HFDL empfangen: Flugzeugpositionen über Kurzwelle – auch mitten über dem Atlantik

Wenn ADS-B-Empfänger an der Küste aufhören, fängt HFDL erst an: Der Kurzwellen-Datenlink trägt ACARS-Nachrichten und Positionen tausende Kilometer weit. So funktioniert er, und so empfängst du ihn mit SDR und Drahtantenne.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Datenlink statt Transponder: HFDL (High Frequency Data Link) ist ein Kurzwellen-Datenfunk, über den Flugzeuge ACARS-Nachrichten, CPDLC- und ADS-C-Daten mit Bodenstationen austauschen – viele dieser Nachrichten enthalten eine Position.
  • Reichweite über Ozeane: Weil Kurzwelle an der Ionosphäre reflektiert wird, hörst du von Deutschland aus Flugzeuge über dem Nordatlantik, die kein ADS-B-Empfänger am Boden mehr erreicht.
  • Wenige Stationen, große Abdeckung: Rund 16 Bodenstationen von Kalifornien über Island und Irland bis Neuseeland decken fast die ganze Erde ab, auch die Polarregionen.
  • Normale ADS-B-Sticks reichen meist nicht: Klassische RTL-SDR-Sticks kommen ohne Direct Sampling oder Upconverter nicht unter 24 MHz. Gut geeignet sind HF-taugliche SDRs wie Airspy HF+ oder SDRplay; der RTL-SDR Blog V4 kann HF direkt.
  • Die Antenne ist ein Draht: Statt einer kleinen 1090-MHz-Antenne brauchst du für HFDL eine Drahtantenne mit einigen Metern Länge – Dipol oder Endgespeiste, möglichst draußen und weg von Störquellen.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.HFDL in einem Absatz
  2. 2.Wo HFDL in der Datenlink-Familie steht
  3. 3.Wie das HFDL-Netz aufgebaut ist
  4. 4.Was du realistisch empfängst
  5. 5.Die Hardware: SDR und Antenne
  6. 6.Die Software: dumphfdl einrichten
  7. 7.Tag, Nacht und Sonne: Ausbreitung verstehen
  8. 8.Was du mit den Daten anfängst
  9. 9.HFDL im Spotter-Alltag
  10. 10.Fazit

Dein ADS-B-Empfänger auf dem Dach hört irgendwo über der Nordsee oder dem Ärmelkanal auf. Spätestens ein paar hundert Kilometer hinter der Küste verschwindet jedes Flugzeug von deiner eigenen Karte. Mit HFDL über Kurzwelle hörst du dort weiter, wo 1090 MHz aufgibt: Positionsmeldungen von Langstreckenjets mitten über dem Atlantik, empfangen mit einem SDR und einem Stück Draht im Garten. Dieser Guide erklärt, was HFDL ist, was du damit realistisch siehst und wie du deine erste Station aufbaust.

Wenn der Atlantikflieger in Reichweite kommt

Planetrack benachrichtigt dich, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Flugzeugtyp oder eine Special Livery an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

HFDL in einem Absatz

HFDL (High Frequency Data Link) ist ein digitaler Datenfunk auf Kurzwelle, mit dem Verkehrsflugzeuge Nachrichten mit einem weltweiten Netz von Bodenstationen austauschen. Darüber laufen ACARS-Nachrichten der Airlines, Textfunk mit der Flugsicherung per CPDLC und automatische ADS-C-Positionsberichte. Weil Kurzwelle von der Ionosphäre zurück zur Erde reflektiert wird, überbrückt ein HFDL-Signal tausende Kilometer. Genau das macht es für Spotter spannend: Du empfängst Flugzeuge, die weit außerhalb jeder Sichtverbindung fliegen.

Wichtig für die Erwartung: HFDL ist kein Ersatz für ADS-B. Ein ADS-B-Transponder sendet seine Position mehrmals pro Sekunde, HFDL-Nachrichten mit Positionsangabe kommen dagegen nur in größeren Abständen. Auf deiner Karte siehst du deshalb keine flüssigen Spuren, sondern einzelne Punkte – dafür aus Regionen, die du sonst nie erreichst.

