Fluglotse werden: Auswahlverfahren der DFS, Ausbildung und Arbeitsalltag

Abi mit 2,7, ein mehrstufiger Test am DLR, gut zwei Jahre Ausbildung und danach Schichtdienst im Tower oder Center: So läuft der Weg zur Fluglotsin oder zum Fluglotsen bei der DFS.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Abitur ist Pflicht: Die DFS verlangt die allgemeine Hochschulreife mit einem Schnitt von mindestens 2,7. Fachabitur, Ausbildung oder Studium ersetzen sie nicht.
  • Nur ein Versuch: Wer das Auswahlverfahren für die Lotsenausbildung nicht besteht, kann sich dafür bei der DFS nicht erneut bewerben. Vorbereitung lohnt sich also.
  • Getestet wird beim DLR in Hamburg: Nach einer Online-Stufe folgen eine Vor- und eine Hauptuntersuchung mit Computertests, Teamaufgaben und Interviews, am Ende die fliegerärztliche Untersuchung.
  • Ausbildung in drei Phasen: Theorie und Simulator am DFS-Campus in Langen, danach On-the-Job-Training mit echtem Verkehr in einem Tower oder einer Kontrollzentrale.
  • Den Standort wählst du nicht: Wo du später arbeitest, legt die DFS nach Personalbedarf fest – Bereitschaft zum Umzug gehört zum Beruf.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Fluglotse werden: die kurze Antwort
  2. 2.Wer in Deutschland Flugverkehr lenkt
  3. 3.Tower oder Center: zwei verschiedene Jobs
  4. 4.Die Voraussetzungen im Detail
  5. 5.Das Auswahlverfahren Schritt für Schritt
  6. 6.Die Ausbildung: Langen, Simulator, echter Verkehr
  7. 7.Geld und Rahmenbedingungen
  8. 8.Der Arbeitsalltag
  9. 9.Was Spotter mitbringen – und was nicht

Du hörst am Spot mit dem Scanner mit, wie der Tower die nächste Maschine auf die Piste holt, und denkst: Das könnte ich auch. Tatsächlich ist der Weg zum Fluglotsen in Deutschland klar strukturiert, aber anspruchsvoll. Wer Fluglotse werden will, bewirbt sich in aller Regel bei der DFS Deutsche Flugsicherung, durchläuft ein mehrstufiges Auswahlverfahren beim DLR in Hamburg und lernt dann in Langen bei Frankfurt, bevor es mit echtem Verkehr in einen Tower oder eine Kontrollzentrale geht. Dieser Guide zeigt dir Voraussetzungen, Ablauf, Ausbildung und Alltag – und was du als Spotter schon mitbringst.

Vom Zaun aus den Verkehr lesen

Mit Planetrack siehst du Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen und hältst jede Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Airline fest – ein guter Weg, ein Gefühl für Verkehrsflüsse zu bekommen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fluglotse werden: die kurze Antwort

Du brauchst Abitur mit mindestens 2,7, sehr gutes Englisch, fließendes Deutsch und die medizinische Tauglichkeit nach EU-Vorgaben. Dann bewirbst du dich online bei der DFS, bestehst Online-Tests, zwei Untersuchungstermine beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg und eine fliegerärztliche Untersuchung. Anschließend folgen Theorie und Simulator am DFS-Campus in Langen und ein On-the-Job-Training an einem Standort in Deutschland. Erst mit allen Lizenzen und Berechtigungen arbeitest du eigenverantwortlich.

Wichtig vorab: Die Bewerbung für die Lotsenausbildung hast du bei der DFS nur einmal. Wer scheitert, kann sich für diesen Beruf dort nicht erneut bewerben. Das ist der wichtigste Grund, sich ehrlich mit dem Anforderungsprofil auseinanderzusetzen, bevor du auf „Absenden“ klickst.

