Das Wichtigste in Kürze
- Ein Flugpionier gab den Anstoß: Louis Cartier entwarf um 1904 für Alberto Santos-Dumont eine Armbanduhr, weil der Blick auf die Taschenuhr im Flug unpraktisch war.
- Ablesbarkeit vor allem anderen: Kontrastreiches Zifferblatt, Leuchtmasse, große Krone für Handschuhe – das klassische Fliegeruhr-Design folgt dem Cockpit, nicht der Mode.
- Die B-Uhr prägt den Look bis heute: Die 55 Millimeter großen Beobachtungsuhren der Luftwaffe mit Dreieck an der Zwölf und den Zifferblatt-Mustern A und B werden bis heute nachgebaut.
- GMT heißt zweite Zeitzone: Ein zusätzlicher 24-Stunden-Zeiger zeigt eine weitere Zeit an – in der Luftfahrt meist UTC, die Zeit, in der Flugpläne, METAR und NOTAMs geschrieben werden.
- Der Rechenschieber ist analoge Navigation: Der drehbare Logarithmen-Ring eines Navitimer rechnet Geschwindigkeit, Strecke, Treibstoff und Einheiten um – ganz ohne Strom.
Inhaltsverzeichnis
- 1.Fliegeruhr: die kurze Antwort
- 2.Wie alles begann: Santos-Dumont und die Armbanduhr
- 3.Navigation nach den Sternen: Longines, Weems und Lindbergh
- 4.Die B-Uhr: der Look, der bis heute prägt
- 5.Der Rechenschieber am Handgelenk
- 6.GMT und UTC: die Zeitzone im Cockpit
- 7.Fliegeruhr-Typen im Vergleich
- 8.Gibt es eine echte Norm? Ja: DIN 8330
- 9.Welche Fliegeruhr passt zu dir?
- 10.Worauf du beim Kauf achten solltest
- 11.Fliegeruhr als Geschenk
- 12.Fazit
Ein großes, schwarzes Zifferblatt, weiße Ziffern, ein Dreieck an der Zwölf und eine Krone, die du auch mit Handschuhen greifen kannst: Fliegeruhren erkennst du auf den ersten Blick. Hinter dem Look stecken über hundert Jahre Luftfahrtgeschichte – vom Flugpionier, der beim Fliegen keine Hand für die Taschenuhr frei hatte, über Navigationsuhren für Atlantikflüge bis zum Rechenschieber am Handgelenk und dem 24-Stunden-Zeiger für Langstreckencrews. Dieser Guide erklärt, woher die Fliegeruhr kommt, was GMT-Zeiger und Rechenschieber tatsächlich können und worauf du achten solltest, wenn du dir selbst oder einem Luftfahrtfan eine schenken willst.
Die Uhr zeigt UTC – Planetrack zeigt, wer landet
Mit Sichtungs-Alarmen meldet dir Planetrack, wenn ein beobachtetes Kennzeichen, ein Flugzeugtyp oder eine Special Livery im Anflug ist – und Wetter, Wind und Pisten siehst du gleich mit. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fliegeruhr: die kurze Antwort
Eine Fliegeruhr ist eine Armbanduhr, die auf schnelle Ablesbarkeit im Cockpit ausgelegt ist. Das bedeutet: großes Gehäuse, starker Kontrast zwischen Zifferblatt und Zeigern, Leuchtmasse für die Nacht, eine große Krone und ein robustes, oft antimagnetisch ausgelegtes Werk. Je nach Modell kommen Zusatzfunktionen dazu, die aus der Navigation stammen – ein Chronograph zum Stoppen von Flugabschnitten, ein drehbarer Rechenschieber für Geschwindigkeits- und Verbrauchsrechnungen oder ein GMT-Zeiger für eine zweite Zeitzone.
Der Begriff selbst ist nicht geschützt. Viele Uhren, die heute als Fliegeruhr verkauft werden, waren nie in einem Cockpit, sondern zitieren nur das Design. Das ist kein Makel – aber es lohnt sich zu wissen, welche Funktion was kann und woher sie kommt.
