Das Wichtigste in Kürze
- 36 Todesopfer: Am 6. Mai 1937 fing die LZ 129 Hindenburg bei der Landung auf der Naval Air Station Lakehurst in New Jersey Feuer. 13 Passagiere, 22 Besatzungsmitglieder und ein Mann der Bodenmannschaft starben, 62 der 97 Menschen an Bord überlebten.
- Gut eine halbe Minute: Vom ersten sichtbaren Feuer bis zum Aufschlag des Bugs vergingen nach den meisten Berichten nur rund 32 bis 37 Sekunden.
- Wasserstoff statt Helium: Die Hindenburg war für Helium konstruiert, doch die USA als einziger großer Lieferant gaben das Gas nicht an das nationalsozialistische Deutschland ab. Das Schiff flog deshalb mit brennbarem Wasserstoff.
- Ursache nie endgültig bewiesen: Deutsche und amerikanische Ermittler gingen von austretendem Wasserstoff aus, der durch eine elektrische Entladung gezündet wurde. Für Sabotage fanden sie keine Belege.
- Das Ende einer Ära: Nach Lakehurst nahm kein Großluftschiff mehr den Passagierdienst auf. Das Flugzeug übernahm den Weg über die Ozeane.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Hindenburg-Katastrophe: die kurze Antwort
- 2.Was die Hindenburg war
- 3.Wasserstoff statt Helium
- 4.Die letzte Fahrt: Frankfurt–Lakehurst
- 5.Die Suche nach der Ursache
- 6.Das erste große Luftfahrt-Medienereignis
- 7.Warum die Ära der Großluftschiffe endete
- 8.Spuren der Hindenburg heute
- 9.Was die Katastrophe über Luftfahrtsicherheit lehrt
- 10.Fazit
Es gibt nur wenige Luftfahrtbilder, die fast jeder kennt, auch ohne sich je mit Flugzeugen beschäftigt zu haben. Das brennende Luftschiff über einem Landemast in New Jersey gehört dazu. Die Hindenburg-Katastrophe vom 6. Mai 1937 kostete 36 Menschen das Leben und beendete innerhalb weniger Monate ein ganzes Kapitel der Verkehrsluftfahrt: die Reise mit dem Großluftschiff über den Atlantik. Dieser Artikel erklärt, was die Hindenburg war, wie der letzte Landeanflug ablief, was die Ermittler über die Ursache herausfanden und warum danach das Flugzeug die Ozeane übernahm.
Ein Hinweis vorab
Die Hindenburg war auch ein Prestigeobjekt des NS-Staats, und hinter den Zahlen stehen Menschen, die bei dem Unglück starben oder schwer verletzt wurden. Wir beschreiben die Ereignisse sachlich und ordnen die politischen Hintergründe dort ein, wo sie für das Verständnis wichtig sind.
Hindenburg-Katastrophe: die kurze Antwort
Am Abend des 6. Mai 1937 setzte die LZ 129 Hindenburg der Deutschen Zeppelin-Reederei nach einer Atlantikfahrt von Frankfurt zur Landung auf der Naval Air Station Lakehurst in New Jersey an. Gegen 19:25 Uhr Ortszeit, wenige Minuten nachdem die Halteleinen zur Bodenmannschaft hinuntergelassen worden waren, schlugen am Heck Flammen aus der Hülle. Der Wasserstoff in den Gaszellen brannte so schnell, dass das Schiff nach gut einer halben Minute am Boden lag.
An Bord waren 97 Menschen: 36 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder, darunter mehrere Auszubildende für künftige Luftschiffbesatzungen. Dass fast zwei Drittel überlebten, überrascht viele, die nur die Bilder kennen. Entscheidend war oft, wo jemand sich gerade aufhielt: Wer in der Nähe der Promenadenfenster stand, konnte springen, als das Schiff den Boden erreichte. Wer tiefer im Rumpf oder im Bug war, hatte kaum eine Chance.
