McDonnell Douglas AV-8B Harrier II

Aus einem gescheiterten britisch-amerikanischen Großprojekt wurde der wichtigste Senkrechtstarter des Westens: Die AV-8B Harrier II entstand bei McDonnell Douglas in St. Louis. Hier liest du, wie es dazu kam, wie USMC, Spanien und Italien den Jet nutzten und wo du ihn als Spotter noch findest.

Auch bekannt als: AV-8B · Harrier II · AV-8B Plus · Harrier II Plus · AV-8B Night Attack · TAV-8B · EAV-8B · VA-2 Matador II · YAV-8B

USAMcDonnell DouglasMilitärflugzeuge12 Min. Lesezeit

1978

Erstflug YAV-8B

~340

gebaute AV-8B

3

Marinen als Betreiber

2026

Ausmusterung beim USMC

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Programm aus der Not: Nachdem das gemeinsame Großprojekt mit Großbritannien 1975 platzte, entwickelte McDonnell Douglas eine kleinere, bezahlbare Harrier-Weiterentwicklung für das US Marine Corps.
  • St. Louis und Kingston: Gebaut wurde arbeitsteilig – McDonnell Douglas in Missouri, British Aerospace mit rund 40 Prozent Anteil an der Zelle in England.
  • Drei Hauptversionen: Day Attack, Night Attack (ab 1987) und die Radarversion Harrier II Plus (Erstflug 1992).
  • USMC-Ende 2026: VMA-223 hat den Typ im Juni 2026 in Cherry Point verabschiedet, Nachfolger ist die F-35B.
  • Europa fliegt weiter: Stand Oktober 2026 nutzen nur noch die Marinen Spaniens (Rota) und Italiens (Grottaglie) die AV-8B.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Die AV-8B in einem Satz
  2. 2.Vom AV-16 zur AV-8B: wie das Programm entstand
  3. 3.Arbeitsteilung zwischen St. Louis und England
  4. 4.Die drei Ausbaustufen
  5. 5.Beim US Marine Corps: 1983 bis 2026
  6. 6.Spanien: Exportkunde der ersten Stunde
  7. 7.Italien: Harrier für die Garibaldi
  8. 8.So erkennst du die AV-8B im Feld
  9. 9.Wo du die Harrier II als Spotter findest
  10. 10.Die AV-8B im McDonnell-Douglas-Portfolio
  11. 11.Fazit

Steckbrief

EntwicklungMcDonnell Douglas (St. Louis) als Hauptauftragnehmer, British Aerospace als Partner; ab 1997 Boeing
RolleEinsitziges V/STOL-Erdkampfflugzeug für Bord- und Feldeinsatz
Erstflug Prototyp9. November 1978 (YAV-8B, umgebaute AV-8A)
Erstflug AV-8B5. November 1981 (erste von vier Entwicklungsmaschinen)
Erste Serienauslieferung12. Dezember 1983 an VMAT-203, MCAS Cherry Point
Gebaute AV-8Brund 340 (ohne Prototypen), dazu Umbauten im Remanufacture-Programm
Triebwerk1 × Rolls-Royce Pegasus (US-Bezeichnung F402), anfangs rund 95 kN, als F402-RR-408 rund 105 kN
Länge / Spannweite / Höhe14,12 m / 9,25 m / 3,55 m (Harrier II Plus)
Höchstgeschwindigkeitrund 1.080 km/h (Mach 0,9)
Kampfradius / Überführungrund 556 km / rund 3.300 km
BewaffnungGAU-12 Equalizer 25 mm mit 300 Schuss, 6 Flügel- und 1 Rumpfstation, bis rund 4,2 t
BetreiberSpanische Marine, Italienische Marine; US Marine Corps bis Juni 2026 (historisch)