Wie alles begann: Santos-Dumont und die Armbanduhr
Um 1900 trugen Männer Taschenuhren. Für den brasilianischen Flugpionier Alberto Santos-Dumont, der in Paris mit Luftschiffen und frühen Motorflugzeugen experimentierte, war das ein Problem: Um die Uhr aus der Tasche zu ziehen, hätte er eine Hand von der Steuerung nehmen müssen. Sein Freund Louis Cartier entwarf ihm deshalb um 1904 eine flache Uhr mit eckiger Lünette, die am Handgelenk getragen wurde. Daraus wurde die Santos, die Cartier ab 1911 auch regulär verkaufte – eine der ersten Herrenarmbanduhren überhaupt und bis heute im Programm.
Bemerkenswert daran ist weniger die Technik als die Logik: Die Armbanduhr setzte sich auch deshalb bei Männern durch, weil sie in Situationen funktionierte, in denen beide Hände gebraucht wurden – im Schützengraben, auf der Brücke eines Schiffs und eben im Cockpit. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen fest eingebaute Borduhren einen Teil der Aufgaben, die persönliche Uhr blieb aber als Backup und für einzelne Besatzungsmitglieder wichtig.
Navigation nach den Sternen: Longines, Weems und Lindbergh
In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden Fernflüge über Ozeane möglich – und damit Navigation ohne Landmarken. Wer seine Position per Sextant aus Sternen oder Sonne bestimmte, brauchte eine sekundengenaue Zeit, denn schon kleine Zeitfehler führen bei der astronomischen Navigation zu großen Positionsfehlern.
Hier kommt Longines ins Spiel. Zusammen mit dem US-Navigationsausbilder Philip Van Horn Weems entstand Ende der 1920er-Jahre die Weems-Navigationsuhr, deren Sekunden sich auf ein Zeitsignal synchronisieren ließen. 1931 folgte gemeinsam mit Charles Lindbergh die sogenannte Stundenwinkeluhr (Hour Angle Watch). Ihre drehbare Lünette und die Skalen halfen dabei, aus der Uhrzeit den Stundenwinkel für die Positionsbestimmung abzuleiten. Lindbergh hatte 1927 mit der „Spirit of St. Louis“ den Atlantik allein überquert – das Flugzeug hängt heute im National Air and Space Museum in Washington.
Die Idee, eine Uhr mit drehbarem Ring zum Navigationsinstrument zu machen, zieht sich seither durch die Geschichte der Fliegeruhr.
Die B-Uhr: der Look, der bis heute prägt
Wenn heute von „der klassischen Fliegeruhr“ die Rede ist, meinen viele das Design der Beobachtungsuhren (kurz B-Uhren). Diese großen Armbanduhren wurden im Zweiten Weltkrieg für die Navigatoren der deutschen Luftwaffe gebaut. Die Vorgaben des Reichsluftfahrtministeriums sahen einen Durchmesser von 55 Millimetern vor – riesig für eine Armbanduhr, aber gut ablesbar und über der Fliegerkombi zu tragen. Geliefert wurden sie unter anderem von A. Lange & Söhne, IWC, Laco, Stowa und Wempe.
Typisch für die B-Uhr sind:
- ein Dreieck mit zwei Punkten an der Zwölf als Orientierungsmarke,
- ein mattschwarzes Zifferblatt mit hellen Ziffern und Leuchtmasse,
- eine große Zwiebelkrone,
- die Gravur der Bauanweisung „FL 23883“ auf dem Gehäuse, zusammen mit Hersteller- und Gerätekennung.
Zwei Zifferblatt-Varianten sind überliefert. Muster A zeigt die Stunden 1 bis 11 in arabischen Ziffern, also das gewohnte Bild. Muster B stellt die Minuten in den Vordergrund: Außen stehen 5er-Schritte, die Stunden finden sich in einem kleineren inneren Ring. Für Navigatoren, die vor allem Minuten und Sekunden ablesen mussten, war das logisch.
