Das Wichtigste in Kürze
- Die V-22 Osprey ist ein Kipprotor-Flugzeug: Sie startet und landet senkrecht wie ein Hubschrauber und schwenkt ihre Rotoren für den Reiseflug nach vorn.
- Bell und Boeing bauen sie gemeinsam – Bell liefert Flügel, Gondeln, Rotoren und Antrieb, Boeing Rumpf, Cockpit und Avionik.
- Drei Hauptversionen: MV-22B (Marine Corps), CV-22B (Spezialkräfte der US Air Force) und CMV-22B (Bordversorgung der US Navy); Japan fliegt eine angepasste MV-22.
- In Europa ist die CV-22B seit 2013 in RAF Mildenhall (Suffolk) stationiert, MV-22B der Marines tauchen bei Übungen und Airshows auf.
- Die Unfallgeschichte prägt den Ruf des Typs bis heute: von den Testabstürzen 1991 bis 2000 bis zum Absturz vor Yakushima im November 2023 mit anschließendem Flugverbot.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Was ist die V-22 Osprey?
- 2.Von der XV-15 zur V-22: die Entstehung
- 3.Die Versionen: MV-22B, CV-22B und CMV-22B
- 4.So erkennst du die Osprey
- 5.Osprey, Chinook, CH-53 oder Hercules?
- 6.Ospreys in Europa: RAF Mildenhall
- 7.Ospreys in Japan
- 8.Die Unfallgeschichte
- 9.Wo und wie du Ospreys fotografierst
- 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
- 11.Fazit
Steckbrief
| Hersteller | Bell Boeing (Gemeinschaftsprogramm von Bell und Boeing) |
|---|---|
| Rolle | Kipprotor-Transportflugzeug (Tiltrotor) mit Senkrechtstart |
| ICAO-Typcode | V22 |
| Erstflug | 19. März 1989 (im Hubschraubermodus), erster Flug im Flugzeugmodus am 14. September 1989 |
| Bezeichnung V-22 Osprey | seit 15. Januar 1985 (vorher Programm JVX) |
| Einsatzbereit | US Marine Corps 2007, US Air Force (CV-22) 2009, US Navy (CMV-22B) 2021 |
| Besatzung | 3 bis 4 |
| Kapazität (MV-22B) | 24 sitzende Soldaten |
| Triebwerke | 2 × Rolls-Royce AE1107C (militärisch T406) mit je 6.150 shp |
| Rotordurchmesser | 2 × 11,6 m |
| Breite mit drehenden Rotoren | 25,8 m (zusammengeklappt 5,6 m) |
| Länge (Rumpf) | 17,47 m |
| Höhe (Gondeln senkrecht) | 6,7 m |
| Max. Startgewicht (senkrecht) | 23.859 kg |
| Höchstgeschwindigkeit (MV-22B) | rund 275 Knoten (etwa 509 km/h) |
| Betreiber | US Marine Corps, US Air Force, US Navy, Japanische Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?
- Zwei riesige Dreiblatt-Rotoren an den Flügelspitzen, die in schwenkbaren Triebwerksgondeln sitzen – das gibt es bei keinem anderen Militärflugzeug im Truppendienst
- Gondeln senkrecht beim Starten, Landen und Schweben, waagerecht im Reiseflug, dazwischen in jeder Schräglage beim Umstellen
- Hochdecker-Flügel über einem kurzen, gedrungenen Rumpf mit großer Heckrampe
- Doppelleitwerk: zwei Seitenflossen an den Enden eines Höhenleitwerks, von hinten wie ein H
- Einziehbares Bugradfahrwerk, die Hauptfahrwerke verschwinden in seitlichen Rumpfverkleidungen
- CV-22B der US Air Force mit dickerer Radarnase für das Geländefolgeradar, CMV-22B der Navy mit vergrößerten Rumpfflanken für mehr Treibstoff
- Am Boden oft mit gedrehtem Flügel: Für die Unterbringung auf Schiffen klappen die Rotorblätter ein und der Flügel dreht sich längs über den Rumpf
Aktualisiert: Oktober 2026 – Erst klingt es nach Hubschrauber, ein dumpfes, schweres Wummern. Dann schiebt sich eine Maschine über den Horizont, die zwei riesige Rotoren an den Flügelspitzen trägt – und während du noch rätselst, kippen die Gondeln langsam nach vorn, und aus dem Hubschrauber wird ein Flugzeug. Das ist die Bell Boeing V-22 Osprey, das einzige Kipprotor-Flugzeug, das in größerer Stückzahl im Truppendienst fliegt. In Europa begegnest du ihr vor allem rund um RAF Mildenhall in England, in Asien bei den US-Streitkräften und bei Japans Bodenselbstverteidigungsstreitkräften. Hier erfährst du, wie die Osprey funktioniert, wie du die Versionen auseinanderhältst, wo du sie fotografierst und warum ihre Unfallgeschichte bis heute diskutiert wird.