2,7schlechtester zulässiger Abiturschnitt laut DFS
4Kontrollzentralen: Bremen, Langen, Karlsruhe, München
1Bewerbungsversuch für die Lotsenausbildung

Wer in Deutschland Flugverkehr lenkt

Die DFS ist das bundeseigene Unternehmen, das den Flugverkehr über Deutschland kontrolliert. Wie die Organisation aufgebaut ist und wofür sie zuständig ist, erklärt der Artikel DFS Deutsche Flugsicherung erklärt ausführlich. Für die Berufswahl reicht das Grundprinzip: Die DFS beschäftigt Lotsinnen und Lotsen in vier Kontrollzentralen (Centern) und in den Towern der internationalen Flughäfen – nach eigenen Angaben 15 Tower. An vielen kleineren Plätzen übernehmen andere Anbieter die Flugplatzkontrolle; dort gelten eigene Einstellungswege.

Ein Teil des oberen Luftraums über Nordwestdeutschland wird nicht von der DFS, sondern von der Kontrollzentrale Maastricht der europäischen Organisation Eurocontrol betreut – mehr dazu in Eurocontrol erklärt. Und wer über die Grenzen schaut: In Österreich und der Schweiz sind Austro Control und Skyguide zuständig, die Unterschiede beschreibt Flugsicherung in Österreich und der Schweiz.

Tower oder Center: zwei verschiedene Jobs

Die Ausbildung teilt sich früh in zwei Richtungen, die sich im Alltag deutlich unterscheiden.

  • Tower: Hier steuerst du den Verkehr am und um den Flughafen. Platzlotsen sind für Start- und Landebahnen zuständig, Rolllotsen für die Bewegungen am Boden. Auch Sichtflieger melden sich beim Tower. Du arbeitest mit Blick nach draußen, aber natürlich ebenfalls mit Radar- und Bodenlagebildern.
  • Center: In der Kontrollzentrale führst du Flugzeuge im Luftraum, ohne sie je zu sehen. Gearbeitet wird typischerweise im Zweierteam: Der Radarlotse spricht mit den Cockpits, der Koordinationslotse stimmt sich mit den Nachbarsektoren ab, etwa wenn sich Streckenführungen ändern. Zum Center gehört je nach Standort auch die Anflugkontrolle, die die Flugzeuge auf den Endanflug sortiert.

Welche Funkstelle wofür zuständig ist – Delivery, Ground, Tower, Approach, Center –, zeigt dir der Guide Delivery, Ground, Tower, Approach, Center. Wer regelmäßig Flugfunk hört, kennt diese Kette schon vom Zuhören.

Kriterium Tower Center
Arbeitsort Tower an einem internationalen Flughafen Kontrollzentrale (Bremen, Langen, Karlsruhe, München)
Zuständigkeit Pisten, Rollwege, Nahbereich des Flughafens Strecken- und Anflugluftraum
Lagebild Sicht nach draußen plus Radar und Bodenlage Radardarstellung, kein Sichtkontakt
Typische Arbeitsweise Platz- und Rolllotse an getrennten Positionen Radar- und Koordinationslotse als Team
Typische Lagen Pistenbelegung, Rollverkehr, Wechsel der Betriebsrichtung Staffelung, Sektorübergaben, Wetterumfliegungen

Die Voraussetzungen im Detail

Die DFS beschreibt ihr Anforderungsprofil recht genau. Stand Oktober 2026 gilt:

  • Schule: allgemeine Hochschulreife mit einem Schnitt von 2,7 oder besser. Du kannst dich schon bewerben, während du noch auf das Abitur hinarbeitest; dann reichen zunächst die letzten Zeugnisse.
  • Sprache: Englisch auf Abiturniveau oder mindestens C1-Zertifikat, Deutsch fließend. Ohne deutsches Abitur brauchst du ein C1-Zertifikat in Deutsch.
  • Überprüfung: Du stimmst einer Zuverlässigkeits- und Sicherheitsüberprüfung zu.
  • Flexibilität: Schichtdienst und ein späterer Einsatzort irgendwo in Deutschland müssen für dich in Ordnung sein.
  • Ausländische Bewerbende: Bei Abschlüssen aus dem Ausland muss die Gleichwertigkeit amtlich anerkannt sein; außerhalb der EU brauchst du zudem einen unbefristeten Aufenthaltstitel mit Arbeitserlaubnis.

