Das Wichtigste in Kürze
- Die Tu-95 ist der einzige propellergetriebene strategische Bomber, der bis heute im Einsatz ist – Erstflug 1952, Dienst seit 1956.
- Erkennungsweg Nummer eins: acht gegenläufige Propeller an einem stark gepfeilten Flügel.
- NATO-Codename „Bear“: Die Varianten tragen Buchstaben von Bear-A bis Bear-H; die aktuelle Hauptversion ist die Tu-95MS (Bear-H).
- Im Westen siehst du sie fast nur auf Abfangfotos, wenn RAF-Typhoons, NATO-Jets oder US-Abfangjäger sie über internationalen Gewässern begleiten.
- Aus der Nähe nur im Museum – zugängliche Exemplare stehen vor allem in Russland, in der Ukraine und als Tu-142 in Indien.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist die Tu-95?
- 2.Die Technik: Turboprop trifft Pfeilflügel
- 3.Die Varianten: von Bear-A bis Bear-H
- 4.Im Einsatz: von der Abschreckung bis zur Ukraine
- 5.NATO-Abfangeinsätze: die Bear vor der Haustür
- 6.Woran du die Tu-95 erkennst
- 7.Häufige Verwechslungen
- 8.Wo du die Tu-95 im Museum siehst
- 9.Fototipps für die Bear-Familie
- 10.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Konstruktionsbüro Tupolew (Serienbau im Werk Kuibyschew, heute Samara) |
|---|---|
| Rolle | Strategischer Langstreckenbomber und Trägerflugzeug für Marschflugkörper; Ableger für Seeaufklärung und U-Jagd |
| Erstflug | 12. November 1952 (erster Prototyp) |
| Indienststellung | 1956 |
| Bauzeit | 1956 bis 1993 |
| Besatzung | 6–7 (Tu-95MS), je nach Variante und Auftrag mehr |
| Triebwerke | 4 × Kusnezow NK-12 Turboprop mit je rund 11.000 kW (15.000 PS) |
| Propeller | Je Triebwerk zwei gegenläufige Vierblattpropeller, Durchmesser rund 5,6 m |
| Länge | rund 46,2 m (Tu-95MS) |
| Spannweite | rund 50,1 m |
| Höhe | rund 12,1 m |
| Flügelpfeilung | 35° |
| Max. Startgewicht | rund 188 t |
| Höchstgeschwindigkeit | rund 925 km/h |
| Reichweite | bis rund 15.000 km (Tu-95MS, ohne Luftbetankung) |
| Betreiber | Russische Luft- und Weltraumkräfte (Fernfliegerkräfte); historisch Sowjetunion und Ukraine |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Vier Turboprops mit je zwei gegenläufigen Propellern – insgesamt acht Propellerkreise, ein Merkmal, das kein anderes aktives Bombermuster hat
- Stark gepfeilter Flügel (35 Grad) – ungewöhnlich für ein Propellerflugzeug, wirkt fast wie bei einem Jet
- Hauptfahrwerk fährt nach hinten in verlängerte Gondeln hinter den inneren Triebwerken ein, die weit über die Flügelhinterkante hinausragen
- Langer, schlanker Rumpf mit Tankstutzen für die Luftbetankung oben auf der Nase
- Heckstand mit Kanonen unter dem Seitenleitwerk, bei der Tu-95MS eine kurze, verglaste Heckposition
- Meist silbrig-graues Naturmetall oder heller Anstrich, rote Hoheitszeichen; Seeaufklärer-Ableger Tu-142 mit längerem Rumpf
Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein silbriger Riese mit vier Triebwerken, an jedem davon zwei Propeller, die sich in entgegengesetzte Richtungen drehen: Das ist die Tupolew Tu-95, bei der NATO als „Bear“ bekannt. Sie flog erstmals 1952 und ist bis heute als strategischer Bomber im Dienst – ein Flugzeug aus der Frühzeit des Kalten Krieges, das noch immer an den Rändern des NATO-Luftraums auftaucht. Hier erfährst du, wie die Tu-95 technisch funktioniert, welche Varianten es gibt, warum sie so oft von Abfangjägern begleitet wird und wo du ihr überhaupt begegnen kannst.