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Pro Rumpfseite zwei Schubdüsen – eine vor, eine hinter dem Flügel
  • Großer Schulterflügel mit deutlichem Anhedral, also nach unten geneigt
  • Stützräder etwa auf halber Spannweite statt an den Flügelspitzen
  • Hoch aufgesetzte Tropfenhaube mit freiem Blick nach hinten
  • Zwei Behälter unter dem Rumpf (Kanone und Munition) oder flache Leitbleche an ihrer Stelle
  • Spanische und italienische Einsitzer meist mit langer Radarnase der Plus-Version

Aktualisiert: Oktober 2026 – Wenn Spotter vom Harrier reden, denken die meisten zuerst an britische Ingenieurskunst. Die Version, die über vier Jahrzehnte am häufigsten flog, stammt allerdings aus St. Louis, Missouri. Dort machte McDonnell Douglas aus dem Ur-Harrier die AV-8B Harrier II: mit größerem Flügel, mehr Treibstoff und mehr Waffenstationen, zugeschnitten auf das US Marine Corps. Diese Seite erzählt die Geschichte aus Sicht des Herstellers. Du erfährst, wie das Programm nach einem gescheiterten Großprojekt entstand, wie die Arbeit zwischen Amerika und England aufgeteilt war, welche Wege der Jet beim USMC, in Spanien und in Italien nahm und wo du ihn heute noch vor die Kamera bekommst.

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Die AV-8B in einem Satz

Die AV-8B ist ein einsitziges Erdkampfflugzeug, das dank eines einzigen Triebwerks mit vier schwenkbaren Düsen senkrecht landen und mit sehr kurzem Anlauf starten kann. Damit braucht sie keine lange Piste. Ihr Platz sind amphibische Angriffsschiffe, kleine Träger und behelfsmäßige Landeplätze in Frontnähe. Genau das machte sie für das US Marine Corps so wertvoll, denn die Marines wollten Luftunterstützung dort haben, wo ihre Bodentruppen an Land gehen.

Technisch steckt im Rumpf ein Rolls-Royce Pegasus, in den USA als F402 geführt. Bei den frühen Serienmaschinen leistete es rund 95 Kilonewton, in der stärksten Ausführung F402-RR-408 rund 105 Kilonewton. Interessant für die Programmgeschichte: Die Triebwerksarbeit war ebenfalls aufgeteilt, Rolls-Royce übernahm drei Viertel, Pratt & Whitney ein Viertel.

1973Start der ersten gemeinsamen Studie mit Hawker Siddeley
40 %Anteil von British Aerospace an der Zellenfertigung
824Harrier aller Modelle, ausgeliefert zwischen 1969 und 2003

Vom AV-16 zur AV-8B: wie das Programm entstand

Der Ausgangspunkt war der Harrier der ersten Generation, den das Marine Corps als AV-8A flog. Die Marines waren vom Konzept überzeugt, aber Reichweite und Zuladung reichten ihnen nicht. 1973 begannen deshalb Hawker Siddeley und McDonnell Douglas gemeinsam an einem deutlich leistungsfähigeren Nachfolger zu arbeiten. Ziel war, Nutzlast und Reichweite ungefähr zu verdoppeln. Inoffiziell lief das Vorhaben als AV-16.

Das Projekt scheiterte am Geld. Im März 1975 zog sich Großbritannien zurück, weil der Verteidigungshaushalt schrumpfte und die Kosten stiegen. Die USA waren nicht bereit, die Entwicklung allein zu tragen, und beendeten das AV-16 noch im selben Jahr.

McDonnell Douglas gab aber nicht auf. Statt eines komplett neuen Jets schlug das Unternehmen dem Marine Corps eine bescheidenere Lösung vor: das vorhandene Pegasus-Triebwerk behalten und die Zelle gezielt verbessern. Das US-Verteidigungsministerium gab 1976 grünes Licht. Die wichtigsten Bausteine kamen aus dem Know-how des Herstellers, der mit der F-4 Phantom II und der F-15 Eagle große Erfahrung im Kampfflugzeugbau hatte:

  • ein neuer, größerer Flügel, zu einem großen Teil aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff
  • Hilfsflächen unter dem Rumpf, die beim Schweben in Bodennähe das von unten zurückprallende Luftpolster einfangen
  • mehr interner Treibstoff und zusätzliche Außenlaststationen
  • ein höher gesetztes Cockpit für bessere Sicht

1978: YAV-8B

Zwei vorhandene AV-8A wurden zu Prototypen umgebaut. Der erste flog am 9. November 1978, der zweite am 19. Februar 1979. Sie trugen bereits den neuen Flügel.

