Virtual Radar Server einrichten: deine eigene Radaranzeige unter Windows

Virtual Radar Server macht aus den Daten deines ADS-B-Empfängers eine eigene Radarkarte im Browser. Installation, Empfänger, Merged Feeds, Datenbank, Filter und Freigabe Schritt für Schritt.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202614 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Lokale Radarkarte: Virtual Radar Server (VRS) ist ein kostenloses Open-Source-Programm, das die Daten deines eigenen Empfängers als Karte im Browser darstellt – ohne Umweg über einen Online-Dienst.
  • Läuft auf Windows und per Mono: Es gibt Installer für 32- und 64-Bit-Windows sowie ein Paket für Linux und macOS über Mono.
  • Empfänger per Netzwerk anbinden: VRS liest unter anderem das BaseStation-Format (typisch Port 30003) und Beast- bzw. AVR-Rohdaten – damit passt es zu dump1090, readsb und vielen Fertigempfängern.
  • Die Datenbank macht den Unterschied: Erst mit einer BaseStation-Datenbank (zum Beispiel über das Database-Writer-Plugin) bekommst du Kennzeichen, Typen und Berichte über vergangene Flüge.
  • Filter wie bei den Großen: Du filterst nach Callsign, Kennzeichen, Typcode, Airline, Höhe, Entfernung, Squawk, Militär, Flugzeugart und mehr.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was Virtual Radar Server ist – die kurze Antwort
  2. 2.Was du vorher brauchst
  3. 3.Installation unter Windows
  4. 4.Den Empfänger als Receiver anbinden
  5. 5.Mehrere Empfänger zusammenführen: Merged Feeds
  6. 6.Datenbanken: aus Hex-Codes werden Kennzeichen
  7. 7.Filter: so findest du die interessanten Flugzeuge
  8. 8.Berichte: dein Logbuch im Hintergrund
  9. 9.Zugriff im Heimnetz und aus dem Internet
  10. 10.VRS unter Linux und auf dem Raspberry Pi
  11. 11.Häufige Probleme und schnelle Lösungen
  12. 12.Fazit

Online-Flugradare sind praktisch, aber sie zeigen dir, was ein Anbieter zeigen will – mit Verzögerung, mit Werbung und oft mit Filtern hinter einer Bezahlschranke. Wenn du einen eigenen ADS-B-Empfänger betreibst, geht es auch anders: Virtual Radar Server macht aus deinen Rohdaten eine vollwertige Radaranzeige im Browser, mit eigener Datenbank, eigenen Fotos und Filtern, die du selbst festlegst. Dieser Guide zeigt dir, wie du VRS unter Windows einrichtest, den Empfänger anbindest, Kennzeichen und Typen dazuholst und die Karte im Heimnetz oder unterwegs nutzt.

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Was Virtual Radar Server ist – die kurze Antwort

Virtual Radar Server, unter Spottern meist nur VRS genannt, ist ein kostenloses Open-Source-Programm für .NET, entwickelt von Andrew Whewell. Es verbindet sich mit einem oder mehreren Mode-S- bzw. ADS-B-Empfängern, dekodiert deren Daten und startet einen kleinen Webserver. Die Flugzeuge siehst du dann in jedem modernen Browser auf einer Karte, dazu eine sortierbare Liste mit allen Details.

Wichtig für die Erwartungen: VRS ist kein Empfänger. Es braucht eine Datenquelle – etwa einen SDR-Stick mit dump1090 oder readsb, einen Fertigempfänger oder einen klassischen Kinetic-Empfänger. Wie du so eine Station aufbaust, steht in der Anleitung ADS-B-Empfänger selber bauen. Ohne Empfänger kann VRS nur Flugzeuge aus Microsoft Flight Simulator oder X-Plane darstellen, wenn es auf demselben Rechner läuft.

