Das Wichtigste in Kürze
- ValuJet war eine historische US-Low-Cost-Airline aus Atlanta, die im Oktober 1993 den Flugbetrieb aufnahm und 1997 im Namen AirTran aufging.
- Codes: IATA J7, ICAO VJA, Rufzeichen „CRITTER“ – benannt nach dem Comic-Maskottchen.
- Die Flotte bestand aus gebrauchten McDonnell-Douglas-Jets, vor allem DC-9-32 mit einem Durchschnittsalter von rund 26 Jahren.
- Flug 592 stürzte am 11. Mai 1996 in die Everglades: Ein Feuer, ausgelöst durch falsch deklarierte Sauerstoffgeneratoren im Frachtraum, tötete alle 110 Menschen an Bord.
- ValuJet war Erstkunde der MD-95, die als Boeing 717 erst nach der Fusion an AirTran ausgeliefert wurde.
Inhaltsverzeichnis
- 1.ValuJet im Überblick
- 2.Codes und Rufzeichen
- 3.Das Geschäftsmodell: billig, schnell, gebraucht
- 4.Die Flotte: DC-9 und ein Hauch MD-80
- 5.Woran du ValuJet erkennst
- 6.Flug 592: Absturz in den Everglades
- 7.Flugverbot und Neustart
- 8.Von ValuJet zu AirTran – und weiter zu Southwest
- 9.ValuJet im Kontext der US-Deregulierung
- 10.ValuJet heute: Spurensuche für Spotter
- 11.Häufige Verwechslungen
- 12.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | J7 |
|---|---|
| ICAO-Code | VJA |
| Rufzeichen | CRITTER |
| Drehkreuze | ATL |
| Status | Historisch – 1997 in AirTran Airlines umbenannt, Flugbetrieb 1998 auf AirTran Airways übertragen |
| Geschäftsmodell | Low-Cost-Airline mit Einheitsklasse und gebrauchten Flugzeugen auf Kurz- und Mittelstrecke |
| Sitz | Clayton County bei Atlanta, Georgia |
| Drehkreuz | Atlanta (ATL), zeitweise weitere Basen u. a. in Orlando, Miami, Boston, Philadelphia und Washington-Dulles |
| Erster Flug | 26. Oktober 1993, Flug 901 von Atlanta nach Tampa mit einer DC-9-21 |
| Gründer | Robert Priddy, Maury Gallagher und Tim Flynn; Präsident wurde Lewis Jordan |
| Flotte | Ausschließlich McDonnell Douglas: vor allem DC-9-32, dazu wenige DC-9-21 und MD-80 |
| Markenzeichen | Weißer Rumpf mit Blau und Gelb, lächelndes Comic-Flugzeug „Critter“ |
| Schwerstes Unglück | Flug 592 am 11. Mai 1996, Absturz in den Everglades, 110 Tote |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich ValuJet Airlines?
- Weißer Rumpf mit blauen und gelben Akzenten und dem Schriftzug „ValuJet“
- Das grinsende Comic-Flugzeug „Critter“ – Maskottchen und zugleich Rufzeichen
- Fast immer eine DC-9: zwei Triebwerke am Heck, T-Leitwerk, schlanker Rumpf
- Vereinzelt eine längere MD-80 mit größeren Triebwerken
- US-Kennzeichen mit N am Heck, die Unglücksmaschine trug N904VJ
- Fotos stammen fast immer aus den Jahren 1993 bis 1997, meist aus Atlanta oder Florida
Ein weißer DC-9-Rumpf, blaue und gelbe Farbtupfer und ein grinsendes Comic-Flugzeug vorn am Rumpf: So sah ValuJet aus, die Airline, die Anfang der 1990er-Jahre den US-Markt mit Kampfpreisen aufmischte. Kaum eine Fluggesellschaft wuchs so schnell – und kaum eine stürzte so tief. Nach dem Absturz von Flug 592 in den Everglades verschwand der Name innerhalb von rund eineinhalb Jahren. Hier erfährst du, wie ValuJet funktionierte, was am 11. Mai 1996 geschah und wie du alte ValuJet-Aufnahmen sicher einordnest.
