Das Wichtigste in Kürze
- Kondensstreifen sind Eiswolken: Der Wasserdampf aus dem Triebwerksabgas gefriert in der eiskalten Luft der Reiseflughöhe an winzigen Partikeln zu Eiskristallen – meist oberhalb von rund acht Kilometern bei unter minus 40 Grad.
- Die Feuchte in der Höhe entscheidet: In trockener Luft verdunsten die Kristalle nach Sekunden bis Minuten. Ist die Luft gegenüber Eis übersättigt, bleibt der Streifen stehen, wächst in die Breite und kann stundenlang am Himmel hängen.
- Aus Streifen werden Wolken: Langlebige Streifen gehen in zirrusartige Schleierwolken über, die Fachleute Kondensstreifen-Zirren nennen. Sie sind oft kaum noch als Flugzeugspur zu erkennen.
- Großer, aber unsicherer Klimafaktor: In der viel zitierten Bilanz von Lee et al. (2021) liefern Kondensstreifen-Zirren den größten Einzelbeitrag zur Erwärmungswirkung des Luftverkehrs – bei deutlich größerer Unsicherheit als beim CO₂.
- Wenige Flüge, große Wirkung: Ein kleiner Teil der Flüge durch besonders feuchte Luftschichten verursacht den Großteil der Wirkung. Darauf setzen Versuche, solche Schichten gezielt zu umfliegen.
Inhaltsverzeichnis
Ein klarer Herbstmorgen, der Himmel tiefblau – und darüber ein Raster aus weißen Linien. Manche sind kaum länger als das Flugzeug selbst, andere ziehen sich als breite Bänder von Horizont zu Horizont und werden im Lauf des Vormittags zu einem milchigen Schleier. Gleiche Flughöhe, ähnliche Jets, völlig unterschiedliches Bild. Kondensstreifen sind das sichtbarste Zeichen des Luftverkehrs und zugleich ein ziemlich komplexes Stück Atmosphärenphysik. Dieser Artikel erklärt dir, wie sie entstehen, warum manche sofort verschwinden und andere stundenlang bleiben und was die Forschung heute über ihre Klimawirkung weiß.
Wer zieht da den Streifen?
Mit Planetrack postest du deine Sichtung mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen und Airline – auch wenn der Jet nur als silberner Punkt vor seinem Streifen hängt – und sammelst jeden neuen Typ in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Kondensstreifen: die kurze Antwort
Ein Kondensstreifen ist eine künstliche Eiswolke. Ein Strahltriebwerk verbrennt Kerosin, und dabei entstehen neben CO₂ große Mengen Wasserdampf, dazu Rußteilchen und andere winzige Partikel. Das heiße, feuchte Abgas mischt sich hinter dem Flugzeug mit der Umgebungsluft, die in Reiseflughöhe meist kälter als minus 40 Grad ist. Dabei wird die Mischung kurzzeitig gegenüber Wasser übersättigt, der Dampf kondensiert an den Partikeln und gefriert sofort zu Eiskristallen. Das Ergebnis siehst du als weißen Strich.
Ob der Strich nach ein paar Sekunden wieder weg ist oder sich zu einer Schleierwolke auswächst, entscheidet dann nicht mehr das Flugzeug, sondern die Luft, durch die es fliegt: Ist sie in Flughöhe trocken, verdunsten die Kristalle. Ist sie gegenüber Eis übersättigt, wachsen sie weiter.
Wie ein Kondensstreifen entsteht
Der Vorgang dauert nur Sekundenbruchteile, lässt sich aber in drei Schritte zerlegen:
- Verbrennung: Aus jedem Kilogramm Kerosin entstehen deutlich mehr als ein Kilogramm Wasserdampf – Wasserstoff aus dem Kraftstoff verbindet sich mit Sauerstoff aus der Luft. Dazu kommen Rußpartikel, Schwefelverbindungen und flüchtige organische Teilchen.
- Mischung: Das Abgas verlässt das Triebwerk heiß und feucht. Beim Vermischen mit der eiskalten Umgebungsluft kühlt es schlagartig ab. Weil kalte Luft viel weniger Wasserdampf halten kann als warme, durchläuft die Mischung kurz einen Zustand, in dem sie gegenüber flüssigem Wasser übersättigt ist.
