Das Wichtigste in Kürze
- Kein Serienflugzeug: Boeing ließ nur vier gebrauchte 747-400 zum Dreamlifter umbauen, ausschließlich für den eigenen Bauteiltransport.
- Gebaut für die 787: Flügel und Rumpfsektionen des Dreamliners waren zu groß für normale Frachter; per Schiff hätte der Weg aus Japan bis zu rund 30 Tage gedauert.
- Swing-Tail statt Bugtor: Beladen wird von hinten, nachdem der gesamte Heckteil zur Seite geschwenkt ist.
- Erkennungsmerkmal Flügelspitze: Der Dreamlifter hat keine Winglets, obwohl er auf der 747-400 basiert.
- Feste Einsatzorte: Charleston in South Carolina, Nagoya in Japan, Taranto-Grottaglie in Italien und Wichita in Kansas gehören zum Netz; Everett war bis 2021 ein Hauptziel.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Warum Boeing den Dreamlifter brauchte
- 2.Vom Jumbo zum Dreamlifter: der Umbau
- 3.Swing-Tail: Beladen durchs Heck
- 4.Woran du den Dreamlifter erkennst
- 5.Die vier Dreamlifter
- 6.Betreiber: Evergreen und Atlas Air
- 7.Einsatzorte: Charleston, Nagoya, Taranto und Wichita
- 8.Technik im Überblick
- 9.Besondere Einsätze und Zwischenfälle
- 10.Spotting-Tipps für den Dreamlifter
- 11.Einordnung: ein Werkzeug, kein Verkehrsflugzeug
- 12.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Boeing (Umbau gebrauchter 747-400 in Taiwan durch Evergreen Aviation Technologies) |
|---|---|
| Offizielle Bezeichnung | 747-400 Large Cargo Freighter (LCF) |
| ICAO-Typcode | BLCF |
| Programmstart | Oktober 2003 (Ankündigung des Lufttransports für 787-Bauteile) |
| Roll-out | 17. August 2006 in Taipeh-Taoyuan |
| Erstflug | 9. September 2006 in Taipeh-Taoyuan |
| FAA-Zulassung | 2. Juni 2007 |
| Exemplare | 4 (N249BA, N718BA, N747BC, N780BA) |
| Triebwerke | 4 × Pratt & Whitney PW4000 |
| Länge | 71,68 m |
| Spannweite | 64,4 m |
| Höhe | 21,54 m |
| Rumpfbreite | rund 8,4 m (747-400: rund 6,5 m) |
| Laderaumvolumen | rund 1.840 m³, etwa das Dreifache einer 747-400F |
| Max. Startgewicht | rund 364 t |
| Max. Nutzlast | rund 113 t |
| Reichweite voll beladen | rund 4.200 nautische Meilen (etwa 7.800 km) |
| Betreiber | Evergreen International Airlines (bis 2010), seitdem Atlas Air im Auftrag von Boeing |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Aufgeblähter Rumpf hinter dem Oberdeck – das Cockpit wirkt wie ein kleiner Kopf vor einem riesigen Körper
- Buckel und Cockpit der 747-400 bleiben vorn erhalten, dahinter wächst der Rumpf deutlich nach oben
- Keine Winglets: Die Flügelspitzen laufen glatt aus, die Winglets der 747-400 wurden vor der Zulassung entfernt
- Trennfuge am Heck: Der gesamte hintere Rumpfteil samt Leitwerk lässt sich zur Seite schwenken
- Boeing-Design in Weiß mit blauem Schriftzug und Dreamlifter-Logo statt Airline-Lackierung
- Vier Triebwerke unter den Flügeln – klarer Unterschied zu Beluga und BelugaXL mit zwei
Vorn ein ganz normaler Jumbo mit Cockpit und Buckel, dahinter ein Rumpf, der aussieht, als hätte jemand die 747 aufgepumpt: Der Boeing 747-400LCF Dreamlifter gehört zu den markantesten Flugzeugen, die du überhaupt fotografieren kannst. Es gibt nur vier Stück, alle gehören Boeing, und sie fliegen keine Passagiere und keine gewöhnliche Fracht, sondern Flügel und Rumpfteile der Boeing 787. Hier erfährst du, warum Boeing den Dreamlifter gebraucht hat, wie das schwenkbare Heck funktioniert, woran du ihn sicher erkennst und an welchen Flughäfen er Stand Oktober 2026 regelmäßig auftaucht.