Archivfotos sauber einsortieren
Mit Planetrack postest du Fotos mit Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline und Flughafen – so landen auch alte DC-9-Aufnahmen aus den 1990ern sortiert in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
ValuJet im Überblick
ValuJet war eine historische US-Low-Cost-Airline mit Sitz im Clayton County, direkt neben dem Flughafen Atlanta. Gegründet wurde sie 1992 in Georgia, den ersten Flug startete sie am 26. Oktober 1993: Flug 901 ging mit einer einzigen gebrauchten DC-9-21, die zuvor bei Delta geflogen war, von Atlanta nach Tampa. Zum Startangebot ab Atlanta gehörten neben Tampa auch Orlando und Jacksonville.
Hinter der Airline standen erfahrene Gründer. Robert Priddy hatte zuvor unter anderem Atlantic Southeast Airlines aufgebaut, mit ihm gründeten Maury Gallagher und Tim Flynn die Firma. Präsident wurde kurz nach dem Start Lewis Jordan, der zuvor unter anderem Präsident von Continental Airlines gewesen war. Ihr Ziel war ein Angebot, das in Atlanta direkt gegen den Platzhirsch Delta Air Lines antrat – mit deutlich niedrigeren Preisen.
Das Netz reichte vor allem über den Osten der USA, mit Schwerpunkt Florida. Vor dem Unglück 1996 bediente ValuJet 22 Städte in den USA und eine in Kanada. Neben Atlanta hatte die Airline zeitweise Basen in Orlando, Miami, Boston, Philadelphia und Washington-Dulles.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code J7: stand in den Flugnummern, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code VJA: kennzeichnete ValuJet im Flugplan der Flugsicherung.
- Rufzeichen CRITTER: so meldeten sich die Crews im Funk – nach dem Maskottchen der Airline.
- Kennzeichen N: Alle Flugzeuge waren in den USA registriert.
„Critter“ ist eines der Rufzeichen, die eine eigene Geschichte erzählen. Auch die Strecke des ValuJet-Erstflugs blieb in Erinnerung: Der letzte AirTran-Linienflug am 28. Dezember 2014 führte ebenfalls von Atlanta nach Tampa. Mehr solcher Geschichten findest du im Artikel über Airline-Rufzeichen.
Das Geschäftsmodell: billig, schnell, gebraucht
ValuJet trieb das Low-Cost-Prinzip weiter als die meisten Konkurrenten. Die Airline wuchs rasant: Allein im ersten Jahr kamen 15 Flugzeuge dazu, im Juni 1994 ging ValuJet an die Börse und meldete für 1994 einen Gewinn von 21 Millionen Dollar. Der Erfolg beruhte auf ein paar einfachen, aber harten Grundsätzen:
- Alte Flugzeuge statt neuer Jets: ValuJet kaufte gebrauchte DC-9, die im Schnitt rund 26 Jahre alt waren. Das sparte Kapital, bedeutete aber mehr Wartungsaufwand.
- Eine Klasse für alle: Alle Maschinen flogen mit einheitlicher Bestuhlung ohne Business Class.
- Ausgelagerte Technik: Wartung und Instandhaltung vergab ValuJet an Fremdfirmen, die teils selbst wieder Subunternehmer einsetzten.
- Knappe Personalkosten: Piloten mussten ihre Ausbildung selbst bezahlen und wurden nur für tatsächlich absolvierte Flüge entlohnt.
Das Modell brachte niedrige Preise, aber auch Warnsignale. Im August 1995 lehnte das US-Verteidigungsministerium ValuJet als Transporteur für Militärpersonal ab und verwies auf Mängel in der Qualitätssicherung. Im Februar 1996 schlug ein FAA-Büro in Atlanta in einem internen Papier vor, die Airline neu zu zertifizieren. Wie Wartung bei Airlines normalerweise organisiert ist, erklärt der Guide zur Flugzeugwartung vom A- bis zum C-Check.