Mehrere der damaligen Hersteller und viele andere Marken bauen bis heute Uhren in diesem Stil, meist deutlich kleiner als das 55-Millimeter-Original. Wenn dich die Epoche interessiert, lohnt ein Blick in Luftfahrtmuseen wie das Deutsche Museum in München, wo Navigationsinstrumente und Flugzeuge dieser Zeit im Zusammenhang zu sehen sind.
Historischer Kontext
Original-B-Uhren sind militärische Ausrüstung aus dem Zweiten Weltkrieg. Wer eine Uhr in diesem Stil kauft, kauft ein Design-Zitat. Im Sammlermarkt kursieren zudem viele Fälschungen angeblicher Originale – bei vermeintlich historischen Stücken solltest du nur mit Expertise und nachvollziehbarer Herkunft kaufen.
Der Rechenschieber am Handgelenk
Lange bevor Flugcomputer im Cockpit Treibstoff und Ankunftszeit ausrechneten, rechneten Piloten mit dem Rechenschieber. Das Prinzip: Zwei logarithmische Skalen liegen nebeneinander. Verdrehst du die eine gegen die andere, kannst du direkt ablesen, was sonst eine Multiplikation, Division oder ein Dreisatz wäre.
Breitling brachte dieses Prinzip früh ans Handgelenk. 1941 meldete das Unternehmen eine Chronographen-Lünette mit kreisförmigem Rechenschieber zum Patent an; die daraus entstandene Uhr kam 1942 als Chronomat auf den Markt, ein Name, der oft als „Chronograph für Mathematiker“ gedeutet wird. Anfang der 1950er-Jahre erhielt Breitling von der US-Pilotenvereinigung AOPA (Aircraft Owners and Pilots Association) den Auftrag, einen Chronographen für deren Mitglieder zu entwickeln. Das Ergebnis war der Navitimer, dessen frühe Exemplare das AOPA-Logo auf dem Zifferblatt trugen. Der Name verbindet „Navigation“ und „Timer“.
Was der Rechenschieber kann
| Aufgabe | Was du einstellst | Was du abliest |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | Strecke gegen Flugzeit | Knoten oder km/h |
| Flugzeit | Geschwindigkeit gegen Strecke | Minuten bis zum Ziel |
| Treibstoff | Verbrauch pro Stunde gegen Flugdauer | benötigte Menge |
| Steig- und Sinkrate | Höhendifferenz gegen Zeit | Fuß pro Minute |
| Einheiten | Markierungen für See-, Landmeilen und Kilometer (je nach Modell) | umgerechneter Wert |
Ein Beispiel für die Logik: Ein Flugzeug legt 120 Seemeilen in 40 Minuten zurück. Auf dem Rechenschieber stellst du die 120 der äußeren Skala über die 40 der inneren und liest gegenüber der Markierung für 60 Minuten die Geschwindigkeit ab – 180 Knoten. Dasselbe Prinzip steckt im E6B, dem klassischen Navigationsrechner aus Pappe, Kunststoff oder Aluminium, mit dem in der Pilotenausbildung bis heute geübt wird.
Eine Kuriosität aus dem Navitimer-Kapitel: Der Astronaut Scott Carpenter wünschte sich von Breitling eine Version mit 24-Stunden-Zifferblatt, weil es im Orbit keinen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus gibt. Er trug sie 1962 bei seinem Mercury-Flug; daraus entstand die Variante Cosmonaute.
Ehrlich bleiben beim Rechenschieber
Ein Uhren-Rechenschieber ist klein und nur auf etwa zwei bis drei Stellen genau. Für das Verständnis von Navigation ist er großartig, für die echte Flugplanung nimmt heute niemand mehr die Lünette. Wer Lust hat, damit zu üben, lernt aber sehr viel über Geschwindigkeit, Zeit und Verbrauch.