2.4.4letzte stabile Version laut Download-Seite (Dezember 2019)
30003typischer Port für das BaseStation-Format
0 €Open Source, Quellcode auf GitHub

Zum Stand der Entwicklung solltest du ehrlich wissen: Die letzte stabile Version 2.4.4 ist laut offizieller Download-Seite vom 20. Dezember 2019. Vorabversionen der Version 3 erschienen bis Februar 2023. VRS ist damit ein ausgereiftes, aber nur noch sporadisch gepflegtes Werkzeug. Für viele Spotter ist es trotzdem erste Wahl, weil es Datenbank, Berichte, Bilder und Filter in einem Paket bündelt. Eine Gegenüberstellung mit der schlankeren Weboberfläche tar1090 findest du im Artikel Flugverfolgung am Desktop mit tar1090 und Virtual Radar.

Was du vorher brauchst

Bevor du installierst, kläre drei Dinge:

  • Datenquelle: Ein laufender Decoder, der seine Daten im Netzwerk bereitstellt. Bei dump1090 und readsb ist das standardmäßig der Fall. Wie du readsb aufsetzt, beschreibt der Guide readsb und tar1090 installieren; welcher SDR-Stick sich eignet, zeigt der SDR-Stick-Vergleich.
  • Rechner für VRS: Ein Windows-PC, der möglichst dauerhaft läuft. Alternativ geht auch ein Linux-Rechner mit Mono, dazu unten mehr.
  • IP-Adresse des Empfängers: Notier dir die Adresse deines Raspberry Pi oder Fertigempfängers im Heimnetz. Am besten vergibst du im Router eine feste Adresse, sonst verliert VRS nach einem Neustart die Verbindung.
Datenformat in VRS Typische Quelle Typischer Port Hinweis
BaseStation dump1090, readsb, Kinetic-Empfänger 30003 Textformat, von fast jedem Decoder unterstützt
AVR or Beast Raw dump1090, readsb, Beast-kompatible Empfänger 30005 (Beast) VRS erkennt selbst, ob AVR oder Beast ankommt, und dekodiert die Rohdaten
SBS-3 Raw Kinetic SBS-3 30006 Binärformat
Plane Finder Radar Plane-Finder-Empfänger je nach Gerät Rohformat des Plane-Finder-Receivers
Compressed VRS / Aircraft List (JSON) andere VRS-Instanz frei wählbar Compressed VRS wird nur von VRS-Rebroadcast-Servern gesendet

Viele Spotter nehmen die Beast-Rohdaten, weil VRS sie dann selbst dekodiert. Das BaseStation-Format auf Port 30003 ist dagegen am unkompliziertesten und funktioniert praktisch immer.

Installation unter Windows

Auf der offiziellen Download-Seite gibt es zwei Installer: einen 32-Bit- und einen 64-Bit-Installer. Die Entwickler empfehlen den meisten Windows-Nutzern die 32-Bit-Version. Die 64-Bit-Variante braucht mehr Speicher und kann keine 32-Bit-Bibliotheken von Drittanbietern laden, wodurch einzelne Funktionen ausfallen. Sie lohnt sich erst bei Feeds mit vielen Tausend Flugzeugen – für eine Heimstation also kaum.

1. Installer herunterladen

Lade den Server-Installer von virtualradarserver.co.uk herunter. Optional gibt es ein Sprachpaket, das auch Deutsch enthält.

2. Port festlegen

Während der Installation wählst du den Port, auf dem VRS seine Webseite ausliefert. Merk ihn dir – du brauchst ihn für den Aufruf im Browser und für eine spätere Freigabe.

3. Programm starten

Nach dem Start öffnet sich das Statusfenster. Es zeigt Links für den Aufruf vom selben Rechner, aus dem Heimnetz und aus dem Internet. Schließt du das Fenster, beendest du den Server.

4. Plugins nachinstallieren

Besonders sinnvoll sind der Database Writer, das Web-Admin-Plugin für die Konfiguration per Browser und der Tile Server Cache für schneller ladende Karten.