Vier Maschinen, ein Sammlerziel
Mit Planetrack postest du deine Dreamlifter-Sichtung mit Foto, Kennzeichen, Flughafen und Spot und siehst in deinem Hangar, welche der vier dir noch fehlen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Warum Boeing den Dreamlifter brauchte
Mit der 787, damals noch unter dem Projektnamen 7E7, stellte Boeing Anfang der 2000er-Jahre seine Fertigung grundlegend um. Statt fast alles im eigenen Werk zu bauen, lieferten Partner in Japan, Italien und den USA große, fertig ausgerüstete Baugruppen: Flügel und Mittelflügelkasten aus Japan, Rumpfsektionen aus Italien und den USA. Die Endmontage fand anfangs in Everett im US-Bundesstaat Washington statt.
Das Problem: Diese Baugruppen sind riesig. Ein kompletter 787-Flügel oder eine Rumpftonne passt weder in einen Standard-Seecontainer noch in den Laderaum einer 747-400F. Selbst die großen Antonow-Frachter An-124 und An-225 kamen für Boeing nicht infrage. Der Seeweg wiederum hätte für einen Flügel aus Japan bis zu rund 30 Tage gedauert – zu lange für eine Fertigung, die auf straffe Taktung angewiesen ist.
Am 13. Oktober 2003 kündigte Boeing deshalb an, die Teile per Flugzeug zu transportieren. Die Lösung: gebrauchte 747-400 kaufen und zu Großraumfrachtern umbauen. Zunächst plante Boeing drei Maschinen, später kam eine vierte hinzu. Mit dem Dreamlifter schrumpfte die Transportzeit eines Flügels aus Japan auf rund acht Stunden Flugzeit.
Vom Jumbo zum Dreamlifter: der Umbau
Das Konzept kennt man von älteren Vorbildern wie dem Super Guppy und von Airbus, das mit der A300-600ST Beluga ebenfalls einen bauchigen Transporter für eigene Bauteile einsetzt. Boeing ging den gleichen Weg, nur auf Jumbo-Basis. Entworfen wurde der Umbau von Boeing-Ingenieuren in den USA und im Moskauer Konstruktionsbüro des Konzerns; das schwenkbare Heck entwickelte Boeing zusammen mit dem spanischen Zulieferer Gamesa Aeronáutica.
Die eigentliche Umrüstung erledigte Evergreen Aviation Technologies in Taiwan, ein Gemeinschaftsunternehmen aus der Evergreen-Gruppe – zu der auch EVA Air gehört – und General Electric. Als Basis dienten vier 747-400, die vorher bei asiatischen Airlines geflogen waren; eine davon stammte von Malaysia Airlines und wurde später zur N718BA.
Beim Umbau blieben Cockpit, Oberdeck, Flügel, Triebwerke und Fahrwerk der 747-400 weitgehend erhalten. Neu sind der stark vergrößerte Rumpfoberteil und das schwenkbare Heck. Der Laderaum ist nicht druckbelüftet – für Flugzeugteile ist das kein Problem, für Passagiere oder empfindliche Fracht wäre er ungeeignet.
Die wichtigsten Daten des Programms
- 17. August 2006: Roll-out des ersten Dreamlifter am Flughafen Taipeh-Taoyuan
- 9. September 2006: Erstflug in Taiwan, wenige Tage später Ankunft am Boeing Field in Seattle
- Dezember 2006: Boeing gibt dem Large Cargo Freighter offiziell den Namen „Dreamlifter“
- 2. Juni 2007: Musterzulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA nach 437 Flug- und 639 Bodentest-Stunden
- Juni 2008: Drei Dreamlifter sind im Einsatz
- Februar 2010: Die vierte Maschine nimmt den Betrieb auf
Während der Flugerprobung zeigte sich ein Problem mit Vibrationen und dem Flugverhalten. Boeing entfernte deshalb die Winglets der 747-400 – ein Detail, das dir heute beim Bestimmen hilft.
Swing-Tail: Beladen durchs Heck
Das spektakulärste Merkmal des Dreamlifter ist sein Swing-Tail. Der komplette hintere Rumpfteil samt Seiten- und Höhenleitwerk ist über ein Scharnier mit dem übrigen Rumpf verbunden. Zum Beladen wird die Verriegelung gelöst, dann schwenkt das ganze Heck zur Seite – und der Laderaum liegt mit seinem vollen Querschnitt offen. Geöffnet sieht der Jumbo aus, als hätte man ihn in zwei Teile gebrochen.
