Antonov An-72/An-74

Zwei dicke Triebwerke hoch oben auf dem Flügel, ein T-Leitwerk und ein Spitzname aus dem Zeichentrickfilm: Die An-72 und ihre Polarversion An-74 gehören zu den eigenwilligsten Transportern der Welt. So erkennst du sie und so verstehst du ihre Technik.

Auch bekannt als: An-72 · An-74 · Antonow An-72 · Coaler (NATO-Codename) · Tscheburaschka · An-74T · An-74TK-100 · An-74TK-200 · An-74TK-300

UkraineAntonovFrachtflugzeugeICAO-Typcode: AN7212 Min. Lesezeit

AN72

ICAO-Typcode

1977

Erstflug

10 t

Nutzlast

~620 m

Startrollstrecke

Das Wichtigste in Kürze

  • Die An-72 ist ein zweistrahliger Kurzstart-Transporter aus dem Hause Antonov, Erstflug 1977, gedacht als Nachfolger der Turboprop-An-26.
  • Ihr Markenzeichen sind die Triebwerke über dem Flügel. Der Abgasstrahl strömt über die Flügeloberseite und die Klappen und erzeugt so zusätzlichen Auftrieb (Coandă-Effekt).
  • Die An-74 ist die Polarversion mit größerem Radar, mehr Treibstoff, Enteisung und optionalem Ski-Fahrwerk.
  • Im Tracking laufen beide meist als AN72. Bei der seltenen An-74TK-300 mit Triebwerken unter dem Flügel lohnt ein Blick in die Kennzeichen-Historie.
  • In Westeuropa ist der Typ eine echte Rarität. Fliegend findest du ihn vor allem bei Militärs und Frachtbetreibern in Osteuropa, Zentralasien, Afrika und im Nahen Osten.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die Antonov An-72?
  2. 2.Technik: der Coandă-Effekt im Einsatz
  3. 3.Die Varianten: An-72, An-74 und die Ausnahme TK-300
  4. 4.Die Merkmale, die zur Bestimmung reichen
  5. 5.An-72, An-148, C-17 oder BAe 146?
  6. 6.Ein Blick über den Tellerrand: die Idee aus dem Westen
  7. 7.Wer fliegt die An-72 und An-74 heute?
  8. 8.Wo du die An-72 erwischst
  9. 9.Fototipps speziell für die An-72
  10. 10.Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
  11. 11.Fazit

Steckbrief

HerstellerAntonov (Entwicklung in Kiew, Serienbau vor allem in Charkiw)
NATO-CodenameCoaler
ICAO-TypcodeAN72 (An-72/An-74)
WirbelschleppenkategorieM (Medium)
Erstflug An-7231. August 1977
Erstflug An-741983
Triebwerke2 × Progress (Lotarew) D-36, je rund 64 kN Schub
Triebwerksanordnungvor und über dem Flügel (Ausnahme: An-74TK-300 mit Triebwerken unter dem Flügel)
Länge28,07 m
Spannweite31,89 m
Max. Startgewicht34,5 t
Nutzlastbis 10 t Fracht oder bis zu 52 Passagiere
Startrollstreckerund 620 m (Herstellerangabe für die An-72)
Besatzungbis zu 5, je nach Version und Einsatz

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diesen Flugzeugtyp vor dir?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Zwei große Mantelstromtriebwerke vor und über dem Flügel – die Abgase strömen über die Flügeloberseite
  • Hohes T-Leitwerk mit leicht nach hinten gepfeilter Seitenflosse, das Höhenleitwerk sitzt ganz oben
  • Hochdecker mit hochgezogenem Rumpfheck und großer Ladeluke samt Rampe
  • Hauptfahrwerk in seitlichen Verkleidungen am Rumpf, kurzer, gedrungener Gesamteindruck
  • Bei der An-74 eine sichtbar größere, nach unten gewölbte Radarnase
  • Die seltene An-74TK-300 trägt ihre Triebwerke dagegen ganz normal an Pylonen unter dem Flügel

Aktualisiert: Oktober 2026 – Wer zum ersten Mal eine Antonov An-72 sieht, schaut zweimal hin. Zwei dicke Triebwerke thronen vorn auf dem Flügel, als hätte jemand sie falsch herum montiert, darüber ragt ein hohes T-Leitwerk auf. Diese Anordnung ist kein Designgag, sondern der Kern des Konzepts: Der Abgasstrahl bläst über die Flügeloberseite und hilft dem Transporter, von kurzen und unbefestigten Pisten zu starten. Mit der An-74 gibt es dazu eine Version für Arktis und Antarktis. Hier erfährst du, wie die Technik funktioniert, welche Varianten es gibt und woran du die Coaler sicher erkennst.