2,9–22 MHzFrequenzbereich der HFDL-Kanäle auf Kurzwelle
32 sAbstand der Squitter-Aussendungen jeder Bodenstation
300–1800Bit pro Sekunde, je nach Modulation und Bedingungen

Flugzeuge haben mehrere Wege, Daten zum Boden zu schicken. Für Spotter mit SDR sind vier davon relevant, und es hilft, sie auseinanderzuhalten:

Verfahren Frequenz Reichweite vom Boden aus Was du bekommst Positionsdichte
ADS-B 1090 MHz Sichtlinie, meist bis rund 300–400 km Position, Höhe, Kennung, Geschwindigkeit mehrmals pro Sekunde
ACARS (VHF) um 131 MHz Sichtlinie Airline-Nachrichten im Klartext gelegentlich
VDL Mode 2 um 136 MHz Sichtlinie ACARS-Nachrichten, CPDLC, teils Positionen gelegentlich
HFDL 2,9–22 MHz tausende Kilometer über die Ionosphäre ACARS, CPDLC, ADS-C, Positionsangaben sporadisch

Wie VDL Mode 2 dekodieren funktioniert, kennst du vielleicht schon. HFDL ist sozusagen der große Bruder für die Ozeane: Es transportiert ähnliche Inhalte, aber auf einem Frequenzband, das weit über den Horizont reicht. Die zweite Technik für Ozeanpositionen ist weltraumgestütztes ADS-B – das kannst du allerdings nicht selbst empfangen, sondern nur bei kommerziellen Anbietern nutzen. HFDL dagegen landet direkt in deinem Empfänger.

Wie das HFDL-Netz aufgebaut ist

Das Netz besteht aus rund 16 Bodenstationen, die über die Erde verteilt sind und sich in ihrer Abdeckung überlappen. Jede Station arbeitet auf mehreren Frequenzen, von denen sie je nach Tageszeit und Ausbreitungsbedingungen einige aktiv schaltet. Die Flugzeuge suchen sich automatisch die beste Station und Frequenz; die Crew muss dafür nichts einstellen.

Die Stationsliste, die der Decoder dumphfdl mitliefert, nennt unter anderem diese Standorte:

  • Europa und Atlantik: Shannon (Irland), Reykjavik (Island), Canarias (Spanien)
  • Nordamerika: San Francisco (Kalifornien), Riverhead (New York), Barrow (Alaska), Molokai (Hawaii)
  • Mittel- und Südamerika: Albrook (Panama), Santa Cruz (Bolivien)
  • Afrika und Nahost: Johannesburg (Südafrika), Al Muharraq (Bahrain)
  • Asien und Pazifik: Krasnoyarsk (Russland), Muan (Südkorea), Hat Yai (Thailand), Agana (Guam), Auckland (Neuseeland)

Für dich in Mitteleuropa sind Shannon, Reykjavik und die Kanaren die wichtigsten Stationen. Sie bedienen den Nordatlantik, über den jeden Tag die Langstreckenflüge zwischen Europa und Nordamerika laufen. Der Name Shannon ist für Transatlantikfliegerei ohnehin ein Begriff, wie unser Steckbrief zum Flughafen Shannon zeigt.

Der Squitter: dein Kontrollsignal

Jede Bodenstation sendet alle 32 Sekunden eine kurze Statusmeldung, den Squitter. Er sagt den Flugzeugen, welche Station auf welchen Frequenzen gerade aktiv ist. Für dich ist der Squitter Gold wert: Er kommt regelmäßig, ist vergleichsweise kräftig, und sobald dein Decoder Squitter einer Station zeigt, weißt du, dass Antenne, SDR und Frequenzwahl grundsätzlich funktionieren. Die Flugzeuge selbst senden deutlich schwächer und unregelmäßiger.

Aktive Frequenzen live nachsehen

Community-Projekte werten Squitter und Flugzeugmeldungen aus vielen Empfängern aus und zeigen, auf welchen Frequenzen jede Station gerade aktiv ist. Ein Blick darauf spart dir viel Suchen, bevor du Kanäle in deinem Decoder festlegst.

Was du realistisch empfängst

HFDL-Verkehr ist vielfältiger, als der Name vermuten lässt. In einem typischen Log findest du:

  • Squitter der Bodenstationen mit Stationskennung und aktiven Frequenzen.
  • Performance- und Logon-Meldungen der Flugzeuge, die sich bei einer Station an- oder abmelden.
  • ACARS-Nachrichten mit Airline-Inhalten: Wetter, Treibstoffstände, Wartungsmeldungen, Ankunftszeiten.
  • Positionsangaben, die dumphfdl aus geeigneten Nachrichten herausliest und als Basestation-Datenstrom ausgibt – zum Beispiel für Virtual Radar Server.

