Midwest Airlines

Historische US-Airline aus Milwaukee: als Midwest Express von Kimberly-Clark gegründet, berühmt für breite Ledersitze und warme Chocolate Chip Cookies, ab 2009 Teil von Republic und 2010 in Frontier aufgegangen.

Auch bekannt als: Midwest Express · Midwest Express Airlines · Midwest Connect · Midwest Air Group · YX

USAUSANetzwerk-AirlinesIATA: YXICAO: MEP12 Min. Lesezeit

YX

IATA-Code

MIDEX

Rufzeichen im Funk

1984

Erster Linienflug

2-2

Ledersitze statt 3-2

Das Wichtigste in Kürze

  • Midwest Airlines war eine historische US-Airline mit Sitz bei Milwaukee, bis 2002/2003 unter dem Namen Midwest Express.
  • Codes: IATA YX, ICAO MEP, Rufzeichen „MIDEX“.
  • Markenzeichen waren Komfort und Cookies: breite Ledersitze in 2-2-Reihen, Essen auf Porzellan und warme Chocolate Chip Cookies.
  • Die Flotte bestand fast nur aus Jets mit Hecktriebwerken – DC-9, MD-80 und Boeing 717.
  • Nach 9/11, Ölpreis und Übernahmekampf kaufte Republic Airways die Airline 2009; 2010 ging die Marke in Frontier auf.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Midwest Airlines im Überblick
  2. 2.Codes und Rufzeichen
  3. 3.Vom Firmenflieger zur Linienairline
  4. 4.Ledersitze, Porzellan und Cookies
  5. 5.Die Flotte: eine Airline der Hecktriebwerke
  6. 6.DC-9, MD-80 oder 717? So unterscheidest du sie
  7. 7.Woran du Midwest erkennst
  8. 8.Flug 105: der einzige tödliche Unfall
  9. 9.Übernahmekampf und Ende
  10. 10.Midwest heute spotten – geht das noch?
  11. 11.Einordnung: Midwest im US-Markt
  12. 12.Häufige Verwechslungen
  13. 13.Fazit

Steckbrief

IATA-CodeYX
ICAO-CodeMEP
RufzeichenMIDEX
DrehkreuzeMKE, MCI
StatusHistorisch – eigener Flugbetrieb bis November 2009, Marke 2010 in Frontier Airlines aufgegangen
GeschäftsmodellKomfortorientierte Linienairline mit Drehkreuz Milwaukee, vor allem für Geschäftsreisende
UrsprungFlugabteilung des Papierkonzerns Kimberly-Clark; Linienverkehr ab dem 11. Juni 1984 unter dem Namen Midwest Express
SitzOak Creek, Wisconsin (bei Milwaukee)
DrehkreuzeMilwaukee Mitchell (MKE), zeitweise zusätzlich Omaha (OMA) und Kansas City (MCI)
Slogan„The Best Care in the Air“
Flotte im Lauf der ZeitDouglas DC-9, MD-80-Familie, Boeing 717-200; zum Schluss Embraer E170/E190 von Republic
ZubringermarkeMidwest Connect (früher Skyway) mit Beechcraft 1900 und Dornier 328JET
VielfliegerprogrammMidwest Miles
NachfolgerFrontier Airlines (Markenfusion 2010); der Code YX ging an Republic Airways

Woran du die Airline erkennst

Ist das wirklich Midwest Airlines?

Hak ab, was auf das Flugzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Späte Bemalung ab 2003: tiefblaue Oberseite, graue Unterseite und ein blauer Bogen am hinteren Rumpf
  • Blaues Leitwerk mit stilisiertem „M“ als Flügel
  • Blaue Triebwerke mit goldenen Ringen – links vier, rechts drei
  • Ältere Midwest-Express-Farben: dunkelblau oben, hell darunter, mit farbigen Zierstreifen
  • Typen mit Hecktriebwerken dominieren: DC-9, MD-80 und Boeing 717
  • US-Kennzeichen mit N, viele Fotos aus Milwaukee, Kansas City oder Omaha

Breite Ledersitze, nur zwei Plätze pro Seite, Essen auf Porzellan – und kurz vor der Landung zog der Duft frisch gebackener Cookies durch die Kabine. Midwest Airlines, lange als Midwest Express unterwegs, war die vielleicht ungewöhnlichste Airline der USA: klein, aus Milwaukee und mit einem Anspruch, den sonst nur Premiumkabinen erfüllten. Für Spotter ist sie heute ein Archivthema rund um DC-9, MD-80 und Boeing 717. Hier erfährst du, woher die Airline kam, welche Flugzeuge sie flog und wie du alte Fotos richtig einordnest.

