Das Wichtigste in Kürze
- Vor der Concorde in der Luft: Der Prototyp СССР-68001 hob am 31. Dezember 1968 ab, rund zwei Monate vor der Concorde. Damit war die Tu-144 das erste Überschall-Verkehrsflugzeug, das flog.
- Kurzer Liniendienst: Aeroflot setzte sie ab Dezember 1975 für Post und Fracht ein, Passagiere flogen nur von November 1977 bis Juni 1978 – insgesamt 55 Flüge zwischen Moskau und Alma-Ata.
- Drei Hauptvarianten: Tu-144S mit Nachbrenner-Triebwerken, Tu-144D mit sparsameren RD-36-51 und mehr Reichweite, Tu-144LL als fliegendes Labor für die NASA.
- Sieben Exemplare ausgestellt: sechs in Russland, eine einzige außerhalb der früheren Sowjetunion – die 77112 im Technik Museum Sinsheim.
- Historischer Typ: Seit 1999 fliegt keine Tu-144 mehr. Spotten bedeutet hier Museumsbesuch und Kennzeichensammeln.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Hersteller | Konstruktionsbüro Tupolew; Serienbau im Flugzeugwerk Woronesch |
|---|---|
| Status | historisch – Passagierbetrieb nur 1977/78, letzter Flug 1999, keine Maschine flugfähig |
| NATO-Code | Charger |
| Erstflug | 31. Dezember 1968 (Prototyp СССР-68001, Schukowski) |
| Gebaute Exemplare | 16 flugfähige Zellen (Prototyp, Vorserie, 9 × Tu-144S, 5 × Tu-144D) plus eine unvollendete |
| Triebwerke | 4 × Kusnezow NK-144A mit Nachbrenner (Tu-144S) bzw. 4 × Kolesow RD-36-51 ohne Nachbrenner (Tu-144D) |
| Länge | rund 65,7 m (Tu-144D) |
| Spannweite | 28,8 m (Tu-144D) |
| Höhe | rund 12,5 m |
| Flügelfläche | rund 506 m² (Tu-144D) |
| Max. Startgewicht | rund 207 t (Tu-144D) |
| Höchstgeschwindigkeit | rund Mach 2,15 (Tu-144D) |
| Reichweite | rund 5.330 km mit 15 t Nutzlast (Tu-144D) |
| Sitzplätze | je nach Quelle und Bestuhlung rund 100 bis 140 |
| Cockpit-Crew | 3 |
| Betreiber | Aeroflot (Fracht, Post und Passagiere, historisch); Tu-144LL als Forschungsflugzeug mit der NASA |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Ausklappbare Canards direkt hinter dem Cockpit – kleine Zusatzflügel, die bei Museumsexemplaren oft ausgefahren zu sehen sind (nicht beim Prototyp)
- Doppeldelta-Flügel mit deutlichem Knick in der Vorderkante, wo der stärker gepfeilte innere Teil in den äußeren übergeht
- Vier Triebwerke in zwei breiten, kastenförmigen Gondeln nahe der Rumpfmitte – deutlich näher beieinander als bei der Concorde
- Sehr lange, eckige Lufteinläufe, die weit nach vorn unter den Flügel reichen
- Spitze, absenkbare Nase wie bei der Concorde, dazu ein langer, schlanker Rumpf mit vielen kleinen Fenstern
- Kennzeichen СССР-77xxx (in lateinischer Umschrift CCCP-77xxx), meist mit Aeroflot-Schriftzug und blauer Fensterlinie
Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein Deltaflügel mit Knick, kleine Zusatzflügel hinter dem Cockpit und eine Nase, die sich nach unten neigt: Die Tupolew Tu-144 ist das sowjetische Überschall-Verkehrsflugzeug und war schneller in der Luft als die Concorde. Fliegen siehst du sie nicht mehr, seit 1999 ist der Typ Geschichte. Diese Seite zeigt dir, was Spotter heute mit ihr anfangen: die Technik, die Unterschiede zwischen Prototyp, Tu-144S, Tu-144D und Tu-144LL, alle gebauten Zellen mit Kennzeichen und die Orte, an denen du die erhaltenen Exemplare findest. Die ausführliche Entstehungsgeschichte erzählt der Magazinartikel Tupolew Tu-144.