Die Coaler im Hangar

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Was ist die Antonov An-72?

Die An-72 ist ein zweistrahliger Kurzstart-Transporter (STOL, Short Take-Off and Landing) aus dem Konstruktionsbüro Antonov. In den 1970er-Jahren suchte die sowjetische Luftwaffe einen Nachfolger für die Turboprop-An-26: Das neue Flugzeug sollte mehr tragen, schneller fliegen und trotzdem auf kurzen, schlecht vorbereiteten Plätzen zurechtkommen. Antonov antwortete mit einem ungewöhnlichen Entwurf – Jettriebwerke, die nicht unter dem Flügel hängen, sondern vor und über ihm sitzen.

Der Erstflug des Prototyps fand am 31. August 1977 statt. Danach dauerte es einige Jahre, bis die Serie anlief. Gebaut wurde vor allem im Flugzeugwerk in Charkiw, Teile der An-74-Produktion liefen zusätzlich in Omsk. Die Serienfertigung kam in den 1980er-Jahren in Gang. Wie viele Exemplare insgesamt entstanden, geben die Quellen unterschiedlich an; klar ist nur, dass An-72 und An-74 zusammen in einer niedrigen dreistelligen Stückzahl gebaut wurden – deutlich weniger als die An-26.

Die NATO vergab den Codenamen „Coaler“. In der Heimat bekam das Flugzeug einen liebevolleren Spitznamen: Tscheburaschka, nach der Zeichentrickfigur mit den riesigen runden Ohren. Die großen Triebwerkseinläufe erinnern von vorn tatsächlich daran. Mehr zum Hersteller und seiner Typenfamilie findest du auf der Seite zu Antonov, den historischen Rahmen liefert der Beitrag Sowjetische Verkehrsflugzeuge.

AN72ICAO-Typcode für An-72 und die meisten An-74
10 tmaximale Nutzlast oder bis zu 52 Personen
~620 mStartrollstrecke laut Datenblatt

Technik: der Coandă-Effekt im Einsatz

Das Herz der An-72 sind zwei Mantelstromtriebwerke vom Typ D-36 des Herstellers Progress (früher Lotarew) aus Saporischschja, jedes mit rund 64 kN Schub. Dasselbe Triebwerk kennst du vielleicht von der dreistrahligen Jak-42. Bei der An-72 sitzt es aber an einer Stelle, an der man es bei einem Jet nicht erwartet.

So funktioniert das Prinzip:

  • Anblasen der Flügeloberseite: Die Triebwerke liegen so weit vorn und oben, dass der Abgasstrahl über die Oberseite des Flügels streicht. Fachleute sprechen von Upper Surface Blowing.
  • Strömung folgt der Kontur: Eine schnelle Strömung neigt dazu, an einer gewölbten Oberfläche anzuliegen – das ist der Coandă-Effekt. Fährt die Crew die großen Landeklappen aus, wird der Abgasstrahl entlang der Klappen nach unten umgelenkt.
  • Mehr Auftrieb bei wenig Tempo: Der umgelenkte Strahl erzeugt zusätzlichen Auftrieb. Die An-72 kann dadurch langsamer anfliegen und kommt mit deutlich kürzeren Pisten aus als ein konventioneller Jet ihrer Größe.
  • Schutz vor Fremdkörpern: Weil die Einläufe hoch über dem Boden liegen, saugen sie auf Schotter-, Schnee- oder Eispisten weniger Steine und Schmutz an.
  • T-Leitwerk aus Notwendigkeit: Hinter dem Flügel ist die Luft durch den Abgasstrahl stark verwirbelt und heiß. Das Höhenleitwerk wandert deshalb ganz nach oben auf die Seitenflosse, wo es in ruhigerer Luft arbeitet.

Dazu kommt ein robustes Fahrwerk für unbefestigte Plätze: Das Hauptfahrwerk sitzt in Verkleidungen seitlich am Rumpf, ähnlich wie bei vielen Militärtransportern. Unter dem hochgezogenen Heck öffnet sich eine Ladeluke mit Rampe, über die Fahrzeuge und Paletten direkt in den Frachtraum kommen. Laut Datenblatt kann die An-72 bis zu 10 Tonnen Fracht oder bis zu 52 Personen befördern, bei einem maximalen Startgewicht von 34,5 Tonnen.