In aktuellen Versionen nutzt die Karte Leaflet mit frei nutzbaren Kartenkacheln – darauf baut auch das Tile-Server-Cache-Plugin auf. Google Maps lässt sich alternativ einbinden, setzt aber einen eigenen API-Schlüssel voraus, und Google rechnet die Nutzung seiner Karten-API nach Volumen ab. Für eine private Radaranzeige bleibst du am einfachsten bei Leaflet.

Den Empfänger als Receiver anbinden

Die eigentliche Arbeit passiert in den Optionen unter dem Punkt Receivers. Dort legst du für jede Datenquelle einen Eintrag an:

  • Name: frei wählbar, muss aber eindeutig sein – zum Beispiel „Dachboden“ oder „Balkon-Pi“.
  • Format: das passende Datenformat aus der Tabelle oben.
  • Connection type: „Network“ für Empfänger im Heimnetz, „Serial“ für ältere Geräte am COM-Port.
  • Address und Port: IP-Adresse des Empfängers und der Port, auf dem er sendet.
  • Visibility: „Normal“ zeigt den Feed auf der Webseite, „Hide from web site“ blendet ihn aus, „Merge only“ nutzt ihn nur in zusammengeführten Feeds.

VRS baut die Verbindung beim Start selbst auf und versucht es bei einem Abbruch jede Sekunde erneut. Steht im Statusfenster dauerhaft keine aktive Verbindung, stimmen meistens Adresse, Port oder Format nicht. Eine Idle-Timeout-Zeit hilft bei instabilen Verbindungen: Kommen für eine bestimmte Zahl von Sekunden keine Daten, startet VRS die Verbindung neu.

Für Sonderfälle gibt es den Push Receiver: Dann wartet VRS auf einem Port, bis die Gegenseite Daten schickt – praktisch, wenn ein Empfänger an einem anderen Standort hinter einem Router sitzt und seine Daten aktiv zu dir schieben soll. In diesem Modus kannst du über Allow- und Deny-Listen festlegen, welche IP-Adressen sich verbinden dürfen.

Standort nicht vergessen

Leg unter Receiver Locations den Standort deines Empfängers mit Breiten- und Längengrad an und weise ihn dem Receiver zu. Bodenpositionen lassen sich ohne diese Angabe nicht eindeutig berechnen – rollende Flugzeuge am Flughafen erscheinen sonst erst, wenn sie abheben.

Mehrere Empfänger zusammenführen: Merged Feeds

Betreibst du mehr als eine Antenne, etwa eine am Haus und eine bei Freunden näher am Flughafen, fasst ein Merged Feed beide zu einer Ansicht zusammen. Ein Receiver kann in beliebig vielen Merged Feeds stecken, Merged Feeds lassen sich aber nicht ineinander verschachteln.

Die Logik dahinter: Für jedes Flugzeug „rastet“ VRS auf den Empfänger ein, der es zuerst gemeldet hat. Erst wenn dieser für die eingestellte ICAO-Timeout-Zeit schweigt, übernimmt der nächste. Ist der Wert zu kurz, springen Flugzeuge bei einem Empfänger mit Verzögerung hin und her. Ist er zu lang, wirken sie kurzzeitig eingefroren. Für Verbindungen mit wenig Verzögerung nennt die Dokumentation etwa eine Sekunde als Richtwert, bei Verbindungen mit viel Verzögerung solltest du den Wert erhöhen.

Liefert ein Empfänger MLAT-Positionen, kannst du ihn im Merged Feed als MLAT-Quelle markieren. VRS übernimmt dessen berechnete Positionen dann auch für Flugzeuge, die eigentlich einem anderen Empfänger zugeordnet sind. Wie Multilateration funktioniert und warum sie Flugzeuge ohne ADS-B-Position sichtbar macht, erklärt der Artikel MLAT einfach erklärt.

Seltener Gast auf dem Radar?

Planetrack meldet dir per Sichtungs-Alarm, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ, eine Airline oder eine Special Livery im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Datenbanken: aus Hex-Codes werden Kennzeichen

Ein ADS-B-Signal enthält die ICAO-24-Bit-Adresse, das Callsign, Position, Höhe und Geschwindigkeit – aber weder Kennzeichen noch Flugzeugtyp noch Betreiber. Diese Lücke füllt VRS auf zwei Wegen.