Überschall-Sammlung anlegen
Mit Planetrack hältst du jede besuchte Tu-144 mit Foto, Kennzeichen und Ort fest und setzt die fehlenden Exemplare auf die Wunschliste deines Hangars. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Was ist die Tu-144?
Die Tu-144 ist ein vierstrahliges Überschall-Verkehrsflugzeug aus dem Konstruktionsbüro Tupolew. Entwickelt wurde sie in den 1960er-Jahren als Antwort auf das britisch-französische Concorde-Projekt, im Westen bekam sie deshalb schnell den Spitznamen „Konkordski“. Die NATO führte sie unter dem Codenamen Charger. Die Serienflugzeuge entstanden im Flugzeugwerk Woronesch, Erprobung und Forschung liefen am Flugplatz Schukowski bei Moskau. Das Tupolew-Erbe gehört heute zur United Aircraft Corporation.
Am 31. Dezember 1968 startete der Prototyp СССР-68001 zum Erstflug, gut zwei Monate vor der Concorde. Im Sommer 1969 war die Tu-144 dann auch das erste Verkehrsflugzeug, das schneller als der Schall flog. Im Liniendienst kam sie allerdings nie richtig an: Aeroflot setzte sie ab Dezember 1975 für Post und Fracht ein, Passagiere beförderte sie nur von November 1977 bis Juni 1978. Mehr über das Umfeld, aus dem sie stammt, liest du in Sowjetische Verkehrsflugzeuge.
Technik: der sowjetische Weg zu Mach 2
Die Aufgabe war dieselbe wie bei der Concorde: rund 100 Passagiere mit doppelter Schallgeschwindigkeit über große Entfernungen bringen. Die Lösungen unterscheiden sich in mehreren Punkten, und genau diese Unterschiede machen die Tu-144 im Museum so spannend.
Der Doppeldelta-Flügel
Der Prototyp flog noch mit einem einfachen Deltaflügel. Für die Serie entwarf Tupolew einen Doppeldelta: Innen ist die Vorderkante stärker gepfeilt, außen schwächer, dazwischen sitzt ein sichtbarer Knick. Der Flügel ist zudem gewölbt. Das verbesserte das Verhalten im Überschallflug und erhöhte den Auftrieb bei niedriger Geschwindigkeit. Die Flügelfläche wuchs von gut 438 Quadratmetern beim Prototyp auf rund 506 Quadratmeter bei der Tu-144D. Ein Höhenleitwerk gibt es nicht, gesteuert wird über Ruder an der Flügelhinterkante.
Die Canards hinter dem Cockpit
Das auffälligste Merkmal der Serienflugzeuge sind die ausklappbaren Vorflügel direkt hinter dem Cockpit. Wegen ihrer Form werden sie oft als „Schnurrbart“ beschrieben. Beim Start und bei der Landung fahren sie seitlich aus und liefern zusätzlichen Auftrieb an der Rumpfspitze. Dadurch sinkt die Landegeschwindigkeit spürbar, und die Maschine lässt sich bei hohem Anstellwinkel besser trimmen. Im Reiseflug liegen sie eingeklappt am Rumpf an. Die Concorde kam ohne solche Hilfsflügel aus.
Nase und Cockpit
Wie bei der Concorde lässt sich die Nase absenken, damit die Crew bei Start und Landung trotz des steilen Anstellwinkels die Piste sieht. Im Cockpit saßen drei Personen. Die Kabine war lang und schmal, mit kleinen Fenstern; je nach Quelle und Bestuhlung werden 100 bis 140 Sitzplätze genannt.
Triebwerke und Gondeln
Beim Prototyp saßen alle vier Triebwerke in einem einzigen Block unter dem Rumpf. Das brachte Probleme mit Hitze und gegenseitiger Beeinflussung der Lufteinläufe. In der Serie wanderten sie in zwei getrennte Gondeln, je zwei Triebwerke nebeneinander, aber weiterhin nah an der Rumpfmitte. Die Lufteinläufe sind sehr lang und eckig, mit beweglichen Rampen, die die Luft vor dem Verdichter auf Unterschall abbremsen.
Bei den Triebwerken gingen die Varianten verschiedene Wege:
- Tu-144S: Kusnezow NK-144A, ein Mantelstromtriebwerk mit Nachbrenner. Für den Überschall-Reiseflug musste der Nachbrenner laufen, der Verbrauch war hoch und die Reichweite entsprechend knapp.
