Das Wichtigste in Kürze
- Montenegro Airlines war die Nationalairline Montenegros mit Sitz in Podgorica und stellte den Flugbetrieb am 26. Dezember 2020 ein.
- Codes: IATA YM, ICAO MGX, Rufzeichen „MONTENEGRO“.
- Fokker als Markenzeichen: Den Anfang machten Fokker F28 (die erste 1996, die zweite 1998), ab 2000 prägte die Fokker 100 die Flotte – bis zum Schluss.
- Embraer ab 2008: Die Embraer 195 löste die Fokker schrittweise ab und war zuletzt der wichtigste Typ.
- Schulden statt Neustart: Nach Jahren mit Verlusten, fragwürdigen Bilanzen und Staatshilfe zog die Regierung Ende 2020 den Stecker; Nachfolger ist Air Montenegro.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| IATA-Code | YM |
|---|---|
| ICAO-Code | MGX |
| Rufzeichen | MONTENEGRO |
| Drehkreuze | TGD, TIV |
| Status | Historisch – Flugbetrieb am 26. Dezember 2020 eingestellt, anschließend Liquidation |
| Geschäftsmodell | Staatliche Nationalairline mit Linienflügen ab Podgorica und Tivat in europäische Städte, dazu Charterflüge |
| Gegründet | 24. Oktober 1994 durch die Regierung Montenegros, erster Linienflug am 7. Mai 1997 (Podgorica–Bari) |
| Sitz und Drehkreuze | Podgorica (TGD), zweite Basis in Tivat (TIV) an der Küste |
| Eigentümer | Staat Montenegro |
| Allianz | keine; Codeshares unter anderem mit Air Serbia, Etihad Airways und S7 Airlines |
| Vielfliegerprogramm | Vision Team |
| Flotte zuletzt (2020) | Vier Flugzeuge: drei Embraer 195 mit 116 Sitzen und eine Fokker 100 mit 102 Sitzen |
| Frühere Typen | Fokker F28 Mk4000, weitere Fokker 100, Embraer 190, geleaste Boeing 737-300 und 737-500 |
| Nachfolger | Air Montenegro (To Montenegro), Erstflug am 10. Juni 2021 nach Belgrad |
Woran du die Airline erkennst
Ist das wirklich Montenegro Airlines?
- Kennzeichen mit 4O- aus der Zeit nach der Unabhängigkeit Montenegros; ältere Fotos zeigen YU--Kennzeichen aus jugoslawischer bzw. serbisch-montenegrinischer Zeit
- Schriftzug „Montenegro Airlines“ am Rumpf
- Bis 2020 eine der letzten europäischen Linienairlines mit Fokker 100, daneben Embraer 195
- Flugnummern mit YM, im Funk das Rufzeichen MONTENEGRO, auf Trackern der Code MGX
- Typische Fotoorte: Podgorica und Tivat, dazu Frankfurt, Düsseldorf, Wien, Zürich, Belgrad und Ljubljana
- Heute nur noch auf Archivfotos – seit dem 26. Dezember 2020 fliegt keine Montenegro Airlines mehr
Wer in den 2000er- und 2010er-Jahren in Frankfurt, Düsseldorf, Wien oder Zürich am Zaun stand, hat sie vielleicht noch erwischt: eine Fokker 100 mit dem Schriftzug „Montenegro Airlines“, die das kleine Land an der Adria mit Mitteleuropa verband. Als die meisten europäischen Airlines ihre Fokker längst ausgemustert hatten, flog sie in Podgorica noch im Liniendienst. Ab 2008 kamen Embraer 195 dazu, ab 2020 kamen Corona und das Ende. Hier erfährst du, woher die Airline kam, welche Flugzeuge sie flog und woran du sie auf alten Fotos erkennst.
Historische Airline
Montenegro Airlines hat den Flugbetrieb am 26. Dezember 2020 eingestellt und wurde anschließend liquidiert. Alle Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die historische Airline. Die Codes YM und MGX stehen hier für Montenegro Airlines, nicht für die Nachfolgerin Air Montenegro.
