Das Wichtigste in Kürze
- Colgan Air war eine US-Regionalairline aus Manassas, Virginia, die bis September 2012 flog und heute historisch ist.
- Codes: IATA 9L, ICAO CJC, Rufzeichen „COLGAN“.
- Fremde Marken: Colgan flog als Continental Connection, US Airways Express und United Express – der eigene Name stand kaum am Flugzeug.
- Flug 3407: Am 12. Februar 2009 stürzte eine Colgan-Q400 im Anflug auf Buffalo ab; 49 Menschen an Bord und ein Anwohner starben.
- Folgen bis heute: Der Absturz führte zum Airline-Safety-Gesetz von 2010, zur 1.500-Stunden-Regel für Copiloten und zu neuen Ruhezeitregeln.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Colgan Air im Überblick
- 2.Codes, Rufzeichen und Marken
- 3.Die Geschichte: vom Flugplatzbetrieb zum Regionalpartner
- 4.Flug 3407: der Unfall bei Buffalo
- 5.Die Reformen: was sich durch Flug 3407 änderte
- 6.Weitere Ereignisse
- 7.Woran du Colgan auf alten Fotos erkennst
- 8.Das Ende der Airline
- 9.Colgan-Orte heute spotten
- 10.Häufige Verwechslungen
- 11.Fazit
Steckbrief
| IATA-Code | 9L |
|---|---|
| ICAO-Code | CJC |
| Rufzeichen | COLGAN |
| Drehkreuze | IAD, EWR, BOS, IAH |
| Status | Historisch – letzter Linienflug am 5. September 2012 |
| Geschäftsmodell | Regionalairline, die unter fremden Marken für große US-Airlines flog |
| Gründung | 1965 von Charles J. Colgan als Colgan Airways, zunächst als Flugplatzbetrieb in Manassas, Virginia |
| Sitz | Manassas, Virginia; ab Ende 2009/2010 Memphis, Tennessee |
| Marken | Continental Connection, US Airways Express, United Express |
| Eigentümer | Ab Januar 2007 Tochter der Pinnacle Airlines Corp. |
| Drehkreuze | Washington-Dulles (IAD), Newark (EWR), Boston (BOS), Houston-Intercontinental (IAH) |
| Flotte zuletzt | Bombardier Q400 (Dash 8-400) mit 71 Sitzen und Saab 340 |
| Frühere Typen | Unter anderem Beechcraft 1900D |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Colgan Air?
- Keine eigene Marke am Rumpf: Titel von Continental Connection, US Airways Express oder United Express
- Typisch die Bombardier Q400 mit hochgesetztem Flügel, T-Leitwerk und langem Rumpf
- Daneben die kleinere Saab 340 mit zwei Propellern und rund 35 Sitzen
- Im Flugplan der ICAO-Code CJC, im Funk das Rufzeichen „COLGAN“
- Einige Kennzeichen endeten auf -CJ, etwa N240CJ oder N352CJ – ein Indiz, aber kein Beweis
- Typische Motive entstanden in Washington-Dulles, Newark, Boston und Houston
Colgan Air war nie eine Airline, deren Namen du am Rumpf gelesen hättest. Die Regionalairline aus Virginia flog für Continental, US Airways und United – in deren Farben, unter deren Flugnummern. Bekannt wurde sie durch eine Tragödie: Der Absturz von Flug 3407 bei Buffalo im Februar 2009 hat die Regeln für Pilotinnen und Piloten in den USA so stark verändert wie kaum ein Ereignis davor. Diese Seite erzählt die Geschichte der Airline, ordnet den Unfall sachlich ein, erklärt die Reformen und zeigt dir, wie du Colgan-Flugzeuge auf alten Fotos erkennst.
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Colgan Air im Überblick
Colgan Air war eine US-amerikanische Regionalairline mit Wurzeln in Manassas, Virginia, rund 50 Kilometer südwestlich von Washington. Gegründet hat sie Charles J. Colgan im Jahr 1965 – zunächst nicht als Airline, sondern als Flugplatzbetrieb am Manassas Airport, der Service für Privat- und Geschäftsflieger anbot. Aus diesem kleinen Betrieb wuchs über die Jahrzehnte eine Regionalairline, die Zubringerflüge für gleich mehrere große US-Gesellschaften durchführte.