- Gefrieren: Der Dampf kondensiert an den Partikeln zu winzigen Tröpfchen, die bei diesen Temperaturen sofort gefrieren. Hinter einem großen Jet entstehen so in jeder Sekunde unvorstellbar viele Eiskristalle.
Die Meteorologie fasst die Bedingung im Schmidt-Appleman-Kriterium zusammen, benannt nach dem deutschen Physiker Ernst Schmidt und dem US-Meteorologen Herbert Appleman. Es sagt aus Druck, Temperatur und Feuchte der Umgebung sowie aus Eigenschaften des Triebwerks voraus, ob ein Streifen überhaupt entstehen kann. Ein interessanter Nebeneffekt: Je effizienter ein Triebwerk arbeitet, desto kühler ist sein Abgas bei gleichem Wasserdampfgehalt – Kondensstreifen können sich hinter modernen Triebwerken deshalb schon bei etwas höheren Umgebungstemperaturen bilden als hinter alten. Wie sich moderne und ältere Triebwerke äußerlich unterscheiden, zeigt der Guide Triebwerke erkennen.
Warum gerade in Reiseflughöhe?
Weil es dort kalt genug ist. In tieferen, wärmeren Schichten reicht die Abkühlung beim Vermischen meist nicht, um die Mischung zu übersättigen. Die meisten Jets fliegen auf Strecke grob zwischen acht und zwölf Kilometern – genau in dem Bereich, in dem die Bedingungen oft erfüllt sind. Warum Verkehrsflugzeuge überhaupt so hoch fliegen, erklärt der Artikel Warum Flugzeuge in rund 10.000 Metern fliegen.
Abgas-Streifen und aerodynamische Kondensation
Nicht jede weiße Spur am Flugzeug kommt aus dem Triebwerk. Bei Start und Landung siehst du an feuchten Tagen oft Nebelfahnen über den Flügeln oder spiralige Schläuche an den Klappenenden. Sie entstehen, weil der Luftdruck über dem Flügel und im Kern der Wirbel stark absinkt und die Luft dabei abkühlt. Diese aerodynamische Kondensation ist ein völlig anderes Phänomen, kurzlebig und in Bodennähe – und ein dankbares Fotomotiv. Wie du sie erwischst, beschreibt der Guide Wirbel und Kondensation über den Flügeln fotografieren.
Warum manche Streifen bleiben und andere nicht
Das ist die Frage, die am Spotterzaun am häufigsten fällt. Die Antwort steckt in einer Größe, die du vom Boden aus nicht sehen kannst: der relativen Feuchte über Eis in Flughöhe.
| Zustand der Luft in Flughöhe | Was mit dem Streifen passiert | Typisches Bild am Himmel |
|---|---|---|
| Zu warm oder zu trocken für das Schmidt-Appleman-Kriterium | Es entsteht gar kein Streifen | Der Jet zieht als silberner Punkt ohne Spur vorbei |
| Kalt genug, aber gegenüber Eis untersättigt | Kristalle verdunsten nach Sekunden bis wenigen Minuten | Kurzer weißer Strich, der dem Flugzeug folgt wie ein Schweif |
| Gegenüber Eis gesättigt bis übersättigt | Kristalle bleiben stabil oder wachsen weiter | Langer Streifen, der stehen bleibt, sich verbreitert und verweht |
| Deutlich übersättigt, großflächig | Streifen breiten sich stundenlang aus und verschmelzen | Netz aus Streifen, später ein milchiger Schleier aus Zirren |
Eisübersättigte Luftschichten sind ein normaler Teil der oberen Troposphäre. In ihnen ist eigentlich genug Feuchtigkeit für Eiswolken vorhanden, es fehlen aber Kristallisationskeime – erst das Flugzeug liefert sie. Diese Schichten sind oft nur einige hundert Meter dick, dafür aber manchmal sehr weit ausgedehnt. Deshalb kannst du beobachten, dass zwei Jets im Abstand von wenigen Minuten ganz unterschiedliche Spuren hinterlassen: Der eine fliegt mitten durch die feuchte Schicht, der andere ein paar hundert Meter darüber oder darunter.
