Kritische Infrastruktur fotografieren: Flughäfen, Radaranlagen und Kraftwerke im rechtlichen Kontext

Flughäfen, Radarkuppeln und Kraftwerke gehören zur kritischen Infrastruktur. Ein generelles Fotoverbot gibt es trotzdem nicht. Welche Regeln wirklich greifen, wo die Grenzen liegen und wie du dich verhältst, wenn jemand nachfragt.

Planetrack RedaktionVeröffentlicht: 15. Oktober 202612 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • KRITIS heißt nicht Fotoverbot: Dass ein Flughafen, eine Radaranlage oder ein Kraftwerk zur kritischen Infrastruktur zählt, macht das Fotografieren von öffentlichen Flächen aus nicht automatisch verboten.
  • Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber, nicht Fotografen: Das seit März 2026 geltende Gesetz regelt Risikoanalysen, Objektschutz und Meldepflichten der Betreiber. Ein Fotografierverbot für Passanten enthält es nicht.
  • Militär ist die Ausnahme: Militärische Radarstellungen und Anlagen fallen unter § 109g StGB und gesperrte militärische Bereiche unter § 114 OWiG. Hier gelten deutlich strengere Maßstäbe.
  • Auf dem Gelände entscheidet der Eigentümer: Im Terminal, auf dem Werksgelände oder hinter dem Zaun gilt das Hausrecht. Ein Fotoverbot dort ist verbindlich.
  • Drohnen bleiben am Boden: Über Energieanlagen, Industrieanlagen und militärischen Anlagen sowie in 100 Metern Abstand ist der Drohnenbetrieb nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Die kurze Antwort
  2. 2.Was „kritische Infrastruktur“ überhaupt bedeutet
  3. 3.Die rechtlichen Bausteine im Überblick
  4. 4.Flughäfen: öffentlich zugänglich, aber nicht überall
  5. 5.Radaranlagen: zivil oder militärisch?
  6. 6.Kraftwerke und Energieanlagen
  7. 7.Drohnen: die härteste Grenze
  8. 8.Spotterfoto oder Problem? Die Motiv-Ampel
  9. 9.Wenn jemand nachfragt: richtig reagieren
  10. 10.Veröffentlichen mit Augenmaß
  11. 11.Im Ausland gelten andere Maßstäbe
  12. 12.Fazit

Du stehst am Feldweg neben der Anflugschneise, die Kamera auf dem Einbeinstativ, und hinter dem Zaun dreht sich gemächlich eine Radarantenne. Ein paar Kilometer weiter ragt der Schornstein eines Kraftwerks in den Himmel – ein schöner Hintergrund für den nächsten Anflug. Und dann kommt die Frage: Darf ich das überhaupt? Seit Begriffe wie kritische Infrastruktur und KRITIS ständig in den Nachrichten auftauchen und Betreiber ihre Anlagen sichtbar stärker schützen, sind viele Spotter verunsichert. Dieser Guide ordnet ein, welche Regeln beim Fotografieren kritischer Infrastruktur in Deutschland tatsächlich gelten, wo die Unterschiede zwischen Flughafen, Radarstation und Kraftwerk liegen – und wie du dich verhältst, wenn jemand nachfragt.

Keine Rechtsberatung

Dieser Artikel ordnet die Rechtslage in Deutschland allgemein ein, Stand Oktober 2026. Er ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Gesetze, örtliche Anordnungen und Hausordnungen ändern sich. Im Zweifel fragst du beim Betreiber oder bei einer Anwältin nach.

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Die kurze Antwort

In Deutschland gibt es kein allgemeines Verbot, kritische Infrastruktur zu fotografieren. Flughäfen, zivile Radaranlagen und Kraftwerke darfst du von öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen aus grundsätzlich ablichten. Das neue KRITIS-Dachgesetz ändert daran nichts, denn es verpflichtet die Betreiber, nicht die Menschen am Zaun.