Die Osprey in deinen Hangar
Mit Planetrack hältst du jede Osprey-Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen und Spot fest – vom Airshow-Exponat bis zum Überflug am Zaun von Mildenhall. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Was ist die V-22 Osprey?
Die V-22 ist ein Kipprotor-Flugzeug, englisch Tiltrotor. An den Enden eines kurzen Hochdecker-Flügels sitzen zwei Triebwerksgondeln, jede mit einem dreiblättrigen Rotor von rund 11,6 Metern Durchmesser. Zum Starten, Landen und Schweben stehen die Gondeln senkrecht, die Osprey verhält sich dann wie ein Hubschrauber. Für den Reiseflug schwenken die Gondeln nach vorn, die Rotoren arbeiten wie große Propeller und der Flügel übernimmt den Auftrieb. So verbindet der Typ die Senkrechtstart-Fähigkeit eines Hubschraubers mit der Geschwindigkeit und Reichweite eines Turboprops. Boeing beschreibt die Osprey als etwa doppelt so schnell wie typische Hubschrauber.
Angetrieben wird sie von zwei Rolls-Royce AE1107C (militärisch T406) mit je 6.150 Wellen-PS. Eine Welle durch den Flügel verbindet beide Rotoren, damit bei einem Triebwerksausfall beide weiterdrehen. Gesteuert wird die Maschine über eine dreifach redundante Fly-by-Wire-Steuerung. Rund 43 Prozent der Zelle bestehen aus Verbundwerkstoffen.
Die Osprey ist mehr als eine Spezialanfertigung für wenige Einsätze. Das US Marine Corps nutzt sie als Standard-Transporter für Truppen und Material, die US Air Force für Spezialoperationen, die US Navy für die Versorgung ihrer Flugzeugträger. Laut Boeing hat die Flotte mehr als 700.000 Flugstunden gesammelt.
Von der XV-15 zur V-22: die Entstehung
Die Idee des Kipprotors hat Bell lange vor der Osprey erprobt. Das Versuchsflugzeug XV-15 zeigte in den 1970er-Jahren, dass das Prinzip funktioniert. Als das gescheiterte Befreiungskommando im Iran 1980 (Operation Eagle Claw) die Schwächen der damaligen Hubschrauber offenlegte, startete das US-Verteidigungsministerium 1981 das Programm JVX (Joint-service Vertical take-off/landing Experimental). Bell tat sich mit der Hubschraubersparte Boeing Vertol zusammen und reichte am 17. Februar 1983 den einzigen Vorschlag ein. Am 15. Januar 1985 bekam das Projekt seinen Namen: V-22 Osprey, nach dem englischen Wort für den Fischadler.
Der Weg zur Serie war steinig. Die US Army stieg 1988 aus, Verteidigungsminister Dick Cheney versuchte zwischen 1989 und 1992 mehrfach, das Programm zu streichen – der Kongress hielt jedes Mal dagegen. Am 19. März 1989 hob der erste Prototyp im Hubschraubermodus ab, am 14. September 1989 folgte der erste Flug im Flugzeugmodus. Nach einer langen Erprobung, überschattet von schweren Unfällen, gab das Pentagon am 28. September 2005 die volle Serienproduktion frei.
Die Arbeit ist klar aufgeteilt: Bell fertigt Flügel, Gondeln, Rotoren und Antriebsstrang und übernimmt die Endmontage, Boeing liefert Rumpf, Cockpit, Avionik und Flugsteuerung. Deshalb führen wir die Osprey beim Hersteller Boeing, auch wenn Bell den größeren Anteil an der Kipprotor-Technik hat. Die Triebwerke kommen von Rolls-Royce.