Die Flugzeuge, die du so hörst, sind überwiegend Langstreckenmuster: Airbus A350-900, Boeing 777-300ER und Co. auf ihrem Weg über den Atlantik. Spannend ist das gerade am frühen Morgen, wenn die Nachtflüge aus Nordamerika noch über dem Ozean sind. Wann diese Wellen in Europa ankommen, beschreibt der Artikel Langstrecken-Ankunftszeiten in Europa.

Die Hardware: SDR und Antenne

Welcher SDR taugt für HFDL?

Hier liegt die erste Hürde für ADS-B-Bastler: Dein bewährter 1090-MHz-Stick ist für HFDL oft die falsche Wahl. Klassische RTL-SDR-Sticks beginnen erst bei etwa 24 MHz – HFDL liegt komplett darunter. Die Optionen im Überblick:

Empfänger HF-Fähigkeit Eignung für HFDL Hinweis
Klassischer RTL-SDR (R820T) nein ungeeignet kommt nicht unter 24 MHz
RTL-SDR Blog V3 nur Direct Sampling eingeschränkt Signale oft zu schwach, Upconverter hilft
RTL-SDR Blog V4 ja, eingebaut brauchbar für den Einstieg günstig, aber nicht auf HF optimiert
Airspy HF+ / HF+ Discovery ja, HF-optimiert sehr gut vom dumphfdl-Autor getestet
SDRplay RSP1A / RSPdx ja sehr gut benötigt SDRplay-Treiber auf dem Host

Welche Sticks sich für ADS-B bewähren, steht im SDR-Stick-Vergleich, wie du mit demselben Stick Sprechfunk hörst, im Artikel Flugfunk mit SDR-Stick empfangen. Für HFDL gilt: Wer ernsthaft dranbleiben will, ist mit einem HF-optimierten Empfänger besser bedient. Der V4-Stick reicht aber, um herauszufinden, ob dich das Thema packt.

Die Antenne: ein Stück Draht, richtig platziert

Kurzwellenantennen sind größer, aber nicht komplizierter. Bewährt haben sich:

  • Dipol: zwei gleich lange Drahtschenkel, in der Mitte eingespeist. Einfach zu bauen und gut berechenbar.
  • Endgespeister Draht: ein langer Draht, der an einem Ende über einen Übertrager an das Koaxkabel geht. Praktisch, wenn du nur einen Befestigungspunkt hast.
  • Aktive Magnetschleife oder Mini-Whip: kompakt und für Balkon oder Dachboden interessant, wenn kein Platz für Draht ist.

Viel entscheidender als die Bauform ist der Störpegel. Auf Kurzwelle verseuchen Schaltnetzteile, LED-Lampen, Ladegeräte und Router den Empfang massiv. Eine Antenne draußen, möglichst weit weg vom Haus, schlägt eine aufwendige Antenne im Wohnzimmer fast immer. Die Grundregeln zur Montage aus dem Artikel Antennenstandort finden gelten sinngemäß – nur dass auf Kurzwelle die Störquellen im Haus noch wichtiger sind als die freie Sicht.

Vom Datenstrom zum Foto am Zaun

Du hast den Flieger über dem Atlantik entdeckt? In Planetrack postest du die Sichtung später mit Foto, Kennzeichen, Typ, Airline und Spot und sammelst sie in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Die Software: dumphfdl einrichten

Der Standard-Decoder ist dumphfdl, ein Open-Source-Programm unter GPL-3.0 für Linux und macOS. Es spricht dein SDR direkt über SoapySDR an, braucht also keine virtuellen Audiokabel, und dekodiert viele HFDL-Kanäle gleichzeitig. Die CPU-Last hängt dabei vor allem von der Abtastrate ab, nicht von der Zahl der Kanäle.

1. SoapySDR und Treiber installieren

Installiere SoapySDR und das Modul für deinen Empfänger, etwa für Airspy HF+, SDRplay oder RTL-SDR. Prüfe, ob das Gerät erkannt wird, bevor du weitermachst.

2. dumphfdl bauen oder installieren

Das Projekt liegt auf GitHub und lässt sich aus dem Quellcode bauen. Alternativ nutzt du einen fertigen Docker-Container aus der sdr-enthusiasts-Sammlung.

3. Systemtabelle einbinden

Die mitgelieferte Systemtabelle übersetzt Stations-IDs in Namen wie Shannon oder Reykjavik. Ohne sie siehst du nur Nummern.