Online-Abfrage

In den Data-Sources-Optionen kannst du die Online-Abfrage aktivieren. VRS holt dann Kennzeichen, Hersteller, Modell, Betreiber, Baujahr und Seriennummer für Flugzeuge nach, die noch nicht in deiner lokalen Datenbank stehen. Für den Anfang reicht das völlig.

Die BaseStation-Datenbank

Richtig stark wird VRS mit einer eigenen SQLite-Datenbank im BaseStation-Format (BaseStation.sqb). Ohne sie bleiben die Berichte leer. Angelegt wird die Datei entweder von Kinetics Programm BaseStation oder – für alle anderen – durch das Database-Writer-Plugin:

  1. Unter Tools › Plugins das Plugin öffnen und aktivieren.
  2. Einen Dateinamen eintragen oder „Use default filename“ wählen und über „Create Database“ eine leere Datenbank anlegen.
  3. Den Receiver oder Merged Feed auswählen, den das Plugin protokollieren soll – es kann nur eine Quelle gleichzeitig aufzeichnen.
  4. Optional „Save online lookups in database“ aktivieren, damit nachgeschlagene Kennzeichen dauerhaft in der Datenbank landen.

Nie zwei Schreiber auf eine Datenbank

Wenn du Kinetics BaseStation oder ein anderes Programm nutzt, das bereits in BaseStation.sqb schreibt, installiere den Database Writer nicht. Schreiben zwei Programme in dieselbe Datei, kann sie beschädigt werden.

Die Option „Overwrite details on existing aircraft“ frischt Online-Daten für Einträge auf, die älter als 28 Tage sind. Wenn du Datensätze von Hand pflegst – etwa mit dem Database-Editor-Plugin –, lass sie lieber aus, sonst überschreibt die Online-Abfrage deine Korrekturen. Über die Datenbank kannst du außerdem Flugzeuge als „interessant“ markieren und sie später gezielt herausfiltern.

Fotos, Flaggen und Silhouetten

Drei weitere Ordner machen die Anzeige persönlicher:

  • Pictures folder: Bilder im JPG-, PNG-, GIF- oder BMP-Format, benannt nach Hex-Code oder Kennzeichen. Bei beidem hat der Hex-Code Vorrang. Auf Wunsch durchsucht VRS auch Unterordner. Ideal, um deine eigenen Spotterfotos neben der Live-Position zu sehen – vorausgesetzt, deine Dateien sind sauber benannt. Tipps dazu stehen im Artikel Fotos richtig beschriften.
  • Flags folder: Airline-Logos als BMP, benannt nach dem ICAO-Betreibercode.
  • Silhouettes folder: Typ-Silhouetten als BMP, benannt nach dem ICAO-Typcode wie A320 oder B738.

Filter: so findest du die interessanten Flugzeuge

An einem Tag mit viel Überflugverkehr siehst du schnell Hunderte Flugzeuge. Die Filter von VRS trennen das Spannende vom Alltäglichen. Laut technischer Dokumentation kennt die Aircraft-List-Schnittstelle unter anderem diese Kriterien, die du in der Weboberfläche kombinieren kannst:

Filter Wofür er sich im Spotteralltag eignet
Callsign bestimmte Flugnummern oder Rufzeichen-Präfixe wie Frachter oder Ambulanzflüge
Kennzeichen und Hex-Code ein konkretes Flugzeug verfolgen, etwa eine Special Livery (Flugzeug per Kennzeichen verfolgen)
ICAO-Typcode nur A388, B748 oder andere Seltenheiten anzeigen (ICAO-Typcodes erklärt)
Betreiber und Betreiber-ICAO-Code eine Airline herausfiltern
Höhe und Entfernung nur Verkehr unterhalb einer Höhe oder im Umkreis deines Spots
Squawk bestimmte Transpondercodes eingrenzen, etwa die Notfall-Squawks 7500, 7600 und 7700
Militär als militärisch erkannte Luftfahrzeuge zeigen oder ausblenden
Interessant in der Datenbank markierte Flugzeuge
Flugzeugart, Triebwerksart, Wirbelschleppenkategorie etwa nur Hubschrauber oder nur schwere Jets
Land, Flughafen, eigener Tag Land, Start-, Ziel- oder Zwischenflughafen der Route, selbst vergebene Markierungen

