Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Maschinen, eine Aufgabe: Die NASA ließ zwei gebrauchte Boeing 747 umbauen, um die Space-Shuttle-Orbiter huckepack zwischen Landeplatz, Werft und Startplatz zu transportieren.
- NASA 905 stammt von American Airlines und kam 1974 zur NASA; mit ihr flog die Enterprise 1977 die Anflug- und Landetests.
- NASA 911 war eine 747SR von Japan Airlines und wurde 1988 nach dem Challenger-Unglück als zweite Maschine beschafft.
- 1983 kam der Shuttle-Jumbo nach Europa: NASA 905 brachte die Enterprise unter anderem zur Paris Air Show und an den Flughafen Köln/Bonn.
- Beide Maschinen sind erhalten: NASA 905 trägt in Houston eine Shuttle-Replik, NASA 911 steht in einem Museumspark in Palmdale, Kalifornien.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist das Shuttle Carrier Aircraft?
- 2.Die zwei Exemplare: NASA 905 und NASA 911
- 3.Was am Jumbo verändert wurde
- 4.1977: Enterprise und die Anflug- und Landetests
- 5.1983: Das Space Shuttle in Europa
- 6.Die letzten Flüge: Orbiter auf dem Weg ins Museum
- 7.Woran du ein Shuttle Carrier Aircraft erkennst
- 8.Wo du die Shuttle-Jumbos heute siehst
- 9.Einordnung: Riesen mit Sonderaufgaben
- 10.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Boeing (Umbau nach NASA-Vorgaben) |
|---|---|
| Basismuster | NASA 905: Boeing 747-123 (747-100); NASA 911: Boeing 747SR-46 (747-100SR) |
| Kennzeichen | N905NA und N911NA |
| Vorbesitzer | American Airlines (N905NA), Japan Airlines (N911NA) |
| Bei der NASA | N905NA ab 1974, N911NA ab 1988 (im Dienst ab 1990) |
| ICAO-Typcode | B741 (747-100), B74R (747SR) |
| Triebwerke | 4 × Pratt & Whitney JT9D (bei N905NA JT9D-7J) |
| Länge | rund 70,5 m |
| Spannweite | rund 59,6 m |
| Höhe | rund 19,3 m |
| Besatzung mit Orbiter | Vier Personen: zwei Piloten, zwei Flugingenieure |
| Reisegeschwindigkeit mit Orbiter | etwa Mach 0,6 |
| Dienstgipfelhöhe mit Orbiter | rund 15.000 ft (etwa 4.600 m) |
| Reichweite mit Orbiter | rund 1.000 bis 1.150 nautische Meilen (etwa 1.850 bis 2.100 km) |
| Außer Dienst | N911NA im Februar 2012, N905NA nach dem letzten Überführungsflug im September 2012 |
| Verbleib | N905NA: Space Center Houston; N911NA: Joe Davies Heritage Airpark, Palmdale |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Klassische 747-100-Silhouette mit vier Triebwerken, kurzem Buckel und Flügelenden ohne Winglets
- Drei Haltestreben auf dem Rumpfrücken – eine vorn, zwei weiter hinten –, an denen der Orbiter befestigt wurde
- Zusätzliche senkrechte Endscheiben an den Enden des Höhenleitwerks, die dem Jumbo mit Orbiter mehr Stabilität gaben
- NASA-Lackierung: weißer Rumpf mit blauer Zierlinie und NASA-Schriftzug; in den 1970er-Jahren trug N905NA noch die Zierstreifen von American Airlines
- Oberdeckfenster zählen: N905NA hat zwei Fenster pro Seite im Oberdeck, N911NA fünf
- Kennzeichen am Leitwerk und die Ziffern 905 oder 911 bringen die letzte Gewissheit
Ein Jumbo, auf dessen Rücken ein Raumschiff sitzt – kaum ein Bild aus der Luftfahrt hat sich so eingeprägt. Das Boeing 747 Shuttle Carrier Aircraft, kurz SCA, war die Lösung für ein sehr praktisches Problem: Die Orbiter des Space-Shuttle-Programms konnten nach der Landung nicht selbst zurück zum Startplatz fliegen. Also trug sie ein umgebauter Jumbo durch die USA und einmal sogar nach Europa. Hier erfährst du, woher die beiden Maschinen kamen, was an ihnen verändert wurde, wie sich ein Flug mit Orbiter anfühlte, wie du die Exemplare unterscheidest und wo du sie heute besuchen kannst.