1979: Entwicklungsauftrag

Der Vertrag sah zunächst 12 Flugzeuge vor, gefolgt von über 300 weiteren. Anfang der 1980er-Jahre plante man insgesamt rund 400 Harrier II, davon 336 für die Marines und 60 für die RAF.

1981: echte AV-8B

Im August stieg British Aerospace als Partner ein. Am 5. November 1981 flog die erste von vier Entwicklungsmaschinen, die übrigen folgten 1982 und 1984.

1983–1985: Indienststellung

Am 12. Dezember 1983 ging die erste Serienmaschine an die Ausbildungsstaffel VMAT-203 in Cherry Point. 1985 wurde VMA-331 als erste Einsatzstaffel einsatzbereit.

Arbeitsteilung zwischen St. Louis und England

Die Harrier II ist ein schönes Beispiel für transatlantische Rüstungskooperation. Für die amerikanischen Maschinen war McDonnell Douglas Hauptauftragnehmer, die Endmontage lief in St. Louis. British Aerospace, heute Teil von BAE Systems, fertigte in Kingston und Dunsfold Baugruppen und kam auf rund 40 Prozent der Arbeitsstunden an der Zelle.

Für die britische Version drehte sich das Verhältnis um. Bei der Harrier GR5 war British Aerospace Hauptauftragnehmer und McDonnell Douglas Zulieferer, die Endmontage fand in Dunsfold statt. Die GR5 flog erstmals am 30. April 1985 und unterschied sich von der AV-8B unter anderem in Avionik, Bewaffnung und Details der Flügelkonstruktion. Aus ihr wurden später GR7 und GR9. Die RAF flog ihre letzten Einsätze am 15. Dezember 2010. Im November 2011 kauften die USA 72 ausgemusterte britische Harrier II samt Ersatzteilen – vor allem, um die eigene AV-8B-Flotte mit Bauteilen zu versorgen.

Merkmal AV-8B (USA, Export) Harrier GR5/GR7/GR9 (Großbritannien)
Hauptauftragnehmer McDonnell Douglas British Aerospace
Endmontage St. Louis Dunsfold
Erstflug 1981 (Entwicklungsmaschine) 30. April 1985 (GR5)
Betreiber USMC, Spanien, Italien Royal Air Force, Royal Navy
Außer Dienst USMC Juni 2026; Spanien und Italien weiter aktiv Dezember 2010 (letzte Einsätze)

Museumsfotos richtig zuordnen

Eine GR7 oder GR9 im britischen Museum ist ebenfalls eine Harrier II, aber keine AV-8B. Achte auf die Beschriftung: RAF-Kennungen bestehen aus zwei Buchstaben und drei Ziffern, US-Maschinen tragen sechsstellige Bureau Numbers.

Die drei Ausbaustufen

McDonnell Douglas entwickelte die AV-8B in mehreren Schritten weiter, jeweils als Antwort auf neue Anforderungen der Marines.

Day Attack: Die erste Serienversion war für Einsätze bei Tageslicht gedacht. Sie hatte eine kurze Nase ohne Radar und galt als reiner Bodenkampfjet.

Night Attack: Für Nachteinsätze baute der Hersteller das 87. Serienflugzeug um. Es verließ im Juni 1987 die Halle. Hinzu kamen ein Infrarotsensor oben auf der Nase, ein nachtsichttaugliches Cockpit und später das stärkere Triebwerk. Die erste von 66 Night-Attack-Maschinen ging im September 1989 an das Marine Corps.