Ein Vorfall vor dem Unglück
Schon am 8. Juni 1995 brannte in Atlanta eine ValuJet-DC-9-32 aus, nachdem beim Startlauf ein Triebwerk versagt hatte und die Crew den Start abbrach. Alle Menschen an Bord überlebten, einige wurden verletzt. Die Ursache war ein Riss in einer Verdichterscheibe, der laut NTSB auf die Zeit bei einem Vorbesitzer zurückging.
Die Flotte: DC-9 und ein Hauch MD-80
ValuJet flog ausschließlich Jets von McDonnell Douglas. Die meisten Flugzeuge kamen gebraucht von großen US-Airlines, viele davon aus Delta-Beständen. Laut einer Flottenübersicht umfasste die Flotte in der Spitze unter anderem:
| Typ | Anzahl (Spitze, ca.) | Rolle | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|
| DC-9-21 | 2 | Erste Flugzeuge, kurze Rumpfversion | Kurzer Rumpf, vergrößerte Flügel |
| DC-9-32 | 42 | Rückgrat der Flotte | Klassische DC-9, schlanke Triebwerke am Heck |
| MD-81 | 1 | Ergänzung | Deutlich längerer Rumpf, größere Triebwerke |
| MD-82 | 2 | Ergänzung | Wie MD-81, stärkere Triebwerke |
| MD-83 | 1 | Ergänzung | Äußerlich kaum von der MD-82 zu unterscheiden |
| MD-95 | 50 bestellt | Nie an ValuJet geliefert | Wurde zur Boeing 717 |
Vor dem Absturz 1996 nennen Berichte rund 52 Jets. Die genauen Zahlen schwanken je nach Quelle und Stichtag – nimm die Tabelle deshalb als Orientierung, nicht als Stückliste.
Die DC-9 war das Herz von ValuJet: robust, für kurze Strecken gebaut und Anfang der 1990er-Jahre auf dem Gebrauchtmarkt günstig zu haben. Wie sich die Serien unterscheiden, zeigt dir die Seite zur Douglas DC-9 (Serie 10 bis 50). Die wenigen Maschinen der MD-80-Familie erkennst du am deutlich längeren Rumpf und an den dickeren Triebwerken.
Die MD-95-Bestellung: Geburtshelfer des Boeing 717
Im Oktober 1995 bestellte ValuJet 50 MD-95 bei McDonnell Douglas, dazu Optionen auf 50 weitere. Die MD-95 war ein modernisierter Nachfolger der DC-9 – und ValuJet war ihr Erstkunde. Nach der Übernahme von McDonnell Douglas durch Boeing 1997 lief das Programm als Boeing 717 weiter. Die erste Maschine ging im September 1999 an AirTran Airways – also an die Airline, in der ValuJet inzwischen aufgegangen war. ValuJet selbst hat nie einen 717 geflogen.
Den 717 auf die Wunschliste
Setz seltene Typen wie den Boeing 717 auf deine Wunschliste und lass dich benachrichtigen, wenn einer in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du ValuJet erkennst
Die Bemalung war bewusst fröhlich: weißer Rumpf mit blauen und gelben Akzenten, dazu der Schriftzug „ValuJet“ und das lächelnde Comic-Flugzeug „Critter“. Das Maskottchen prangte vorn auf beiden Rumpfseiten und tauchte auch in der Werbung und auf Uniformen auf. Ein klassischer Ernst-Look wie bei den großen Netzwerk-Airlines war das nicht – und genau das macht ValuJet-Fotos heute leicht zuzuordnen. Weitere Klassiker findest du im Artikel über legendäre Airline-Lackierungen.
Bemalung prüfen
Weiß mit Blau und Gelb, dazu das Critter-Flugzeug – damit ist ValuJet praktisch sicher.
Typ bestimmen
Kurzer, schlanker Rumpf mit zwei Hecktriebwerken spricht für eine DC-9, ein langer Rumpf mit dicken Triebwerken für eine MD-80.