Streifen als Wetterzeichen
Viele langlebige Streifen, die sich zu Schleiern ausbreiten, zeigen feuchte Luft in großer Höhe an. Das ist oft ein Vorbote einer heranziehenden Warmfront mit dichterer Bewölkung. Sind die Streifen dagegen kurz und verschwinden schnell, ist die Luft oben trocken. Eine sichere Wettervorhersage ist das nicht, aber ein brauchbarer Hinweis, den du mit Wetter-Apps für Spotter gegenprüfen kannst.
Vom Streifen zur Wolke: Kondensstreifen-Zirren
Bleibt ein Streifen stehen, beginnt eine zweite Phase. Der Wind in der Höhe ändert sich mit der Höhe – diese Windscherung zieht den Streifen in die Breite. Die Eiskristalle wachsen, sinken langsam ab und verteilen sich. Nach einer Stunde ist aus dem scharfen Strich oft ein breites, faseriges Band geworden, nach einigen Stunden ein Schleier, der sich von natürlichen Zirruswolken kaum noch unterscheiden lässt. Fachleute sprechen von Kondensstreifen-Zirren (englisch „contrail cirrus“). Solche Gebilde können mehrere Kilometer breit werden und über lange Zeit bestehen; auf Satellitenbildern lassen sich einzelne Streifen weit länger verfolgen, als man sie vom Boden aus noch als Flugzeugspur erkennt.
Bei vierstrahligen Flugzeugen kannst du beobachten, wie die einzelnen Abgasfahnen zunächst nebeneinander laufen, sich dann paarweise und schließlich zu einem breiten Streifen vereinen. Der Grund sind die Wirbel an den Flügelspitzen, die das Abgas einfangen und nach unten tragen.
Die Gegenspur: Distrails
Es geht auch umgekehrt. Fliegt ein Jet durch eine dünne Wolkenschicht, kann er eine freie Schneise hinterlassen – einen sogenannten Dissipationsstreifen oder Distrail. Wärme aus dem Abgas und das Einmischen trockenerer Luft lassen die Wolkentröpfchen entlang der Flugbahn verdunsten. Distrails sind deutlich seltener als Kondensstreifen und deshalb ein schöner Fund für Himmelsbeobachter.
Vom Streifen zum Kennzeichen
Lege in Planetrack Sichtungs-Alarme für Typen, Airlines oder Special Liveries an und erfahre, wann sie an deinem Flughafen landen – dann siehst du sie auch aus der Nähe statt nur als Streifen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Die Klimawirkung von Kondensstreifen
Lange galt beim Thema Fliegen und Klima vor allem das CO₂ als Maßstab. Inzwischen ist klar: Der Luftverkehr wirkt auch über andere Wege auf das Klima, und die Kondensstreifen sind dabei der auffälligste.
Zwei Effekte gegeneinander
Ein Kondensstreifen beeinflusst den Strahlungshaushalt in zwei Richtungen:
- Kühlend: Tagsüber reflektieren die Eiskristalle einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All, bevor es den Boden erreicht.
- Wärmend: Gleichzeitig halten sie Wärmestrahlung zurück, die die Erdoberfläche und die tiefere Atmosphäre abgeben – ähnlich wie eine natürliche Zirruswolke.
Im globalen Mittel überwiegt nach heutigem Kenntnisstand der wärmende Teil. Besonders deutlich wird das nachts: Dann gibt es kein Sonnenlicht zu reflektieren, und es bleibt nur die Wärmewirkung. Eine Auswertung zum Nordatlantik-Verkehr kam zu dem Ergebnis, dass Nachtflüge einen weit überproportionalen Anteil an der Streifen-Wirkung haben, ebenso Winterflüge.