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Was ist die Tu-95?
Die Tu-95 ist ein viermotoriger, propellergetriebener Langstreckenbomber des sowjetischen Konstruktionsbüros Tupolew. Sie entstand Anfang der 1950er-Jahre mit einem klaren Auftrag: Die Sowjetunion brauchte einen Bomber, der ohne Zwischenstopp Ziele auf einem anderen Kontinent erreichen konnte. Strahltriebwerke waren damals noch sehr durstig. Tupolew setzte deshalb auf Turboprops, die deutlich sparsamer arbeiteten, und kombinierte sie mit einem gepfeilten Flügel, der sonst eher Jets vorbehalten war.
Der erste Prototyp startete am 12. November 1952. Er hatte noch eine Behelfslösung als Antrieb, bei der jeweils zwei Triebwerke gekoppelt waren. Der zweite Prototyp erhielt dann die neu entwickelten NK-12-Triebwerke, die bis heute im Flugzeug stecken. Die Serienfertigung begann im Januar 1956, im selben Jahr ging die Tu-95 in Dienst. Gebaut wurde sie – in vielen Varianten – bis 1993. Wie viele Exemplare insgesamt entstanden, hängt davon ab, ob man Ableger wie die Tu-142 mitzählt; für die ganze Familie werden meist über 500 Flugzeuge genannt.
Die sowjetische Luftwaffe führte das Muster anfangs als Tu-20. Im Truppendienst setzte sich jedoch schnell die Tupolew-interne Bezeichnung Tu-95 durch, während westliche Geheimdienste noch lange von der Tu-20 sprachen.
Die Technik: Turboprop trifft Pfeilflügel
NK-12: ein Triebwerk der Superlative
Das Herz der Tu-95 ist das Kusnezow NK-12. Die Entwicklung baute auf Nachkriegsarbeiten sowjetischer Ingenieure auf, an denen auch deutsche Spezialisten beteiligt waren. Das Triebwerk liefert je nach Version rund 11.000 Kilowatt, also etwa 15.000 PS. Es gilt als stärkstes Turboprop-Triebwerk, das je in Serie in Dienst ging.
So viel Leistung hätte mit einem einzelnen Propeller einen riesigen Durchmesser verlangt, der unter den Flügel nicht gepasst hätte. Die Lösung: Jedes NK-12 treibt zwei gegenläufige Vierblattpropeller vom Typ AV-60 mit rund 5,6 Metern Durchmesser an. Die beiden Propeller drehen sich entgegengesetzt, das gleicht das Drehmoment aus und holt mehr Schub aus der Leistung.
Das NK-12 trieb übrigens nicht nur den Bomber an. Auch das Verkehrsflugzeug Tu-114, das Frühwarnflugzeug Tu-126 und der riesige Transporter Antonov An-22 Antei nutzen das Triebwerk in eigenen Versionen.
Der Sound der Bear
Die Blattspitzen der Propeller drehen so schnell, dass sie Überschallgeschwindigkeit erreichen. Das macht die Tu-95 zu einem der lautesten Militärflugzeuge überhaupt. Wer sie einmal erlebt hat, beschreibt ein tiefes, vibrierendes Dröhnen, das man lange hört, bevor man das Flugzeug sieht. Dazu kommt ein Nebeneffekt: Die großen Metallpropeller werfen ein sehr kräftiges Radarecho zurück – Tarnung war bei diesem Entwurf nie ein Thema.
Flügel, Fahrwerk und Rumpf
Der Flügel ist um 35 Grad gepfeilt. Bei einem Propellerflugzeug ist das selten und erlaubt der Tu-95 Geschwindigkeiten von über 900 km/h – sehr schnell für einen Turboprop. Das Hauptfahrwerk klappt nach hinten in Gondeln hinter den inneren Triebwerken, die deutlich über die Flügelhinterkante hinausragen. Diese langen Gondeln sind ein gutes Erkennungsmerkmal von unten.