Raumfahrt-Jumbo in deinem Hangar
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Was ist das Shuttle Carrier Aircraft?
Das SCA ist kein eigener Flugzeugtyp, sondern ein Umbau der Boeing 747-100. Die NASA kaufte zwei gebrauchte Jumbos und ließ sie bei Boeing nach eigenen Vorgaben für eine einzige Aufgabe herrichten: einen Space-Shuttle-Orbiter sicher auf dem Rumpf zu transportieren. Gemeint ist dabei immer das geflügelte Raumschiff selbst, ohne Außentank und Feststoffbooster.
Nötig war das, weil ein Orbiter nach der Rückkehr aus dem All wie ein Segelflugzeug landete und keine eigenen Triebwerke für den Reiseflug hatte. Landete er nicht am Kennedy Space Center in Florida, sondern etwa auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien, musste er quer über den Kontinent zurück. Auch die Wege zwischen Werft, Testgelände und Startplatz liefen über den Jumbo. Dazu kamen Sonderaufgaben wie die Anflug- und Landetests von 1977 und zum Schluss die Überführungen in die Museen.
Warum ausgerechnet eine 747?
Die NASA prüfte auch die Lockheed C-5 Galaxy als Träger. Am Ende sprach einiges für den Jumbo: Als Tiefdecker hat die 747 einen freien Rumpfrücken, auf dem sich eine große Last gut befestigen lässt. Ein Schulterdecker wie die C-5 wäre dafür ungünstiger gewesen. Dazu kam ein organisatorischer Punkt – die 747 konnte die NASA selbst besitzen, während eine C-5 Eigentum der US Air Force geblieben wäre.
Die zwei Exemplare: NASA 905 und NASA 911
Beide Maschinen haben eine Airline-Vergangenheit, und beide basieren auf der ersten Jumbo-Generation mit Pratt & Whitney-JT9D-Triebwerken.
| Merkmal | NASA 905 | NASA 911 |
|---|---|---|
| Kennzeichen | N905NA | N911NA |
| Basismuster | 747-123 (747-100) | 747SR-46 (747-100SR) |
| Vorbesitzer | American Airlines | Japan Airlines |
| Erstflug als Airliner | Oktober 1970 | August 1973 |
| Bei der NASA | ab 1974 | ab 1988, im Dienst ab 1990 |
| Oberdeckfenster je Seite | 2 | 5 |
| Außer Dienst | 2012 | Februar 2012 |
| Heute | Space Center Houston | Joe Davies Heritage Airpark, Palmdale |
NASA 905: der Pionier aus dem American-Airlines-Bestand
Die ältere Maschine flog ab 1970 für American Airlines. Anfang der 1970er-Jahre war der Luftverkehr schwächer gewachsen als erhofft, und viele Airlines hatten mehr Jumbo-Plätze, als sie füllen konnten. American gab die Maschine ab, 1974 ging sie an die NASA. Dort diente sie zunächst nicht als Shuttle-Träger, sondern als Forschungsflugzeug für Untersuchungen zu Wirbelschleppen – also zu den Luftwirbeln, die große Flugzeuge hinter sich herziehen.
1976 folgte der Umbau zum Shuttle-Träger. Auffällig: Noch in den 1970er-Jahren trug N905NA die Zierstreifen von American Airlines. Die bekannte NASA-Lackierung mit weißem Rumpf und einer blauen Zierlinie kam erst später; 1983, beim Europaflug, war sie bereits aufgebracht.
