Das Wichtigste in Kürze
- Der S-76 ist ein zweimotoriger Mehrzweckhubschrauber der Fünf-Tonnen-Klasse und war Sikorskys erstes Muster, das von Anfang an für zivile Kunden entwickelt wurde.
- Schnellster Erkennungsweg: vier Rotorblätter, offener Heckrotor links am Heck und ein Radfahrwerk, das ohne Sponsons im Rumpf verschwindet.
- Haupteinsatzfelder: Offshore-Flüge zu Öl- und Gasplattformen, VIP- und Firmentransport, Luftrettung sowie Such- und Rettungseinsätze.
- Varianten von A bis D unterscheiden sich vor allem bei Triebwerken und Avionik – von außen hilft meist nur das Kennzeichen.
- Seit März 2022 nimmt Sikorsky keine Neubestellungen mehr an. Der Bestand schrumpft, die S-76 wird für Spotter langsam zum Klassiker.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist der Sikorsky S-76?
- 2.Vier Einsatzfelder, ein Hubschrauber
- 3.Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
- 4.Die Varianten von A bis D
- 5.S-76, S-92, AW139 oder Dauphin?
- 6.Rekorde, Meilensteine und ein Unglück
- 7.Das Ende der Produktion
- 8.Wo du den S-76 antriffst
- 9.Fototipps für den S-76
- 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 11.Die Sikorsky-Familie im Überblick
- 12.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Sikorsky Aircraft (seit 2015 Teil von Lockheed Martin) |
|---|---|
| ICAO-Typcode | S76 |
| Programmstart | Januar 1975 (ursprünglich als S-74 geplant) |
| Erstflug | 13. März 1977 |
| FAA-Zulassung | 21. November 1978 |
| Erstauslieferung | Februar 1979 (S-76A) |
| Triebwerke | je nach Variante 2 × Allison 250, Turbomeca Arriel, Pratt & Whitney Canada PT6B oder PW210S |
| Hauptrotor | 4 Blätter, 13,41 m Durchmesser |
| Heckrotor | 4 Blätter, offen, links am Leitwerksträger |
| Länge (Rotoren drehend) | 16,00 m |
| Max. Abfluggewicht | rund 5,3 t (S-76C++ und S-76D) |
| Passagiere | bis zu 12–13, als VIP-Version typisch 4–8 (2 Piloten) |
| Fahrwerk | Einziehbares Bugradfahrwerk |
| Gebaute Exemplare | über 875 laut Lockheed Martin |
| Status | Keine Neubestellungen mehr seit März 2022, Ersatzteil- und Technikunterstützung läuft weiter |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Vierblättriger Hauptrotor über einem schlanken, stromlinienförmigen Rumpf
- Offener, vierblättriger Heckrotor auf der linken Seite des Leitwerksträgers – kein Fenestron
- Einziehbares Bugradfahrwerk ohne ausladende Seitenstummel wie beim AW139 oder S-92
- Lange, spitz zulaufende Nase vor dem Cockpit, die dem Rumpf fast ein Jet-artiges Profil gibt
- Beide Triebwerke sitzen oben auf dem Rumpf hinter dem Rotormast
- Mittlere Größe: deutlich kleiner und schlanker als der S-92, ähnlich groß wie AS365 Dauphin und AW139
Aktualisiert: Oktober 2026 – Ein dunkel lackierter Hubschrauber mit langer, spitzer Nase landet auf einem Firmengelände, ein Offshore-Shuttle hebt von einer Plattform ab, ein Rettungsteam fliegt über eine Küste: Hinter allen drei Szenen kann ein Sikorsky S-76 stecken. Er war Sikorskys erster Hubschrauber, der von Anfang an für den zivilen Markt gebaut wurde. Über Jahrzehnte prägte er das Bild von VIP-Transport und Offshore-Fliegerei. Hier erfährst du, wie du ihn sicher erkennst, welche Varianten es gibt und warum jede Sichtung inzwischen etwas Besonderes ist.
Ein Klassiker für deinen Hangar
Mit Planetrack hältst du jede S-76-Sichtung mit Foto, Kennzeichen, Betreiber und Spot fest und hakst den Typ in deinem Hangar ab. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Was ist der Sikorsky S-76?