Charakteristisch war das Modell: Colgan verkaufte selbst kaum Tickets. Die großen Airlines vermarkteten die Flüge unter ihren eigenen Marken und Flugnummern, Colgan stellte Flugzeuge, Crews und Technik. Dieses System prägt die US-Luftfahrt bis heute – Gesellschaften wie SkyWest Airlines, Republic Airways oder Endeavor Air arbeiten genauso.
Wichtig für die Einordnung: Colgan Air ist historisch. Der letzte Linienflug fand im September 2012 statt. Wenn du heute auf einem Tracker den Code CJC suchst, findest du keine aktiven Colgan-Flüge mehr.
Codes, Rufzeichen und Marken
- IATA-Code 9L: der eigene Code der Airline, im Alltag selten sichtbar.
- ICAO-Code CJC: stand im Flugplan der Flugsicherung.
- Rufzeichen COLGAN: so meldeten sich die Crews im Funk.
- Partner-Flugnummern: Auf Tickets standen je nach Strecke Nummern von Continental, US Airways oder United.
In ihren letzten Jahren flog Colgan vor allem unter drei Marken. Für Continental Airlines war die Airline als Continental Connection unterwegs, unter anderem ab Houston und ab Newark. Ab Dezember 1999 flog Colgan als US Airways Express für US Airways, vor allem im Nordosten mit Boston als wichtigem Knoten. Ab Oktober 2005 kam United Express für United Airlines am Flughafen Washington-Dulles dazu.
Für dich als Spotter heißt das: Die Lackierung verrät den Auftraggeber, nicht den Betreiber. Auf alten Fotos und in deinem Logbuch notierst du Colgan deshalb immer getrennt von der Marke, unter der das Flugzeug flog.
Die Geschichte: vom Flugplatzbetrieb zum Regionalpartner
Anfänge in Manassas
Charles Colgan baute sein Unternehmen ab 1965 am Flughafen Manassas auf. Neben der Luftfahrt war er politisch aktiv und saß später viele Jahre im Senat des Bundesstaats Virginia. Aus dem Flugplatzbetrieb heraus entwickelte sich ein Linienflugbetrieb mit kleinen Turboprops, der Städte im Nordosten der USA mit den großen Drehkreuzen verband. Erste planmäßige Flüge gab es bereits ab 1970, ab Mitte der 1980er-Jahre flog Colgan dann wechselnd für verschiedene große Airlines, bevor ab 1991 Linienflüge ab Washington-Dulles unter eigenem Auftritt dazukamen.
Wachstum mit drei Partnern
Ab Ende der 1990er-Jahre wuchs Colgan vor allem als Partner von US Airways. Die Airline bediente kurze Strecken im Nordosten, etwa in Neuengland, mit Maschinen wie der Beechcraft 1900D und der Saab 340. 2005 kamen Verbindungen für Continental ab Houston und für United ab Washington-Dulles hinzu.
Übernahme durch Pinnacle
Im Januar 2007 kaufte die Pinnacle Airlines Corp. aus Memphis Colgan für rund 20 Millionen US-Dollar. Pinnacle betrieb bereits eine große Regionalairline für Northwest und später Delta. Unter dem neuen Eigentümer bekam Colgan die Bombardier Q400 – einen schnellen, großen Turboprop mit 71 Sitzen, den Colgan für Continental Connection ab Newark einsetzte. Ende 2009 verlegte die Airline ihren Sitz von Manassas nach Memphis.
