Das Wichtigste in Kürze
- Die Lizenz allein reicht nicht: Wer ein Verkehrsflugzeug fliegen will, braucht zusätzlich eine Musterberechtigung für genau dieses Muster – etwa die A320-Familie oder die Boeing 737.
- Klare Einstiegshürden: Für die erste Musterberechtigung auf einem Mehrpiloten-Flugzeug verlangt Part-FCL unter anderem 70 Stunden als verantwortlicher Pilot, eine Mehrmotoren-Instrumentenberechtigung, die bestandene ATPL-Theorie und einen MCC-Kurs.
- Der größte Teil passiert im Simulator: Theorie, Full-Flight-Simulator und Prüfung bei einer zugelassenen Ausbildungsorganisation, dazu je nach Erfahrung Platzrunden im echten Flugzeug.
- Gültig für ein Jahr: Musterberechtigungen müssen regelmäßig per Befähigungsüberprüfung verlängert werden, in der Regel innerhalb der letzten drei Monate vor Ablauf.
- Wer zahlt, ist Verhandlungssache: Viele Airlines übernehmen die Kosten und binden den Piloten dafür vertraglich, andere Einsteiger finanzieren das Type Rating selbst – mit allen Risiken.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Type Rating: die kurze Antwort
- 2.Klassenberechtigung oder Musterberechtigung?
- 3.Die Voraussetzungen für das erste Type Rating
- 4.So läuft der Kurs ab
- 5.Nach dem Type Rating: Umschulung und Streckeneinweisung
- 6.Wie lange dauert ein Type Rating?
- 7.Gültigkeit und Verlängerung
- 8.Wer bezahlt das Type Rating?
- 9.Welches Type Rating ist das richtige?
- 10.Was Spotter davon mitnehmen
- 11.Fazit
Du hast die Lizenz in der Tasche, aber der Airbus bleibt trotzdem tabu? Genau so ist es: Zwischen der fertigen Pilotenausbildung und dem ersten Linienflug steht die Musterberechtigung, international Type Rating genannt. Sie ist der Schlüssel zu einem ganz bestimmten Flugzeugmuster. Dieser Artikel erklärt dir, was ein Type Rating genau ist, welche Voraussetzungen Part-FCL verlangt, wie der Kurs abläuft, wie lange er dauert, wie lange die Berechtigung gilt – und wer am Ende dafür bezahlt.
Jedes Muster in deinem Hangar
Halte mit Planetrack fest, welche Typen du schon gesehen hast: Poste Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Spot, und setz die Muster, die dir noch fehlen, auf deine Wunschliste. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Type Rating: die kurze Antwort
Eine Musterberechtigung ist ein Eintrag in der Pilotenlizenz, der das Fliegen eines bestimmten Flugzeugmusters erlaubt. Die Lizenz – CPL, MPL oder ATPL – regelt, in welcher Rolle du fliegen darfst. Die Musterberechtigung regelt, auf welchem Flugzeug. Erworben wird sie an einer zugelassenen Ausbildungsorganisation (ATO) in einem Kurs aus Theorie, Simulatortraining und praktischer Prüfung. Danach muss sie jedes Jahr verlängert werden.
Rechtsgrundlage in der EU und den assoziierten Staaten ist die Verordnung (EU) Nr. 1178/2011, genauer ihr Anhang Part-FCL. Dort steht in FCL.700 der Grundsatz: Wer eine Pilotenlizenz hat, darf nur dann als Pilot tätig sein, wenn er eine gültige, passende Klassen- oder Musterberechtigung besitzt. Ausnahmen gibt es nur für Ausbildungsflüge, Prüfungen und einige Sonderfälle.
Klassenberechtigung oder Musterberechtigung?
Part-FCL kennt zwei Arten von Berechtigungen. Einfache Flugzeuge werden in Klassen zusammengefasst: Einmotorige Kolbenflugzeuge wie die Schulmaschine im Verein fallen unter die Klassenberechtigung SEP, mehrmotorige Kolbenflugzeuge unter MEP. Wer die SEP-Berechtigung hat, darf damit viele unterschiedliche Muster fliegen, oft nach einer kurzen Einweisung.
