieb bei kleiner Spannweite |
| Mitte der 1890er | Schlagflügelapparate | Versuche, die Flügel per Motor schlagen zu lassen |
| um 1896 | Gelenkflügelapparat | Bei Lilienthals Tod fast fertig, im Museum als Modell im Maßstab 1:5 |
Ein genauer Blick lohnt sich beim Normalsegelapparat. Ihn baute Lilienthals Fabrik ab 1894 in Serie, weshalb sie oft als erste Flugzeugfabrik der Welt bezeichnet wird. Laut Museum sind neun Käufer namentlich bekannt. Originalteile davon stehen heute in London, Moskau, München und Washington – unter anderem im Deutschen Museum und im National Air and Space Museum. Anklam zeigt dir dafür die vollständige Reihe als Nachbauten.
Warum hier fast nur Nachbauten stehen
Stoff und Holz halten nicht ewig, und Lilienthals Gleiter waren Verbrauchsmaterial. Laut Museum sind von seinen vielen erfolgreichen Konstruktionen nur Reste von zwei Typen erhalten. Die Tragflächen des Sturmflügelmodells und des kleinen Doppeldeckers liegen im Technischen Museum Wien. Ein Museum, das Lilienthals Entwicklung komplett zeigen will, kommt um Rekonstruktionen nicht herum.
Die Dampfmaschine aus Lilienthals Fabrik
Ein echtes Original ist die Dampfmaschine im Bereich LebensWege. Sie stammt aus Lilienthals Berliner Fabrik und ist das einzige bekannte erhaltene Exemplar. Das Museum fand sie in Australien und erwarb sie 2004. Für Luftfahrtfans ist sie mehr als ein Industrieobjekt: Mit Maschinen wie dieser verdiente Lilienthal das Geld, das in Gleiter, Messapparate und den Fliegeberg floss.
Im selben Bereich geht es um die anderen Projekte der Brüder. Gustav und Otto Lilienthal beschäftigten sich mit sozialreformerischen Ideen, Bauen und Spielzeug. Bekannt ist ihr Anteil an den Anker-Steinbaukästen, deren frühe Originale in der Ausstellung zu sehen sind.
Die Sekunde der Wahrheit: Fotografie der Frühzeit
Warum wissen wir so genau, wie Lilienthal flog? Weil Fotografen dabei waren. Ottomar Anschütz war ein Pionier der Momentfotografie und hielt Bewegung in Sekundenbruchteilen fest – eine Technik, ohne die es die berühmten Bilder des fliegenden Lilienthal nicht gäbe. Das Museum zeigt Fotografien und Ausrüstung von Anschütz, darunter die Goertz-Anschütz-Kamera.
Für Spotter ist das ein schöner Moment der Selbsterkenntnis: Die Frage nach der richtigen Verschlusszeit für ein Flugzeug in Bewegung beschäftigte schon die Fotografen der 1890er. Beachte, dass dieser Ausstellungsteil laut Museum nicht barrierefrei erreichbar ist.
Sammlung, Archiv und Bibliothek
Hinter der Ausstellung steckt eine ernsthafte Forschungseinrichtung. Das Lilienthal-Archiv sammelt alle verfügbaren Dokumente zu Leben und Werk, als Original oder Kopie, und ist online recherchierbar. Bibliothek und Archiv kannst du nach Absprache auch vor Ort nutzen. Über elf Jahre hat das Museum Lilienthals Nachlass digitalisiert, einschließlich Beständen im Ausland; 2014 war das Projekt abgeschlossen.
2018 kam der Nachlass von Paul Beylich hinzu. Der Mechaniker gehörte zu Lilienthals engsten Mitarbeitern und war möglicherweise der einzige Augenzeuge des Absturzes bei Stölln. Ergänzt wird das Archiv durch eine Luftfahrtbibliothek mit rund 6.000 Bänden und eine Modellsammlung zur frühen Flugzeuggeschichte.