Midwest-Fotos aus dem Archiv sortieren

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Midwest Airlines im Überblick

Midwest Airlines war eine historische US-Linienairline mit Sitz in Oak Creek, direkt neben dem Flughafen Milwaukee Mitchell in Wisconsin. Von dort aus flog sie ab 1984 zu Zielen im Mittleren Westen, an die Ostküste, nach Florida und an die Westküste. Neben Milwaukee spielten zeitweise Omaha und Kansas City eine wichtige Rolle als Umsteigeorte.

Das Besondere war das Produkt. Während andere Airlines nach der Deregulierung über den Preis konkurrierten, setzte Midwest Express auf Komfort für Geschäftsreisende: Ledersitze in Zweierreihen, warme Mahlzeiten und aufmerksamen Service. Der Slogan „The Best Care in the Air“ fasste das zusammen, und Reisemagazine wie Condé Nast Traveler zeichneten die Airline mehrfach aus.

Nach 2001 geriet das Modell unter Druck. Es folgten ein Übernahmekampf, ein Verkauf an Finanzinvestoren, die Übernahme durch Republic Airways im Jahr 2009 und 2010 schließlich die Verschmelzung mit Frontier Airlines. Seitdem ist die Marke Geschichte.

YXIATA-Code
MEPICAO-Code
MIDEXRufzeichen im Funk

Codes und Rufzeichen

  • IATA-Code YX: stand in den Flugnummern, auf Tickets und an den Anzeigetafeln.
  • ICAO-Code MEP: die Kennung im Flugplan der Flugsicherung.
  • Rufzeichen MIDEX: eine Verkürzung von „Midwest Express“, die auch nach der Umbenennung blieb.

Nach dem Ende der Airline wanderte der Code YX zu Republic Airways. Wenn du heute „YX“ auf einem Flugtracker siehst, ist also nicht Midwest gemeint, sondern die Regionalairline, die für große Netzwerk-Airlines fliegt. Wie die beiden Code-Systeme aufgebaut sind, erklärt der Artikel zu IATA- und ICAO-Codes. Weitere Geschichten hinter Funknamen findest du im Beitrag über Airline-Rufzeichen.

Vom Firmenflieger zur Linienairline

Die Wurzeln von Midwest liegen nicht in der Luftfahrt, sondern in der Papierindustrie. Der Konzern Kimberly-Clark aus Neenah in Wisconsin betrieb ab 1948 eigene Flugzeuge, um Mitarbeiter zwischen der Zentrale und den Werken zu transportieren. 1969 entstand mit K-C Aviation eine eigene Gesellschaft für Wartung und Betrieb von Geschäftsflugzeugen.

Mit der Deregulierung des US-Luftverkehrs 1978 öffnete sich der Markt für neue Linienairlines. Kimberly-Clark nutzte die Chance: Am 11. Juni 1984 startete Midwest Express mit zwei Douglas DC-9 der Serie 10 und 83 Mitarbeitern. Im Herbst 1984 verband die Airline Appleton und Milwaukee unter anderem mit Boston, Dallas/Fort Worth und Newark. Milwaukee war von Beginn an das Drehkreuz und prägte die Airline bis zum Schluss.

Jahr Ereignis
1948 Kimberly-Clark beginnt mit eigenem Firmenflugbetrieb
1984 Erster Linienflug als Midwest Express am 11. Juni
1985 Absturz von Flug 105 in Milwaukee, 31 Todesopfer
1989 Erste MD-80; Zubringerdienst unter dem Namen Skyway
1995 Drehkreuz Omaha; erster Börsengang, Kimberly-Clark zieht sich bis 1996 zurück
2002 Umbenennung in Midwest Airlines, Zubringer heißt Midwest Connect
2006 Midwest erhält eine der beiden letzten gebauten Boeing 717
2007 Investoren um TPG und Northwest gewinnen gegen AirTran
2008 Ausmusterung der MD-80, Flüge gehen an Republic
2009 Republic übernimmt Midwest, letzter eigener Flug am 2. November
2010 Marke geht in Frontier Airlines auf

Die Airline wuchs langsam, aber stetig. Ende 1996 gehörten rund zwei Dutzend DC-9 zur Flotte. 1995 und 1996 brachte Kimberly-Clark die Holding der Airline in zwei Schritten an die Börse und gab die Airline damit vollständig ab.