Die heutige Hauptversion Tu-95MS misst rund 46 Meter in der Länge und gut 50 Meter in der Spannweite. Das maximale Startgewicht liegt bei rund 188 Tonnen. Die Besatzung besteht aus sechs bis sieben Personen, darunter Piloten, Navigator, Bordingenieur, Funker und ein Heckschütze, der zwei 23-mm-Kanonen bedient.
Praxis-Tipp: Propeller richtig einfrieren
Bei acht Propellern entscheidet die Verschlusszeit über das Bild. Zu kurz, und die Propeller stehen still wie bei einem abgestellten Flugzeug; zu lang, und das Flugzeug verwackelt. Wie du den Mittelweg findest, erklärt der Beitrag Propeller fotografieren: die richtige Verschlusszeit.
Die Varianten: von Bear-A bis Bear-H
In sieben Jahrzehnten entstanden zahlreiche Versionen. Die NATO vergab dafür Buchstaben hinter dem Codenamen „Bear“. Die wichtigsten im Überblick:
| Variante | NATO-Name | Aufgabe |
|---|---|---|
| Tu-95M | Bear-A | Frühe Bomberversion für frei fallende Bomben |
| Tu-95K / KD | Bear-B | Träger für den großen Flugkörper Ch-20 unter dem Rumpf |
| Tu-95KM | Bear-C | Weiterentwickelter Flugkörperträger mit Aufklärungsausrüstung |
| Tu-95RT | Bear-D | Seeaufklärung und Zielzuweisung für die Marine |
| Tu-95MR | Bear-E | Fotoaufklärer |
| Tu-95K-22 | Bear-G | Träger für Flugkörper vom Typ Ch-22 |
| Tu-95MS | Bear-H | Marschflugkörperträger, heutige Hauptversion |
| Tu-95U | Bear-T | Schulflugzeug |
Die Tu-95MS basiert konstruktiv auf der Tu-142 und wurde als Träger für Marschflugkörper ausgelegt. Je nach Unterversion trägt sie die Waffen in einem internen Trommelmagazin oder zusätzlich an Außenstationen unter den Flügeln. Seit den 2010er-Jahren werden Maschinen zur Tu-95MSM modernisiert, mit neuer Avionik und Ausrüstung für modernere Flugkörper.
Zwei Sonderversionen schrieben Geschichte. Eine umgebaute Tu-95V warf am 30. Oktober 1961 über Nowaja Semlja die sogenannte Zar-Bombe ab, die stärkste je gezündete Wasserstoffbombe. Die Tu-95LAL trug einen kleinen Kernreaktor an Bord – ein Versuchsträger für die Idee eines atomgetriebenen Flugzeugs, die nie Serienreife erreichte.
Die Familie: Tu-142, Tu-114 und Tu-126
Aus der Tu-95 gingen mehrere eigenständige Typen hervor:
- Tu-142 (Bear-F/J): Seeaufklärer und U-Jagdflugzeug der Marineflieger, Erstflug 1968. Der vordere Rumpf ist um rund 1,7 Meter verlängert, das Fahrwerk verstärkt. Die indische Marine flog acht Tu-142 von 1988 bis 2017 und ersetzte sie durch die Boeing P-8 Poseidon in der Version P-8I.
- Tu-114: Ein Langstrecken-Verkehrsflugzeug mit Flügel, Leitwerk und Triebwerken der Tu-95, aber einem neuen, deutlich breiteren Rumpf. Sie flog unter anderem für Aeroflot. Mehr zu ihrer Rolle liest du im Beitrag Sowjetische Verkehrsflugzeuge.
- Tu-126: Ein Frühwarnflugzeug mit großem Radar-Rotodom auf dem Rumpf, abgeleitet von der Tu-114 – sozusagen der sowjetische Vorläufer moderner AWACS-Muster wie der Boeing E-3 Sentry.