Komplexere Flugzeuge bekommen eine eigene Musterberechtigung. Dazu gehören alle Mehrpiloten-Flugzeuge – also praktisch jedes Verkehrsflugzeug vom Turboprop ATR 72-600 über den Embraer E190 bis zur Boeing 777-300ER – sowie Jets und einige leistungsstarke Einpiloten-Muster. Welches Flugzeug wohin gehört, legt die EASA in ihrer Liste der Klassen- und Musterberechtigungen fest. Wer privat fliegen will, hat mit Musterberechtigungen zunächst wenig zu tun – mehr dazu im Artikel zur Privatpilotenlizenz PPL(A).
| Merkmal | Klassenberechtigung | Musterberechtigung |
|---|---|---|
| Gilt für | Gruppe ähnlicher Flugzeuge (z. B. SEP) | ein bestimmtes Muster oder eine Musterfamilie |
| Typische Flugzeuge | Schul- und Reiseflugzeuge | Verkehrsflugzeuge, Jets, Mehrpiloten-Muster |
| Gültigkeit (Regelfall) | SEP: 2 Jahre, MEP: 1 Jahr | 1 Jahr |
| Training | oft im Flugzeug | überwiegend im Full-Flight-Simulator |
| Wo erworben | ATO, teils DTO oder Fluglehrer | zugelassene Ausbildungsorganisation (ATO) |
Familien und gemeinsame Musterberechtigungen
Für Spotter interessant: Die Logik der Musterberechtigungen folgt nicht immer den Typenbezeichnungen am Rumpf. Die gesamte A320-Familie – A318, A319, A320 und A321, dazu die neo-Varianten wie der A320neo – teilt sich eine Musterberechtigung. Zwischen den Varianten wechselst du per Unterschiedslehrgang (Differences Training), wie ihn FCL.710 für Varianten innerhalb einer Berechtigung vorschreibt.
Bei Boeing ist es ähnlich: Die Generationen der 737 vom NG wie der 737-800 bis zur 737 MAX 8 sind über eine gemeinsame Berechtigung mit Unterschiedsschulung verbunden. Auch zwischen 757 und 767, zwischen 777 und 787 sowie zwischen A330 und A350 gibt es Regelungen, mit denen erfahrene Piloten deutlich schneller umsteigen als mit einem kompletten neuen Kurs. Die Hersteller planen das bewusst ein: Ein kurzer Wechsel zwischen verwandten Mustern spart Airlines Zeit und Geld. Wenn also eine Airline eine gemischte Flotte aus A330 und A350 betreibt, steckt dahinter oft auch diese Überlegung.
Die Voraussetzungen für das erste Type Rating
Bevor du die erste Musterberechtigung auf einem Mehrpiloten-Flugzeug beginnen darfst, verlangt FCL.720.A eine Reihe von Bausteinen. MPL-Flugschüler sind davon ausgenommen, weil ihre Ausbildung das Type Rating bereits enthält. Für alle anderen gilt:
1. Flugerfahrung
Mindestens 70 Stunden als verantwortlicher Pilot (PIC) auf Flugzeugen. Wer modular ausgebildet ist, hat diese Stunden meist schon gesammelt, bevor er die Berufspilotenlizenz erwirbt.
2. Instrumentenflug
Du besitzt oder besaßt eine Instrumentenflugberechtigung für mehrmotorige Flugzeuge, die IR(A) auf ME.
3. ATPL-Theorie
Du hast die Theorieprüfungen für die Verkehrspilotenlizenz bestanden. Mehr zur Theorie und den Kosten der Ausbildung steht im Artikel Verkehrspilotenausbildung ATPL.
4. MCC-Kurs
Ein Nachweis über die Zusammenarbeit im Mehrpersonen-Cockpit (Multi-Crew Cooperation). Alternativ zählt einschlägige Mehrpiloten-Erfahrung. Der MCC-Kurs kann auch mit dem Type Rating kombiniert werden.
5. UPRT
Den Kurs zum Erkennen und Beenden ungewöhnlicher Fluglagen (Advanced UPRT) nach FCL.745.A, sofern du nicht bereits gleichwertig geschult bist.