4. Ein Frequenzband wählen

Such dir ein Band aus, in dem mehrere aktive Kanäle nah beieinander liegen, etwa um 8,9 MHz. Alle Kanäle müssen in die gewählte Abtastrate passen.

5. Auf Squitter warten

Starte den Decoder und beobachte die Ausgabe. Kommen innerhalb weniger Minuten Squitter, funktioniert die Kette. Danach erscheinen nach und nach Flugzeugmeldungen.

6. Ausgabe weiterleiten

Leite JSON an ACARS-Tools oder Positionen im Basestation-Format an eine Kartensoftware weiter.

Ein typischer Aufruf mit einem SDRplay-Empfänger bei 250.000 Samples pro Sekunde und zehn Kanälen im 8,9-MHz-Band sieht laut Projektdokumentation so aus: dumphfdl --soapysdr driver=sdrplay --sample-rate 250000 8834 8885 8894 8912 8927 8939 8942 8948 8957 8977. Die Zahlen sind Kanalfrequenzen in Kilohertz.

Zwei Stolperfallen bei der Abtastrate

  • Nur unterstützte Raten verwenden: Verlangst du eine Abtastrate, die dein SDR nicht beherrscht, akzeptiert das System sie unter Umständen stillschweigend – und die Dekodierung scheitert ohne klare Fehlermeldung.
  • Ränder freihalten: Nur rund 80 Prozent der Bandbreite sind wirklich nutzbar, weil die Filter des Empfängers die Ränder dämpfen. Leg deine Kanäle deshalb nicht an den äußersten Rand des Fensters.

Automatisch die richtigen Frequenzen finden

Weil sich die aktiven Kanäle mit der Tageszeit ändern, ist ein fest eingestelltes Band nicht immer optimal. Der Docker-Container docker-dumphfdl bringt deshalb einen Scanner mit: Er probiert reihum verschiedene Frequenzgruppen aus, bleibt bei der ergiebigsten und wechselt erneut, wenn die Zahl der Nachrichten unter einen Schwellwert fällt. Wenn du bereits mehrere Netzwerke mit Ultrafeeder betreibst, passt dieser Container gut in deine bestehende Docker-Landschaft.

Tag, Nacht und Sonne: Ausbreitung verstehen

Kurzwelle verhält sich anders als alles, was du von ADS-B kennst. Ob ein Signal ankommt, hängt nicht von der Sichtlinie ab, sondern vom Zustand der Ionosphäre, und der ändert sich ständig.

Höhere Bänder (ca. 10–22 MHz), wenn …

  • es bei dir und über dem Atlantik Tag ist
  • die Sonnenaktivität hoch ist
  • du sehr weit entfernte Stationen hören willst

Mittlere Bänder (ca. 8–9 MHz), wenn …

  • du einen Allrounder für Übergangszeiten suchst
  • du nur ein Band dauerhaft beobachten willst
  • du gerade mit dem Einstieg beginnst

Niedrige Bänder (ca. 3–6 MHz), wenn …

  • es Nacht ist
  • die höheren Bänder nichts mehr liefern
  • deine Antenne lang genug für tiefe Frequenzen ist

Diese Einteilung ist eine Faustregel. Geomagnetische Stürme können Kurzwelle zeitweise fast komplett lahmlegen; dann bleibt dein Log einfach leer, und es liegt nicht an deiner Station. Interessant ist dabei: Weil HFDL nur einen Bruchteil der Bandbreite von Sprechfunk braucht, kommen Datenmeldungen oft auch dann noch durch, wenn Kurzwellen-Sprechfunk unter schwierigen Bedingungen kaum noch verständlich ist.

Was du mit den Daten anfängst

Positionen auf die Karte bringen

dumphfdl gibt Positionen im Basestation-Format aus, das viele Kartenprogramme verstehen. So landen die Atlantikflieger in Virtual Radar Server oder vergleichbaren Anwendungen. Wie du Flugverfolgung am PC aufsetzt, zeigt der Artikel Flugverfolgung am Desktop mit tar1090 und Virtual Radar. Rechne damit, dass die Positionen springen und teils mehrere Minuten alt sind – das liegt in der Natur des Verfahrens.

ACARS-Inhalte auswerten

Wer schon ACARS-Nachrichten mit SDR empfängt und dafür acarshub nutzt, kann HFDL dort einspeisen. Dann landen VHF-ACARS, VDL2 und HFDL in einer gemeinsamen Oberfläche, und du siehst, wie ein und dasselbe Flugzeug erst über Kurzwelle und später, kurz vor der Küste, über UKW kommuniziert.

