Leonardo AW169

Fünf Rotorblätter, offener Heckrotor, Räder statt Kufen: Der AW169 ist Leonardos leichter Zweimot zwischen AW109 und AW139. So erkennst du ihn bei Luftrettung, Polizei und Militär in Europa.

Auch bekannt als: AW169 · AgustaWestland AW169 · AW169M · AW169MA · AW169B · UH-169 · Lion

ItalienLeonardoHubschrauberICAO-Typcode: A16911 Min. Lesezeit

A169

ICAO-Typcode

2

Turbinen (PW210A)

4,8 t

Max. Abfluggewicht

5

Hauptrotorblätter

Das Wichtigste in Kürze

  • Der AW169 ist ein leichter Zweimot der 4,5-bis-4,8-Tonnen-Klasse, den Leonardo zwischen AW109 und AW139 positioniert hat.
  • Schnellster Erkennungsweg: fünf Rotorblätter plus offener Heckrotor – das trennt ihn sofort vom Airbus H145 mit Fenestron.
  • Vom großen Bruder AW139 unterscheidest du ihn vor allem über Größe und Proportionen, sicher wird es über Code und Kennzeichen.
  • In Europa siehst du ihn bei britischen Air Ambulances, in Italien bei Guardia di Finanza, Carabinieri und Heer, beim österreichischen Bundesheer sowie bei Polizeien in Norwegen und Slowenien.
  • In Tracking-Diensten taucht der Typ unter dem ICAO-Code A169 auf.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist der Leonardo AW169?
  2. 2.Technik: was den AW169 ausmacht
  3. 3.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
  4. 4.AW169, AW139 oder H145?
  5. 5.Wo du den AW169 in Europa antriffst
  6. 6.Ein Abstecher nach Malpensa
  7. 7.Spotting mit Rücksicht
  8. 8.Fototipps speziell für den AW169
  9. 9.AW169M und die Militärversionen
  10. 10.Der Unfall von Leicester
  11. 11.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
  12. 12.Fazit

Steckbrief

HerstellerLeonardo Helicopters (früher AgustaWestland), Endmontage in Vergiate (Italien)
ICAO-TypcodeA169
VorstellungJuli 2010, Farnborough International Airshow
Erstflug10. Mai 2012 in Cascina Costa (Samarate)
ZulassungEASA 15. Juli 2015 (CS-29), FAA 2016
Triebwerke2 × Pratt & Whitney Canada PW210A mit FADEC
Hauptrotor5 Blätter, 12,12 m Durchmesser
Länge bei drehendem Rotorrund 14,65 m
Höhe4,50 m
Max. Abfluggewicht4.600 kg, mit Ausbaustufe 4.800 kg
Leergewichtrund 2.800 bis 2.850 kg
Passagierebis 10 (Utility-Bestuhlung), dazu 1–2 Piloten
Höchstgeschwindigkeitrund 306 km/h
Reichweiteüber 800 km
Max. Flugdauerrund 4 h 20 min

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Fünf Hauptrotorblätter an einem kräftigen, offenen Rotorkopf
  • Offener Heckrotor am Seitenleitwerk – kein Fenestron wie bei Airbus-Hubschraubern
  • Radfahrwerk statt Kufen bei den meisten zivilen Maschinen, einige Militär- und Rettungsversionen fliegen mit Kufen
  • Lange, gestreckte Nase und große, schräg gestellte Cockpitscheiben in der typischen AW-Familienoptik
  • Große Schiebetüren auf beiden Seiten, Triebwerksverkleidung mit zwei Abgasauslässen oben auf dem Rumpf
  • Sichtbar kleiner und schlanker als der AW139, aber größer als ein AW109

Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein Rettungshubschrauber landet auf einer englischen Wiese, ein Hubschrauber der Guardia di Finanza patrouilliert über der italienischen Küste, ein olivgrüner zieht über österreichische Täler: Hinter allen dreien kann ein Leonardo AW169 stecken. Der leichte Zweimot aus Italien hat sich in wenigen Jahren in Luftrettung, Polizei und Militär festgesetzt und ist der direkte Konkurrent des Airbus H145. Hier erfährst du, wie du ihn sicher erkennst, wie du ihn von AW139 und H145 unterscheidest und wo in Europa du ihn am ehesten vor die Linse bekommst.