Alle Filter werden mit UND verknüpft und lassen sich auch umkehren. So baust du zum Beispiel eine Ansicht „schwere Jets im Umkreis von 30 Kilometern, aber nicht Airline X“. Für die Jagd nach Grau gibt es den Militär-Filter; worauf du bei Militärverkehr achten solltest, steht im Guide Militärflugzeuge online verfolgen. Wie Transpondercodes zustande kommen, erklärt der Beitrag Mode-S-Transponder erklärt.

VRS ist ideal, wenn …

  • du eine Windows-Maschine ohnehin dauerhaft laufen lässt
  • du eine eigene Datenbank mit Berichten über vergangene Flüge willst
  • du eigene Fotos und Logos in die Anzeige einbinden möchtest

Überleg es dir, wenn …

  • dein Empfänger ein Raspberry Pi ohne zusätzlichen PC ist
  • du nur gelegentlich auf die Karte schaust

Nimm lieber tar1090, wenn …

  • du eine schlanke, aktiv gepflegte Oberfläche direkt auf dem Empfänger willst
  • du keine Windows- oder Mono-Umgebung pflegen möchtest

Berichte: dein Logbuch im Hintergrund

Sobald die Datenbank läuft, protokolliert VRS jeden Flug, den dein Empfänger aufnimmt. In den Reports der Weboberfläche suchst du später gezielt nach vergangenen Flügen, etwa für ein bestimmtes Flugzeug oder einen Zeitraum. Damit beantwortest du Fragen wie „War die Frachtmaschine gestern Nacht wirklich hier?“ oder „Wie oft taucht dieses Kennzeichen in meiner Gegend auf?“. Für Spotter ist das Gold wert, um eigene Fotos nachträglich einem Flug zuzuordnen – wie das systematisch geht, beschreibt der Artikel Sichtungen mit ADS-B-Logs abgleichen.

Zugriff im Heimnetz und aus dem Internet

Das Statusfenster zeigt drei Adressen: für den eigenen Rechner, für das Heimnetz und für den Zugriff aus dem Internet. Im Heimnetz rufst du die Karte einfach auf Tablet oder Smartphone auf – es gibt eine Desktop- und eine Mobil-Ansicht.

Für den Zugriff von unterwegs kann VRS per UPnP eine Portweiterleitung im Router einrichten. Dabei gelten für Nutzer aus dem Internet eigene Einschränkungen: Berichte und Flugzeugfotos sind für sie standardmäßig gesperrt, Sprachausgabe, Beschriftungen und Reichweitendiagramme lassen sich einzeln erlauben oder verbieten. Zusätzlich kannst du festlegen, dass sich Besucher anmelden müssen.

Dafür spricht die Freigabe

  • deine eigene Radarkarte am Spot auf dem Smartphone
  • Freunde und Spotterkollegen sehen, was dein Empfänger sieht

Dagegen spricht

  • ein offener Port ist ein zusätzliches Sicherheitsrisiko, zumal VRS kaum noch Updates bekommt
  • ohne Anmeldung kann jeder deine Seite und damit grob deinen Empfängerstandort sehen

Wenn du freigibst, dann nur mit Anmeldung. Sicherer ist es, die Karte über ein VPN ins Heimnetz zu erreichen statt über einen offenen Port. Und bevor du deine Daten öffentlich zugänglich machst, lies den Artikel zur Rechtslage beim Empfang und Teilen von ADS-B-Daten.