Die Versionen: MV-22B, CV-22B und CMV-22B
Von außen sehen alle Ospreys ähnlich aus. Die Unterschiede stecken in Nase, Rumpfflanken und Ausrüstung.
| Merkmal | MV-22B | CV-22B | CMV-22B |
|---|---|---|---|
| Betreiber | US Marine Corps (auch Basis der japanischen Maschinen) | US Air Force, Spezialkräfte | US Navy |
| Einsatzbereit | 2007 | 2009 | 2021 |
| Hauptaufgabe | Truppen- und Materialtransport | Infiltration und Bergung von Spezialkräften | Versorgung von Flugzeugträgern |
| Erkennungsdetail | schlanke Nase | dickere Radarnase mit Geländefolgeradar | vergrößerte Rumpfflanken für mehr Treibstoff |
MV-22B: Die Version des Marine Corps ist die häufigste. Die erste Staffel VMM-263 wurde im März 2006 aufgestellt, 2007 meldete das Corps die Einsatzbereitschaft. Am 13. April 2007 begann der erste Kampfeinsatz im Irak, ab November 2009 flogen MV-22B auch in Afghanistan. Ospreys der Staffel HMX-1 begleiten außerdem den US-Präsidenten als Transportflugzeug für Personal und Presse.
CV-22B: Die Air-Force-Version für das Special Operations Command bekam zusätzliche Tanks, ein Geländefolgeradar in einer dickeren Nase und umfangreichere Selbstschutz-Elektronik. Die Air Force übernahm die erste Maschine offiziell am 16. November 2006, im März 2009 meldete die 8th Special Operations Squadron die Einsatzbereitschaft.
CMV-22B: Die jüngste Version ersetzt bei der US Navy die propellergetriebene C-2 Greyhound als Versorger für Flugzeugträger. Größere Tanks erlauben eine Reichweite ohne Nachtanken von 1.150 Seemeilen. Erstflug war im Dezember 2019, einsatzbereit war die Version 2021.
Japan: Die Japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte fliegen eine angepasste MV-22. Sie sind bislang der einzige Exportkunde.
Praxis-Tipp: Nase checken
Wenn du nur ein Foto hast: Schau auf die Nase. Wirkt sie bullig und rundlich, ist es sehr wahrscheinlich eine CV-22B. Der Tankstutzen hilft dagegen nicht weiter, den haben auch MV-22B. In Mildenhall ist die Sache meist klar – dort sind ausschließlich CV-22B der US Air Force stationiert, Gastmaschinen des Marine Corps sind die Ausnahme.
So erkennst du die Osprey
Eigentlich ist die V-22 kaum zu verwechseln – wenn du die Gondeln siehst. Schwierig wird es nur aus großer Entfernung oder im Gegenlicht.
Rotoren an den Flügelspitzen
Zwei große Dreiblatt-Rotoren in Gondeln am Ende eines geraden Flügels: Das ist das wichtigste Merkmal. Ein Hubschrauber hat seine Rotoren über dem Rumpf, ein Turboprop viel kleinere Propeller.
Gondelstellung beobachten
Senkrechte Gondeln beim Landen und Schweben, waagerechte im Reiseflug, schräge Zwischenstellungen im Übergang. Wer einen Anflug filmt, sieht die Umstellung in Echtzeit.
Leitwerk von hinten
Zwei Seitenflossen am Ende eines Höhenleitwerks bilden ein H. Darunter öffnet sich die große Heckrampe zum Be- und Entladen.
Am Boden: gedrehter Flügel
Für Schiffe und enge Hangars klappen die Rotorblätter in rund 90 Sekunden ein und der Flügel dreht sich längs über den Rumpf. Eine zusammengeklappte Osprey ist nur 5,6 Meter breit.
Achte auch auf das Geräusch. Im Hubschraubermodus erzeugen die Rotoren ein tiefes, pulsierendes Brummen, im Flugzeugmodus klingt die Osprey eher wie ein großer Turboprop. Beeindruckend ist der Abwind beim Schweben: Er kann nach veröffentlichten Angaben über 80 Knoten erreichen. Halt bei Vorführungen also unbedingt Abstand und sichere deine Ausrüstung.
Osprey, Chinook, CH-53 oder Hercules?