Datum eingrenzen
ValuJet-Bemalung gab es zwischen Herbst 1993 und dem Rebranding Ende 1997, von Mitte Juni bis Ende September 1996 standen die Flugzeuge wegen des Flugverbots am Boden.
Kennzeichen notieren
Das N-Kennzeichen macht die Aufnahme eindeutig. Wie US-Kennzeichen aufgebaut sind, erklärt der Guide zu US-N-Nummern.
Flug 592: Absturz in den Everglades
Am 11. Mai 1996 startete ValuJet-Flug 592 am Nachmittag in Miami mit Ziel Atlanta. An Bord der DC-9-32 mit dem Kennzeichen N904VJ waren 105 Fluggäste und fünf Besatzungsmitglieder. Das Flugzeug war 27 Jahre alt und hatte zuvor bei Delta Air Lines gedient. Im Cockpit saßen Kapitänin Candi Kubeck und Erster Offizier Richard Hazen.
Wenige Minuten nach dem Start meldete die Crew Rauch in der Kabine und versuchte, nach Miami zurückzukehren. Etwa zehn Minuten nach dem Abheben stürzte die Maschine westlich von Miami in die Everglades. Alle 110 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die Bergung in dem sumpfigen Gelände mit Kalksteinuntergrund dauerte Wochen.
Die Ursache: Sauerstoffgeneratoren im Frachtraum
Die Untersuchung des NTSB ergab ein Feuer im vorderen Frachtraum. Dort lagen fünf Kartons mit insgesamt 144 abgelaufenen chemischen Sauerstoffgeneratoren – Geräten, die in Passagierjets die Notfall-Sauerstoffmasken versorgen und beim Auslösen große Hitze entwickeln. Der Wartungsbetrieb SabreTech hatte sie aus anderen ValuJet-Flugzeugen ausgebaut, ohne die vorgeschriebenen Sicherungskappen verpackt und als leeres Firmenmaterial deklariert. Tatsächlich waren sie weder leer noch durften sie so transportiert werden.
Vermutlich löste einer der Generatoren schon durch einen leichten Stoß beim Rollen aus. Die Hitze setzte die übrigen in Gang, das Feuer griff um sich und beschädigte die Steuerseile des Flugzeugs. Der Frachtraum war nach damaligem Standard der Klasse D zugelassen: Er galt als so dicht, dass ein Feuer darin von selbst erstickt, und brauchte weder Rauchmelder noch Löschanlage. Gegen den Sauerstoff aus den Generatoren half dieses Prinzip nicht.
Das NTSB verteilte die Verantwortung auf drei Stellen:
- SabreTech, weil das Gefahrgut falsch vorbereitet, gekennzeichnet und verladen wurde.
- ValuJet, weil die Airline ihren Wartungsdienstleister nicht ausreichend überwachte.
- Die FAA, weil sie trotz einer NTSB-Empfehlung von 1988 keine Branderkennung und Löschanlagen in Frachträumen der Klasse D vorgeschrieben hatte.
Was sich danach änderte
Flug 592 hat die Sicherheit von Passagierjets dauerhaft verändert. Im Februar 1998 erließ die FAA neue Vorschriften: Frachträume der Klasse D mussten bis Anfang 2001 auf Klasse C oder E umgerüstet werden – also mit Rauchmeldern und, je nach Klasse, Löschsystemen. Zugleich rückten die Regeln für Gefahrgut und die Aufsicht über ausgelagerte Wartung in den Fokus. Dass Akkus und andere riskante Gegenstände heute so streng reguliert sind, hat auch mit dieser Geschichte zu tun; die aktuellen Regeln für Passagiere findest du im Artikel zu Powerbanks und Lithium-Akkus im Flugzeug.
Seit 1999 erinnert eine Gedenkstätte nördlich des Tamiami Trail an die Opfer: 110 Betonpfeiler, einer für jeden Menschen an Bord.