Dazu kommt natürlich ein gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1. Was dabei geprüft wird, erklärt der Artikel zur fliegerärztlichen Tauglichkeit. Den Gesamtweg von der ersten Flugstunde bis zum Liniencockpit findest du in Pilot werden: Die Wege ins Cockpit.
So läuft der Kurs ab
Ein Type-Rating-Kurs ist kein loses Bündel aus Simulatorstunden, sondern ein genehmigtes Programm mit festem Aufbau. Die Inhalte orientieren sich an den Betriebsdaten (Operational Suitability Data, OSD), die der Hersteller für das Muster bei der EASA einreicht. Grob gliedert sich die Ausbildung in vier Phasen.
Phase 1: Theorie
Am Anfang steht die Systemkunde: Hydraulik, Elektrik, Triebwerke, Flugsteuerung, Avionik, Leistungsdaten, Normal- und Notverfahren. Ein großer Teil davon läuft heute computergestützt (CBT), ergänzt durch Unterricht und Verfahrenstrainer. Am Ende steht eine Theorieprüfung, die die ATO organisiert. Für Mehrpiloten-Flugzeuge schreibt FCL.725 eine schriftliche Prüfung mit mindestens 100 Multiple-Choice-Fragen vor.
Phase 2: Simulator
Danach geht es in den Full-Flight-Simulator (FFS) – eine bewegliche Cockpitnachbildung, die das echte Flugzeug bis ins Detail darstellt. Hier trainierst du als Crew aus zwei Piloten normale Abläufe, Instrumentenanflüge und vor allem Störungen: Triebwerksausfall beim Start, Druckverlust, Systemausfälle, Durchstartmanöver, Anflüge bei schlechtem Wetter. Gerade die kritischen Manöver lassen sich nur im Simulator gefahrlos üben. Wenn du verstehen willst, was beim Anflug passiert, hilft dir der Artikel zum ILS-Anflug.
Phase 3: Skill Test
Den Abschluss bildet die praktische Prüfung (Skill Test) mit einem Prüfer, meist ebenfalls im Simulator. Part-FCL setzt dafür einen Zeitrahmen: Die Prüfung muss innerhalb von sechs Monaten nach Kursbeginn bestanden sein.
Phase 4: Base Training
Piloten ohne Erfahrung auf vergleichbaren Mustern fliegen anschließend einige Platzrunden im echten Flugzeug – das sogenannte Base Training. Ohne Passagiere, mit einem Ausbilder, oft an einem Flughafen mit wenig Verkehr. Für Spotter sind solche Trainingsflüge mit wiederholten Durchstarts und Aufsetzern ein besonderer Anblick.
Erfahrene Piloten können auf das Base Training verzichten: Beim Zero Flight Time Training (ZFTT) nach FCL.730.A findet alles im Simulator statt. Voraussetzung ist Vorerfahrung im Mehrpersonen-Cockpit auf Turboprop- oder Jet-Mustern, abhängig von der Qualifikationsstufe des Simulators beispielsweise 500 Stunden oder 100 Streckenabschnitte – bei einfacheren Simulatorstufen deutlich mehr.
Simulator-Erfahrung zu Hause
Ein Heim-Flugsimulator ersetzt kein Type Rating, hilft dir aber, Cockpitlogik, Checklisten und Funk zu verstehen. Wie du einsteigst, liest du in Einstieg in die Flugsimulation, Online-Flugsicherung zum Mitmachen gibt es bei VATSIM und IVAO.
Nach dem Type Rating: Umschulung und Streckeneinweisung
Mit der eingetragenen Musterberechtigung darfst du das Muster grundsätzlich fliegen – im Linienbetrieb aber noch nicht sofort. Jede Airline schult neue Piloten zusätzlich auf ihre eigenen Verfahren, Handbücher und Strecken. Diese Umschulung beim Betreiber (Operator Conversion Course) ist im Teil für den Flugbetrieb (Part-ORO) geregelt. Häufig wird sie direkt mit dem Type Rating kombiniert.