Montenegro Airlines im Überblick
Montenegro Airlines war die nationale Airline Montenegros mit Sitz in der Hauptstadt Podgorica. Die Regierung der damaligen jugoslawischen Teilrepublik gründete sie am 24. Oktober 1994. Bis zum ersten Linienflug dauerte es allerdings noch fast drei Jahre, denn Wirtschaftskrise und Sanktionen gegen Jugoslawien bremsten den Aufbau. Am 7. Mai 1997 startete schließlich die erste Maschine von Podgorica ins italienische Bari.
Das Netz hatte zwei Standbeine. Von Podgorica aus ging es das ganze Jahr in die Hauptstädte und großen Drehkreuze Europas, von Tivat an der Bucht von Kotor, dem Flughafen an der montenegrinischen Küste. Dazu kamen Charterflüge. Nach Angaben von EX-YU Aviation News beförderte Montenegro Airlines in rund 25 Jahren etwa zehn Millionen Fluggäste; laut englischsprachiger Wikipedia waren es 2019 rund 657.000.
Die Airline blieb bis zum Schluss in Staatsbesitz. Die israelische El Al zeigte 2009 Interesse an einer Beteiligung von 30 Prozent, der Einstieg kam aber nicht zustande. Einer Allianz trat Montenegro Airlines nie bei; stattdessen setzte sie auf Codeshares, unter anderem mit Air Serbia, Etihad Airways und S7 Airlines. Wie solche Partnerschaften funktionieren, erklärt der Artikel Codeshare-Flüge erklärt.
Codes und Rufzeichen
- IATA-Code YM: stand vor den Flugnummern, auf Tickets und Anzeigetafeln.
- ICAO-Code MGX: Kennung im Flugplan der Flugsicherung und auf Flugtrackern.
- Rufzeichen MONTENEGRO: so meldeten sich die Crews im Funk.
Eine typische Falle beim Sortieren alter Daten: Die Nachfolgerin Air Montenegro nutzt den ICAO-Code MNE und den IATA-Code 4O. Taucht in einer Liste MNE auf, handelt es sich also nicht um die historische Montenegro Airlines, sondern um die 2021 gestartete neue Gesellschaft. Wie IATA- und ICAO-Codes grundsätzlich zusammenhängen, liest du unter IATA- und ICAO-Codes.
Balkan-Luftfahrt im Hangar
Mit Planetrack hältst du Sichtungen mit Foto, Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen fest – auch deine Archivfotos von Montenegro Airlines, JAT oder Adria bekommen so ihren Platz in der Sammlung. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Geschichte: von der F28 bis zur Liquidation
Gründung und schwieriger Start (1994–1999)
Montenegro war 1994 noch Teil der Bundesrepublik Jugoslawien, gemeinsam mit Serbien. Die große Staatsairline des Landes war JAT Yugoslav Airlines aus Belgrad. Mit einer eigenen Airline wollte die montenegrinische Regierung direkte Verbindungen ins Ausland schaffen. 1996 kam das erste Flugzeug: eine Fokker F28 Fellowship der Version Mk4000, die den Namen „Lovćen“ trug – nach dem Berg, der als Symbol des Landes gilt. 1998 folgte eine zweite F28, und das Netz wuchs.
Anfang 1999 stoppten die Sanktionen im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg die Expansion. Erst im Herbst 1999 nahm die Airline den Flugbetrieb wieder auf.
Die Fokker-100-Jahre (2000–2008)
Im Jahr 2000 kam die erste Fokker 100, in den folgenden Jahren weitere Exemplare; laut englischsprachiger Wikipedia setzte die Airline insgesamt fünf Fokker 100 ein. Sie lösten die F28 ab, die 2000 aus der Flotte gingen. Im April 2000 trat Montenegro Airlines der IATA bei, im März 2003 dem Buchungssystem Amadeus. Am 2. Juli 2004 begrüßte die Airline ihren millionsten Fluggast.