NASA 911: Verstärkung nach dem Challenger-Unglück
Nach dem Verlust der Challenger im Januar 1986 wollte die NASA beim Transport der Orbiter nicht mehr von einem einzigen Flugzeug abhängen. 1988 erwarb sie deshalb eine zweite 747, diesmal eine 747SR von Japan Airlines. Die SR-Version („Short Range“) war für dicht beflogene japanische Inlandsstrecken gebaut worden und hatte eine Struktur für besonders viele Starts und Landungen. Nach einem ähnlichen Umbau wie bei NASA 905 ging die Maschine 1990 in Dienst. Ihren ersten Einsatz flog sie 1991: Sie brachte die neue Endeavour von Palmdale in Kalifornien zum Kennedy Space Center.
Warum 905 und 911?
Die Zahlen sind schlicht die Ziffern der Kennzeichen N905NA und N911NA. In Dokumenten, auf Fotos und in Spotter-Datenbanken tauchen die Maschinen fast immer unter diesen Kurznamen auf.
Was am Jumbo verändert wurde
Von außen sieht ein SCA zunächst wie eine normale 747-100 aus. Die wichtigsten Änderungen erkennst du erst auf den zweiten Blick – und einige liegen ganz im Inneren.
Verstärkter Rumpf
Die Rumpfstruktur wurde verstärkt, damit sie die Lasten des Orbiters über die Haltepunkte aufnehmen konnte.
Drei Haltestreben
Auf dem Rumpfrücken sitzen drei Streben – eine vorn, zwei hinten. Sie passen zu den Anschlusspunkten, an denen der Orbiter beim Start mit dem Außentank verbunden war.
Endscheiben am Höhenleitwerk
An beiden Enden des Höhenleitwerks wurden zusätzliche senkrechte Flossen angebracht. Sie verbesserten die Richtungsstabilität, denn der Orbiter störte die Anströmung des normalen Seitenleitwerks.
Entkernte Kabine
Die Passagierkabine wurde weitgehend ausgeräumt, Avionik und Triebwerke wurden modernisiert. Bei N905NA blieben im vorderen Bereich einige Erste-Klasse-Sitze erhalten.
Für die Testflüge 1977 kam bei NASA 905 noch ein besonderes Detail dazu: eine Notausstiegsrutsche hinter dem Cockpit, über die die Crew im Ernstfall das Flugzeug verlassen sollte. Nach den Tests wurde sie wieder entfernt, weil die Sorge bestand, dass Abspringende in ein Triebwerk geraten könnten.
Und noch ein Kuriosum: Ohne Orbiter auf dem Rücken stimmte die Schwerpunktlage des umgebauten Jumbos nicht mehr ganz. Leerflüge brauchten deshalb Ballast, damit das Flugzeug richtig ausbalanciert war.
Fliegen mit einem Raumschiff auf dem Rücken
Ein Orbiter auf dem Rumpf erzeugt enormen zusätzlichen Luftwiderstand. Entsprechend bescheiden waren die Flugleistungen mit Last: etwa Mach 0,6, und eine Höhe von höchstens rund 15.000 Fuß. Die Reichweite schrumpfte auf etwa 1.000 bis 1.150 nautische Meilen, je nach Quelle – ohne Orbiter kam die Maschine ein Vielfaches weiter. Eine Querung der USA von Kalifornien nach Florida bedeutete deshalb mehrere Tankstopps.
Im Cockpit saßen bei solchen Flügen vier Personen: zwei Piloten und zwei Flugingenieure. Ohne Orbiter reichte ein Flugingenieur. Die Vorbereitung eines Überführungsflugs war aufwendig: Überliefert ist rund eine Woche Arbeit für ein Team von etwa 170 Personen. Aufgesetzt und abgehoben wurde der Orbiter mit speziellen Kranvorrichtungen an den Shuttle-Standorten.