- Tu-144D: Kolesow RD-36-51, ein Einstromtriebwerk ohne Nachbrenner, das im Reiseflug deutlich sparsamer arbeitete. Mit 15 Tonnen Nutzlast schaffte die Tu-144D rund 5.330 Kilometer.
- Tu-144LL: Kusnezow NK-321, die Triebwerke des Bombers Tu-160, eingebaut für das NASA-Forschungsprogramm.
Konkrete Schubwerte nennen die Quellen sehr unterschiedlich, deshalb verzichten wir hier bewusst auf eine einzelne Zahl.
Praxis-Tipp für den Museumsbesuch
Fotografiere die Canards von schräg vorn, den Knick in der Flügelvorderkante von der Seite und die eng zusammenstehenden Gondeln von unten oder hinten. Diese drei Motive unterscheiden die Tu-144 eindeutig von der Concorde und machen deine Serie vollständig.
Varianten im Überblick
Mit nur 16 fertiggestellten Flugzeugen ist fast jede Tu-144 ein Einzelstück. Grob lassen sich fünf Gruppen unterscheiden.
| Variante | Kennzeichen | Anzahl | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Prototyp | СССР-68001 | 1 | einfacher Delta, keine Canards, Triebwerke in einem Block, kürzerer Rumpf |
| Vorserie | СССР-77101 | 1 | Übergang zur Serienkonfiguration |
| Tu-144S | СССР-77102 bis 77110 | 9 | Doppeldelta, Canards, getrennte Gondeln, NK-144A mit Nachbrenner |
| Tu-144D | СССР-77111 bis 77115 | 5 | RD-36-51 ohne Nachbrenner, größere Reichweite |
| Tu-144LL | RA-77114 | 1 (Umbau) | NASA-Forschungsflugzeug mit NK-321 |
Der Prototyp wirkte noch deutlich schlichter: einfacher Deltaflügel mit knapp 27,7 Metern Spannweite, keine Canards, ein Triebwerksblock unter dem Rumpf und ein Hauptfahrwerk mit mehr Rädern pro Bein. Für die Serie wurde der Rumpf um mehrere Meter verlängert, der Flügel neu gezeichnet und die Triebwerksanlage umgebaut. Damit ist die Tu-144S im Grunde ein neues Flugzeug, das nur das Konzept vom Prototyp übernahm.
Die Tu-144S war die Version, die bei Aeroflot ab 1975 Post und Fracht und ab 1977 Passagiere transportierte. Die Tu-144D entstand, weil die Reichweite der S-Version für längere Strecken nicht reichte. Eine Maschine, die 77105, wurde nachträglich auf den D-Standard umgerüstet. Von außen erkennst du die Variante kaum; sicher ist der Blick auf das Kennzeichen.
Die Tu-144LL (LL steht im Russischen für ein fliegendes Labor) entstand Mitte der 1990er-Jahre aus der eingelagerten 77114. In einem gemeinsamen Programm mit der NASA flog sie zwischen 1996 und 1999 insgesamt 27 Forschungsflüge, um Daten für eine mögliche zweite Generation von Überschall-Verkehrsflugzeugen zu sammeln. Der letzte Flug fand im April 1999 statt, danach war das Kapitel Tu-144 in der Luft beendet.
Einsatz und Ende
Der Weg in den Liniendienst war holprig. Am 3. Juni 1973 stürzte die Tu-144S 77102 während einer Vorführung auf der Paris Air Show über dem Ort Goussainville ab. Alle sechs Menschen an Bord und acht Menschen am Boden kamen ums Leben. Wie die Luftfahrtschau heute abläuft, erklärt der Beitrag Paris Air Show in Le Bourget.
Am 26. Dezember 1975 nahm Aeroflot den Betrieb mit Post und Fracht zwischen Moskau und Alma-Ata auf, rund 3.100 Kilometer Strecke. Passagiere durften erst ab dem 1. November 1977 mitfliegen. Nach nur 55 Passagierflügen war am 1. Juni 1978 wieder Schluss. Wenige Tage zuvor, am 23. Mai 1978, war die Tu-144D 77111 bei einem Testflug vor der Auslieferung nach einem Brand bei Jegorjewsk notgelandet; zwei Flugingenieure starben.