Was die Hindenburg war
Die LZ 129 entstand bei der Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen am Bodensee und startete am 4. März 1936 zu ihrer ersten Fahrt. Mit rund 245 Metern Länge und 41 Metern Durchmesser zählt sie zusammen mit ihrem Schwesterschiff LZ 130 zu den größten Luftfahrzeugen, die je gebaut wurden. Ihre Gaszellen fassten bis zu rund 200.000 Kubikmeter. Zum Vergleich: Ein heutiger Airbus A380 ist gut 70 Meter lang. Die Hindenburg war mehr als dreimal so lang.
| Merkmal | LZ 129 Hindenburg |
|---|---|
| Hersteller | Luftschiffbau Zeppelin, Friedrichshafen |
| Betreiber | Deutsche Zeppelin-Reederei (DZR) |
| Erste Fahrt | 4. März 1936 |
| Länge / Durchmesser | rund 245 m / 41,2 m |
| Traggas | Wasserstoff (geplant war Helium) |
| Antrieb | vier Dieselmotoren von Daimler-Benz |
| Reisegeschwindigkeit | rund 120 km/h |
| Passagierplätze | 50, zur Saison 1937 auf 72 erweitert |
Benannt war das Schiff nach dem 1934 gestorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Das NS-Regime nutzte es von Anfang an für Propaganda: Im März 1936 flog die Hindenburg zusammen mit der älteren LZ 127 Graf Zeppelin über Deutschland und warf Flugblätter für die Reichstagswahl ab, im August 1936 schwebte sie über dem Berliner Olympiastadion. Die Zeppelin-Leute um Hugo Eckener, der dem Regime distanziert gegenüberstand, hatten auf diese Rolle wenig Einfluss.
Luxus im Rumpf
Anders als bei älteren Zeppelinen lag der Passagierbereich nicht in einer Gondel unter der Hülle, sondern auf zwei Decks im Inneren des Rumpfs. Es gab Kabinen, einen Speisesaal, eine Lounge, Schreib- und Lesezimmer und Promenaden mit schräg nach unten gerichteten Fenstern. Sogar ein Raucherraum war an Bord, mit Überdruck abgeschottet, damit kein Gas eindringen konnte. Das einzige Feuerzeug verwaltete ein Steward.
Wie sich das anfühlte, kannst du heute im Zeppelin Museum Friedrichshafen nachvollziehen: Dort ist ein Teil der Fahrgastanlage begehbar rekonstruiert, samt Promenade und Kabinen.
Die Saison 1936
Im ersten Betriebsjahr fuhr die Hindenburg laut gängigen Angaben zehnmal in die USA und siebenmal nach Rio de Janeiro und beförderte dabei rund 1.600 Passagiere. Sie bot damit als erstes Luftfahrzeug planmäßige Passagierfahrten über den Nordatlantik, Jahre bevor Flugzeuge das konnten. Ausgangspunkt der Nordamerikafahrten war ab 1936 der neue Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main bei Frankfurt, der Vorläufer des heutigen Flughafen Frankfurt.
Wasserstoff statt Helium
Die vielleicht wichtigste Vorgeschichte der Katastrophe ist eine Entscheidung, die lange vor dem 6. Mai 1937 fiel. Die Hindenburg war ursprünglich für Helium ausgelegt, ein Edelgas, das nicht brennt. Helium gab es in nutzbaren Mengen damals praktisch nur in den Vereinigten Staaten, und die gaben es nicht an das nationalsozialistische Deutschland ab, weil sie eine militärische Verwendung befürchteten.
Die Ingenieure stellten das Schiff deshalb auf Wasserstoff um. Das leichteste Gas überhaupt liefert sogar etwas mehr Auftrieb als Helium, ist in Verbindung mit Luft aber hochexplosiv. Die Zeppelin-Reederei hatte mit Wasserstoff lange Erfahrung und galt als sehr sicherheitsbewusst. Der Raucherraum mit Überdruck, funkenfreie Werkzeuge und strenge Regeln an Bord zeigen, wie ernst man das Risiko nahm. Es reichte am Ende nicht.
Die letzte Fahrt: Frankfurt–Lakehurst
Die Unglücksfahrt war die erste Nordamerikafahrt der Saison 1937. Am Abend des 3. Mai 1937 legte die Hindenburg in Frankfurt ab, unter dem Kommando von Kapitän Max Pruss. Mit an Bord war Ernst Lehmann, erfahrener Kommandant und Direktor der Reederei, als Beobachter.