Harrier II Plus: 1990 genehmigt, flog der Prototyp am 22. September 1992, das erste Serienflugzeug am 17. März 1993. Die verlängerte Nase trägt das APG-65-Radar, das McDonnell Douglas auch in der F/A-18 Hornet verbaute. Damit kann die Plus radargelenkte Luft-Luft-Waffen einsetzen. Diese Version kauften Spanien und Italien.

Neben Neubauten gab es ein großes Remanufacture-Programm: Ältere Maschinen wurden zerlegt und auf Plus-Standard neu aufgebaut. Für das Marine Corps waren es am Ende 72 Flugzeuge, die letzte kam 2003. Neue AV-8B entstanden bis Ende der 1990er-Jahre, dann lief nur noch der Umbau. Die Programmendphase gehörte bereits zu Boeing.

Was die AV-8B stark machte

  • Einsatz von Schiffen ohne Katapult und von kurzen Behelfspisten
  • Deutlich mehr Treibstoff und Zuladung als der erste Harrier
  • Moderner Verbundflügel, leichter als der kleinere Metallflügel des Vorgängers
  • Mit der Plus-Version auch radargestützte Luftverteidigung möglich

Wo sie Schwächen hatte

  • Senkrechtstart nur mit stark reduziertem Gewicht
  • Anspruchsvoll im Schwebeflug, über Jahrzehnte hohe Unfallrate
  • Einziges Triebwerk, Unterschallflugzeug
  • Kleine Gesamtflotte, Ersatzteilversorgung zuletzt schwierig

Beim US Marine Corps: 1983 bis 2026

Für das Marine Corps war die AV-8B über vier Jahrzehnte das Flugzeug, das mit den Bodentruppen auf Schiffen mitfuhr. Die Staffeln saßen vor allem an zwei Orten: in Cherry Point an der Ostküste und in Yuma in der Wüste Arizonas. Von dort aus gingen Abteilungen an Bord der amphibischen Angriffsschiffe.

Eingesetzt wurde der Jet im Golfkrieg 1991, über dem Balkan, in Afghanistan und im Irak. 2011 flogen Marine-Harrier Angriffe in Libyen, im August 2016 erneut von der USS Wasp aus gegen Ziele des sogenannten Islamischen Staats in Libyen. Im September 2012 zerstörte ein Taliban-Angriff auf das Camp Bastion in Afghanistan mehrere Harrier der Staffel VMA-211 am Boden.

Der Abschied verlief Staffel für Staffel und ging einher mit dem Zulauf der F-35B:

  • VMA-211 in Yuma gab die Harrier 2016 ab und wurde zur F-35B-Staffel umgerüstet.
  • VMA-311 beendete den Harrier-Betrieb 2020.
  • VMA-214 wechselte 2022 auf die F-35B.
  • VMA-231 absolvierte ihren letzten Harrier-Flug im Mai 2025 in Cherry Point.
  • VMA-223 „Bulldogs“ war die letzte Staffel. Im Juni 2026 verabschiedete das Marine Corps in Cherry Point den Harrier offiziell aus dem Dienst.

US-Harrier nur noch im Archiv

Seit Juni 2026 fliegt keine AV-8B mehr für das Marine Corps. Deine alten Fotos aus Cherry Point, Yuma oder von NATO-Übungen sind damit historische Belege. Vermerke Staffel und Bureau Number, solange du sie noch zuordnen kannst.

Wie du die sechsstelligen Bureau Numbers am Heck liest, erklärt der Beitrag US-Militärkennzeichen entschlüsseln. Zur Recherche einzelner Maschinen hilft dir außerdem eine Datenbank wie Scramble.

Spanien: Exportkunde der ersten Stunde

Die Armada Española war der erste Exportkunde. Im März 1983 bestellte sie zwölf Maschinen, die McDonnell Douglas als EAV-8B führte. Bei der Marine heißen sie VA-2 Matador II – eine Anspielung auf die älteren AV-8S Matador der ersten Generation. Die ersten drei landeten am 6. Oktober 1987 auf der Marinebasis Rota bei Cádiz.