Grenzen ziehen vier andere Regelwerke: das Hausrecht auf dem jeweiligen Gelände, Betretungsverbote für gesperrte Bereiche, das Militärstrafrecht bei militärischen Anlagen und die Drohnenregeln der Luftverkehrs-Ordnung. Dazu kommt ein praktischer Faktor: Betreiber und Behörden sind aufmerksamer geworden. Wer mit langer Brennweite vor einer Anlage steht, wird eher angesprochen als früher – meist ohne rechtliche Folgen, aber mit Erklärungsbedarf.

17.03.2026Seitdem gilt das KRITIS-Dachgesetz
10Sektoren nennt das Gesetz, darunter Energie sowie Transport und Verkehr
100 mDrohnen-Mindestabstand zu Energie-, Industrie- und Militäranlagen ohne Zustimmung

Was „kritische Infrastruktur“ überhaupt bedeutet

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beschreibt kritische Infrastrukturen als Organisationen und Einrichtungen, die für das Gemeinwesen so wichtig sind, dass ihr Ausfall zu nachhaltigen Versorgungsengpässen oder erheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit führen würde. Klassische Beispiele sind Strom- und Wasserversorgung, Krankenhäuser, Lebensmittelversorgung und der Verkehr – und damit auch Flughäfen und die Flugsicherung.

Seit dem 17. März 2026 gibt es dafür ein eigenes Gesetz: das Dachgesetz zur Stärkung der physischen Resilienz kritischer Anlagen, kurz KRITIS-Dachgesetz. Es nennt zehn Sektoren, darunter Energie, Transport und Verkehr, Wasser, Gesundheit sowie Informationstechnik und Telekommunikation. Betreiber erfasster Anlagen müssen sich registrieren, Risiken analysieren, einen Resilienzplan aufstellen und Vorfälle melden.

Für Spotter ist vor allem ein Punkt interessant: Das Gesetz verlangt angemessenen physischen Schutz. Ausdrücklich genannt sind bauliche und technische Objektsicherung, Liegenschaftsabgrenzungen, Detektionsgeräte, Zugangskontrollen und Verfahren zur Überwachung der Umgebung. Übersetzt heißt das: mehr Kameras, mehr Sensoren und Sicherheitspersonal, das auch das Umfeld einer Anlage im Blick hat. Ein Fotografierverbot für Passanten findest du im Gesetz dagegen nicht.

Begriff ist nicht gleich Verbot

„Kritische Infrastruktur“ ist eine Einordnung für Schutzpflichten, keine Verbotszone. Ob du an einer Stelle fotografieren darfst, hängt davon ab, wo du stehst, wem die Fläche gehört und ob es sich um eine militärische Anlage handelt – nicht davon, ob die Anlage im KRITIS-Register steht.

Die rechtlichen Bausteine im Überblick

Statt eines einzigen „KRITIS-Fotogesetzes“ greifen mehrere Regeln ineinander. Diese Tabelle zeigt, welche für dich als Spotter relevant sind.

Regel Was sie regelt Bedeutung für dich
§ 59 UrhG (Panoramafreiheit) Werke, die bleibend an öffentlichen Wegen stehen, dürfen abgebildet und veröffentlicht werden – bei Bauwerken nur die Außenansicht Terminal, Tower oder Kühlturm von der Straße aus fotografieren und zeigen ist urheberrechtlich zulässig
Hausrecht Eigentümer oder Besitzer bestimmen, was auf ihrem Gelände erlaubt ist Im Terminal, auf dem Parkhausdach oder dem Werksgelände kann Fotografieren untersagt werden
KRITIS-Dachgesetz Pflichten der Betreiber: Risikoanalyse, Objektschutz, Meldungen Kein Fotoverbot, aber mehr Überwachung und Sicherheitspersonal
§ 109g StGB Sicherheitsgefährdendes Abbilden militärischer Anlagen, Wehrmittel und Vorgänge Gilt nur für Militärisches – dann aber auch fürs Weitergeben
§ 114 OWiG Unerlaubtes Betreten gesperrter militärischer Anlagen Ordnungswidrigkeit, auch bei Fahrlässigkeit
§ 21h LuftVO Geografische Beschränkungen für Drohnen Abstände zu Flughäfen, Energie-, Industrie- und Militäranlagen