Eine feste Altersgrenze nennt die DFS auf ihrer Anforderungsseite nicht. Die DFS empfiehlt, dich etwa ein Jahr vor dem gewünschten Start zu bewerben; eine Bewerbungsfrist gibt es für die klassische Ausbildung nicht, die Kurse starten mehrmals im Jahr.

Medizinische Tauglichkeit

Die gesundheitlichen Anforderungen sind europaweit in der Verordnung (EU) 2015/340 geregelt, die auch Lizenzen und Ausbildung von Fluglotsen festlegt. Die DFS hebt besonders hervor: volle Sehkraft und einwandfreies Farbensehen, wobei Brille oder Kontaktlinsen bis zu einer bestimmten Dioptriengrenze erlaubt sind, uneingeschränktes Hörvermögen und keine chronischen Erkrankungen, die die Tauglichkeit ausschließen. Bei Unsicherheiten, zum Beispiel bei Diabetes, rät die DFS, vorab einen Fliegerarzt zu fragen. Das ist auch ein guter Rat, bevor du dein einziges Auswahlverfahren startest.

Erst prüfen, dann bewerben

Weil du bei der DFS nur einen Versuch für die Lotsenausbildung hast, lohnt es sich, Sehvermögen, Farbensehen und mögliche Vorerkrankungen vorher ärztlich abklären zu lassen und dein Englisch ehrlich einzuschätzen.

Das Auswahlverfahren Schritt für Schritt

Das Verfahren ist mehrstufig. Die beiden Termine vor Ort finden beim DLR in Hamburg statt, das auch die Eignungsuntersuchungen für Pilotinnen und Piloten durchführt – wie das dort abläuft, beschreibt der Artikel DLR-Test und Pilotenauswahl.

Online-Auswahlstufe

Biografischer Fragebogen zu deinem Werdegang und Online-Tests, unter anderem zu Zahlenverständnis und räumlichem Vorstellungsvermögen. Mach sie allein und in Ruhe.

Voruntersuchung beim DLR

Computer- und Gerätetests zu räumlichem Denken, Stressresistenz, Konzentration, Merkfähigkeit, Entscheidungsfreude, Zahlen und Englisch. Übungsmaterial schickt die DFS vorab.

Hauptuntersuchung beim DLR

Teamaufgaben, ein Interview auf Englisch und ein Gespräch über deine Biografie und Motivation.

Fliegerärztliche Untersuchung

Zum Schluss wird die medizinische Tauglichkeit geprüft, unter anderem Hören und Sehen.

Ausbildungsvertrag

Hast du alles bestanden, nennt dir die DFS deinen Ausbildungsbeginn – abhängig von deiner Verfügbarkeit und freien Kursplätzen.

Für die beiden Hamburg-Termine solltest du laut DFS insgesamt mehrere Tage einplanen. Begleitend gibt es Angebote wie Online-Schnuppertage und den jährlichen Recruiting Day am Campus in Langen. Schülerpraktika bietet die DFS für diesen Beruf nach eigener Aussage nicht an.