Mit dem Unabhängigkeitsreferendum 2006 änderte sich die Lage. Montenegro wurde eigenständig, und Verkehrsrechte, die die Airline bis dahin im gemeinsamen Staat genutzt hatte – etwa Flüge zwischen dem serbischen Niš und Zürich –, fielen weg. Der Versuch, mit der Tochter Master Airways in Niš einen serbischen Ableger aufzubauen, scheiterte: Die Gesellschaft bekam keine Betriebsgenehmigung und wurde 2007 aufgelöst.
Embraer und neue Strecken (2008–2013)
Am 23. Juli 2007 bestellte Montenegro Airlines zwei Embraer 195, geleast über acht Jahre. Die erste Maschine landete am 5. Juni 2008 in Podgorica und flog kurz darauf nach London-Gatwick und Mailand-Malpensa. Später kam eine dritte E195 hinzu. Ein Versuch, zwei Fokker 100 ab November 2014 zu verkaufen, fand nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia bis Mitte 2015 keinen Käufer.
Krise, Staatshilfe und Leasing-Lösungen (2013–2019)
Im November 2013 trat der langjährige Chef zurück, der die Airline seit 1994 geführt hatte. Die neue Führung schaltete die Behörden ein, und 2014 wurde öffentlich, dass frühere Bilanzen geschönt waren. Von da an hing Montenegro Airlines dauerhaft am Tropf des Staates. Im August 2016 wurden die Konten eingefroren, weil Gebühren von mehr als 15 Millionen US-Dollar beim Flughafenbetreiber offen waren.
Die Flotte wurde in diesen Jahren bunter. Im Mai 2014 kam eine Embraer 190, die 2017 an TUI fly Belgium zurückging. 2018 half eine geleaste Boeing 737-500 aus, 2019 eine Boeing 737-300 von Blue Air. Solche kurzzeitigen Mietlösungen sind typisch für kleine Airlines in der Hochsaison; was dahintersteckt, erklärt Wet-Lease erklärt.
Ende 2019 beschloss das Parlament ein Gesetz mit Staatshilfen von bis zu 155 Millionen Euro. Die montenegrinische Wettbewerbsbehörde erklärte die Hilfe später für rechtswidrig – zu diesem Zeitpunkt waren laut EX-YU Aviation News bereits 43 Millionen Euro geflossen.
Corona und das Ende im Dezember 2020
Ab März 2020 brachen die Passagierzahlen wegen der Corona-Pandemie ein. Die Flotte bestand zu diesem Zeitpunkt nur noch aus drei Embraer 195 und einer Fokker 100. Zwei zusätzliche E195 waren eingeplant, kamen aber nicht mehr.
Am 25. Dezember 2020 zog die neue Regierung die Konsequenz. Nach ihrer Darstellung gab es keinen rechtlich sauberen Weg mehr, die Airline zu retten; die Schulden lagen laut EX-YU Aviation News bei rund 100 Millionen Euro, Löhne waren seit Monaten verspätet. Am Abend des 25. Dezember landete Flug YM103 von Belgrad in Podgorica – der letzte reguläre Flug. Ab dem 26. Dezember 2020 ruhte der Betrieb, die Liquidation folgte. Mehr als 350 Beschäftigte verloren ihre Arbeit.
Schon am 29. Dezember 2020 kündigte die Regierung eine neue Gesellschaft an. Sie wurde im Februar 2021 als To Montenegro gegründet, trat als Air Montenegro auf und startete am 10. Juni 2021 mit einem Flug nach Belgrad – mit zwei Embraer 195, die zuvor für Montenegro Airlines geflogen waren. Wie dieses Ende in die Reihe europäischer Airline-Pleiten passt, zeigt Große Airline-Pleiten in Europa.
1994–1999: Gründung
Staatliche Gründung 1994, erster Linienflug am 7. Mai 1997 nach Bari mit der F28, Unterbrechung durch Sanktionen 1999.
2000–2007: Fokker 100
Fokker 100 ersetzt die F28, IATA-Beitritt, Unabhängigkeit Montenegros 2006, gescheiterte Tochter Master Airways.
2008–2019: Embraer und Krise
Embraer 195 ab 2008, geschönte Bilanzen, Schulden, Staatshilfe und kurzzeitige Leasingflugzeuge.