Was zivile Flughäfen angeht, kommen die Vorgaben der Luftsicherheit hinzu. Wie das Luftsicherheitsgesetz aufgebaut ist und wen es eigentlich adressiert, erklärt der Guide Luftsicherheitsgesetz für Spotter. Zur europäischen Ebene passt der Überblick zur EU-Luftsicherheitsverordnung.

Flughäfen: öffentlich zugänglich, aber nicht überall

Ein großer Verkehrsflughafen wie der Flughafen Frankfurt oder der Flughafen München ist kritische Infrastruktur im Sektor Transport und Verkehr – und gleichzeitig ein Ort, an dem Spotter ausdrücklich willkommen sind. Besucherterrassen, Besucherhügel und Aussichtsplattformen gibt es genau deshalb, weil Betreiber das Interesse an der Luftfahrt kennen und lenken wollen.

Die Grenzen verlaufen entlang von drei Zonen:

  • Öffentliche Straßen und Wege außerhalb des Geländes: Hier gilt das Hausrecht des Flughafens nicht. Flugzeuge im Anflug, beim Start oder auf dem Rollweg darfst du fotografieren. Leitern und Stative sind ein eigenes Thema, das der Artikel Leiter, Tritt und Stativ am Flughafenzaun behandelt.
  • Landseite des Flughafens: Terminal, Parkhäuser und Vorplätze gehören dem Betreiber. Fotografieren ist dort meist geduldet, kann aber per Hausordnung eingeschränkt werden. Details stehen im Guide zum Hausrecht am Flughafen.
  • Sicherheitsbereich und Luftseite: Hinter der Kontrolle gelten strengere Regeln. Gerade die Sicherheitskontrolle selbst ist tabu – warum, erklärt der Artikel Fotografieren an der Sicherheitskontrolle. Die Unterschiede zwischen den Bereichen ordnet Landseite, Luftseite, Sicherheitsbereich ein.

An Spots wie der Aussichtsplattform Zeppelinheim oder dem Besucherhügel München bist du rechtlich auf der sicheren Seite. Kritisch wird es erst, wenn du dich für die Sicherungstechnik interessierst statt für die Flugzeuge: Zugangstore, Kamerapositionen, Zaunverläufe oder Mitarbeiterzugänge sind keine Spottermotive.

Radaranlagen: zivil oder militärisch?

Radarkuppeln und rotierende Antennen gehören an vielen Flughäfen zum Bild. Für die rechtliche Einordnung ist eine Frage entscheidend: Wer betreibt die Anlage?

Zivile Radaranlagen der Flugsicherung betreibt in Deutschland die DFS Deutsche Flugsicherung. Sie unterscheidet zwischen Primärradar, das Echos von Flugzeugen empfängt und damit nur die Position zeigt, und Sekundärradar, bei dem der Transponder an Bord antwortet und Kennung sowie Höhe übermittelt. Solche Anlagen stehen an Flughäfen, aber auch abseits auf Anhöhen. Sie sind kritische Infrastruktur, aber keine militärischen Einrichtungen. Von öffentlichen Wegen aus fotografieren ist nicht verboten, das Betreten des eingezäunten Geländes schon. Mehr über die Rolle der Flugsicherung erfährst du im Artikel zur DFS Deutsche Flugsicherung.