Respekt vor dem Thema
Flug 592 ist für viele Angehörige bis heute schmerzhaft. Wenn du historische Fotos der Unglücksmaschine oder der Gedenkstätte teilst, tu das sachlich und mit Rücksicht – Sensationsbilder haben in einer Spotter-Community nichts verloren.
Flugverbot und Neustart
Nach dem Absturz geriet ValuJet massiv unter Druck. Mitte Juni 1996 musste die Airline den Flugbetrieb auf Anordnung der FAA einstellen; zuvor hatte unter anderem Mary Schiavo, Generalinspektorin des US-Verkehrsministeriums, öffentlich Kritik an der Aufsicht über ValuJet geübt. Ende September 1996 durfte ValuJet wieder fliegen – allerdings nur noch mit 15 Jets statt der rund 52 vor dem Unglück.
Der Neustart gelang wirtschaftlich nicht. ValuJet machte nach dem Absturz Verluste von 55 Millionen Dollar, viele Kunden kamen nicht zurück. Im November 1996 übernahm der frühere Continental-Chef Joseph Corr die Führung. Die Marke ValuJet war da allerdings schon schwer beschädigt.
Von ValuJet zu AirTran – und weiter zu Southwest
Im Juli 1997 einigte sich ValuJet mit Airways Corporation, der Muttergesellschaft der kleineren AirTran Airways aus Orlando, auf eine Übernahme. Am 17. November 1997 war der Deal abgeschlossen. Formal war ValuJet der Käufer – doch die Namen wechselten in die andere Richtung: Die Holding hieß nun AirTran Holdings, die Fluggesellschaft ValuJet wurde zu AirTran Airlines. Kurz darauf kündigte AirTran Holdings an, den Firmensitz nach Orlando zu verlegen; Atlanta blieb Drehkreuz.
Was von ValuJet blieb
- Das Drehkreuz Atlanta als Basis von AirTran
- Die MD-95-Bestellung, aus der der Boeing 717 wurde
- Management und Strukturen in der neuen AirTran
- Strengere Regeln für Frachträume und Gefahrgut
Was verschwand
- Der Name ValuJet und die Critter-Bemalung
- Der Code J7 im Linienverkehr der Airline
- Das eigene FAA-Zertifikat, 1998 zurückgegeben
- Die DC-9 als Rückgrat – AirTran setzte auf den 717
1998 gingen Flotte und Betrieb vollständig auf AirTran Airways über, 1999 endete die rechtliche Existenz der früheren ValuJet-Fluggesellschaft. AirTran entwickelte sich zu einer erfolgreichen Low-Cost-Airline mit Basis Atlanta, der Boeing 717 wurde ihr Markenzeichen. 2011 übernahm Southwest Airlines AirTran, Ende 2014 flog AirTran zum letzten Mal. Die 717 gingen anschließend per Leasing an Delta – ausgerechnet an die Airline, gegen die ValuJet 1993 in Atlanta angetreten war.
ValuJet im Kontext der US-Deregulierung
ValuJet gehört zu einer ganzen Reihe von US-Airlines, die nach der Deregulierung 1978 mit niedrigen Preisen angriffen – und oft nicht lange überlebten. People Express wuchs in den 1980ern ähnlich rasant und verschwand 1987. Air Florida erlebte mit dem Absturz von Flug 90 in den Potomac ein ähnlich tragisches Kapitel. Pacific Southwest Airlines hatte das Low-Cost-Prinzip schon lange vorher in Kalifornien erprobt. Der große Gegenentwurf bleibt Southwest, die mit einheitlicher Flotte und Disziplin zum Branchenriesen wurde. Und auch die Geschichte von Eastern Air Lines, die 1991 unterging und große Lücken im Osten hinterließ, gehört zum Umfeld, in dem ValuJet entstand.