Die Zahlen und ihre Unsicherheit
Die meistzitierte Gesamtbilanz ist die Studie von Lee et al. (2021) in der Fachzeitschrift Atmospheric Environment. Sie bewertet die Klimawirkung des Luftverkehrs für das Jahr 2018 mit dem sogenannten effektiven Strahlungsantrieb, gemessen in Milliwatt pro Quadratmeter.
| Beitrag des Luftverkehrs (2018) | Effektiver Strahlungsantrieb | Vertrauen der Autoren |
|---|---|---|
| Kondensstreifen-Zirren | rund 57 mW/m² | niedrig, große Spannbreite |
| CO₂ aus dem Kerosin | rund 34 mW/m² | hoch |
| Stickoxide (netto) | rund 18 mW/m² | niedrig |
| Gesamter Luftverkehr (netto) | rund 101 mW/m² | – |
Nach dieser Bilanz macht der Luftverkehr rund 3,5 Prozent des gesamten menschengemachten effektiven Strahlungsantriebs aus, und etwa zwei Drittel seiner Wirkung gehen nicht auf CO₂ zurück. Die Kondensstreifen-Zirren sind darin der größte Einzelposten.
Wichtig sind aber die Einschränkungen:
- Große Spannbreite: Beim Kondensstreifen-Wert geben die Autoren eine Unsicherheit an, die fast so groß ist wie der Wert selbst. Beim CO₂ ist sie viel kleiner.
- Wirksamkeit am Boden: Arbeiten aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) deuten darauf hin, dass ein bestimmter Strahlungsantrieb durch Kondensstreifen die Erdoberfläche weniger stark erwärmt als derselbe Antrieb durch CO₂.
- Kurz gegen lang: Ein Kondensstreifen wirkt Stunden, CO₂ bleibt Jahrhunderte in der Atmosphäre. Wie man beides vergleicht, hängt vom gewählten Zeitraum ab – über kurze Zeiträume wirken Streifen relativ stärker, über lange holt das CO₂ auf.
- Offene Fragen: Neuere Untersuchungen zeigen, dass sich viele langlebige Streifen innerhalb bereits vorhandener Zirruswolken bilden. Das macht die Bewertung komplizierter als lange angenommen.
Kurz gesagt: Dass Kondensstreifen einen relevanten Beitrag zur Klimawirkung des Fliegens leisten, ist wissenschaftlicher Konsens. Wie groß er genau ist, wird noch erforscht.
Kann man Kondensstreifen vermeiden?
Weil die Wirkung so stark an bestimmte Wetterlagen gebunden ist, gibt es zwei vielversprechende Ansätze.
Feuchte Schichten umfliegen
Eine Studie von Teoh und Kollegen (2020) zum Luftraum über Japan kam zu dem Ergebnis, dass nur rund 2 Prozent der Flüge etwa 80 Prozent der Kondensstreifen-Wirkung verursachten. Kleine Höhenänderungen bei einem Bruchteil der Flüge könnten demnach einen großen Teil der Wirkung vermeiden. Der Haken: Eine andere Flughöhe kostet oft etwas zusätzlichen Kraftstoff und damit CO₂. Die Abwägung lohnt sich nur, wenn die Vorhersage der feuchten Schichten zuverlässig ist.
Genau das wurde in der Praxis getestet. Google Research, American Airlines und Breakthrough Energy haben 2023 einen Versuch veröffentlicht: Piloten wichen bei 70 Testflügen über ein halbes Jahr auf Basis einer KI-gestützten Vorhersage gezielt Flughöhen aus, in denen Streifen wahrscheinlich waren. Satellitenauswertungen zeigten rund 54 Prozent weniger Kondensstreifen, die betroffenen Flüge verbrauchten etwa 2 Prozent mehr Kraftstoff. Auch in Europa laufen Versuche mit Flugsicherungen; welche Rolle dabei Organisationen wie Eurocontrol oder die DFS spielen, erklären die verlinkten Artikel.
Für Spotter heißt das: Wenn du auf einer Flugradar-Karte siehst, dass ein Jet ohne erkennbaren Grund die Flugfläche wechselt, kann auch das ein Grund sein – neben Turbulenzen, Gegenverkehr oder Wind. Mehr zu Höhenwechseln wegen unruhiger Luft steht unter Turbulenzen erklärt.