Hängegleiter und ein Kriegsdrachen
Eine Sammlung, die du in einem Pioniermuseum vielleicht nicht erwartest: Seit 1999 trägt das Museum Hängegleiter zusammen, also die Fluggeräte, mit denen Drachenflieger seit den 1960er- und 1970er-Jahren Lilienthals Prinzip wieder aufgegriffen haben. Die Sammlung umfasst inzwischen mehr als 150 Fluggeräte, darunter die übernommene Sammlung von G. Burghardt; ein Katalog ist online abrufbar. Im Ausstellungsbereich LuftSchiff – FlugZeug zeigt das Museum außerdem einen originalen Kriegsdrachen System Sacconey, mit dem einst Menschen am Seil in die Luft gezogen wurden.
Die Verbindung ist logisch: Ein Drachenflieger startet wie Lilienthal zu Fuß, hängt unter dem Flügel und steuert durch Gewichtsverlagerung. Wer sich für das moderne Fußstartfliegen interessiert, findet im Beitrag zum Segelflugschein einen Einstieg in den motorlosen Flug von heute.
Das Aeronauticon am Flugplatz
Rund drei Kilometer südlich der Stadt liegt der Flugplatz Anklam (ICAO EDCA), und direkt daneben das Aeronauticon des Museums. Es ist ein museumspädagogischer Natur- und Erlebnispark mit einem Natur- und Techniklehrpfad auf Deutsch und Polnisch, einem Spielplatz mit Fluggeräten, einer BMX- und Skaterbahn und einem Schulungsgebäude. Laut Museum ist das Außengelände frei zugänglich und tagsüber geöffnet. In historischen Flugzeugen des Museums darfst du Probe sitzen; welche Muster gerade dort stehen, nennt das Museum nicht.
Der Flugplatz selbst ist ein Verkehrslandeplatz mit einer Asphaltbahn 09/27 von 1.000 Metern Länge und einer parallelen Graspiste. Gebaut wurde er in den 1930er-Jahren als Militärflugplatz, zu DDR-Zeiten diente er als Stützpunkt für den Agrarflug. Heute fliegen hier eine Flugschule und Luftsportvereine; Linien- oder Charterflüge gibt es nicht. Erwarte also Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Kleinflugzeuge – keine Jets.
Flugplatz ist Betriebsgelände
Das Aeronauticon liegt neben aktivem Flugbetrieb. Betriebsflächen, Rollwege und Piste sind tabu, auch wenn kein Zaun im Weg steht. Drohnen haben in Flugplatznähe ohne Genehmigung nichts verloren. Was rund um Flugplätze allgemein gilt, fasst der Beitrag Ist Planespotting erlaubt? zusammen. Wie du kleine Plätze wie Anklam überhaupt findest, erklärt Kleine Flugplätze auf Karten finden.
Für Schulklassen und Kindergruppen bietet das Museum im Aeronauticon altersgerechte Programme an, die du telefonisch oder per Mail anmeldest. Wenn du mit eigenen Kindern unterwegs bist, ist die Kombination aus Ausstellung in der Stadt und Spielplatz am Flugplatz ideal – weitere Ideen findest du in Planespotting mit Kindern.
IKAREUM: das neue Museum in der Nikolaikirche
Der nächste große Schritt liegt mitten in der Altstadt. Die Nikolaikirche, Lilienthals Taufkirche, war lange eine Ruine; seit 1994 setzen sich Initiativen für ihre Rettung ein. Heute wird sie zum „IKAREUM – Lilienthal Flight Museum“ umgebaut, dem großen Zukunftsprojekt der Hansestadt. Das Otto-Lilienthal-Museum wird dorthin umziehen. Den Entwurf liefert das Büro heneghan peng architects, die Ausstellung gestalten beier+wellach.
Der Umbau läuft in Etappen. Am 17. Dezember 2022 öffnete der erste Bauabschnitt mit der Pilotausstellung „Lilienthal LAB“, im Sommer 2025 war laut Museum das Eingangsgebäude fertig. Einen Termin für die Eröffnung des gesamten Museums nennt die Projektseite nicht. Laut Museum ist die Kirche wegen der Bauarbeiten derzeit für Besucher geschlossen, und die neue Ausstellung lässt sich vorerst digital erkunden. Ob Turmaufstieg oder Führungen zu deinem Termin möglich sind, klärst du am besten vorab mit dem Museum.