GMT und UTC: die Zeitzone im Cockpit
Die vielleicht nützlichste Fliegeruhren-Funktion für den Alltag ist der GMT-Zeiger. Er geht auf die Langstreckenfliegerei der 1950er-Jahre zurück. Mitte der 1950er-Jahre stellte Rolex die GMT-Master vor, entwickelt in Zusammenarbeit mit Pan American World Airways. Die Uhr erhielt einen zusätzlichen Stundenzeiger, der in 24 Stunden einmal umläuft, und eine drehbare Lünette mit 24-Stunden-Skala. Die rot-blaue Teilung des Rings markierte Tag und Nacht in der zweiten Zeitzone. Laut Überlieferung erhielten Pan-Am-Piloten und -Navigatoren die Uhr bis zum Ende der Airline 1991. Mehr über die Airline, die mit Clipper-Flugbooten und dem Jumbo-Jet Luftfahrtgeschichte schrieb, steht in der Pan-Am-Geschichte.
So funktioniert der GMT-Zeiger
- Stundenzeiger (12 h): zeigt wie gewohnt die Ortszeit.
- GMT-Zeiger (24 h): zeigt auf der 24-Stunden-Skala eine zweite Zeit – bei Piloten meist UTC, die koordinierte Weltzeit.
- Drehbare 24-Stunden-Lünette: Verdrehst du sie um die Zeitdifferenz, liest du am GMT-Zeiger eine dritte Zeitzone ab.
Bei vielen moderneren Uhren lässt sich der normale Stundenzeiger in Stundenschritten springen lassen, ohne die Uhr anzuhalten – praktisch, wenn du nach der Landung auf Ortszeit umstellst, der GMT-Zeiger aber auf der Heimat- oder Weltzeit bleibt. Rolex führte das 1982 mit der GMT-Master II ein; heute bieten es viele Hersteller an.
Warum UTC für Spotter wichtig ist
In der Luftfahrt läuft die Uhr weltweit nach UTC, im Funk oft „Zulu“ genannt (deshalb das „Z“ hinter Zeitangaben). Flugpläne, NOTAMs und Wetterberichte nutzen sie. Wenn du einen METAR liest, steht die Beobachtungszeit in UTC – wie du die Codes entschlüsselst, erklärt der Guide METAR und TAF lesen. Auch NOTAMs mit Pistensperrungen oder Airshow-Beschränkungen geben ihre Gültigkeit in UTC an. In Deutschland liegt die Ortszeit im Winter eine Stunde, in der Sommerzeit zwei Stunden vor UTC.
Wie viel Uhr ist es gerade in UTC?
Rechnet nur mit vollen Stunden. Zeitzonen mit halben Stunden und lokale Umstellungstermine sind nicht berücksichtigt.
Wer selbst viel fliegt, profitiert doppelt: Ein GMT-Zeiger auf Heimatzeit hilft dabei, Schlafrhythmus und Erreichbarkeit im Blick zu behalten – gerade auf Ultralangstreckenflügen. Tipps gegen die Zeitverschiebung im Körper gibt der Artikel Jetlag vermeiden.
Jede Sichtung mit Zeit, Typ und Kennzeichen
In Planetrack postest du Sichtungen mit Foto, Flugzeugtyp, Kennzeichen, Airline, Flughafen und Spot und sammelst sie in deinem Hangar. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fliegeruhr-Typen im Vergleich
| Typ | Kernfunktion | Typisches Design | Praktisch für |
|---|---|---|---|
| B-Uhr-Stil | Zeit, gut ablesbar | großes Gehäuse, Dreieck an der Zwölf, Muster A oder B | Geschichtsfans, Alltag |
| Rechenschieber-Chronograph | Stoppuhr plus Navigationsrechnung | volles Zifferblatt mit drehbarer Logarithmen-Skala | Technikfans, Flugschüler |
| GMT-Uhr | zweite (und mit Lünette dritte) Zeitzone | 24-Stunden-Zeiger, oft zweifarbige Lünette | Spotter, Vielflieger, Crews |
| Fliegerchronograph | Zeitmessung, teils mit Flyback | Hilfszifferblätter, oft Drehring | Allgemeine Luftfahrt, Motorsportfans |
| Weltzeituhr | viele Zeitzonen gleichzeitig | Städtering rund ums Zifferblatt | Reisende, Langstrecken-Fans |
Flyback bezeichnet übrigens einen Chronographen, der sich mit einem einzigen Drücker zurücksetzen und sofort neu starten lässt – nützlich, wenn Navigationsabschnitte direkt aufeinander folgen. Longines gilt als Hersteller eines der ersten Chronographen mit dieser Funktion in den 1930er-Jahren.