Gedankenexperiment für Spotter
Mach 0,6 in 15.000 Fuß – das ist eher Turboprop-Terrain als Jumbo-Alltag. Wer damals einen SCA-Überflug erlebte, hatte entsprechend viel Zeit: Die Kombination zog langsam und relativ tief über die Köpfe hinweg.
1977: Enterprise und die Anflug- und Landetests
Seine berühmteste Rolle spielte NASA 905 bei den Approach and Landing Tests (ALT) auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien. Testobjekt war die Enterprise – ein Orbiter, der nie ins All fliegen sollte, sondern dazu diente, das Gleit- und Landeverhalten zu erproben.
Das Programm lief in drei Stufen. Zunächst gab es Rolltests am Boden. Ab dem 18. Februar 1977 folgten Gefangenflüge, bei denen die Enterprise fest auf dem Jumbo blieb – erst unbemannt, ab Juni 1977 mit Besatzung. Höhepunkt waren die fünf Freiflüge: Dabei wurde die Enterprise in der Luft vom Jumbo getrennt und glitt selbstständig zur Landung. Der erste Freiflug fand im August 1977 statt, der letzte am 26. Oktober 1977. Zu den Astronauten im Orbiter-Cockpit gehörten Fred Haise und Gordon Fullerton.
1974
NASA übernimmt die 747-123 N905NA von American Airlines, zunächst für Wirbelschleppenforschung.
1976
Umbau zum Shuttle Carrier Aircraft bei Boeing.
Februar 1977
Erster Gefangenflug mit der Enterprise auf dem Rücken über der Edwards Air Force Base.
August bis Oktober 1977
Fünf Freiflüge: Die Enterprise löst sich vom Jumbo und landet im Gleitflug.
Danach wurde NASA 905 zum regulären Transportflugzeug des Programms. Es brachte Orbiter vom Hersteller Rockwell zum Startplatz, holte sie nach Landungen in Kalifornien zurück nach Florida und flog sie zu Überholungen.
1983: Das Space Shuttle in Europa
Für Spotter in Deutschland ist ein Kapitel besonders spannend: Im Frühjahr 1983 flog NASA 905 die Enterprise über den Atlantik. Wegen der begrenzten Reichweite mit Orbiter ging es in Etappen: Tankstopps lagen unter anderem in Goose Bay in Kanada und am Flughafen Keflavík auf Island, bevor das Gespann England erreichte.
Ziel der Reise war die Paris Air Show 1983, die traditionell am Flughafen Paris-Le Bourget stattfindet. Wie die Messe heute abläuft und wie du dort spottest, steht im Beitrag zur Paris Air Show in Le Bourget. Im Mai 1983 – deutsche Quellen nennen Pfingsten – war die Kombination außerdem am Flughafen Köln/Bonn zu sehen. Laut Überblicksdarstellungen umfasste die Tournee der Enterprise in den Jahren 1983 und 1984 außerdem Stationen in Italien und Kanada; genaue Orte und Daten dieser Stopps sind nicht überall einheitlich dokumentiert.
Ein Detail am Rande
Nach Angaben aus der Literatur erhielt NASA 905 im Jahr 1983 – dem Jahr der Europareise – ohne öffentliche Ankündigung ein Infrarot-Abwehrsystem.
Wer heute am Flughafen Köln/Bonn steht, kann sich das Bild kaum noch vorstellen. Wenn du selbst dort spotten willst, findest du die aktuellen Möglichkeiten im Spotting-Guide Köln/Bonn und an der Besucherterrasse am Flughafen Köln/Bonn.
Die letzten Flüge: Orbiter auf dem Weg ins Museum
Mit dem Ende des Shuttle-Programms 2011 begann die letzte Aufgabe der SCA: die Orbiter an ihre Ausstellungsorte zu bringen. NASA 911 war daran nicht mehr beteiligt. Die Maschine flog am 8. Februar 2012 ein letztes Mal zum Dryden-Forschungszentrum der NASA auf der Edwards Air Force Base und wurde dort als Ersatzteilspender genutzt, unter anderem für das Infrarot-Observatorium SOFIA, ebenfalls eine umgebaute 747.