Besuch planen: Zeiten, Eintritt, Anreise
Die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison. Laut Museum gilt (Stand Oktober 2026):
| Zeitraum | Werktags | Wochenende und Feiertag |
|---|---|---|
| Mai | Di–Fr 10–17 Uhr | Sa, So, Feiertag 13–17 Uhr |
| Juni bis Oktober | Mo–Fr 10–17 Uhr | Sa, So, Feiertag 13–17 Uhr |
| November bis April | Di–Fr 10–16 Uhr | So und Feiertag 13–16 Uhr, samstags geschlossen |
Der Eintritt liegt laut Museum bei 4,50 Euro, ermäßigt bei 3,50 Euro. Mit der Kombikarte besuchst du zusätzlich das Museum im Steintor, das die Stadtgeschichte zeigt. Ein Audioguide läuft kostenlos über das WLAN des Museums auf deinem eigenen Smartphone, Leihgeräte gibt es gegen Gebühr an der Kasse. In den Schulferien sind erweiterte Öffnungszeiten auf Anfrage möglich.
| Verkehrsmittel | So kommst du hin |
|---|---|
| Bahn | Anklam liegt an der Strecke Berlin–Pasewalk–Stralsund; vom Bahnhof sind es laut Museum rund 300 m |
| Auto | Über die A 20, aus Richtung Berlin Abfahrt Pasewalk-Süd und weiter auf der B 109; Parkplatz am Museum |
| Reisebus | Busparkplatz direkt am Museum |
| Kleinflugzeug | Verkehrslandeplatz Anklam rund 3 km südlich, mit Pension am Platz |
| Boot | Anklamer Hafen an der Peene |
Saison prüfen
Im Winterhalbjahr ist samstags zu und früher Schluss. Im Mai bleiben die Türen montags geschlossen.
Kopfhörer einpacken
Der Audioguide läuft auf deinem Smartphone. Mit eigenen Kopfhörern bist du unabhängig von Leihgeräten.
Weitwinkel statt Tele
Viele Gleiter haben rund sieben Meter Spannweite und stehen in überschaubaren Räumen. Ein Weitwinkel bringt sie ganz aufs Bild.
Aeronauticon bei Tageslicht
Der Park am Flugplatz ist nur tagsüber offen. Plan ihn vor oder nach dem Museum ein, solange es hell ist.
Kirche anfragen
Wenn du die Nikolaikirche sehen willst, frag vorab nach dem Stand der Bauarbeiten und nach Führungen.
Wie viel Zeit brauchst du in Anklam?
Richtwert ohne Anfahrt und Pausen.
Fotografieren zwischen Stoff und Holz
Die Gleiter sind dankbare Motive, aber anders als Jets. Sie sind hell bespannt, oft vor hellen Wänden aufgestellt und haben feine Details wie Spanndrähte, Holme und Gurte. Ein paar Hinweise aus der Praxis: Belichte eher etwas knapper, damit die Bespannung nicht ausfrisst, und fixiere den Weißabgleich, wenn sich Tageslicht und Hallenlicht mischen. Für die Struktur der Flügel lohnt sich ein Blick von unten – genau so sahen die Zuschauer Lilienthal am Fliegeberg.
Wie du die Bilder später in Form bringst, zeigt Flugzeugfotos bearbeiten. Und wenn das Wetter in Vorpommern mal nicht mitspielt, ist das Museum ohnehin die richtige Wahl: Weitere Ideen für graue Tage findest du in Planespotting bei schlechtem Wetter.
Lilienthal-Orte jenseits von Anklam
Anklam ist der Geburtsort, geflogen ist Lilienthal anderswo. Wer seine Spuren weiter verfolgen will, findet in Brandenburg und Berlin mehrere Gedenkorte: den Fliegeberg in Lichterfelde, der seit 1932 als Gedenkstätte gestaltet ist, das Denkmal am Teltowkanal, ein Denkmal am Flugplatz bei Derwitz und das Lilienthal-Centrum in Stölln nahe dem Gollenberg, an dem er abstürzte.