Über dem Atlantik bremsten starke Gegenwinde das Schiff. Statt am Morgen des 6. Mai kam es erst am Nachmittag in die Nähe von Lakehurst, und dort zogen Gewitter durch. Pruss fuhr deshalb eine Schleife über Manhattan und an der Küste New Jerseys entlang, um besseres Wetter abzuwarten. Erst am frühen Abend meldete die Station, dass die Gewitter abgezogen waren.
Anflug am Abend
Kurz nach 19 Uhr erreichte die Hindenburg das Gelände. Weil der Wind drehte, musste Pruss die Landerichtung ändern und flog dafür eine enge Kurve, um gegen den Wind auf den Landemast zuzufahren.
Kampf mit der Trimmung
Das Schiff war hecklastig. Die Crew ließ Wasserballast ab, gab Gas frei und schickte sechs Männer nach vorn in den Bug, um das Gewicht zu verlagern. Ganz gerade lag die Hindenburg trotzdem nicht.
Leinen zum Boden
Gegen 19:21 Uhr warf die Besatzung aus geringer Höhe die vorderen Halteleinen ab. Geplant war eine hohe Landung: Die Bodenmannschaft sollte das Schiff über die Leinen an den Mast heranziehen.
Feuer am Heck
Gegen 19:25 Uhr sahen Zeugen erste Flammen im hinteren Teil des Rumpfs. Das Heck sackte ab, der Bug richtete sich auf, und das Feuer fraß sich nach vorn. Nach gut einer halben Minute lag das Wrack brennend am Boden.
Der Wasserstoff war nach rund anderthalb Minuten verbrannt, der Dieseltreibstoff brannte dagegen noch Stunden. Kapitän Pruss überlebte mit schweren Verbrennungen. Ernst Lehmann starb am folgenden Tag. Zu den bekanntesten Überlebenden zählt der Akrobat Joseph Späh, der aus einem Fenster sprang. Der letzte Überlebende, der damals achtjährige Werner Doehner, starb 2019.
Die Suche nach der Ursache
Zwei Untersuchungen nahmen sich des Unglücks an: eine Kommission des US-Handelsministeriums und eine deutsche Kommission, an der Hugo Eckener maßgeblich beteiligt war. Beide kamen zu einem ähnlichen Bild, ohne es letztlich beweisen zu können.
- Austretender Wasserstoff: Die Hecklastigkeit vor der Landung deutet auf ein Leck in einer der hinteren Gaszellen hin. Bodenmannschaften berichteten außerdem, dass die Außenhaut an einer Stelle flatterte. Woher das Leck kam, ist offen. Diskutiert wird unter anderem ein gerissener Spanndraht nach der engen Kurve.
- Elektrische Entladung als Zündquelle: Nach den Gewittern war die Luft elektrisch aufgeladen. Als die feuchten Leinen den Boden berührten, wurde das Metallgerippe geerdet, die Außenhaut aber nicht sofort. Ein Funke zwischen Hülle und Gerüst hätte austretendes Gas zünden können. Diese Erklärung gilt bis heute als die wahrscheinlichste.
| Theorie | Kernidee | Einordnung |
|---|---|---|
| Statische Entladung | Funke zwischen geladener Hülle und geerdetem Gerippe zündet Wasserstoff aus einem Leck | von beiden Untersuchungen favorisiert, spätere Experimente stützen Teile davon |
| Brennbarer Hüllenlack | Die Beschichtung der Außenhaut habe das Feuer ausgelöst und getragen | in den 1990ern populär geworden, Versuche zeigen allenfalls einen Beitrag |
| Sabotage | Eine Bombe an Bord habe das Feuer gelegt | in Büchern verbreitet, von den Ermittlern und den meisten Historikern mangels Belegen verworfen |
| Strukturschaden | Überlastung bei der Kurve reißt Gaszelle auf | als Ursache des Lecks plausibel, nicht als Zündquelle |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Zündung und Brand: Was den Funken lieferte, ist umstritten. Warum das Schiff so schnell verbrannte, ist dagegen klar. Es war mit Wasserstoff gefüllt.