Community-Netzwerke

Ähnlich wie ADS-B Exchange für ADS-B gibt es mit Airframes.io ein Community-Projekt, das ACARS-, VDL2- und HFDL-Daten vieler Empfänger sammelt. Der Docker-Container unterstützt das Weiterleiten über eine eigene Feed-ID. Bevor du Daten teilst, lohnt sich aber ein Blick auf die rechtliche Seite.

Rechtslage beachten

Technisch kannst du HFDL problemlos empfangen. Rechtlich sind Nachrichten, die nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind, in Deutschland durch das Abhörverbot geschützt. Inhalte weiterzugeben oder zu veröffentlichen, ist besonders heikel. Lies vorab die Artikel zur Rechtslage beim Flugfunk und zum Empfang und Teilen von ADS-B-Daten.

HFDL im Spotter-Alltag

Für die Fotografie am Zaun ist HFDL kein Werkzeug für die letzten zehn Minuten vor der Landung – dafür sind ADS-B und die Flugverfolgung für Spotter da. Seine Stärke liegt im Vorlauf: Du siehst früh am Morgen, welche Maschinen sich gerade über dem Ozean Richtung Europa bewegen. Taucht eine ungewöhnliche Registrierung auf, hast du noch Stunden Zeit, Betriebsrichtung und Licht zu prüfen und zum passenden Spot zu fahren.

Dazu kommt der Reiz des Hobbys an sich. Ein Squitter aus Reykjavik oder eine Positionsmeldung von einem Jet zwischen Neufundland und Irland, empfangen mit einem Draht im eigenen Garten, ist ein ganz anderes Erlebnis als eine Position, die du einfach auf einer Webseite abliest. Wer sich bei MLAT und Feeder-Statistiken schon zu Hause fühlt, findet bei HFDL eine neue Spielwiese mit Funkcharakter.

Bist du bereit für deinen ersten HFDL-Empfang?

Hak ab, was du schon erledigt hast – am Ende siehst du, ob deine Station startklar ist.

  • Mein SDR empfängt Frequenzen unter 22 MHz (HF-fähig oder mit Upconverter).
  • Ich habe eine Drahtantenne draußen und weg von Netzteilen und LED-Lampen.
  • SoapySDR erkennt meinen Empfänger.
  • dumphfdl ist installiert, inklusive Systemtabelle.
  • Ich habe ein Band gewählt, das zur aktuellen Tageszeit passt.
  • Ich kenne die Rechtslage, bevor ich Daten teile.

Vom Kurzwellen-Log zum Flughafen

Mit Planetrack siehst du Wetter, Wind und aktive Pisten am Flughafen, findest auf der Spot-Karte den passenden Standort mit bestem Licht und wirst per Sichtungs-Alarm bei der Landung deines Wunschfliegers informiert. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Planetrack im App Store laden Planetrack bei Google Play laden

Fazit

HFDL öffnet dir ein Fenster auf den Luftverkehr dort, wo ADS-B vom Boden aus blind ist: über Ozeanen, Wüsten und Polarrouten. Das Netz aus rund 16 Bodenstationen, die Squitter alle 32 Sekunden und die robuste Kurzwellenübertragung machen es möglich, mit einem HF-tauglichen SDR, einer Drahtantenne und dumphfdl Langstreckenjets mitten über dem Atlantik zu hören. Erwarte keine flüssigen Spuren, sondern einzelne Meldungen – und nimm dir Zeit, die Eigenheiten der Kurzwelle kennenzulernen.

Kurzfazit

HFDL ergänzt deinen ADS-B-Empfänger um die Ozeane: HF-tauglicher Empfänger statt Standard-Stick, Drahtantenne weit weg von Störquellen, dumphfdl mit Systemtabelle und ein Band passend zur Tageszeit. Die ersten Squitter zeigen dir, dass alles läuft – die Atlantikflieger folgen.

Zusammenfassung

  • HFDL arbeitet im Kurzwellenbereich zwischen etwa 2,9 und 22 MHz in oberem Seitenband und überträgt mit 300 bis 1800 Bit pro Sekunde – langsam, aber robust und über tausende Kilometer.
  • Bodenstationen senden alle 32 Sekunden einen sogenannten Squitter, der die aktiven Frequenzen ankündigt. Für dich ist das das zuverlässigste Signal, um zu prüfen, ob dein Empfang grundsätzlich funktioniert.
  • Der Open-Source-Decoder dumphfdl dekodiert viele Kanäle gleichzeitig, gibt JSON und Positionsdaten aus und lässt sich per Docker in bestehende ACARS-Setups einbinden.
  • HFDL ersetzt kein ADS-B, sondern ergänzt es: Positionen kommen nur sporadisch und mit Verzögerung, zeigen dir aber, wer gerade über dem Ozean unterwegs ist und in den nächsten Stunden Europa erreicht.