Sehr wahrscheinlich ValuJet, wenn …
- „ValuJet“ und das Critter-Flugzeug auf einem weißen Rumpf zu sehen sind
- eine DC-9 mit blau-gelben Akzenten in Atlanta oder Florida fotografiert wurde
- das Bild sicher zwischen Ende 1993 und Ende 1997 entstanden ist
Genauer prüfen, wenn …
- die Aufnahme aus der Übergangszeit 1997/98 stammt
- nur ein Teil der Bemalung zu sehen ist
Eher nicht ValuJet, wenn …
- ein Boeing 717 zu sehen ist – den hat ValuJet nie geflogen
- „AirTran“ auf dem Rumpf steht – dann ist es bereits der Nachfolger
ValuJet heute: Spurensuche für Spotter
Im Linienbetrieb siehst du ValuJet nicht mehr. Spannend bleibt die Airline trotzdem: in Fotoarchiven, Flugplänen, Sammlerstücken – und in den Flughäfen, an denen sie zu Hause war. Am Flughafen Miami, wo Flug 592 startete, findest du mit dem Guide Planespotting in Miami gute Standorte. Wer eine USA-Tour plant, bekommt im Artikel zur Planespotting-Reise in die USA praktische Tipps. Und viele alte DC-9 endeten nach ihrer Dienstzeit in den Flugzeugfriedhöfen im Südwesten der USA.
Alte Dias richtig datieren
Weil ValuJet nur gut vier Jahre unter eigenem Namen flog, ist schon die Bemalung ein guter Zeitstempel. Halte Typ, Kennzeichen und Aufnahmeort fest – so ergänzt du dein Archiv mit Daten, die sich später sicher abgleichen lassen.
Häufige Verwechslungen
- ValuJet mit AirTran gleichsetzen – AirTran Airways war eine eigenständige Airline aus Orlando, die ValuJet 1997 kaufte und deren Namen übernahm.
- Den Boeing 717 als ValuJet-Flugzeug notieren – bestellt hat ValuJet die MD-95, ausgeliefert wurde der 717 erst an AirTran.
- DC-9 und MD-80 verwechseln – die MD-80 ist deutlich länger und hat größere Triebwerke.
- J7 für einen dauerhaften Code halten – IATA-Codes werden neu vergeben; bei alten Belegen entscheidet das Datum.
- Das Unglück allein dem Billigmodell zuschreiben – das NTSB nannte konkret SabreTech, ValuJet und die FAA.
- Flug 592 mit Eastern-Flug 401 verwechseln – beide stürzten in die Everglades, aber 1972 bzw. 1996 und aus völlig unterschiedlichen Gründen.
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Fazit
ValuJet war eine kurze, aber folgenreiche Episode der US-Luftfahrt. Mit gebrauchten DC-9, Einheitsklasse und Kampfpreisen wuchs die Airline ab 1993 in Rekordtempo. Der Absturz von Flug 592 im Mai 1996 machte die Schwächen des Modells sichtbar und führte zu strengeren Regeln für Frachträume, die bis heute gelten. Unter dem Namen AirTran ging die Geschichte weiter – samt dem Boeing 717, den ValuJet einst angestoßen hatte. Für dich als Spotter ist ValuJet ein Archivthema: Critter-Grafik, DC-9 und Aufnahmedatum ordnen jedes Foto sicher ein.
Kurzfazit
ValuJet (IATA J7, ICAO VJA, Rufzeichen CRITTER) war eine historische US-Low-Cost-Airline aus Atlanta mit gebrauchter DC-9-Flotte. Nach dem Absturz von Flug 592 1996 ging sie 1997 in AirTran auf.
Zusammenfassung
- ValuJet steht für den schnellsten Aufstieg und einen der härtesten Abstürze einer US-Airline in den 1990er-Jahren.
- Für Spotter ist ValuJet ein Archivthema: DC-9 in Weiß-Blau-Gelb mit Critter-Grafik, aufgenommen zwischen 1993 und 1997.
- Flug 592 veränderte die Regeln: US-Passagierjets müssen seither Rauchmelder und Löschsysteme in den Frachträumen haben.
- Über AirTran führt die Linie zu Southwest – und der Boeing 717, den ValuJet einst bestellt hatte.
Häufige Fragen
Wann gab es ValuJet?