Wie du dich sinnvoll vorbereitest

Die DFS empfiehlt, sich mit den bereitgestellten Informationen und dem Übungsmaterial vorzubereiten, und rät von kommerziellen Vorbereitungskursen ab. Was du darüber hinaus tun kannst, ohne Geld auszugeben:

  • Englisch auffrischen, vor allem Hörverstehen und freies Sprechen. Der Flugfunk ist in der Verkehrsluftfahrt überwiegend englisch – warum und wo Deutsch noch erlaubt ist, steht in Englisch oder Deutsch im Flugfunk.
  • Kopfrechnen und Schätzen üben, ohne Taschenrechner und unter Zeitdruck.
  • Räumliches Denken trainieren: Kartenlesen, Kursrichtungen, sich Bewegungen mehrerer Objekte vorstellen.
  • Gut schlafen vor den Testtagen. Konzentrations- und Mehrfachaufgaben reagieren empfindlich auf Müdigkeit.

Passt der Beruf zu dir?

Hak ab, was auf dich zutrifft – ehrlich, nicht wunschgemäß.

  • Ich habe (oder bekomme) ein Abitur mit 2,7 oder besser.
  • Ich spreche Englisch sicher, auch spontan und am Telefon.
  • Ich bleibe ruhig, wenn mehrere Dinge gleichzeitig passieren.
  • Ich kann mir Bewegungen im Raum gut vorstellen.
  • Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst schrecken mich nicht ab.
  • Ich wäre bereit, für den Job in eine andere Stadt zu ziehen.
  • Ich übernehme gern Verantwortung und kann mit Fehlern offen umgehen.

Die Ausbildung: Langen, Simulator, echter Verkehr

Die DFS gliedert die klassische Ausbildung in drei Phasen. Die Angaben stammen von der DFS-Karriereseite und können je nach Kurs und Einsatzbereich variieren.

Phase Ort Dauer laut DFS Inhalte
Basic-Training DFS-Campus Langen ca. 5 Monate Navigation, Luftrecht, Flugzeugtypenkunde, Meteorologie, Luftfahrt-Englisch, Sprechfunkverfahren, erste Simulationen
Simulatorausbildung DFS-Campus Langen ca. 8–12 Monate Training an realitätsnahen Simulatoren, Schwerpunkt Tower oder Center
On-the-Job-Training Tower oder Kontrollzentrale in Deutschland ca. 12–24 Monate Arbeit im Live-Verkehr unter Anleitung, schrittweise mehr Verantwortung
Übernahme Einsatzstandort – Arbeit als vollwertige Lotsin oder vollwertiger Lotse nach Erwerb aller Lizenzen

Im Basic-Training lernst du die Grundlagen, die viele Spotter in Teilen schon kennen: Luftraumstruktur (siehe Luftraumklassen A bis G), Wetter, Flugzeugtypen und die Sprache des Funks. Die feste Phraseologie, die im Sprechfunk alles eindeutig macht, ist ein eigenes Lernfeld – einen Einstieg gibt dir Sprechfunk-Phraseologie erklärt, dazu kommt das ICAO-Buchstabieralphabet.

In der Simulatorphase wird es praktisch. Du übst Szenarien, die sich eng an echten Abläufen orientieren: Staffelung zwischen Anflügen inklusive Wirbelschleppen-Abständen, Warteschleifen bei Engpässen (mehr in Holding erklärt), Notfälle und Sondersituationen. Hier zeigt sich, ob das, was im Test gemessen wurde, auch unter realistischer Last funktioniert.

Im On-the-Job-Training wechselst du an deinen Standort und sprichst mit echten Cockpits – immer mit einem Ausbilder an deiner Seite, der eingreifen kann. Am Ende stehen die Prüfungen, die du für die Lizenz und die Berechtigung für deinen konkreten Arbeitsplatz brauchst.

Lizenzen und Berechtigungen nach EU-Recht

Die Verordnung (EU) 2015/340 unterscheidet zwischen der Lizenz für Fluglotsen in Ausbildung und der eigentlichen Fluglotsenlizenz. Dazu kommen Berechtigungen für den Tätigkeitsbereich – etwa Flugplatzkontrolle, Anflugkontrolle oder Bezirkskontrolle, teils mit eigener Variante für Arbeit mit Radardarstellung – und ein Vermerk für die konkrete Kontrollstelle, an der du arbeitest. Dieser Vermerk gilt nur befristet und muss über ein Kompetenzprogramm der Dienststelle regelmäßig bestätigt werden. Auch die Englischkenntnisse werden in festen Abständen neu bewertet; bei der Mindeststufe 4 alle drei Jahre. Lernen hört in diesem Beruf also nie ganz auf.