Luftfahrtgeschichte im eigenen Hangar
Ob Zeppelin NT über dem Bodensee oder Klassiker im Museum: In Planetrack postest du deine Sichtung mit Foto, Typ, Kennzeichen und Ort und sammelst sie in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Das erste große Luftfahrt-Medienereignis
Dass die Hindenburg-Katastrophe bis heute so präsent ist, liegt weniger an der Zahl der Opfer als an den Bildern. Die Landung eines Zeppelins war in den USA ein Ereignis, und so standen in Lakehurst vier Wochenschau-Teams mit Kameras bereit: Pathé, Movietone, Hearst und Paramount. Sie filmten den Brand von Anfang an.
Dazu kam die Reportage von Herbert Morrison vom Chicagoer Radiosender WLS. Er war eigentlich gekommen, um eine Routinelandung für eine Aufzeichnung zu beschreiben, und sprach weiter, als das Schiff vor ihm in Flammen aufging. Sein verzweifelter Ausruf „Oh, the humanity“ wurde zu einem der bekanntesten Tondokumente des Jahrhunderts. Die Aufnahme lief am Tag danach im Radio, und mit den Filmen in den Kinos sahen und hörten Millionen Menschen, wie ein Luftschiff verbrennt.
In Deutschland fiel die Berichterstattung deutlich gedämpfter aus. Ein Unglück des Prestigeschiffs passte nicht in die Propaganda.
Warum die Ära der Großluftschiffe endete
Lakehurst war nicht das erste schwere Luftschiffunglück. Das britische R101 war 1930 in Frankreich abgestürzt, das amerikanische Marineluftschiff USS Akron 1933 vor der Küste New Jerseys, mit mehr Toten als bei der Hindenburg. Im Passagierdienst der Zeppelin-Reederei war dagegen über Jahrzehnte kein Fahrgast ums Leben gekommen. Die Hindenburg zerstörte diesen Ruf an einem Abend und vor laufenden Kameras.
Mehrere Gründe kamen zusammen:
- Vertrauensverlust: Nach den Bildern aus Lakehurst wollte kaum jemand mehr in ein wasserstoffgefülltes Luftschiff steigen.
- Kein Helium: Auch für das Schwesterschiff LZ 130 verweigerten die USA 1938 den Export von Helium. Ohne unbrennbares Traggas war ein Neustart kaum vermittelbar.
- Teurer Betrieb: Großluftschiffe brauchten riesige Hallen, Landemasten und große Haltemannschaften am Boden, beförderten aber nur wenige Dutzend Passagiere.
- Das Flugzeug holte auf: Pan Am flog schon ab 1935 mit Flugbooten über den Pazifik, und 1939 eröffnete die Airline mit der Boeing 314 Clipper den Passagierdienst über den Nordatlantik. Mehr dazu im Porträt Pan Am.
- Der Krieg: Mit dem Zweiten Weltkrieg war ziviler Transatlantikverkehr mit deutschen Luftschiffen endgültig vorbei.
Was aus den Schwesterschiffen wurde
Die ältere LZ 127 Graf Zeppelin kehrte kurz nach dem Unglück von ihrer letzten Südamerikafahrt zurück und wurde noch 1937 außer Dienst gestellt. Die LZ 130, ebenfalls „Graf Zeppelin“ getauft und meist Graf Zeppelin II genannt, fuhr ab September 1938, mit Wasserstoff statt des eingeplanten Heliums. Zahlende Passagiere nahm sie nie mehr auf. Stattdessen fuhr sie Test- und Propagandafahrten, 1939 auch eine Erkundungsfahrt entlang der britischen Küste, bei der sie die Radaranlagen der Briten ausspionieren sollte.
1940 wurden beide Zeppeline auf Anordnung der Luftwaffenführung verschrottet, ihr Leichtmetall floss in den Flugzeugbau. Im selben Jahr wurden die Luftschiffhallen am Rhein-Main-Flughafen gesprengt. Damit war die Geschichte der großen Starrluftschiffe beendet. Den ganzen Bogen von Graf Zeppelins ersten Versuchen bis heute erzählt die Geschichte der Zeppeline.