Gibt es eine echte Norm? Ja: DIN 8330
Lange war „Fliegeruhr“ reine Stilbeschreibung. 2012 stellten die FH Aachen und der Frankfurter Hersteller Sinn Spezialuhren mit TESTAF (Technischer Standard Fliegeruhren) einen Prüfstandard vor, der sich an den Anforderungen im Cockpit orientiert. Darauf aufbauend entstand die DIN 8330, die im März 2016 in Kraft trat. Die Kriterien aus TESTAF umfassen unter anderem Ablesbarkeit bei Tag und Nacht, Widerstand gegen Druckwechsel, Stöße, Vibrationen und Flüssigkeiten sowie die Verträglichkeit mit den Bordinstrumenten, etwa dass die Uhr keine Instrumente magnetisch stört. Sinn und Stowa stellten 2016 nach der Norm zertifizierte Modelle vor, Laco folgte später.
Für dich als Käufer heißt das: Steht DIN 8330 drauf, wurde die Uhr gegen definierte Kriterien geprüft. Steht nur „Pilot“ oder „Flieger“ auf dem Karton, ist das ein Designversprechen.
Welche Fliegeruhr passt zu dir?
Welcher Fliegeruhr-Typ passt zu dir?
Uhr im B-Uhr-Stil
Großes, ruhiges Zifferblatt, Dreieck an der Zwölf, meist ohne Komplikationen. Achte auf einen Durchmesser, der zu deinem Handgelenk passt – viele Modelle gibt es in mehreren Größen.
Rechenschieber-Chronograph
Viel Uhr, viel Geschichte, viel zu entdecken. Plane etwas Übungszeit ein – und nimm einen E6B dazu, um das Prinzip in groß zu verstehen.
GMT-Uhr mit UTC-Zeiger
Der praktischste Begleiter für Spotter: UTC immer im Blick, Ortszeit separat einstellbar. Ideal, wenn du Wetterberichte liest oder viel reist.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Größe ehrlich prüfen. Fliegeruhren fallen oft mit über 40 Millimetern Durchmesser aus. Entscheidend ist nicht nur der Durchmesser, sondern auch der Abstand zwischen den Bandanstößen (Lug-to-Lug) – ragt er über dein Handgelenk hinaus, sitzt die Uhr schlecht.
- Ablesbarkeit testen. Ein Rechenschieber-Zifferblatt wirkt eindrucksvoll, ist aber dichter bedruckt. Wenn du vor allem die Zeit ablesen willst, ist ein ruhiges Zifferblatt die bessere Wahl.
- GMT ist nicht gleich GMT. Bei manchen Uhren springt der 12-Stunden-Zeiger, bei anderen der 24-Stunden-Zeiger. Für Reisende ist meist der springende Ortszeit-Zeiger praktischer, für Büro-Nutzer mit Kontakten in anderen Zeitzonen die andere Variante.
- Uhrwerk wählen. Automatik ist Tradition, Quarz ist genauer und günstiger. Funk- oder solarbetriebene Modelle sind für den Alltag besonders pflegeleicht.
- Leuchtmasse und Glas. Ein entspiegeltes Glas und gute Leuchtmasse machen im Alltag mehr Unterschied als die meisten Komplikationen.
- Bei „Vintage“ vorsichtig sein. Historische Fliegeruhren sind ein Sammlermarkt mit vielen Fälschungen und aufgearbeiteten Teilen. Ohne Fachkenntnis besser bei aktuellen Modellen bleiben.
Für Spotter, die auch an der Ausrüstung insgesamt arbeiten, lohnt ein Blick in die Planespotting-Ausrüstungs-Checkliste. Eine robuste Uhr gehört zwar nicht zur Pflicht, ist aber am Zaun bequemer als ständig das Smartphone aus der Tasche zu ziehen – gerade mit Kamera in der Hand.