2020: das Ende
Corona-Einbruch, letzter Flug YM103 am 25. Dezember, Einstellung am 26. Dezember, Nachfolgerin Air Montenegro ab 2021.
Das Streckennetz
Das Netz war klein, aber erstaunlich breit gestreut. Bei der Einstellung flog die Airline laut englischsprachiger Wikipedia 18 Ziele in zehn Ländern an: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Russland, Schweiz, Serbien, Slowenien und Großbritannien. Die Tabelle zeigt eine Auswahl aus verschiedenen Jahren:
| Region | Ziele (Auswahl) | Hinweis |
|---|---|---|
| Deutschland | Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Leipzig/Halle | Hannover und Leipzig laut deutschsprachiger Wikipedia; München ab Tivat |
| Österreich und Schweiz | Wien, Zürich | Linienziele ab Podgorica |
| Ex-Jugoslawien | Belgrad, Ljubljana | Belgrad war Ziel des letzten Flugs |
| Westeuropa | Paris, Rom, London, Lyon, Kopenhagen | Paris und Rom zeitweise ab Podgorica |
| Osteuropa | Moskau, St. Petersburg | Zeitweise im Netz |
| Charter | u. a. Bari, Neapel, Graz, Bratislava, Helsinki, Tel Aviv | Laut serbischsprachiger Wikipedia |
Für deutsche Spotter waren die Flüge nach Frankfurt und Düsseldorf am ehesten zu erwischen. Wo du an diesen Flughäfen heute gut stehst, zeigen die Guides zu Frankfurt und Düsseldorf; für die Schweiz hilft Planespotting in Zürich.
Die Flotte
Montenegro Airlines war nie groß. In ihren besten Jahren standen laut englischsprachiger Wikipedia fünf bis sechs Flugzeuge in der Flotte, zum Schluss nur noch vier. Hersteller der wichtigsten Typen waren Fokker und Embraer.
| Typ | Zeitraum | Anzahl | Sitze | Spotter-Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Fokker F28 Mk4000 | 1996/1998–2000 | 2 | – | Erste Maschine mit dem Namen „Lovćen“ |
| Fokker 100 | 2000–2020 | 5 insgesamt, zuletzt 1 | 102 | Bekanntestes Motiv der Airline |
| Embraer 195 | 2008–2020 | 3 | 116 | Zuletzt Rückgrat der Flotte, zwei gingen an Air Montenegro |
| Embraer 190 | 2014–2017 | 1 | – | Ging an TUI fly Belgium zurück |
| Boeing 737-500 | 2018 | 1 | – | Kurzzeitig geleast |
| Boeing 737-300 | 2019 | 1 | – | Kurzzeitig von Blue Air geleast |
Fokker 100: das Markenzeichen
Die Fokker 100 ist der Typ, den die meisten mit Montenegro Airlines verbinden. Sie flog zwei Jahrzehnte für die Airline, und als die großen europäischen Betreiber den Typ längst abgegeben hatten, war die Montenegro-Fokker an Flughäfen wie Frankfurt oder Zürich ein gern fotografierter Gast. Erkennbar ist sie an den beiden Triebwerken am Heck und dem hoch angesetzten T-Leitwerk. Von der älteren F28 unterscheidet sie sich durch den längeren Rumpf und das modernere Cockpit; wie du ähnliche Hecktriebwerks-Jets auseinanderhältst, erklärt Regionaljets erkennen.
Embraer 195 und 190: die neue Generation
Mit der Embraer 195 kam 2008 ein moderner Jet mit Triebwerken unter den Flügeln in die Flotte. Mit 116 Sitzen bot sie etwas mehr Platz als die Fokker 100 und wurde zum wichtigsten Typ. Die kürzere E190 blieb ein Gastspiel. Beide Versionen unterscheidest du vor allem an der Rumpflänge und der Zahl der Fenster – wie das am sichersten gelingt, zeigt Embraer-E-Jets auseinanderhalten.