Flugzeugtypen sicher erkennen

Typenkunde gehört zur Lotsenausbildung. In deinem Planetrack-Hangar sammelst du jede Sichtung mit Typ und Kennzeichen und siehst, welche Muster dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Alternative: Fluglotse mit Studium

Statt der klassischen Ausbildung bietet die DFS ein duales Studium an. Du studierst zunächst drei Semester englischsprachig Air Traffic Management an der Hochschule Worms – Betriebswirtschaft, Airport Management, Aviation Analytics – mit Praxisphasen in Langen. Danach folgen die Lotsenausbildung in Langen und das On-the-Job-Training, parallel schreibst du die Bachelorarbeit. Am Ende hast du einen Bachelor of Science und die Lotsenlizenz. Die DFS beschreibt das Modell als drei Semester Studium plus rund 2,5 bis 3,5 Jahre Ausbildung und übernimmt die Semestergebühren der Hochschule. Los geht es jeweils im März oder Oktober; anders als bei der klassischen Ausbildung gelten dafür feste Bewerbungsfristen, die du auf der Karriereseite der DFS findest.

Geld und Rahmenbedingungen

Zur Vergütung nennt die DFS auf ihrer Karriereseite (Stand Oktober 2026) diese Größenordnungen: Während der Zeit an der Akademie gibt es rund 1.450 Euro im Monat plus 400 Euro Wohnzuschuss. Ab dem On-the-Job-Training steigt das Gehalt je nach Fortschritt, Einsatzbereich und Standort auf etwa 5.000 Euro brutto im Monat, Zuschläge für Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit kommen hinzu. Was ausgebildete Lotsen später verdienen, hängt von Tarifvertrag, Standort und Erfahrung ab – belastbare Zahlen bekommst du nur direkt beim Arbeitgeber.

Zu den Rahmenbedingungen zählt die DFS unter anderem 13,1 Monatsgehälter und 32 Urlaubstage. Bedenke aber: Diese Angaben gelten für das Unternehmen allgemein und können sich mit jeder Tarifrunde ändern.

Dafür spricht

  • Vergütete Ausbildung, ohne selbst Schulungskosten zu tragen
  • Hohe Verantwortung schon nach wenigen Jahren
  • Klare Struktur von der Bewerbung bis zur Übernahme
  • Arbeit im Team, nah am Flugbetrieb, jeden Tag anders

Dagegen spricht

  • Nur ein Bewerbungsversuch bei der DFS
  • Kein Einfluss auf den Einsatzort
  • Dauerhafter Schichtdienst inklusive Nächte und Feiertage
  • Lizenz, Sprachnachweis und Gesundheit müssen laufend erhalten bleiben

Der Arbeitsalltag

Gearbeitet wird in Früh-, Tag-, Spät- und Nachtschichten, auch am Wochenende und an Feiertagen. Die DFS erstellt die Dienstpläne weit im Voraus, Schichttausch unter Kollegen ist möglich. Weil die Arbeit am Funk hohe Konzentration verlangt, sind die Pausen fest eingeplant: Nach Angaben der DFS gibt es in der Regel spätestens nach zwei Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten. Zum Schichtbeginn gehört typischerweise ein Briefing zu Verfahrensänderungen, sicherheitsrelevanten Ereignissen und der Verkehrslage, bei jeder Ablösung eine kurze Übergabe am Arbeitsplatz.