| Zeitraum | Ereignis | Einordnung |
|---|---|---|
| 1965 | Gründung als Colgan Airways in Manassas | Zunächst Flugplatzbetrieb |
| Dezember 1999 | Start als US Airways Express | Wachstum im Nordosten |
| 2005 | Continental Connection ab Houston, United Express ab Dulles | Drei Partner gleichzeitig |
| Januar 2007 | Übernahme durch Pinnacle | Einführung der Q400 |
| Februar 2009 | Absturz von Flug 3407 | Wendepunkt der US-Regionalluftfahrt |
| Juli 2010 | Pinnacle kündigt das Auslaufen der Marke Colgan an | Beginn des Rückzugs |
| 5. September 2012 | Letzter Linienflug, Dulles–Albany | Ende des Flugbetriebs |
Flug 3407: der Unfall bei Buffalo
Am Abend des 12. Februar 2009 startete eine Q400 mit dem Kennzeichen N200WQ als Continental Connection Flug 3407 in Newark mit rund zwei Stunden Verspätung Richtung Buffalo. Das Flugzeug war erst im Frühjahr 2008 gebaut worden. An Bord waren 45 Fluggäste und vier Crewmitglieder.
Im Anflug auf den Flughafen Buffalo Niagara fuhr die Crew Fahrwerk und Klappen aus, während die Geschwindigkeit immer weiter sank. Bei etwa 131 Knoten sprach der Stick Shaker an – ein Rüttler an der Steuersäule, der vor einem drohenden Strömungsabriss warnt. Der Autopilot trennte sich. Statt die Nase zu senken und Fahrt aufzunehmen, zog der Kapitän an der Steuersäule. Damit verschärfte er die Lage, die Maschine geriet in einen Strömungsabriss. Der Stick Pusher, der die Nase automatisch nach unten drücken kann, wurde überstimmt. Die Copilotin fuhr zudem die Klappen ein.
Gegen 22:17 Uhr Ortszeit stürzte die Q400 in Clarence Center, einem Vorort von Buffalo, auf ein Wohnhaus. Alle 49 Menschen an Bord und ein Bewohner des Hauses kamen ums Leben. Zwei weitere Menschen im Haus überlebten.
Respekt bei historischen Themen
Hinter jedem Unfall stehen Menschen, Angehörige und eine Gemeinde, die bis heute an die Opfer erinnert. Wenn du Fotos der Unfallmaschine oder vom Unfallort teilst, ordne sie sachlich ein. Was rechtlich bei Fotos von Flugunfällen gilt, erklärt der Artikel Fotos von Flugunfällen und Notlandungen.
Was die NTSB herausfand
Die US-Unfallbehörde NTSB legte ihren Abschlussbericht am 2. Februar 2010 vor. Als wahrscheinliche Ursache nannte sie die unangemessene Reaktion des Kapitäns auf den Stick Shaker, die zu einem Strömungsabriss führte, aus dem sich das Flugzeug nicht mehr fing. Als beitragende Faktoren führte die Behörde unter anderem an:
- Die Crew überwachte die Geschwindigkeit nicht ausreichend, obwohl die Anzeige im Cockpit vor zu geringer Fahrt warnte.
- In der kritischen Anflugphase wurden Gespräche geführt, die nichts mit dem Flug zu tun hatten – ein Verstoß gegen die Regel des „sterilen Cockpits“.
- Der Kapitän führte den Flug nicht wirksam.
- Die Verfahren von Colgan für die Wahl der Anfluggeschwindigkeit bei Vereisung waren unzureichend.
Eis an den Flügeln spielte also eine Rolle im Umfeld, war aber nicht die Ursache. Wie Vereisung grundsätzlich bekämpft wird, liest du im Guide zur Enteisung von Flugzeugen.
Viel diskutiert wurde die Müdigkeit der Crew. Der Kapitän hatte die Nacht vor dem Flug in Newark verbracht, die Copilotin war über Nacht von der Westküste zum Dienst gependelt. Die NTSB hielt eine Beeinträchtigung für wahrscheinlich, konnte ihr Ausmaß aber nicht bestimmen; im Gremium waren die Mitglieder in dieser Frage nicht einig. Zur Sprache kamen außerdem die Bezahlung und Arbeitsbedingungen junger Regionalpiloten sowie Lücken bei Training und Prüfungshistorie.