Im Einsatz: von der Abschreckung bis zur Ukraine
Jahrzehntelang war die Tu-95 vor allem ein Instrument der nuklearen Abschreckung. Nach dem Ende der Sowjetunion erbte die Ukraine einen Teil der Flotte; die meisten dieser Maschinen wurden im Rahmen der Abrüstungsabkommen verschrottet, einige gingen an Russland. Ein Exemplar blieb im Museum in Poltawa erhalten.
Im August 2007 nahm Russland nach rund 15 Jahren Pause die regelmäßigen Langstreckenpatrouillen wieder auf. Seitdem fliegen Tu-95 wieder regelmäßig über Nordatlantik, Nordsee, Ostsee, Pazifik und Arktis. Den ersten Kampfeinsatz erlebte das Muster am 17. November 2015 in Syrien, als Tu-95MS Marschflugkörper abfeuerten. Ab 2019 flogen Tu-95 zudem gemeinsame Patrouillen mit chinesischen H-6-Bombern über dem Pazifik.
Seit 2022 setzt Russland die Tu-95MS im Krieg gegen die Ukraine als Träger von Marschflugkörpern ein. Die Flugplätze der Bomber sind dadurch selbst zum Ziel geworden. Bei der ukrainischen Drohnenoperation „Spinnennetz“ am 1. Juni 2025 wurden auf den Stützpunkten Olenja und Belaja mehrere Langstreckenbomber zerstört oder beschädigt, darunter Tu-95. Auch der Stützpunkt Engels an der Wolga wurde mehrfach angegriffen.
Wie viele Tu-95 heute noch flugfähig sind, lässt sich von außen nicht sicher sagen. Anfang der 2020er-Jahre wurden rund 50 Tu-95MS und Tu-95MSM genannt, seither sind Verluste hinzugekommen. Viele aktuelle Zahlen stammen von Konfliktparteien und sind entsprechend vorsichtig zu lesen.
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NATO-Abfangeinsätze: die Bear vor der Haustür
Für die meisten Luftfahrtfans im Westen ist die Tu-95 ein Flugzeug von Abfangfotos. Die Bomber fliegen dabei in der Regel im internationalen Luftraum, haben aber oft keinen Flugplan aufgegeben, senden keinen Transpondercode und halten keinen Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung. Weil sie dadurch für den übrigen Luftverkehr ein Risiko darstellen, steigen Abfangjäger auf, identifizieren die Maschinen und begleiten sie, bis sie den Bereich wieder verlassen.
Großbritannien: Quick Reaction Alert
Die Royal Air Force hält dafür rund um die Uhr Jets in Bereitschaft, die Quick Reaction Alert (QRA). Den Süden deckt RAF Coningsby in Lincolnshire ab, den Norden RAF Lossiemouth in Schottland. Abfangjäger ist seit 2007 der Eurofighter Typhoon, unterstützt von einem Voyager-Tankflugzeug aus Brize Norton. Schon der erste QRA-Alarm einer Typhoon-Staffel aus Coningsby im August 2007 galt einer Bear. Die Tu-95 starten für diese Flüge häufig von Olenja auf der Kola-Halbinsel und sind dabei viele Stunden unterwegs.
Wer die QRA-Typhoons selbst fotografieren will, findet an der offiziellen Viewing Area an der RAF Coningsby einen legalen Standort. Einen Scramble live zu erleben, ist allerdings reine Glückssache.
Skandinavien, Baltikum und Nordamerika
Auch Norwegen, Dänemark und die NATO-Staaten an der Ostsee melden regelmäßig Abfangeinsätze gegen russische Langstreckenbomber. Über dem Baltikum übernehmen im Rahmen des NATO Baltic Air Policing rotierende Kontingente verbündeter Luftwaffen diese Aufgabe – mit Mustern wie F-16, Gripen, Rafale, F-35 oder Eurofighter.