Danach folgt die Streckeneinweisung (Line Training, oft LIFUS genannt): Du fliegst echte Linienflüge mit Passagieren, neben dir ein Ausbildungskapitän. Am Ende steht ein Line Check. Erst danach bist du regulär als First Officer im Einsatz. Wie viele Sektoren das Line Training umfasst, legt die Airline in ihrem genehmigten Programm fest.
Trainingsflug im Anflug?
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Typ oder eine Airline zur Landung ansetzt – Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen siehst du gleich mit. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Wie lange dauert ein Type Rating?
Eine feste Dauer schreibt Part-FCL nicht vor. Die Länge hängt vom Muster, vom genehmigten Kursprogramm und von deiner Vorerfahrung ab. Typisch ist ein Kurs von mehreren Wochen, wobei Theorie und Simulatoreinheiten den größten Teil einnehmen. Rechnest du Umschulung beim Betreiber und Streckeneinweisung dazu, vergehen vom ersten Kurstag bis zum regulären Einsatz im Liniendienst meist einige Monate. Für Umsteiger zwischen verwandten Mustern ist der Weg erheblich kürzer, weil oft ein Unterschiedslehrgang oder ein verkürzter Kurs genügt.
Verbindlich ist nur der Rahmen der Prüfung: Zwischen Kursbeginn und bestandenem Skill Test dürfen höchstens sechs Monate liegen, und der Skill Test darf bei der Antragstellung nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Konkrete Kursdauern nennen dir die Ausbildungsorganisationen.
Gültigkeit und Verlängerung
Eine Musterberechtigung gilt nach FCL.740 grundsätzlich ein Jahr, sofern die Betriebsdaten des Herstellers nichts anderes vorsehen. Zum Vergleich: Die SEP-Klassenberechtigung für einmotorige Kolbenflugzeuge gilt zwei Jahre.
Für die Verlängerung (Revalidation) bei mehrmotorigen Mustern verlangt FCL.740.A:
- eine Befähigungsüberprüfung (Proficiency Check) auf dem Muster oder im Simulator innerhalb der drei Monate vor Ablauf,
- mindestens zehn Streckenabschnitte als Pilot im Gültigkeitszeitraum oder einen Abschnitt mit einem Prüfer.
Bei Airlines sind diese Checks in die regelmäßigen Simulatorprüfungen eingebettet; zunehmend auch im Rahmen von evidenzbasiertem Training (EBT). Läuft eine Berechtigung ab, braucht es eine Erneuerung (Renewal): Eine Ausbildungsorganisation prüft, ob Auffrischungstraining nötig ist, danach folgt wieder eine Befähigungsüberprüfung. Wer also länger nicht fliegt, verliert die Berechtigung nicht für immer, muss aber nachweisen, dass er das Muster noch beherrscht.
Wer bezahlt das Type Rating?
Das ist die heikelste Frage – und die Antwort lautet: Es kommt drauf an. Konkrete Preise solltest du dir immer direkt bei Ausbildungsorganisation oder Arbeitgeber geben lassen. Grundsätzlich gibt es drei Modelle.
Die Airline zahlt
- Häufiges Modell bei etablierten Airlines und Airline-Flugschulen.
- Im Gegenzug meist eine Bindung über mehrere Jahre oder eine anteilige Rückzahlung, wenn du früher kündigst.
- Vertrag genau lesen: Laufzeit, Staffelung und Abbruchregeln.
Gehaltsabzug oder Finanzierung
- Die Airline streckt die Kosten vor und holt sie über das Gehalt zurück.
- Zahlt sich aus, wenn die Anstellung sicher ist.
- Prüfe, was bei Kündigung, Insolvenz oder Untauglichkeit passiert.
Selbst finanziert ohne Jobzusage
- Hohes Risiko: Ein Type Rating bindet dich an ein Muster.
- Ohne Einsatz kann die Berechtigung verfallen, bevor du sie nutzt.
- Pilotenverbände raten davon ab, wenn es nicht zwingend nötig ist.