Die Q400 auf der Wunschliste
Setz Typen wie die Dash 8-400 oder einzelne Kennzeichen auf deine Wunschliste und lass dich bei Anflug oder Landung benachrichtigen. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Die Reformen: was sich durch Flug 3407 änderte
Nach dem Absturz schlossen sich Angehörige der Opfer zusammen und setzten sich jahrelang in Washington für strengere Regeln ein. Ihr Einsatz gilt als ein Hauptgrund dafür, dass die Reformen tatsächlich kamen.
Das Gesetz von 2010
Am 1. August 2010 trat der Airline Safety and Federal Aviation Administration Extension Act of 2010 in Kraft. Das Gesetz verpflichtete die Luftfahrtbehörde FAA, eine ganze Reihe von Vorschriften zu erarbeiten – von der Qualifikation der Copiloten über Ruhezeiten bis zu einer zentralen Datenbank mit Pilotenakten.
Die 1.500-Stunden-Regel
Die bekannteste Folge ist die Regel für Copiloten. Die FAA veröffentlichte sie im Juli 2013, verpflichtend wurde sie ab dem 1. August 2013. Seitdem müssen auch Erste Offiziere bei US-Linienairlines eine Verkehrspilotenlizenz (ATP) und eine Musterberechtigung für ihren Typ besitzen. Vorher genügte in der Regel eine Berufspilotenlizenz mit deutlich weniger Erfahrung.
| Weg zur Lizenz | Mindeststunden | Hinweis |
|---|---|---|
| Volle ATP | 1.500 | Standardweg |
| Eingeschränkte ATP für Militärpiloten | 750 | Abschluss einer militärischen Pilotenausbildung |
| Eingeschränkte ATP mit Luftfahrt-Bachelor | 1.000 | Mit umfangreichen Luftfahrt-Kursen im Studium |
| Eingeschränkte ATP mit geringerem Studienanteil | 1.250 | Etwa mit Associate Degree oder weniger Luftfahrt-Kursen |
| Kapitän bei einer Linienairline | 1.000 Stunden Airline-Erfahrung | Zusätzlich zur ATP |
Dazu kam ein Pflichtkurs mit Theorie- und Simulatoranteil vor der ATP-Prüfung, der ab August 2014 galt. Die Regel ist bis heute umstritten: Regionalairlines verweisen auf Pilotenmangel und hohe Ausbildungskosten, Angehörige und viele Sicherheitsexperten verteidigen sie als Lehre aus Buffalo.
Und in Europa?
Die 1.500-Stunden-Regel ist US-Recht. In Europa gelten die EASA-Regeln, nach denen Copiloten auch mit deutlich weniger Stunden ins Cockpit kommen – nach einer strukturierten Ausbildung. Wie das in Deutschland läuft, erklären die Artikel Verkehrspilotenausbildung ATPL und Wege ins Cockpit.
Neue Ruhezeiten
Auch die Dienst- und Ruhezeiten wurden neu geregelt. Die FAA veröffentlichte die Vorschrift Part 117 im Januar 2012, verbindlich wurde sie im Januar 2014. Seitdem bekommen Piloten im Passagierverkehr vor einem Flugdienst eine Ruhezeit von zehn Stunden, in der mindestens acht Stunden Schlaf möglich sein müssen. Die maximale Dienstzeit hängt von der Tageszeit und der Zahl der Flüge ab. Reine Frachtflüge sind von den Pflichtregeln ausgenommen.
Die Pilotenakten-Datenbank
Eine weitere Lehre: Airlines sollten vor einer Einstellung die vollständige Prüfungs- und Trainingshistorie einer Bewerberin oder eines Bewerbers sehen können. Das Gesetz von 2010 sah dafür eine zentrale Datenbank bei der FAA vor. Bis sie fertig war, dauerte es allerdings mehr als zehn Jahre – die abschließende Vorschrift zur Pilot Records Database veröffentlichte die FAA erst 2021.
2009
Absturz von Flug 3407 bei Buffalo, 50 Todesopfer.
2010
NTSB-Bericht im Februar, Airline-Safety-Gesetz im August.
2013
ATP-Pflicht für Copiloten, 1.500-Stunden-Regel mit Ausnahmen.