Sauberer verbrennen
Der zweite Hebel liegt im Kraftstoff. Weniger Rußpartikel im Abgas bedeuten weniger Kristallisationskeime – der Streifen besteht dann aus weniger, dafür größeren Eiskristallen, ist optisch dünner und löst sich schneller auf. In der Messkampagne ECLIF3 von DLR, Airbus und Rolls-Royce flog ein Airbus A350-900 mit Rolls-Royce-Triebwerken mit nachhaltigem Flugkraftstoff, ein Forschungsflugzeug folgte ihm durch den Streifen. Gegenüber herkömmlichem Kerosin wurden dabei deutlich weniger Eiskristalle gemessen, berichtet wurde eine Reduktion um gut die Hälfte. Als Ursache gelten vor allem der geringere Gehalt an Aromaten und Schwefel.
Was für Ausweichrouten spricht
- Wenige Flüge verursachen den Großteil der Wirkung
- Feuchte Schichten sind oft nur wenige hundert Meter dick
- Ohne neue Flugzeuge oder Triebwerke umsetzbar
Was dagegen spricht
- Vorhersage der Feuchte in Flughöhe ist noch ungenau
- Umwege und Höhenwechsel kosten Kraftstoff und damit CO₂
- Mehr Aufwand für Flugsicherung und Cockpit in dichtem Luftraum
Kondensstreifen beobachten: was Spotter davon haben
Für Planespotter sind Kondensstreifen mehr als ein Klimathema. Sie verraten dir Flugzeuge, die du sonst übersehen würdest, und sie sind ein eigenes Fotomotiv.
- Typ bestimmen: Zwei oder vier Abgasfahnen lassen sich mit Fernglas oder Teleobjektiv oft unterscheiden, bevor du das Flugzeug selbst erkennst. Ein Vierstrahler wie die Boeing 747 zieht anfangs vier getrennte Linien.
- Flug zuordnen: Uhrzeit und Flugrichtung notieren und mit einer Flugradar-App abgleichen. Wie das sauber klappt, beschreibt Sichtungen mit ADS-B abgleichen; eine Übersicht der Werkzeuge liefert der Vergleich der Flugradar-Apps.
- Routen lesen: Auffällig gekrümmte Streifen über Mitteleuropa folgen oft den großen Nordatlantik-Routen. Warum Flugzeuge scheinbar Bögen fliegen, erklärt Großkreis-Flugrouten.
- Fotografieren: Die Technik für scharfe Bilder in zehn Kilometern Entfernung – Brennweite, Belichtung, Fokus – steht ausführlich im Guide Flugzeuge in Reiseflughöhe fotografieren.
Kannst du den Streifen über dir deuten?
- Ich kann einschätzen, ob die Luft in Flughöhe eher trocken oder feucht ist.
- Ich erkenne, ob der Streifen von zwei oder vier Triebwerken stammt.
- Ich unterscheide Abgas-Streifen von aerodynamischer Kondensation.
- Ich weiß, wie ich den Flug per Flugradar zuordne.
- Ich kann erklären, warum Streifen tagsüber und nachts unterschiedlich wirken.
Mythen rund um Kondensstreifen
„Lange Streifen bedeuten mehr Abgas.“ Nein. Die Länge und Haltbarkeit hängt fast vollständig von der Luft ab, nicht von der Menge des Abgases. Derselbe Jet kann an einem Tag gar keinen und am nächsten einen kilometerlangen Streifen ziehen.
„Kondensstreifen sind Chemtrails.“ Die Behauptung, langlebige Streifen seien heimlich versprühte Chemikalien, ist eine Verschwörungserzählung ohne Belege. Atmosphärenforschende haben sie wiederholt geprüft und zurückgewiesen. Das unterschiedliche Verhalten der Streifen erklärt sich vollständig durch Temperatur und Feuchte in Flughöhe.
„Kondensstreifen sind Rauch.“ Sie bestehen im Wesentlichen aus Eiskristallen. Ruß ist zwar beteiligt, aber nur als winziger Keim, an dem das Wasser gefriert.
„Moderne Flugzeuge machen keine Streifen mehr.“ Im Gegenteil: Effizientere Triebwerke geben kühleres Abgas ab und können dadurch bei etwas wärmerer Umgebungsluft Streifen bilden. Weniger Ruß kann die Streifen aber dünner und kurzlebiger machen.