VRS unter Linux und auf dem Raspberry Pi

Wer keinen Windows-Rechner dauerhaft laufen lassen will, startet VRS über Mono. Dafür installierst du die Mono-Laufzeit (unter Debian und Ubuntu etwa über das Paket mono-complete), entpackst das Mono-Archiv von der Download-Seite und startest das Programm. Mit dem Parameter -nogui läuft VRS ohne Oberfläche; konfiguriert wird es dann über das Web-Admin-Plugin, für das du per Kommandozeile einen Administrator anlegst. Unter Mono lauscht VRS standardmäßig auf Port 8080, und der Pfad „VirtualRadar“ in der Adresse ist dort groß- und kleinschreibungssensitiv.

Ein paar Einschränkungen gibt es: Sprachausgabe, UPnP und die Anbindung an Flight Simulator X funktionieren unter Mono nicht, Keep-Alive-Pakete ebenfalls nicht – hier hilft das Idle-Timeout. Läuft dein Empfänger ohnehin auf einem Raspberry Pi, ist die Kombination aus readsb und tar1090 meist die einfachere Lösung. Alternativen zum Pi stellt der Artikel ADS-B-Empfang ohne Raspberry Pi vor.

Häufige Probleme und schnelle Lösungen

  • Keine Flugzeuge, Verbindung steht: Format prüfen. Wer auf Port 30005 das Format „BaseStation“ einstellt, bekommt keine verwertbaren Daten.
  • Flugzeuge ohne Kennzeichen: Datenbankpfad und Online-Abfrage in den Data-Sources-Optionen kontrollieren.
  • Berichte leer: Ohne Datenbank gibt es keine Berichte. Database Writer aktivieren und den richtigen Feed wählen.
  • Bodenverkehr fehlt: Receiver Location eintragen und dem Receiver zuweisen.
  • Karte lädt langsam: Tile-Server-Cache-Plugin installieren; es speichert die Leaflet-Kartenkacheln lokal zwischen.
  • Weniger Reichweite als erwartet: Das ist kein VRS-Problem, sondern eines der Antenne. Hilfe bieten die Guides zum Antennenstandort und zur Reichweitensteigerung mit LNA und Filter.

Ist dein Virtual Radar Server startklar?

Hak ab, was erledigt ist – am Ende siehst du, ob deine Radaranzeige rund läuft.

  • Mein Empfänger hat im Heimnetz eine feste IP-Adresse.
  • Der Receiver in VRS nutzt das passende Format und den richtigen Port.
  • Die Receiver Location ist mit Breiten- und Längengrad eingetragen.
  • Eine BaseStation-Datenbank ist angelegt und der Database Writer aktiv.
  • Die Online-Abfrage für Flugzeugdetails ist eingeschaltet.
  • Eine Freigabe ins Internet ist entweder deaktiviert oder durch Anmeldung geschützt.

Radar am Abend, Spot am Morgen

Mit Planetrack findest du auf der Spot-Karte den passenden Standort, prüfst Wetter, Wind und Pisten am Flughafen und teilst deine Sichtungen mit der Community. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Virtual Radar Server ist das Schweizer Taschenmesser für alle, die ihren eigenen ADS-B-Empfang nicht nur sehen, sondern auswerten wollen. Die Einrichtung folgt immer demselben Muster: Receiver mit passendem Format anlegen, Standort eintragen, Datenbank und Online-Abfrage aktivieren, Filter bauen. Dass das Projekt kaum noch weiterentwickelt wird, merkst du im Heimnetz kaum – bei einer Freigabe ins Internet solltest du deshalb aber besonders vorsichtig sein. Wer vor allem eine schnelle Live-Karte will, ist mit tar1090 gut bedient; wer Datenbank, Berichte und eigene Fotos schätzt, kommt an VRS kaum vorbei. Den größeren Zusammenhang, wie Live-Daten deine Spotting-Planung verbessern, beschreibt der Guide Flugverfolgung mit ADS-B für Spotter.