Besonders umstritten ist das sogenannte Pay to Fly: Einsteiger zahlen nicht nur das Type Rating selbst, sondern auch für die Streckeneinweisung und fliegen dann Linienflüge, ohne regulär angestellt zu sein. Die European Cockpit Association und nationale Pilotengewerkschaften kritisieren solche Modelle seit Jahren als ausbeuterisch. In Deutschland setzt außerdem das Arbeitsrecht Rückzahlungsklauseln für Fortbildungskosten Grenzen – lass einen Vertrag im Zweifel von einer Gewerkschaft wie der Vereinigung Cockpit oder einem Fachanwalt prüfen.
Keine Zahlen aus Foren übernehmen
Preise für Type Ratings unterscheiden sich stark nach Muster, Anbieter und Paket. Viele Zahlen im Netz sind veraltet. Verlässlich sind nur aktuelle Angebote der Ausbildungsorganisation und die Bedingungen deines Arbeitgebers. Wie sich die Investition gegenüber dem späteren Einkommen rechnet, beleuchtet der Artikel Was verdienen Piloten?
Welches Type Rating ist das richtige?
Am Anfang einer Karriere wählst du dein erstes Muster selten selbst: Die Airline, die dich einstellt, bestimmt, auf welchem Flugzeug du anfängst. Bei der Lufthansa Group etwa beginnen viele Einsteiger auf der Kurzstrecke; Low-Cost-Airlines wie Ryanair setzen auf eine Boeing-737-Flotte, Eurowings und Condor auf Airbus-Schmalrumpfjets. Ein selbst bezahltes Type Rating lohnt sich deshalb – wenn überhaupt – nur für Muster, die in deinem Zielmarkt viele Betreiber haben.
Wer später den Arbeitgeber oder die Flotte wechselt, macht ein weiteres Type Rating, meist bezahlt vom neuen Arbeitgeber. Senioritätslisten und Flottenplanung entscheiden, wann ein Umstieg auf die Langstrecke ansteht, etwa auf die Boeing 787-9 oder den Airbus A350-900. Wie Airlines solche Entscheidungen treffen, steht in Wie Airlines ihre Flotte planen.
Was das Type Rating mit Technikern zu tun hat
Den Begriff Musterberechtigung gibt es nicht nur im Cockpit. Auch Wartungstechniker, die Arbeiten an Verkehrsflugzeugen freigeben, brauchen eine Berechtigung für das jeweilige Muster in ihrer Lizenz. Wer sich für diesen Weg interessiert, findet Einstiegswissen in Ausbildung zum Fluggerätmechaniker und zur Flugzeugwartung.
Was Spotter davon mitnehmen
Musterberechtigungen erklären manches, was du am Zaun beobachtest. Warum eine Airline lieber Varianten derselben Familie betreibt als viele verschiedene Typen: weil die Piloten zwischen ihnen wechseln dürfen. Warum ein Jet ohne Passagiere mehrmals hintereinander aufsetzt und durchstartet: Base Training. Und warum manche Flughäfen regelmäßig Trainingsflüge sehen, während andere fast nie welche bekommen.
Spannend ist auch der Blick auf die Unterschiede innerhalb einer Familie. Wer die Generationen der Boeing 737 auseinanderhält, versteht, warum ein NG-Pilot mit einem Unterschiedslehrgang auf die MAX wechseln kann – und warum die beiden für dich als Spotter trotzdem verschiedene Einträge im Hangar sind.
Bist du bereit fürs erste Type Rating?
- Ich habe ein gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1.
- Ich habe mindestens 70 Stunden als verantwortlicher Pilot.
- Ich besitze eine Mehrmotoren-Instrumentenflugberechtigung.
- Ich habe die ATPL-Theorieprüfungen bestanden.
- Ich habe einen MCC-Kurs abgeschlossen oder er ist im Type Rating enthalten.
- Ich weiß, wer die Kosten trägt, und habe die Vertragsbedingungen geprüft.