ValuJet wurde 1992 in Georgia gegründet und flog ab dem 26. Oktober 1993. Nach der Übernahme von AirTran Airways wurde die Airline im November 1997 in AirTran Airlines umbenannt. 1998 gingen Flugzeuge und Betrieb auf AirTran Airways über, 1999 endete die rechtliche Existenz der früheren ValuJet-Fluggesellschaft.
Welche Codes hatte ValuJet?
ValuJet flog mit dem IATA-Code J7, dem ICAO-Code VJA und dem Rufzeichen „CRITTER“. Das Rufzeichen ging auf das Maskottchen zurück, ein lächelndes Comic-Flugzeug, das auch auf den Jets zu sehen war.
Was ist mit ValuJet-Flug 592 passiert?
Am 11. Mai 1996 startete eine DC-9-32 in Miami nach Atlanta. Kurz nach dem Start brach im vorderen Frachtraum ein Feuer aus. Auslöser waren abgelaufene chemische Sauerstoffgeneratoren, die der Wartungsbetrieb SabreTech ungesichert und falsch gekennzeichnet als Firmenmaterial verladen hatte. Rund zehn Minuten nach dem Start stürzte das Flugzeug in die Everglades, alle 110 Menschen an Bord starben.
Wer war laut NTSB verantwortlich?
Die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB sah die Verantwortung bei drei Stellen: bei SabreTech wegen der falschen Behandlung des Gefahrguts, bei ValuJet, weil die Airline ihren Wartungsdienstleister nicht ausreichend überwachte, und bei der Luftfahrtbehörde FAA, die trotz früherer Empfehlungen keine Branderkennung und Löschanlagen in diesen Frachträumen vorgeschrieben hatte.
Was hat sich nach Flug 592 geändert?
Die FAA verschärfte 1998 die Vorschriften: Frachträume der Klasse D, die bis dahin weder Rauchmelder noch Löschanlage brauchten, mussten bis Anfang 2001 zu Klasse C oder E umgerüstet werden. Damit bekamen Passagierjets in den USA flächendeckend Branderkennung und Löschsysteme im Frachtraum.
Welche Flugzeuge flog ValuJet?
Ausschließlich Jets von McDonnell Douglas: hauptsächlich DC-9-32, dazu einige DC-9-21 sowie einzelne MD-81, MD-82 und MD-83. Alle Maschinen waren gebraucht, viele kamen von großen US-Airlines. Bestellt hatte ValuJet außerdem 50 MD-95, die als Boeing 717 erst an AirTran ausgeliefert wurden.
Warum wurde aus ValuJet AirTran?
Nach Flug 592 und dem mehrmonatigen Flugverbot 1996 war der Name ValuJet beschädigt. 1997 kaufte ValuJet die kleinere AirTran Airways aus Orlando und übernahm deren Namen. Formal war ValuJet der Käufer, die Marke AirTran aber blieb – ein bewusster Neustart.
Kann ich heute noch ValuJet-Flugzeuge sehen?
Im Linienbetrieb nicht. ValuJet existiert seit den späten 1990er-Jahren nicht mehr, und die DC-9 ist aus dem US-Passagierverkehr weitgehend verschwunden. Die Spur der Airline findest du heute in Fotoarchiven, alten Flugplänen und beim Boeing 717, dessen Entstehung ValuJet mit seiner Bestellung angestoßen hat.
ValuJet Airlines im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
McDonnell Douglas DC-9
Zwei Triebwerke am Heck, das Höhenleitwerk oben auf der Flosse: Die DC-9 prägte ab 1965 die Kurzstrecke in Europa und den USA. So erkennst du die Serien 10 bis 50 und trennst sie von MD-80, 717 und One-Eleven.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-80
Lang wie eine Zigarre, zwei kräftige Triebwerke am Heck: Die MD-80-Familie war von 1980 bis in die 2010er-Jahre ein Standardjet in Europa und den USA. So unterscheidest du MD-81, -82, -83, -87 und -88 und findest heute noch einen „Mad Dog“.