Ab Juni 1979 flog die Tu-144D noch einmal Fracht, auch auf längeren Strecken wie Moskau–Chabarowsk. Die Produktion endete 1983, die letzte Zelle 77116 blieb unvollendet. Danach dienten die verbliebenen Maschinen vor allem der Forschung und Erprobung, bis die Tu-144LL 1999 den Schlusspunkt setzte.
Historisch, nicht aktuell
Seit 1999 fliegt keine Tu-144 mehr, und keine Maschine ist flugfähig. Alle Angaben zu Betrieb und Strecken auf dieser Seite beschreiben vergangene Jahrzehnte. Was heute zählt, sind die ausgestellten Exemplare.
Alle Tu-144 mit Kennzeichen
Die Liste ist dein Werkzeug fürs Sammeln: Kennzeichen, Variante und Verbleib. Stand ist Oktober 2026. Bei einigen eingelagerten Zellen ist der Zustand nicht eindeutig belegt, dort steht „vermutlich“.
| Kennzeichen | Variante | Verbleib (Stand Oktober 2026) |
|---|---|---|
| СССР-68001 | Prototyp | in Schukowski verschrottet |
| СССР-77101 | Vorserie | in Schukowski verschrottet |
| СССР-77102 | Tu-144S | 1973 bei der Paris Air Show verunglückt |
| СССР-77103 | Tu-144S | in Schukowski verschrottet |
| СССР-77104 | Tu-144S | in Schukowski verschrottet |
| СССР-77105 | Tu-144S, auf D umgebaut | vermutlich verschrottet |
| СССР-77106 | Tu-144S | Zentrales Luftwaffenmuseum Monino |
| СССР-77107 | Tu-144S | ausgestellt in Kasan |
| СССР-77108 | Tu-144S | Luftfahrtmuseum in Samara |
| СССР-77109 | Tu-144S | vermutlich in Woronesch abgestellt |
| СССР-77110 | Tu-144S | Museum der Zivilluftfahrt Uljanowsk |
| СССР-77111 | Tu-144D | 1978 bei Jegorjewsk verunglückt |
| СССР-77112 | Tu-144D | Technik Museum Sinsheim |
| СССР-77113 | Tu-144D | nach Triebwerksschaden 1980 später verschrottet |
| СССР-77114 | Tu-144D / Tu-144LL | ausgestellt in Schukowski |
| СССР-77115 | Tu-144D | ausgestellt in Schukowski |
| СССР-77116 | Tu-144D | unvollendet, vermutlich in Woronesch |
Kyrillisches „СССР“ entspricht dem lateinischen „SSSR“, wird in Spotterlisten aber meist als „CCCP“ geschrieben. Die Tu-144LL trug nach dem Ende der Sowjetunion das russische Präfix RA-. Wenn du Registrierungen sammelst, lohnt es sich, beide Schreibweisen zu notieren.
Museumsexemplare für Spotter
Weil keine Tu-144 mehr fliegt, ist jede Sichtung ein Museumsbesuch. Sechs der sieben ausgestellten Flugzeuge stehen in Russland, eines in Deutschland.
Deutschland: Die Tu-144D 77112 im Technik Museum Sinsheim ist das einzige Exemplar außerhalb der früheren Sowjetunion. Sie kam 2001 auf einer aufwendigen Reise über Wasser und Land nach Sinsheim, nicht auf eigenem Flug, und steht seitdem in Aeroflot-Farben auf dem Dach. Direkt daneben steht die Concorde F-BVFB. Nirgendwo sonst siehst du beide Überschall-Verkehrsflugzeuge nebeneinander. Sinsheim bildet einen Verbund mit dem Technik Museum Speyer, viele Besucher kombinieren beide Häuser. Weitere Ziele im Land sammelt die Übersicht Luftfahrtmuseen in Deutschland.
Russland: Die übrigen ausgestellten Exemplare verteilen sich auf das Zentrale Luftwaffenmuseum Monino (77106), Kasan (77107), Samara (77108), Uljanowsk (77110) und Schukowski (77114 und 77115). Die 77114, die frühere Tu-144LL, ist seit 2019 wieder in ihrer ursprünglichen Bemalung zu sehen. Reisen nach Russland sind derzeit stark eingeschränkt; prüf vorab die aktuellen Reisehinweise. Zudem gelten dort strenge Regeln fürs Fotografieren an Flugplätzen, mehr dazu in Fotografierverbote in Russland und Belarus.