Deine Typen, deine Community
Poste deine Sichtungen mit Typ, Kennzeichen und Airline, finde auf der Spot-Karte Standorte mit Anreise, bestem Licht und Community-Fotos und tausch dich mit Likes, Kommentaren und Chats mit anderen Spottern aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Die Musterberechtigung ist der letzte große Baustein zwischen Lizenz und Liniencockpit. Sie setzt Flugerfahrung, Instrumentenflug, ATPL-Theorie und Mehrpersonen-Training voraus, läuft größtenteils im Simulator ab und muss jedes Jahr bestätigt werden. Die Dauer hängt von Muster und Vorerfahrung ab, die Kostenfrage vom Arbeitgeber. Wer ein Type Rating angeboten bekommt, sollte vor allem den Vertrag lesen – und wer eines selbst bezahlen will, sehr genau überlegen, ob es danach auch einen Job auf dem Muster gibt.
Kurzfazit
Ein Type Rating erlaubt dir das Fliegen eines bestimmten Musters, wird in einem mehrwöchigen Kurs mit Theorie, Simulator und Prüfung erworben und gilt ein Jahr. Bezahlt wird es idealerweise von der Airline – mit Bindung. Selbst finanziert ohne Jobzusage ist es ein teures Risiko.
Zusammenfassung
- Eine Musterberechtigung (Type Rating) wird in die Pilotenlizenz eingetragen und erlaubt das Fliegen eines bestimmten Flugzeugmusters. Geregelt ist sie in Europa in Part-FCL, Teilabschnitt H.
- Der Kurs besteht aus Theorie mit schriftlicher Prüfung, Simulatortraining, praktischer Prüfung (Skill Test) und je nach Erfahrung Base Training im Flugzeug. Danach folgen bei der Airline Umschulung und Streckeneinweisung.
- Verwandte Muster wie A318 bis A321 teilen sich eine Musterberechtigung, für Varianten reicht dann ein Unterschiedslehrgang.
- Bezahlt wird das Type Rating entweder vom Arbeitgeber – oft gegen Bindungs- und Rückzahlungsklauseln – oder vom Piloten selbst. Beides solltest du vor der Unterschrift genau prüfen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lizenz und Musterberechtigung?
Die Lizenz (zum Beispiel CPL, MPL oder ATPL) sagt, in welcher Rolle und unter welchen Bedingungen du fliegen darfst. Die Musterberechtigung legt fest, auf welchem Flugzeugmuster du diese Rechte ausüben darfst. Sie wird in die Lizenz eingetragen. Ohne passende Klassen- oder Musterberechtigung darfst du nach Part-FCL nicht als Pilot tätig sein.
Wie lange dauert ein Type Rating?
Das hängt von Muster, Vorerfahrung und Ausbildungsorganisation ab. Üblich ist ein Kurs von mehreren Wochen, der Theorie, Simulatoreinheiten und die Prüfung umfasst. Die praktische Prüfung muss laut Part-FCL innerhalb von sechs Monaten nach Kursbeginn bestanden sein. Danach kommen bei der Airline noch Umschulung und Streckeneinweisung hinzu, die sich ebenfalls über Wochen ziehen können.
Wer bezahlt die Musterberechtigung?
Bei vielen Airlines trägt der Arbeitgeber die Kosten, verlangt dafür aber, dass du eine bestimmte Zeit bleibst, oder vereinbart eine anteilige Rückzahlung, wenn du früher gehst. Es gibt auch Einsteiger, die das Type Rating selbst finanzieren, um ihre Chancen zu verbessern. Pilotengewerkschaften sehen selbst bezahlte Type Ratings ohne Jobzusage kritisch.
Wie lange ist eine Musterberechtigung gültig?
Nach Part-FCL ist eine Musterberechtigung grundsätzlich ein Jahr gültig, sofern die Betriebsdaten des Herstellers nichts anderes festlegen. Für die Verlängerung bestehst du eine Befähigungsüberprüfung, meist im Simulator, innerhalb der drei Monate vor Ablauf. Bei Mehrmotorenmustern kommen außerdem mindestens zehn geflogene Streckenabschnitte im Gültigkeitszeitraum hinzu (oder einer mit einem Prüfer).
Was ist ein Zero Flight Time Training?
Beim Zero Flight Time Training (ZFTT) findet die gesamte Ausbildung im Simulator statt, ohne Platzrunden im echten Flugzeug. Das ist nur für erfahrene Piloten möglich: Part-FCL verlangt Vorerfahrung im Mehrpersonen-Cockpit auf Turboprop- oder Jet-Mustern, abhängig von der Qualifikationsstufe des Simulators zum Beispiel 500 Stunden oder 100 Streckenabschnitte.