Aus der Ferne, ohne klaren Blick auf die Gondeln, kann die Osprey mit anderen Militärtransportern verwechselt werden. Der Finder grenzt das ein.
Schnellbestimmung: Osprey oder nicht?
Bell Boeing V-22 Osprey
Rotoren in schwenkbaren Gondeln an den Flügelspitzen und ein H-Leitwerk – das ist eindeutig die Osprey.
Boeing CH-47 Chinook
Zwei Rotoren hintereinander über einem langen, kastenförmigen Rumpf, kein Flügel. Ebenfalls ein Boeing-Produkt.
Sikorsky CH-53
Großer Transporthubschrauber mit einem Hauptrotor und Heckrotor. Das Marine Corps nutzt ihn neben der Osprey für schwere Lasten.
Lockheed C-130 Hercules
Vier Propeller-Triebwerke an einem langen Flügel. In Mildenhall fliegt die Spezialversion MC-130J neben den Ospreys.
Mehr zu den Unterschieden der Drehflügler findest du bei der Boeing CH-47 Chinook, der Sikorsky CH-53 und im Guide Hubschraubertypen erkennen. Die Starrflügel-Transporter stellt der Beitrag Militärtransporter erkennen vor, darunter die Lockheed C-130 Hercules und der Airbus A400M.
Ospreys in Europa: RAF Mildenhall
Die einzige dauerhaft in Europa stationierte Osprey-Einheit sitzt in RAF Mildenhall in Suffolk, Ostengland. Im Juni 2013 landeten dort die ersten beiden CV-22B der 7th Special Operations Squadron. Sie gehörten zum Ausbau der damaligen 352nd Special Operations Group, die heute als 352nd Special Operations Wing firmiert. Neben den Ospreys fliegen in Mildenhall auch MC-130J-Spezialtransporter und Tankflugzeuge vom Typ KC-135 Stratotanker – für Militärfans ein lohnendes Ziel.
Einen Umzug des Geschwaders nach Spangdahlem in Deutschland und die Schließung von Mildenhall hatten die US-Streitkräfte Mitte der 2010er-Jahre angekündigt, diese Pläne wurden später aufgegeben. Die CV-22B trainieren von Mildenhall aus auch mit Partnerstreitkräften in Europa. Schon im Jahr der Ankunft meldete die britische Regierung Osprey-Übungsflüge über dem Truppenübungsplatz Salisbury Plain.
Dazu kommen MV-22B des US Marine Corps, die für Übungen und Rotationen nach Europa kommen, etwa für Manöver in Norwegen. Auf Airshows wie dem Royal International Air Tattoo in Fairford sind Ospreys gern gesehene Gäste. Welche Veranstaltungen sich lohnen, zeigt der Überblick Airshows in Europa. Auch in Deutschland können Ospreys bei Durchflügen über US-Basen auftauchen – mehr zum Militärverkehr dort im Beitrag Planespotting an der Ramstein Air Base.
Stationierungen ändern sich
Einheiten, Basen und Flottenstärken der US-Streitkräfte verschieben sich mit Verlegungen und Umstrukturierungen. Prüf vor einer gezielten Tour aktuelle Informationen und rechne nicht fest mit Flugbetrieb – an Wochenenden und Feiertagen ist es oft ruhig.
Ospreys in Japan
Japan ist das einzige Land außerhalb der USA, das die V-22 fliegt. Im November 2014 entschied sich Tokio für die Beschaffung von 17 Maschinen. Die ersten beiden kamen am 8. Mai 2020 vorübergehend nach Kisarazu in der Präfektur Chiba, auf der anderen Seite der Bucht von Tokio. Endgültige Heimat ist das Camp Saga am Flughafen Saga auf der Insel Kyushu, das am 9. Juli 2025 eröffnet wurde. Am 12. August 2025 landete dort die letzte Osprey aus Kisarazu. Geflogen werden die Maschinen von der Transportfliegerstaffel der 1. Hubschraubergruppe. Der Standort liegt bewusst in der Nähe der amphibischen Schnelleingreifbrigade, die für den Schutz der südwestlichen Inseln Japans zuständig ist.