Militärische Radarstellungen der Luftverteidigung sind dagegen militärische Anlagen. Für sie gilt § 109g StGB: Strafbar macht sich, wer eine Abbildung anfertigt oder weitergibt und dadurch wissentlich die Sicherheit der Bundesrepublik oder die Schlagkraft der Truppe gefährdet. Schon der Versuch ist strafbar, und wer ein solches Bild leichtfertig weitergibt, kann nach Absatz 4 ebenfalls belangt werden. Hinzu kommt, dass solche Stellungen in der Regel gesperrte militärische Bereiche sind.

Merkmal Zivile Flugsicherungs-Radaranlage Militärische Radarstellung
Betreiber DFS (Flugsicherung) Bundeswehr oder verbündete Streitkräfte
Rechtlicher Rahmen Hausrecht, Betretungsverbot § 109g StGB, § 114 OWiG, militärischer Sicherheitsbereich
Foto von öffentlichem Weg grundsätzlich zulässig nur mit großer Zurückhaltung, besser nicht gezielt
Detailaufnahmen von Technik unnötig, besser vermeiden Finger weg
Drohne Abstand und Zustimmung je nach Lage ohne Zustimmung tabu (100 m)

Wie du erkennst, ob du vor einer militärischen Anlage stehst: Schilder mit Hinweisen auf militärische Sicherheitsbereiche, Bundeswehr-Beschilderung oder Wachpersonal sind eindeutige Signale. Für Fliegerhorste hat sich zudem 2026 die Lage vor dem Zaun geändert – Soldaten dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch Personen außerhalb kontrollieren, die einen Sicherheitsbereich beobachten. Die Details stehen im Guide Militärflugplatz fotografieren.

Wind, Pisten und Wetter im Blick

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Kraftwerke und Energieanlagen

Kraftwerke tauchen bei Spottern öfter auf, als man denkt: als Kulisse hinter dem Anflug, als markanter Orientierungspunkt oder schlicht, weil Kühltürme und Schornsteine neben manchen Flughäfen stehen. Sie gehören ihren Betreibern, und im KRITIS-Dachgesetz zählen sie zum Sektor Energie.

Von öffentlichen Straßen und Wegen aus darfst du sie fotografieren und die Außenansicht dank Panoramafreiheit auch veröffentlichen. Das Werksgelände ist dagegen tabu, solange du keine Erlaubnis hast, und der Werkschutz kann dort das Hausrecht durchsetzen. Ein Sonderfall sind ehemalige Kernkraftwerke: Die letzten drei deutschen Reaktoren gingen im April 2023 vom Netz, die Standorte und die zugehörigen Zwischenlager bleiben aber stark gesichert. Hier gilt erst recht, dass Sicherungsanlagen kein Motiv sind.

Die strengste Regel betrifft Drohnen. Nach § 21h LuftVO ist der Betrieb über Anlagen der zentralen Energieerzeugung und Energieverteilung sowie innerhalb von 100 Metern seitlichem Abstand nur zulässig, wenn die zuständige Stelle oder der Betreiber ausdrücklich zustimmt. Dasselbe gilt für Industrieanlagen, Justizvollzugsanstalten und militärische Anlagen. Wo genau solche Zonen liegen, zeigt dir die Karte, die der Artikel Geozonen in Deutschland und die dipul-Karte erklärt.

Drohnen: die härteste Grenze

Bei allen drei Anlagentypen ist die Drohne der Punkt, an dem es am schnellsten ernst wird. Am Flughafen gilt nach § 21h LuftVO ein Umkreis von 1.000 Metern um die Begrenzung, dazu ein Korridor von 1.000 Metern beidseits der um jeweils fünf Kilometer verlängerten Pistenmittellinien – dort ist nur der Betrieb in der speziellen Kategorie zulässig, also praktisch nicht für Hobbypiloten. Die Grundlagen fasst der Guide Drohnen am Flughafen zusammen.