2014
Neue Ruhezeitregeln nach Part 117 und Pflichtkurs vor der ATP-Prüfung.
Weitere Ereignisse
Flug 3407 war nicht der einzige Zwischenfall in der Geschichte der Airline. Im August 2003 stürzte eine Beechcraft 1900D von Colgan auf einem Überführungsflug ohne Passagiere kurz nach dem Start in Hyannis, Massachusetts, ins Meer; beide Piloten starben. Im September 2011 landete eine Saab 340 auf dem Weg von Houston nach Lake Charles in Louisiana auf einem kleineren Flugplatz in der Nähe statt am Zielflughafen.
Eine traurige Verbindung gibt es zudem zum 11. September 2001: Zwei der Attentäter flogen an jenem Morgen mit einem Colgan-Flug von Portland in Maine nach Boston, wo sie in American Airlines Flug 11 umstiegen. Wie dieser Tag die Luftfahrt verändert hat, liest du im Artikel zu den Folgen des 11. September.
Woran du Colgan auf alten Fotos erkennst
Weil Colgan immer in fremden Farben flog, ist die Zuordnung auf Fotos Detektivarbeit. Diese Schritte helfen dir:
Typ bestimmen
Q400, Saab 340 oder Beechcraft 1900D mit Titeln von Continental Connection, US Airways Express oder United Express? Dann kommt Colgan infrage – aber auch andere Partner.
Zeitraum prüfen
Die Q400 flog Colgan nur zwischen 2008 und 2012. Ältere Fotos mit Q400 in Continental-Farben gehören zu anderen Betreibern.
Kennzeichen lesen
Bei Saab und Beech tauchen Endungen auf -CJ auf, etwa N240CJ oder N352CJ. Ein guter Hinweis, aber kein Beweis.
Gegencheck
Mit Kennzeichen und Seriennummer gleichst du Registerdaten und Fotoarchive ab und schließt Verwechslungen aus.
Die Q400 von Colgan erkennst du am langen, schlanken Rumpf, dem hochgesetzten Flügel und dem T-Leitwerk. Die Saab 340 ist deutlich kürzer und gedrungener. Wie du die verschiedenen Turboprops sicher auseinanderhältst, erklärt der Guide ATR und Dash 8 unterscheiden. Hersteller der Q400 war zur Colgan-Zeit Bombardier; das Programm gehört heute zu De Havilland Canada.
Spricht für Colgan
- Q400 in Continental-Connection-Farben aus Newark, 2008–2012
- Saab 340 in United-Express-Farben aus Washington-Dulles
- Kennzeichen mit -CJ-Endung bei Saab oder Beech
- ICAO-Code CJC in historischen Flugplandaten
Spricht dagegen
- Regionaljets wie CRJ oder ERJ – Colgan flog nur Propellerflugzeuge
- Aufnahmen nach September 2012
- Delta-Connection- oder American-Eagle-Titel
Das Ende der Airline
Schon im Juli 2010 kündigte Pinnacle an, den Namen Colgan auslaufen zu lassen. 2012 geriet die Muttergesellschaft selbst in eine schwere finanzielle Krise. Im Mai 2012 endeten die Flüge für US Airways, im Juni die United-Express-Verbindungen ab Houston, Ende Juli wurden die Saab 340 aus dem Betrieb genommen. Der letzte Linienflug ging am 5. September 2012 als United Express von Washington-Dulles nach Albany.
Die Q400 wechselten laut verfügbaren Angaben zu Republic Airways. Pinnacle selbst wurde später unter dem Namen Endeavor Air Teil von Delta. Ob eine bestimmte Ex-Colgan-Maschine heute noch fliegt, kann diese Seite nicht verlässlich sagen – die Spur verfolgst du am besten über Seriennummer und Kennzeichenhistorie, wie im Guide Flugzeug per Kennzeichen verfolgen beschrieben.