Für eine Luftfahrt-Rundreise im Nordosten bieten sich weitere Museen an. Das Deutsche Technikmuseum Berlin deckt die Luftfahrt bis in die Gegenwart ab, das Militärhistorische Museum in Berlin-Gatow zeigt große Flugzeuge auf einem ehemaligen Flugplatz – alle Tipps zum Fotografieren dort stehen im Spot-Guide zum Luftwaffenmuseum Gatow. Weiter im Süden liegt das Flugplatzmuseum Cottbus. Wer den Gleitflug von Lilienthal bis heute verfolgen will, landet früher oder später beim Deutschen Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe.
Wenn du nach Anklam auch Verkehrsflugzeuge sehen willst, ist der Flughafen Rostock-Laage der nächstgelegene größere Flughafen in Mecklenburg-Vorpommern; für dichten Linienverkehr führt der Weg zum Flughafen BER. Einen Überblick über weitere Häuser bietet unsere Übersicht der Luftfahrtmuseen in Deutschland.
Hinfahren, wenn du …
- verstehen willst, wie der Mensch überhaupt fliegen lernte
- Lilienthals Gleiter in voller Größe sehen möchtest
- Urlaub an der Ostsee oder auf Usedom machst und einen Regentag füllen willst
Vorher klären, wenn du …
- im Winterhalbjahr an einem Samstag kommen willst
- die Nikolaikirche und das IKAREUM besichtigen möchtest
- auf barrierefreie Wege angewiesen bist
Woanders besser, wenn du …
- große Verkehrs- oder Militärflugzeuge fotografieren willst
- einen Querschnitt durch alle Epochen suchst – dann eher das Deutsche Museum oder das Technikmuseum Berlin
- originale Lilienthal-Gleiter sehen willst – die wenigen Reste liegen in anderen Museen
Dein Museumstag in der Community
Poste deine Bilder aus Anklam mit Foto, Typ und Ort, finde Spots in der Nähe auf der Spot-Karte und zeig der Community, wo das Fliegen begann. Genau dafür gibt es Planetrack. Planetrack startet bald – sichere dir mit der Warteliste frühen Zugang.
Fazit
Das Otto-Lilienthal-Museum ist kein Hangar voller Jets, sondern eine Lehrstunde darüber, wie Fliegen überhaupt möglich wurde. Die Gleiter-Nachbauten machen greifbar, mit wie wenig Material Lilienthal auskam und wie systematisch er vorging: messen, bauen, springen, verbessern. Das Archiv und die Hängegleitersammlung zeigen, dass seine Idee bis heute weiterlebt.
Für Spotter ist Anklam damit eine Art Ursprungsort. Wer hier war, sieht im gewölbten Profil eines modernen Flügels und im Fußstart eines Drachenfliegers dieselbe Grundidee. Und wenn das IKAREUM in der Nikolaikirche fertig ist, bekommt die Geschichte einen neuen Rahmen – ein guter Grund, öfter vorbeizuschauen.
Kurzfazit
Lilienthals Geburtsstadt, mehr als zehn Gleiter-Rekonstruktionen, ein bedeutendes Archiv und das Aeronauticon am Flugplatz. Ideal für einen halben Tag Pionierzeit – Saisonzeiten und den Stand des IKAREUM vorher prüfen.
Zusammenfassung
- Das Otto-Lilienthal-Museum ist ein kleines, sehr fokussiertes Haus über den ersten Flieger der Menschheit und die Zeit vor dem Motorflug.
- Statt Jets siehst du Gleiter aus Stoff und Weidenholz – als Nachbauten, weil von Lilienthals Originalen kaum etwas erhalten ist.
- Für Spotter lohnt es als Grundlagenkurs: Wer versteht, wie Lilienthal Auftrieb vermessen hat, schaut anders auf jeden Flügel am Zaun.
- Öffnungszeiten wechseln mit der Saison, und das IKAREUM ist noch im Bau – prüf beides kurz vor der Anreise auf der Museumsseite.