Himmel, Flughafen und Community in einer App
Prüfe in Planetrack Wetter, Wind und aktive Pisten an deinem Flughafen, finde Spots mit bestem Licht auf der Spot-Karte und teile deine schönsten Streifen-Bilder mit der Community – vielleicht wird eins davon Foto der Woche. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Kondensstreifen entstehen, wenn feuchtes Triebwerksabgas in der eiskalten Luft der Reiseflughöhe gefriert. Ob sie sofort verschwinden oder stundenlang bleiben, entscheidet die Feuchte in Flughöhe: In eisübersättigter Luft wachsen sie zu Schleierwolken, den Kondensstreifen-Zirren. Diese Wolken tragen nach heutigem Stand einen großen Teil zur Klimawirkung des Luftverkehrs bei, vor allem nachts und im Winter. Die genaue Größe ist aber noch unsicher. Gezielte Höhenwechsel und sauberere Kraftstoffe gelten als die wichtigsten Gegenmittel, und beide werden gerade in der Praxis getestet. Für dich als Spotter ist jeder Streifen außerdem ein Hinweis: auf das Wetter da oben, auf den Flugzeugtyp – und auf ein Motiv, das sich mit langer Brennweite lohnt.
Kurzfazit
Kondensstreifen sind Eiswolken aus Triebwerksabgas. Ob sie bleiben, hängt nicht vom Flugzeug, sondern von der Feuchte in Flughöhe ab. Langlebige Streifen wärmen das Klima spürbar mit, wie stark genau, wird noch erforscht. Wenige Flüge durch feuchte Schichten verursachen den Großteil der Wirkung – und genau dort setzen Ausweichrouten und sauberere Kraftstoffe an.
Zusammenfassung
- Ob ein Kondensstreifen entsteht, hängt von Temperatur und Feuchte der Umgebungsluft sowie vom Triebwerk ab. Die physikalische Bedingung beschreibt das Schmidt-Appleman-Kriterium.
- Wie lange er bleibt, bestimmt vor allem die relative Feuchte über Eis in Flughöhe: untersättigt bedeutet kurzlebig, übersättigt bedeutet langlebig und breitwerdend.
- Tagsüber reflektieren Kondensstreifen Sonnenlicht und halten gleichzeitig Wärmestrahlung zurück, nachts bleibt nur der wärmende Effekt. Abendliche und nächtliche Flüge tragen deshalb überproportional bei.
- Ausweichen in andere Flughöhen und sauberere Kraftstoffe mit weniger Ruß gelten als die wichtigsten Hebel. Die Forschung dazu läuft, die Zahlen sind noch mit großer Unsicherheit behaftet.
Häufige Fragen
Was ist ein Kondensstreifen?
Ein Kondensstreifen ist eine künstliche, linienförmige Eiswolke hinter einem Flugzeug. Er entsteht, wenn heißes, feuchtes Triebwerksabgas sich mit der sehr kalten Umgebungsluft in Reiseflughöhe mischt. Der Wasserdampf kondensiert an Ruß- und anderen Partikeln und gefriert innerhalb von Sekundenbruchteilen zu Eiskristallen.
Ab welcher Höhe entstehen Kondensstreifen?
Meist oberhalb von etwa acht Kilometern, weil die Luft dort in der Regel kälter als rund minus 40 Grad ist. Eine feste Höhengrenze gibt es aber nicht: Entscheidend ist die Kombination aus Temperatur, Feuchte und Triebwerk. Im Winter und in sehr kalter Luft können Streifen auch tiefer auftreten.
Warum verschwinden manche Kondensstreifen sofort und andere bleiben stundenlang?
Das bestimmt die Luftfeuchte in Flughöhe. Ist die Luft dort trocken, verdunsten die Eiskristalle schnell und der Streifen ist nach wenigen Sekunden bis Minuten weg. Ist die Luft gegenüber Eis übersättigt, wachsen die Kristalle weiter, der Streifen breitet sich aus und kann sich über Stunden zu einer Schleierwolke entwickeln.
Wie stark tragen Kondensstreifen zur Klimawirkung des Fliegens bei?