Im März 1993 orderte Spanien acht Harrier II Plus. Zusätzlich ließ die Marine ältere Maschinen auf Plus-Standard umbauen (die Angaben schwanken zwischen fünf und elf); die letzte davon kam am 5. Dezember 2003 zurück. Damit endete auch die Fertigung der Harrier-Familie insgesamt.

Als Plattform diente lange der Träger Príncipe de Asturias. Seit seiner Außerdienststellung im Februar 2013 operieren die Matadores vom amphibischen Angriffsschiff Juan Carlos I. Schon 2014 wurde berichtet, dass Spanien die Nutzungsdauer verlängert. Nach dem Ende beim Marine Corps wird die Versorgung mit Ersatzteilen allerdings schwieriger, weil der größte Nutzer wegfällt. Wie lange die spanischen Harrier noch fliegen, ist Stand Oktober 2026 offen.

Rota wird gemeinsam von der spanischen Marine und der US Navy genutzt. Lies vor einem Besuch den Beitrag Spotten in Spanien und den Guide Militärflugplätze fotografieren.

Italien: Harrier für die Garibaldi

Bei der Marina Militare war die Ausgangslage besonders: Ein altes Gesetz erlaubte der Marine lange keine eigenen Kampfflugzeuge. Nach der Änderung bestellte Italien im Mai 1989 zwei Doppelsitzer TAV-8B und danach 16 AV-8B Plus. Die ersten drei Einsitzer kamen aus den USA, die übrigen montierte Alenia in Italien aus gelieferten Bausätzen.

Die Harrier-Einheit Gruppo Aerei Imbarcati wurde im Februar 1991 in Grottaglie bei Tarent aufgestellt. Die beiden Doppelsitzer übernahm die Marine im August 1991 offiziell an Bord der Giuseppe Garibaldi in Norfolk, Virginia. Die ersten Einsitzer folgten 1994, im November 1997 war die Flotte von 18 Maschinen komplett.

Die Einsatzliste ist lang: Somalia 1995, Albanien 1997, Kosovo 1999, Indischer Ozean 2001/2002 und Libyen 2011, größtenteils vom Träger Giuseppe Garibaldi aus. Seit 2018 erhält die Marine F-35B als Nachfolger, die vom größeren Träger Cavour aus operieren. Stand Oktober 2026 laufen Harrier und F-35B parallel. Ein genaues Ausmusterungsdatum für die italienischen AV-8B Plus konnten wir nicht verlässlich belegen.

Matador oder Wolf auf der Wunschliste

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So erkennst du die AV-8B im Feld

Auf einem Flugtag oder an einem Zaun in Südeuropa ist die Harrier II eigentlich unverwechselbar. Schwierig wird es eher bei der Frage, welche Harrier genau vor dir steht.

  1. Stützräder suchen: Sitzen die kleinen Räder unter den Flügeln etwa auf halber Spannweite, ist es eine Harrier II. An den Flügelspitzen deuten sie auf den ersten Harrier oder den Sea Harrier.
  2. Nase prüfen: Lang und spitz bedeutet Plus mit Radar. Kurz mit kleiner Kuppel obendrauf ist die Night Attack, kurz und glatt die Day Attack.
  3. Sitze zählen: Zwei Sitze hintereinander unter einer langen, gestuften Haube zeigen den Doppelsitzer TAV-8B.
  4. Kennung lesen: Spanische, italienische, amerikanische oder britische Markierungen trennen AV-8B und GR-Versionen sicher.

Die F-35B als Nachfolgerin kann zwar ebenfalls senkrecht landen, hat aber zwei schräg gestellte Seitenleitwerke und nur eine Schubdüse am Heck. Die V-22 Osprey, ebenfalls typisch für das Marine Corps, ist mit ihren Schwenkrotoren ein ganz anderes Kaliber. Eine Übersicht über weitere Typen gibt dir der Beitrag Kampfjets in Europa erkennen.