Ins Flugzeug kommen die Bauteile über einen eigens dafür gebauten Lader, den DBL-100. Er gilt als längster Frachtlader der Welt; das erste Exemplar war im Juni 2006 fertig. Der Lader fährt an das offene Heck heran und schiebt die Baugruppen in den Rumpf, wo sie auf Gestellen gesichert werden.
Warum kein Bugtor?
Werksfrachter wie die 747-400F laden durch die hochklappbare Nase. Beim Dreamlifter geht das nicht, weil der aufgeweitete Laderaum erst hinter dem Oberdeck beginnt und deutlich höher liegt als das Hauptdeck. Der Weg durch das Heck gibt den größten Querschnitt frei – genau das, was für 787-Flügel und Rumpftonnen gebraucht wird.
Woran du den Dreamlifter erkennst
Eigentlich ist der Dreamlifter kaum zu verwechseln. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, vor allem bei Fotos aus großer Entfernung oder im Gegenlicht.
Silhouette prüfen
Ein kleiner Cockpit-Buckel vorn, dahinter ein Rumpf, der deutlich höher und breiter ist: Das ist das typische „Kopf-Körper“-Bild des Dreamlifter.
Triebwerke zählen
Vier Triebwerke unter den Flügeln heißt Dreamlifter. Beluga und BelugaXL von Airbus haben nur zwei, das Cockpit sitzt dort zudem tief unter dem Laderaum.
Flügelspitzen ansehen
Keine Winglets: Das trennt den Dreamlifter von fast allen anderen 747-400-Varianten. Ohne Winglets flog sonst nur die japanische Kurzstreckenversion 747-400D – und die hat einen ganz normalen Rumpf.
Heck und Lackierung
Eine umlaufende Trennfuge vor dem Leitwerk und die weiße Boeing-Lackierung mit Dreamlifter-Logo bestätigen die Bestimmung.
Dreamlifter, Beluga oder BelugaXL?
| Merkmal | Boeing 747 Dreamlifter | Airbus Beluga / BelugaXL |
|---|---|---|
| Basis | Boeing 747-400 | A300-600 bzw. A330-200F |
| Triebwerke | vier | zwei |
| Cockpit | im Oberdeck, über dem Hauptdeck | tief unten, unter dem Laderaum |
| Beladung | durch das schwenkbare Heck | durch ein hochklappbares Tor über dem Cockpit |
| Exemplare | 4 | 5 BelugaST, 6 BelugaXL |
| Fracht | Bauteile der Boeing 787 | Bauteile für Airbus-Programme |
| ICAO-Code | BLCF | A3ST bzw. A337 |
Lange galt der Dreamlifter als Flugzeug mit dem größten Frachtraum überhaupt. Diesen Titel hat inzwischen die BelugaXL übernommen. Einen Größenvergleich mit An-124, An-225 und anderen Riesen bietet der Beitrag Die größten Flugzeuge der Welt.
Es ist ein Dreamlifter, wenn …
- der Rumpf hinter dem Cockpit-Buckel stark nach oben wächst
- vier Triebwerke zu sehen sind und keine Winglets
- das Heck am Boden zur Seite geschwenkt ist
- das Kennzeichen N249BA, N718BA, N747BC oder N780BA lautet
Sieh genauer hin, wenn …
- du nur einen frontalen Anflug siehst – von vorn wirkt der Rumpf weniger spektakulär
- das Tracking nur „B747“ ohne Detail anzeigt
Es ist kein Dreamlifter, wenn …
- nur zwei Triebwerke unter den Flügeln hängen – dann Beluga oder BelugaXL
- der Rumpf glatt und gleichmäßig ist – dann eine normale 747
- ein Space Shuttle oder Gestell auf dem Rücken sitzt – dann der historische 747 Shuttle Carrier
Die vier Dreamlifter
Alle vier Maschinen sind in den USA registriert und tragen die gleiche Lackierung. Unterscheiden kannst du sie nur über das Kennzeichen am Rumpf:
| Kennzeichen | Hinweis |
|---|---|
| N747BC | Teil der ersten Dreierflotte |
| N780BA | zweites Exemplar, Erstflug im Februar 2007 |
| N249BA | Teil der ersten Dreierflotte |
| N718BA | ehemals Malaysia Airlines, ab 2010 im Einsatz |
Wer alle vier sammeln will, braucht Geduld: Die Maschinen pendeln auf festen Strecken, und welche Maschine an einem bestimmten Tag kommt, siehst du am zuverlässigsten im Live-Tracking. Wie du gezielt nach einzelnen Registrierungen suchst, erklärt der Beitrag Ein Flugzeug per Kennzeichen finden und verfolgen.