Auf die Flügeloberseite achten

Schau im Landeanflug auf die Hinterkante des Flügels hinter den Triebwerken. Mit ausgefahrenen Klappen siehst du, wie Flügel und Klappen eine durchgehende Kurve nach unten bilden – genau dort wird der Abgasstrahl umgelenkt.

Die Varianten: An-72, An-74 und die Ausnahme TK-300

Aus dem Grundmuster entstand eine ganze Reihe von Versionen. Für Spotter sind vor allem drei Gruppen wichtig.

An-72 (militärisch und zivil): Die Grundversion diente als Transporter für Truppen und Material. Es gab Ableger für Container-Fracht (An-72AT), als VIP-Transporter (An-72S) und als Seeaufklärer mit dem Kürzel An-72P, der unter anderem beim Grenzschutz flog. Der Frühwarn-Ableger An-71 mit großem Radar auf dem Leitwerk kam über das Prototypenstadium nicht hinaus.

An-74 (Polarversion): Die An-74 flog 1983 erstmals und war für Einsätze in Arktis und Antarktis gedacht. Sie bekam eine größere Radarnase, mehr Treibstoff für längere Strecken, eine erweiterte Enteisungsanlage, zusätzliche Avionik und auf Wunsch ein Fahrwerk mit Kufen. Später kamen zivile Frachtversionen (An-74T) und umrüstbare Passagier-Fracht-Versionen (An-74TK-100 und TK-200) dazu, die bei kleinen Airlines und Regierungsflugbereitschaften flogen.

An-74TK-300 (die Ausnahme): Diese Variante flog im April 2001 erstmals und bricht mit dem Grundkonzept: Ihre Triebwerke hängen klassisch an Pylonen unter dem Flügel. Damit verzichtet sie auf den Kurzstart-Effekt, wird dafür aber leiser und wirtschaftlicher im normalen Reiseflug. Die Idee wurde später in der An-148 weitergeführt, einem Regionaljet mit ähnlicher Grundauslegung.

Vorsicht bei der Typansprache im Tracking

Die meisten An-72 und An-74 erscheinen in Tracking-Diensten unter AN72, auch wenn es eigentlich eine An-74 ist. Bei der TK-300 mit Triebwerken unter dem Flügel ist die Zuordnung je nach Dienst uneinheitlich. Ob An-72 oder An-74, verrät dir am sichersten das Foto der Nase oder die Kennzeichen-Historie in einer Datenbank.

Die Merkmale, die zur Bestimmung reichen

Kaum ein Flugzeug ist so leicht zu erkennen wie die An-72 – sobald du die Triebwerke siehst. Drei Blicke reichen meist.

Triebwerke suchen

Liegen zwei große Strahltriebwerke vorn auf dem Flügel, ist die Sache fast entschieden. Kein anderer Serientransporter der Gegenwart trägt seine Jets so. Hängen die Triebwerke unter dem Flügel, prüf auf TK-300 oder ein anderes Muster.

Leitwerk ansehen

Ein hohes T-Leitwerk über einem hochgezogenen Rumpfheck mit Ladeluke passt zur Coaler. Die Proportionen wirken gedrungen, der Rumpf ist relativ kurz.

Nase vergleichen

Eine schlanke Nase spricht für die An-72, eine dickere, nach unten gewölbte Radarnase für die An-74. Kennzeichen und Betreiber bestätigen die Variante.

Wie du Triebwerke generell auseinanderhältst, erklärt der Beitrag Triebwerke erkennen. Kennzeichen aus der Ukraine (UR-), Russland (RA-) oder Kasachstan (UP-) liest du mit dem Überblick zu den Länderkennungen von Flugzeugen.

An-72, An-148, C-17 oder BAe 146?

Verwechslungen sind selten, aber möglich: mit der eigenen Nachkommenschaft, mit großen westlichen Transportern und mit vierstrahligen Hochdeckern. Der Finder hilft beim Eingrenzen.

Schnellbestimmung: strahlgetriebene Hochdecker

Drei Fragen, eine Einschätzung. Das Kennzeichen bleibt die letzte Instanz.

Wahrscheinlich

Antonov An-72/An-74

Triebwerke auf dem Flügel, T-Leitwerk und Ladeluke: Das ist die Coaler. Die Nase entscheidet zwischen An-72 und An-74.