Colgan-Orte heute spotten
Colgan selbst ist Geschichte, die Flughäfen der Airline sind aber spannende Spotting-Ziele. Am Flughafen Newark startete Flug 3407, heute ist Newark ein großes Drehkreuz von United. Am Flughafen Washington-Dulles lag die United-Express-Basis von Colgan; direkt am Platz liegt das Luftfahrtmuseum Udvar-Hazy Center, ein beliebtes Ziel für Spotter. In Boston, einem Knoten der US-Airways-Express-Flüge, ist Castle Island ein beliebter Spot.
Lohnt sich, wenn …
- du US-Regionalverkehr mit Turboprops und Jets erleben willst
- du historische Hintergründe zu Flughäfen im Nordosten suchst
Prüf es vorher, wenn …
- du gezielt Q400 sehen willst – schau in aktuelle Flugpläne, welche Betreiber den Typ dort noch einsetzen
Aussichtslos, wenn …
- du eine Maschine unter dem Code CJC im heutigen Flugbetrieb erwartest
Bevor du in die USA reist, lies Planespotting-Reise in die USA und Planespotting in den USA – die Regeln an US-Flughäfen unterscheiden sich in Details von denen in Deutschland.
Häufige Verwechslungen
- Colgan mit Continental gleichsetzen – Flug 3407 war ein Continental-Connection-Flug, durchgeführt hat ihn Colgan Air.
- Jede Q400 in Partnerfarben für Colgan halten – auch andere Regionalairlines flogen Q400 für große US-Gesellschaften.
- Vereisung als alleinige Ursache nennen – die NTSB sah die Ursache in der Reaktion auf den Stick Shaker, Eis war nur ein Umstandsfaktor.
- Die 1.500-Stunden-Regel auf Europa übertragen – sie gilt nur für US-Linienairlines.
- Colgan als Allianzmitglied führen – Colgan war Partner einzelner Airlines, nicht Mitglied einer Allianz wie der Star Alliance.
- Colgan mit Comair verwechseln – beide waren historische Regionalpartner, aber Comair flog Regionaljets für Delta.
Regionalverkehr im Blick mit Planetrack
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Fazit
Colgan Air war eine typische US-Regionalairline: unauffällig, in fremden Farben, mit Turboprops auf kurzen Strecken. Der Absturz von Flug 3407 hat sie aber zu einem der wichtigsten Namen der jüngeren Luftfahrtgeschichte gemacht. Die Reformen danach – ATP-Pflicht für Copiloten, die 1.500-Stunden-Regel, neue Ruhezeiten und eine zentrale Pilotenakte – prägen das Cockpit jeder US-Linienairline bis heute. Für Spotter bleibt Colgan ein Archiv-Thema, bei dem Kennzeichen, Typ und Zeitraum mehr verraten als jede Lackierung.
Kurzfazit
Colgan Air (IATA 9L, ICAO CJC) war eine historische US-Regionalairline, die bis 2012 für Continental, US Airways und United flog. Der Absturz von Flug 3407 im Jahr 2009 führte zur 1.500-Stunden-Regel und weiteren Sicherheitsreformen.
Zusammenfassung
- Für Spotter ist Colgan Air ein Archiv-Thema: Die Flugzeuge trugen die Farben ihrer Partner-Airlines, die Zuordnung gelingt nur über Kennzeichen und Flugplan-Code.
- Die Airline ist eng mit dem Absturz von Flug 3407 verbunden, der die US-Regionalluftfahrt grundlegend verändert hat.
- Die Reformen danach betreffen bis heute jeden Copiloten einer US-Linienairline – von der Mindeststundenzahl bis zur Pilotenakte.
- Die Q400 der Airline gingen bei der Auflösung an andere Betreiber; einzelne Exemplare kannst du nur über Seriennummer und Kennzeichenhistorie aufspüren.
Häufige Fragen
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Colgan Air?
Colgan Air nutzte den IATA-Code 9L und den ICAO-Code CJC, im Funk meldeten sich die Crews mit „COLGAN“. Weil Colgan für andere Airlines flog, standen auf Tickets und Anzeigetafeln meist deren Flugnummern – also CO, US oder UA.
Gibt es Colgan Air heute noch?