Alarm für den Dreamlifter
Richte Sichtungs-Alarme für die Kennzeichen der vier Dreamlifter oder für den Typ ein – Planetrack benachrichtigt dich, wenn einer deinen Flughafen anfliegt. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Betreiber: Evergreen und Atlas Air
Die Dreamlifter gehören Boeing, geflogen werden sie aber von einer Frachtairline im Auftrag. In der Anlaufphase des 787-Programms übernahm diese Aufgabe Evergreen International Airlines aus McMinnville in Oregon. 2010 vergab Boeing den Auftrag neu: Seitdem fliegt Atlas Air die vier Maschinen, inklusive Crews und Wartung.
Für Spotter, die alte Fotos sortieren, ist das wichtig: Die Lackierung blieb in beiden Phasen gleich. Ob eine Aufnahme eine Evergreen- oder eine Atlas-Sichtung ist, verrät nur das Datum.
Einsatzorte: Charleston, Nagoya, Taranto und Wichita
Der Dreamlifter fliegt kein Liniennetz im klassischen Sinn, sondern verbindet die Standorte der 787-Fertigung. Seit Boeing die Endmontage der 787 im Jahr 2021 vollständig nach North Charleston in South Carolina verlagert hat, läuft dort alles zusammen.
Charleston, South Carolina
Am Flughafen Charleston (CHS) steht das Boeing-Werk, in dem heute alle 787 endmontiert werden. Boeing hatte den Standort 2009 als zweite 787-Linie gewählt, das erste dort gebaute Flugzeug rollte im April 2012 aus der Halle. Für Dreamlifter-Jäger ist Charleston deshalb die zuverlässigste Adresse: Fast jede Tour beginnt oder endet hier. Vor einer Reise lohnt sich ein Blick in die Beiträge Planespotting-Reise in die USA und Planespotting in den USA: Regeln.
Nagoya Chubu Centrair, Japan
Den Flughafen Chubu Centrair (NGO) bei Nagoya steuern Dreamlifter seit 2007 an. Boeing betreibt hier ein Dreamlifter Operations Center, in dem in Japan gefertigte 787-Bauteile, vor allem Flügel, zwischengelagert und verladen werden. Die Region Aichi liefert einen großen Teil der 787-Struktur, entsprechend häufig – oft mehrmals pro Woche – startet der Dreamlifter von hier in die USA. Als Bonus steht am Flughafen im Ausstellungskomplex „Flight of Dreams“ der allererste 787-Prototyp.
Taranto-Grottaglie, Italien
Der kleine Flughafen Taranto-Grottaglie (TAR) in Apulien ist der einzige regelmäßige Dreamlifter-Halt in Europa. Direkt am Vorfeld steht das Werk, das ursprünglich Alenia Aeronautica für die 787 errichtet hat und das heute zum Leonardo-Konzern gehört. Dort werden große Rumpfsektionen gefertigt, die der Dreamlifter regelmäßig nach Charleston fliegt. Ansonsten ist auf dem Platz wenig los – wenn der Jumbo kommt, ist er die Attraktion des Tages.
Wichita, Kansas
In Wichita baut Spirit AeroSystems Rumpfsektionen für die 787. Ziel des Dreamlifter in Wichita war zumindest beim bekannten Vorfall 2013 die McConnell Air Force Base. Bekannt wurde der Standort 2013 durch eine Panne: Im November landete die N780BA versehentlich auf dem kleinen Colonel James Jabara Airport, rund neun Meilen vom eigentlichen Ziel entfernt. Am nächsten Tag startete sie von der kurzen Piste und flog die wenigen Minuten zur Air Force Base.
Everett, Washington
Bis 2021 war Paine Field in Everett eines der Hauptziele. Seit dem Ende der 787-Endmontage dort ist der Dreamlifter kein Stammgast mehr, kann aber gelegentlich noch auftauchen. Den Blick über das Werksgelände hast du vom Boeing Future of Flight; in Seattle lohnt außerdem das Museum of Flight am Boeing Field, wo der erste Dreamlifter 2006 nach seinem Überführungsflug aus Taiwan landete.