Kurzfazit

VRS verwandelt die Rohdaten deines Empfängers in eine eigene Radarkarte mit Datenbank, Berichten und mächtigen Filtern. Bind deinen Decoder per BaseStation- oder Beast-Format an, trag den Empfängerstandort ein, aktiviere den Database Writer – und gib die Karte höchstens mit Anmeldung oder über ein VPN nach außen frei.

Zusammenfassung

  • VRS verbindet sich mit einem oder mehreren ADS-B-Empfängern und zeigt die Flugzeuge als Karte und Liste im Browser – lokal, im Heimnetz oder auf Wunsch im Internet.
  • Merged Feeds fassen mehrere Empfänger zusammen, die Receiver Location sorgt dafür, dass auch rollende Flugzeuge am Boden korrekt erscheinen.
  • Datenbank, Bilderordner, Flaggen und Silhouetten ergänzen die reinen Funkdaten um Kennzeichen, Typ, Betreiber und eigene Fotos.
  • Die letzte stabile Version 2.4.4 stammt laut Projektseite vom Dezember 2019, Vorabversionen von Version 3 erschienen bis Februar 2023 – das Programm ist ausgereift, wird aber nur noch sporadisch weiterentwickelt.

Häufige Fragen

Was ist Virtual Radar Server?

Virtual Radar Server, kurz VRS, ist ein kostenloses Open-Source-Programm für .NET. Es nimmt die Daten eines ADS-B- bzw. Mode-S-Empfängers entgegen, startet einen kleinen Webserver und zeigt die Flugzeuge auf einer Karte im Browser an. Entwickelt wurde es von Andrew Whewell, der Quellcode liegt auf GitHub.

Brauche ich für VRS einen eigenen Empfänger?

Ja, für echte Flugzeuge brauchst du eine Datenquelle – etwa einen SDR-Stick mit dump1090 oder readsb, einen Fertigempfänger oder einen Kinetic-Empfänger. VRS selbst empfängt nichts, es dekodiert und visualisiert. Ohne Empfänger kann es nur Flugzeuge aus Flugsimulatoren wie Microsoft Flight Simulator oder X-Plane anzeigen, wenn es auf demselben Rechner läuft.

Welchen Port nutze ich, um dump1090 oder readsb anzubinden?

Üblich ist das BaseStation-Format auf Port 30003 oder die Beast-Rohdaten auf Port 30005. In VRS legst du dafür einen Receiver mit Verbindungstyp Netzwerk an, trägst die IP-Adresse des Empfängers ein und wählst das passende Format – BaseStation für 30003, AVR or Beast Raw für 30005.

Warum sehe ich keine Kennzeichen und Typen?

Weil ADS-B nur die 24-Bit-Adresse, Callsign, Position, Höhe und Geschwindigkeit überträgt. Kennzeichen, Typ und Betreiber kommen aus einer Datenbank oder einer Online-Abfrage. Prüfe in den Data-Sources-Optionen, ob ein Datenbankpfad gesetzt und die Online-Abfrage aktiviert ist.

Warum erscheinen Flugzeuge am Boden nicht?

Bodenpositionen lassen sich nur eindeutig dekodieren, wenn VRS weiß, wo dein Empfänger steht. Leg unter Receiver Locations deinen Standort mit Breiten- und Längengrad an und weise ihn dem Receiver zu. Ohne diese Angabe tauchen Flugzeuge erst nach dem Start auf.

Läuft Virtual Radar Server auch auf dem Raspberry Pi oder unter Linux?

Ja, über die Mono-Laufzeitumgebung. Es gibt ein eigenes Mono-Paket, das sich auch ohne grafische Oberfläche starten und über das Web-Admin-Plugin konfigurieren lässt. Einige Funktionen wie Sprachausgabe und UPnP fehlen unter Mono.

Ist VRS noch aktuell?

Die letzte stabile Version 2.4.4 erschien laut Download-Seite im Dezember 2019, die letzte Vorschau von Version 3 im Februar 2023. Das Programm funktioniert weiterhin, wird aber kaum noch gepflegt. Wer eine moderne, schlanke Weboberfläche direkt auf dem Empfänger sucht, greift heute oft zu tar1090.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

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