Der S-76 ist ein mittelgroßer Zweimotorer mit einem maximalen Abfluggewicht von rund 5,3 Tonnen in den späten Versionen. In der Größe liegt er zwischen leichten Zweimotorern wie dem Airbus H145 und schweren Mustern wie dem hauseigenen Sikorsky S-92. Zwei Piloten fliegen ihn, in der Kabine sitzen je nach Ausstattung bis zu zwölf oder dreizehn Passagiere. Als VIP-Hubschrauber mit Ledersesseln sind es meist vier bis acht.
Sikorsky kündigte das Projekt am 19. Januar 1975 an. Die Zielgruppen waren klar: Unternehmen, die ihre Manager schnell und komfortabel transportieren wollten, und die Ölindustrie, die Personal zu Bohrinseln bringen musste. Technisch profitierte der Neue vom Militärprogramm S-70, aus dem der UH-60 Black Hawk hervorging: Rotorblätter und Rotorkopf bauen auf dieser Technik auf.
Ursprünglich sollte der Hubschrauber S-74 heißen. Weil die USA 1976 ihr 200-jähriges Bestehen feierten, entschied sich Sikorsky für die Nummer 76. Eine Zeit lang trug der Typ zusätzlich den Namen „Spirit“, den das Unternehmen im Oktober 1980 wieder strich.
Der Prototyp flog am 13. März 1977 – etwa zwei Monate früher als geplant. Die Zulassung durch die amerikanische FAA folgte am 21. November 1978, die erste S-76A ging im Februar 1979 an einen Kunden. Laut Lockheed Martin, seit 2015 Mutterkonzern von Sikorsky, wurden seitdem über 875 Maschinen ausgeliefert, die zusammen mehr als 7,5 Millionen Flugstunden gesammelt haben.
Vier Einsatzfelder, ein Hubschrauber
Lockheed Martin teilt die S-76-Welt in vier Bereiche auf. Für Spotter ist das hilfreich, weil der Einsatzzweck oft schon an Lackierung und Ausstattung zu erkennen ist.
Offshore
Mit rund 65 Prozent aller Flugstunden das wichtigste Feld. Der S-76 brachte jahrzehntelang Crews zu Öl- und Gasplattformen, etwa in der Nordsee, im Golf von Mexiko oder vor Asien. Große Betreiber waren CHC Helicopter und Bristow.
VIP und Firmen
Laut Lockheed Martin nutzen mehr als 178 Kunden den S-76 als Firmen- oder VIP-Hubschrauber. Zehn Länder setzen ihn zum Transport von Staatsoberhäuptern ein.
Such- und Rettungsdienst
Küstenwachen und SAR-Betreiber fliegen den S-76 mit Rettungswinde und Suchausrüstung. Auch die japanische Küstenwache beschaffte die S-76D.
Luftrettung
Rettungsdienste und Krankenhäuser nutzen ihn als Intensivtransporter, zum Beispiel Magen David Adom in Israel oder LifeFlight in Nova Scotia (Kanada).
Zusammen machen Luftrettung und SAR laut Hersteller mehr als zehn Prozent der Flugstunden aus. Dazu kommen militärische Nutzer: Die philippinische Luftwaffe erhielt eine bewaffnete Version namens AUH-76, Thailands Marine fliegt den S-76B. Eine Marineversion namens H-76 Eagle wurde ab 1985 angeboten, fand aber keinen Käufer.
Die drei Merkmale, die zur Bestimmung reichen
Mittelgroße Zweimotorer sehen sich aus der Ferne oft ähnlich. Beim S-76 bringen dich drei Beobachtungen ans Ziel.
Blätter zählen
Der S-76 hat einen vierblättrigen Hauptrotor. Der AW139 mit fünf Blättern fällt damit sofort heraus.
Aufs Heck schauen
Am Ende des Leitwerksträgers sitzt ein offener Heckrotor mit vier Blättern, und zwar auf der linken Seite. Ein ummantelter Fenestron deutet dagegen auf AS365 Dauphin, H155 oder H160.