Die Überführungen flog NASA 905:
| Datum | Orbiter | Ziel |
|---|---|---|
| 17. April 2012 | Discovery | Washington-Dulles, für das Udvar-Hazy Center |
| 27. April 2012 | Enterprise | New York JFK, für das Intrepid Museum |
| 19.–21. September 2012 | Endeavour | Los Angeles, für das California Science Center |
Vor der Landung zog das Gespann jeweils in geringer Höhe Ehrenrunden über die Städte. Die Discovery steht heute im Steven F. Udvar-Hazy Center am Flughafen Washington Dulles. Die Enterprise landete am Flughafen New York JFK, wurde später per Lastkahn weitertransportiert und ist im Intrepid Museum in New York ausgestellt. Die Endeavour flog mit Zwischenstopps unter anderem in Houston (Ellington Field) und auf der Edwards Air Force Base nach Kalifornien, landete am Flughafen Los Angeles und rollte anschließend durch die Straßen von Los Angeles und Inglewood ins Museum. Die Atlantis blieb am Kennedy Space Center und brauchte keinen Flug.
Nach der Endeavour-Ablieferung flog NASA 905 im September 2012 zum Dryden-Zentrum. Auch hier war die Ausschlachtung für SOFIA geplant, allerdings erwiesen sich nur wenige Teile als brauchbar – ein Glück für die Nachwelt.
Wie man solche einmaligen Überführungsflüge heute live verfolgt, erklärt der Beitrag zu Auslieferungs- und Überführungsflügen.
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Woran du ein Shuttle Carrier Aircraft erkennst
Im Flug wirst du keinem SCA mehr begegnen. Auf historischen Fotos, Dias oder im Museum lohnt sich der genaue Blick aber trotzdem – vor allem, wenn du wissen willst, welche der beiden Maschinen du vor dir hast.
Es ist ein SCA, wenn …
- drei Haltestreben auf dem Rumpfrücken sitzen
- an den Enden des Höhenleitwerks zusätzliche senkrechte Flossen stehen
- die Maschine NASA-Schriftzug und eines der Kennzeichen N905NA oder N911NA trägt
Sieh genauer hin, wenn …
- ein Foto aus den 1970er-Jahren eine 747 mit American-Airlines-Streifen und NASA-Bezug zeigt – das kann N905NA vor der Neulackierung sein
- eine weiße 747 mit NASA-Aufschrift keine Streben hat – dann könnte es SOFIA sein
Es ist kein SCA, wenn …
- der Rumpf hinter dem Flügel stark verkürzt ist – das ist die 747SP
- der Rumpf zu einem riesigen Frachtraum aufgeblasen ist – das ist der 747 Dreamlifter
- sechs Triebwerke unter den Flügeln hängen – dann siehst du die Antonov An-225, die in der Sowjetunion die Raumfähre Buran trug
Zwischen den beiden SCA hilft dir das Oberdeck: N905NA hat zwei Fenster pro Seite, N911NA fünf. Wie du die übrigen Jumbo-Versionen auseinanderhältst, zeigt der Guide Boeing 747-100 bis 747-8 erkennen.
Welcher Jumbo-Sonderling ist das?
Shuttle Carrier Aircraft
Streben und Zusatzflossen sind die Kennzeichen der NASA-Jumbos. Zähl die Oberdeckfenster: zwei bedeuten N905NA, fünf N911NA.
Boeing 747 Dreamlifter
Der aufgeblähte Rumpf gehört zum Frachter, mit dem Boeing Großbauteile für die 787 transportiert.
Boeing 747SP
Der stark verkürzte Rumpf ist das typische Merkmal der Langstrecken-Sonderversion aus den 1970er-Jahren.