Fliegeruhr als Geschenk
Eine Fliegeruhr ist ein Geschenk mit Geschichte – das macht sie für Luftfahrtfans reizvoll. Ein paar Gedanken, bevor du kaufst:
Passt gut, wenn …
- die Person ohnehin gern Armbanduhren trägt
- sie viel reist, Flugdaten verfolgt oder Pilot werden will
- du Handgelenkgröße und Stil kennst
Gut überlegen, wenn …
- schon eine Smartwatch fest am Handgelenk sitzt
- du den Geschmack nicht genau einschätzen kannst – dann lieber gemeinsam aussuchen
Lieber etwas anderes, wenn …
- die Person grundsätzlich keine Uhren trägt
- das Budget nur für ein Billigmodell mit „Pilot“-Aufdruck reicht – dann lieber ein gutes Modell, ein Buch oder ein Museumsbesuch
Alternativen und weitere Ideen findest du in den Geschenken für Planespotter, in den Tipps zu Airline- und Flughafen-Shops und – für Technikfans – bei Flugsimulator-Hardware als Geschenk. Für angehende Piloten passt eine GMT-Uhr gut zum Einstieg in die Ausbildung; einen Überblick über die Wege ins Cockpit gibt der Artikel Pilot werden, den Unterschied zwischen Sicht- und Instrumentenflug erklärt VFR und IFR.
Bist du bereit für den Uhrenkauf?
- Ich weiß, welche Funktion ich wirklich nutze: Zeitzone, Stoppuhr oder einfach Ablesbarkeit.
- Ich kenne meinen Handgelenkumfang und den passenden Gehäusedurchmesser.
- Ich habe mich zwischen Automatik und Quarz entschieden.
- Ich weiß, ob mir eine Norm wie DIN 8330 wichtig ist.
- Ich kaufe bei einem Händler mit nachvollziehbarer Herkunft und Garantie.
Vom Handgelenk an den Zaun
Finde Spots mit bestem Licht auf der Spot-Karte, plane mit dem Sonnenstand-Planer und lass dich per Sichtungs-Alarm benachrichtigen, wenn deine Wunschmaschine im Anflug ist. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Fliegeruhren sind Werkzeuge, die zu Stilikonen wurden. Die Santos löste das Problem des Flugpioniers ohne freie Hand, die Navigationsuhren von Longines machten Ozeanflüge berechenbarer, die B-Uhr lieferte den bis heute kopierten Look, der Navitimer brachte den Rechenschieber ans Handgelenk, und die GMT-Master gab Langstreckencrews die zweite Zeitzone. Im modernen Cockpit übernimmt die Avionik all das – doch für Spotter und Vielflieger bleibt vor allem der UTC-Zeiger ein echtes Alltagswerkzeug.
Kurzfazit
Wenn du eine Fliegeruhr wegen ihres Nutzens willst, nimm eine GMT-Uhr und stell den 24-Stunden-Zeiger auf UTC. Wenn dich die Geschichte reizt, ist der B-Uhr-Stil der Klassiker, und für Technikfans ist der Rechenschieber-Chronograph das spannendste Spielzeug. Prüf vor dem Kauf die Größe am Handgelenk, und wenn dir echte Cockpit-Tauglichkeit wichtig ist, achte auf die DIN 8330.
Zusammenfassung
- Fliegeruhren entstanden aus einem praktischen Problem: Piloten brauchten beide Hände am Steuer und trotzdem die Zeit im Blick. Daraus entwickelten sich große, kontrastreiche und robuste Armbanduhren.
- Wichtige Stationen sind die Santos von Cartier, die Navigationsuhren von Longines mit Weems und Lindbergh, die B-Uhren der 1940er-Jahre, der Navitimer für die Mitglieder der AOPA und die GMT-Master für Pan-Am-Crews.
- Mit der DIN 8330 gibt es seit 2016 eine deutsche Norm, die technische Anforderungen an Fliegeruhren beschreibt – vorher war der Begriff reine Stilfrage.