Zusätzlich sind in Japan Ospreys der US-Streitkräfte stationiert: MV-22B des Marine Corps auf Okinawa und CV-22B der US Air Force auf der Yokota Air Base bei Tokio. Wer auf Spotting-Reise in Japan ist, plant am besten Zeit für Militärplätze ein – der Beitrag Planespotting in Tokio hilft bei der Orientierung rund um Haneda und Narita.
Die Osprey auf die Wunschliste setzen
Setz in Planetrack die V-22 auf deine Wunschliste und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn ein passender Typ an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.
Die Unfallgeschichte
Kaum ein Militärflugzeug ist so eng mit seiner Unfallbilanz verbunden wie die Osprey. Für Spotter gehört dieses Kapitel dazu, weil es erklärt, warum der Typ immer wieder zeitweise am Boden bleibt.
Erprobung (1991 bis 2000): Im Juni 1991 stürzte ein Prototyp in Delaware wegen falsch verdrahteter Flugsteuerung ab, die Besatzung überlebte. Am 20. Juli 1992 fiel ein Vorserienflugzeug nach einem Triebwerksbrand in den Potomac bei Quantico, sieben Menschen starben. Am 8. April 2000 geriet eine V-22 bei einem Testflug in Marana, Arizona, in den gefährlichen Wirbelringzustand (Vortex Ring State) und stürzte ab – 19 Marines kamen ums Leben. Im Dezember 2000 folgte ein Absturz bei Jacksonville, North Carolina, mit vier Toten, ausgelöst durch eine durchgescheuerte Hydraulikleitung und einen Softwarefehler. Insgesamt forderten die Testabstürze 30 Todesopfer. Die Flotte blieb lange am Boden, Software, Leitungen und Verfahren wurden überarbeitet.
Im Einsatz: Auch nach der Indienststellung kam es zu schweren Unfällen. Im April 2010 stürzte eine CV-22B in Afghanistan ab (vier Tote), 2012 eine MV-22B in Marokko (zwei Tote). Im August 2017 prallte eine MV-22B vor der Küste Australiens gegen ein Schiff der US Navy und stürzte ins Meer, drei Marines starben. Am 18. März 2022 zerschellte eine MV-22B bei einer NATO-Übung in Norwegen, alle vier Insassen kamen ums Leben. Am 8. Juni 2022 starben fünf Marines bei Glamis in Kalifornien. Die Untersuchung nannte dort ein doppeltes, hartes Einkuppeln (Hard Clutch Engagement) als Ursache, das ein Getriebe zerstörte. Im August 2023 starben drei Marines bei einem Absturz auf Melville Island in Australien.
Yakushima, November 2023: Am 29. November 2023 stürzte eine CV-22B der US Air Force vor der japanischen Insel Yakushima ins Meer. Alle acht Soldaten an Bord starben. Die US-Streitkräfte und Japan setzten ihre Osprey-Flotten daraufhin im Dezember 2023 außer Betrieb. Im März 2024 nahmen die USA und Japan den Flugbetrieb mit zusätzlichen Schulungen und Verfahren wieder auf. Im Dezember 2024 folgte eine weitere vorsorgliche Flugpause, nachdem bei einem Beinahe-Unfall erneut Metallteile versagt hatten.
Einordnung
Unfallzahlen lassen sich ohne Flugstunden und Einsatzprofil schwer vergleichen – die Osprey fliegt oft in Übungen, auf Schiffen und unter Einsatzbedingungen. Für Spotter heißt das vor allem: Nach Zwischenfällen kann der Flugbetrieb für Wochen oder Monate ruhen, auch in Mildenhall und Japan.
Wo und wie du Ospreys fotografierst
Ospreys sind keine Gäste auf der Besucherterrasse eines Verkehrsflughafens. Die meisten guten Bilder entstehen an Militärbasen, auf Airshows oder in Museen.
| Ort | Trefferchance | Warum |
|---|---|---|
| Umfeld von RAF Mildenhall | mittel bis hoch | Heimatbasis der CV-22B in Europa, regelmäßiger Übungsbetrieb |
| Airshows und Tage der offenen Tür | hoch | Ospreys stehen oft in der Ausstellung oder zeigen Vorführungen |
| NATO-Übungen | mittel | MV-22B und CV-22B kommen mit, aber oft kurzfristig |
| Museen in den USA | sehr hoch | Das National Museum of the US Air Force in Dayton zeigt eine CV-22B |
Welche Regeln am Zaun gelten, steht im Artikel Militärflugplatz fotografieren: Regeln. Wie du US-Militärkennzeichen liest, erklärt der Beitrag US-Militärkennzeichen, und wie du Militärverkehr online verfolgst, zeigt Militärflugzeuge online verfolgen. Wer die Osprey unabhängig vom Flugbetrieb sehen will, findet eine im National Museum of the U.S. Air Force in Dayton.