Brauche ich für jedes Airbus-Modell ein eigenes Type Rating?
Nein. A318, A319, A320 und A321 teilen sich eine Musterberechtigung, zwischen den Varianten wechselst du per Unterschiedslehrgang. Auch für A330 und A350 sowie für Boeing 777 und 787 gibt es gemeinsame Regelungen, die den Umstieg deutlich verkürzen. Welche Muster genau zusammengefasst sind, steht in der Liste der Klassen- und Musterberechtigungen der EASA.
Brauchen Privatpiloten auch ein Type Rating?
Für typische Schulflugzeuge wie die Cessna 172 nicht: Einmotorige Kolbenflugzeuge fallen unter eine Klassenberechtigung (SEP), die zwei Jahre gilt. Musterberechtigungen brauchst du vor allem für Mehrpiloten-Flugzeuge und Jets sowie für einige leistungsstarke Einpiloten-Muster.
Weiterlesen in Karriere in der Luftfahrt
- Pilot bei der Bundeswehr: Laufbahn, Auswahl und Ausbildung
- Flugbegleiter werden: Voraussetzungen, Ausbildung und Arbeitszeiten
- Flugdienstberater (Dispatcher): Flugplanung, Ausbildung und Lizenz
- Ausbildung zum Fluggerätmechaniker: Fachrichtungen, Ablauf und Perspektiven
- Bei der Flughafenfeuerwehr arbeiten: Ausbildung, Fahrzeuge und Einsätze
- Fluglotse werden: Auswahlverfahren der DFS, Ausbildung und Arbeitsalltag
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Lufthansa Group
Die Lufthansa Group ist keine Airline, sondern ein Konzern mit einem Dutzend Flugbetrieben – von Lufthansa über SWISS und Austrian bis Eurowings und ITA Airways. Wer am Zaun nur den Kranich sucht, übersieht die halbe Gruppe.
HerstellerAirbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
HerstellerBoeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
Passende Spotting-Spots
Konkrete Standpunkte mit Betriebsrichtung, Lichtzeiten, Koordinaten und einer ehrlichen Einschätzung, ob sich die Anreise lohnt.
Besucherhügel am Flughafen München
Der bekannteste Aussichtspunkt am Lufthansa-Drehkreuz München: Vom Besucherhügel im Besucherpark blickst du erhöht über das Flughafengelände – mit eigener S-Bahn-Haltestelle direkt nebenan.
SpotterhügelAussichtsplattform Zeppelinheim am Flughafen Frankfurt
Der Klassiker unter den Frankfurter Spotterpunkten: Von der Plattform an der Autobahnbrücke bei Zeppelinheim schwebt bei Westwind der Großteil der Landungen auf die Südbahn ein – kostenlos, öffentlich und mit der S-Bahn schnell vom Frankfurter Hauptbahnhof erreichbar.
Das könnte dich auch interessieren
Pilot werden: Die Wege ins Cockpit im Überblick
Vom Hobbyflieger bis zum Airline-Cockpit: Welche Lizenzen es nach EASA-Recht gibt, wie integrierte, modulare und MPL-Ausbildung sich unterscheiden und was vor dem ersten Flugstunden-Euro geklärt sein muss.
Karriere in der LuftfahrtATPL-Ausbildung: Flugschulen, Finanzierung und Kosten
Sechsstellige Summen, Ratenpläne und Finanzierungsmodelle: Was die Verkehrspilotenausbildung kostet, welche Posten oft vergessen werden, wie du sie finanzieren kannst und woran du eine seriöse Flugschule erkennst.
Karriere in der LuftfahrtDLR-Test und Pilotenauswahl: Ablauf, Kosten und Vorbereitung
Ein Tag am Computer in Hamburg entscheidet oft, ob der Weg ins Airline-Cockpit weitergeht. Was hinter dem DLR-Test steckt, welche Bereiche geprüft werden, was das Zertifikat kostet und wie du dich ohne Panik vorbereitest.