Nein. Die Muttergesellschaft Pinnacle kündigte 2010 an, den Namen Colgan auslaufen zu lassen. 2012 endeten nacheinander die Flüge für US Airways und United, der letzte Linienflug ging am 5. September 2012 als United Express von Washington-Dulles nach Albany. Colgan Air ist damit eine historische Airline.
Was ist bei Colgan Air Flug 3407 passiert?
Am Abend des 12. Februar 2009 flog eine Bombardier Q400 mit dem Kennzeichen N200WQ als Continental Connection von Newark nach Buffalo. Im Anflug wurde das Flugzeug zu langsam, der Überziehwarner (Stick Shaker) sprach an. Der Kapitän zog die Nase hoch statt sie zu senken, die Maschine geriet in einen Strömungsabriss und stürzte in Clarence Center auf ein Wohnhaus. Alle 49 Menschen an Bord und ein Bewohner des Hauses kamen ums Leben.
Was hat die NTSB als Ursache festgestellt?
Die US-Unfallbehörde NTSB nannte im Februar 2010 als wahrscheinliche Ursache die unangemessene Reaktion des Kapitäns auf den Stick Shaker, die zu einem nicht mehr beherrschbaren Strömungsabriss führte. Als beitragende Faktoren nannte sie unter anderem, dass die Crew die Geschwindigkeit nicht überwachte, die Regeln für ein konzentriertes Cockpit in kritischen Flugphasen nicht einhielt und dass die Verfahren von Colgan für Anflüge bei Vereisung unzureichend waren. Müdigkeit wurde intensiv diskutiert, ihr Einfluss ließ sich aber nicht genau bestimmen.
Was ist die 1.500-Stunden-Regel?
Seit August 2013 müssen auch Copiloten bei US-Linienairlines eine Verkehrspilotenlizenz (ATP) besitzen. Für die volle ATP sind 1.500 Flugstunden nötig. Eine eingeschränkte Lizenz gibt es früher: mit 750 Stunden für ehemalige Militärpiloten und mit 1.000 oder 1.250 Stunden für Absolventen von Luftfahrtstudiengängen. Vorher reichte für Copiloten in der Regel eine Berufspilotenlizenz mit deutlich weniger Stunden.
Welche Flugzeuge flog Colgan Air?
Zum Ende bestand die Flotte aus der Bombardier Q400 (Dash 8-400) mit 71 Sitzen und der kleineren Saab 340. Davor gehörten auch Beechcraft 1900D zur Flotte. Die Saab 340 wurden bei der Auflösung ausgemustert, die Q400 gingen laut verfügbaren Angaben an Republic Airways.
Gilt die 1.500-Stunden-Regel auch in Europa?
Nein. Die Regel ist US-Recht und gilt für Linienairlines unter der FAA-Vorschrift Part 121. In Europa werden Copiloten nach EASA-Regeln mit einer anderen Systematik ausgebildet, etwa über die integrierte ATPL-Ausbildung oder die MPL. Wie die Ausbildung in Deutschland abläuft, erklärt der Artikel zur Verkehrspilotenausbildung.
Colgan Air im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
De Havilland Canada Dash 8-400 (Q400)
Hochdecker, T-Leitwerk, Sechsblatt-Propeller und ein Fahrwerk, das nach hinten in die Triebwerksgondeln klappt: Die Dash 8-400 ist der schnellste und größte Regional-Turboprop im Liniendienst. So erkennst du sie sicher.
FlugzeugtypSaab 340
Tiefdecker, zwei Vierblatt-Propeller, ein ganz normales Leitwerk und ein kurzer, rundlicher Rumpf: Der Saab 340 ist der schwedische Klassiker unter den Regional-Turboprops. So erkennst du ihn und weißt, wo er heute noch fliegt.
FlugzeugtypBeechcraft 1900D
19 Sitze, zwei PT6A, ein Buckel über der Kabine und kleine Flossen überall am Heck: Die Beechcraft 1900D ist der Zubringer-Turboprop, der Kanada, die USA und viele Inselnetze geprägt hat. So erkennst du sie.