Rotor verwischen
Wie bei Hubschraubern gilt: Bei zu kurzer Verschlusszeit stehen die Rotoren still. Starte bei etwa 1/125 s und geh weiter runter, wenn du sauber mitziehst.
Umstellung erwischen
Das spannendste Motiv ist die Osprey mit schräg gestellten Gondeln. Schieß beim Start und im Anflug Serien, um den Moment der Umstellung zu treffen.
Abstand wegen Abwind
Beim Schweben wirbelt die Osprey Staub, Gras und kleine Steine auf. Schütze Objektiv und Ausrüstung und bleib außerhalb der Absperrungen.
Licht planen
Die graue Lackierung schluckt Details. Mit der Sonne im Rücken und weichem Licht kommen Gondeln und Rumpf besser heraus.
Mehr zur Technik zeigt der Guide Propeller fotografieren: die richtige Verschlusszeit. Planetrack zeigt dir dazu am Flughafen Wetter, Wind und aktive Pisten sowie mit dem Sonnenstand-Planer, wann das Licht an deinem Spot passt.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für die Osprey, wenn …
- zwei große Rotoren an den Enden eines kurzen Flügels sitzen
- die Gondeln senkrecht, schräg oder waagerecht stehen
- das Leitwerk von hinten wie ein H aussieht
- im Tracking-Dienst V22 als Typ steht
Sieh genauer hin, wenn …
- du die Maschine nur frontal und weit entfernt siehst
- die Gondeln waagerecht stehen – dann wirkt sie wie ein kleiner Turboprop-Transporter
- du zwischen CV-22B und MV-22B unterscheiden willst – dann helfen Nase, Kennzeichen und Betreiber
Es ist keine Osprey, wenn …
- zwei Rotoren vorn und hinten über dem Rumpf drehen – dann ist es eine CH-47 Chinook
- ein einzelner Hauptrotor mit Heckrotor zu sehen ist – dann eher ein UH-60 Black Hawk oder eine CH-53
- vier Propeller am Flügel hängen – dann eher eine C-130 oder ein A400M
- ein schmaler Rumpf mit Tandem-Cockpit und Stummelflügeln zu sehen ist – dann bist du bei Kampfhubschraubern wie dem AH-64 Apache
Fazit
Die V-22 Osprey ist eines der ungewöhnlichsten Flugzeuge, die du heute fotografieren kannst: halb Hubschrauber, halb Turboprop, mit einer Geschichte voller politischer Kämpfe, technischer Durchbrüche und tragischer Unfälle. In Europa ist RAF Mildenhall dein bester Anlaufpunkt, dazu kommen Airshows und NATO-Übungen mit Ospreys des Marine Corps. In Japan fliegen Ospreys bei den Selbstverteidigungsstreitkräften in Saga sowie bei den US-Streitkräften. Ein Foto mit schräg gestellten Gondeln mitten in der Umstellung ist für viele Militärfans ein echter Höhepunkt – mehr Ideen für solche Fänge findest du im Beitrag Seltene Flugzeuge spotten.
Kurzfazit
Rotoren an den Flügelspitzen, schwenkbare Gondeln und ein H-Leitwerk: Das ist die Osprey. Eine dicke Radarnase spricht für die CV-22B, Kennzeichen und Betreiber klären den Rest. In Europa lohnt vor allem Mildenhall – beachte die Fotoregeln an Militärplätzen und belichte lang genug, damit die Rotoren drehen.
Zusammenfassung
- Die V-22 entstand aus dem Programm JVX, das das US-Verteidigungsministerium 1981 startete; Vorbild war Bells Versuchsflugzeug XV-15.
- Erstflug war am 19. März 1989, die volle Serienproduktion wurde im September 2005 freigegeben, das Marine Corps meldete 2007 die Einsatzbereitschaft.