Hinzu kommt der Kontext: Drohnensichtungen haben an Flughäfen wiederholt zu Betriebsunterbrechungen geführt, und Betreiber investieren in Detektion und Abwehr. Wer in der Nähe einer kritischen Anlage eine Drohne startet, löst im Zweifel einen Polizeieinsatz aus. Hintergründe dazu liefern die Artikel Drohnensichtungen an Flughäfen und Drohnendetektion und -abwehr an Flughäfen.

Spotterfoto oder Problem? Die Motiv-Ampel

Das Recht arbeitet mit abstrakten Begriffen. Am Zaun hilft eine einfachere Frage: Zeigt mein Bild ein Flugzeug oder eine Landschaft – oder zeigt es, wie eine Anlage gesichert ist? Die folgende Einordnung ist eine Faustregel, keine Garantie.

Entspannt

  • Flugzeuge im Anflug oder Start von öffentlichen Wegen
  • Fotos von Besucherterrassen und ausgewiesenen Spots
  • Kraftwerk oder Radarkuppel als Teil der Landschaft
  • Außenansicht von Terminal oder Tower von der Straße

Mit Bedacht

  • Fotografieren im Terminal, wenn die Hausordnung unklar ist
  • Lange Brennweite direkt auf Anlagen statt auf Flugzeuge
  • Aufnahmen in der Nähe militärischer Einrichtungen
  • Personal und Sicherheitskräfte im Bild

Finger weg

  • Kameras, Zugangstore, Zaunverläufe und Sensoren gezielt dokumentieren
  • Sicherheitskontrollen fotografieren
  • Drohne in Sperrabständen ohne Zustimmung
  • Gesperrte Gelände betreten, egal wofür

Ein Detail, das oft übersehen wird: Auch Menschen auf dem Bild haben Rechte. Wie du mit Personal, Passagieren und anderen Spottern im Bild umgehst, steht im Artikel Personen auf Spotterfotos.

Wenn jemand nachfragt: richtig reagieren

Durch die stärkere Umgebungsüberwachung wirst du an kritischen Anlagen eher angesprochen – vom Werkschutz, vom Sicherheitsdienst des Flughafens oder von der Polizei. Das ist kein Vorwurf, sondern Routine. So entschärfst du die Situation:

1. Ruhig und offen bleiben

Erklär kurz, dass du Flugzeuge fotografierst. Viele Sicherheitskräfte kennen Spotter und sind schnell beruhigt.

2. Bilder freiwillig zeigen

Ein Blick aufs Display mit Airlinern im Anflug sagt mehr als jede Erklärung. Pflicht ist das gegenüber privaten Sicherheitsdiensten nicht.

3. Befugnisse kennen

Ein privater Sicherheitsdienst kann auf dem Gelände das Hausrecht durchsetzen. Hoheitliche Befugnisse hat er nicht: Kontrollieren oder zum Löschen zwingen kann er dich draußen nicht. Die Polizei darf Personalien feststellen, wenn sie dafür einen Anlass hat.

4. Ausweis dabeihaben

Ein Personalausweis verkürzt jede Kontrolle erheblich – besonders in der Nähe militärischer Bereiche.

5. Nicht diskutieren, sondern dokumentieren

Wirst du des Platzes verwiesen und hältst das für unberechtigt, geh trotzdem und kläre es danach. Notiere Zeit, Ort und Namen.

Ausführlicher behandeln das die Guides Wenn der Sicherheitsdienst kommt, Polizeikontrolle beim Spotten und Muss ich Fotos löschen?. Was gilt, wenn tatsächlich Kamera oder Speicherkarte einbehalten werden, erklärt Kamera oder Speicherkarte beschlagnahmt. Und wer mit offenen Augen spottet, kann selbst ein Gewinn für die Sicherheit sein – das zeigt der Artikel Spotter als Sicherheitspartner.