Fahrwerk prüfen
Der S-76 hat ein einziehbares Bugradfahrwerk. Die Haupträder verschwinden im Rumpf, ohne große Stummel an den Seiten. Das gibt ihm im Flug seine glatte, schlanke Silhouette.
Dazu kommt die Form: Die Nase ist lang und läuft spitz zu, der Rumpf wirkt flach und gestreckt, die beiden Triebwerke sitzen oben hinter dem Rotormast. Viele Betrachter finden, dass der S-76 im Profil eher an ein Geschäftsflugzeug als an einen Arbeitshubschrauber erinnert. Die letzte Bestätigung liefert das Kennzeichen. Wie du es liest und im Register findest, erklärt der Beitrag Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Praxis-Tipp: Profil statt Frontansicht
Von vorn sehen sich viele Zweimotorer zum Verwechseln ähnlich. Im Seitenprofil zeigt der S-76 dagegen alles, was ihn ausmacht: lange Nase, glatter Rumpf ohne Sponsons und den Heckrotor links am Heck. Such dir also einen Standpunkt seitlich der An- oder Abflugrichtung.
Die Varianten von A bis D
Von außen ändert sich über die Jahrzehnte erstaunlich wenig. Die großen Unterschiede stecken in Triebwerken, Rotorblättern und Cockpit. Für die Bestimmung der Variante brauchst du deshalb in aller Regel das Kennzeichen.
| Variante | Triebwerke | Besonderheiten |
|---|---|---|
| S-76A | 2 × Allison 250-C30 | Erste Serienversion ab 1979, 284 gebaut |
| S-76A+ / A++ | 2 × Turbomeca Arriel 1S bzw. 1S1 | Umgerüstete A-Modelle, A+ in 17 Exemplaren |
| S-76 Mk II | stärkere Triebwerke | Ab 1982 angeboten |
| S-76B | 2 × Pratt & Whitney Canada PT6B-36 | 101 gebaut |
| S-76C | 2 × Turbomeca Arriel 1S1 | 43 gebaut |
| S-76C+ | 2 × Arriel 2S1 mit FADEC | 35 gebaut, Glascockpit |
| S-76C++ | 2 × Arriel 2S2 | Löste ab Januar 2006 die Vorgänger in der Produktion ab |
| S-76D | 2 × Pratt & Whitney Canada PW210S | Erstflug 2009, FAA-Zulassung Oktober 2012, Verbund-Rotorblätter |
Die Triebwerkshersteller kennst du vielleicht aus der Verkehrsluftfahrt: Turbomeca gehört heute zu Safran, Pratt & Whitney Canada ist Teil der Pratt-&-Whitney-Familie.
Die S-76D ist die letzte Ausbaustufe. Sie flog erstmals am 7. Februar 2009 und brauchte nach Verzögerungen fast vier Jahre bis zur Zulassung im Oktober 2012. Neu waren die Triebwerke vom Typ PW210S, Rotorblätter aus Verbundwerkstoff und ein modernisiertes Cockpit.
Variante nicht am Aussehen festmachen
Viele ältere S-76 wurden im Lauf der Jahre umgerüstet, neu lackiert und mehrfach umregistriert. Was in einer älteren Liste als S-76A steht, kann heute anders ausgerüstet sein. Verlass dich für die Variante auf aktuelle Registerdaten.
S-76, S-92, AW139 oder Dauphin?
Im Offshore- und Rettungsbereich triffst du oft auf mehrere Typen ähnlicher Größe. Der Finder hilft dir, mit drei Beobachtungen einzugrenzen.
Schnellbestimmung: mittelgroßer Zweimotorer
Sikorsky S-76
Vier Blätter, offener Heckrotor links und ein glatter Rumpf ohne Sponsons: Das ist das typische S-76-Bild. Prüf jetzt das Kennzeichen, um die Variante zu klären.
Sikorsky S-92
Ein deutlich größerer Rumpf mit seitlichen Fahrwerksstummeln spricht für den S-92, den schweren Nachfolger im Offshore-Geschäft.
Leonardo AW139
Fünf Rotorblätter und Sponsons am Rumpf deuten auf den AW139, der den S-76 bei vielen Offshore-Betreibern abgelöst hat.