Vor Alaska ist das nordamerikanische Luftverteidigungskommando NORAD zuständig. Im November 2007 fing dort die Lockheed Martin F-22 Raptor zum ersten Mal überhaupt im NORAD-Auftrag ab – es waren zwei Tu-95MS. Auch später wurden Bear-Bomber in der Luftverteidigungs-Identifizierungszone vor Alaska immer wieder begleitet.
Abfangfotos richtig einordnen
Die bekannten Bilder von Typhoon und Bear Seite an Seite stammen fast immer von den Luftstreitkräften selbst, die sie nach dem Einsatz veröffentlichen. Achte bei der Bestimmung auf die Zahl der Propeller, die lange Nase der Tu-142 und die Hecksektion – und auf die rote Bordnummer am Bug.
Kann man die Bomber online verfolgen?
Kaum. Russische Langstreckenbomber senden bei solchen Flügen in aller Regel keine öffentlich empfangbaren Positionsdaten. Was du online siehst, sind eher die NATO-Tanker oder Aufklärer, die bei solchen Lagen in der Luft sind – etwa Seeaufklärer und AWACS-Maschinen, die der Beitrag AWACS, Seeaufklärer und Aufklärungsflugzeuge vorstellt. Wie Militär-Tracking grundsätzlich funktioniert und wo die Grenzen liegen, erklärt der Beitrag Militärflugzeuge online verfolgen.
Woran du die Tu-95 erkennst
Ob auf einem Abfangfoto, in einer Doku oder im Museum: Drei Blicke reichen meistens.
Propeller zählen
Vier Triebwerke, jedes mit zwei hintereinanderliegenden, gegenläufigen Propellern. Diese Doppelpropeller hat sonst nur die Verwandtschaft – Tu-142, Tu-114 und An-22.
Flügelform prüfen
Der Flügel ist deutlich nach hinten gepfeilt, wie bei einem Jet. Hinter den inneren Triebwerken ragen lange Fahrwerksgondeln über die Hinterkante hinaus.
Rumpf und Heck ansehen
Schlanker Rumpf, Betankungsstutzen oben auf der Nase, Heckstand mit Kanonen unter dem Seitenleitwerk. Die Tu-142 hat eine längere Nase und oft zusätzliche Antennenverkleidungen.
Schnellbestimmung: Welcher Viermot mit Propellern ist das?
Tupolew Tu-95 oder Tu-142
Doppelpropeller und Pfeilflügel: Das ist die Bear-Familie. Eine besonders lange Nase spricht für den Seeaufklärer Tu-142.
Antonov An-22 Antei
Gleiche Triebwerke, aber ganz anderer Aufbau: Die An-22 ist ein Schulterdecker mit Heckrampe und Doppelleitwerk.
Kein Bear
Einfache Propeller an geradem Flügel deuten auf westliche Muster wie Transporter oder Seeaufklärer hin. Tipps dazu gibt der Beitrag Militärtransporter erkennen.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die Tu-95, wenn …
- vier Triebwerke mit je zwei gegenläufigen Propellern zu sehen sind
- der Flügel deutlich gepfeilt und tief angesetzt ist
- lange Fahrwerksgondeln über die Flügelhinterkante ragen
- ein Heckstand mit Kanonen unter dem Leitwerk sitzt
Sieh genauer hin, wenn …
- die Nase auffällig lang ist und Zusatzverkleidungen trägt – dann ist es wahrscheinlich eine Tu-142
- der Rumpf deutlich dicker ist und Fenster hat – das spricht für die Tu-114
- ein großer Radardiskus auf dem Rumpf sitzt – das ist die Tu-126
Es ist keine Tu-95, wenn …
- Strahltriebwerke statt Propeller zu sehen sind – etwa bei der Tu-160 oder der B-52
- die Flügel schwenkbar sind wie bei der B-1B Lancer
- der Flügel hoch am Rumpf sitzt und eine Heckrampe vorhanden ist
Einen breiteren Überblick über Militärmuster am europäischen Himmel liefert der Beitrag Kampfjets in Europa erkennen. Für die Historie einzelner Militärmaschinen sind Datenbanken wie Scramble eine gute Anlaufstelle.