Ex-Montenegro-Jets auf der Wunschliste
Frühere Embraer 195 der Airline fliegen heute bei Air Montenegro weiter. Setz Kennzeichen oder Typen auf deine Wunschliste – Planetrack benachrichtigt dich, wenn eines davon in deiner Nähe anfliegt oder landet. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein.
Woran du Montenegro Airlines erkennst
Das sicherste Merkmal ist das Kennzeichen. Montenegro trat nach der Unabhängigkeit 2006 mit dem eigenen Präfix 4O- auf, ein Beispiel aus der Flotte ist die Fokker 100 4O-AOK. Fotos aus der Zeit davor zeigen jugoslawische Kennzeichen mit YU-, etwa die Fokker 100 YU-AOM. Ein und dasselbe Flugzeug kann in deinem Archiv also mit zwei verschiedenen Kennzeichen auftauchen. Wie Kennzeichen aufgebaut sind, erklärt Flugzeug-Kennzeichen verstehen.
Dazu kommt der Schriftzug „Montenegro Airlines“ am Rumpf. Das Logo der Airline entwarf laut serbischsprachiger Wikipedia der Architekt Đorđe Markuš aus Nikšić. Wichtig beim Sortieren: Die Embraer 195, die nach 2020 bei Air Montenegro weiterflogen, tragen inzwischen das Design der neuen Airline. Fotos mit Zwischenständen nach dem Wechsel kannst du mit dem Artikel Hybrid- und Mischlackierungen erkennen einordnen.
Spricht für Montenegro Airlines
- Fokker 100, F28 oder Embraer 195 mit 4O- oder YU-Kennzeichen
- Schriftzug „Montenegro Airlines“ am Rumpf
- Aufnahme aus Podgorica, Tivat, Belgrad, Frankfurt, Wien oder Zürich zwischen 1997 und 2020
- Flugnummer mit YM oder Code MGX in alten Trackerdaten
Spricht dagegen
- Schriftzug „Air Montenegro“ oder Code MNE – dann ist es die Nachfolgerin ab 2021
- YU-Kennzeichen mit JAT-Titeln – dann flog die Maschine für die jugoslawische Staatsairline
- Aufnahme nach dem 26. Dezember 2020 – dann fliegt Montenegro Airlines nicht mehr
Archiv sauber sortieren
Notiere bei alten Fotos immer Airline, Kennzeichen und Aufnahmedatum getrennt. So erkennst du später, ob eine Maschine noch als YU- oder schon als 4O- registriert war und ob sie für Montenegro Airlines oder Air Montenegro flog. Tipps zur Ablage findest du unter Flugzeugfotos archivieren.
Zwischenfälle
Zwei Vorfälle mit der Fokker 100 sind dokumentiert, beide am Heimatflughafen Podgorica. Am 25. Januar 2005 rutschte die YU-AOM bei einer nächtlichen Landung im Schnee von der Piste, das Bugfahrwerk brach ein, und die Maschine schlitterte rund 700 Meter weit. Vier Menschen wurden leicht verletzt. Am 7. Januar 2008 entdeckte die Crew der 4O-AOK nach der Landung ein Einschussloch im Leitwerk; vermutlich stammte es von Freudenschüssen zum orthodoxen Weihnachtsfest. Von den 20 Fluggästen wurde niemand verletzt.
Montenegro Airlines im regionalen Umfeld
Montenegro Airlines gehört zu einer ganzen Gruppe von Airlines aus dem früheren Jugoslawien. JAT Yugoslav Airlines ging 2013 in Air Serbia auf, Croatia Airlines fliegt bis heute, und die slowenische Adria Airways ging 2019 in Konkurs – nur ein gutes Jahr vor Montenegro Airlines. Ähnlich wie bei Malév, Estonian Air oder Alitalia zeigt sich auch hier, wie schwer es kleine staatliche Airlines haben, wenn Verluste über Jahre nur mit Steuergeld ausgeglichen werden. Einen Überblick über kleinere Gesellschaften liefert Regionalairlines in Europa.