Ledersitze, Porzellan und Cookies

Was Midwest Express von fast allen anderen US-Airlines unterschied, war die Kabine. Statt fünf Sitzen pro Reihe wie in der DC-9 üblich, baute Midwest nur vier breite Ledersitze in 2-2-Anordnung ein. Jeder Passagier hatte damit einen Gang- oder Fensterplatz und deutlich mehr Schulterraum – im Grunde flog die ganze Maschine in einer Art Business Class zum Economy-Preis.

Dazu kamen Mahlzeiten auf Porzellan statt Plastikgeschirr. Das Ziel war klar: Geschäftsreisende aus dem Mittleren Westen sollten Midwest wählen, auch wenn ein Umsteigeflug mit einer großen Airline günstiger gewesen wäre.

Zum Symbol wurde ein einfacher Keks. Die Idee kam auf, als ein Mitarbeiter auf einem leeren Charter-Teilstück verschiedene Snacks ausprobierte – am Ende fiel die Wahl auf warme Chocolate Chip Cookies. Sie kamen gut an und wurden schließlich auf nahezu allen Linienflügen serviert. Anfangs wurden die Cookies in einer Cateringküche in Milwaukee gebacken, später lieferte eine Bäckerei aus Wisconsin vorgebackene Cookies, die an Bord fertig gebacken wurden.

Der Keks wurde so stark mit der Marke verbunden, dass Midwest ihn 2007 sogar im Übernahmekampf einsetzte: Eine Kampagne unter dem Motto „Save the Cookie“ warb gegen das Angebot von AirTran. Nach der Fusion übernahm Frontier den Cookie zunächst, Ende April 2012 strich die Airline ihn aber aus dem Bordservice.

Komfort als Geschäftsmodell

Midwest Express war kein klassischer Billigflieger und auch keine große Netzwerk-Airline mit Allianz. Sie flog mit einem Drehkreuz wie die Großen, aber mit kleiner Flotte und einem einheitlich hohen Komfort. Wie Drehkreuz-Systeme grundsätzlich funktionieren, erklärt der Artikel Hub-and-Spoke und Point-to-Point.

Die Flotte: eine Airline der Hecktriebwerke

Über weite Strecken ihrer Geschichte flog Midwest fast nur Jets mit zwei Triebwerken am Heck und T-Leitwerk. Das macht die Airline für Spotter so reizvoll – und Verwechslungen innerhalb der DC-9-Familie so leicht.

Typ Zeitraum Spotter-Hinweis
Douglas DC-9-10 und -30 1984 bis 2004 Rückgrat der frühen Jahre, kurzer Rumpf, schmale Triebwerke
MD-81, MD-82, MD-88 1989 bis 2008 Deutlich längerer Rumpf, gleiche Grundform wie die DC-9
Boeing 717-200 2000er-Jahre bis 2009 Ersetzte die DC-9; Midwest gehörte zu den letzten Kunden
Beechcraft 1900 / Dornier 328JET Zubringer Unter Skyway bzw. Midwest Connect
Embraer E170 / E190 ab 2008 Von Republic Airways in Midwest-Farben geflogen

DC-9 und MD-80

Die Douglas DC-9 war der Startpunkt. Mit der 2-2-Bestuhlung passte das schmale Flugzeug gut zum Komfortkonzept. Ab 1989 kamen Maschinen der MD-80-Familie dazu, darunter auch die MD-88 mit modernerem Cockpit. Die letzten DC-9 verließen die Flotte 2004, die MD-80 folgten 2008, als die hohen Treibstoffpreise die durstigen Jets unwirtschaftlich machten.

Boeing 717

Als Ersatz für die DC-9 wählte Midwest die Boeing 717-200, die als modernisierte Weiterentwicklung der DC-9-Linie bei McDonnell Douglas entstanden war. Midwest gehörte zu den wenigen Kunden des Typs – und zu den letzten: Am 23. Mai 2006 lieferte Boeing die beiden letzten gebauten 717 aus, eine davon an Midwest, die andere an AirTran Airways.