AS365 Dauphin oder Verwandte
Ein ummantelter Heckrotor ist das Kennzeichen der Dauphin-Familie und ihrer Nachfolger H155 und H160.
Die Einordnung nach Größe hilft zusätzlich: Der Leonardo AW139 ist etwas schwerer und wirkt durch die Sponsons breiter. Der Airbus AS365 Dauphin spielt in einer ähnlichen Klasse, ist aber am Fenestron sofort zu erkennen. Moderne Offshore-Typen wie der Airbus H175 sind deutlich größer und höher. Mehr Grundlagen zur Typbestimmung findest du im Guide Hubschraubertypen erkennen.
Rekorde, Meilensteine und ein Unglück
Der S-76 hat ein paar Kapitel Luftfahrtgeschichte geschrieben. 1982 stellte eine S-76A mehrere von der FAI anerkannte Klassenrekorde für Reichweite, Steigleistung, Geschwindigkeit und Gipfelhöhe auf. Im Juni 1995 umrundete der australische Abenteurer Dick Smith mit einem S-76 als Erster die Welt in einem Hubschrauber von Ost nach West.
2016 diente eine Maschine als Versuchsträger für autonomes Fliegen und legte rund 30 Meilen weitgehend selbstständig zurück, Start und Landung eingeschlossen. Eine Versuchsmaschine namens S-76 SHADOW diente zur Erprobung eines Ein-Piloten-Cockpits im Rahmen des Kampfhubschrauberprogramms RAH-66 Comanche.
Weltweite Aufmerksamkeit erhielt der Typ durch ein Unglück: Am 26. Januar 2020 stürzte eine S-76B bei dichtem Nebel in Calabasas, Kalifornien, ab. Alle neun Insassen kamen ums Leben, darunter Basketballstar Kobe Bryant und seine Tochter. Die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB nannte die räumliche Desorientierung des Piloten bei schlechter Sicht als wahrscheinliche Ursache.
Das Ende der Produktion
Im März 2022 gab Sikorsky auf der Fachmesse Heli-Expo bekannt, keine neuen Bestellungen für die S-76D mehr anzunehmen. Die Nachfrage war gering, die Produktionskosten hoch. Im Offshore-Markt hatte sich der AW139 durchgesetzt. Zudem verlangte die FAA für in den USA neu zugelassene Hubschrauber ab April 2020 crashsichere Kraftstoffsysteme, was weitere Investitionen erfordert hätte. 2021 lieferte Sikorsky laut Branchenberichten nur noch eine einzige S-76D aus.
Sikorsky kündigte damals an, nach internationalen Partnern für eine Lizenzfertigung zu suchen und bestehende Betreiber weiterhin mit Ersatzteilen und technischem Service zu versorgen. Teile der Zelle wurden übrigens in Europa gefertigt: Ab 2000 war das tschechische Unternehmen Aero Vodochody an der Fertigung beteiligt, die Endmontage fand in Stratford, Connecticut, statt.
Für Spotter heißt das: Der Bestand schrumpft langsam. Ältere A- und B-Modelle verschwinden, viele Offshore-Betreiber haben ihre Flotten auf neuere Typen umgestellt. Wie du einschätzt, wie selten eine Sichtung wirklich ist, steht im Beitrag Wie selten ist meine Sichtung?.
Nie wieder einen S-76 verpassen
Richte Sichtungs-Alarme für Kennzeichen oder den Typ ein und lass dich benachrichtigen, wenn ein S-76 anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Wo du den S-76 antriffst
Im DACH-Raum ist der S-76 ein seltener Gast. Luftrettung, Polizei und Offshore-Verkehr setzen hier fast durchweg auf Airbus- und Leonardo-Typen. Am ehesten begegnet er dir als VIP- oder Firmenhubschrauber, der zu einem Event, einer Messe oder einem Geschäftstermin einfliegt. Einen S-76 nutzte 2011 sogar ein Rekordversuch am Nürburgring, bei dem ein riesiges Werbebanner geschleppt wurde.