1. Mit Sinsheim starten
Die 77112 ist das einfachste Ziel für Spotter aus Mitteleuropa – und du hakst die Concorde F-BVFB gleich mit ab.
2. Perspektive planen
Die Maschine steht erhöht auf dem Dach. Von unten wirken Gondeln und Canards am stärksten, aus der Distanz siehst du die ganze Silhouette.
3. Kennzeichen festhalten
Fotografiere die Kennung mit. So ordnest du die Sichtung später sicher der richtigen Zelle zu.
4. Liste abhaken
Trag Ort und Datum ein. So siehst du, welche der sieben ausgestellten Exemplare dir noch fehlen.
Wie du solche Besuche sauber festhältst, zeigt Sichtungen dokumentieren. Weitere Klassiker für deine Liste findest du in Seltene Flugzeuge spotten und Oldtimer am Himmel erkennen.
Museen auf der Karte
Die Spot-Karte in Planetrack zeigt dir Museen und Flughafen-Spots mit Anreise, bestem Licht und Community-Fotos – praktisch für deine Tour zu Tu-144 und Concorde. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Tu-144 oder Concorde?
In Sinsheim stehen beide nebeneinander, und auf Fotos werden sie gern verwechselt. Mit diesen Merkmalen bist du sicher.
Es ist eine Tu-144, wenn …
- hinter dem Cockpit kleine ausklappbare Zusatzflügel zu sehen sind
- die Flügelvorderkante einen deutlichen Knick hat
- die beiden Triebwerksgondeln eng zusammen unter der Rumpfmitte sitzen
Sieh genauer hin, wenn …
- keine Canards zu sehen sind – sie können eingefahren sein, oder es ist der Prototyp auf historischen Fotos
- nur die Nase abgesenkt ist – das haben beide Typen
Eine Concorde ist es, wenn …
- der Flügel durchgehend weich geschwungen ist
- die Gondeln weiter außen unter dem Flügel sitzen
- ein F- oder G-Kennzeichen am Rumpf steht
| Merkmal | Tu-144D | Concorde |
|---|---|---|
| Erstflug | 31. Dezember 1968 | 2. März 1969 |
| Flügelform | Doppeldelta mit Knick | ogivaler, geschwungener Delta |
| Canards | ja, ausklappbar | nein |
| Triebwerksgondeln | eng an der Rumpfmitte | weiter außen unter dem Flügel |
| Länge | rund 65,7 m | 61,66 m |
| Spannweite | 28,8 m | 25,6 m |
| Passagierbetrieb | 1977 bis 1978 | 1976 bis 2003 |
Die Tu-144 ist also größer als die Concorde, flog aber nur einen Bruchteil der Zeit im Liniendienst. Die Geschichte des westlichen Gegenstücks erzählt Die Geschichte der Concorde.
Die Tu-144 in der Tupolew-Familie
Die Tu-144 steht zwischen zwei Welten des Herstellers. Auf ziviler Seite stammen aus demselben Haus der erste sowjetische Jetliner Tu-104, die Kurzstrecken-Klassiker Tu-134 und die Mittelstrecken-Arbeitstiere der Tu-154. Auf militärischer Seite ist der Überschallbomber Tu-160 der nächste Verwandte – seine NK-321-Triebwerke trieben die Tu-144LL an. Das Langstreckengegenstück aus dem Konkurrenzhaus ist die Iljuschin Il-62, die in den 1970er-Jahren das Aeroflot-Langstreckennetz trug.
Fazit
Die Tu-144 war früher in der Luft als die Concorde, aber nur kurz im Dienst. Doppeldelta, Canards und die eng stehenden Gondeln machen sie unverwechselbar, das Kennzeichen erzählt die Geschichte jeder Zelle. Mit sieben ausgestellten Exemplaren ist sie ein überschaubares, aber reizvolles Sammelziel – und mit Sinsheim liegt das am leichtesten erreichbare direkt in Deutschland.
Kurzfazit
16 gebaut, 7 ausgestellt, nur 55 Passagierflüge: Die Tu-144 erkennst du an Canards, Doppeldelta und eng stehenden Gondeln. Fang in Sinsheim mit der 77112 an – dort steht die Concorde gleich daneben.