Für die 717 stellte Midwest 2007 eine neue Kabine vor: vorn 40 „Signature“-Ledersitze in 2-2-Anordnung mit großzügigem Sitzabstand, dahinter 59 „Saver“-Sitze in 3-2-Anordnung. Damit versuchte die Airline, ihr altes Komfortversprechen mit niedrigeren Kosten zu verbinden. Den letzten Flug mit einer eigenen 717 absolvierte Midwest am 2. November 2009.

Zubringer: Skyway und Midwest Connect

Kleinere Städte band Midwest über eine Zubringermarke an. Ab 1989 flog sie unter dem Namen Skyway, zunächst mit Beechcraft 1900 Turboprops, ab 1999 auch mit dem Regionaljet Dornier 328JET von Dornier. Mit der Umbenennung der Hauptairline hieß der Zubringer ab 2002 Midwest Connect.

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DC-9, MD-80 oder 717? So unterscheidest du sie

Auf Archivfotos von Midwest sehen sich die drei Hauptmuster ähnlich. Ein paar Merkmale helfen dir sicher weiter.

DC-9 und MD-80

  • Schlanke, lange Triebwerksgondeln am Heck (JT8D)
  • DC-9: kurzer Rumpf; MD-80: deutlich länger gestreckt
  • Klassisches Cockpit mit Rundinstrumenten, bei der MD-88 teils Bildschirme
  • Typcodes DC9x bzw. MD8x

Boeing 717

  • Kürzerer Rumpf, ähnlich der DC-9-30
  • Größere, rundere Triebwerksgondeln (BR715)
  • Modernes Glascockpit
  • Typcode B712

Wichtig ist auch der Zeitraum: Eine DC-9 in Midwest-Farben stammt spätestens aus 2004, eine MD-80 spätestens aus 2008. Siehst du dagegen einen Regionaljet mit Triebwerken unter den Flügeln in Midwest-Bemalung, ist es eine Embraer E170 oder E190 aus der Republic-Zeit. Wie du die E-Jets auseinanderhältst, zeigt der Artikel Embraer E-Jets unterscheiden.

Woran du Midwest erkennst

Midwest wechselte mehrmals das Design. Die frühen Midwest-Express-Farben zeigten einen dunkelblauen Oberrumpf, eine helle Unterseite und farbige Zierstreifen, im Lauf der Jahre mit kleineren Varianten.

Mit dem neuen Namen folgte ab 2003 die späte Midwest-Bemalung: ein tieferes Blau oben, Grau unten und ein blauer Bogen am hinteren Rumpf. Das Logo zeigt ein „M“, das wie ein Flügel geformt ist. Ein feines Detail für Fotografen sind die blauen Triebwerke mit goldenen Ringen – auf der linken Seite vier, auf der rechten drei. Sie stehen für Kapitän (links) und Ersten Offizier (rechts).

Fotos zeitlich einordnen

Steht „Midwest Express“ am Rumpf, ist das Foto älter als 2003. Zeigt es eine Embraer in Midwest-Farben, stammt es aus der Spätphase ab 2008. Mit Kennzeichen und Aufnahmedatum ordnest du die Sichtung sauber zu – wie, erklärt der Artikel Flugzeug per Kennzeichen finden.

Wer verschwundene Designs mag, findet weitere Beispiele in den Beiträgen zu legendären Airline-Lackierungen und Retro-Lackierungen.

Flug 105: der einzige tödliche Unfall

Am 6. September 1985, nur gut ein Jahr nach dem Start, verunglückte Midwest-Express-Flug 105 kurz nach dem Start in Milwaukee. An der DC-9-14 mit dem Kennzeichen N100ME versagte das rechte Triebwerk, nachdem sich ein Abstandsring im Inneren durch Materialermüdung gelöst hatte. Die Unfallermittler der NTSB kamen zu dem Schluss, dass das Flugzeug trotz des Ausfalls steuerbar gewesen wäre; entscheidend waren die Reaktion und die Zusammenarbeit der Crew. Alle 31 Menschen an Bord kamen ums Leben. Es blieb der einzige Unfall mit Todesopfern in der Geschichte der Airline.