Weitere Airlines
Continental Airlines
Historische US-Netzwerkairline: 1934 als Varney Speed Lines gegründet, später mit Drehkreuzen in Newark, Houston, Cleveland und Guam – und seit der Fusion 2010 bis 2012 in United aufgegangen, deren Globus-Design von Continental stammt.
NetzwerkUS Airways
Historische US-Netzwerkairline mit Wurzeln von 1939: aus Allegheny wurde USAir, dann US Airways. Nach der Fusion mit America West und schließlich mit American Airlines endete die Marke im Oktober 2015 – bekannt bleibt sie durch Flug 1549 auf dem Hudson.
NetzwerkUnited Airlines
Die US-Netzwerk-Airline mit dem Globus am Leitwerk: Wurzeln bis 1926, Sitz in Chicago, Gründungsmitglied der Star Alliance und in Europa vor allem mit 767, 777 und 787 unterwegs.
RegionalEndeavor Air
Die Regionalairline aus Minneapolis, die komplett Delta gehört: früher Express Airlines I und Pinnacle Airlines, heute Endeavor – mit einer reinen CRJ-Flotte, die als Delta Connection unterwegs ist.
RegionalRepublic Airways
Die Regionalairline aus Carmel, Indiana, fliegt ausschließlich Embraer E170 und E175 – in den Farben von American Eagle, Delta Connection und United Express. Seit der Fusion mit Mesa Ende 2025 ist sie nach eigenen Angaben die zweitgrößte unabhängige Regionalairline der USA.
RegionalComair
Historische US-Regionalairline aus Cincinnati: 1977 gegründet, ab 1984 Delta-Connection-Partner, 1993 Wegbereiterin des Regionaljets in den USA – und im September 2012 von Delta eingestellt.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Newark Liberty
Der älteste Großflughafen der Region New York und das Ostküsten-Drehkreuz von United Airlines: drei Bahnen am Ufer der Newark Bay, ein Terminal nur für United, ein neues Terminal A seit 2023 – und die Skyline von Manhattan im Hintergrund.
FlughafenFlughafen Washington Dulles
Der internationale Flughafen der US-Hauptstadt: Eero Saarinens geschwungenes Terminal von 1962, rollende Mobile Lounges, ein großes United-Drehkreuz mit Langstrecke nach Europa, Afrika und Asien – und gleich nebenan ein Museum mit Aussichtsturm und Space Shuttle.
HerstellerDe Havilland Canada
Vom Buschflugzeug Beaver über die Twin Otter bis zur Dash 8 und dem Löschflugzeug DHC-515: De Havilland Canada steht für robuste Kurzstart-Flugzeuge. Hier erfährst du, wie das Unternehmen entstand, wem es gehörte und wo du seine Typen heute vor die Linse bekommst.
HerstellerBombardier
Bombardier hat den Regionaljet in Europa populär gemacht, die heutige A220 entwickelt und Learjet, Canadair und de Havilland Canada unter einem Dach vereint. Heute baut der Konzern aus Montreal nur noch Businessjets – und die siehst du an Genf, Le Bourget oder Nizza öfter, als du denkst.
Wo du Colgan Air vor die Linse bekommst
Spotting-Spots, an denen diese Airline regelmäßig zu sehen ist – mit Standpunkten, Lichtzeiten und Koordinaten.
Steven F. Udvar-Hazy Center am Flughafen Washington Dulles
Space Shuttle Discovery, die Rekord-SR-71, eine Air-France-Concorde und der Urvater der 707 unter einem Dach – und vom Aussichtsturm schaust du auf die Landungen am Washingtoner Drehkreuz Dulles. So planst du deinen Spottertag in der riesigen Außenstelle des Smithsonian.
AnflugschneiseCastle Island in South Boston am Flughafen Boston Logan
Ein historisches Fort, ein Uferweg am Hafen und Jets im Endanflug: Auf Castle Island in South Boston ziehen die Landungen auf die Piste 4R von Boston Logan über das Wasser an dir vorbei – mit Skyline, Schiffen und viel Platz, kostenlos und ganzjährig zugänglich.
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