Möglich

Antonov An-148 oder An-74TK-300

Zwei Triebwerke unter einem hoch angesetzten Flügel und ein T-Leitwerk passen zur An-148. Hat die Maschine dazu eine Ladeluke im Heck, prüf auf die seltene An-74TK-300.

Wahrscheinlich

Boeing C-17 Globemaster III

Hochdecker mit T-Leitwerk und Heckrampe, aber vier Triebwerke unter dem Flügel und ein vielfach größerer Rumpf.

Wahrscheinlich

BAe 146 / Avro RJ

Hochdecker mit T-Leitwerk und vier kleinen Triebwerken unter dem Flügel, dazu eine lange Fensterreihe. Ein Passagierjet, kein Transporter.

Merkmal An-72/An-74 An-74TK-300 An-148 C-17 BAe 146
Triebwerke 2, über dem Flügel 2, unter dem Flügel 2, unter dem Flügel 4, unter dem Flügel 4, unter dem Flügel
Leitwerk T-Leitwerk T-Leitwerk T-Leitwerk T-Leitwerk T-Leitwerk
Heck Ladeluke mit Rampe Ladeluke mit Rampe geschlossen große Rampe geschlossen
Rolle Transporter Passagiere/Fracht Regionaljet schwerer Transporter Regionaljet
Größe kompakt kompakt kompakt sehr groß kompakt

Mehr zu den Vergleichskandidaten findest du auf den Seiten zur Boeing C-17 Globemaster III, zur BAe 146-200 und zum Airbus A400M. Wer den Vorgänger im Blick hat, liest die Seite zur An-26; der jüngere Strahltransporter aus Kiew ist die An-178, deren Triebwerke klassisch unter dem Flügel hängen. Den großen Überblick bietet Militärtransporter erkennen.

Ein Blick über den Tellerrand: die Idee aus dem Westen

Das Prinzip, den Flügel mit dem Triebwerksstrahl anzublasen, war in den 1970er-Jahren auch in den USA Thema. Boeing baute mit der YC-14 einen Prototyp mit ganz ähnlicher Auslegung: zwei Triebwerke vorn auf dem Flügel, hochgezogenes Heck, Kurzstart-Fähigkeit. Die YC-14 blieb aber ein Erprobungsprogramm und ging nie in Serie. Die An-72 sieht ihr verblüffend ähnlich, ist aber deutlich kleiner – und sie wurde tatsächlich gebaut und eingesetzt.

Bei den heutigen großen Transportern hat sich ein anderer Weg durchgesetzt: Die C-17 nutzt zwar ebenfalls Triebwerksstrahl für mehr Auftrieb, bläst aber von unten auf die Klappen. Turboprop-Muster wie die C-130 Hercules und der A400M setzen auf große Propeller, deren Luftstrom über den Flügel streicht. Die An-72 bleibt damit ein Unikat unter den Serientransportern.

Wer fliegt die An-72 und An-74 heute?

Die Flotte ist überschaubar und über viele Länder verstreut. Gängige Betreiberlisten führen die An-72 bei den Luftstreitkräften und der Marine Russlands, bei Luftstreitkräften und Grenzschutz der Ukraine, in Kasachstan sowie in mehreren afrikanischen Staaten wie Angola, Äquatorialguinea, Libyen und Sudan. Die An-74 flog oder fliegt unter anderem in Ägypten, Iran und Turkmenistan sowie bei kleinen russischen und ukrainischen Frachtairlines. Laut Angaben des Londoner Instituts IISS waren Anfang 2026 rund 50 Maschinen der Familie im Militärdienst registriert.

Zivile Betreiber gab es früher deutlich mehr; viele Flugzeuge sind inzwischen abgestellt, verunglückt oder im Krieg in der Ukraine zerstört worden. Russische und belarussische Maschinen dürfen seit 2022 beziehungsweise 2021 nicht in den EU-Luftraum einfliegen.

Bestände ändern sich schnell

Stand Oktober 2026 sind verlässliche Flottenzahlen für An-72 und An-74 kaum zu bekommen. Militärflotten werden selten offengelegt, und der Krieg in der Ukraine hat die Lage weiter unübersichtlich gemacht. Nimm Betreiberlisten als Orientierung, nicht als Garantie.

Wo du die An-72 erwischst

Feste Flugpläne gibt es für die Coaler in Europa praktisch nicht. Deine Chancen hängen stark davon ab, wohin du reist und welche Art von Sichtung dir reicht.