Im Center ist der Alltag stark vom Verkehrsfluss geprägt: Sektoren übergeben sich Flugzeuge, Gewitterzellen zwingen zu Umleitungen, zu Spitzenzeiten wird der Zulauf zu den großen Drehkreuzen wie dem Flughafen Frankfurt oder dem Flughafen München sortiert. Im Tower dreht sich viel um Pistenbelegung, Rollwege und den Wechsel der Betriebsrichtung, wenn der Wind dreht. Wer wissen will, warum es trotz aller Planung zu Verzögerungen kommt, findet Hintergründe in Warum Flüge verspätet sind und Slots an Flughäfen.

Und wenn etwas schiefgeht? Für belastende Ereignisse gibt es bei der DFS ein Programm zur Stressbewältigung nach kritischen Vorfällen mit vertraulichen Gesprächen unter Kollegen. Notfälle wie ein Mayday-Ruf oder ein Notfall-Squawk gehören zum Training – was dabei über Funk passiert, liest du in Mayday und Pan-Pan und Squawk-Codes 7500, 7600 und 7700.

Was Spotter mitbringen – und was nicht

Als Spotter hast du einige echte Vorteile: Du erkennst Flugzeugtypen, kennst Airline-Rufzeichen, verstehst Betriebsrichtungen und hast vielleicht schon stundenlang Flugfunk gehört – etwa über Webstreams wie in Flugfunk online hören erklärt. Was dabei erlaubt ist, steht in Ist Flugfunk hören erlaubt?. Dieses Vorwissen erleichtert die Theoriephase und hilft im Gespräch, deine Motivation glaubwürdig zu machen.

Ehrlich gesagt ersetzt es aber nichts von dem, was im Auswahlverfahren zählt: räumliches Denken, Merkfähigkeit, Belastbarkeit und Englisch werden unabhängig vom Hobby gemessen. Begeisterung ist ein Startvorteil, kein Ticket. Wer tiefer in die Hintergründe des Berufs einsteigen möchte, findet in der Geschichte der Flugsicherung spannende Einordnung.

Passt die Lotsenausbildung nicht, gibt es verwandte Berufe am Puls des Flugbetriebs: die Vorfeldkontrolle, die oft vom Flughafenbetreiber organisiert wird, den Flugdienstberater (Dispatcher) oder natürlich das Cockpit – die verschiedenen Wege dorthin beschreibt Pilot werden.

Bewirb dich als Fluglotse, wenn …

  • Abitur und Englisch die Anforderungen klar erfüllen
  • du Schichtdienst und Umzug in Kauf nimmst
  • dich Verantwortung im Team reizt

Prüf das duale Studium, wenn …

  • du neben der Lizenz einen Bachelor in Air Traffic Management willst
  • dich auch Management und Planung in der Luftfahrt interessieren

Warte lieber, wenn …

  • Gesundheitsfragen wie Sehvermögen oder Vorerkrankungen ungeklärt sind
  • dein Englisch noch nicht sicher ist – denn der Versuch zählt nur einmal

Kurzfazit

Fluglotse werden ist in Deutschland ein klarer, aber selektiver Weg: Abitur mit 2,7, ein einmaliges Auswahlverfahren beim DLR und gut zwei bis dreieinhalb Jahre Ausbildung. Wer Tests, Schichtdienst und Standortfrage realistisch einschätzt, bekommt einen der verantwortungsvollsten Jobs der Luftfahrt.

Die Leidenschaft bleibt

Ob mit Lizenz oder als Hobby: Mit Planetrack postest du deine Sichtungen, findest Spots mit bestem Licht und tauschst dich in der Community mit anderen Luftfahrtfans aus. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Zusammenfassung

  • Fluglotsinnen und Fluglotsen der DFS arbeiten entweder im Tower eines internationalen Flughafens oder in einer der vier Kontrollzentralen in Bremen, Langen, Karlsruhe und München.
  • Das Auswahlverfahren besteht aus Online-Tests, zwei Terminen beim DLR in Hamburg und einer medizinischen Tauglichkeitsprüfung nach EU-Vorgaben.
  • Die Ausbildung gliedert sich in Basic-Training, Simulatorphase und On-the-Job-Training; alternativ gibt es ein duales Studium mit Bachelor in Air Traffic Management.
  • Der Alltag ist Schichtarbeit mit festen Pausen, Arbeit im Team und regelmäßigem Nachweis von Kompetenz, Sprachkenntnissen und Gesundheit.