Rotoren gehören in deinen Hangar

Mit Planetrack hältst du jede Hubschrauber-Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen, Betreiber und Spot fest – vom britischen Air-Ambulance-AW169 bis zum UH-169 aus Italien. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Was ist der Leonardo AW169?

Der AW169 ist ein leichter bis mittlerer Zweimot mit einem maximalen Abfluggewicht von 4,6 Tonnen, das sich mit einer Ausbaustufe auf 4,8 Tonnen erhöhen lässt. In der Modellpalette von Leonardo sitzt er zwischen dem kleineren AW109 und dem deutlich größeren AW139. Angetrieben wird er von zwei Turbinen PW210A von Pratt & Whitney Canada, einer Tochter von Pratt & Whitney, mit digitaler Triebwerksregelung (FADEC). Je nach Kabinenauslegung nimmt er bis zu zehn Passagiere auf, in der Rettungsversion zwei Tragen.

Die Idee entstand Ende der 2000er-Jahre, als AgustaWestland eine Lücke in der eigenen Palette schließen wollte – in der Klasse, in der Eurocopter mit dem EC145 stark vertreten war. Öffentlich vorgestellt wurde der neue Typ am 19. Juli 2010 auf der Farnborough International Airshow. Am 10. Mai 2012 hob der erste Prototyp in Cascina Costa bei Samarate zum Erstflug ab, dem Stammsitz der Hubschraubersparte nahe dem Flughafen Mailand-Malpensa. Vier Prototypen absolvierten das Testprogramm.

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA erteilte die Musterzulassung nach den Bauvorschriften CS-29 am 15. Juli 2015, die US-Zulassung folgte 2016. Die Endmontage läuft seit Januar 2015 im italienischen Vergiate, wichtige Komponenten wie Rotorblätter und Getriebe kamen aus dem britischen Werk in Yeovil. Eine zweite Endmontagelinie in Philadelphia war vorgesehen, wurde aber 2016 gestrichen.

A169ICAO-Typcode
170+gebaute Maschinen bis Oktober 2023
12,12 mDurchmesser des Fünfblatt-Hauptrotors

Technik: was den AW169 ausmacht

Der AW169 teilt Formensprache und Cockpitphilosophie mit AW139 und AW189, ist aber in seiner Gewichtsklasse eine komplette Neuentwicklung. Ein paar Details sind auch für Spotter interessant, weil sie das Erscheinungsbild prägen.

  • Elektrisches Fahrwerk: Der AW169 war der erste Serienhubschrauber seiner Kategorie mit elektrisch betätigtem Fahrwerk. Die zivilen Maschinen stehen deshalb meist auf Rädern, die im Flug eingefahren sind.
  • Variable Rotordrehzahl: Die Drehzahl des Hauptrotors passt sich der Flugphase an, um Lärm und Verbrauch zu senken.
  • Kein Hilfstriebwerk: Statt einer APU kann eine Kupplung im Getriebe den Rotor stillsetzen, während ein Triebwerk weiterläuft und Bordstrom liefert. Am Boden siehst du also mitunter einen AW169 mit laufender Turbine, aber stehendem Rotor.
  • Glascockpit: Drei Touchscreen-Displays und ein vierachsiger digitaler Autopilot erlauben Instrumentenflug mit nur einem Piloten.

Laut gängigen Datenblättern erreicht der AW169 eine Höchstgeschwindigkeit von rund 306 km/h, eine Reichweite von über 800 Kilometern und eine maximale Flugdauer von gut vier Stunden.

Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen

Moderne Zweimots ähneln sich auf den ersten Blick. Beim AW169 helfen dir drei Beobachtungen, die auch aus einiger Entfernung funktionieren.

Aufs Heck schauen

Der AW169 hat einen offenen Heckrotor am Seitenleitwerk. Siehst du einen runden, ummantelten Heckrotor, hast du einen Airbus-Hubschrauber wie H135, H145 oder H160 vor dir.

Rotorblätter zählen

Fünf Blätter am Hauptrotor sind typisch für die AW-Familie ab dem AW139. Der kleinere AW109 hat vier Blätter – damit ist er schnell aussortiert.