Ort Trefferchance Warum
Westeuropäische Zivilflughäfen sehr niedrig höchstens seltene Einzelbesuche, etwa bei Regierungs- oder Frachtflügen
Airshows und Tage der offenen Tür niedrig gelegentlich als Gast von Luftstreitkräften außerhalb der EU
Flughäfen in Zentralasien, Afrika und dem Nahen Osten mittel dort fliegen Militär- und Regierungsmaschinen sowie Frachter
Russland und Belarus nicht empfehlenswert strikte Fotoregeln und Sicherheitsrisiken für Spotter

Bevor du überlegst, irgendwo in Osteuropa oder Zentralasien zu fotografieren, lies den Beitrag zu den Fotografierverboten in Russland und Belarus und die Hinweise zu Militärflugplätzen. Wie du Militärmaschinen online verfolgst, erklärt Militärflugzeuge verfolgen, und wie besonders deine Sichtung am Ende ist, schätzt du mit Wie selten ist meine Sichtung? ein.

Keine Coaler mehr verpassen

Setz die An-72 auf deine Wunschliste und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn eine Maschine des Typs an deinem Flughafen anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – hier geht’s zur Warteliste.

Bereit für deine An-72-Jagd?

Hak ab, was du schon erledigt hast.

  • Ich verfolge den Typcode AN72 in einem Tracking-Dienst.
  • Ich weiß, wie ich An-72 und An-74 an der Nase unterscheide.
  • Ich kenne die Fotoregeln am Flughafen oder Flugtag, den ich besuche.
  • Mein Standpunkt ist öffentlich zugänglich und erlaubt.
  • Ich habe eine Brennweite dabei, die auch das ganze Leitwerk aufs Bild bringt.

Fototipps speziell für die An-72

Die An-72 lebt von ihrer Silhouette. Ein Bild, das die Triebwerke über dem Flügel nicht zeigt, verschenkt das Wichtigste.

Dreiviertelansicht von vorn

Schräg von vorn siehst du die großen runden Einläufe und ihre Lage auf dem Flügel – genau der Tscheburaschka-Blick, der den Spitznamen erklärt.

Landeanflug mit Klappen

Im Anflug sind die Klappen weit ausgefahren. Von der Seite erkennst du, wie Flügel und Klappen hinter den Triebwerken eine durchgehende Kurve bilden, über die der Strahl nach unten läuft.

Hitzeflimmern einplanen

Der Abgasstrahl läuft direkt über den Flügel und hinter das Flugzeug. Bei Aufnahmen von hinten entsteht starkes Flimmern. Fotografiere lieber von vorn oder seitlich.

Kennzeichen lesbar halten

Militärnummern sind oft klein und sitzen am Rumpf oder Leitwerk. Für deine Sammlung ist eine lesbare Kennung wichtiger als die perfekte Perspektive.

Wenn du die Coaler bei einem Flugtag erwischst, lohnt auch eine Tonaufnahme: Die beiden D-36 über dem Flügel klingen anders als Triebwerke unter dem Flügel. Tipps dazu stehen im Beitrag Triebwerkssound aufnehmen.

Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt

Es spricht für die An-72/An-74, wenn …

  • zwei große Strahltriebwerke vorn auf dem Flügel sitzen
  • ein hohes T-Leitwerk über einem hochgezogenen Rumpfheck steht
  • das Hauptfahrwerk in Verkleidungen seitlich am Rumpf liegt
  • im Tracking-Dienst AN72 als Typ steht

Sieh genauer hin, wenn …

  • die Nase dicker und nach unten gewölbt wirkt – dann ist es wohl eine An-74
  • zwei Triebwerke unter dem Flügel hängen, aber das Heck eine Ladeluke hat – prüf auf An-74TK-300
  • du die Maschine nur von hinten im Hitzeflimmern siehst

Es ist keine An-72, wenn …

  • eine lange Passagierfensterreihe ohne Ladeluke zu sehen ist – dann eher eine An-148
  • vier Triebwerke unter dem Flügel hängen, wie bei der C-17 oder der An-124
  • Propeller statt Strahltriebwerken arbeiten, wie bei der An-26 oder der An-32

Wie du seltene Typen gezielt jagst, steht im Beitrag Seltene Flugzeuge spotten. Viermotorig und mit Propellern ist die ältere An-12, die mit Glasnase und Heckstand eine ganz andere Silhouette hat.