Häufige Fragen

Welche Voraussetzungen brauche ich, um bei der DFS Fluglotse zu werden?

Laut DFS brauchst du die allgemeine Hochschulreife mit einem Notendurchschnitt von mindestens 2,7 (oder bist auf dem Weg dorthin), Englisch auf Abiturniveau oder mindestens C1, fließendes Deutsch, die Zustimmung zu einer Zuverlässigkeits- und Sicherheitsüberprüfung sowie die Bereitschaft zu Schichtdienst und einem Einsatzort irgendwo in Deutschland. Dazu kommt die medizinische Tauglichkeit nach EU-Recht.

Reicht ein Fachabitur für die Fluglotsenausbildung?

Nein. Die DFS akzeptiert für die Lotsenausbildung ausschließlich die allgemeine Hochschulreife. Auch ein abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium ersetzt sie nicht. Für andere Ausbildungsberufe der DFS kann ein Fachabitur dagegen genügen.

Wie läuft das Auswahlverfahren ab?

Zuerst kommt eine Online-Stufe mit biografischem Fragebogen und Tests, etwa zu Zahlenverständnis und räumlichem Vorstellungsvermögen. Danach folgen beim DLR in Hamburg eine Voruntersuchung mit Computer- und Gerätetests und eine Hauptuntersuchung mit Teamaufgaben, Englischinterview und Gespräch über Werdegang und Motivation. Ganz am Ende steht die fliegerärztliche Untersuchung.

Kann ich das Auswahlverfahren wiederholen?

Für die Fluglotsenausbildung bei der DFS nicht. Wer durchfällt, kann sich nur noch auf andere Ausbildungsberufe oder Studiengänge der DFS bewerben. Wer dagegen den Eignungstest einer anderen Flugsicherung bestanden hat, ist willkommen.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Fluglotsen?

Die DFS nennt rund fünf Monate Basic-Training, acht bis zwölf Monate Simulatorausbildung in Langen und anschließend etwa zwölf bis 24 Monate On-the-Job-Training an einem Standort. Zusammen sind das grob zwei bis dreieinhalb Jahre, je nach Einsatzbereich und Lernfortschritt.

Was verdient man in der Fluglotsenausbildung?

Nach Angaben der DFS (Stand Oktober 2026) gibt es während der Zeit an der Akademie rund 1.450 Euro im Monat plus 400 Euro Wohnzuschuss. Im On-the-Job-Training steigt die Vergütung je nach Fortschritt, Bereich und Standort auf etwa 5.000 Euro monatlich, Zuschläge für Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit kommen dazu. Die Beträge können sich mit Tarifrunden ändern.

Was ist der Unterschied zwischen Tower- und Centerlotsen?

Towerlotsen arbeiten am Flughafen und kümmern sich um Starts, Landungen und Rollverkehr, teilweise mit direktem Blick auf das Vorfeld. Centerlotsen sitzen in einer Kontrollzentrale und führen den Verkehr im Luftraum über Radardarstellung, meist im Zweierteam aus Radar- und Koordinationslotse.

Kann ich mir den Arbeitsort aussuchen?

Nein. Die DFS legt den Standort gegen Ende der Ausbildung nach Personalbedarf und Leistung fest. Du erfährst ihn aber schon während der Ausbildung und nicht erst am letzten Tag.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus Karriere in der Luftfahrt →

Weiterlesen in Karriere in der Luftfahrt

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

← Zurück zum Blog