Tankstopp Anchorage?
Der Dreamlifter hat voll beladen eine deutlich geringere Reichweite als ein normaler Frachtjumbo. Auf langen Strecken über den Pazifik sind Zwischenlandungen deshalb möglich. Ob und wo er zwischenlandet, wechselt aber – verlass dich nicht darauf, ihn in Anchorage zu sehen, sondern prüf das Live-Tracking.
Technik im Überblick
Unter der aufgeblähten Hülle steckt weitgehend die Technik der 747-400: Zwei-Mann-Cockpit, vier Triebwerke aus der Pratt & Whitney PW4000-Familie von Pratt & Whitney und das bekannte Fahrwerk. Die Unterschiede liegen in den Proportionen:
| Kennzahl | 747 Dreamlifter | 747-400 |
|---|---|---|
| Länge | 71,68 m | 70,7 m |
| Höhe | 21,54 m | 19,4 m |
| Rumpfbreite | 8,38 m | 6,50 m |
| Max. Startgewicht | rund 364 t | rund 397 t |
| Reisegeschwindigkeit | Mach 0,82 | Mach 0,855 |
| Reichweite voll beladen | rund 4.200 NM | rund 7.260 NM |
Auffällig ist, dass das maximale Startgewicht niedriger liegt als bei der Passagier-747. Der Dreamlifter ist auf Volumen optimiert, nicht auf Gewicht: 787-Bauteile sind groß, aber verglichen mit ihrer Größe leicht. Die maximale Nutzlast liegt bei rund 113 Tonnen. Durch den dicken Rumpf und den höheren Luftwiderstand fliegt er zudem etwas langsamer als ein normaler Jumbo.
Besondere Einsätze und Zwischenfälle
Meist fliegt der Dreamlifter unauffällig seine Runden zwischen den Werken. Ein paar Episoden haben ihn trotzdem bekannt gemacht:
- Corona-Hilfe 2020: Während der Pandemie flog Boeing mit dem Dreamlifter medizinisches Material. Am 1. Juli 2020 brachte eine Maschine 500.000 Schutzmasken für Schulen nach Salt Lake City.
- Falscher Flughafen 2013: Die bereits erwähnte Landung auf dem Jabara Airport in Wichita machte weltweit Schlagzeilen.
- Verlorenes Rad 2022: Im Oktober 2022 verlor die N718BA beim Start in Taranto ein Rad des Hauptfahrwerks, das in einem Weinberg landete. Der Flug nach Charleston endete trotzdem mit einer sicheren Landung.
Spotting-Tipps für den Dreamlifter
- Typcode filtern. Im Live-Tracking erscheint der Dreamlifter unter BLCF, nicht unter B744. Wie du Tracking-Daten richtig liest, erklärt der Guide zur Flugverfolgung per ADS-B.
- Seltenheit realistisch einschätzen. Außerhalb von Charleston, Nagoya, Taranto und Wichita ist ein Dreamlifter ein echter Glücksfall. Tipps zum Umgang mit Raritäten findest du unter Seltene Flugzeuge spotten.
- Seitenprofil bevorzugen. Erst von der Seite wird sichtbar, wie extrem der Rumpf aufgeweitet ist. Frontale Anflugfotos wirken oft enttäuschend.
- Licht planen. Der weiße Rumpf brennt bei praller Sonne schnell aus. Mit dem Guide zum Sonnenstand am Fotospot findest du die richtige Tageszeit.
- Geöffnetes Heck als Hauptgewinn. Den geschwenkten Swing-Tail siehst du nur am Boden beim Be- oder Entladen. Von öffentlichen Standpunkten gelingt das selten – nimm es mit, wenn sich die Chance ergibt, aber plane nicht fest damit.
Werksgelände respektieren
Die Dreamlifter-Abfertigung liegt meist auf Werks- oder Sicherheitsbereichen. Bleib auf öffentlichen Wegen, achte in den USA zusätzlich auf Regeln an Militärflugplätzen wie McConnell und betritt keine abgesperrten Flächen. Mehr dazu im Beitrag Planespotting in den USA.
Hangar-Gedanke
Vier Kennzeichen, eine Lackierung – der Dreamlifter ist ein perfektes Sammelziel. In Planetrack postest du jede Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Flughafen und hakst die vier Maschinen nacheinander in deinem Hangar ab.