Wo du die Shuttle-Jumbos heute siehst
Beide Maschinen sind erhalten – und beide sind öffentlich zugänglich.
NASA 905 im Space Center Houston
NASA beschloss 2013, NASA 905 im Space Center Houston, dem Besucherzentrum des Johnson Space Center, auszustellen. Die Maschine flog dafür nach Ellington Field in Houston, wurde zerlegt und in mehreren großen Teilen zum Museum gebracht. Im August 2014 hob ein Schwerlastkran die Shuttle-Replik Independence auf ihren Rücken. Die Replik stand früher unter dem Namen Explorer im Besucherzentrum des Kennedy Space Center. Die Ausstellung „Independence Plaza“ wurde im Januar 2016 eröffnet. Das Besondere: Du kannst dort sowohl den Jumbo als auch die Shuttle-Replik betreten.
NASA 911 in Palmdale
NASA 911 steht seit September 2014 als Leihgabe der NASA im Joe Davies Heritage Airpark in Palmdale, Kalifornien – einem Freiluftmuseum neben dem Air Force Plant 42, wo einst die Orbiter gebaut und gewartet wurden. Der Park zeigt zusätzlich eine Reihe ausgemusterter Militär- und Testflugzeuge. Er ist nicht täglich geöffnet; prüf die aktuellen Öffnungstage vor deinem Besuch direkt beim Betreiber.
| Ort | Was du siehst | Hinweis |
|---|---|---|
| Space Center Houston | NASA 905 mit Shuttle-Replik Independence | Jumbo und Replik begehbar |
| Joe Davies Heritage Airpark, Palmdale | NASA 911 | nur an einigen Tagen pro Woche geöffnet |
| Udvar-Hazy Center, Washington | Orbiter Discovery | gut mit Spotting in Dulles kombinierbar |
| Intrepid Museum, New York | Orbiter Enterprise | die Raumfähre von 1977 und 1983 |
Die Discovery im Udvar-Hazy Center lässt sich wunderbar mit einem Spotting-Nachmittag verbinden; Tipps dazu findest du beim Spot Udvar-Hazy Center am Flughafen Washington Dulles. Und wenn du ohnehin in Los Angeles bist, hilft dir der Spotting-Guide Los Angeles bei der Planung.
Bereit für deinen Shuttle-Jumbo-Besuch?
- Ich habe Öffnungszeiten und Tickets des Museums aktuell geprüft.
- Ich weiß, ob ich NASA 905 (Houston) oder NASA 911 (Palmdale) besuche.
- Ich habe ein Weitwinkel dabei – Jumbo plus Orbiter passt sonst kaum aufs Bild.
- Ich plane die Lichtsituation für Außenaufnahmen ein.
Einordnung: Riesen mit Sonderaufgaben
Das SCA steht in einer Reihe mit anderen Flugzeugen, die für ungewöhnliche Lasten umgebaut wurden. Die Sowjetunion ließ für ihre Raumfähre Buran eigens die Antonov An-225 entwickeln. Airbus transportiert Flugzeugteile mit Spezialfrachtern wie der Beluga XL, Boeing nutzt dafür den 747 Dreamlifter. Einen Überblick über die ganz Großen bietet der Beitrag Die größten Flugzeuge der Welt.
Für die Jumbo-Geschichte insgesamt ist das SCA ein schönes Beispiel dafür, wie vielseitig der Typ war: als Passagierflugzeug, Frachter, Regierungsmaschine und eben als Raumfähren-Taxi. Die ganze Familiengeschichte erzählt der Beitrag Die Geschichte der Boeing 747; wie du historische Maschinen auf alten Fotos bestimmst, steht unter Oldtimer am Himmel erkennen.