| Ort | Trefferchance | Warum |
|---|---|---|
| Großflughäfen mit Business-Aviation-Bereich | niedrig | Gelegentliche VIP- und Firmenflüge, oft unangekündigt |
| Nordseeküste mit Offshore-Basen | niedrig | Offshore-Verkehr läuft heute überwiegend mit anderen Typen |
| Großveranstaltungen und Messen | niedrig bis mittel | VIP-Shuttles nutzen gelegentlich den S-76 |
| Asien, Golf von Mexiko, Teile Afrikas | höher | Dort fliegen noch größere Bestände im Offshore- und Firmeneinsatz |
Flotten ändern sich
Welche Betreiber den S-76 noch fliegen, verschiebt sich laufend. Verlass dich nicht auf ältere Listen, sondern prüf aktuelle Bewegungen mit dem Typcode S76.
Wie du Hubschrauber überhaupt auf dem Radar findest – viele fliegen tief und senden nicht immer vollständige Daten –, erklärt der Guide Hubschrauber auf dem Flugradar finden. Wenn VIP-Hubschrauber bei Staatsbesuchen auftauchen, hilft dir außerdem der Artikel Regierungsflugzeuge spotten.
Bereit für die S-76-Jagd?
- Ich habe im Flugradar nach dem Typcode S76 gefiltert.
- Ich kenne Hubschrauberlandeplätze oder Business-Aviation-Bereiche in meiner Nähe.
- Ich weiß, wann größere Events oder Messen in der Region stattfinden.
- Mein Standpunkt ist öffentlich zugänglich und erlaubt.
- Kamera mit passender Verschlusszeit für die Rotorblätter ist eingestellt.
Fototipps für den S-76
Der S-76 ist mit seiner gestreckten Linie ein dankbares Motiv. Ein paar Punkte machen den Unterschied zwischen Beleg- und Galeriebild.
Rotor nicht einfrieren
Mit sehr kurzer Verschlusszeit stehen die Blätter still, und der Hubschrauber wirkt wie abgestellt. Etwas längere Zeiten erzeugen Bewegungsunschärfe im Rotor. Wie du die Zeit wählst, erklärt der Guide Propeller fotografieren.
Profil im Schwebeflug
Kurz vor dem Aufsetzen schwebt der S-76 oft einige Sekunden. Das ist die beste Gelegenheit für ein sauberes Seitenprofil mit ausgefahrenem Fahrwerk.
Fahrwerk ein- und ausgefahren
Im Reiseflug wirkt der S-76 ohne Räder besonders elegant. Ein Bild im Vorbeiflug zeigt die glatte Unterseite, die ihn von Kufenhubschraubern abhebt.
Abstand halten
Rotorabwind wirbelt Staub und Steine auf. Bleib bei Landungen auf Abstand, lass Rettungswege frei und fotografiere bei Rettungseinsätzen keine Patienten.
Weitere Praxis zum Thema bekommst du im Guide Hubschrauber spotten. Militärische Varianten siehst du am ehesten bei Flugtagen; was dort beim Fotografieren gilt, steht in Militärflugplätze fotografieren. Und wenn du Hubschrauber in Ruhe aus der Nähe ansehen willst, lohnt ein Besuch im Hubschraubermuseum Bückeburg.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für den S-76, wenn …
- du vier Hauptrotorblätter zählst
- der offene Heckrotor links am Leitwerksträger sitzt
- die Räder ohne Seitenstummel im Rumpf verschwinden
- im Tracking-Dienst S76 als Typ steht
Sieh genauer hin, wenn …
- du den Hubschrauber nur von vorn oder im Gegenlicht siehst
- der Rumpf auffällig hoch und massig wirkt – dann könnte es ein S-92 sein
- du die Rotorblätter im Flug nicht sicher zählen kannst
Die Sikorsky-Familie im Überblick
Der S-76 ist nur ein Teil der Sikorsky-Geschichte. Den militärischen Ursprung seiner Rotortechnik findest du beim UH-60 Black Hawk. Den größeren Offshore-Nachfolger zeigt die Seite zum S-92. Für Schwerlast stehen der CH-53, den auch die Bundeswehr fliegt, und der markante Kranhubschrauber S-64 Skycrane.