- Die US Air Force nutzt die CV-22B für Spezialoperationen, die US Navy seit 2021 die CMV-22B als Versorgungsflugzeug für Flugzeugträger.
- Japan beschaffte 17 V-22, die seit August 2025 vollständig im neuen Camp Saga auf Kyushu stationiert sind.
- Mehrere schwere Unfälle, zuletzt vor Yakushima im November 2023, führten zu Flugverboten und Debatten über Getriebe und Kupplungen.
Häufige Fragen
Ist die V-22 Osprey ein Hubschrauber oder ein Flugzeug?
Weder noch – sie ist ein Kipprotor-Flugzeug (englisch Tiltrotor). Zum Starten, Landen und Schweben stehen die Gondeln senkrecht, die Rotoren arbeiten dann wie bei einem Hubschrauber. Im Reiseflug kippen die Gondeln nach vorn, die Rotoren werden zu Propellern und der Flügel trägt das Flugzeug. Bei uns läuft sie deshalb in der Kategorie Militär und nicht bei den Hubschraubern.
Warum heißt sie Bell Boeing und nicht nur Boeing?
Die V-22 ist ein Gemeinschaftsprogramm. Bell brachte die Kipprotor-Erfahrung aus dem Versuchsflugzeug XV-15 mit, Boeing (damals die Hubschraubersparte Boeing Vertol) stieg als Partner ein. Bell ist für Flügel, Gondeln, Rotoren, Antrieb und Endmontage zuständig, Boeing für Rumpf, Cockpit, Avionik und Flugsteuerung.
Welchen ICAO-Typcode hat die Osprey?
Die V-22 wird als V22 geführt. Militärische Ospreys senden aber nicht immer verwertbare Daten. Taucht eine im Tracking auf, unterscheidet der Code nicht zwischen MV-22B, CV-22B und CMV-22B – da helfen Rufzeichen, Kennzeichen und Betreiber.
Wo kann ich in Europa eine Osprey sehen?
Die einzige dauerhaft in Europa stationierte Osprey-Einheit ist die 7th Special Operations Squadron der US Air Force in RAF Mildenhall in Suffolk, Großbritannien. Dazu kommen MV-22B des Marine Corps bei Übungen und Verlegungen sowie Gastauftritte auf Airshows.
Wie sicher ist die V-22?
Das ist umstritten. In der Erprobung zwischen 1991 und 2000 gab es vier Abstürze mit 30 Toten, danach wurde der Typ grundlegend überarbeitet. Auch im Einsatz kam es zu mehreren tödlichen Unfällen, unter anderem 2022 in Norwegen und Kalifornien und 2023 in Australien und Japan. Nach dem Absturz vor Yakushima standen die Ospreys von US-Streitkräften und Japan rund drei Monate am Boden.
Woran unterscheide ich CV-22B und MV-22B?
Die CV-22B der US Air Force hat eine auffällig dickere Nase mit Geländefolgeradar, die MV-22B des Marine Corps wirkt vorn schlanker. Einen Luftbetankungsstutzen tragen beide Versionen, er taugt also nicht zur Unterscheidung. Sicher wird es über Kennzeichen und Betreiber: In Mildenhall sind nur CV-22B stationiert.
Darf ich Ospreys in Mildenhall fotografieren?
Rund um britische Militärflugplätze wird von öffentlichen Wegen und Straßen aus fotografiert. Bleib auf öffentlichem Grund, park nicht in Zufahrten und folge Anweisungen von Polizei und Wachpersonal. Regeln können sich ändern – informier dich vor dem Besuch.
Bell Boeing V-22 Osprey sammeln statt nur sehen
Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
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Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
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Britischer Triebwerkshersteller mit über hundert Jahren Luftfahrtgeschichte: Die Trent-Familie treibt A330, A350, A380 und Boeing 787 an, die Business-Jet-Triebwerke kommen aus Dahlewitz bei Berlin. Für Spotter ist Rolls-Royce die Frage hinter der Frage – welcher Antrieb hängt eigentlich unter dem Flügel?
Wo du die Bell Boeing V-22 Osprey siehst
Konkrete Standpunkte mit Betriebsrichtung, Lichtzeiten, Koordinaten und einer ehrlichen Einschätzung, ob sich die Anreise lohnt.
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