Wo du die Tu-95 im Museum siehst
Eine fliegende Tu-95 in Westeuropa aus der Nähe zu sehen, ist ausgeschlossen. Bleiben die Museen – und die liegen fast alle in Regionen, die derzeit schwer oder gar nicht zu bereisen sind.
| Ort | Exemplar | Hinweis |
|---|---|---|
| Zentrales Luftwaffenmuseum Monino bei Moskau | Tu-95 sowie das Verkehrsflugzeug Tu-114 | Große Freiluftsammlung; Reisen nach Russland derzeit kaum praktikabel |
| Museum der Fernfliegerkräfte, Poltawa (Ukraine) | Tu-95MS | Auf einem früheren Bomberflugplatz; wegen des Krieges keine Reiseempfehlung |
| Visakhapatnam (Indien) | Tu-142M | Öffentlich ausgestellt an der Beach Road |
| Naval Aircraft Museum, Kolkata (Indien) | Tu-142MK-E | Ehemalige Maschine der indischen Marine |
Das Zentrale Luftwaffenmuseum Monino ist besonders spannend, weil dort Tu-95 und Tu-114 auf einem Gelände stehen – du kannst die Bomber- und die Airliner-Linie direkt vergleichen. Bevor du überhaupt an eine Reise nach Russland denkst, informier dich über die Reisehinweise und die strengen Regeln zum Fotografieren; der Beitrag Fotografierverbote in Russland und Belarus fasst die Risiken zusammen. Einen guten Überblick über das ganze Programm des Herstellers – vom Überschallflugzeug Tu-144 bis zu den Airlinern – gibt die Seite zu Tupolew.
Museumsfunde sammeln
Poste deine Museumsfotos mit Typ und Ort, finde Ausstellungen über die Spot-Karte und sammle Likes und Kommentare aus der Community. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Fototipps für die Bear-Familie
Auch wenn du die Tu-95 vermutlich nur im Museum vor die Linse bekommst, gibt es ein paar Kniffe:
Ganze Größe zeigen
Mit über 50 Metern Spannweite passt die Tu-95 kaum ins Bild. Ein Weitwinkel von der Flügelspitze aus betont die Pfeilung und die Reihe der Triebwerke.
Propeller im Detail
Die gegenläufigen Doppelpropeller sind das Motiv schlechthin. Fotografiere ein Triebwerk schräg von vorn, damit beide Propellerkreise sichtbar werden.
Heckstand und Nase
Kanonen im Heck und Betankungsstutzen auf der Nase erzählen die Geschichte als Langstreckenbomber – gute Motive für Detailaufnahmen.
Bist du bereit für die Bear?
- Ich erkenne die Tu-95 an den acht gegenläufigen Propellern.
- Ich kann Tu-95 und Tu-142 an der Nasenlänge unterscheiden.
- Ich weiß, dass Abfangfotos meist von den Luftstreitkräften selbst stammen.
- Ich kenne Museen mit Tu-95 oder Tu-142 und ihre Reisebedingungen.
Fazit
Die Tu-95 ist ein Kuriosum der Militärluftfahrt: ein Propellerbomber mit Pfeilflügel, entworfen zu Beginn der 1950er-Jahre und noch immer im Einsatz. Ihre NK-12-Triebwerke mit den gegenläufigen Propellern machen sie unverwechselbar und ohrenbetäubend laut. Für Spotter im Westen bleibt die Bear meist ein Flugzeug von Abfangfotos der RAF, der NATO oder von NORAD. Wer ihr wirklich begegnen will, muss den Weg in ein Museum finden – und das ist angesichts der politischen Lage eher ein Projekt für später.