Übernahmekampf und Ende

Die Anschläge vom 11. September 2001 trafen Midwest besonders hart, weil das Geschäftsreisesegment wegbrach. Die Airline reagierte 2002 mit Einschnitten: Omaha wurde vom Drehkreuz zur Focus City herabgestuft, Kansas City übernahm die Rolle als zweites Drehkreuz. Auf einigen MD-80 zogen „Saver“-Sitze in 3-2-Anordnung ein, und statt Porzellan-Menüs gab es Essen gegen Bezahlung. 2002 kürzte die Airline zudem ihren Namen auf Midwest Airlines

2005 bis 2007: AirTran will Midwest

AirTran machte mehrere Angebote, zuletzt als feindliche Übernahme. Midwest wehrte sich – unter anderem mit der Cookie-Kampagne.

2007: Investoren gewinnen

Eine Gruppe um den Finanzinvestor TPG, an der auch Northwest Airlines beteiligt war, kaufte Midwest für rund 450 Millionen US-Dollar.

2008: Rückzug auf Raten

Die MD-80 wurden ausgemustert, die Zubringermarke Midwest Connect eingestellt, und Republic Airways übernahm Flüge mit Embraer-Jets.

2009/2010: Republic und Frontier

Republic kaufte Midwest 2009 für rund 31 Millionen US-Dollar. Nach dem Kauf von Frontier wurden beide Marken 2010 unter dem Namen Frontier zusammengeführt.

Northwest Airlines war als Partner an der Investorengruppe beteiligt. Mit dem Verkauf an Republic verloren die Investoren aber den größten Teil ihres Einsatzes. Interessant für Spotter: Den eigenen Flugbetrieb hatte Midwest schon im November 2009 eingestellt, bei der Zusammenführung mit Frontier ging es also vor allem um Marke und Netz. Frontier selbst flog zu dieser Zeit unter anderem den Airbus A319.

Achtung Übergangsphase

Zwischen 2008 und 2010 trugen Embraer-Jets von Republic Midwest-Farben, und Midwest-Flugnummern liefen über fremde Betreiber. Auf Fotos aus dieser Zeit lohnt ein genauer Blick auf das Kennzeichen. Mehr dazu im Artikel über Hybrid- und Mischlackierungen.

Midwest heute spotten – geht das noch?

Im Linienverkehr gibt es Midwest nicht mehr. 2019 kündigten Investoren einen Neustart unter dem alten Namen Midwest Express an, mit Flugzeugen und Crews eines Partners; das Vorhaben wurde aber nicht wie angekündigt umgesetzt. Spuren findest du trotzdem:

Gute Chancen, wenn …

  • du ein ehemaliges Midwest-Kennzeichen kennst und es auf einem Flugtracker zurückverfolgst
  • du alte Dias und Negative aus Milwaukee digitalisierst – dort ist Midwest allgegenwärtig

Prüf es vorher, wenn …

  • du gezielt eine ehemalige Midwest-717 sehen willst – die Zahl der aktiven 717 sinkt
  • du nach alten Spotterberichten planst

Keine Chance, wenn …

  • du die originale Midwest-Bemalung im Linienbetrieb erwartest
  • du heute noch einen warmen Cookie an Bord erwartest – auch Frontier hat ihn 2012 gestrichen

US-Kennzeichen beginnen immer mit N; wie sie aufgebaut sind, liest du im Artikel zu US-amerikanischen N-Nummern. Praktische Hinweise für eine Spotter-Reise findest du unter Planespotting-Reise in die USA.

Einordnung: Midwest im US-Markt

Midwest Express besetzte jahrelang eine Nische, die es im US-Inlandsverkehr kaum gab: ein durchgehend komfortables Produkt auf einer kleinen, auf ein Drehkreuz ausgerichteten Airline. Das funktionierte, solange Unternehmen im Mittleren Westen bereit waren, für Komfort zu zahlen. Mit dem Einbruch des Geschäftsreiseverkehrs, steigenden Treibstoffkosten und dem Preisdruck durch Low-Cost-Airlines wie AirTran oder ValuJet verlor das Modell seine Basis.

In Wisconsin war Midwest übrigens nicht allein: Mit Air Wisconsin stammt eine weitere traditionsreiche Airline aus dem Bundesstaat, die allerdings als Regionalpartnerin großer Airlines bekannt wurde. Und im benachbarten Minnesota setzt Sun Country Airlines bis heute auf Ferien- und Charterverkehr.