Unter den Rumpf schauen

Die meisten AW169 stehen auf einem Radfahrwerk. Kufen findest du nur bei einzelnen Militär- und Rettungsversionen, sie sind beim AW169 die Ausnahme.

Wenn alle drei Punkte passen, bleibt meistens nur noch die Frage: AW169 oder AW139? Hier hilft die Größe. Der AW169 wirkt kompakter, die Kabine niedriger und der Heckausleger kürzer. Die finale Gewissheit liefert wie immer das Kennzeichen oder der Typcode im Tracking-Dienst. Britische Maschinen tragen Kennzeichen mit dem Präfix G-, wie die Systematik funktioniert, erklärt der Beitrag zu britischen G-Kennzeichen.

Praxis-Tipp: Profil schlägt Frontansicht

Frontal sehen AW169, AW139 und AW189 fast identisch aus – alle haben die gleiche lange Nase und ähnlich geformte Scheiben. Im Profil siehst du dagegen Kabinenlänge, Fahrwerk und Heckrotor. Wenn du die Wahl hast, wartest du auf den Vorbeiflug.

AW169, AW139 oder H145?

Die beiden häufigsten Verwechslungen passieren mit dem großen Bruder AW139 und mit dem Airbus H145, dem wichtigsten Konkurrenten. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.

Merkmal AW169 AW139 Airbus H145
Heckrotor offen offen Fenestron (ummantelt)
Hauptrotorblätter 5 5 4 oder 5
Fahrwerk meist Räder Räder Kufen
Größe leicht bis mittel mittel, deutlich größer leicht, ähnlich wie AW169
Typcode A169 A139 EC45

Der Finder hilft dir beim Eingrenzen, wenn du nur ein Foto oder eine kurze Beobachtung hast.

Schnellbestimmung: AW169 und seine Nachbarn

Drei Fragen, eine Einschätzung. Das Kennzeichen bleibt die letzte Instanz.

Wahrscheinlich

Leonardo AW169

Offener Heckrotor, fünf Blätter, Räder und eine kompakte Kabine – das ist das typische AW169-Bild. Ein Blick aufs Kennzeichen macht die Sichtung komplett.

Wahrscheinlich

Leonardo AW139

Gleiche Formensprache, aber spürbar größer: Der AW139 ist in Rettung, Küstenwache und Offshore-Verkehr weltweit verbreitet.

Wahrscheinlich

Airbus H145

Fenestron, Kufen und Heckklapptüren sprechen für den Konkurrenten aus Donauwörth – in Mitteleuropa deutlich häufiger als der AW169.

Eine Übersicht über alle gängigen Hubschraubermuster gibt dir der Guide Hubschraubertypen erkennen. Zum Vergleich in der gleichen Klasse lohnt auch ein Blick auf den Airbus H160 und den kleineren H135.

Wo du den AW169 in Europa antriffst

Anders als der H145 ist der AW169 in Deutschland, Österreich und der Schweiz im zivilen Alltag eher selten. Seine Hochburgen liegen in Großbritannien und Italien, dazu kommen Behörden in Skandinavien und das österreichische Militär. Stand Oktober 2026 sieht das Bild so aus:

Großbritannien: Hier ist der AW169 einer der prägenden Typen der Luftrettung. Air Ambulance Kent Surrey Sussex wurde 2014 als erster britischer Rettungsbetreiber für den Typ angekündigt. Nach den verfügbaren Betreiberlisten fliegt Specialist Aviation Services AW169 für mehrere gemeinnützige Air Ambulances, darunter Kent Surrey Sussex, Dorset and Somerset, Essex & Herts sowie Magpas. Auch Cornwall und Lincolnshire & Nottinghamshire setzen den Typ ein, Letztere über den Betreiber Heli Service International. Dazu kommen Maschinen für die Versorgung von Offshore-Windparks.

Italien: Im Heimatland ist der AW169 vor allem bei staatlichen Stellen unterwegs. Die Finanzpolizei Guardia di Finanza fliegt ihn als UH-169A, die Carabinieri als UH-169C, das Heer (Aviazione dell’Esercito) als Schulhubschrauber UH-169B und als Mehrzweckversion UH-169D. Im zivilen Rettungsdienst setzen mehrere Betreiber den Typ ein, etwa in Apulien, in den Marken und auf Sizilien.