Häufige Fragen
Warum steht das Lilienthal-Museum in Anklam?
Weil Otto Lilienthal am 23. Mai 1848 in Anklam geboren wurde. Sein Geburtshaus stand laut Museum vor dem Westportal der Nikolaikirche, in der er getauft wurde. Seine Flugversuche unternahm er später allerdings rund um Berlin und in den Rhinower Bergen.
Gibt es im Museum originale Lilienthal-Gleiter?
Nein. Laut Museum sind von Lilienthals vielen Konstruktionen nur Reste von zwei Typen erhalten, und die liegen in anderen Häusern: Teile von Normalsegelapparaten in London, Moskau, München und Washington sowie Tragflächenteile im Technischen Museum Wien. In Anklam siehst du deshalb Rekonstruktionen, die meisten vom Rekonstrukteur Stefan Nitsch.
Wie sind die Öffnungszeiten?
Laut Museum im Mai Di–Fr 10–17 Uhr, von Juni bis Oktober Mo–Fr 10–17 Uhr, jeweils Sa, So und Feiertag 13–17 Uhr. Von November bis April gilt Di–Fr 10–16 Uhr sowie So und Feiertag 13–16 Uhr. In den Schulferien sind erweiterte Zeiten auf Anfrage möglich. Prüf die Zeiten kurz vor dem Besuch.
Was kostet der Eintritt?
Laut Museum (Stand Oktober 2026) 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Es gibt außerdem eine Kombikarte mit dem Museum im Steintor, auch als Familienkarte. Der Audioguide über WLAN ist kostenlos, ein Leihgerät kostet extra.
Was ist das Aeronauticon?
Ein museumspädagogischer Natur- und Erlebnispark des Museums direkt am Flugplatz Anklam, rund drei Kilometer südlich der Stadt. Das Außengelände ist laut Museum frei zugänglich und tagsüber geöffnet. Es gibt einen Lehrpfad auf Deutsch und Polnisch, einen Spielplatz und Programme für Schulklassen, die du vorher anmelden musst.
Was ist das IKAREUM?
Das große Bauprojekt der Hansestadt Anklam: Die Nikolaikirche, Lilienthals Taufkirche, wird zum „IKAREUM – Lilienthal Flight Museum“ umgebaut, in das das Otto-Lilienthal-Museum einziehen wird. Ein erster Bauabschnitt mit der Pilotausstellung „Lilienthal LAB“ öffnete im Dezember 2022, das Eingangsgebäude war im Sommer 2025 fertig. Einen Eröffnungstermin für das Gesamtprojekt nennt die Projektseite nicht.
Kann ich am Flugplatz Anklam Flugzeuge beobachten?
Ja, aber erwarte allgemeine Luftfahrt statt Linienverkehr. Der Verkehrslandeplatz Anklam (EDCA) hat eine Asphaltbahn 09/27 von 1.000 Metern und eine Graspiste in gleicher Richtung. Dort fliegen eine Flugschule und Luftsportvereine, Linien- und Charterflüge gibt es nicht.
Wie komme ich ohne Auto zum Museum?
Mit der Bahn: Anklam liegt an der Strecke Berlin–Pasewalk–Stralsund, und das Museum ist laut eigener Angabe nur rund 300 Meter vom Bahnhof entfernt. Für das Aeronauticon am Flugplatz brauchst du ein Rad, ein Taxi oder etwas Zeit für den Fußweg.
Wie viel Zeit brauche ich für den Besuch?
Für die Dauerausstellung reichen meist ein bis zwei Stunden. Mit Audioguide, ausgiebigem Fotografieren und einem Abstecher ins Aeronauticon wird schnell ein halber Tag daraus.
Sichtungen rund um Otto-Lilienthal-Museum Anklam sammeln
Foto mit Kennzeichen, Typ, Airline und Spot posten, Funde im Hangar sammeln und Likes und Kommentare aus der Community bekommen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Spotting-Spots rund um Otto-Lilienthal-Museum Anklam
Spots, an denen du die passenden Flugzeuge regelmäßig vor die Linse bekommst – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
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