Zusammenfassung
- Die Tu-144 ist das sowjetische Gegenstück zur Concorde: ein vierstrahliges Überschall-Verkehrsflugzeug mit Deltaflügel, absenkbarer Nase und Reisegeschwindigkeit um Mach 2.
- Vom Prototyp zur Serie änderte sich viel: Doppeldelta statt einfachem Delta, getrennte Triebwerksgondeln, längerer Rumpf und die markanten Canards hinter dem Cockpit.
- Nach dem Absturz in Paris 1973 und einem Unfall 1978 blieb der Passagierbetrieb eine Episode von wenigen Monaten. Die Tu-144D flog danach noch Fracht, die Tu-144LL bis 1999 Forschung.
- Für Spotter ist die Tu-144 ein kleines, aber anspruchsvolles Sammelprojekt: sieben ausgestellte Exemplare, davon sechs in Russland und eines leicht erreichbar in Sinsheim.
Häufige Fragen
Wann flog die Tu-144 zum ersten Mal?
Am 31. Dezember 1968 in Schukowski bei Moskau, mit dem Prototyp СССР-68001. Die Concorde folgte am 2. März 1969. Die Tu-144 war damit das erste Überschall-Verkehrsflugzeug in der Luft und durchbrach 1969 auch als erstes die Schallmauer.
Wie viele Tu-144 wurden gebaut?
Fertiggestellt wurden 16 Flugzeuge: der Prototyp 68001, die Vorserienmaschine 77101, neun Tu-144S (77102 bis 77110) und fünf Tu-144D (77111 bis 77115). Eine weitere Tu-144D mit der Nummer 77116 wurde in Woronesch nicht mehr fertiggebaut.
Wie lange flog die Tu-144 mit Passagieren?
Nur rund sieben Monate. Der Passagierdienst zwischen Moskau und Alma-Ata begann am 1. November 1977 und endete nach 55 Flügen am 1. Juni 1978. Kurz davor war eine Tu-144D bei einem Testflug nach einem Brand notgelandet. Danach flog der Typ nur noch Fracht und Erprobungen.
Wo kann ich in Deutschland eine Tu-144 sehen?
Im Technik Museum Sinsheim. Dort steht die Tu-144D mit der Nummer 77112 seit 2001 auf dem Dach, direkt neben der Air-France-Concorde F-BVFB. Es ist das einzige Exemplar, das außerhalb der früheren Sowjetunion ausgestellt ist. Öffnungszeiten und Zugang prüfst du am besten direkt beim Museum.
Was ist der Unterschied zwischen Tu-144S und Tu-144D?
Vor allem die Triebwerke. Die Tu-144S hatte Kusnezow-NK-144A-Mantelstromtriebwerke, die für den Überschallflug den Nachbrenner brauchten und viel Treibstoff verbrauchten. Die Tu-144D bekam die Kolesow RD-36-51 ohne Nachbrenner, die sparsamer waren und die Reichweite deutlich vergrößerten. Von außen sind beide kaum zu unterscheiden, sicher hilft das Kennzeichen.
Was war die Tu-144LL?
Die umgebaute Tu-144D 77114, die von 1996 bis 1999 als fliegendes Labor für ein gemeinsames Forschungsprogramm mit der NASA diente. Sie bekam Triebwerke vom Typ NK-321 und absolvierte 27 Forschungsflüge, den letzten im April 1999. Heute steht sie in Schukowski.
Warum hat die Tu-144 Canards?
Deltaflügel brauchen im Langsamflug viel Anstellwinkel. Die ausklappbaren Vorflügel hinter dem Cockpit erzeugen vorn zusätzlichen Auftrieb und senken so die Landegeschwindigkeit. Im Reiseflug sind sie eingefahren. Der Prototyp hatte sie noch nicht.
Ist die Tu-144 eine Kopie der Concorde?
Der Spitzname „Konkordski“ legt das nahe, technisch gibt es aber klare Unterschiede: Doppeldelta statt ogivalem Flügel, Canards, eng zusammenstehende Triebwerksgondeln und ein anderes Triebwerkskonzept. Beide Teams lösten dieselbe Aufgabe, kamen aber zu teils verschiedenen Antworten.
Tupolew Tu-144 sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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