Kurzfazit
Acht gegenläufige Propeller, ein gepfeilter Flügel und ein Dröhnen wie kein anderes Flugzeug: Das ist die Tupolew Tu-95 „Bear“. Du triffst sie vor allem auf Abfangfotos von Typhoon, F-22 und Co. – oder als Tu-95 und Tu-142 im Museum.
Zusammenfassung
- Die Tu-95 entstand Anfang der 1950er-Jahre als sowjetischer Interkontinentalbomber und verbindet Turboprop-Antrieb mit einem gepfeilten Flügel.
- Herzstück sind die NK-12-Triebwerke mit gegenläufigen Propellern – sie gelten als die stärksten Turboprops, die je in Serie in Dienst gingen.
- Aus der Grundkonstruktion gingen der Seeaufklärer Tu-142, das Verkehrsflugzeug Tu-114 und das Frühwarnflugzeug Tu-126 hervor.
- Russland setzt die Tu-95MS und die modernisierte Tu-95MSM weiterhin ein; Langstreckenflüge an den Grenzen des NATO-Luftraums führen regelmäßig zu Abfangeinsätzen.
Häufige Fragen
Warum heißt die Tu-95 „Bear“?
„Bear“ ist der Codename, den die NATO dem Muster gegeben hat. Bomber erhalten in diesem System Namen mit B. Die einzelnen Varianten werden mit Buchstaben unterschieden, etwa Bear-A für die frühe Tu-95M oder Bear-H für die Marschflugkörper-Version Tu-95MS.
Warum ist die Tu-95 so laut?
Jedes der vier NK-12-Triebwerke treibt zwei gegenläufige Propeller mit rund 5,6 Metern Durchmesser an. Die Blattspitzen erreichen dabei Überschallgeschwindigkeit. Das erzeugt das typische, tiefe Dröhnen, das die Tu-95 zu einem der lautesten Militärflugzeuge überhaupt macht.
Ist die Tu-95 noch im Einsatz?
Ja. Russland fliegt die Tu-95MS und die modernisierte Tu-95MSM weiterhin. Anfang der 2020er-Jahre wurden rund 50 Maschinen genannt; seit dem Krieg gegen die Ukraine sind durch Angriffe auf Flugplätze Verluste dazugekommen. Genaue aktuelle Zahlen sind unsicher, weil Angaben oft von Konfliktparteien stammen.
Was ist der Unterschied zwischen Tu-95 und Tu-142?
Die Tu-142 ist der Seeaufklärer und U-Jagd-Ableger für die Marineflieger. Ihr vorderer Rumpf ist um rund 1,7 Meter verlängert, das Fahrwerk wurde verstärkt und die Ausrüstung auf die Suche nach U-Booten zugeschnitten. Von außen hilft die längere Nase mit zusätzlichen Antennen und Verkleidungen bei der Unterscheidung.
Kann man die Tu-95 in Deutschland sehen?
Praktisch nicht. Die Bomber fliegen über internationalen Gewässern wie Nordsee, Nordatlantik oder Ostsee und werden dort von NATO-Jets begleitet. Die Fotos davon stammen fast immer von den Abfangbesatzungen selbst. Eine Landung in Westeuropa ist nicht vorgesehen.
Was hat die Tu-95 mit der Zar-Bombe zu tun?
Am 30. Oktober 1961 warf eine eigens umgebaute Tu-95V über Nowaja Semlja die sogenannte Zar-Bombe ab, die stärkste je gezündete Wasserstoffbombe. Für den Einsatz wurde das Flugzeug unter anderem mit einem hellen Schutzanstrich versehen.
Wie unterscheidet sich die Tu-95 von der Tu-160?
Die Tu-160 ist ein Überschallbomber mit vier Strahltriebwerken und Schwenkflügeln. Die Tu-95 hat Propeller und einen fest gepfeilten Flügel. Beide gehören zu den Fernfliegerkräften Russlands und tauchen auf Abfangfotos manchmal gemeinsam auf.
Tupolew Tu-95 sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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