Gute Chancen auf Montenegro-Material, wenn …
- du Fotoarchive aus Frankfurt, Düsseldorf, Wien, Zürich oder Belgrad aus den Jahren 2000 bis 2020 durchsuchst
- du Urlaubsfotos von Flughäfen an der montenegrinischen Küste hast
- du heute nach den früheren Embraer 195 bei Air Montenegro Ausschau hältst
Keine Chance, wenn …
- du Montenegro Airlines live am Zaun erwischen willst – der Flugbetrieb endete im Dezember 2020
Häufige Verwechslungen
- Montenegro Airlines und Air Montenegro gleichsetzen – die Nachfolgerin ist ein neues Unternehmen mit den Codes 4O und MNE.
- Den ICAO-Code MNE der alten Airline zuordnen – Montenegro Airlines flog als MGX.
- Fokker 100 und F28 verwechseln – die F28 flog nur bis 2000; die Fokker 100 ist länger und moderner.
- YU-Kennzeichen automatisch JAT zuschreiben – bis zur Unabhängigkeit 2006 trugen auch Montenegro-Flugzeuge YU-Kennzeichen.
- E195 und E190 nicht unterscheiden – beide flogen zeitweise gleichzeitig; Rumpflänge und Fensterzahl entscheiden.
Archivfunde mit der Community teilen
Poste deine Fotos von Montenegro-Fokkers und -Embraers mit Typ, Kennzeichen, Airline und Flughafen, tausch dich in der Community mit anderen Fans der Balkan-Luftfahrt aus und behalte deine Sammlung im Hangar im Blick. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Fazit
Montenegro Airlines war die Airline eines der kleinsten Länder Europas – und für Spotter eine der letzten Adressen für die Fokker 100 im Linienverkehr. Sie startete 1997 mit einer F28 nach Bari, überstand Sanktionen und die Trennung von Serbien und modernisierte sich ab 2008 mit Embraer 195. Geschönte Bilanzen, hohe Schulden und der Einbruch durch Corona beendeten diese Geschichte im Dezember 2020. Auf deinen Archivfotos erkennst du sie an YU- oder 4O-Kennzeichen, am Schriftzug „Montenegro Airlines“ und an der Mischung aus Fokker und Embraer.
Kurzfazit
Montenegro Airlines (IATA YM, ICAO MGX) war die historische Nationalairline Montenegros mit Basen in Podgorica und Tivat. Sie flog vor allem Fokker 100 und Embraer 195 und stellte den Betrieb am 26. Dezember 2020 ein; Nachfolgerin ist Air Montenegro.
Zusammenfassung
- Montenegro Airlines verband das kleine Land an der Adria ab 1997 mit Städten in West- und Mitteleuropa, mit Belgrad, Ljubljana und Moskau.
- Für Spotter in Deutschland, Österreich und der Schweiz war sie vor allem wegen der Fokker 100 interessant, die sie noch einsetzte, als viele große europäische Airlines den Typ bereits ausgemustert hatten.
- Die Airline blieb staatlich, schrieb über Jahre Verluste und häufte rund 100 Millionen Euro Schulden an; im Dezember 2020 ließ die Regierung den Betrieb einstellen.
- Auf Archivfotos erkennst du sie an YU- oder 4O-Kennzeichen, am Schriftzug „Montenegro Airlines“ und an der Mischung aus Fokker 100 und Embraer 195.
Häufige Fragen
Gibt es Montenegro Airlines heute noch?
Nein. Die Regierung Montenegros kündigte am 25. Dezember 2020 die Einstellung an, ab dem 26. Dezember 2020 flog Montenegro Airlines nicht mehr. Danach folgte die Liquidation. Die Rolle als Nationalairline übernahm 2021 die neu gegründete Air Montenegro.
Welchen IATA- und ICAO-Code hatte Montenegro Airlines?
Montenegro Airlines flog unter dem IATA-Code YM und dem ICAO-Code MGX. Im Funk meldeten sich die Crews mit dem Rufzeichen „MONTENEGRO“. Nicht verwechseln: Der ICAO-Code MNE gehört zur Nachfolgerin Air Montenegro, die unter dem IATA-Code 4O fliegt.