In der umfassenden Bilanz von Lee et al. (2021) für das Jahr 2018 haben Kondensstreifen-Zirren mit rund 57 Milliwatt pro Quadratmeter den größten Anteil am effektiven Strahlungsantrieb des Luftverkehrs, das CO₂ kommt auf rund 34. Die Unsicherheit beim Kondensstreifen-Wert ist aber groß, und neuere Studien diskutieren, wie stark dieser Antrieb die Erdoberfläche tatsächlich erwärmt.
Kühlen Kondensstreifen nicht auch?
Tagsüber ja, teilweise: Sie reflektieren einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All. Gleichzeitig halten sie Wärmestrahlung von der Erde zurück. Im globalen Mittel überwiegt nach heutigem Stand der wärmende Effekt. Nachts fällt die Kühlung ganz weg, deshalb wirken Streifen aus Abend- und Nachtflügen besonders stark.
Kann man Kondensstreifen vermeiden?
Teilweise. Weil die feuchten, übersättigten Luftschichten oft nur wenige hundert Meter dick sind, reicht manchmal eine Änderung der Flughöhe. Versuche, etwa von Google Research mit American Airlines, haben gezeigt, dass sich die Zahl der Streifen so deutlich senken lässt. Auch Kraftstoffe mit weniger Aromaten und Ruß führen zu weniger Eiskristallen.
Was sind Chemtrails?
Der Begriff stammt aus einer Verschwörungserzählung, nach der langlebige Streifen gezielt versprühte Chemikalien seien. Dafür gibt es keine Belege. Dass manche Streifen lange stehen bleiben und andere nicht, erklärt sich vollständig durch die unterschiedliche Feuchte in Flughöhe.
Weiterlesen in Reisen & Fliegen
- Aus dem Flugzeugfenster fotografieren: Spiegelungen, Einstellungen und Motive
- Fensterblenden, Sitzlehnen, Kabinenlicht: Warum bei Start und Landung strenge Regeln gelten
- Den besten Fensterplatz für Fotos wählen: Tragfläche, Sonnenseite und Sitzplanung
- Flugangst verstehen und überwinden: Technik, Seminare und Strategien
- Fluggastrechte nach EU 261: Entschädigung bei Verspätung und Annullierung
- Flugzeugtyp vor der Buchung herausfinden: Equipment-Codes und Flugplandaten lesen
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Rolls-Royce
Britischer Triebwerkshersteller mit über hundert Jahren Luftfahrtgeschichte: Die Trent-Familie treibt A330, A350, A380 und Boeing 787 an, die Business-Jet-Triebwerke kommen aus Dahlewitz bei Berlin. Für Spotter ist Rolls-Royce die Frage hinter der Frage – welcher Antrieb hängt eigentlich unter dem Flügel?
HerstellerAirbus
Europäisches Luft- und Raumfahrtunternehmen und einer der beiden großen Hersteller von Verkehrsflugzeugen – mit Flugzeugfamilien vom A220 bis zum A350.
Das könnte dich auch interessieren
Flugzeuge in Reiseflughöhe fotografieren: Kondensstreifen, Brennweite, Belichtung
Ein Jet in zehn Kilometern Höhe ist auf dem Sensor nur ein paar hundert Pixel groß. Wie du Brennweite, Belichtung, Fokus und Timing so kombinierst, dass aus dem weißen Strich am Himmel ein erkennbares Flugzeug wird.
Reisen & FliegenWarum Flugzeuge in rund 10.000 Metern fliegen: Reiseflughöhe und Flugflächen
Dünne Luft, ruhiges Wetter, wenig Verbrauch: Warum Verkehrsjets meist zwischen 9 und 12 Kilometern unterwegs sind, was eine Flugfläche ist und warum ostwärts andere Höhen gelten als westwärts.
Kamera & ObjektiveWirbel und Kondensation über den Flügeln fotografieren
Sichtbare Randwirbel, Nebel über der Tragfläche und Dampfkegel entstehen nur bei feuchter Luft und viel Auftrieb. Wie du die Tage erkennst, die richtige Position wählst und die flüchtigen Schleier sauber aufs Bild bekommst.