Veröffentlichen mit Augenmaß

Ein Bild zu machen und es zu veröffentlichen, sind zwei verschiedene Dinge. Bei militärischen Anlagen kann schon das Weitergeben nach § 109g StGB relevant werden. Bei zivilen Anlagen gibt es kein solches Verbot, aber gute Gründe für Zurückhaltung:

  • Ausschnitt wählen: Wenn das Flugzeug das Motiv ist, brauchst du Zaunpfosten mit Kamera oder das Zugangstor nicht im Bild. Ein enger Zuschnitt macht das Foto meist ohnehin stärker.
  • Keine Sicherheitsdetails kommentieren: Bildunterschriften wie „hier ist der Zaun niedrig“ oder Hinweise auf tote Winkel haben in Foren und Social Media nichts zu suchen.
  • Geodaten bewusst einsetzen: Spot-Koordinaten helfen anderen Spottern. Wie du Geotags sinnvoll nutzt, beschreibt Flugzeugfotos geotaggen.

Im Ausland gelten andere Maßstäbe

Alles in diesem Artikel bezieht sich auf Deutschland. In anderen Ländern können Flughäfen, Brücken, Kraftwerke und Radaranlagen generell als sensible Objekte gelten, deren Fotografie verboten ist – unabhängig davon, wo du stehst. Bevor du im Urlaub die Kamera auspackst, lies den Überblick Länder mit strengen Fotografierverboten und Spotten im Ausland. Für die Nachbarländer gibt es eigene Guides zu Österreich und der Schweiz.

Bist du rechtlich gut aufgestellt?

Hak ab, was auf deinen nächsten Spotting-Tag zutrifft – am Ende siehst du, ob du entspannt losfahren kannst.

  • Ich stehe auf öffentlichen Wegen oder an ausgewiesenen Spots.
  • Ich weiß, ob in der Nähe eine militärische Anlage liegt.
  • Mein Motiv sind Flugzeuge, nicht Sicherungstechnik.
  • Die Drohne bleibt zu Hause oder außerhalb aller Sperrabstände.
  • Ich habe einen Ausweis dabei.
  • Ich prüfe vor dem Veröffentlichen, ob sicherheitsrelevante Details im Bild sind.

Deine Sichtungen, sauber dokumentiert

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Fazit

Kritische Infrastruktur ist ein Begriff aus dem Bevölkerungsschutz, kein Fotografierverbot. Flughäfen, zivile Radaranlagen und Kraftwerke darfst du in Deutschland von öffentlichen Flächen aus fotografieren. Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet die Betreiber zu mehr Schutz und Überwachung – für dich bedeutet das vor allem, dass du öfter gesehen und gelegentlich angesprochen wirst. Echte Grenzen setzen das Hausrecht auf dem Gelände, gesperrte Bereiche, das Militärstrafrecht und die Drohnenregeln. Einen Überblick über die Grundregeln am Flughafen findest du im Artikel Ist Planespotting erlaubt?.

Kurzfazit

Fotografiere Flugzeuge, nicht Sicherungstechnik. Bleib auf öffentlichen Wegen, respektiere Schilder und Hausordnungen, halte Drohnen fern und unterscheide sauber zwischen zivilen und militärischen Anlagen. Wer offen auftritt und beim Veröffentlichen mitdenkt, spottet auch neben kritischer Infrastruktur entspannt.

Zusammenfassung

  • Kritische Infrastruktur ist ein Schutzbegriff für Anlagen, deren Ausfall die Versorgung oder die öffentliche Sicherheit erheblich beeinträchtigen würde. Er beschreibt Pflichten der Betreiber, keine Pflichten für Fotografen.
  • Von öffentlichen Wegen aus darfst du Gebäude und Anlagen in Deutschland grundsätzlich abbilden. Grenzen setzen Hausrecht, gesperrte Bereiche, das Militärstrafrecht und die Drohnenregeln.
  • Heikel sind nicht Flugzeuge, Kuppeln oder Kühltürme, sondern Bilder, die Zugänge, Kameras, Zaunverläufe, Wachen oder Sicherheitstechnik systematisch dokumentieren.
  • Wer offen auftritt, auf Nachfrage erklärt, was er fotografiert, und beim Veröffentlichen auf sicherheitsrelevante Details verzichtet, kommt in der Praxis meist ohne Probleme durch.