Fazit

Die An-72 und ihre Polarversion An-74 sind der Beweis, dass ein Flugzeug gleichzeitig nützlich und skurril aussehen kann. Die Triebwerke über dem Flügel sind kein Zufall, sondern ein durchdachtes Kurzstart-Konzept, das den Coandă-Effekt ausnutzt und die Einläufe vom Pistenschmutz fernhält. Für Spotter in Westeuropa bleibt die Coaler eine Rarität – wer eine vor die Linse bekommt, hat eine der ungewöhnlichsten Sichtungen der Transportfliegerei im Kasten.

Kurzfazit

Zwei Jets vorn auf dem Flügel, T-Leitwerk, Ladeluke im Heck: Das ist die An-72. Eine dickere Radarnase verrät die An-74, Triebwerke unter dem Flügel die seltene TK-300. Im Tracking suchst du nach AN72.

Zusammenfassung

  • Die An-72 entstand in den 1970er-Jahren als zweistrahliger STOL-Transporter für kurze, unbefestigte Pisten.
  • Die über dem Flügel montierten D-36-Triebwerke nutzen den Coandă-Effekt und machen die Silhouette unverwechselbar.
  • Die An-74 ergänzte die Familie ab 1983 als Version für Arktis und Antarktis; aus der An-74TK-300 entwickelte Antonov später die An-148.
  • Gebaut wurden beide Versionen in überschaubarer Zahl, heute fliegen sie vor allem bei Militärs und kleinen Frachtairlines außerhalb der EU.

Häufige Fragen

Welchen ICAO-Typcode haben An-72 und An-74?

Beide teilen sich in der Regel den Code AN72. Die seltene An-74TK-300 mit Triebwerken unter dem Flügel kann in Datenbanken abweichend geführt sein. Wer gezielt sucht, prüft deshalb zusätzlich Kennzeichen und Variante.

Warum sitzen die Triebwerke über dem Flügel?

Der heiße Abgasstrahl strömt über die Flügeloberseite und die ausgefahrenen Klappen. Weil die Strömung der gewölbten Oberfläche folgt (Coandă-Effekt), wird sie nach unten umgelenkt und erzeugt bei niedriger Geschwindigkeit zusätzlichen Auftrieb. Dadurch kommt die An-72 mit kurzen Pisten aus. Ein Nebeneffekt: Die hoch liegenden Einläufe saugen weniger Steine, Schnee und Schmutz von der Piste an.

Was ist der Unterschied zwischen An-72 und An-74?

Die An-74 ist die Version für Polargebiete. Sie hat eine größere, nach unten gewölbte Radarnase, mehr Treibstoff, eine erweiterte Enteisung, eine größere Avionikausstattung und auf Wunsch ein Fahrwerk mit Kufen. Äußerlich erkennst du sie am einfachsten an der dickeren Nase.

Warum heißt die An-72 Tscheburaschka?

Der Spitzname spielt auf die großen, runden Triebwerkseinläufe an, die von vorn an die riesigen Ohren der sowjetischen Zeichentrickfigur Tscheburaschka erinnern.

Was ist die An-74TK-300?

Eine zivile Variante, die 2001 erstmals flog und ihre Triebwerke klassisch unter dem Flügel trägt. Damit verzichtet sie auf den Kurzstart-Trick, wird aber leiser und wirtschaftlicher im normalen Linien- und Charterbetrieb. Aus diesem Konzept entstand später die An-148.

Ist die An-72 mit der Boeing YC-14 verwandt?

Nicht direkt. Beide nutzen aber dasselbe Prinzip, die Anblasung der Flügeloberseite durch über dem Flügel montierte Triebwerke. Die YC-14 blieb in den USA ein Prototypenprogramm der 1970er-Jahre, die An-72 ging in Serie.

Wo sehe ich heute eine An-72 oder An-74?

In Westeuropa nur ausnahmsweise. Laut gängigen Betreiberlisten fliegen die Maschinen vor allem bei Luftstreitkräften und Grenzschutz in Russland und der Ukraine, in Kasachstan, einigen afrikanischen Staaten sowie in Ägypten und Iran. Für Russland und Belarus gilt: Dort sind Fotos an Flughäfen und Militäranlagen heikel, lies vorher die Hinweise zu den Fotografierverboten.

Antonov An-72/An-74 sammeln statt nur sehen

Foto mit Kennzeichen, Typ, Flughafen und Spot posten, den Typ in deinem Hangar abhaken und per Alarm erfahren, wann ein gesuchtes Kennzeichen landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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