Fazit
Das Shuttle Carrier Aircraft war nie ein Serienflugzeug, sondern ein Paar hochspezialisierter Umbauten. NASA 905 schrieb mit den Landetests der Enterprise Raumfahrtgeschichte und brachte das Space Shuttle 1983 bis nach Köln/Bonn und Paris. NASA 911 sicherte ab 1990 den Betrieb ab. Seit 2012 sind beide im Ruhestand – und anders als viele Jumbos ihrer Generation nicht verschrottet, sondern in Museen erhalten.
Kurzfazit
Drei Streben auf dem Rücken, Zusatzflossen am Höhenleitwerk, NASA-Lackierung: Das ist das Shuttle Carrier Aircraft. Sehen kannst du die beiden Exemplare heute in Houston (NASA 905, begehbar mit Shuttle-Replik) und in Palmdale (NASA 911).
Zusammenfassung
- Das Shuttle Carrier Aircraft ist kein eigener Flugzeugtyp, sondern ein Umbau der Boeing 747-100 für den Transport der Space-Shuttle-Orbiter.
- Verstärkter Rumpf, drei Haltestreben, Endscheiben am Höhenleitwerk und eine entkernte Kabine machten aus den Airline-Jumbos Raumfähren-Transporter.
- Mit Orbiter flogen die Maschinen langsam, niedrig und nur über kurze Etappen; Querungen der USA brauchten mehrere Tankstopps.
- Nach den letzten Museumsflügen 2012 wurden beide SCA ausgemustert; heute kannst du sie in Houston und Palmdale besichtigen.
Häufige Fragen
Was ist das Shuttle Carrier Aircraft?
Das Shuttle Carrier Aircraft (SCA) ist eine umgebaute Boeing 747, mit der die NASA die Orbiter des Space-Shuttle-Programms auf dem Rücken transportierte. Es gab zwei Exemplare: NASA 905 (N905NA) und NASA 911 (N911NA).
Warum nahm die NASA eine 747 und keine C-5 Galaxy?
Geprüft wurde auch die Lockheed C-5 Galaxy. Für die 747 sprach unter anderem die Tiefdecker-Auslegung, die sich für eine Last auf dem Rumpfrücken besser eignete. Außerdem konnte die NASA die Jumbos selbst besitzen, während eine C-5 im Eigentum der Air Force geblieben wäre.
Wie schnell und hoch flog der Jumbo mit Orbiter?
Deutlich langsamer und niedriger als ein normaler Jumbo: etwa Mach 0,6 und höchstens rund 15.000 Fuß. Die Reichweite schrumpfte auf etwa 1.000 bis 1.150 nautische Meilen, deshalb waren auf langen Strecken mehrere Tankstopps nötig.
War das Space Shuttle wirklich in Deutschland?
Ja. Im Mai 1983 brachte NASA 905 die Testraumfähre Enterprise im Rahmen einer Europareise an den Flughafen Köln/Bonn. Zur selben Tour gehörten die Paris Air Show sowie Stationen in England; Tankstopps lagen unter anderem in Goose Bay und Keflavík.
Wo stehen die beiden Shuttle-Jumbos heute?
NASA 905 steht im Space Center Houston und trägt dort die Shuttle-Replik Independence; Besucher können beide Fahrzeuge betreten. NASA 911 ist als Leihgabe der NASA im Joe Davies Heritage Airpark in Palmdale, Kalifornien, ausgestellt.
Wie unterscheide ich NASA 905 und NASA 911?
Am einfachsten über das Kennzeichen. Optisch hilft das Oberdeck: N905NA hat zwei Fenster pro Seite, N911NA fünf. N911NA basiert auf der Kurzstreckenversion 747SR, N905NA auf der normalen 747-100.
Welche Flüge waren die letzten?
Im Jahr 2012 brachten die Shuttle-Jumbos die ausgemusterten Orbiter in ihre Museen: Discovery im April nach Washington-Dulles, Enterprise im April nach New York JFK und Endeavour im September nach Los Angeles. Den Abschluss flog NASA 905.
Boeing 747 Shuttle Carrier Aircraft (SCA) sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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