Häufige Verwechslungen

  • Midwest Express und Midwest Airlines als zwei Airlines sehen – es ist dieselbe Gesellschaft, nur umbenannt.
  • YX heute für Midwest halten – der Code gehört inzwischen Republic Airways.
  • Midwest mit Midwest Air Charter verwechseln – das war der Vorläufer der Frachtairline ABX Air in Ohio.
  • Die 717 für eine DC-9 halten – größere Triebwerksgondeln und Glascockpit verraten die 717.
  • Embraer in Midwest-Farben für eigene Midwest-Jets halten – sie wurden von Republic betrieben.
  • Ein Midwest-Foto nach 2010 datieren – die Marke ist seitdem verschwunden.

Ehemalige Midwest-Maschinen im Blick

Beobachte einzelne Kennzeichen oder die Boeing 717 und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen, Airline und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

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Fazit

Midwest Airlines zeigte, dass eine kleine Airline aus Milwaukee mit Komfort statt Kampfpreisen über Jahre erfolgreich sein konnte. Ledersitze in Zweierreihen, Porzellan und der warme Chocolate Chip Cookie machten sie zur Legende unter Vielfliegern. Nach 2001 wurde das Modell jedoch zu teuer, und über Investoren und Republic landete die Marke schließlich bei Frontier. Für Spotter bleibt eine Airline der DC-9, MD-80 und 717 – und viele Archivfotos, die sich mit Kennzeichen und Datum sauber einordnen lassen.

Kurzfazit

Midwest Airlines (IATA YX, ICAO MEP, Rufzeichen MIDEX) war eine historische US-Airline mit Drehkreuz Milwaukee, bekannt für Ledersitze in 2-2-Reihen und warme Cookies. 2009 übernahm Republic die Airline, 2010 ging die Marke in Frontier auf.

Zusammenfassung

  • Midwest Express war ein Sonderfall im US-Markt: eine kleine Linienairline, die mit Komfort statt mit Kampfpreisen um Geschäftsreisende warb.
  • Die warmen Chocolate Chip Cookies wurden zum Symbol der Airline – so sehr, dass Midwest im Übernahmekampf mit AirTran eine Kampagne zur „Rettung des Cookies“ startete.
  • Für Spotter ist Midwest eine Airline der Hecktriebwerk-Jets: DC-9, MD-80 und als einer der letzten Kunden die Boeing 717.
  • Fotos ordnest du über Bemalung, Typ und Kennzeichen zeitlich ein – zwischen 2008 und 2010 flogen schon Embraer-Jets von Republic in Midwest-Farben.

Häufige Fragen

Wann gab es Midwest Airlines?

Den Linienverkehr nahm die Airline am 11. Juni 1984 unter dem Namen Midwest Express auf. 2002/2003 folgte die Umbenennung in Midwest Airlines. 2009 übernahm Republic Airways das Unternehmen, der letzte Flug mit eigenem Midwest-Flugbetrieb fand am 2. November 2009 statt. 2010 ging die Marke in Frontier Airlines auf.

Welche Codes hatte Midwest Airlines?

Der IATA-Code war YX, der ICAO-Code MEP, das Rufzeichen im Funk „MIDEX“ – eine Kurzform von Midwest Express. Den Code YX nutzt heute Republic Airways.

Was hat Midwest mit Kimberly-Clark zu tun?

Der Papier- und Hygienekonzern aus Neenah, Wisconsin, betrieb seit 1948 eigene Flugzeuge für Mitarbeiter zwischen Zentrale und Werken. Nach der Deregulierung des US-Luftverkehrs 1978 baute Kimberly-Clark daraus eine Linienairline auf. Mitte der 1990er-Jahre zog sich der Konzern über zwei Börsengänge zurück.

Warum war Midwest für Cookies bekannt?

Die Idee stammte von einem Charterflug: Ein Mitarbeiter probierte dort verschiedene Snacks aus, die warmen Chocolate Chip Cookies setzten sich durch und wurden dann auf fast allen Linienflügen serviert. Der Duft in der Kabine wurde zum Markenzeichen. Frontier übernahm den Cookie nach der Fusion und strich ihn Ende April 2012.

Was war besonders an den Sitzen?