Welche Flugzeuge flog Montenegro Airlines?
Den Anfang machten zwei Fokker F28 Mk4000 (1996/1998 bis 2000). Ab 2000 folgte die Fokker 100, ab 2008 die Embraer 195. Zeitweise flogen außerdem eine Embraer 190 (2014–2017) sowie je eine geleaste Boeing 737-500 (2018) und 737-300 (2019). Zum Schluss bestand die Flotte aus drei Embraer 195 und einer Fokker 100.
War Montenegro Airlines in einer Allianz?
Nein. Montenegro Airlines gehörte keiner der großen Allianzen an. Sie arbeitete aber über Codeshares mit anderen Airlines zusammen, unter anderem mit Air Serbia, Etihad Airways und S7 Airlines. Das Vielfliegerprogramm hieß „Vision Team“.
Warum wurde Montenegro Airlines eingestellt?
Die Airline schrieb über viele Jahre Verluste. 2014 wurde bekannt, dass frühere Bilanzen geschönt waren, und die Staatshilfe von 2019 wurde von der Wettbewerbsbehörde beanstandet. Laut EX-YU Aviation News lagen die Schulden Ende 2020 bei rund 100 Millionen Euro. Mit dem Einbruch durch die Corona-Pandemie sah die Regierung keinen rechtlich sauberen Weg mehr, die Airline zu retten.
Was war der letzte Flug von Montenegro Airlines?
Nach Angaben von EX-YU Aviation News war der letzte reguläre Flug YM103 von Belgrad nach Podgorica am Abend des 25. Dezember 2020. Ab dem folgenden Tag ruhte der Betrieb vollständig.
Was ist Air Montenegro?
Air Montenegro ist die Nachfolgerin von Montenegro Airlines. Die Regierung gründete die Gesellschaft To Montenegro im Februar 2021, der erste Flug ging am 10. Juni 2021 nach Belgrad. Zum Start übernahm Air Montenegro zwei Embraer 195 der alten Airline. Rechtlich ist sie aber ein neues Unternehmen mit eigenen Codes.
Flog Montenegro Airlines nach Deutschland?
Ja. Zu den bekannten Zielen gehörten Frankfurt und Düsseldorf; die deutschsprachige Wikipedia nennt außerdem Hannover und Leipzig sowie München ab Tivat. Wie lange die einzelnen Strecken bestanden, ist nicht einheitlich belegt. Ende 2020 gehörte Deutschland zu den zehn Ländern im Streckennetz.
Montenegro Airlines im Blick behalten
Beobachte die Airline oder einzelne Kennzeichen und werde bei Anflug oder Landung benachrichtigt – und poste deine Sichtung mit Typ, Kennzeichen und Spot. Planetrack startet bald – trag dich in die Warteliste ein und sichere dir frühen Zugang.
Flugzeugtypen in der Flotte
Fokker 100
Zwei Tay-Triebwerke am Heck, ein hohes T-Leitwerk und ein Heckkonus, der sich bei der Landung aufklappt: Die Fokker 100 ist der größte Verkehrsjet, den Fokker je gebaut hat – und heute ein seltener Fang.
FlugzeugtypFokker F28 Fellowship
Der erste Jet aus Amsterdam: Die Fokker F28 Fellowship flog 1967 zum ersten Mal, brachte Hecktriebwerke und aufklappbaren Heckkonus in die Fokker-Familie und ist heute fast nur noch im Museum zu sehen.
FlugzeugtypEmbraer E195
Der größte E-Jet der ersten Generation: Die E195 streckt die E190 um rund 2,4 Meter und bringt typischerweise gut 100 bis 120 Passagiere in einer 2+2-Kabine in die Luft. In Europa ist sie vor allem im Lufthansa-Konzern zu Hause.
FlugzeugtypEmbraer E190
Der Regionaljet mit Mittelstrecken-Komfort: Die E190 bringt rund 100 Passagiere in einer 2+2-Kabine ohne Mittelsitz in die Luft – und wird gern mit ihrer Nachfolgerin E190-E2 verwechselt.