Sicher eine AV-8B, wenn …

  • vier Düsen, Stützräder auf halber Spannweite und eine Marinekennung aus Spanien, Italien oder den USA zusammenkommen
  • das Museumsschild eine Bureau Number nennt

Genauer hinsehen, wenn …

  • RAF-Markierungen zu sehen sind – dann ist es eine britische GR5, GR7 oder GR9
  • du nur ein Frontfoto hast und die Räder nicht siehst

Keine AV-8B, wenn …

  • die Stützräder an den Flügelspitzen sitzen
  • der Schub nur aus einer Düse am Heck kommt

Wo du die Harrier II als Spotter findest

Mit dem Ende beim Marine Corps verschieben sich die Chancen klar nach Südeuropa. Am meisten Flugbetrieb erlebst du rund um Rota und Grottaglie. Dabei gelten die Regeln für militärische Sperrgebiete. Fotografiere nur von öffentlichem Grund aus und informiere dich vorher über lokale Verbote.

Gute Gelegenheiten bieten außerdem Flugtage in Spanien und Italien, auf denen die Marine-Harrier gelegentlich ein Schwebe-Display zeigen. Internationale Auftritte sind selten geworden. Den Überblick über die Saison liefert der Beitrag Airshows in Europa für Planespotter. Bewegungen von Militärmaschinen ohne öffentliche Flugpläne aufzuspüren, erklärt der Guide Militärflugzeuge online verfolgen.

In den USA sind ausgemusterte AV-8B inzwischen in mehreren Luftfahrt- und Marinemuseen ausgestellt. Erkundige dich vor einem Besuch direkt beim Museum, welche Maschinen gerade gezeigt werden.

Vorbereitung für Rota oder Grottaglie

Hak ab, was du schon geklärt hast.

  • Ich weiß, ob in der Woche geflogen wird oder die Einheit auf See ist.
  • Ich kenne die lokalen Regeln zum Fotografieren an Militärbasen.
  • Mein Standort liegt auf öffentlichem Grund.
  • Ich kann Plus, Night Attack und Doppelsitzer unterscheiden.
  • Ich habe eine lange Brennweite und Gehörschutz dabei.

Die AV-8B im McDonnell-Douglas-Portfolio

Im Programm von McDonnell Douglas war die Harrier II ein Sonderfall. Phantom, Eagle und Hornet waren hauseigene Entwicklungen für Luftwaffe und Navy. Die AV-8B dagegen baute auf einer britischen Grundidee auf und richtete sich an das Marine Corps als einzigen großen US-Kunden. Technisch profitierte sie trotzdem vom Hausverbund, am deutlichsten beim Radar der Plus, das aus der Hornet stammt. Wer die militärischen Typen des Herstellers sammelt, findet mit F-4 Phantom II, F-15 Eagle, F/A-18 Hornet und AV-8B eine ziemlich vollständige Geschichte der amerikanischen Kampfflugzeuge zwischen 1960 und 2000.

Mit Planetrack hältst du diese Sammlung zusammen: Du postest jede Sichtung mit Foto, Flugzeugtyp, Kennung, Betreiber, Flughafen und Spot, ordnest sie in deinem Hangar ein und notierst offene Varianten auf der Wunschliste. In der Community teilst du deine Harrier-Bilder, bekommst Likes und Kommentare und tauschst dich im Chat mit anderen Militär-Spottern über aktuelle Flugtage aus.

Fazit

Die AV-8B Harrier II ist das Ergebnis eines gescheiterten Großprojekts, aus dem McDonnell Douglas einen bezahlbaren, deutlich verbesserten Senkrechtstarter gemacht hat. In St. Louis und in englischen Werken gebaut, flog sie über 40 Jahre für das US Marine Corps und wurde zum Rückgrat der spanischen und italienischen Marineflieger. Seit Juni 2026 ist das Kapitel in den USA abgeschlossen. Wer noch einen fliegenden Harrier erleben will, findet ihn in Rota oder Grottaglie – solange es ihn dort gibt. Einen Varianten-Finder und weitere Erkennungstipps bietet dir die Schwesterseite Boeing AV-8B Harrier II.