Österreich: Das Bundesheer hat insgesamt 36 AW169 bestellt, in einer Schulversion (AW169B) und einer bewaffnungsfähigen Mehrzweckversion (AW169MA), intern „Lion“ genannt. Der erste Hubschrauber kam Ende 2022, die Auslieferungen laufen in Etappen weiter. Der AW169 löst die 2024 ausgemusterte Alouette III ab und soll später auch die OH-58 Kiowa ersetzen. Wie du militärische Flüge online verfolgst, erklärt der Beitrag Militärflugzeuge verfolgen.

Skandinavien und Slowenien: Die norwegische Polizei entschied sich 2017 für den AW169 und bestellte zunächst drei Maschinen als Ersatz für ihre bisherigen EC135. Auch die norwegische Küstenverwaltung, die slowenische Polizei und Babcock Scandinavian AirAmbulance in Schweden nutzen den Typ.

Schweiz: Hier gibt es eine Geschichte, die oft falsch erzählt wird. Die Rega hatte drei vollständig enteiste AW169-FIPS gekauft, um auch bei Vereisungsbedingungen fliegen zu können. 2022 wurde der Vertrag aufgelöst, weil die Maschinen die geforderten Leistungswerte nicht erreichten. Im Rega-Dienst fliegt der AW169 also nicht.

Ort Trefferchance Warum
Britische Air-Ambulance-Basen und Kliniken hoch Mehrere Charities fliegen den AW169 im Alltag
Italienische Küsten, Grenzregionen und Militärflugplätze mittel bis hoch Guardia di Finanza, Carabinieri und Heer
Österreichische Fliegerhorste und Übungsräume mittel Bundesheer-Flotte im Zulauf
Rund um Malpensa und Vergiate mittel Werk, Werkstattflüge und Überführungen
Große Verkehrsflughäfen in Mitteleuropa niedrig Überführungen, VIP- und Firmenflüge

Flotten ändern sich laufend

Welche Basis welchen Typ fliegt, wechselt mit neuen Verträgen, Ersatzmaschinen und Ausmusterungen. Prüf vor einer gezielten Tour die aktuellen Angaben der Betreiber und verlass dich nicht auf ältere Listen.

Viele Rettungs- und Behördenhubschrauber senden ADS-B-Daten, manche Flüge werden aber gefiltert. Wie du sie trotzdem findest, steht im Guide Hubschrauber auf dem Flugradar verfolgen.

Typ A169 auf die Wunschliste

Setz in Planetrack den AW169 oder einzelne Kennzeichen auf deine Wunschliste und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn sie an deinem Flughafen anfliegen oder landen. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.

Ein Abstecher nach Malpensa

Wer den AW169 an seiner Wiege erleben will, fährt nach Norditalien. Der Stammsitz von Leonardo Helicopters liegt in Cascina Costa wenige Kilometer vom Flughafen Malpensa entfernt, die Endmontage im nahen Vergiate. Direkt am Flughafen zeigt das Luftfahrtmuseum Volandia die Geschichte von Agusta und Caproni, inklusive vieler Hubschrauber aus der Firmengeschichte. Der Spot Volandia am Flughafen Mailand-Malpensa verbindet Museumsbesuch und Spotting – mit etwas Glück drehen dort auch neue Leonardo-Hubschrauber ihre Runden.

Spotting mit Rücksicht

Ein großer Teil der AW169-Flotte ist im Einsatz für Rettung, Polizei oder Militär. Das bringt ein paar Pflichten mit sich.

Bereit für deine Hubschrauber-Session?

Hak ab, was für dich selbstverständlich ist.

  • Ich stehe auf öffentlichem Grund und halte Rettungs- und Zufahrtswege frei.
  • Ich halte Abstand zum Landeplatz – Rotorabwind wirbelt Steine und Äste auf.
  • Ich fotografiere keine Patienten, Verletzten oder Unfallstellen.
  • An Militärgelände halte ich mich an Absperrungen und Fotoverbote.
  • Kamera eingestellt: Verschlusszeit passt zur gewünschten Rotorunschärfe.

Ob dein Standpunkt grundsätzlich in Ordnung ist, klärt der Artikel Ist Planespotting erlaubt?. Allgemeine Tipps rund um Drehflügler findest du im Guide Hubschrauber spotten.