Spuren der Hindenburg heute
Original erhalten ist von den großen Zeppelinen keiner. Trotzdem gibt es einige Orte, an denen du der Hindenburg-Zeit nahekommst, und manche davon liegen direkt neben einem Flughafen.
| Ort | Was du dort findest | Spotter-Bezug |
|---|---|---|
| Zeppelin Museum Friedrichshafen | begehbare Teilrekonstruktion der Hindenburg-Fahrgastanlage, Modelle, Originalteile | am Flughafen Friedrichshafen startet der Zeppelin NT |
| Zeppelinheim bei Frankfurt | Siedlung, die für die Belegschaft des Luftschiffhafens gebaut wurde, mit eigenem Zeppelin-Museum | die Aussichtsplattform Zeppelinheim liegt nahe am heutigen Großflughafen |
| Lakehurst, New Jersey | Gedenkort mit Bodenmarkierung und Plakette an der Unglücksstelle, historischer Hangar No. 1 | auf einer aktiven Militärbasis, Zugang nur eingeschränkt |
| Aeronauticum Nordholz | Luftschiff- und Marinefliegergeschichte an der Nordseeküste | direkt am Marinefliegerstützpunkt Nordholz |
In Lakehurst markiert ein mit Kette eingefasstes Feld die Stelle, an der die Gondel aufschlug. Der Gedenkort wurde zum 50. Jahrestag 1987 eingeweiht. Die Station gehört heute zur Joint Base McGuire-Dix-Lakehurst, deshalb kommst du nicht einfach hinein. Führungen bietet vor allem die örtliche historische Gesellschaft an.
Zeppelin-Wochenende am Bodensee
In Friedrichshafen kannst du Geschichte und Gegenwart verbinden: vormittags das Zeppelin Museum am Hafen, nachmittags der Bodensee-Airport, wo in der Saison der Zeppelin NT zu Rundfahrten startet. In Planetrack siehst du auf der Spot-Karte, wo du am Flughafen stehst und wann das Licht passt. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Was die Katastrophe über Luftfahrtsicherheit lehrt
Lakehurst ist ein frühes Beispiel für ein Muster, das sich in der Unfallgeschichte der Luftfahrt immer wieder zeigt: Ein schweres Unglück entsteht selten aus einer einzigen Ursache. Ein Konstruktionsziel, das politisch nicht erreichbar war, ein Gas mit bekanntem Risiko, eine verspätete Ankunft, Gewitterluft, eine enge Kurve und eine Landung mit nassen Leinen griffen ineinander.
Ähnliche Verkettungen beschreiben spätere Unglücke, etwa die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa 1977, nach der sich Funkverfahren und Crew-Training grundlegend änderten, oder das Flugtagunglück von Ramstein 1988, das die Airshow-Regeln in Deutschland prägte. Bei der Hindenburg zog die Branche allerdings keine technische Lehre, sondern eine noch radikalere: Sie gab das Prinzip Großluftschiff im Passagierverkehr auf.
Dass Luftschiffe heute wieder fahren, liegt am Traggas. Moderne Konstruktionen wie der Zeppelin NT sind viel kleiner als die Hindenburg und mit Helium gefüllt. Wer einen davon am Bodensee fotografiert, sieht im Grunde das, was die Ingenieure der 1930er-Jahre bauen wollten, aber nicht durften.
Fazit
Die Hindenburg war ein technisches Meisterstück und zugleich ein Kind ihrer Zeit: geplant für Helium, gefüllt mit Wasserstoff, gefeiert als Luxusliner und benutzt für Propaganda. Am 6. Mai 1937 verbrannte sie in gut einer halben Minute vor Kameras und Mikrofonen, 36 Menschen starben. Die genaue Zündquelle ist bis heute nicht bewiesen, am wahrscheinlichsten bleibt eine elektrische Entladung an austretendem Gas. Für die Luftfahrt war das Ergebnis eindeutig: Der Weg über die Ozeane gehörte von da an dem Flugzeug.
Kurzfazit
Die Hindenburg-Katastrophe war kein Zufall aus heiterem Himmel, sondern das Zusammentreffen von Wasserstoff, Wetter und einer schwierigen Landung. Die Bilder aus Lakehurst zerstörten das Vertrauen in das Großluftschiff, und Helium-Embargo, hohe Kosten, schnellere Flugzeuge und der Krieg erledigten den Rest. Wer die Geschichte vor Ort erleben will, fährt nach Friedrichshafen oder Zeppelinheim.