Fazit
Der S-76 war der Hubschrauber, mit dem Sikorsky den zivilen Markt eroberte. Er flog Manager zu Terminen, Arbeiter zu Bohrinseln und Retter zu Einsätzen. Seit 2022 nimmt Sikorsky keine neuen Bestellungen mehr an, die Flotte wird kleiner. Im deutschsprachigen Raum ist jede Sichtung ein kleiner Glücksfall – umso mehr lohnt es sich, die Erkennungsmerkmale im Kopf zu haben.
Kurzfazit
Vier Rotorblätter, offener Heckrotor links, Räder ohne Seitenstummel und eine lange, spitze Nase: Das ist der Sikorsky S-76. Wer ihn gezielt sucht, filtert nach S76 und achtet auf VIP- und Firmenflüge.
Zusammenfassung
- Sikorsky kündigte das Programm im Januar 1975 an, der Erstflug folgte im März 1977, die erste S-76A ging im Februar 1979 an einen Kunden.
- Rotorblatt- und Rotorkopftechnik stammen aus dem militärischen S-70, also dem UH-60 Black Hawk.
- Über die Varianten S-76A, B, C, C+, C++ und D wechselten vor allem Triebwerke und Cockpit; die S-76D erhielt 2012 ihre FAA-Zulassung.
- Laut Lockheed Martin wurden über 875 Maschinen ausgeliefert, rund zwei Drittel aller Flugstunden entfallen auf Offshore-Einsätze.
- Im März 2022 stoppte Sikorsky die Annahme neuer Bestellungen. Bestehende Betreiber werden weiter mit Teilen und Technik versorgt.
Häufige Fragen
Welchen ICAO-Typcode hat der S-76?
In Flugplänen und Tracking-Diensten läuft der S-76 unter S76. Der Code unterscheidet nicht zwischen den Varianten A, B, C++ oder D – dafür brauchst du das Kennzeichen und eine Registerabfrage.
Warum heißt der Hubschrauber S-76 und nicht S-74?
Ursprünglich war die Bezeichnung S-74 vorgesehen. Sikorsky wählte dann die Zahl 76 in Anlehnung an die 200-Jahr-Feier der USA im Jahr 1976. Der zeitweise genutzte Beiname „Spirit“ wurde 1980 wieder fallen gelassen.
Wie unterscheide ich S-76 und S-92?
Der S-92 ist eine ganze Gewichtsklasse schwerer und wirkt massig und hoch. Seine Haupträder fahren in große Stummel seitlich am Rumpf ein. Der S-76 ist schlank, flach und hat keine solchen Sponsons. Beide haben vier Hauptrotorblätter, die Größe und die Rumpfform verraten den Typ aber schon aus der Ferne.
Und wie den AW139?
Zähl die Blätter: Der AW139 hat fünf Hauptrotorblätter, der S-76 vier. Dazu fährt das Fahrwerk des AW139 in seitliche Sponsons ein, während die Räder des S-76 im Rumpf verschwinden. Der AW139 hat den S-76 im Offshore-Geschäft weitgehend abgelöst.
Wird der S-76 noch gebaut?
Nein, zumindest nicht mehr auf Bestellung. Im März 2022 gab Sikorsky bekannt, keine neuen Aufträge für die S-76D anzunehmen. Als Gründe nannte das Unternehmen schwache Nachfrage und hohe Produktionskosten. Sikorsky prüfte damals eine Lizenzfertigung durch einen Partner und versorgt die bestehende Flotte weiter mit Ersatzteilen.
Welche Triebwerke hat der S-76?
Das hängt von der Variante ab: Die S-76A flog mit Allison 250-C30, die S-76B mit Pratt & Whitney Canada PT6B-36, die C-Versionen mit Turbomeca Arriel und die S-76D mit Pratt & Whitney Canada PW210S. Von außen sind die Unterschiede kaum zu sehen.
Wo sehe ich einen S-76 in Deutschland, Österreich oder der Schweiz?