FlugzeugtypBoeing 737-300
Dicke Triebwerke mit platter Unterseite, ein gestreckter Rumpf und ein neues Cockpit: Mit der 737-300 machte Boeing die 737 Mitte der 1980er fit für eine zweite Karriere. Hier erfährst du, woher sie kommt, wer sie in Deutschland flog und wo du sie heute noch triffst.
FlugzeugtypBoeing 737-500
Klein, kompakt und mit den typischen platten Triebwerkseinlässen: Die 737-500 war die kürzeste 737 Classic und der moderne Ersatz für die 737-200. Hier liest du, wer sie flog, wo sie heute noch unterwegs ist und wie du sie von -300 und -600 trennst.
Weitere Airlines
Air Serbia
Serbiens Nationalairline aus Belgrad: Nachfolgerin von Aeroput und JAT, gemischte Flotte aus Airbus, ATR und Embraer, A330 auf der Langstrecke nach Nordamerika und ein Doppeladler am Leitwerk.
NetzwerkJAT Yugoslav Airlines
Historische Nationalairline Jugoslawiens aus Belgrad: 1947 gestartet, mit Caravelle, DC-9, Boeing 727, DC-10 und als erste europäische Airline mit der 737-300 groß geworden, durch Sanktionen in den 1990er-Jahren fast stillgelegt, ab 2003 Jat Airways und seit Oktober 2013 Air Serbia.
NetzwerkAdria Airways
Historische Nationalairline Sloweniens aus Ljubljana: 1961 im damaligen Jugoslawien gegründet, als Inex-Adria groß geworden im Ferienflug, ab 2004 in der Star Alliance und zuletzt mit CRJ, A319 und Saab 2000 unterwegs – bis zum Konkurs im Herbst 2019.
NetzwerkCroatia Airlines
Kroatiens nationale Airline aus Zagreb: Star-Alliance-Mitglied seit 2004, Partner von Lufthansa – und mitten im Umbau von A319 und Dash 8 auf eine Flotte aus Airbus A220.
NetzwerkEtihad Airways
Die Airline aus Abu Dhabi: Etihad fliegt mit 787, A350-1000 und einer kleinen A380-Flotte über das Drehkreuz Zayed International und ist in Frankfurt, München und Düsseldorf regelmäßig zu sehen.
NetzwerkEl Al
Israels Nationalairline aus Tel Aviv: reine Boeing-Flotte mit 787 Dreamliner, 777-200ER und 737, keine Allianz – und an europäischen Flughäfen mit besonders strengen Sicherheitsverfahren unterwegs.
Flughäfen & Hersteller dazu
Flughäfen, Hersteller, Airline-Gruppen und Allianzen – wer dahintersteht und was du als Spotter wissen solltest.
Flughafen Belgrad Nikola Tesla
Serbiens Tor zur Welt bei Surčin: Drehkreuz von Air Serbia mit A330, ATR und Embraer, Basis von Wizz Air, mit frisch sanierter Hauptbahn – und direkt am Gelände steht das Luftfahrtmuseum Belgrad mit über 200 Flugzeugen.
FlughafenFlughafen Ljubljana
Sloweniens Hauptstadtflughafen liegt in Brnik vor der Kulisse der Steiner Alpen. Seit 2014 gehört er zu Fraport, 2019 verlor er mit Adria Airways seine Heimat-Airline – und hat sich seither als Zielflughafen ausländischer Airlines neu aufgestellt.
FlughafenFlughafen Frankfurt
Deutschlands größter Flughafen und Heimatdrehkreuz der Lufthansa: vier Start- und Landebahnen, zwei Passagierterminals und ein Verkehrsmix vom Regionaljet bis zum Großraumfrachter.
FlughafenFlughafen Düsseldorf
Größter Flughafen Nordrhein-Westfalens und Heimat der Eurowings: zwei dicht nebeneinander liegende Bahnen im Norden der Stadt, drei Terminals unter einem Dach, strenge Kapazitätsregeln – und für Spotter eine Lage, die sich seit der Pandemie spürbar verändert hat.
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