Einordnung: ein Werkzeug, kein Verkehrsflugzeug
Der Dreamlifter ist ein Sonderfall in der Geschichte der Boeing 747. Er wurde nie verkauft und existiert nur, weil die 787 weltweit verteilt gefertigt wird. Damit ähnelt er eher einem Werkzeug der Produktionskette als einem Verkehrsflugzeug. Eine Übersicht über alle Jumbo-Generationen von der 747-100 bis zur 747-8F findest du im Beitrag Boeing 747-100 bis 747-8 erkennen, die Abgrenzung zu anderen Frachtern unter Frachtflugzeuge erkennen.
Wie lange Boeing die vier Maschinen noch einsetzt, hängt eng an der 787-Produktion. Stand Oktober 2026 sind die Dreamlifter weiter im Einsatz und gehören damit zu den letzten Jumbos der 747-400-Generation, die du regelmäßig im Flug erleben kannst.
Fazit
Der Boeing 747-400LCF Dreamlifter ist ein Jumbo mit Spezialauftrag: vier umgebaute 747-400 mit aufgeblähtem Rumpf und schwenkbarem Heck, die Flügel und Rumpfsektionen der 787 aus Japan, Italien und Kansas nach Charleston fliegen. Erkennbar ist er an der unverwechselbaren Silhouette, den vier Triebwerken und den fehlenden Winglets. Wer ihn sehen will, plant am besten Charleston, Nagoya oder – in Europa – Taranto-Grottaglie ein und behält das Live-Tracking im Blick.
Kurzfazit
Kleiner Cockpit-Buckel, riesiger Rumpf, vier Triebwerke, keine Winglets: Das ist der Boeing Dreamlifter (ICAO BLCF). Es gibt nur vier – N747BC, N780BA, N249BA und N718BA –, betrieben von Atlas Air für Boeing, mit Charleston, Nagoya, Taranto und Wichita als wichtigsten Zielen.
Zusammenfassung
- Der Dreamlifter ist eine stark umgebaute Boeing 747-400 mit vergrößertem, nicht druckbelüftetem Laderaum für Bauteile der Boeing 787.
- Es gibt genau vier Exemplare, alle im Besitz von Boeing und seit 2010 von Atlas Air betrieben.
- Typisch sind der aufgeblähte Rumpf, das schwenkbare Heck, fehlende Winglets und die Boeing-Lackierung.
- In Europa landet der Dreamlifter regelmäßig nur in Taranto-Grottaglie in Süditalien.
Häufige Fragen
Was ist der Boeing Dreamlifter?
Der Dreamlifter, offiziell 747-400 Large Cargo Freighter, ist eine umgebaute Boeing 747-400 mit stark vergrößertem Rumpf. Boeing nutzt die vier Maschinen, um große Bauteile der 787 Dreamliner von Zulieferern zur Endmontage zu fliegen.
Wie viele Dreamlifter gibt es?
Genau vier. Sie tragen die US-Kennzeichen N249BA, N718BA, N747BC und N780BA. Weitere Exemplare hat Boeing nicht umbauen lassen, und verkauft wurde der Typ nie.
Wie wird der Dreamlifter beladen?
Über das Heck. Der komplette hintere Rumpfteil samt Leitwerk schwenkt zur Seite und gibt den vollen Querschnitt des Laderaums frei. Ein spezieller, sehr langer Lader schiebt die Bauteile dann in den Rumpf.
Wer fliegt den Dreamlifter?
Die Maschinen gehören Boeing. In den ersten Jahren flog sie Evergreen International Airlines, seit 2010 übernimmt Atlas Air Betrieb und Besatzung im Auftrag von Boeing.
Welchen ICAO-Code hat der Dreamlifter?
Er führt den eigenen Typcode BLCF und läuft damit nicht unter B744 wie die übrigen 747-400. Das hilft dir beim Filtern im Live-Tracking.
Wo kann ich den Dreamlifter in Europa sehen?
Regelmäßig nur am Flughafen Taranto-Grottaglie in Apulien, wo Rumpfsektionen der 787 gefertigt werden. Andere europäische Flughäfen sieht der Dreamlifter nur ausnahmsweise.
Ist der Dreamlifter größer als die Beluga XL?
Beim Laderaumvolumen nicht: Die BelugaXL von Airbus hat den Dreamlifter als Flugzeug mit dem größten Frachtraum abgelöst. Der Dreamlifter ist dafür schwerer, hat vier Triebwerke und fliegt deutlich weiter.
Boeing 747-400LCF Dreamlifter sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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