Midwest Express bestuhlte ihre DC-9 und MD-80 mit breiten Ledersitzen in 2-2-Anordnung statt der üblichen 3-2-Reihen. Ab 2002 kamen auf einigen MD-80 „Saver“-Sitze in 3-2-Anordnung dazu. 2007 stellte Midwest für die 717 eine Mischkabine vor: 40 „Signature“-Ledersitze mit großem Sitzabstand vorn und 59 Saver-Sitze dahinter.

Welche Flugzeuge flog Midwest?

Zunächst Douglas DC-9 der Serien 10 und 30, ab 1989 die MD-80-Familie (MD-81, MD-82, MD-88) und ab den 2000er-Jahren die Boeing 717-200. Zubringer flogen Beechcraft 1900 und Dornier 328JET. Zum Schluss setzte Republic Embraer E170 und E190 unter Midwest-Flugnummern ein.

Warum verschwand Midwest?

Nach dem 11. September 2001 brach das Geschäftsreise-Segment ein, später belasteten hohe Treibstoffpreise die Airline. 2007 setzte sich eine Investorengruppe um TPG mit Northwest gegen ein Angebot von AirTran durch. 2008 musterte Midwest die MD-80 aus und gab Flugbetrieb an Republic ab, 2009 übernahm Republic die Airline ganz und verschmolz sie 2010 mit Frontier.

Kann ich Midwest heute noch sehen?

Im Linienverkehr nicht mehr. Ein 2019 angekündigter Neustart unter dem Namen Midwest Express mit Flugzeugen eines Partners wurde nicht wie angekündigt umgesetzt. Ehemalige Midwest-Flugzeuge kannst du über ihre Kennzeichen zurückverfolgen; viele 717 flogen noch lange bei anderen Airlines.

Midwest Airlines im Blick behalten

Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.

Früher Zugang, Vorteile zum Start und Mitsprache bei neuen Features.

Flugzeugtypen in der Flotte

Flugzeugtyp

Boeing 717-200

T-Leitwerk, zwei Triebwerke am Heck, kurzer Rumpf: Die 717 ist der letzte Nachfahre der DC-9 und eigentlich eine McDonnell Douglas. In Europa ist sie verschwunden – so erkennst du sie und weißt, wo sie noch fliegt.

Flugzeugtyp

McDonnell Douglas DC-9

Zwei Triebwerke am Heck, das Höhenleitwerk oben auf der Flosse: Die DC-9 prägte ab 1965 die Kurzstrecke in Europa und den USA. So erkennst du die Serien 10 bis 50 und trennst sie von MD-80, 717 und One-Eleven.

Flugzeugtyp

McDonnell Douglas MD-80

Lang wie eine Zigarre, zwei kräftige Triebwerke am Heck: Die MD-80-Familie war von 1980 bis in die 2010er-Jahre ein Standardjet in Europa und den USA. So unterscheidest du MD-81, -82, -83, -87 und -88 und findest heute noch einen „Mad Dog“.

Flugzeugtyp

McDonnell Douglas MD-88

Außen eine klassische lange MD-80, innen Bildschirme statt Rundinstrumente: Die MD-88 war die letzte Version der Familie und über drei Jahrzehnte das Arbeitstier von Delta Air Lines. Hier erfährst du, was sie ausmacht und wo du sie heute noch findest.

Flugzeugtyp

Fairchild Dornier 328JET

Ein Jet mit Flügel oben auf dem Rumpf, zwei Triebwerken darunter und T-Leitwerk: Die 328JET aus Oberpfaffenhofen ist einer der seltensten Regionaljets überhaupt. So erkennst du sie, und hier fliegt sie heute.

Flugzeugtyp

Embraer E170

Der kleinste E-Jet der ersten Generation: Die E170 brachte 2004 bei LOT die ganze Familie in den Liniendienst, wird nicht mehr gebaut und ist in Europa ein Auslaufmodell. So trennst du sie von der fast identischen E175.

Flugzeugtyp

Embraer E190

Der Regionaljet mit Mittelstrecken-Komfort: Die E190 bringt rund 100 Passagiere in einer 2+2-Kabine ohne Mittelsitz in die Luft – und wird gern mit ihrer Nachfolgerin E190-E2 verwechselt.

Flugzeugtyp

Airbus A319

Kurz, kompakt und seit 1996 im Liniendienst: Die A319 ist das gestutzte Mitglied der A320-Familie. So trennst du sie sicher von A318, A320 und A319neo.

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