Häufige Fragen

Was ist HFDL?

HFDL steht für High Frequency Data Link. Es ist ein digitaler Datenfunk auf Kurzwelle, über den Verkehrsflugzeuge mit einem weltweiten Netz von Bodenstationen kommunizieren. Darüber laufen vor allem ACARS-Nachrichten der Airlines, aber auch CPDLC (Textfunk mit der Flugsicherung) und ADS-C-Positionsmeldungen. Eingesetzt wird HFDL vor allem dort, wo UKW-Funk und VDL Mode 2 nicht mehr hinreichen – über Ozeanen, Wüsten und Polarregionen.

Kann ich mit HFDL Flugzeuge über dem Atlantik sehen?

Ja, das ist der große Reiz. Kurzwellensignale werden an der Ionosphäre reflektiert und legen so tausende Kilometer zurück. Von Mitteleuropa aus empfängst du typischerweise Verkehr auf dem Nordatlantik und die Bodenstationen in Irland, Island oder auf den Kanaren. Allerdings kommen Positionen nur dann, wenn ein Flugzeug gerade eine Nachricht mit Positionsangabe sendet – eine flüssige Spur wie bei ADS-B bekommst du so nicht.

Reicht mein ADS-B-Stick für HFDL?

Meist nicht ohne Weiteres. Klassische RTL-SDR-Sticks mit R820T-Tuner beginnen erst bei etwa 24 MHz, HFDL liegt darunter. Der RTL-SDR Blog V3 erreicht Kurzwelle nur über Direct Sampling, was laut Erfahrungsberichten oft zu schwach für HFDL ist. Der RTL-SDR Blog V4 unterstützt HF direkt. Deutlich bessere Ergebnisse liefern HF-optimierte Empfänger wie Airspy HF+ oder SDRplay RSP1A.

Welche Antenne brauche ich für HFDL?

Eine Drahtantenne für Kurzwelle. Bewährt haben sich einfache Dipole oder endgespeiste Drähte von einigen bis gut 20 Metern Länge. Wichtiger als die perfekte Bauform ist der Standort: draußen, möglichst hoch und weit weg von Netzteilen, LED-Lampen und anderer Elektronik, die auf Kurzwelle stark stört.

Welche Software dekodiert HFDL?

Unter Linux und macOS ist dumphfdl der Standard. Es dekodiert viele HFDL-Kanäle gleichzeitig direkt vom SDR, setzt mehrteilige ACARS-Nachrichten zusammen und gibt Text, JSON oder Positionsdaten im Basestation-Format aus. Für Windows gibt es ältere Lösungen wie PC-HFDL. Wer ohnehin mit Docker arbeitet, kann einen fertigen dumphfdl-Container nutzen, der passende Frequenzen automatisch sucht.

Warum empfange ich tagsüber andere Frequenzen als nachts?

Weil sich die Ionosphäre mit dem Sonnenstand ändert. Tagsüber tragen meist die höheren Frequenzbereiche um 10 bis 22 MHz am besten, nachts eher die niedrigeren zwischen etwa 3 und 9 MHz. Die Bodenstationen wechseln ihre aktiven Frequenzen entsprechend, und dein Decoder muss mitziehen.

Darf ich HFDL-Nachrichten empfangen?

Der Empfang ist technisch problemlos möglich, rechtlich aber nicht völlig frei: In Deutschland unterliegen Nachrichten, die nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind, dem Abhörverbot. Inhalte von ACARS-Nachrichten weiterzugeben oder zu veröffentlichen, ist besonders heikel. Den Rahmen für Flugfunk und Datenempfang erklären unsere Artikel zur Rechtslage.

PT

Planetrack Redaktion

Wir bauen die Planetrack App und spotten selbst – auf Besucherterrassen, an Anflugschneisen und am Zaun. Alle Guides entstehen aus eigener Praxis und werden regelmäßig aktualisiert.

Mehr Artikel aus ADS-B, MLAT & Empfänger →

Weiterlesen in ADS-B, MLAT & Empfänger

Flughäfen & Hersteller dazu

Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.

Alle Flughäfen & Hersteller →

← Zurück zum Blog