Selten. Im DACH-Raum dominieren in Luftrettung, Polizei und Offshore-Verkehr Airbus- und Leonardo-Typen. Gelegentlich tauchen S-76 als VIP- oder Firmenhubschrauber auf, etwa bei Messen oder Großveranstaltungen. Deine beste Chance ist ein Blick ins Flugradar mit dem Typcode S76 – und Geduld.
Sikorsky S-76 sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Verwandte Flugzeugtypen
Sikorsky S-92
Zwölfeinhalb Tonnen, vier Rotorblätter, Platz für 19 Passagiere: Die S-92 ist das Arbeitspferd der Nordsee und fliegt für die britische Küstenwache Rettungseinsätze. So erkennst du den großen Sikorsky und findest ihn.
HubschrauberSikorsky UH-60 Black Hawk
Flacher Rumpf, vierblättriger Rotor, schräg gestellter Heckrotor: Der Black Hawk ist der Standard-Mehrzweckhubschrauber der US Army und fliegt inzwischen auch in vielen europäischen Streitkräften. So erkennst du ihn und so findest du ihn.
HubschrauberSikorsky CH-53 Sea Stallion / CH-53G
Ein großer Sechsblattrotor, zwei Turbinen neben dem Rotormast, dicke Tankstummel und eine Heckrampe: Der CH-53G ist seit 1972 das Arbeitstier der deutschen Hubschrauberflotte. So erkennst du ihn, so unterscheidest du die Versionen – und so geht es mit dem Chinook als Nachfolger weiter.
HubschrauberSikorsky S-64 Skycrane / Erickson S-64 Air-Crane
Ein Hubschrauber ohne Bauch: Beim S-64 Skycrane besteht der Rumpf nur aus einem schlanken Träger, unter dem Lasten oder ein riesiger Löschtank hängen. Hier erfährst du, wie du den fliegenden Kran erkennst, was S-64E, S-64F und CH-54 unterscheidet und wo du ihn heute noch vor die Linse bekommst.
HubschrauberLeonardo AW139
Fünf Rotorblätter, offener Heckrotor und Räder, die in seitliche Stummel einfahren: Der AW139 ist laut Leonardo der meistverkaufte Zweimotorer seiner Klasse und fliegt für Küstenwachen, Polizei und Offshore-Betreiber. So erkennst du ihn.
HubschrauberAerospatiale/Eurocopter AS365 Dauphin
Schlanke Delfin-Nase, ummantelter Heckrotor, einziehbares Bugrad: Der Dauphin ist seit den Siebzigern der Klassiker unter den mittleren Zweimot-Hubschraubern – von der US-Küstenwache bis zur Bundespolizei. So erkennst du ihn und seinen großen Bruder EC155.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Lockheed Martin
Lockheed Martin baut heute fast nur Militärflugzeuge, doch das Erbe reicht von der dreifach geleitwerkten Constellation über den Großraumjet TriStar bis zur Hercules und zur F-35. Wer die Formen kennt, erkennt Lockheed-Typen am Zaun eines Fliegerhorsts genauso sicher wie im Museum.
HerstellerPratt & Whitney
US-Triebwerkshersteller aus Connecticut, der mit dem JT8D die Kurzstrecke der 1960er prägte, mit dem JT9D den Jumbo antrieb und heute mit dem Getriebefan PW1000G unter A220, A320neo und E2 hängt. Für Spotter ist P&W der Grund, warum so viele Neos zeitweise am Boden standen.
HerstellerSafran
Safran baut keine Flugzeuge – und steckt trotzdem in einem großen Teil der Airliner, die du am Zaun siehst. Der französische Konzern liefert über CFM International die Triebwerke für A320neo und Boeing 737 MAX, treibt Hubschrauber und die Rafale an und baut Fahrwerke, Bremsen und Kabinen. Hier erfährst du, woran du Safran-Technik im Feld erkennst.
HerstellerLeonardo
Leonardo aus Rom ist mehr als ein Name auf der Hubschraubertür: Der italienische Konzern baut AW139 und AW169, Jettrainer und Transporter, hält die Hälfte an ATR und fertigt Rumpfteile für Boeing und Airbus. Hier erfährst du, wie du seine Spuren am Flughafen erkennst.
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