Zusammenfassung
- Die Hindenburg war das größte Luftschiff ihrer Zeit, rund 245 Meter lang, und bot ab 1936 als erstes Luftfahrzeug planmäßige Passagierfahrten zwischen Europa und Nordamerika.
- Die Katastrophe ereignete sich nach einer verspäteten Atlantikfahrt von Frankfurt aus, bei einer sogenannten hohen Landung mit abgeworfenen Halteleinen.
- Wegen der Filmaufnahmen und der berühmten Radioreportage von Herbert Morrison wurde das Unglück zu einem der bekanntesten Medienereignisse des 20. Jahrhunderts.
- Die Schwesterschiffe flogen nie mehr kommerziell, 1940 wurden die verbliebenen Zeppeline verschrottet. Heute erinnern Museen in Friedrichshafen und Zeppelinheim an die Zeit.
Häufige Fragen
Was ist bei der Hindenburg-Katastrophe passiert?
Am Abend des 6. Mai 1937 setzte die LZ 129 Hindenburg nach einer Atlantikfahrt von Frankfurt zur Landung auf der Naval Air Station Lakehurst in New Jersey an. Kurz nachdem die Halteleinen abgeworfen worden waren, brach gegen 19:25 Uhr Ortszeit am Heck ein Feuer aus. Innerhalb von gut einer halben Minute stand das ganze Schiff in Flammen und stürzte zu Boden.
Wie viele Menschen starben bei der Hindenburg-Katastrophe?
36 Menschen: 13 der 36 Passagiere, 22 der 61 Besatzungsmitglieder und ein ziviler Helfer der Bodenmannschaft. Einige erlagen ihren Verbrennungen erst in den Stunden und Tagen danach, darunter Kapitän Ernst Lehmann. 62 Menschen an Bord überlebten, viele von ihnen schwer verletzt.
Warum war die Hindenburg mit Wasserstoff gefüllt?
Geplant war Helium, das nicht brennt. Die Vereinigten Staaten waren damals aber der einzige große Produzent und verweigerten den Export an das nationalsozialistische Deutschland, weil sie eine militärische Nutzung befürchteten. Die Zeppelin-Ingenieure stellten das Schiff deshalb auf Wasserstoff um, der mehr Auftrieb liefert, aber hochentzündlich ist.
Was war die Ursache des Feuers?
Endgültig bewiesen ist sie bis heute nicht. Die deutsche Kommission unter Hugo Eckener und die Untersuchung des US-Handelsministeriums hielten es für am wahrscheinlichsten, dass Wasserstoff aus einem Leck austrat und durch eine elektrostatische Entladung gezündet wurde. Andere Theorien wie Sabotage, entzündlicher Außenhautlack oder Blitzschlag konnten sich als alleinige Erklärung nicht durchsetzen.
Woher kam die berühmte Radioreportage?
Der Reporter Herbert Morrison vom Chicagoer Sender WLS war mit einem Techniker in Lakehurst, um die Landung für eine Aufzeichnung zu dokumentieren. Seine Aufnahme mit dem emotionalen Ausruf „Oh, the humanity“ wurde am Tag darauf gesendet. Zusammen mit den Wochenschau-Filmen mehrerer Firmen machte sie das Unglück weltweit sichtbar.
Gab es nach der Hindenburg noch Passagier-Zeppeline?
Nein, nicht im Linienverkehr. Die LZ 127 Graf Zeppelin wurde 1937 außer Dienst gestellt, das Schwesterschiff LZ 130 flog ab 1938 nur noch Test-, Propaganda- und Erkundungsfahrten, aber nie mit zahlenden Passagieren. 1940 wurden beide verschrottet. Moderne Luftschiffe wie der Zeppelin NT sind deutlich kleiner und mit Helium gefüllt.
Kann man die Unglücksstelle in Lakehurst besuchen?
Die Stelle liegt auf dem Gelände der heutigen Joint Base McGuire-Dix-Lakehurst, also einer Militärbasis. Ein Gedenkort mit Bodenmarkierung und Plakette, eingeweiht zum 50. Jahrestag 1987, zeigt, wo die Gondel aufschlug. Der Zugang ist nur eingeschränkt möglich, Führungen organisiert vor allem die Navy Lakehurst Historical Society.
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