- Für Spotter ist eine GMT-Uhr mit UTC-Zeiger die praktischste Variante, weil Wetterberichte, NOTAMs und viele Flugdaten in UTC angegeben werden.
Häufige Fragen
Was ist eine Fliegeruhr?
Eine Fliegeruhr ist eine Armbanduhr, die für den Einsatz im Cockpit gedacht ist oder sich an solchen Uhren orientiert. Typisch sind ein großes, kontrastreiches Zifferblatt, Leuchtmasse auf Zeigern und Ziffern, eine große Krone, die sich mit Handschuhen bedienen lässt, und ein robustes Gehäuse. Viele Modelle haben zusätzlich Chronograph, Drehring, Rechenschieber oder einen zweiten Zeitzonen-Zeiger.
Was bedeutet GMT bei einer Uhr?
GMT steht für Greenwich Mean Time. Bei Uhren bezeichnet es eine Zusatzfunktion: einen vierten Zeiger, der einmal in 24 Stunden umläuft und eine zweite Zeitzone anzeigt. Piloten stellen ihn häufig auf UTC, die koordinierte Weltzeit, in der in der Luftfahrt gerechnet wird. Mit einer drehbaren 24-Stunden-Lünette lässt sich bei vielen Modellen noch eine dritte Zeitzone ablesen.
Wofür ist der Rechenschieber auf einer Fliegeruhr gut?
Der Rechenschieber besteht aus zwei logarithmischen Skalen, eine fest, eine drehbar. Durch Verdrehen lassen sich multiplizieren, teilen und Dreisätze lösen – etwa Fluggeschwindigkeit aus Strecke und Zeit, Treibstoffverbrauch über eine Flugdauer oder Umrechnungen zwischen Seemeilen, Landmeilen und Kilometern. Heute rechnet das im Cockpit die Avionik; am Handgelenk ist der Ring vor allem Tradition und Backup-Prinzip.
Was ist eine B-Uhr?
B-Uhr steht für Beobachtungsuhr. Gemeint sind vor allem die großen Navigationsuhren, die im Zweiten Weltkrieg für die deutsche Luftwaffe gebaut wurden, unter anderem von A. Lange & Söhne, IWC, Laco, Stowa und Wempe. Sie hatten nach Vorgabe 55 Millimeter Durchmesser, ein Dreieck mit zwei Punkten an der Zwölf und wurden in zwei Zifferblatt-Mustern gefertigt. Viele heutige Fliegeruhren übernehmen dieses Design.
Gibt es eine Norm für Fliegeruhren?
Ja. Aufbauend auf dem Prüfstandard TESTAF, den die FH Aachen und der Uhrenhersteller Sinn 2012 vorgestellt hatten, entstand die DIN 8330, die im März 2016 in Kraft trat. Sie beschreibt Anforderungen etwa an Ablesbarkeit, Belastbarkeit und Verträglichkeit mit den Bordinstrumenten. Nur Uhren, die danach geprüft sind, dürfen sich auf die Norm berufen – der Begriff Fliegeruhr selbst ist nicht geschützt.
Brauchen Piloten heute noch eine Armbanduhr?
Im modernen Verkehrsflugzeug liefern Borduhren und Flugmanagement-System die Zeit. Viele Piloten tragen trotzdem eine Uhr, oft mit UTC-Anzeige, weil Dienstzeiten, Funk-Zeitangaben und Flugpläne in UTC laufen. In der Allgemeinen Luftfahrt und beim Sichtflug ist eine verlässliche Uhr als Backup weiterhin verbreitet.
Ist eine Fliegeruhr ein gutes Geschenk für Luftfahrtfans?
Für viele ja – vorausgesetzt, Stil und Budget passen. Eine GMT-Uhr mit UTC-Zeiger ist für Spotter und Vielflieger im Alltag nützlich, eine Uhr im B-Uhr-Design spricht Geschichtsfans an, ein Rechenschieber-Chronograph eher Technikbegeisterte. Wichtig ist, vorher Handgelenkgröße und Gehäusedurchmesser abzugleichen, denn viele Fliegeruhren fallen groß aus.
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