Fototipps speziell für den AW169

Bei Hubschraubern entscheidet die Verschlusszeit. Eine sehr kurze Belichtung friert den Rotor ein, und der Hubschrauber sieht aus, als würde er gleich abstürzen. Beim AW169 kommt noch etwas dazu: Wegen der variablen Rotordrehzahl lohnt es sich, ein paar Werte auszuprobieren.

Rotor in Bewegung zeigen

Belichte deutlich länger als bei Jets, damit die fünf Blätter zur Scheibe verwischen. Starte bei etwa 1/125 s und taste dich nach unten, sauberes Mitziehen hält den Rumpf scharf.

Serien schießen

Bei langen Zeiten sitzt nicht jedes Bild. Mach Serien und wähle später das schärfste aus – gerade im Vorbeiflug.

Profil oder Dreiviertel von vorn

Die lange Nase, die Kabinenproportionen und der offene Heckrotor sind die Charakterzüge des AW169. Im Profil siehst du sie alle auf einmal und kannst ihn später sicher vom AW139 trennen.

Fahrwerk dokumentieren

Bei Start und Landung ist das Fahrwerk ausgefahren. Ein Bild in dieser Phase zeigt, ob du eine Rad- oder Kufenversion vor dir hast.

Die gleiche Technik wie bei Propellermaschinen funktioniert beim Rotor; Details stehen im Guide Propeller fotografieren: die richtige Verschlusszeit. Wann das Licht an deinem Standort passt, berechnest du mit dem Sonnenstand-Planer-Guide.

AW169M und die Militärversionen

Für Streitkräfte und Sicherheitsbehörden bietet Leonardo den AW169M an. Je nach Kunde gibt es unterschiedliche Ausprägungen: Manche Maschinen haben ein festes Fahrwerk oder Kufen, andere tragen Waffenstationen für Maschinengewehre und Raketenbehälter. In Italien laufen die Militär- und Polizeivarianten unter der Bezeichnung UH-169 mit einem Kennbuchstaben für den Nutzer: A für die Guardia di Finanza, B und D für das Heer, C für die Carabinieri.

Österreich ist der wichtigste Militärkunde nördlich der Alpen. Die AW169B dienen dort der Ausbildung, die AW169MA als Mehrzweckhubschrauber für Transport, Unterstützung und bewaffnete Aufgaben. Weitere Militärkunden sind unter anderem Katar, die Dominikanische Republik und Nordmazedonien. Militärhubschrauber zeigen sich am entspanntesten auf Tagen der offenen Tür und Flugtagen – Termine findest du im Überblick zu Airshows in Europa.

Der Unfall von Leicester

Zur Geschichte des Typs gehört auch ein tragisches Kapitel. Am 27. Oktober 2018 stürzte ein privat genutzter AW169 kurz nach dem Start vom Fußballstadion in Leicester ab, alle fünf Menschen an Bord kamen ums Leben. Die britische Unfalluntersuchungsbehörde AAIB fand als Ursache ein festgefressenes Lager an der Steuerwelle des Heckrotors. Aus der Untersuchung gingen mehrere Sicherheitsempfehlungen hervor.

Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt

Es spricht für den AW169, wenn …

  • du fünf Hauptrotorblätter und einen offenen Heckrotor siehst
  • der Hubschrauber auf Rädern steht und kompakter wirkt als ein AW139
  • im Tracking-Dienst A169 als Typ steht
  • der Betreiber eine britische Air Ambulance, die Guardia di Finanza oder das Bundesheer ist

Sieh genauer hin, wenn …

  • du den Hubschrauber nur frontal siehst – dann kann es auch ein AW139 oder AW189 sein
  • der Hubschrauber Kufen hat – das gibt es beim AW169, ist aber selten
  • du keine Vergleichsgröße hast, denn die AW-Familie wirkt auf Fotos sehr ähnlich

Es ist kein AW169, wenn …

  • ein Fenestron im Seitenleitwerk sitzt
  • du nur vier Hauptrotorblätter zählst
  • Tracking-Dienst oder Kennzeichen einen anderen Typ zeigen

Fazit

Der AW169 ist Leonardos Antwort auf den H145: ein moderner leichter Zweimot mit fünf Rotorblättern, offenem Heckrotor und meist Radfahrwerk. In Mitteleuropa ist er seltener als sein Konkurrent aus Donauwörth, umso schöner ist jede Sichtung – ob bei einer britischen Air Ambulance, über der italienischen Küste oder bei einer Vorführung des Bundesheers. Heckrotor und Blattzahl liefern den ersten Verdacht, Größe und Fahrwerk grenzen ein, Typcode A169 und Kennzeichen bestätigen.