Kurzfazit

Entwickelt von McDonnell Douglas nach dem Aus des AV-16, gebaut gemeinsam mit British Aerospace, zuletzt betreut von Boeing: Die AV-8B hat den Harrier-Gedanken über vier Jahrzehnte getragen. Für dich als Spotter bleibt sie ein Südeuropa-Typ und wird jedes Jahr ein Stück seltener.

Zusammenfassung

  • Die AV-8B Harrier II ist die von McDonnell Douglas geführte zweite Generation des Harrier-Senkrechtstarters, entwickelt ab Mitte der 1970er-Jahre für das US Marine Corps.
  • Zwei umgebaute AV-8A flogen ab 1978 als YAV-8B, die eigentliche AV-8B ab 1981; British Aerospace stieg 1981 als Partner wieder ein und baute parallel die britische Harrier GR5.
  • Neben dem USMC kauften Spanien und Italien den Typ; beide fliegen die radarbestückte Plus-Version weiterhin.
  • Für Spotter heißt das: Flugbetrieb nur noch in Südeuropa, in den USA findest du die AV-8B seit 2026 nur noch als Museumsstück.

Häufige Fragen

Ist die AV-8B ein McDonnell-Douglas- oder ein Boeing-Flugzeug?

Beides, je nach Zeitpunkt. Entwickelt und über den Großteil der Serie gebaut hat sie McDonnell Douglas in St. Louis. Nach der Fusion 1997 übernahm Boeing Betreuung und Umbauprogramme. Die Boeing-Perspektive mit Varianten-Finder findest du auf der Seite Boeing AV-8B Harrier II.

Was war das AV-16-Projekt?

Ab 1973 arbeiteten Hawker Siddeley und McDonnell Douglas an einem deutlich größeren Harrier mit doppelter Zuladung und Reichweite, inoffiziell AV-16 genannt. Großbritannien stieg im März 1975 aus Kostengründen aus, die USA wollten das Projekt nicht allein finanzieren. Daraus entstand die kleinere AV-8B, die das vorhandene Pegasus-Triebwerk weiterverwendete.

Wie viele AV-8B wurden gebaut?

Die gängigen Nachschlagewerke nennen rund 340 AV-8B ohne die beiden Prototypen. Zählst du alle Harrier-Modelle zusammen, die zwischen 1969 und 2003 ausgeliefert wurden, also auch die erste Generation und die britischen Versionen, kommst du auf 824 Flugzeuge.

Was haben Harrier GR5 und AV-8B miteinander zu tun?

Die GR5 ist die britische Ausführung der Harrier II. Bei ihr war British Aerospace Hauptauftragnehmer und McDonnell Douglas Zulieferer, bei der AV-8B war es umgekehrt. Die GR5 flog erstmals am 30. April 1985 und unterschied sich unter anderem in Avionik und Bewaffnung. Später wurden daraus GR7 und GR9.

Wo kann ich heute noch eine fliegende AV-8B sehen?

Stand Oktober 2026 nur bei der spanischen Marine in Rota (Andalusien) und bei der italienischen Marine in Grottaglie bei Tarent, außerdem bei Übungen auf See und gelegentlich auf Flugtagen in diesen Ländern. Prüfe vor jeder Reise aktuelle Quellen, denn Italien stellt schrittweise auf die F-35B um.

Warum heißt die spanische Version EAV-8B?

So bezeichnete McDonnell Douglas die Exportmaschinen für Spanien. Bei der Armada selbst laufen sie als VA-2 Matador II, die umgebauten Exemplare als Matador II Plus.

McDonnell Douglas AV-8B Harrier II sammeln statt nur sehen

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