Häufige Fragen

Ist es verboten, kritische Infrastruktur zu fotografieren?

In Deutschland gibt es kein allgemeines Verbot, Anlagen der kritischen Infrastruktur von öffentlichen Flächen aus zu fotografieren. Das KRITIS-Dachgesetz richtet sich an die Betreiber. Grenzen ergeben sich aus dem Hausrecht auf dem Gelände, aus Betretungsverboten, aus § 109g StGB bei militärischen Anlagen und aus den Drohnenregeln der Luftverkehrs-Ordnung.

Was ist das KRITIS-Dachgesetz?

Das Dachgesetz zur Stärkung der physischen Resilienz kritischer Anlagen gilt seit dem 17. März 2026. Es verpflichtet Betreiber kritischer Anlagen unter anderem zu Risikoanalysen, einem Resilienzplan, physischem Objektschutz mit Zugangskontrollen und Umgebungsüberwachung sowie zur Meldung von Vorfällen. Zu den Sektoren zählen Energie sowie Transport und Verkehr, also auch große Flughäfen und Kraftwerke.

Darf ich eine Radarkuppel am Flughafen fotografieren?

Zivile Radaranlagen der Flugsicherung kannst du von öffentlichen Wegen aus grundsätzlich fotografieren, solange du das Gelände nicht betrittst und kein Hausrecht verletzt. Anders ist es bei militärischen Radarstellungen: Das sind militärische Anlagen, für die § 109g StGB gilt. Dort fotografierst du besser gar nicht gezielt, sondern höchstens als Teil einer Landschaftsaufnahme.

Darf ich ein Kraftwerk von der Straße aus fotografieren?

Ja, von öffentlichen Straßen und Wegen aus ist das in Deutschland grundsätzlich zulässig. § 59 UrhG erlaubt sogar die Veröffentlichung der Außenansicht von Bauwerken an öffentlichen Wegen. Nicht erlaubt ist das Betreten des Werksgeländes ohne Erlaubnis und der Drohnenflug näher als 100 Meter ohne Zustimmung.

Muss ich Fotos löschen, wenn ein Werkschutz oder Sicherheitsdienst das verlangt?

Ein privater Sicherheitsdienst hat keine hoheitlichen Befugnisse und kann dich nicht zwingen, Bilder zu löschen. Auf dem Gelände kann er das Hausrecht durchsetzen und dich zum Gehen auffordern. Die Polizei kann bei konkretem Tatverdacht Speicherkarten als Beweismittel sicherstellen. Ruhig bleiben und Bilder freiwillig zeigen entschärft die meisten Situationen.

Was gilt für Drohnen in der Nähe von Kraftwerken und Flughäfen?

Nach § 21h LuftVO ist der Betrieb über Anlagen der zentralen Energieerzeugung und -verteilung, Industrieanlagen und militärischen Anlagen sowie in 100 Metern seitlichem Abstand nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Um Flughäfen gilt ein Umkreis von 1.000 Metern und zusätzlich ein Korridor entlang der verlängerten Pistenachsen, in dem nur die spezielle Kategorie zulässig ist.

Darf ich Fotos von Flughafen-Sicherheitseinrichtungen veröffentlichen?

Für Außenansichten von öffentlichen Wegen gibt es kein generelles Veröffentlichungsverbot. Trotzdem gilt: Verzichte auf Bilder, die Sicherheitskontrollen, Zugangstüren, Kameras oder Zaunverläufe gezielt dokumentieren. Bei militärischen Anlagen kann bereits das leichtfertige Weitergeben nach § 109g Abs. 4 StGB strafbar sein, wenn es die Sicherheit gefährdet.

PT

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