FlugzeugtypMcDonnell Douglas MD-82
Mehr als jede andere Version prägte die MD-82 das Bild der MD-80-Familie: Hunderte „Super 80“ bei American Airlines, 90 Maschinen bei Alitalia, Lizenzmontage in Shanghai. So erkennst du sie und so findest du heute noch eine.
FlugzeugtypBoeing 717-200
T-Leitwerk, zwei Triebwerke am Heck, kurzer Rumpf: Die 717 ist der letzte Nachfahre der DC-9 und eigentlich eine McDonnell Douglas. In Europa ist sie verschwunden – so erkennst du sie und weißt, wo sie noch fliegt.
Weitere Airlines
AirTran Airways
Historische US-Low-Cost-Airline mit Sitz in Orlando und Drehkreuz Atlanta: aus ValuJet hervorgegangen, Erstkundin der Boeing 717, ab 2011 Teil von Southwest – der letzte Flug ging am 28. Dezember 2014.
Low-CostSouthwest Airlines
Die Low-Cost-Pionierin aus Dallas: seit 1971 in der Luft, größter Boeing-737-Betreiber der Welt und Vorbild für Ryanair und Co. – mit einer Flotte, die nur aus einem Typ besteht, und Sonderlackierungen für ganze US-Bundesstaaten.
NetzwerkDelta Air Lines
Die US-Netzwerk-Airline aus Atlanta: 1925 als Schädlingsbekämpfer gestartet, Gründungsmitglied von SkyTeam und mit rund 1.000 Flugzeugen eine der größten Airlines der Welt – in Deutschland vor allem in Frankfurt und München zu sehen.
NetzwerkEastern Air Lines
Historische US-Airline von 1926 bis 1991: Eastern prägte die Ostküste mit dem Air-Shuttle, holte den Airbus A300 in die USA, war Erstkunde von 727 und 757 – und zerbrach unter Frank Lorenzo.
Low-CostAir Florida
Historische US-Airline aus Miami (1972–1984): Air Florida wuchs nach der Deregulierung vom Florida-Pendler zur Airline mit Strecken nach Europa – und wurde durch den Absturz von Flug 90 in Washington zum Lehrbeispiel für Enteisung und Cockpit-Kommunikation.
Low-CostPeople Express
Historische US-Low-Cost-Airline (1981–1987) aus Newark: People Express flog gebrauchte Lufthansa-737, verkaufte Tickets an Bord, brachte Jumbos für 149 Dollar nach London-Gatwick – und ging nach rasantem Wachstum in Continental auf.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
McDonnell Douglas
Historischer US-Hersteller, 1967 aus McDonnell Aircraft und Douglas Aircraft entstanden und 1997 in Boeing aufgegangen. Seine Jets mit Hecktriebwerken – DC-9, MD-80, DC-10 und MD-11 – prägten Jahrzehnte des Luftverkehrs und sind heute gesuchte Motive für Spotter.
HerstellerBoeing
Boeing ist der US-amerikanische Gegenpol zu Airbus und baut seit der 707 Verkehrsjets in Serie. Wer 737, 777 und 787 an Fahrwerk, Flügelspitzen und Heck auseinanderhalten kann, bestimmt einen großen Teil des Verkehrs an jedem europäischen Flughafen – auch ohne Lackierungshinweis.
FlughafenFlughafen Atlanta Hartsfield-Jackson
Der passagierreichste Flughafen der Welt: fünf parallele Bahnen südlich von Atlanta, das größte Drehkreuz von Delta Air Lines mit rund tausend Abflügen am Tag – und ein Verkehrsmix, in dem Boeing 717, 757 und Airbus A350 nebeneinander rollen.
FlughafenFlughafen Miami (MIA)
Vom Pan-Am-Flugfeld an der 36th Street zum Tor der USA nach Lateinamerika: American Airlines mit ihrem Karibik-Drehkreuz, Frachter aus Bogotá, Santiago und Lima im Minutentakt und vier Pisten mitten im Großraum Miami – der Flughafen, an dem Frachtspotting zur Hauptsache wird.
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