Kurzfazit

Fünf Blätter, offener Heckrotor, Räder und eine kompaktere Kabine als beim AW139: Das ist der AW169. Halte bei Einsätzen Abstand, belichte etwas länger für einen bewegten Rotor und notier das Kennzeichen – dann wird jede Sichtung zum sauberen Eintrag in deinem Hangar.

Zusammenfassung

  • Leonardo stellte den AW169 im Juli 2010 in Farnborough vor, der Erstflug folgte am 10. Mai 2012 in Cascina Costa bei Mailand-Malpensa.
  • Die EASA ließ den Typ am 15. Juli 2015 zu, die Endmontage läuft in Vergiate; bis Oktober 2023 entstanden mehr als 170 Maschinen.
  • Zwei PW210A-Turbinen, Glascockpit mit Touchscreens und ein elektrisch betätigtes Fahrwerk machen ihn zu einem der modernsten Muster seiner Klasse.
  • Zum Bestimmen reichen Blattzahl, Heckrotor, Fahrwerk und Größe; das Kennzeichen liefert die Bestätigung.

Häufige Fragen

Ist AW169 dasselbe wie AgustaWestland AW169?

Ja. Der Hubschrauber wurde von AgustaWestland entwickelt. Seit 2016 firmiert die Hubschraubersparte als Leonardo Helicopters, die Typbezeichnung AW169 ist geblieben. In vielen Datenbanken und Fotoarchiven stehen beide Herstellernamen nebeneinander.

Welchen ICAO-Typcode hat der AW169?

In Flugplänen und Tracking-Diensten läuft der AW169 unter A169. Der Code unterscheidet nicht zwischen zivilen Versionen und Militärvarianten wie AW169M oder UH-169 – dafür brauchst du Kennzeichen oder Betreiber.

Wie unterscheide ich AW169 und AW139?

Beide haben fünf Rotorblätter, offenen Heckrotor, Radfahrwerk und eine sehr ähnliche Nase. Der AW139 ist aber deutlich größer und schwerer, wirkt länger und massiger und hat eine höhere Kabine. Ohne Vergleichsobjekt ist das schwer zu schätzen – sicher wird es über A169 oder A139 im Tracking-Dienst oder über das Kennzeichen.

Was unterscheidet AW169 und Airbus H145?

Beide spielen in derselben Liga und konkurrieren in der Luftrettung direkt. Der H145 hat einen ummantelten Heckrotor (Fenestron), Kufen und Heckklapptüren. Der AW169 hat einen offenen Heckrotor, meist Räder und eine schlankere, längere Nase. Der Heckrotor reicht fast immer zur Unterscheidung.

Fliegt die Rega den AW169?

Nein. Die Rega hatte drei vollständig enteiste AW169-FIPS gekauft, der Vertrag wurde 2022 aber aufgelöst, weil die Maschinen die geforderten Leistungswerte nicht erreichten. Im Rega-Dienst steht der Typ nicht.

Was ist der AW169M?

Die militärische Linie des AW169. Sie fliegt in Italien als UH-169 bei Heer, Guardia di Finanza und Carabinieri und in Österreich beim Bundesheer, dort in einer Schul- und einer Mehrzweckversion unter dem Namen „Lion“. Militärversionen können je nach Auftrag mit Waffenstationen, festem Fahrwerk oder Kufen ausgerüstet sein.

Darf ich Rettungs- und Polizeihubschrauber im Einsatz fotografieren?

Von öffentlichem Grund aus grundsätzlich ja. Bei Einsätzen gehen aber Rettungswege, Abstand zum Landeplatz und die Persönlichkeitsrechte von Patienten und Einsatzkräften vor. Fotografiere keine Verletzten oder Unfallstellen und folge den Anweisungen vor Ort.

Leonardo AW169 sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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